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FinanzbildungKapitallebensversicherung9 Min.

Kapitallebensversicherung Alles, was du als junger Mensch wissen musst

Was ist eine Kapitallebensversicherung? Funktionsweise, Vor- & Nachteile, Steuern und Alternativen – verständlich erklärt & junge Erwachsene.

KapitallebensversicherRechnerWas ist eine
Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Kombination aus Todesfallschutz und Sparvertrag in einem Produkt
  • Im Todesfall erhalten Hinterbliebene die vereinbarte Versicherungssumme
  • Im Erlebensfall (Vertragsende) erhält der Versicherungsnehmer das angesparte Kapital plus Überschussbeteiligung
  • Abgrenzung zur reinen Risikolebensversicherung: Keine Spar-/Kapitalkomponente dort

Kapitallebensversicherung: Sparvertrag und Todesfallschutz in einem – aber lohnt sich das?

Kombination aus Todesfallschutz und Sparvertrag in einem Produkt

Die Kapitallebensversicherung ist eines der bekanntesten Finanzprodukte Deutschlands – und gleichzeitig eines der umstrittensten. Sie kombiniert Todesfallschutz mit einem langfristigen Sparvertrag, verspricht Sicherheit und steuerliche Vorteile, hat aber auch spürbare Nachteile, die besonders junge Menschen kennen sollten.

Kurz erklärt: Eine Kapitallebensversicherung zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen. Erlebst du das Vertragsende, bekommst du das angesparte Kapital plus eine mögliche Überschussbeteiligung ausgezahlt. Für Verbraucher:innen, die flexibel sparen möchten, ist dieses Produkt in den meisten Fällen jedoch weniger geeignet als flexiblere Alternativen – die Gründe erfährst du auf dieser Seite.

AUF EINEN BLICK

  • Im Todesfall erhalten Hinterbliebene die vereinbarte Versicherungssumme
  • Im Erlebensfall (Vertragsende) erhält der Versicherungsnehmer das angesparte Kapital plus Überschussbeteiligung
  • Abgrenzung zur reinen Risikolebensversicherung: Keine Spar-/Kapitalkomponente dort
  • Klassische Form kaum noch neu angeboten; fondsgebundene Variante als Nachfolger verbreitet

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Was ist eine Kapitallebensversicherung?

Beitrag gliedert sich in Risikoanteil (Todesfallschutz), Sparanteil und Kostenanteil

Eine Kapitallebensversicherung ist ein Versicherungsvertrag, der zwei Funktionen in einem Produkt vereint: Sie schützt deine Hinterbliebenen im Todesfall durch eine vorab vereinbarte Versicherungssumme und baut gleichzeitig über die gesamte Laufzeit ein Kapitalpolster auf. Das macht sie strukturell zu einem Hybridprodukt aus Risikoschutz und Sparplan. In Deutschland war sie jahrzehntelang das meistverkaufte Produkt der Lebensversicherungsbranche und diente vielen Generationen als zentrale Säule der privaten Altersvorsorge.

Im Todesfall erhalten die im Vertrag benannten Hinterbliebenen – häufig Lebenspartner:in oder Kinder – die vereinbarte Versicherungssumme, unabhängig davon, wie lange der Vertrag bereits gelaufen ist. Das ist der klassische Absicherungsgedanke. Im sogenannten Erlebensfall, also wenn du das Vertragsende selbst erreichst, bekommst du das über die Jahre angesparte Kapital zuzüglich einer nicht garantierten Überschussbeteiligung ausgezahlt. Typische Laufzeiten liegen zwischen 20 und 35 Jahren.

Wichtig ist die klare Abgrenzung zur reinen Risikolebensversicherung: Diese zahlt ausschließlich im Todesfall und enthält keinerlei Spar- oder Kapitalkomponente. Dafür ist sie deutlich günstiger und fokussiert – sie schützt Hinterbliebene, ohne dass Beitragsgelder in einen Sparanteil fließen. Wer nur seinen Todesfallschutz sicherstellen möchte, fährt mit der Risikolebensversicherung in der Regel effizienter und kostenärmer.

