Ratgeber · Versicherung
Unfallversicherung: Welche Höhe der Absicherung sinnvoll ist
Die Höhe deiner Unfallversicherung entscheidet, wie viel Geld du bei einer dauerhaften Beeinträchtigung bekommst. Entscheidend sind Versicherungssumme, Progression und die Bewertung deiner Verletzung über die Gliedertaxe.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die private Unfallversicherung zahlt nur bei dauerhaften Schäden durch einen Unfall, nicht bei Krankheiten.
- Die Invaliditätsleistung ergibt sich aus dem Invaliditätsgrad multipliziert mit der vereinbarten Versicherungssumme.
- Eine hohe Grundsumme mit Progression ist wichtiger als viele Zusatzbausteine wie Krankenhaustagegeld.
- Für die meisten Menschen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung der wichtigere Schutz, da sie auch bei Krankheit leistet.
01 · Grundlagen
Was bestimmt die Höhe der Auszahlung?
Die spätere Leistung deiner Unfallversicherung hängt von zwei Faktoren ab: dem festgestellten Invaliditätsgrad und der dafür vereinbarten Versicherungssumme. Beide Größen solltest du aktiv festlegen.
Der Invaliditätsgrad wird von einem Arzt festgestellt und in Prozent ausgedrückt. Er gibt an, wie stark deine körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigt ist.
Die Versicherung multipliziert diesen Prozentsatz mit deiner Versicherungssumme. Verlierst du bei einem Unfall ein Auge, gilt das in der Gliedertaxe als 50 Prozent Invalidität. Bei einer Versicherungssumme von 300.000 Euro erhältst du 150.000 Euro ausgezahlt.
Die Invalidität muss innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall ärztlich festgestellt und dem Versicherer gemeldet werden. Dauerhaft ist eine Beeinträchtigung, wenn sie voraussichtlich länger als drei Jahre besteht und keine Besserung zu erwarten ist.
Kurz erklärt
Invaliditätsleistung
Die Invaliditätsleistung ist der Geldbetrag, den du nach einem Unfall mit bleibenden Schäden erhältst. Sie berechnet sich aus dem Invaliditätsgrad, den ein Arzt feststellt, und der vereinbarten Versicherungssumme.
Ein Beispiel: Verlierst du ein Auge, gilt das in der Gliedertaxe als 50 Prozent Invalidität. Bei einer Versicherungssumme von 300.000 Euro bekommst du 150.000 Euro ausgezahlt.
02 · Kosten
Versicherungssumme und Grundsumme: Deine Basis für den Ernstfall
Die Grundsumme ist der Ausgangswert für alle Berechnungen. Sie sollte hoch genug sein, um finanzielle Folgen eines Unfalls wie Umbauten oder Einkommensausfälle aufzufangen.
Die Grundsumme ist der Ausgangswert für alle Berechnungen deiner Unfallversicherung. Sie sollte so gewählt sein, dass du von der Auszahlung nötige Umbauten, Therapien oder Einkommensausfälle bezahlen kannst. Als grobe Orientierung gelten Summen zwischen 100.000 und 500.000 Euro.
Für eine Basisabsicherung reichen oft 100.000 bis 250.000 Euro. Familien mit laufenden Verpflichtungen wie Krediten oder Miete sollten 250.000 bis 500.000 Euro einplanen. Selbstständige ohne gesetzliche Absicherung im Privatbereich können auch Summen über 500.000 Euro sinnvoll finden.
Eine zu niedrige Summe schützt dich im Ernstfall nicht ausreichend. Prüfe, ob deine gewählte Grundsumme zu deinem Einkommen, deinen laufenden Kosten und deiner familiären Situation passt.
Orientierung für die Wahl deiner Versicherungssumme
03 · Vergleich
So funktioniert die Gliedertaxe bei der Berechnung
Die Gliedertaxe legt fest, wie viel Prozent der Versicherungssumme du für den Verlust oder die Funktionsunfähigkeit eines Körperteils bekommst. Sie ist das Herzstück der Invaliditätsleistung.
