Ratgeber · Versicherung
Lebensversicherung Ratgeber: So sichern Sie Ihre Familie richtig ab
Eine Lebensversicherung ist kein Produkt von der Stange. Entscheidend ist, ob Sie eine reine Risikoabsicherung für den Todesfall brauchen oder ob der Vertrag auch Vermögen aufbauen soll.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die Risikolebensversicherung zahlt nur im Todesfall und ist die günstigste Form der Absicherung.
- Die Versicherungssumme sollte mindestens das Drei- bis Vierfache des Jahresnettoeinkommens betragen.
- Für die Kreditabsicherung ist eine Risikolebensversicherung meist besser geeignet als eine Restschuldversicherung.
- Die Überschussbeteiligung kann als Beitragsverrechnung oder Todesfallbonus genutzt werden.
01 · Grundlagen
Was ist eine Lebensversicherung?
Der Begriff Lebensversicherung umfasst mehrere Vertragsformen mit unterschiedlichen Zielen. Die wichtigste Unterscheidung liegt zwischen Risikoschutz und Kapitalaufbau.
Eine Lebensversicherung ist ein Vertrag, bei dem der Versicherer im Todesfall der versicherten Person eine vereinbarte Summe an die Bezugsberechtigten zahlt. Je nach Vertragsform kann zusätzlich Kapital angespart werden. Die Risikolebensversicherung zahlt ausschließlich im Todesfall. Die Kapitallebensversicherung und die fondsgebundene Lebensversicherung kombinieren den Todesfallschutz mit einem Sparvorgang.
Für dich bedeutet das: Du musst zuerst klären, ob du nur deine Hinterbliebenen absichern oder gleichzeitig Vermögen aufbauen willst. Die reine Risikoabsicherung ist deutlich günstiger, weil kein Sparanteil im Beitrag steckt. Eine Kapitallebensversicherung kostet mehr, bietet dir aber am Ende der Laufzeit eine Auszahlung, auch wenn du den Todesfallschutz nie in Anspruch nimmst.
Die Wahl hängt von deinem Ziel ab: reiner Schutz oder Schutz plus Sparanteil. Bei der Risikolebensversicherung bekommst du nach Vertragsende kein Geld zurück, wenn du noch lebst. Bei der Kapitallebensversicherung erhältst du das angesparte Kapital inklusive Überschussbeteiligung.
Kurz erklärt
Lebensversicherung
Eine Lebensversicherung ist ein Vertrag, bei dem der Versicherer im Todesfall der versicherten Person eine vereinbarte Summe an die Bezugsberechtigten zahlt. Je nach Vertragsform kann zusätzlich Kapital angespart werden.
Die Risikolebensversicherung zahlt ausschließlich im Todesfall. Die Kapitallebensversicherung und die fondsgebundene Lebensversicherung kombinieren den Todesfallschutz mit einem Sparvorgang.
02 · Vergleich
Risikolebensversicherung oder Kapitallebensversicherung: Was passt zu Ihnen?
Beide Verträge zahlen im Todesfall. Der Unterschied liegt darin, ob Sie parallel Vermögen aufbauen möchten oder nur eine möglichst hohe Absicherung für Ihre Hinterbliebenen brauchen.
Der entscheidende Unterschied liegt im Sparanteil. Eine Risikolebensversicherung ist relativ günstig, weil dein Beitrag fast vollständig in den Todesfallschutz fließt. Eine Kapitallebensversicherung kostet deutlich mehr, da ein Teil deines Beitrags in einen Sparvorgang wandert, den du am Vertragsende ausgezahlt bekommst.
Für Familien mit Unterhaltsverpflichtungen ist die Risikolebensversicherung meist die bessere Wahl. Du bekommst für vergleichsweise wenig Geld eine hohe Versicherungssumme. Die Kapitallebensversicherung eignet sich eher, wenn du zusätzlich zum Schutz verbindlich Geld ansparen möchtest und die höheren Beiträge langfristig tragen kannst.