AUF EINEN BLICK

  • Versicherer legt Sparanteile überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren an
  • Garantierter Rechnungszins (Höchstrechnungszins) staatlich reguliert
  • Laufende Überschussbeteiligung hängt von Kapitalmarktergebnissen des Versicherers ab
  • Schlussüberschuss und Bewertungsreserven als zusätzliche Ertragsquellen am Laufzeitende

Wie funktioniert eine Kapitallebensversicherung genau?

Erlebensfall-Auszahlung kann unter bestimmten Bedingungen hälftig besteuert werden (Halbeinkünfteverfahren

Der monatliche Beitrag, den du in eine Kapitallebensversicherung einzahlst, wird vom Versicherer in drei Teile aufgeteilt: einen Risikoanteil, der den Todesfallschutz finanziert, einen Sparanteil, der in das Deckungskapital fließt, und einen Kostenanteil, der Abschluss- und Verwaltungskosten des Versicherers deckt. Dieser Kostenanteil ist ein zentraler Kritikpunkt: Besonders in den ersten Vertragsjahren werden die sogenannten Abschlusskosten verrechnet, sodass der tatsächlich angesparte Betrag zunächst deutlich hinter den eingezahlten Beiträgen zurückbleibt.

Der Sparanteil wird vom Versicherer überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen und Unternehmensanleihen investiert. Damit soll die Sicherheit des angesparten Kapitals gewährleistet werden. Der Höchstrechnungszins – auch Garantiezins genannt – ist der Zinssatz, den Versicherer auf den Sparanteil mindestens garantieren dürfen. Er wird vom Bundesministerium der Finanzen reguliert und von der BaFin überwacht. Für Neuverträge, die ab dem 1. Januar 2025 abgeschlossen werden, gilt ein Höchstrechnungszins von 1,00 Prozent. Das ist im historischen Vergleich nach wie vor niedrig – in den 1990er-Jahren lag er noch bei 4,00 Prozent.

Zusätzlich zum garantierten Rechnungszins kann der Versicherer eine Überschussbeteiligung ausschütten, wenn seine Kapitalanlagen besser rentieren als kalkuliert. Diese Beteiligung ist jedoch nicht garantiert und kann in ertragsschwachen Jahren reduziert oder ausgesetzt werden. Seit 2008 müssen Versicherer ihren Kund:innen zudem anteilig an den sogenannten Bewertungsreserven beteiligen, also den stillen Gewinnen im Anlageportfolio. Die tatsächlich zu erwartende Gesamtrendite lässt sich daher vorab nicht verlässlich beziffern.

AUF EINEN BLICK

  • Zwei Voraussetzungen laut EStG: Laufzeit mindestens 12 Jahre UND Auszahlung nach Vollendung des 62. Lebensjahres
  • Für Verträge, die diese Bedingungen erfüllen: Nur die Hälfte der Erträge mit persönlichem Steuersatz zu versteuern
  • Ältere Verträge (Abschluss vor bestimmtem Stichtag) können vollständige Steuerfreiheit genießen
  • Todesfallleistung an Hinterbliebene unterliegt ggf. der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer

Wann ist die Auszahlung einer Kapitallebensversicherung steuerfrei oder steuerbegünstigt?

VORTEILE: Kombinierter Schutz + Sparen in einem Vertrag; garantiertes Mindestkapital; steuerliche Privilegien bei langer Laufzeit; Pfändungsschutz unter bestimmten Bedingungen möglich

Die steuerliche Behandlung der Kapitallebensversicherung ist ein häufig genanntes Argument für das Produkt – aber sie ist an klare Bedingungen geknüpft, die du kennen solltest. Für Verträge, die nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, gilt das sogenannte Halbeinkünfteverfahren: Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, muss nur die Hälfte der Erträge (also Auszahlungsbetrag minus eingezahlte Beiträge) mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden.

Die zwei Bedingungen laut Einkommensteuergesetz sind eindeutig: Erstens muss die Vertragslaufzeit mindestens 12 Jahre betragen. Zweitens muss die Auszahlung erst nach Vollendung des 62. Lebensjahres erfolgen (für Verträge ab 2012; für ältere Verträge gilt die Grenze von 60 Jahren). Werden beide Bedingungen erfüllt, ist nur die halbe Ertragssumme steuerpflichtig – das kann gegenüber der regulären Abgeltungsteuer von 25 Prozent vorteilhaft sein, wenn dein persönlicher Steuersatz darunter liegt.