Sie ist das zentrale Instrument für die Berechnung deiner Invaliditätsleistung. Je höher der Wert in der Gliedertaxe, desto mehr Geld erhältst du für denselben Schaden.
Ein Arm im Schultergelenk wird mit 70 Prozent bewertet, ein Bein bis zur Mitte des Oberschenkels mit 60 Prozent. Eine Hand im Handgelenk zählt 55 Prozent, ein Auge 50 Prozent und das Gehör auf einem Ohr 30 Prozent. Bei teilweisem Verlust oder teilweiser Funktionsunfähigkeit werden diese Werte entsprechend gekürzt.
Für bestimmte Berufsgruppen wie Chirurgen oder Musiker gibt es Tarife mit eigenen Gliedertaxen. Dort können einzelne Körperteile wie Hände oder Finger deutlich höher bewertet sein, weil sie für den Beruf unverzichtbar sind.
| Körperteil | Invaliditätsgrad | |
|---|---|---|
| Arm im Schultergelenk | Arm im Schultergelenk | 70 Prozent |
| Bein bis Mitte Oberschenkel | Bein bis Mitte Oberschenkel | 60 Prozent |
| Hand im Handgelenk | Hand im Handgelenk | 55 Prozent |
| Auge | Auge | 50 Prozent |
| Gehör auf einem Ohr | Gehör auf einem Ohr | 30 Prozent |
04 · Im Vertrag
Progression: Wie du die Auszahlung bei schweren Unfällen erhöhst
Mit einer Progression steigt die Auszahlung bei hohen Invaliditätsgraden überproportional an. Das ist sinnvoll, weil schwere Unfälle oft die größten finanziellen Folgen haben.
Die Progression wird als Prozentwert angegeben und bezieht sich auf die Grundsumme bei Vollinvalidität.
Bei einer Progression von 225 Prozent erhältst du bei 100 Prozent Invalidität das 2,25-fache der Grundsumme. Die Leistung wird ab einem Invaliditätsgrad von 25 Prozent erhöht. Eine Progression von 350 Prozent bringt das 3,5-fache, eine hohe Progression von 500 Prozent das Fünffache der Grundsumme.
Die Progression ist besonders für schwere Unfälle mit dauerhaften Beeinträchtigungen wichtig. Sie kostet zwar zusätzlichen Beitrag, erhöht aber die Auszahlung genau dann, wenn du sie am dringendsten brauchst.
Die wichtigsten Progressionsstufen
05 · Was gilt
Private Unfallversicherung im Vergleich zur gesetzlichen Absicherung
Die gesetzliche Unfallversicherung schützt dich nur bei Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und in der Schule oder Uni. Die private Unfallversicherung gilt weltweit und rund um die Uhr.
Sie ist eine Pflichtversicherung, die dein Arbeitgeber über die Berufsgenossenschaft abschließt und bezahlt. In deiner Freizeit, im Haushalt, beim Sport oder im Urlaub bist du gesetzlich nicht abgesichert.
Die private Unfallversicherung gilt weltweit und rund um die Uhr. Sie zahlt bei Unfällen in der Freizeit, im Haushalt, im Urlaub und beim Sport. Auch Arbeitsunfälle sind abgedeckt, obwohl dort bereits die gesetzliche Unfallversicherung leistet.
Für Studierende besteht in der Universität und auf dem Weg dorthin gesetzlicher Schutz. Sobald du aber in deiner Freizeit einen Unfall hast, hilft dir nur eine private Unfallversicherung.
Private Unfallversicherung zahlt
Gesetzliche Unfallversicherung zahlt
06 · Vergleich
Unfallrente oder Einmalzahlung: Was passt zu dir?
Neben der einmaligen Invaliditätsleistung kannst du eine monatliche Unfallrente vereinbaren. Diese Option ist jedoch teuer und oft an hohe Invaliditätsgrade gekoppelt.
Häufig bekommst du die Rente erst ab einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent.
Die Einmalzahlung eignet sich für einmalige Kosten wie Umbauten, Entschuldung oder Therapien. Die Unfallrente ist für dauerhaften Einkommensersatz gedacht, leistet aber nur nach Unfällen. Für laufende Einkommensausfälle ist die Berufsunfähigkeitsversicherung meist die bessere Wahl, da sie auch bei Krankheit leistet.