Beachte: Bei einer Risikolebensversicherung werden die bisher geleisteten Beiträge bei Kündigung nicht zurückerstattet. Bei einer Kapitallebensversicherung erhältst du bei Kündigung den Rückkaufswert, der in den ersten Jahren oft deutlich unter den eingezahlten Beiträgen liegt.
| Risikolebensversicherung | Kapitallebensversicherung | |
|---|---|---|
| Auszahlung im Todesfall | Ja, die vereinbarte Versicherungssumme | Ja, die vereinbarte Versicherungssumme oder das angesparte Kapital, je nach Vertrag |
| Auszahlung bei Vertragsende | Nein, es wird kein Kapital ausgezahlt | Ja, das angesparte Kapital inklusive Überschussbeteiligung |
| Beitragshöhe | Relativ gering, da nur das Todesfallrisiko versichert ist | Deutlich höher, da ein Teil des Beitrags in den Sparanteil fließt |
| Geeignet für | Familien mit Unterhaltsverpflichtungen, Kreditnehmer | Personen, die zusätzlich zur Absicherung Vermögen aufbauen möchten |
03 · Was gilt
Wann ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll?
Nicht jeder braucht eine Risikolebensversicherung. Sie ist dann wichtig, wenn durch Ihren Tod eine finanzielle Lücke für andere entstehen würde.
Das ist vor allem der Fall, wenn deine Familie auf dein Einkommen als Haupt- oder Alleinverdiener angewiesen ist. Auch wenn du gemeinsam mit deinem Partner einen Immobilienkredit abbezahlst, solltest du den Kredit absichern.
Für unverheiratete Paare ist die Absicherung besonders relevant, weil der Partner im Todesfall keinen Anspruch auf Witwenrente hat. Als Alleinerziehende kannst du dein Kind als Bezugsberechtigten einsetzen und einen Vormund bestimmen, der das Geld verwaltet, bis dein Kind volljährig ist.
Verzichtbar ist die Versicherung, wenn du keine unterhaltsberechtigten Angehörigen hast oder dein Vermögen und die Rentenansprüche deiner Familie die finanzielle Lücke bereits schließen. Auch wenn deine Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen, brauchst du den Schutz meist nicht mehr.
Sinnvoll
Meist verzichtbar
04 · Checkliste
Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?
Die Versicherungssumme ist der Betrag, den Ihre Hinterbliebenen im Todesfall erhalten. Sie sollte so gewählt sein, dass laufende Kosten und Kredite gedeckt sind.
Als Orientierung kannst du dich an deinem Jahresnettoeinkommen ausrichten. Für eine Familie mit kleinen Kindern empfehlen die Verbraucherzentralen mindestens das Vierfache des Jahresnettoeinkommens.
Bei einer Familie mit älteren Kindern reicht oft das Dreifache des Jahresnettoeinkommens. Kinderlose Paare sollten mindestens das Einfache des Jahresnettoeinkommens absichern. Diese Werte sind Richtwerte, die du an deine individuelle Situation anpassen solltest.
- Bei Immobilienkrediten sollte die Versicherungssumme mindestens der verbleibenden Darlehensschuld entsprechen.
- Zusätzlich solltest du laufende Kosten wie Miete, Lebenshaltung oder Ausbildung der Kinder berücksichtigen.
- Bedenke, dass Witwen- und Waisenrenten die Lücke meist nicht vollständig schließen.
Orientierungswerte für die Versicherungssumme
Familie mit kleinen Kindern: mindestens das Vierfache des Jahresnettoeinkommens
Familie mit älteren Kindern: mindestens das Dreifache des Jahresnettoeinkommens
Kinderlose Paare: mindestens das Einfache des Jahresnettoeinkommens
Bei Immobilienkrediten: Versicherungssumme mindestens in Höhe der verbleibenden Darlehensschuld
Zusätzlich laufende Kosten wie Miete, Lebenshaltung oder Ausbildung der Kinder berücksichtigen
05 · Checkliste
Welche Risikomerkmale beeinflussen den Beitrag?
Der Beitrag für eine Risikolebensversicherung hängt von Ihrer Lebenserwartung und Ihrem persönlichen Risiko ab. Je höher das Risiko, desto teurer wird der Vertrag.
Die wichtigsten Faktoren sind dein Alter bei Vertragsabschluss, dein Gesundheitszustand und dein Raucherstatus.
Auch körperliche Belastung im Beruf, riskante Hobbys wie Motorradfahren oder Tauchen sowie Über- oder Untergewicht können den Beitrag erhöhen. Jeder Anbieter bewertet diese Merkmale unterschiedlich. In extremen Fällen verlangte der teuerste Anbieter in einer Untersuchung knapp dreimal so viel wie der günstigste, und das bei einem Menschen ohne gesundheitliche Themen.
- Alter bei Vertragsabschluss: Je jünger du bist, desto günstiger ist der Beitrag.
