Ratgeber · Versicherung
Lebensversicherung ohne Gesundheitsprüfung: Deine Optionen für die Todesfallabsicherung
Eine klassische Risikolebensversicherung ohne Gesundheitsprüfung gibt es nicht. Für Menschen mit Vorerkrankungen oder riskanten Berufen existieren jedoch Alternativen mit vereinfachten Fragen oder ohne Gesundheitsfragen, die du kennen solltest.
10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Eine Risikolebensversicherung ohne Gesundheitsfragen wird in Deutschland nicht angeboten.
- Die Sterbegeldversicherung ist die einzige echte Option ohne Gesundheitsprüfung, bietet aber nur begrenzte Summen.
- Vereinfachte Fragenkataloge mit 5 statt bis zu 25 Fragen gibt es für bestimmte Zielgruppen wie junge Eltern.
- Ehrliche Angaben sind Pflicht, sonst riskierst du den Verlust des Versicherungsschutzes.
01 · Hintergrund
Warum gibt es keine Risikolebensversicherung ohne Gesundheitsprüfung?
Die Gesundheitsprüfung ist das zentrale Instrument der Versicherer, um dein individuelles Sterberisiko zu bewerten und einen fairen Beitrag zu berechnen. Ohne diese Prüfung müssten alle Versicherten einen teuren Einheitstarif zahlen.
Seit dem 17. März 2010 gibt es in Deutschland keine Risikolebensversicherung mehr, die komplett auf Gesundheitsfragen verzichtet. Der damals einzige Anbieter stellte sein Neugeschäft an diesem Tag ein. Der Grund ist nachvollziehbar: Nur wenn die Beiträge auf das individuelle Risiko hin kalkuliert sind, bleiben die Kosten für den Einzelnen fair und bezahlbar.
Ein Einheitstarif ohne Risikobewertung wäre für alle teurer, weil Versicherer dann eine ganz andere Risikokalkulation betreiben müssten. Junge und gesunde Menschen würden für das höhere Sterberisiko von älteren oder kranken Versicherten mitbezahlen. Die Gesundheitsprüfung sorgt also dafür, dass du nur für dein eigenes Risiko zahlst und nicht für das anderer.
Anders als die gesetzliche Krankenversicherung basiert die Risikolebensversicherung nicht auf dem Solidaritätsprinzip, sondern auf deinen persönlichen Bedürfnissen und Risiken. Ohne individuelle Risikobewertung gäbe es nur einen teuren Einheitstarif für alle.
Seit dem 17. März 2010 gibt es in Deutschland keine Risikolebensversicherung mehr, die komplett auf Gesundheitsfragen verzichtet. Der damals einzige Anbieter stellte sein Neugeschäft an diesem Tag ein. Der Grund ist nachvollziehbar: Nur wenn die Beiträge auf das individuelle Risiko hin kalkuliert sind, bleiben die Kosten für den Einzelnen fair und bezahlbar.
Ein Einheitstarif ohne Risikobewertung wäre für alle teurer, weil Versicherer dann eine ganz andere Risikokalkulation betreiben müssten. Junge und gesunde Menschen würden für das höhere Sterberisiko von älteren oder kranken Versicherten mitbezahlen. Die Gesundheitsfragen ermöglichen es den Versicherern, dein persönliches Risiko zu ermitteln und dir einen entsprechend angepassten Beitrag zu berechnen.
02 · Vergleich
Die Sterbegeldversicherung als echte Alternative ohne Gesundheitsfragen
Wenn du aufgrund von Vorerkrankungen oder riskanten Hobbys keine Risikolebensversicherung abschließen kannst, ist die Sterbegeldversicherung die einzige echte Option ohne Gesundheitsprüfung. Sie sichert die Bestattungskosten ab, hat aber klare Grenzen.
Der wichtigste Unterschied liegt in der maximalen Versicherungssumme: Während die Risikolebensversicherung hohe Summen von oft über 400.000 Euro absichert, sind bei der Sterbegeldversicherung maximal 25.000 Euro möglich.
Die Sterbegeldversicherung ist sofort online abschließbar und verfügbar für alle zwischen 40 und 80 Jahren. Der Eintritt ist komplett risikofrei, weil im Rahmen der flexiblen Wartezeit von 12 bis 36 Monaten sämtliche geflossenen Beiträge zurückerstattet werden, falls so prompt etwas passieren sollte. Besonders fair: Bei Unfalltod fließt die doppelte Versicherungssumme, sogar wenn der Versicherte in der Wartezeit verstirbt.