Für ältere Verträge, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden und mindestens 12 Jahre gelaufen sind, gilt in vielen Fällen sogar vollständige Steuerfreiheit der Erträge – diese Regelung genießt Bestandsschutz. Hast du einen solchen Altvertrag, lohnt es sich, ihn nicht vorschnell aufzugeben. Erfüllt ein neuerer Vertrag die Bedingungen nicht, gelten die Erträge vollständig als Kapitalertrag und werden mit 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Steuer besteuert. Beachte dabei: Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (Ledige) beziehungsweise 2.000 Euro (Verheiratete/Eingetragene Lebenspartnerschaften) gilt grundsätzlich auch für diese Erträge.

AUF EINEN BLICK

  • NACHTEILE: Renditeschwach im Vergleich zu ETF-Sparplänen oder fondsgebundenen Alternativen; hohe Abschluss- und Verwaltungskosten drücken Rendite besonders in Anfangsjahren
  • NACHTEILE: Geringe Flexibilität – Kündigung meist mit erheblichen Verlusten verbunden; langer Bindungszeitraum passt selten zur Lebensrealität von Verbraucher:innen
  • NACHTEILE: Todesfallschutz und Altersvorsorge separat zu organisieren ist für die meisten Menschen effizienter (Risikolebensversicherung + ETF-Sparplan
  • Für wen sinnvoll: Personen mit Bedarf an garantiertem Kapital UND Todesfallschutz, steueroptimierungsaffine Langfristsparer mit stabilem Einkommen

Vor- und Nachteile der Kapitallebensversicherung im Überblick

Risikolebensversicherung + ETF-Sparplan: Trennung von Schutz und Rendite; deutlich transparenter und oft kosteneffizienter

Die Kapitallebensversicherung hat durchaus echte Vorzüge – aber sie hat auch strukturelle Schwächen, die besonders junge Versicherungsnehmer:innen treffen. Auf der Habenseite steht zunächst die Kombination aus Todesfallschutz und Sparkomponente in einem einzigen Vertrag, was die Administration vereinfacht. Dazu kommt ein garantiertes Mindestkapital, das Sicherheit bietet, und unter den oben beschriebenen Bedingungen eine steuerliche Begünstigung, die andere Sparprodukte nicht kennen. Auch ein gewisser Pfändungsschutz ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, wenn die Versicherung zugunsten einer anderen Person abgeschlossen wurde.

Auf der Negativseite steht vor allem die vergleichsweise schwache Rendite. Der Garantiezins von derzeit 1,00 Prozent auf den Sparanteil – nicht auf den Gesamtbeitrag – reicht in Zeiten auch moderater Inflation kaum aus, um Kaufkraft zu erhalten. Ein breit gestreuter ETF-Sparplan auf den MSCI World oder vergleichbare Indices hat historisch deutlich höhere Renditen erzielt, wenngleich mit entsprechenden Marktschwankungen. Hinzu kommen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten, die vor allem in den ersten Jahren die Rendite stark belasten und den Rückkaufswert weit unter die eingezahlten Beiträge drücken können.

Ein weiterer gewichtiger Nachteil ist die geringe Flexibilität. Eine Kapitallebensversicherung ist auf Laufzeiten von oft 20 bis 35 Jahren ausgelegt. Eine vorzeitige Kündigung führt fast immer zu finanziellen Verlusten. Das passt schlecht zur Lebensrealität von Menschen in der Berufseinstiegs- und Familiengründungsphase, deren finanzielle Situation und Lebensziele sich rasch verändern können – Jobwechsel, Umzüge, Elternzeit, berufliche Neuorientierung. Für die meisten Verbraucher:innen ist es effizienter, Todesfallschutz und Altersvorsorge separat zu organisieren: eine günstige Risikolebensversicherung für den Schutzaspekt und ein ETF-Sparplan für den Vermögensaufbau.

