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Ratgeber · Versicherung

Pflegezusatzversicherung: Erfahrungen mit Kosten, Nutzen und Fallstricken

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Pflegekosten. Ob eine private Pflegezusatzversicherung die Lücke schließt, hängt von deiner Lebenssituation und den Vertragsbedingungen ab.

10 Kapitel · 16 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur festgelegte Beträge, die oft nicht die tatsächlichen Kosten decken.
  • Der durchschnittliche Eigenanteil im Pflegeheim liegt bei über 3.000 Euro pro Monat.
  • Pflegetagegeldversicherungen sind die häufigste Form der privaten Zusatzabsicherung.
  • Staatlich geförderte Verträge wie der Pflege-Bahr bieten oft schlechtere Leistungen.

01 · Was gilt

Was leistet die gesetzliche Pflegeversicherung?

Die gesetzliche Pflegeversicherung ist eine Pflichtversicherung, die einen Teil der Kosten bei Pflegebedürftigkeit übernimmt. Die Höhe der Leistung richtet sich nach dem Pflegegrad und der Art der Pflege.

Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt festgelegte Monatsbeträge, die sich nach deinem Pflegegrad und der Art der Versorgung richten. Entscheidend für die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade ist, wie stark deine Selbstständigkeit und deine Fähigkeiten eingeschränkt sind. Je höher der Pflegegrad, desto mehr Unterstützung ist notwendig und desto mehr zahlt die Kasse.

Bei Pflege durch Angehörige zu Hause erhältst du in Pflegegrad 2 monatlich 347 Euro, in Pflegegrad 5 sind es 990 Euro. Bei professioneller Pflege zu Hause liegen die Sätze deutlich höher, nämlich zwischen 796 Euro in Pflegegrad 2 und 2.299 Euro in Pflegegrad 5. In vollstationärer Pflege zahlt die Kasse zwischen 805 Euro und 2.096 Euro pro Monat.

Für Angebote zur Unterstützung im Alltag steht dir in allen Pflegegraden zusätzlich ein einheitlicher Entlastungsbetrag von maximal 131 Euro pro Monat zur Verfügung. Im Pflegegrad 1 zahlen die Pflegekassen in allen Versorgungsformen 0 Euro, da hier nur ein geringer Unterstützungsbedarf anerkannt wird. Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Heim übernimmt die Pflegeversicherung grundsätzlich nicht.

Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung decken meist nur einen Teil der tatsächlichen Kosten. Liegen deine Pflegekosten darüber, musst du die Differenz aus eigener Tasche zahlen. Das Sozialamt hilft erst, wenn deine Rente nicht ausreicht und dein Vermögen aufgebraucht ist.

Da zahlt sie

·Pflegegrad 2 bei Pflege durch Angehörige: 347 Euro
·Pflegegrad 3 bei professioneller Pflege zu Hause: 1.497 Euro
·Pflegegrad 4 bei vollstationärer Pflege: 1.855 Euro
·Pflegegrad 5 bei vollstationärer Pflege: 2.096 Euro
·Entlastungsbetrag für alle Pflegegrade: maximal 131 Euro

Da zahlt sie nicht

·Pflegegrad 1 bei Pflege durch Angehörige: 0 Euro
·Pflegegrad 1 bei professioneller Pflege zu Hause: 0 Euro
·Pflegegrad 1 bei vollstationärer Pflege: 0 Euro
·Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Pflegeheim
·Investitionskosten der Pflegeeinrichtung

02 · Kosten

Wie hoch ist die Versorgungs­lücke im Pflegefall?

Die Differenz zwischen den Leistungen der Pflegekasse und den tatsächlichen Kosten musst du selbst tragen. Diese Lücke ist im Pflegeheim besonders hoch und liegt dort für alle Pflegegrade ab Stufe 2 auf ähnlichem Niveau.

Die Lücke zwischen den Leistungen der Pflegekasse und den tatsächlichen Kosten ist im Pflegeheim besonders hoch. Dort gibt es bei den Kosten keinen Unterschied mehr zwischen den Pflegegraden 2 bis 5, weil die Heime einen einheitlichen Betrag für jeden Bewohner berechnen. Der durchschnittliche Eigenanteil liegt in der vollstationären Pflege bei etwa 1.500 Euro pro Monat, ohne Kosten für Wohnen und Verpflegung.

