Ratgeber · Versicherung
Ausschlüsse in der Risikolebensversicherung: Wann deine Familie kein Geld bekommt
Eine Risikolebensversicherung zahlt im Todesfall die vereinbarte Summe an deine Hinterbliebenen. Es gibt jedoch gesetzliche und vertragliche Ausschlüsse, bei denen die Leistung verweigert werden kann.
11 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Bei Selbsttötung in den ersten drei Vertragsjahren ist der Versicherer von der Leistungspflicht befreit.
- Verschweigst du beim Abschluss eine schwere Krankheit, kann die Auszahlung im Todesfall verweigert werden.
- Nach Ablauf der Vertragslaufzeit besteht kein Versicherungsschutz mehr und es wird kein Geld ausgezahlt.
- Extremsportarten wie Fallschirmspringen oder Motorradrennen können per Klausel ausgeschlossen sein.
01 · Grundlagen
Was ist eine Risikolebensversicherung?
Die Risikolebensversicherung ist eine reine Todesfallabsicherung. Sie dient nicht dem Vermögensaufbau, sondern sichert deine Angehörigen finanziell ab, wenn du während der Vertragslaufzeit stirbst.
Bei einer Risikolebensversicherung ist ausschließlich das Todesfallrisiko versichert. Die vereinbarte Versicherungssumme wird nur ausgezahlt, wenn die versicherte Person während der Vertragslaufzeit stirbt. Erlebst du das Vertragsende, bekommst du kein Geld zurück.
Anders als bei einer Kapitallebensversicherung sparst du kein Kapital an. Deshalb ist der Beitrag relativ gering, denn der Versicherer muss nur dann leisten, wenn der Todesfall tatsächlich eintritt. Die Versicherung dient allein der Absicherung deiner Hinterbliebenen.
Eine Risikolebensversicherung hat keinen Rückkaufswert. Kündigst du den Vertrag, werden die bisher geleisteten Beiträge nicht erstattet.
Kurz erklärt
Risikolebensversicherung
Eine Versicherung, bei der ausschließlich das Todesfallrisiko versichert ist. Die vereinbarte Versicherungssumme wird nur ausgezahlt, wenn die versicherte Person während der Vertragslaufzeit stirbt.
Im Gegensatz zur Kapitallebensversicherung wird kein Kapital angespart und es gibt keinen Rückkaufswert.
02 · Was gilt
Wann zahlt die Risikolebensversicherung nicht?
Nicht jeder Todesfall führt automatisch zur Auszahlung. Einige Ausschlüsse sind gesetzlich geregelt, andere hängen von deinem Vertrag und deinen Angaben beim Abschluss ab.
Die Versicherung zahlt bei einem Todesfall durch Unfall oder Krankheit während der Vertragslaufzeit, sofern du beim Abschluss alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantwortet hast. Auch ein unerwarteter Tod kurz nach Vertragsbeginn ist in der Regel abgedeckt.
Keine Leistung gibt es, wenn du eine tödliche Krankheit beim Abschluss verschwiegen hast. Stellt sich das später heraus, kann der Versicherer die Auszahlung verweigern. Ebenso zahlt die Versicherung nicht, wenn der Vertrag bereits abgelaufen ist.
- Selbsttötung innerhalb der ersten drei Jahre nach Vertragsabschluss führt nicht zur Auszahlung.
- Tod durch ausgeschlossene Extremsportarten wie Paragliding oder Fallschirmspringen kann die Leistung ausschließen.
- Tod in Folge einer Straftat wird zunächst geprüft, ob die Versicherungssumme das Motiv war.
Versicherung zahlt
Versicherung zahlt nicht
03 · Im Vertrag
Selbsttötung: Die gesetzliche Wartezeit von drei Jahren
Das Versicherungsvertragsgesetz schützt Versicherer vor Missbrauch. Für die Risikolebensversicherung bedeutet das eine klare Frist bei Selbsttötung.
Das Versicherungsvertragsgesetz sieht eine klare Frist vor: Tötet sich der Versicherungsnehmer innerhalb der ersten drei Jahre nach Vertragsabschluss selbst, leistet die Risikolebensversicherung nicht. Damit soll verhindert werden, dass jemand in finanzieller Not noch schnell eine Lebensversicherung abschließt.
Nach Ablauf der drei Jahre greift der Schutz auch bei Selbsttötung. Die Frist beginnt mit dem Vertragsabschluss, nicht mit einer späteren Vertragsänderung.