AUF EINEN BLICK

  • Fondsgebundene Lebensversicherung: Höhere Renditechancen, aber Anlagerisiko liegt beim Versicherungsnehmer
  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Relevant nach Berufseinstieg; steuerlich attraktiv ab einem gewissen Einkommen
  • Private Rentenversicherung (Riester/Rürup): Staatliche Förderung vorhanden, aber Komplexität und Bedingungen prüfen
  • Für Sparer:innen gilt: Liquidität und Flexibilität priorisieren; Festlegung auf Jahrzehnte-Verträge mit unklarer Einkommenssituation birgt Risiko

Kapitallebensversicherung vs. Alternativen: Was passt für wen wirklich?

Kündigung: Rückkaufswert wird ausgezahlt; in frühen Vertragsjahren oft deutlich unter eingezahlten Beiträgen durch Abschlusskostenverrechnung

Wer die Kapitallebensversicherung unter die Lupe nimmt, stößt zwangsläufig auf die Frage nach den Alternativen. Die populärste davon ist die Kombination aus Risikolebensversicherung und ETF-Sparplan. Der Vorteil: Beide Komponenten werden transparent und unabhängig voneinander geführt. Die Risikolebensversicherung sichert Hinterbliebene kostengünstig ab – Beiträge für junge, gesunde Menschen sind oft sehr niedrig. Der ETF-Sparplan investiert flexibel am Kapitalmarkt, kann jederzeit angepasst werden und hat historisch deutlich höhere Renditepotenziale als klassische Lebensversicherungen erzielt. Diese Trennung gilt unter Finanzexperten heute weitgehend als der effizientere Ansatz.

Die fondsgebundene Lebensversicherung ist eine Variante der Lebensversicherung, bei der der Sparanteil in Investmentfonds angelegt wird. Das bietet höhere Renditechancen, verlagert aber das Anlagerisiko vollständig auf den Versicherungsnehmer. Die Kosten sind oft ähnlich hoch wie bei der klassischen Kapitallebensversicherung, weshalb ein direkter ETF-Sparplan ohne Versicherungsmantel häufig günstiger ist. Für manche steuerlichen Konstruktionen – etwa bei sehr hohen Einmalbeträgen – kann die fondsgebundene Variante dennoch interessant sein.

Für Arbeitnehmer:innen kommt die betriebliche Altersvorsorge (bAV) in den Blick. Durch Entgeltumwandlung werden Beiträge aus dem Bruttogehalt eingezahlt, was Steuer- und Sozialabgaben spart. Das macht die bAV ab einem gewissen Einkommen attraktiv, ist aber für Menschen mit geringem oder schwankendem Einkommen meist noch nicht prioritär. Staatlich geförderte Produkte wie Riester oder Rürup haben ihre eigenen Fördermechanismen, die aber mit Bedingungen, eingeschränkter Flexibilität und teils hohen Kosten verbunden sind – eine sorgfältige individuelle Prüfung ist unbedingt zu empfehlen.

Das Fazit für Sparer:innen und Anleger:innen: Die Kapitallebensversicherung ist selten die erste Wahl. Wer geringe oder schwankende Einkünfte hat und noch keine familiären Verpflichtungen trägt, profitiert in der Regel mehr von Flexibilität und Transparenz als von einem jahrzehntelangen Sparvertrag mit eingeschränkter Verfügbarkeit.

AUF EINEN BLICK

  • Beitragsfreistellung: Vertrag läuft weiter, Sparbeiträge entfallen; reduzierte Leistungen, aber Kapitalsicherung möglich
  • Policenankauf: Spezialisierte Aufkäufer zahlen oft mehr als den Rückkaufswert
  • Widerruf: Bei Verträgen mit fehlerhafter Widerrufsbelehrung ggf. rückwirkender Widerruf möglich (Rechtslage komplex, Anwalt konsultieren
  • Vor jeder Entscheidung: Kostenlose Verbraucherberatung (Verbraucherzentrale) empfehlenswert

Kündigung, Beitragsfreistellung und Verkauf: Was tun bei einem bestehenden Vertrag?

Rechnungszins (Höchstrechnungszins): Vom Gesetzgeber / BaFin regulierter Mindestzins, den Versicherer garantieren dürfen

Wenn du bereits eine Kapitallebensversicherung hast – vielleicht wurde sie dir in jungen Jahren von Eltern oder Berater:innen empfohlen – stehst du möglicherweise vor der Frage, was du damit tun sollst. Die Kündigung ist die radikalste Option: Der Versicherer zahlt den sogenannten Rückkaufswert aus. In frühen Vertragsjahren liegt dieser Wert oft deutlich unter den bis dahin eingezahlten Beiträgen, weil die Abschlusskosten zu Beginn der Laufzeit vollständig verrechnet werden. Je länger der Vertrag bereits läuft, desto näher rückt der Rückkaufswert an das tatsächlich angesparte Kapital heran.