Der Verband der Ersatzkassen beziffert den durchschnittlichen Eigenanteil im Pflegeheim auf 3.542 Euro pro Monat ohne Zuschüsse nach Aufenthaltsdauer. Im ersten Jahr liegt er mit 3.245 Euro etwas niedriger, weil dann noch Zuschüsse der Pflegekasse greifen. Diese Beträge solltest du als realistische Orientierung für deine Planung nehmen.

Bei ambulanter Pflege steigt die Versorgungslücke mit dem Pflegegrad deutlich an. In Pflegegrad 1 liegt sie bei etwa 150 Euro pro Monat, in Pflegegrad 2 bei 600 Euro und in Pflegegrad 3 bei 1.300 Euro. In den Pflegegraden 4 und 5 werden ambulant versorgte Pflegebedürftige seltener, die Lücke beträgt dort schätzungsweise 2.600 Euro pro Monat.

Beachte, dass diese Kosten in den kommenden Jahren steigen können. Die Eigenanteile in Pflegeheimen haben sich in der Vergangenheit kontinuierlich erhöht, weil die Personalkosten steigen und die Pflegekassen nur einen festen Zuschuss zahlen. Deine private Vorsorge sollte deshalb einen Puffer enthalten.

Durchschnittlicher Eigenanteil pro Monat nach Pflegesituation

Ambulant, Pflegegrad 1150 EUR
Ambulant, Pflegegrad 2600 EUR
Ambulant, Pflegegrad 31.300 EUR
Ambulant, Pflegegrad 42.600 EUR
Ambulant, Pflegegrad 52.600 EUR
Stationär, Pflegegrad 11.500 EUR
Stationär, Pflegegrad 2 bis 51.500 EUR

03 · Vergleich

Welche Arten der Pflegezusatzversicherung gibt es?

Drei Produktarten konkurrieren auf dem Markt. Sie unterscheiden sich darin, wie sie im Pflegefall leisten und wie flexibel du das Geld verwenden kannst.

Auf dem Markt gibt es drei verschiedene Produktarten, die sich in ihrer Leistungsweise deutlich unterscheiden. Die Pflegetagegeldversicherung zahlt im Pflegefall einen vereinbarten Tagessatz, dessen Höhe vom Pflegegrad abhängt. Die Pflegekostenversicherung erstattet tatsächlich entstandene Pflegekosten bis zu einem vereinbarten Höchstbetrag. Die Pflegerentenversicherung zahlt eine monatliche Rente, sobald ein Pflegegrad festgestellt wird.

Die Pflegetagegeldversicherung ist das am häufigsten gewählte Modell. Den vollen Tagessatz zahlen viele Versicherer erst im Pflegegrad 5, einige bereits in Grad 4. In den niedrigeren Pflegegraden wird der Tagessatz nur anteilig gezahlt. Das Geld aus einer Pflegetagegeldversicherung kannst du frei verwenden, es ist nicht an bestimmte Pflegekosten gebunden.

Die Pflegekostenversicherung ist zweckgebunden und erstattet nur Belege für tatsächliche Pflegekosten. Sie ist weniger verbreitet als die Pflegetagegeldversicherung. Auch die Pflegerentenversicherung ist seltener anzutreffen. Beide Alternativen haben den Nachteil, dass du im Pflegefall weniger flexibel bist als mit einem Tagegeld.

Für Laien sind die Tarife oft schwer zu unterscheiden. Unabhängige Beratung bei einer Verbraucherzentrale oder die Testergebnisse der Stiftung Warentest helfen dir, ein passendes Produkt zu finden. Achte besonders darauf, dass der Tarif auch bei ambulanter Pflege leistet, denn der Löwenanteil der Pflege entfällt auf die Pflege zu Hause.

Die drei Modelle der privaten Pflegezusatzversicherung
PflegetagegeldPflegekostenversicherungPflegerentenversicherung
LeistungsartFester Tagessatz je nach PflegegradMonatliche Rente im Pflegefall
Verwendung des GeldesFrei verfügbar
Leistung bei ambulantem Pflegegrad 1Oft nur anteilig oder gar nicht
VerbreitungAm häufigsten gewählt
Staatliche Förderung möglichJa, als Pflege-Bahr

04 · Im Vertrag

Wie funktioniert der staatlich geförderte Pflege-Bahr?