Die Unfallrente ist sehr teuer und leistet erst bei sehr hohen Invaliditätsgraden. Überlege genau, ob du diesen Zusatz brauchst oder ob eine höhere Einmalzahlung sinnvoller ist.
| Einmalzahlung | Unfallrente | |
|---|---|---|
| Auszahlung | Einmaliger Geldbetrag nach Feststellung der Invalidität | Monatliche Zahlung, oft lebenslang |
| Voraussetzung | Ab einem Invaliditätsgrad von meist 1 Prozent | Häufig erst ab 50 Prozent Invalidität |
| Kosten | Geringere Beiträge | Sehr hohe Beiträge |
| Eignung | Für einmalige Kosten wie Umbauten oder Entschuldung | Für dauerhaften Einkommensersatz |
07 · Checkliste
Zusatzbausteine: Krankenhaustagegeld und Todesfallleistung
Viele Tarife bieten optionale Bausteine an. Nicht alle sind sinnvoll, denn einige Risiken deckst du mit anderen Versicherungen besser und günstiger ab.
Prüfe jeden Zusatz kritisch, bevor du ihn einschließt.
- Krankenhaustagegeld zahlt einen festen Betrag pro Tag im Krankenhaus nach einem Unfall. Eine Krankentagegeldversicherung ist umfassender, weil sie auch bei Krankheit leistet.
- Todesfallleistung zahlt bei Unfalltod. Für die Absicherung von Angehörigen ist eine Risikolebensversicherung besser geeignet, da sie bei jeder Todesursache leistet.
- Such-, Rettungs- und Bergungskosten sind ein sinnvoller Baustein. Sie sollten mit mindestens 10.000 Euro versichert sein.
- Kosmetische Operationen nach einem Unfall sind ebenfalls ein sinnvoller Zusatz, da die gesetzliche Krankenkasse solche Eingriffe oft nicht übernimmt.
Diese Zusatzleistungen solltest du prüfen
Krankenhaustagegeld: Zahlt einen festen Betrag pro Tag im Krankenhaus nach einem Unfall. Eine Krankentagegeldversicherung ist umfassender.
Todesfallleistung: Zahlt bei Unfalltod. Eine Risikolebensversicherung ist für die Absicherung von Angehörigen besser geeignet.
Such-, Rettungs- und Bergungskosten: Sinnvoller Baustein, sollte mit mindestens 10.000 Euro versichert sein.
Kosmetische Operationen: Übernimmt Kosten für Operationen nach einem Unfall. Ebenfalls ein sinnvoller Zusatz.
08 · Kosten
Beitragshöhe: Was beeinflusst den Preis deiner Police?
Die Beiträge für eine Unfallversicherung hängen von deinem Beruf, deinem Alter und der gewählten Versicherungssumme ab. Auch die Progression und Zusatzbausteine wirken sich aus.
Die Versicherer teilen Berufe in Gefahrengruppen ein.
In der Gefahrengruppe A sind Personen mit kaufmännischer oder verwaltender Tätigkeit erfasst. Sie zahlen niedrige Beiträge. In der Gefahrengruppe B sind körperliche oder handwerkliche Arbeiten zusammengefasst. Diese führen zu höheren Beiträgen, weil das Unfallrisiko größer ist.
Vergleiche nicht nur den Preis, sondern auch die Gliedertaxe und die Bedingungen für die Invaliditätsfeststellung. Ein günstiger Tarif mit schlechter Gliedertaxe zahlt im Ernstfall deutlich weniger.
Faktoren, die deine Beitragshöhe bestimmen
09 · Vergleich
Unfallversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung: Was ist wichtiger?
Die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst. Das schließt Krankheiten ein, die weitaus häufiger sind als Unfälle.
In mehr als 90 Prozent aller Fälle werden Menschen durch eine Krankheit berufsunfähig, nicht nach einem Unfall.
Die Unfallversicherung zahlt nur nach einem Unfall mit dauerhaftem Schaden. Die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet bei Krankheit oder Unfall, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst. Sie zahlt eine monatliche Rente ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf.