Die Dreijahresfrist gilt gesetzlich und kann nicht durch Vertragsbedingungen verkürzt werden. Versicherer dürfen die Frist jedoch verlängern, wenn sie das ausdrücklich vereinbaren.
Wichtige Klauseln und gesetzliche Regelungen
04 · Fehler vermeiden
Vorvertragliche Anzeigepflicht: Krankheiten ehrlich angeben
Deine Gesundheitsangaben beim Abschluss sind entscheidend. Wer eine schwere Krankheit verschweigt, riskiert den Versicherungsschutz für die Hinterbliebenen.
Beim Abschluss musst du alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten. Weißt du, dass du eine tödliche Krankheit hast, und gibst das nicht an, zahlt die Versicherung im Todesfall nicht. Das gilt auch dann, wenn die Krankheit nicht die Todesursache war.
Die Versicherer prüfen im Leistungsfall die Angaben aus dem Antrag. Stellt sich heraus, dass du eine schwere Vorerkrankung verschwiegen hast, können sie vom Vertrag zurücktreten oder die Leistung verweigern.
- Gib alle bekannten Krankheiten und Behandlungen an, auch wenn sie dir harmlos erscheinen.
- Beantworte die Gesundheitsfragen schriftlich und vollständig, nicht nur mündlich gegenüber dem Vermittler.
- Lass dir bei Unsicherheiten ärztliche Unterlagen besorgen, bevor du den Antrag unterschreibst.
Fehler, die deinen Versicherungsschutz gefährden
05 · Kosten
Versicherungssumme: So viel brauchen deine Hinterbliebenen
Die Höhe der Versicherungssumme hängt von deiner Einkommens- und Vermögenslage ab. Als Orientierung dienen Richtwerte, die sich an deiner familiären Situation ausrichten.
Die Höhe der Versicherungssumme hängt von deinem Einkommen und deiner familiären Situation ab. Als Orientierung dienen Richtwerte auf Basis deines Jahresnettoeinkommens. Die Summe wird im Todesfall auf einen Schlag ausgezahlt und soll laufende Kosten wie Miete, Kredite oder die Ausbildung der Kinder decken.
Für Familien mit kleinen Kindern empfehlen Verbraucherschützer mindestens das Vierfache des Jahresnettoeinkommens. Bei älteren Kindern reicht oft das Dreifache, bei kinderlosen Paaren das Einfache.
- Familie mit kleinen Kindern: mindestens vierfaches Jahresnettoeinkommen.
- Familie mit älteren Kindern: mindestens dreifaches Jahresnettoeinkommen.
- Kinderlose Paare: mindestens einfaches Jahresnettoeinkommen.
Empfohlene Mindestversicherungssumme nach Familiensituation
06 · Checkliste
Vertragslaufzeit: So lange sollte der Schutz bestehen
Die Laufzeit deiner Risikolebensversicherung sollte sich an deinen finanziellen Verpflichtungen orientieren. Endet der Vertrag zu früh, entsteht eine Versorgungslücke.
Wähle die Laufzeit so, dass sie endet, wenn deine Kinder finanziell selbstständig sind.
Bei einer Immobilienfinanzierung sollte die Versicherung mindestens so lange laufen wie der Kredit. Berücksichtige auch, wann andere Rentenansprüche greifen, zum Beispiel die gesetzliche Altersrente deines Partners.
- Orientiere dich am Alter deines jüngsten Kindes: Meist ist es mit etwa 20 bis 25 Jahren finanziell selbstständig.
- Kopple die Laufzeit an die Dauer deiner Immobilienfinanzierung.
- Bei einer Darlehensabsicherung sollte die Versicherungssumme mit jeder Tilgung fallen und der Darlehenssumme entsprechen.
Kriterien für die passende Vertragslaufzeit
Wähle die Laufzeit so, dass sie endet, wenn deine Kinder finanziell selbstständig sind (meist wenn das jüngste Kind etwa 20 bis 25 Jahre alt ist).
Orientiere dich an der Dauer deiner Immobilienfinanzierung. Die Versicherung sollte mindestens so lange laufen wie der Kredit.
Berücksichtige, wann andere Rentenansprüche greifen, zum Beispiel die gesetzliche Altersrente deines Partners.
Bei einer Risikolebensversicherung zur Darlehensabsicherung sollte die Versicherungssumme mit jeder Tilgung fallen und der Darlehenssumme entsprechen.