Der Pflege-Bahr ist eine staatlich geförderte Pflegetagegeldversicherung. Die Förderung von 5 Euro pro Monat ist an strenge Bedingungen geknüpft, die die Leistungsfähigkeit einschränken.

Der Staat zahlt dir eine Förderung von 5 Euro pro Monat zu deinem Beitrag. Dafür unterliegt der Tarif strengen Vorgaben, die seine Leistungsfähigkeit einschränken.

Der wichtigste Vorteil des Pflege-Bahr ist der Kontrahierungszwang. Die Versicherer dürfen niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen. Für Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die keinen normalen Tarif bekommen, kann der Pflege-Bahr deshalb die einzige Möglichkeit sein, überhaupt eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen.

Die Nachteile sind jedoch erheblich. Staatlich geförderte Verträge haben regelmäßig die schlechteren Vertragsbedingungen als ungeförderte Tarife. Die vereinbarten Tagessätze sind oft niedriger, sodass die Versorgungslücke im Pflegefall nicht vollständig geschlossen wird. Die Förderung von 5 Euro pro Monat reicht meist nicht aus, um diese Nachteile auszugleichen.

Für gesunde Menschen ist der Pflege-Bahr daher selten die beste Wahl. Ein ungeförderter Tarif bietet in der Regel mehr Leistung für dein Geld. Nur wenn du wegen Vorerkrankungen keinen anderen Vertrag bekommst, solltest du den Pflege-Bahr als Absicherung in Betracht ziehen.

Wichtige Bedingungen des Pflege-Bahr

KontrahierungszwangVorteilVersicherer dürfen niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen. Das macht den Pflege-Bahr für Menschen mit gesundheitlichen Problemen interessant.
FörderungBegrenztDer Staat zahlt 5 Euro pro Monat dazu. Diese Förderung reicht oft nicht aus, um die Nachteile auszugleichen.
LeistungshöheNachteilDie vereinbarten Tagessätze sind oft niedriger als bei ungeförderten Tarifen. Die Versorgungslücke wird damit nicht vollständig geschlossen.
VertragsbedingungenNachteilStaatlich geförderte Verträge haben regelmäßig schlechtere Vertragsbedingungen als ungeförderte Tarife.

05 · Checkliste

Wann lohnt sich eine Pflegezusatzversicherung?

Eine Pflegezusatzversicherung ist nicht für jeden sinnvoll. Dein Alter, dein Vermögen und deine familiäre Situation entscheiden darüber, ob sich der Abschluss rechnet.

Ob eine Pflegezusatzversicherung für dich sinnvoll ist, hängt von deiner finanziellen Situation, deinem Alter und deiner familiären Lage ab. Für jüngere Menschen bis etwa 50 Jahre empfiehlt sich meist noch keine Pflegezusatzversicherung, weil sich deine Lebenssituation durch Kinder, Jobwechsel, Heirat oder Scheidung noch stark ändern kann. In dieser Lebensphase ist es oft sinnvoller, flexibel zu bleiben und Geld für den Pflegefall anzusparen.

Bevor du einen Vertrag abschließt, solltest du deine voraussichtliche Versorgungslücke ermitteln. Überlege, welche Form der Pflege du bevorzugst und wie hoch deine Rente und dein Vermögen im Alter sein werden. Wenn du den Eigenanteil an Pflegekosten aus deinem Vermögen stemmen kannst und bereit bist, dieses aufzubrauchen, benötigst du keine Pflegezusatzversicherung.

Können und wollen Angehörige dich finanziell oder durch eigene Pflege unterstützen, reduziert das deinen Bedarf an professioneller Pflege. Übernehmen Angehörige die Pflege ganz oder teilweise, werden die Aufwände für ambulante Pflegedienste geringer. Auch eine Immobilie, die du im Pflegefall vermieten kannst, verschafft dir zusätzliche Einnahmen.

Entscheidend ist auch die Frage, ob du den Beitrag langfristig zahlen kannst. Die Verträge bestehen ein Leben lang, und die Beiträge können deutlich ansteigen. Wenn du wegen Geldmangels kündigen musst, sind alle gezahlten Beiträge verloren. Rechne deshalb konservativ und plane einen Puffer für Beitragserhöhungen ein.

Prüfe diese Punkte vor dem Abschluss

01

Kannst du den Beitrag auch im Rentenalter noch zahlen, wenn er steigt?