Für die meisten Menschen ist die Berufsunfähigkeitsversicherung wichtiger als die Unfallversicherung. Prüfe zuerst, ob du eine BU bekommst. Die Unfallversicherung ist vor allem für Selbstständige, Rentner oder Menschen mit gefährlichen Hobbys sinnvoll.
| Unfallversicherung | Berufsunfähigkeitsversicherung | |
|---|---|---|
| Leistungsauslöser | Nur nach einem Unfall mit dauerhaftem Schaden | Bei Krankheit oder Unfall, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst |
| Leistungsart | Einmalzahlung oder Rente nach Invaliditätsgrad | Monatliche Rente ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf |
| Häufigkeit der Ursache | Unfälle machen weniger als 10 Prozent der Fälle von Berufsunfähigkeit aus | Krankheiten wie Rückenleiden oder Psyche sind die Hauptursachen |
| Priorität | Sinnvoll für Selbstständige, Rentner oder Menschen mit gefährlichen Hobbys | Für die meisten Arbeitnehmer die wichtigere Absicherung |
10 · Fehler vermeiden
Häufige Fehler bei der Wahl der Versicherungssumme
Viele Menschen unterschätzen die finanziellen Folgen eines Unfalls oder verlassen sich auf unpassende Zusatzbausteine. Das kann im Ernstfall zu einer Versorgungslücke führen.
Achte deshalb auf die folgenden Punkte.
- Zu niedrige Grundsumme: Eine Summe unter 100.000 Euro reicht selten aus, um dauerhafte Folgen abzufedern.
- Auf Zusatzbausteine statt auf die Grundsumme setzen: Krankenhaustagegeld bringt wenig, wenn die Invaliditätsleistung zu gering ist.
- Progression weglassen: Ohne Progression fehlt dir bei schweren Unfällen der finanzielle Puffer.
- Unfallrente statt BU wählen: Die Unfallrente ist teuer und leistet erst bei sehr hohen Invaliditätsgraden.
- Gliedertaxe ignorieren: Ein günstiger Tarif mit schlechter Gliedertaxe zahlt im Ernstfall deutlich weniger.
Diese Fehler solltest du vermeiden
11 · Schritt für Schritt
Invaliditätsgrad: So wird deine Beeinträchtigung bewertet
Der Invaliditätsgrad bestimmt, wie viel Prozent der Versicherungssumme du erhältst. Er wird von einem Arzt festgestellt und muss innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall gemeldet werden.
Dauerhaft ist eine Beeinträchtigung, wenn sie voraussichtlich länger als drei Jahre besteht und keine Besserung zu erwarten ist.
Nach dem Unfall beginnt die medizinische Behandlung. Die Versicherung prüft, ob ein Unfall im Sinne der Bedingungen vorliegt. Ein Arzt stellt fest, ob dauerhafte Schäden vorliegen, und ordnet sie anhand der Gliedertaxe einem Invaliditätsgrad zu. Bei mehreren Schäden werden die Werte addiert.
Die Versicherung multipliziert den Invaliditätsgrad mit der Versicherungssumme. Bei einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent und einer Summe von 300.000 Euro erhältst du 150.000 Euro ausgezahlt.
Unfall und Heilbehandlung
Nach dem Unfall beginnt die medizinische Behandlung. Die Versicherung prüft, ob ein Unfall im Sinne der Bedingungen vorliegt.
Feststellung der Invalidität
Ein Arzt stellt fest, ob dauerhafte Schäden vorliegen. Dauerhaft bedeutet, dass die Beeinträchtigung voraussichtlich länger als drei Jahre besteht.
Berechnung des Invaliditätsgrads
Der Arzt ordnet die Schäden anhand der Gliedertaxe einem Invaliditätsgrad zu. Bei mehreren Schäden werden die Werte addiert.
Auszahlung der Leistung
Die Versicherung multipliziert den Invaliditätsgrad mit der Versicherungssumme und zahlt den Betrag aus. Bei Progression erhöht sich die Summe.
Häufige Fragen
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