Für Menschen mit chronischem Nierenversagen oder lebensgefährlichen Hobbys wie riskantem Wingsuit-Fliegen ist die Sterbegeldversicherung oft die einzige Möglichkeit, überhaupt eine Todesfallabsicherung zu bekommen. Die maximale Versicherungssumme von 25.000 Euro deckt in erster Linie die Bestattungskosten ab.
| Risikolebensversicherung | Sterbegeldversicherung | |
|---|---|---|
| Gesundheitsprüfung | Immer erforderlich, teils vereinfacht | Keine Gesundheitsprüfung |
| Maximale Versicherungssumme | Hohe Summen möglich, oft über 400.000 Euro | Maximal 25.000 Euro |
| Eintrittsalter | Nur zwischen 40 und 80 Jahren | |
| Wartezeit | 12 bis 36 Monate flexible Wartezeit | |
| Todesfallleistung bei Unfall | Doppelte Versicherungssumme |
03 · Was gilt
Vereinfachter Fragenkatalog: Weniger Gesundheitsfragen für bestimmte Zielgruppen
Für klar definierte Zielgruppen wie junge Eltern oder frischgebackene Eigenheimfinanzierer bieten manche Versicherer einen verkürzten Fragenkatalog an. Statt bis zu 25 Fragen werden dann oft nur 5 gestellt.
Der Hintergrund: Wer gerade die Investition seines Lebens tätigt, hat ein statistisch nachweisbar niedrigeres Sterberisiko.
Beim vereinfachten Katalog gelten oft enge Fristen, gedeckelte maximale Versicherungssummen und strenge Altersbeschränkungen. Vorsicht ist geboten, wenn die vereinfachte Prüfung für jeden Interessenten möglich ist: Wenn entscheidende Angaben für seriöse Prognosen fehlen, ist der Tarif womöglich nicht perfekt durchgerechnet. Die Folge zeigt sich in einem höheren Preis.
- Der vereinfachte Fragenkatalog umfasst oft nur etwa 5 Gesundheitsfragen statt bis zu 25.
- Die Angebote richten sich meist an junge Eltern oder Eigenheimfinanzierer mit statistisch niedrigerem Sterberisiko.
- Enge Fristen, gedeckelte Versicherungssummen und strenge Altersbeschränkungen sind typisch für diese Tarife.
Typisch für vereinfachte Prüfung
Typisch für klassische Prüfung
04 · Checkliste
Diese Gesundheitsfragen erwarten dich bei der Risikolebensversicherung
Der Fragenkatalog einer Risikolebensversicherung deckt deine gesundheitliche Vergangenheit und deinen Lebensstil ab. Du musst Vorerkrankungen, Behandlungen und Untersuchungen der letzten 5 Jahre angeben, bei Krankenhausaufenthalten gilt eine Frist von 10 Jahren.
Die Fragen drehen sich nicht um deinen letzten Schnupfen, sondern um ernsthafte Erkrankungen und Risikofaktoren.
Neben körperlichen Erkrankungen spielen auch psychische Erkrankungen eine Rolle bei der Berechnung deines Sterberisikos. Darüber hinaus interessiert sich der Versicherer für dein Konsumverhalten, deine Hobbys und deinen Beruf. Alle Angaben zu Vorerkrankungen, Untersuchungen und Behandlungen beziehen sich auf die letzten 5 Jahre.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Bluthochdruck
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen
- Erkrankungen der Atmungsorgane wie Asthma oder chronische Bronchitis
- Tumorerkrankungen und Bluterkrankungen
- Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie
- Konsumverhalten: Rauchen, Nikotin, Drogen, Alkohol
- Risikosportarten und gefährliche Hobbys
- Berufliche Risiken durch körperlich anstrengende Tätigkeiten
- Unfälle und Krankenhausaufenthalte der letzten Jahre
Bereiche der Gesundheitsfragen im Überblick
Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Bluthochdruck
Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen
Erkrankungen der Atmungsorgane wie Asthma oder chronische Bronchitis
Tumorerkrankungen und Bluterkrankungen
Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Schizophrenie
Konsumverhalten: Rauchen, Nikotin, Drogen, Alkohol
Risikosportarten und gefährliche Hobbys
Berufliche Risiken durch körperlich anstrengende Tätigkeiten
Unfälle und Krankenhausaufenthalte der letzten Jahre
05 · Was gilt
Vorerkrankungen ohne Angabepflicht: Diese Diagnosen musst du nicht melden
Nicht jede Krankheit ist für die Risikobewertung relevant. Einige Vorerkrankungen gelten als unkritisch und müssen bei der Antragsstellung nicht angegeben werden.