- Gesundheitszustand und Vorerkrankungen: Akute oder chronische Erkrankungen führen zu Risikozuschlägen.
- Raucherstatus: Nichtraucher zahlen deutlich weniger als Raucher.
- Körperliche Belastung im Beruf: Schwere körperliche Arbeit erhöht das Risiko.
- Riskante Hobbys: Motorradfahren, Tauchen oder Fallschirmspringen können den Beitrag verteuern.
- Über- oder Untergewicht: Starke Abweichungen vom Normalgewicht wirken sich auf den Preis aus.
Diese Faktoren fließen in die Beitragsberechnung ein
Alter bei Vertragsabschluss
Gesundheitszustand und Vorerkrankungen
Raucherstatus (Nichtraucher zahlen weniger)
Körperliche Belastung im Beruf
Riskante Hobbys wie Motorradfahren oder Tauchen
Über- oder Untergewicht
06 · Vergleich
So funktioniert die Überschussbeteiligung
Versicherer sind gesetzlich verpflichtet, Kundinnen und Kunden an ihren Gewinnen zu beteiligen. Bei der Risikolebensversicherung gibt es dafür zwei Varianten.
Bei der Beitragsverrechnung werden die Gewinne mit deinen Beiträgen verrechnet, du zahlst also weniger.
Beim Todesfallbonus werden die Gewinne der Versicherungssumme gutgeschrieben. Dadurch steigt die Summe, die deine Hinterbliebenen im Todesfall erhalten. Allerdings ist die Versicherungssumme dann nicht vollständig garantiert, weil ein Teil aus Überschüssen stammt, die je nach Wirtschaftslage schwanken können.
Die Verbraucherzentralen empfehlen die Beitragsverrechnung. Damit bist du zu einem möglichst günstigen Preis gut abgesichert, und die Versicherungssumme ist vollständig garantiert. Gewinne können bei beiden Varianten je nach Wirtschaftslage schwanken.
| Beitragsverrechnung | Todesfallbonus | |
|---|---|---|
| Wirkung | Gewinne werden mit Ihren Beiträgen verrechnet, Sie zahlen weniger | Gewinne werden der Versicherungssumme gutgeschrieben |
| Garantie der Versicherungssumme | Die Versicherungssumme ist vollständig garantiert | Die Versicherungssumme ist nicht vollständig garantiert, da ein Teil aus Überschüssen stammt |
| Empfehlung der Verbraucherzentralen | Ja, da Sie zu einem günstigen Preis gut abgesichert sind | Eher nein, da die Summe bei sinkenden Gewinnen nicht steigt |
07 · Vergleich
Risikolebensversicherung zur Kreditabsicherung nutzen
Wenn Sie einen Immobilienkredit aufnehmen, verlangen Banken oft eine Absicherung. Die Risikolebensversicherung ist dafür meist die bessere Wahl als die Restschuldversicherung.
Die Restschuldversicherung ist verhältnismäßig teuer und die Anbieter zahlen in vielen Fällen nicht, etwa bei Vorerkrankungen.
Die Risikolebensversicherung ist relativ günstig, da nur das Todesfallrisiko versichert ist. Im Todesfall wird die vereinbarte Versicherungssumme ausgezahlt, die deine Hinterbliebenen frei verwenden können. Bei einer Restschuldversicherung wird die Restschuld direkt an die Bank gezahlt.
Für die Kreditabsicherung eignet sich eine Risikolebensversicherung mit fallender Versicherungssumme. Darlehens- und Versicherungssumme sollten gleich hoch sein, damit die Restschuld im Todesfall vollständig gedeckt ist.
| Risikolebensversicherung | Restschuldversicherung | |
|---|---|---|
| Kosten | Relativ günstig, da nur das Todesfallrisiko versichert ist | Verhältnismäßig teuer |
| Leistung im Todesfall | Die vereinbarte Versicherungssumme wird ausgezahlt | |
| Zahlungsbereitschaft der Anbieter | Zahlt in der Regel zuverlässig, da der Tod der eindeutigste Versicherungsfall ist | Zahlt in vielen Fällen nicht |
08 · Checkliste
Welche Vertragslaufzeit ist die richtige?
Die Laufzeit Ihrer Risikolebensversicherung sollte sich an Ihren finanziellen Verpflichtungen orientieren. Sie endet idealerweise dann, wenn Ihre Familie nicht mehr auf Ihr Einkommen angewiesen ist.
