Lebensversicherung für Rentner: So holst du das Beste aus deinem Vertrag heraus
Deine Lebensversicherung ist ein wertvolles Finanzpolster, aber viele Verträge aus den 90ern und 2000ern werfen heute kaum noch Rendite ab. Wir zeigen dir, welche Optionen du als Rentner hast, worauf du achten musst und wie du typische Fehler vermeidest.
Warum dieses Thema auch dich als Rentner betrifft
Vielleicht hast du vor Jahrzehnten eine Lebensversicherung abgeschlossen, um für das Alter vorzusorgen. Jetzt bist du in Rente und fragst dich, was aus diesem Vertrag geworden ist. Viele Menschen in deiner Situation haben das Papier in einem Schuhkarton liegen und denken erst wieder daran, wenn der jährliche Standesbrief vom Versicherer kommt.
Doch genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um dich damit zu beschäftigen. Denn als Rentner hat sich deine finanzielle Lage grundlegend geändert. Du hast kein regelmäßiges Arbeitseinkommen mehr, sondern bist auf deine Ersparnisse, die gesetzliche Rente und eventuelle Betriebsrenten angewiesen. Eine Lebensversicherung kann in dieser Phase entweder ein zusätzliches Polster sein oder eine unnötige Kostenfalle.
Hinzu kommt, dass die Rahmenbedingungen für Lebensversicherungen sich in den letzten Jahren massiv verändert haben. Die Garantiezinsen sind auf einem historischen Tiefstand, und viele Altverträge werfen kaum noch Rendite ab. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Verwaltung. Wenn du nichts tust, lässt du möglicherweise Geld liegen oder zahlst sogar drauf.
Dieser Ratgeber hilft dir, den Durchblick zu bekommen. Du erfährst, wie deine Lebensversicherung funktioniert, welche Kosten auf dich zukommen und welche Handlungsoptionen du hast. Am Ende kannst du eine fundierte Entscheidung treffen, die zu deiner persönlichen Situation als Rentner passt.
Was ist eine Lebensversicherung überhaupt? Grundlagen einfach erklärt
Eine Lebensversicherung ist ein Vertrag zwischen dir und einem Versicherungsunternehmen. Du zahlst über einen bestimmten Zeitraum regelmäßig Beiträge ein, und im Gegenzug zahlt der Versicherer im Todesfall eine Summe an deine Hinterbliebenen oder im Erlebensfall an dich selbst. Es gibt zwei Hauptarten: die Risikolebensversicherung und die kapitalbildende Lebensversicherung.
Die Risikolebensversicherung ist reiner Todesfallschutz. Sie zahlt nur, wenn du stirbst, und dient dazu, deine Familie abzusichern. Für Rentner ist diese Form meist uninteressant, da der Schutzbedarf mit dem Ende der Erwerbstätigkeit deutlich sinkt. Die kapitalbildende Lebensversicherung hingegen kombiniert den Todesfallschutz mit einem Sparvorgang. Ein Teil deines Beitrags fließt in eine Anlage, die im Laufe der Zeit wächst.
Bei der kapitalbildenden Variante gibt es zwei Unterformen: die klassische Lebensversicherung mit einem garantierten Zinssatz und die fondsgebundene Lebensversicherung, bei der du an der Wertentwicklung von Fonds partizipierst. In Deutschland sind die meisten Altverträge klassisch, das heißt, sie haben einen festen Garantiezins, der bei Abschluss zugesagt wurde. Dieser Zins lag in den 90er Jahren noch bei vier Prozent oder höher, heute ist er deutlich niedriger.
Wichtig zu verstehen: Eine Lebensversicherung ist kein reines Sparprodukt wie ein Tagesgeldkonto. Sie beinhaltet immer auch einen Versicherungsschutz, der mit Kosten verbunden ist. Diese Kosten werden von deinen Beiträgen abgezogen, bevor der Rest angelegt wird. Genau das macht die Rendite oft schlechter als erwartet, besonders bei älteren Verträgen.
Wie funktioniert deine Lebensversicherung im Rentenalter?
Wenn du das Rentenalter erreicht hast, gibt es mehrere Szenarien für deine Lebensversicherung. Der häufigste Fall: Du hast die Beitragszahlung abgeschlossen und der Vertrag läuft noch bis zum vereinbarten Ablaufdatum. In dieser sogenannten Aufschubzeit arbeitet dein angespartes Kapital weiter, es werden aber keine neuen Beiträge mehr eingezahlt. Der Versicherer verwaltet das Geld und schreibt dir jährlich Zinsen gut.