Dazu zählen unter anderem Akne, ein Bandscheibenvorfall, eine Blinddarm-Entfernung oder eine abgelaufene Blinddarm-Entzündung.
Auch Erkältungskrankheiten, eine Fehlgeburt, ein Halswirbelsyndrom, Harnblaseninfekte, Heuschnupfen und Neurodermitis sind für die Versicherer nicht relevant. Diese Diagnosen beeinflussen dein statistisches Sterberisiko nicht und verteuern deinen Beitrag daher auch nicht. Heuschnupfen und Neurodermitis fallen praktisch gar nicht ins Gewicht und müssen nicht angegeben werden.
Anders sieht es bei schweren chronischen Erkrankungen aus. Chronisches Nierenversagen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumorerkrankungen, psychische Erkrankungen, Diabetes, HIV-Infektionen, Multiple Sklerose, Rheuma, Schlaganfälle und Herzinfarkte sind angabepflichtig und können den Beitrag erhöhen oder zur Ablehnung führen.
Keine Angabepflicht
Angabepflichtig
06 · Was gilt
So beeinflussen Berufsrisiken deine Beiträge
Dein Beruf spielt bei der Risikobewertung eine wichtige Rolle. Körperlich anstrengende Tätigkeiten oder gefährliche Arbeitsumgebungen erhöhen dein statistisches Sterberisiko und damit den Beitrag.
Wer beruflich einer körperlich anstrengenden Tätigkeit nachgeht, hat ein höheres Risiko, während der Vertragslaufzeit zu versterben, als jemand mit einer Bürotätigkeit.
Arbeit in großer Höhe, der Umgang mit gefährlichen Maschinen, Arbeit mit explosiven Stoffen und Berufe mit hoher Unfallgefahr führen zu einem Risikozuschlag. Bürotätigkeiten, Verwaltungsberufe, lehrende Berufe, kaufmännische Berufe und IT-Berufe gelten dagegen als neutral oder unkritisch. Gefährliche Arbeitsumgebungen erhöhen dein statistisches Sterberisiko und damit den Beitrag.
Die genaue Einstufung hängt vom Versicherer ab. Manche Anbieter bewerten bestimmte Berufe unterschiedlich, daher lohnt sich ein Vergleich, wenn du in einem Beruf mit erhöhtem Risiko arbeitest.
Erhöht das Risiko
Neutral oder unkritisch
07 · Kosten
Risikozuschlag: Wenn Vorerkrankungen den Beitrag erhöhen
Nicht jede Vorerkrankung führt zur Ablehnung. Viele Erkrankungen verteuern den monatlichen Beitrag nur geringfügig, andere erfordern einen Risikozuschlag. Fast niemand wird ganz abgelehnt.
Die tatsächliche Höhe hängt von der Schwere der Erkrankung und dem Versicherer ab.
Heuschnupfen oder Neurodermitis führen zu keinem Aufschlag. Ein gut eingestellter Bluthochdruck verursacht einen geringen Aufschlag, Diabetes Typ 2 ohne Folgeschäden einen spürbaren Aufschlag. Eine schwere chronische Erkrankung kann zu einem hohen Aufschlag oder zur Ablehnung führen. Fast niemand wird bei der Risikolebensversicherung ganz abgelehnt.
Bei einigen Erkrankungen wie chronischem Nierenversagen ist eine Risikolebensversicherung nicht mehr möglich. In diesem Fall ist die Sterbegeldversicherung die Alternative, um zumindest die Bestattungskosten abzusichern.
Mögliche Auswirkungen von Vorerkrankungen auf den Beitrag
08 · Checkliste
Todesfallabsicherung: So hoch sollte die Versicherungssumme sein
Die Todesfallleistung deiner Risikolebensversicherung sollte deine finanziellen Verbindlichkeiten abdecken. Als Faustregel gilt das Drei- bis Fünffache deines Bruttojahreseinkommens, bei Immobilienfinanzierungen entsprechend mehr.