Eine schonendere Alternative ist die Beitragsfreistellung: Du stellst die monatlichen Einzahlungen ein, der Vertrag läuft aber weiter. Die Versicherungssumme und die garantierte Ablaufleistung werden reduziert, aber das bereits angesparte Kapital bleibt erhalten und verzinst sich weiter. Das ist oft sinnvoller als eine Kündigung, wenn du den Vertrag grundsätzlich behalten möchtest oder die Bedingungen für die steuerliche Privilegierung noch nicht erfüllt sind.

Eine weniger bekannte Option ist der Verkauf der Police an spezialisierte Aufkäufer, den sogenannten Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Diese Unternehmen zahlen in der Regel einen höheren Preis als den Rückkaufswert, weil sie die Police bis zum Ende weiterführen. Wie groß der Aufschlag tatsächlich ausfällt, hängt von Vertragsdetails, Anbieter und Marktsituation ab – vorsichtig formuliert: Du solltest mehrere Angebote einholen und diese genau prüfen. Schließlich gibt es in bestimmten Fällen noch die Möglichkeit des Widerrufs: Bei Verträgen mit fehlerhafter Widerrufsbelehrung ist unter Umständen auch nach vielen Jahren ein rückwirkender Widerruf möglich. Diese Rechtslage ist komplex; ziehe unbedingt eine anwaltliche Beratung hinzu, bevor du diesen Weg gehst.

AUF EINEN BLICK

  • Rückkaufswert: Betrag, den du bei vorzeitiger Kündigung ausgezahlt bekommst
  • Überschussbeteiligung: Gewinnanteil, den der Versicherer aus seinen Kapitalerträgen weitergibt – nicht garantiert
  • Bewertungsreserven: Stille Reserven im Anlageportfolio des Versicherers; müssen anteilig ausgezahlt werden
  • Erlebensfall: Vertragsende bei Überleben des Versicherungsnehmers (Gegensatz: Todesfall

Glossar: Die wichtigsten Fachbegriffe zur Kapitallebensversicherung einfach erklärt

Rechnungszins (Höchstrechnungszins): Der staatlich regulierte Zinssatz, den Versicherer auf den Sparanteil der Beiträge mindestens garantieren müssen. Er wird vom Bundesministerium der Finanzen festgelegt und von der BaFin überwacht. Für Neuverträge ab 2025 beträgt er 1,00 Prozent. Dieser Zins bezieht sich nur auf den Sparanteil – nicht auf den Gesamtbeitrag.

Rückkaufswert: Der Betrag, den du bei vorzeitiger Kündigung deines Vertrages ausgezahlt bekommst. Er ergibt sich aus dem angesammelten Deckungskapital abzüglich noch nicht vollständig verrechneter Kosten und eventueller Stornoabzüge. In frühen Vertragsjahren liegt er oft erheblich unter den eingezahlten Beiträgen.

Überschussbeteiligung: Der Gewinnanteil, den der Versicherer aus seinen Kapitalanlageergebnissen an die Versicherungsnehmer:innen weitergibt. Sie wird jährlich neu festgelegt und ist ausdrücklich nicht garantiert. In Jahren schwacher Kapitalmarktergebnisse kann sie reduziert werden oder ganz entfallen.

Bewertungsreserven: Stille Reserven im Anlageportfolio eines Versicherers, die entstehen, wenn Anlagen im Wert gestiegen sind, aber noch nicht verkauft wurden. Seit 2008 sind Versicherer verpflichtet, Kund:innen bei Vertragsende oder Kündigung anteilig an diesen Reserven zu beteiligen. Wie hoch dieser Anteil ausfällt, variiert je nach Marktlage und Anlageportfolio des Versicherers stark.