Das zweite Szenario ist die laufende Auszahlung. Du hast vereinbart, dass dir die Versicherung ab einem bestimmten Zeitpunkt eine monatliche Rente zahlt. Das ist eine Art private Zusatzrente, die du mit deiner gesetzlichen Rente kombinieren kannst. Die Höhe dieser Rente hängt von deinem angesparten Kapital und dem vereinbarten Rentenfaktor ab. Dieser Faktor legt fest, wie viel Rente du pro rund 10.000 Euro Kapital bekommst.
Das dritte Szenario ist die Einmalauszahlung. Hier bekommst du das gesamte angesparte Kapital auf einen Schlag ausgezahlt. Das kann sinnvoll sein, wenn du das Geld für eine größere Anschaffung oder zur Schuldentilgung nutzen möchtest. Allerdings musst du die Versteuerung im Blick behalten, denn nicht immer ist die Einmalauszahlung steuerfrei.
Viele Rentner vergessen, dass sie bei einer Lebensversicherung auch die Möglichkeit haben, den Vertrag zu verändern. Du kannst die Beitragsfreistellung beantragen, die Versicherungssumme reduzieren oder den Vertrag verkaufen. Jede Option hat Vor- und Nachteile, die du sorgfältig abwägen solltest. Im nächsten Abschnitt gehen wir auf die Kosten ein, die dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Welche Kosten fallen bei einer Lebensversicherung an?
Die Kostenstruktur einer Lebensversicherung ist komplex und für Laien oft schwer zu durchschauen. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Kosten: Abschlusskosten, Verwaltungskosten und Risikokosten. Die Abschlusskosten fallen zu Beginn des Vertrags an und werden meist über die ersten fünf bis zehn Jahre von deinen Beiträgen abgezogen. Sie können mehrere tausend Euro betragen.
Die Verwaltungskosten decken die laufenden Kosten des Versicherers für die Kontoführung, die Kapitalanlage und den Kundenservice. Sie werden jährlich von deinem Vertragsguthaben abgezogen. Die Risikokosten sind der Anteil, der für den Todesfallschutz verwendet wird. Da das Sterberisiko mit dem Alter steigt, werden diese Kosten im Laufe der Zeit höher, auch wenn du keine neuen Beiträge mehr zahlst.
Ein wichtiger Punkt für Rentner: Auch in der Aufschubzeit, also nach Ende der Beitragszahlung, werden weiterhin Verwaltungs- und Risikokosten von deinem Guthaben abgezogen. Das kann dazu führen, dass dein Vertragsguthaben trotz positiver Zinsen nur langsam wächst oder sogar schrumpft. Du solltest daher jährlich deine Standmitteilung genau prüfen und die tatsächliche Wertentwicklung mit der garantierten vergleichen.
Zusätzlich gibt es oft versteckte Kosten, die in den Vertragsbedingungen versteckt sind. Dazu gehören Stornogebühren bei vorzeitiger Kündigung oder Abschläge bei einer vorzeitigen Auszahlung. Diese Kosten können deine Rendite erheblich schmälern. Wenn du unsicher bist, welche Kosten in deinem Vertrag anfallen, kannst du eine kostenlose Beratung bei der Verbraucherzentrale oder einem unabhängigen Versicherungsberater in Anspruch nehmen.
Darauf solltest du bei deiner Lebensversicherung achten
Der erste Schritt ist, deinen Vertrag genau zu lesen. Suche nach den garantierten Leistungen, die dir der Versicherer auf jeden Fall zahlen muss. Diese Garantie ist das Fundament deiner Planung. Daneben gibt es die Überschussbeteiligung, die von der wirtschaftlichen Lage des Versicherers abhängt. Diese kann schwanken und ist nicht garantiert.
Achte auf den sogenannten Rückkaufswert. Das ist der Betrag, den du bekommst, wenn du den Vertrag vorzeitig kündigst. In den ersten Jahren ist dieser Wert oft deutlich niedriger als die eingezahlten Beiträge, weil die Abschlusskosten noch nicht vollständig getilgt sind. Bei älteren Verträgen, die schon lange laufen, ist der Rückkaufswert meist höher, aber immer noch unter dem angesparten Kapital.
Prüfe auch die vereinbarte Ablaufleistung. Das ist die Summe, die du am Ende der Laufzeit ausgezahlt bekommst, wenn alle Bedingungen erfüllt sind. Diese setzt sich aus dem garantierten Teil und der Überschussbeteiligung zusammen. Vergleiche diese Zahl mit den Gesamtbeiträgen, die du eingezahlt hast. So siehst du, ob sich der Vertrag für dich gelohnt hat.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die steuerliche Behandlung. Für Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden und mindestens zwölf Jahre laufen, ist die Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr steuerfrei. Bei neueren Verträgen musst du die Erträge mit deinem persönlichen Steuersatz versteuern. Diese Regelung kann einen großen Unterschied machen, also schau genau hin, wann dein Vertrag abgeschlossen wurde.