Die Versicherungssumme richtet sich nach deinen individuellen Bedürfnissen und deiner familiären Situation.
Für Familien mit Immobilienfinanzierungen ist die Restschuld der wichtigste Faktor. Hinzu kommen laufende Kredite, der Einkommensausfall für die Hinterbliebenen über mehrere Jahre und die Kosten für die Ausbildung der Kinder. Als Faustregel gilt das Drei- bis Fünffache deines Bruttojahreseinkommens als Versicherungssumme.
- Restschuld von Immobilienfinanzierungen
- Laufende Kredite und Verbindlichkeiten
- Einkommensausfall für die Hinterbliebenen über mehrere Jahre
- Kosten für die Ausbildung der Kinder
- Bestattungskosten und Nachlassregelung
- Bestehende Rücklagen und andere Absicherungen
Faktoren für die Berechnung der Todesfallsumme
Restschuld von Immobilienfinanzierungen
Laufende Kredite und Verbindlichkeiten
Einkommensausfall für die Hinterbliebenen über mehrere Jahre
Kosten für die Ausbildung der Kinder
Bestattungskosten und Nachlassregelung
Bestehende Rücklagen und andere Absicherungen
09 · Im Vertrag
Eintrittsalter und Wartezeit: Das musst du beachten
Das Eintrittsalter beeinflusst sowohl die Verfügbarkeit als auch die Kosten deiner Absicherung. Während die Risikolebensversicherung flexibel ist, gelten für die Sterbegeldversicherung klare Altersgrenzen und Wartezeiten.
Die Risikolebensversicherung ist in der Regel ab 18 Jahren möglich, das Höchstalter variiert je nach Anbieter und Vertragslaufzeit.
Die Sterbegeldversicherung ohne Gesundheitsprüfung ist nur für Personen zwischen 40 und 80 Jahren verfügbar. In der flexiblen Wartezeit von 12 bis 36 Monaten werden sämtliche geflossenen Beiträge zurückerstattet, falls der Versicherte stirbt. Bei Unfalltod fließt die doppelte Versicherungssumme, sogar während der Wartezeit. Die Sterbegeldversicherung ohne Gesundheitsprüfung ist nur für Personen zwischen 40 und 80 Jahren verfügbar.
Die Wartezeit bei der Sterbegeldversicherung ist flexibel gestaltbar. Du kannst zwischen 12 und 36 Monaten wählen, je nachdem welchen Beitrag du zahlen möchtest und welches Risiko du bereit bist zu tragen.
Regelungen zu Eintrittsalter und Wartezeit
10 · Fehler vermeiden
Häufige Fehler bei der Gesundheitsprüfung vermeiden
Falsche oder unvollständige Angaben bei der Gesundheitsprüfung können den Versicherungsschutz gefährden. Diese Fehler solltest du vermeiden.
Wenn du bewusst falsche Angaben machst, liegt es im Ermessen der Versicherung, den Vertrag aufzukündigen, wenn sie davon Kenntnis erhält. Schlimmstenfalls kann der Versicherer im Leistungsfall sogar die Auszahlung der vereinbarten Versicherungssumme verweigern.
Die ärztliche Schweigepflicht nicht zu entbinden, kann ebenfalls den Abschluss gefährden. Wenn es Unklarheiten bei deinen Angaben gibt, holen manche Anbieter ein Gutachten von deinem behandelnden Arzt ein. Verweigerst du die Entbindung von der Schweigepflicht, kann die Versicherung einen Vertragsabschluss ablehnen. Bewusst falsche Angaben können im Leistungsfall zur Verweigerung der Auszahlung führen.
- Bewusst falsche Angaben zu Vorerkrankungen machen
- Krankenhausaufenthalte verschweigen, die länger als 10 Jahre zurückliegen
- Risikosportarten oder gefährliche Hobbys nicht angeben
- Den vereinfachten Fragenkatalog mit einer kompletten Gesundheitsprüfung verwechseln
- Die ärztliche Schweigepflicht nicht entbinden und dadurch den Abschluss gefährden
- Nicht nachfragen, ob eine Risikovoranfrage anonym möglich ist
Typische Fehler bei der Gesundheitsprüfung
Häufige Fragen
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