07 · Vergleich
Kündigung und Rückkaufswert: Was passiert mit deinen Beiträgen?
Anders als bei einer Kapitallebensversicherung gibt es bei der Risikolebensversicherung keinen Rückkaufswert. Eine Kündigung hat finanzielle Folgen.
Kündigst du den Vertrag, werden die bisher geleisteten Beiträge nicht erstattet. Der Versicherungsschutz endet mit der Kündigung sofort.
Die Risikolebensversicherung dient ausschließlich der Todesfallabsicherung. Es wird kein Kapital angespart, das du dir nach Ablauf auszahlen lassen könntest. Deshalb ist der Beitrag relativ gering im Vergleich zur Kapitallebensversicherung.
Eine Kündigung ist nur sinnvoll, wenn du den Schutz nicht mehr brauchst. Überlege vorher, ob deine Hinterbliebenen im Todesfall finanziell abgesichert wären.
| Risikolebensversicherung | Kapitallebensversicherung | |
|---|---|---|
| Versicherungszweck | Reine Todesfallabsicherung | Todesfallschutz plus Vermögensaufbau |
| Auszahlung bei Ablauf | Keine Auszahlung, da kein Kapital angespart wird | Auszahlung des angesparten Kapitals |
| Rückkaufswert bei Kündigung | Kein Rückkaufswert, Beiträge werden nicht erstattet | Rückkaufswert vorhanden, Auszahlung möglich |
| Beitragshöhe | Relativ gering, da nur das Todesfallrisiko versichert ist | Höher, da ein Teil in den Vermögensaufbau fließt |
08 · Hintergrund
Vorgezogene Todesfallleistung: Auszahlung schon zu Lebzeiten
Einige Tarife bieten eine vorgezogene Todesfallleistung an. Damit kannst du einen Teil der Versicherungssumme bereits erhalten, wenn du schwer erkrankst.
Diese Leistung ist nicht in jedem Vertrag enthalten.
Prüfe beim Abschluss, ob dein Tarif eine solche Klausel vorsieht und unter welchen Bedingungen sie greift. Wird ein Teil der Versicherungssumme vorgezogen ausgezahlt, reduziert sich die Todesfallleistung für deine Hinterbliebenen entsprechend.
Die vorgezogene Todesfallleistung ist eine optionale Zusatzleistung, kein gesetzlicher Bestandteil. Sie kann sinnvoll sein, wenn du im Krankheitsfall finanzielle Engpässe überbrücken musst.
Die vorgezogene Todesfallleistung ist eine optionale Zusatzleistung in manchen Risikolebensversicherungen. Sie ermöglicht es dir, bei einer schweren Erkrankung wie Krebs oder einem Herzinfarkt einen Teil der vereinbarten Versicherungssumme vorzeitig zu erhalten.
Diese Leistung ist nicht in jedem Tarif enthalten. Prüfe beim Abschluss, ob dein Vertrag eine solche Klausel vorsieht und unter welchen Bedingungen sie greift.
Beachte: Wird ein Teil der Versicherungssumme vorgezogen ausgezahlt, reduziert sich die Todesfallleistung für deine Hinterbliebenen entsprechend.
09 · Schritt für Schritt
Versicherungsnehmer und bezugsberechtigte Person: Wer bekommt das Geld?
Du bestimmst, wer im Todesfall die Versicherungssumme erhält. Die Auszahlung erfolgt direkt an die bezugsberechtigte Person, ohne dass ein Erbschein erforderlich ist.
Beim Abschluss legst du fest, wer die Versicherungssumme im Todesfall erhalten soll. Das können deine Kinder, dein Lebenspartner oder andere Personen sein. Du kannst auch mehrere Personen angeben und die Anteile frei verteilen.
Die Auszahlung erfolgt direkt an die bezugsberechtigte Person. Ein Erbschein ist nicht erforderlich, was die Auszahlung für deine Hinterbliebenen deutlich beschleunigt. Das Geld steht den Empfängern zur freien Verfügung.
- Lege die bezugsberechtigte Person schriftlich im Vertrag fest.
- Melde den Todesfall mit Sterbeurkunde und Versicherungsschein dem Versicherer.
- Der Versicherer zahlt die vereinbarte Summe direkt an die Bezugsberechtigten aus.