Typische Fehler, die du als Rentner vermeiden solltest
Ein häufiger Fehler ist, die Lebensversicherung einfach weiterlaufen zu lassen, ohne sie zu hinterfragen. Viele Rentner denken, dass der Vertrag schon gut sein wird, weil sie ihn vor Jahrzehnten abgeschlossen haben. Doch die Zeiten haben sich geändert, und was damals eine gute Rendite versprach, kann heute eine Belastung sein. Ein jährlicher Check ist daher unerlässlich.
Der zweite Fehler ist die vorschnelle Kündigung. Wenn du den Vertrag auflöst, bekommst du nur den Rückkaufswert, der oft deutlich unter dem angesparten Kapital liegt. Zudem verlierst du den Todesfallschutz, der für deine Angehörigen wichtig sein kann. Bevor du kündigst, solltest du alle Alternativen prüfen, wie zum Beispiel den Verkauf an ein Zweitmarktunternehmen.
Ein dritter Fehler ist, die Steuern zu ignorieren. Viele Rentner lassen sich die Auszahlung auszahlen und wundern sich dann über die Nachzahlung beim Finanzamt. Dabei hätten sie durch eine geschickte Planung, zum Beispiel die Auszahlung auf mehrere Jahre zu verteilen, Steuern sparen können. Eine vorherige Steuerberatung kann hier viel Geld sparen.
Schließlich solltest du nicht vergessen, deine Lebensversicherung in deine gesamte Finanzplanung einzubeziehen. Wenn du mehrere Verträge hast, kann es sinnvoll sein, sie zu bündeln oder zu optimieren. Ein unkoordinierter Umgang führt oft dazu, dass du zu viel für Versicherungen zahlst und zu wenig Rendite bekommst. Ein ganzheitlicher Blick auf deine Finanzen ist im Rentenalter besonders wichtig.
Deine Optionen: Kündigen, verkaufen, beitragsfrei stellen oder abwarten
Die erste Option ist das Abwarten bis zum Ablaufdatum. Das ist die einfachste Lösung, aber nicht immer die beste. Wenn dein Vertrag noch eine gute garantierte Verzinsung hat, kann es sich lohnen, ihn bis zum Ende laufen zu lassen. Du bekommst dann die vereinbarte Ablaufleistung, die in der Regel steuerfrei ist, wenn die Bedingungen erfüllt sind.
Die zweite Option ist die Kündigung. Das ist die schlechteste Wahl, weil du nur den Rückkaufswert bekommst, der oft unter dem eingezahlten Kapital liegt. Zudem verlierst du den Versicherungsschutz. Eine Kündigung solltest du nur in Betracht ziehen, wenn du das Geld dringend brauchst und keine anderen Möglichkeiten hast.
Die dritte Option ist der Verkauf an einen Zweitmarkt. Es gibt spezialisierte Unternehmen, die gebrauchte Lebensversicherungen aufkaufen. Sie zahlen dir einen Betrag, der über dem Rückkaufswert, aber unter der Ablaufleistung liegt. Das kann eine gute Alternative zur Kündigung sein, wenn du das Geld jetzt brauchst. Allerdings solltest du die Angebote genau vergleichen, da die Preise stark variieren können.
Die vierte Option ist die Beitragsfreistellung. Das bedeutet, du zahlst keine Beiträge mehr, aber der Vertrag läuft mit dem bereits angesparten Kapital weiter. Die spätere Auszahlung fällt dann entsprechend niedriger aus. Diese Option ist sinnvoll, wenn du die Beiträge nicht mehr zahlen kannst oder willst, aber den Vertrag nicht ganz aufgeben möchtest. Prüfe, ob die garantierte Verzinsung auch bei reduziertem Kapital noch attraktiv ist.
So gehst du Schritt für Schritt vor: Dein konkreter Plan
Der erste Schritt ist, alle deine Unterlagen zusammenzusuchen. Du benötigst die aktuellen Standmitteilungen deiner Lebensversicherung, den ursprünglichen Vertrag und alle Änderungen. Lege einen Ordner an, in dem du alles übersichtlich sortierst. So hast du die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Der zweite Schritt ist die Analyse. Notiere dir die wichtigsten Kennzahlen: eingezahlte Beiträge, garantierte Leistung, aktueller Rückkaufswert, Ablaufdatum und die jährliche Wertentwicklung. Vergleiche diese Zahlen mit den Konditionen, die du heute auf dem Markt bekommen würdest. Oft zeigt sich, dass der Vertrag nicht mehr zeitgemäß ist.