Bei Kindern wählst du eine Laufzeit bis zu dem Zeitpunkt, an dem das jüngste Kind etwa 20 bis 25 Jahre alt ist.
Bei Immobilienkrediten sollte die Laufzeit mindestens bis zur vollständigen Tilgung des Darlehens reichen. Für Paare ohne Kinder kann die Laufzeit bis zum Rentenbeginn oder bis andere Rentenansprüche greifen sinnvoll sein. Die Laufzeit kann so vereinbart werden, dass die Versicherung endet, wenn die Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen.
- Bei Kindern: Laufzeit bis das jüngste Kind etwa 20 bis 25 Jahre alt ist.
- Bei Immobilienkrediten: Laufzeit mindestens bis zur vollständigen Tilgung des Darlehens.
- Bei Paaren ohne Kinder: Laufzeit bis zum Rentenbeginn oder bis andere Rentenansprüche greifen.
So legen Sie die Vertragslaufzeit fest
Bei Kindern: Laufzeit bis das jüngste Kind etwa 20 bis 25 Jahre alt ist
Bei Immobilienkrediten: Laufzeit mindestens bis zur vollständigen Tilgung des Darlehens
Bei Paaren ohne Kinder: Laufzeit bis zum Rentenbeginn oder bis andere Rentenansprüche greifen
Die Laufzeit kann so vereinbart werden, dass die Versicherung endet, wenn die Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen
09 · Was gilt
Wann zahlt die Risikolebensversicherung nicht?
Auch bei einer Risikolebensversicherung gibt es Ausschlüsse. Diese sollten Sie kennen, bevor Sie den Vertrag abschließen.
Suizid innerhalb der ersten drei Jahre nach Vertragsabschluss ist nicht versichert. Damit wollen Versicherer ausschließen, dass jemand in finanzieller Not noch schnell eine Lebensversicherung abschließt.
Wenn du bei Vertragsabschluss eine tödliche Krankheit verschwiegen hast, zahlt die Versicherung nicht. Auch Tod nach Vertragsende ist nicht abgedeckt, da der Vertrag abgelaufen ist. Bei Tod in Folge einer Straftat muss zunächst aufgeklärt werden, ob nicht die Versicherungssumme das Motiv war.
Versichert sind dagegen Tod durch Krankheit, wenn die Krankheit bei Vertragsabschluss wahrheitsgemäß angegeben wurde, sowie Tod durch Unfall. Suizid nach Ablauf von drei Jahren Vertragslaufzeit ist ebenfalls versichert. Weitere Ausschlüsse können abhängig vom Versicherer bei Vertragsabschluss vereinbart werden, etwa bei Extremsportarten.
Versicherung zahlt
Versicherung zahlt nicht
10 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Abschluss einer Lebensversicherung
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher schließen Verträge ab, die nicht zu ihrer Lebenssituation passen. Diese Fehler lassen sich vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist der Abschluss einer Kapitallebensversicherung, obwohl nur eine Risikoabsicherung benötigt wird. Die Kapitallebensversicherung ist deutlich teurer, und der Sparanteil fehlt dir bei der Absicherung deiner Familie. Überlege genau, ob du wirklich Kapital aufbauen willst oder ob eine günstige Risikolebensversicherung ausreicht.
Ein weiterer Fehler ist eine zu niedrige Versicherungssumme. Wenn die Summe nicht ausreicht, um laufende Kosten und Kredite zu decken, steht deine Familie im Todesfall vor finanziellen Problemen. Auch eine zu kurze Vertragslaufzeit kann problematisch sein, wenn der Schutz endet, bevor die Kinder finanziell unabhängig sind.
- Eine Kapitallebensversicherung abschließen, obwohl nur eine Risikoabsicherung benötigt wird.
- Die Versicherungssumme zu niedrig ansetzen, sodass die Familie im Todesfall nicht abgesichert ist.
- Die Vertragslaufzeit zu kurz wählen, sodass der Schutz endet, bevor die Kinder finanziell unabhängig sind.
- Bei Vorerkrankungen falsche Angaben im Antrag machen, was später zu Streit mit dem Versicherer führen kann.
- Eine Restschuldversicherung der Bank abschließen, statt eine günstigere Risikolebensversicherung zu wählen.
- Die Überschussbeteiligung als Todesfallbonus wählen, obwohl die Beitragsverrechnung günstiger und sicherer ist.
Diese Fehler sollten Sie vermeiden
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