Bezugsberechtigte Person festlegen
Beim Abschluss legst du fest, wer die Versicherungssumme im Todesfall erhalten soll. Das können deine Kinder, dein Lebenspartner oder andere Personen sein. Du kannst auch mehrere Personen angeben.
Todesfall melden
Stirbt die versicherte Person, melden die Hinterbliebenen den Todesfall dem Versicherer. Dafür reichen in der Regel die Sterbeurkunde und der Versicherungsschein.
Auszahlung an die Bezugsberechtigten
Der Versicherer prüft den Leistungsfall und zahlt die vereinbarte Summe direkt an die bezugsberechtigte Person aus. Ein Erbschein ist nicht nötig, da die Auszahlung nicht über den Nachlass läuft.
10 · Hintergrund
Erbschaftssteuer: Was auf deine Hinterbliebenen zukommt
Die Auszahlung aus einer Risikolebensversicherung kann erbschaftssteuerliche Folgen haben. Entscheidend ist, wer als bezugsberechtigte Person eingetragen ist.
Entscheidend ist, wer als bezugsberechtigte Person eingetragen ist. Ist der Versicherungsnehmer selbst bezugsberechtigt, fällt die Summe in den Nachlass und unterliegt der Erbschaftssteuer.
Hast du eine andere Person als Bezugsberechtigten eingetragen, erhält diese die Summe direkt vom Versicherer. Auch hier kann Erbschaftssteuer anfallen, je nach Verwandtschaftsgrad und Höhe der Auszahlung. Die Freibeträge hängen vom Verwandtschaftsverhältnis ab.
Ehepartner und Kinder haben höhere Freibeträge als entfernte Verwandte oder Nichtverwandte. Prüfe vor dem Abschluss, ob die Auszahlung steuerliche Folgen für deine Hinterbliebenen haben könnte.
Die Versicherungssumme aus einer Risikolebensversicherung fällt in der Regel in den Nachlass, wenn der Versicherungsnehmer selbst die bezugsberechtigte Person ist. In diesem Fall unterliegt die Auszahlung der Erbschaftssteuer.
Hast du eine andere Person als Bezugsberechtigten eingetragen, erhält diese die Summe direkt vom Versicherer. Auch hier kann Erbschaftssteuer anfallen, je nach Verwandtschaftsgrad und Höhe der Auszahlung.
Die Freibeträge bei der Erbschaftssteuer hängen vom Verwandtschaftsverhältnis ab. Ehepartner und Kinder haben höhere Freibeträge als entfernte Verwandte oder Nichtverwandte.
11 · Checkliste
Todesfallrisiko und Beitragshöhe: Was den Preis bestimmt
Der Beitrag für deine Risikolebensversicherung hängt von deinem individuellen Todesfallrisiko ab. Je höher das Risiko, desto teurer wird der Vertrag.
Die wichtigsten Faktoren sind Alter, Gesundheitszustand, Raucherstatus, Beruf und riskante Hobbys.
Raucher zahlen deutlich höhere Beiträge als Nichtraucher. Auch Vorerkrankungen oder ein hoher BMI können zu Risikozuschlägen führen. Betreibst du Extremsportarten, kann der Versicherer Zuschläge verlangen oder Ausschlüsse vereinbaren.
- Alter beim Vertragsabschluss: Je älter du bist, desto höher ist das Todesfallrisiko und damit der Beitrag.
- Gesundheitszustand: Vorerkrankungen oder ein hoher BMI können zu Risikozuschlägen führen.
- Raucherstatus: Raucher zahlen deutlich höhere Beiträge als Nichtraucher.
- Beruf: Tätigkeiten mit erhöhtem Unfallrisiko können den Beitrag erhöhen.
- Extremsportarten: Riskante Hobbys können Zuschläge oder Ausschlüsse zur Folge haben.
Faktoren, die dein Todesfallrisiko und den Beitrag beeinflussen
Alter beim Vertragsabschluss: Je älter du bist, desto höher ist das Todesfallrisiko und damit der Beitrag.
Gesundheitszustand: Vorerkrankungen oder ein hoher BMI können zu Risikozuschlägen führen.
Raucherstatus: Raucher zahlen deutlich höhere Beiträge als Nichtraucher.
Beruf: Tätigkeiten mit erhöhtem Unfallrisiko können den Beitrag erhöhen.
Extremsportarten: Betreibst du riskante Hobbys, kann der Versicherer Zuschläge verlangen oder Ausschlüsse vereinbaren.
Häufige Fragen
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