02

Hast du Vermögen oder Immobilien, die du im Pflegefall verwenden kannst?

03

Können und wollen Angehörige dich finanziell oder durch eigene Pflege unterstützen?

04

Bist du jünger als 50 Jahre? Dann ist der Abschluss oft noch nicht dringend, weil sich deine Lebenssituation noch stark ändern kann.

05

Bist du bereit, im Pflegefall dein Vermögen aufzubrauchen, oder möchtest du es vererben?

06

Hast du Vorerkrankungen, die einen normalen Tarif unmöglich machen? Dann kann der Pflege-Bahr eine Option sein.

06 · Fehler vermeiden

Welche Fehler passieren bei der Auswahl?

Viele Verbraucher unterschätzen die langfristigen Kosten oder wählen Tarife mit unpassenden Leistungsschwerpunkten. Diese Fehler lassen sich vermeiden.

Ein häufiger Fehler ist die Wahl eines Tarifs ohne Leistung bei ambulanter Pflege. Dabei werden 86 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt. Davon werden rund 63 Prozent überwiegend allein durch Angehörige oder Laien gepflegt. Ein Tarif, der nur im Pflegeheim leistet, geht an der Lebensrealität der meisten Pflegebedürftigen vorbei.

Viele Verbraucher unterschätzen die langfristigen Kosten und kündigen später wegen Geldmangels. Dann sind alle gezahlten Beiträge verloren, und du stehst ohne Absicherung da. Die Beiträge können im Laufe der Zeit deutlich steigen, was viele Versicherungsnehmer unterschätzen. In der Vergangenheit haben einige Versicherer ihre Beiträge mehr als verdoppelt.

Ein weiterer Fehler ist, sich auf die staatliche Förderung des Pflege-Bahr zu verlassen, ohne die schlechteren Vertragsbedingungen zu prüfen. Die Förderung von 5 Euro pro Monat wiegt die Nachteile bei der Leistungshöhe meist nicht auf. Auch wer nur auf den Preis schaut und die Leistungsunterschiede zwischen den Tarifen ignoriert, zahlt im Pflegefall möglicherweise drauf.

Die Preisunterschiede bei den Produkten sind hoch, ein Vergleich lohnt immer. Achte dabei nicht nur auf den Beitrag, sondern auch auf die Leistungshöhe in den Pflegegraden 1 bis 3, in denen die meisten Menschen die längste Zeit verbringen. Ein Tarif, der erst ab Pflegegrad 4 voll leistet, hilft dir in der Praxis oft wenig.

Typische Fehler bei der Pflegezusatzversicherung

·Einen Tarif ohne Leistung bei ambulanter Pflege wählen, obwohl 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden.
·Den Beitrag nicht langfristig durchrechnen und später wegen Geldmangels kündigen müssen, wodurch alle Beiträge verloren sind.
·Sich auf die staatliche Förderung des Pflege-Bahr verlassen, ohne die schlechteren Vertragsbedingungen zu prüfen.
·Nur auf den Preis schauen und die Leistungsunterschiede zwischen den Tarifen ignorieren.
·Die Beiträge können im Laufe der Zeit deutlich steigen, was viele Versicherungsnehmer unterschätzen.

07 · Hintergrund

Wie schneiden Pflegezusatzversicherungen im Test ab?

Die Stiftung Warentest untersucht regelmäßig Pflegezusatzversicherungen. Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede zwischen den Tarifen und helfen bei der Orientierung.

Die Stiftung Warentest untersucht regelmäßig Pflegetagegeldversicherungen und bewertet sie nach Leistungsumfang, Transparenz und Preis. Die Testergebnisse zeigen, dass teure Tarife nicht automatisch besser sind. Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind hoch, ein Vergleich lohnt sich daher immer, auch wenn die Vertragsbedingungen komplex sind.

Ein 55-jähriger Kunde zahlt für einen Pflegetagegeldvertrag laut Stiftung Warentest etwa 90 Euro im Monat. Wer mit 45 Jahren abschließt, muss mit rund 60 Euro im Monat rechnen. Diese Beträge sind Orientierungswerte und hängen von der gewünschten Leistungshöhe und deinem Gesundheitszustand ab.