Der dritte Schritt ist die Beratung. Suche das Gespräch mit einem unabhängigen Versicherungsberater oder der Verbraucherzentrale. Nimm deine Unterlagen mit und lass dir die Optionen erklären. Frage konkret nach den Kosten, den Steuern und den Risiken der einzelnen Möglichkeiten. Lass dir alles schriftlich geben, damit du es in Ruhe nachlesen kannst.
Der vierte Schritt ist die Entscheidung. Wäge die Vor- und Nachteile ab und wähle die Option, die am besten zu deiner Lebenssituation passt. Denke daran, dass du keine überstürzte Entscheidung treffen musst. Wenn du unsicher bist, warte noch ein paar Monate und beobachte die Entwicklung. Ein aufgeschobener Vertrag ist immer noch besser als eine falsche Kündigung.
Alternativen zur klassischen Lebensversicherung im Rentenalter
Wenn du deine Lebensversicherung kündigst oder auslaufen lässt, hast du verschiedene Alternativen, um dein Geld anzulegen. Eine Möglichkeit ist das Tagesgeldkonto, das dir jederzeit Zugriff auf dein Geld bietet. Die Zinsen sind zwar niedrig, aber dafür ist das Risiko minimal. Für einen Teil deiner Ersparnisse ist das eine sinnvolle Ergänzung.
Eine weitere Alternative sind Festgeldanlagen. Hier legst du dein Geld für einen festen Zeitraum an, zum Beispiel für zwei oder fünf Jahre, und bekommst dafür einen höheren Zinssatz als beim Tagesgeld. Das ist eine gute Option, wenn du sicher weißt, dass du das Geld in dieser Zeit nicht benötigst. Achte auf die Einlagensicherung, die dein Geld bis zu einer bestimmten Höhe schützt.
Für Anleger, die höhere Renditen anstreben, kommen ETFs in Frage. Das sind börsengehandelte Fonds, die einen Index wie den DAX abbilden. Sie bieten eine breite Streuung und sind kostengünstig. Allerdings unterliegen sie Kursschwankungen, die du als Rentner verkraften können musst. Ein kleiner Anteil in ETFs kann die Rendite deines Portfolios erhöhen, ohne das Risiko zu stark zu erhöhen.
Schließlich solltest du auch über eine Sofortrente nachdenken. Das ist eine Versicherung, bei der du einmalig einen größeren Betrag einzahlst und dafür eine lebenslange monatliche Rente bekommst. Das bietet dir eine sichere Einkommensquelle im Alter, ähnlich wie eine gesetzliche Rente. Allerdings ist die Verzinsung aktuell niedrig, und du verlierst den Zugriff auf dein Kapital. Vergleiche die Konditionen genau, bevor du dich entscheidest.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Das hängt vom Abschlussdatum ab. Bei Verträgen vor 2005 mit mindestens zwölf Jahren Laufzeit ist die Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr steuerfrei. Bei neueren Verträgen musst du die Erträge versteuern.
Der Rückkaufswert ist der Betrag, den dir der Versicherer bei einer vorzeitigen Kündigung auszahlt. Er liegt oft unter dem eingezahlten Kapital, weil die Abschlusskosten noch nicht vollständig getilgt sind.
Ja, das ist möglich. Spezialisierte Zweitmarktunternehmen kaufen deine Police auf und zahlen dir einen Betrag, der über dem Rückkaufswert liegt. Vergleiche aber mehrere Angebote, um den besten Preis zu bekommen.
Du kannst den Vertrag beitragsfrei stellen lassen. Das bedeutet, du zahlst keine Beiträge mehr, aber der Vertrag läuft mit dem angesparten Kapital weiter. Die spätere Auszahlung fällt dann niedriger aus.
Das kommt auf deine Situation an. Eine Kündigung ist meist die schlechteste Option, weil du nur den Rückkaufswert bekommst. Prüfe vorher, ob Verkauf, Beitragsfreistellung oder Abwarten die bessere Wahl ist.
Die garantierte Leistung ist der Betrag, den du sicher bekommst. Die Überschussbeteiligung ist eine zusätzliche Zahlung, die von der wirtschaftlichen Lage des Versicherers abhängt. Sie kann schwanken oder ganz entfallen.
Der 5-Minuten-Finanzkurs
Eine Mail pro Woche: Versicherung, BAföG, erstes Investieren, ohne Fachchinesisch, ohne Verkaufsdruck.