Kapitallebensversicherung: Sicherheit mit Preis

Die Kapitallebensversicherung ist kein schlechtes Produkt – aber sie ist ein Produkt seiner Zeit. Entstanden in einer Ära hoher Garantiezinsen und bevor ETFs für Privatanleger:innen zugänglich waren, hat sie heute in vielen Fällen kostengünstigere und flexiblere Alternativen. Für Verbraucher:innen ohne familiäre Verpflichtungen ist sie in aller Regel nicht das optimale Einstiegsprodukt. Wer jedoch bereits einen Altvertrag hat – insbesondere mit Steuerfreiheit oder hohem Garantiezins – sollte genau prüfen, ob ein Ausstieg tatsächlich sinnvoll ist.

Bestehende Verträge verdienen eine individuelle Analyse: Rückkaufswert, Restlaufzeit, steuerliche Situation und alternative Anlageoptionen müssen gegeneinander abgewogen werden. Neue Verträge sollten nur nach gründlichem Vergleich mit Alternativen abgeschlossen werden. In jedem Fall gilt: Verstehe, was du unterschreibst, bevor du langfristige Verpflichtungen eingehst.

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Häufige Fragen

Für Verbraucher:innen lohnt sich eine Kapitallebensversicherung in der Regel nicht, da die Rendite nach Kosten und Inflation meist gering ausfällt und das Geld langfristig gebunden ist. Als Sparer:in hast du oft andere, flexiblere Anlagemöglichkeiten, die besser zu deiner Lebenssituation passen.

Die Auszahlung einer Kapitallebensversicherung ist steuerfrei, wenn der Vertrag nach dem 31.12.2004 abgeschlossen wurde und die Laufzeit mindestens zwölf Jahre beträgt. Zusätzlich müssen Sie die Versicherungsbeiträge aus versteuertem Einkommen gezahlt haben und die Auszahlung erfolgt frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres.

Wenn Sie eine Kapitallebensversicherung kündigen, erhalten Sie den Rückkaufswert ausgezahlt, der in den ersten Jahren oft deutlich unter den eingezahlten Beiträgen liegt. Zudem verfällt der Versicherungsschutz, und eventuelle Überschussanteile oder Schlusszahlungen gehen Ihnen verloren.

Die Kapitallebensversicherung kombiniert einen Todesfallschutz mit einem Sparanteil, der zu einer Auszahlung bei Ablauf führt. Die Risikolebensversicherung hingegen zahlt nur im Todesfall an die Hinterbliebenen und hat keinen Sparanteil, wodurch die Beiträge deutlich niedriger sind.

Der Garantiezins für neu abgeschlossene Kapitallebensversicherungen liegt 2026 auf einem sehr niedrigen Niveau, das von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht festgelegt wird. Konkrete Zahlen können Sie aktuellen Veröffentlichungen entnehmen, da der Wert sich regelmäßig ändert und nicht dauerhaft festgeschrieben ist.

Ja, Sie können eine Kapitallebensversicherung beleihen, also ein Darlehen gegen den Rückkaufswert des Vertrags aufnehmen. Die Beleihung ist jedoch nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz des Rückkaufswerts möglich und kann die spätere Auszahlung mindern, wenn Sie das Darlehen nicht zurückzahlen.

Als Altersvorsorge ist eine Kapitallebensversicherung nur bedingt sinnvoll, da die Renditen in den letzten Jahren stark gesunken sind und die Kosten oft hoch sind. Für die Altersvorsorge können andere Produkte wie ETFs oder die gesetzliche Rentenversicherung attraktiver sein, je nach Ihrer persönlichen Situation.

Bei einer Kapitallebensversicherung wird der Sparanteil vom Versicherer konservativ am Kapitalmarkt angelegt, während bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung die Beiträge in Investmentfonds investiert werden. Dadurch haben Sie bei der fondsgebundenen Variante höhere Renditechancen, aber auch ein höheres Verlustrisiko, während die klassische Variante eine garantierte Mindestleistung bietet.

Quellen & Stand 09.07.2026

MS

StudySmarter-Redaktion

Finanz-Redaktion · StudySmarter
Marie macht Finanzthemen für Studierende verständlich – von der ersten Versicherung bis zum ersten Sparplan.

Redaktionell geprüft. Alle Zahlen mit Quellenangabe, Stand 09.07.2026. Dieser Artikel ist Finanzbildung – keine Rechts- oder Steuerberatung.

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