Die Stiftung Warentest empfiehlt, auf Tarife zu achten, die im Pflegeheim ab Pflegegrad 2 einen einheitlich hohen Betrag leisten. Da die Heime für alle Bewohner ab Pflegegrad 2 einen einheitlichen Eigenanteil berechnen, sollte dein Tarif hier nicht nach Pflegegrad staffeln. In der ambulanten Pflege solltest du besonders auf ausreichende Leistungen in den Pflegegraden 1 bis 3 achten.

Die Testergebnisse der Stiftung Warentest findest du in den aktuellen Ausgaben von Finanztest. Sie helfen dir, die Spreu vom Weizen zu trennen und Tarife mit schlechten Bedingungen zu erkennen. Unabhängige Beratung bei einer Verbraucherzentrale ergänzt die Testergebnisse sinnvoll.

Die Stiftung Warentest bewertet Pflegetagegeldversicherungen nach Leistungsumfang, Transparenz und Preis. Die Testergebnisse zeigen, dass teure Tarife nicht automatisch besser sind.

Ein 55-jähriger Kunde zahlt für einen Pflegetagegeldvertrag laut Stiftung Warentest etwa 90 Euro im Monat. Wer mit 45 Jahren abschließt, muss mit rund 60 Euro im Monat rechnen.

Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind hoch. Ein Vergleich lohnt sich daher immer, auch wenn die Vertragsbedingungen komplex sind.

Die Stiftung Warentest empfiehlt, auf Tarife zu achten, die im Pflegeheim ab Pflegegrad 2 einen einheitlich hohen Betrag leisten, da die Heime einen einheitlichen Eigenanteil berechnen.

08 · Kosten

Was kosten Pflegezusatzversicherungen?

Die Beiträge hängen von deinem Eintrittsalter, deinem Gesundheitszustand und der gewünschten Leistungshöhe ab. Sie sind langfristig zu zahlen und können steigen.

Je früher du abschließt, desto niedriger ist der monatliche Beitrag. Ein Einstieg mit 45 Jahren kostet laut Stiftung Warentest etwa 60 Euro im Monat, mit 55 Jahren sind es rund 90 Euro.

Diese Beträge sind jedoch keine Garantie für die gesamte Vertragslaufzeit. Die Beiträge können im Laufe der Zeit deutlich steigen, was viele Versicherungsnehmer unterschätzen. In der Vergangenheit haben einige Versicherer ihre Beiträge mehr als verdoppelt. Ein Leser berichtete, dass die Pflegeversicherung seines Vaters den Beitrag im Mai 2020 mehr als verdoppelt hat.

Bei einigen Anbietern musst du die Versicherungsbeiträge auch dann weiterzahlen, wenn du pflegebedürftig bist. Eine Pause bei Zahlungsschwierigkeiten gewähren die Versicherer oft nur für eine begrenzte Zeit, zum Beispiel bei vorübergehender Arbeitslosigkeit. Die fehlenden Beiträge musst du dann unter Umständen später auf einen Schlag nachzahlen.

Überlege dir deshalb gut, ob du dir den Beitrag für die nächsten 30 oder 40 Jahre leisten kannst, auch im Rentenalter. Wenn du kündigen musst, weil die Versicherung zu teuer geworden ist, sind alle gezahlten Beiträge verloren. Ein finanzieller Puffer für Beitragserhöhungen ist deshalb unverzichtbar.

Orientierungswerte für monatliche Beiträge einer Pflegetagegeldversicherung

Eintrittsalter 45 Jahreca. 60 EUR
Eintrittsalter 55 Jahreca. 90 EUR

09 · Checkliste

Welche Alternativen zur Pflegezusatzversicherung gibt es?

Du kannst für den Pflegefall auch selbst vorsorgen, ohne eine Versicherung abzuschließen. Das erfordert Disziplin, bietet aber mehr Flexibilität.

Ein ETF-Sparplan an der Börse ist eine flexible Möglichkeit, Geld für den Pflegefall anzusparen. 50 Euro pro Monat, angelegt mit 4 Prozent Rendite, ergeben in 40 Jahren einen Betrag von über 58.000 Euro. Bleibst du von der Pflegebedürftigkeit verschont, kannst du das Geld selbst nutzen oder vererben.

Eine Immobilie, die du im Pflegefall vermietest, verschafft dir zusätzliche Einnahmen. Die Mieteinnahmen helfen, die Kosten einer stationären Unterbringung zu decken. Auch die eigene Wohnsituation kannst du so gestalten, dass du möglichst lange selbstständig deinen Alltag bewältigen kannst. Barrierefreie Umbauten oder ein Umzug in eine altersgerechte Wohnung reduzieren den Pflegebedarf.

Vermögen kannst du gezielt für das Lebensende aufsparen, statt es vorher zu verbrauchen. Viele möchten jedoch ihren Kindern etwas hinterlassen oder sichergehen, dass diese nicht für sie zahlen müssen. In diesem Fall kann eine Pflegezusatzversicherung sinnvoller sein als das Ansparen, weil sie das Vermögen schützt.

Mit Angehörigen solltest du frühzeitig klären, ob sie im Pflegefall finanziell oder durch eigene Pflege unterstützen können. Übernehmen Angehörige die Pflege ganz oder teilweise, werden die Aufwände für ambulante Pflegedienste geringer. Diese Unterstützung ist jedoch nicht immer planbar und kann sich durch Krankheit oder Umzug ändern.

Alternativen zur privaten Pflegezusatzversicherung

01

Einen ETF-Sparplan einrichten und das Geld für den Pflegefall ansparen.

02

Eine Immobilie vermieten, um im Pflegefall zusätzliche Einnahmen zu haben.

03

Die Wohnsituation so gestalten, dass du möglichst lange selbstständig bleiben kannst.

04

Vermögen gezielt für das Lebensende aufsparen, statt es vorher zu verbrauchen.

05

Mit Angehörigen klären, ob sie im Pflegefall finanziell oder durch eigene Pflege unterstützen können.

10 · Schritt für Schritt

Wie läuft der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung ab?

Der Weg in eine Pflegezusatzversicherung führt über Gesundheitsfragen, Tarifvergleich und eine lange Vertragsbindung. Diese Schritte solltest du kennen.

Bevor du einen Vertrag abschließt, solltest du deinen Bedarf klären. Ermittle deine voraussichtliche Versorgungslücke anhand deiner Wunschpflegeform und deiner finanziellen Situation im Alter. Überlege, ob du eher ambulant oder stationär gepflegt werden möchtest und wie hoch deine Rente und dein Vermögen im Alter sein werden.

Vergleiche mindestens drei Anbieter, bevor du dich entscheidest. Achte auf Leistung bei ambulanter Pflege und einheitliche Tagessätze im Pflegeheim ab Pflegegrad 2. Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind hoch, ein Vergleich lohnt sich immer. Unabhängige Beratung bei einer Verbraucherzentrale hilft dir, die komplexen Tarife zu verstehen.

Beantworte die Gesundheitsfragen im Antrag wahrheitsgemäß. Falsche Angaben können zum Verlust des Versicherungsschutzes führen, auch Jahre nach Vertragsabschluss. Wenn du Vorerkrankungen hast, kann der Versicherer deinen Antrag ablehnen oder einen Risikozuschlag verlangen. In diesem Fall kann der Pflege-Bahr mit Kontrahierungszwang eine Option sein.

Nach Annahme durch den Versicherer beginnt der Vertrag. Die Beiträge zahlst du in der Regel lebenslang, auch im Pflegefall. Die Verträge bestehen ein Leben lang, eine Kündigung bedeutet den Verlust aller gezahlten Beiträge. Überlege dir deshalb vor dem Abschluss genau, ob du den Vertrag auch in 30 oder 40 Jahren noch bezahlen kannst.

01

Bedarf klären

Ermittle deine voraussichtliche Versorgungslücke anhand deiner Wunschpflegeform und deiner finanziellen Situation im Alter.

02

Tarife vergleichen

Vergleiche mindestens drei Anbieter. Achte auf Leistung bei ambulanter Pflege und einheitliche Tagessätze im Pflegeheim ab Pflegegrad 2.

03

Gesundheitsfragen beantworten

Beantworte die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß. Falsche Angaben können zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

04

Vertrag abschließen

Nach Annahme durch den Versicherer beginnt der Vertrag. Die Beiträge zahlst du in der Regel lebenslang, auch im Pflegefall.

05

Leistung im Pflegefall beantragen

Im Pflegefall reichst du den Bescheid der Pflegekasse über deinen Pflegegrad beim Versicherer ein. Die Leistung wird dann entsprechend ausgezahlt.

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026