Ratgeber · Versicherung
Lohnt sich Krankentagegeld? So schließt du die Einkommenslücke
Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung sinkt dein Einkommen bei längerer Krankheit oft deutlich. Eine Krankentagegeldversicherung kann diese Lücke schließen, wenn das gesetzliche Krankengeld nicht ausreicht.
11 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Gesetzliches Krankengeld beträgt 70 Prozent des Bruttolohns, ist aber gedeckelt.
- Privatversicherte und Selbstständige ohne Lohnfortzahlung brauchen meist eine Krankentagegeldversicherung.
- Die Versicherung zahlt nach einer vereinbarten Karenzzeit einen festen Tagessatz.
- Beamte benötigen kein Krankentagegeld, da der Dienstherr die Bezüge weiterzahlt.
01 · Grundlagen
Was ist eine Krankentagegeldversicherung?
Die Krankentagegeldversicherung ist eine private Zusatzversicherung, die bei Arbeitsunfähigkeit ein vereinbartes Tagegeld zahlt. Sie greift unabhängig vom gesetzlichen Krankengeld und ist für viele Erwerbstätige die einzige Absicherung gegen Verdienstausfall.
Die Krankentagegeldversicherung zahlt dir einen vertraglich festgelegten Tagessatz, wenn du wegen Krankheit oder eines Unfalls arbeitsunfähig bist. Die Auszahlung beginnt erst nach einer Karenzzeit, die du individuell mit dem Versicherer vereinbarst. Diese Karenzzeit kann einige Tage oder Wochen betragen.
Wichtig ist, dass du deine Arbeitsunfähigkeit direkt am ersten Tag ärztlich bescheinigen lässt. Die privaten Krankenversicherer erkennen keine rückwirkende Feststellung der Arbeitsunfähigkeit an. Die Karenzzeit beginnt also erst, wenn eine Ärztin oder ein Arzt deine Arbeitsunfähigkeit feststellt.
Das Krankentagegeld ist steuer- und abgabenfrei, weil es als private Versicherungsleistung und nicht als Arbeitsentgelt gilt. Der versicherte Tagessatz wird dir also netto ausgezahlt.
Kurz erklärt
Krankentagegeldversicherung
Eine private Versicherung, die bei krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit einen vertraglich festgelegten Tagessatz zahlt. Die Auszahlung beginnt nach einer individuell vereinbarten Karenzzeit.
Sie sichert die Differenz zwischen deinem gewohnten Nettoeinkommen und dem gesetzlichen Krankengeld ab oder ist für Personen ohne Krankengeldanspruch die alleinige Einkommensquelle im Krankheitsfall.
02 · Vergleich
Krankengeld oder Krankentagegeld: Wo liegt der Unterschied?
Beide Leistungen zahlen bei Arbeitsunfähigkeit, unterscheiden sich aber in Anbieter, Höhe und Anspruchsvoraussetzungen. Der Vergleich zeigt, warum das gesetzliche Krankengeld für viele nicht ausreicht.
Das gesetzliche Krankengeld zahlt deine Krankenkasse, das private Krankentagegeld eine Versicherungsgesellschaft. Beide Leistungen unterscheiden sich in Höhe, Anspruchsvoraussetzungen und Beginn der Zahlung.
Das gesetzliche Krankengeld beträgt 70 Prozent deines Bruttolohns, ist aber gedeckelt bei 70 Prozent der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze von 5.512,50 Euro. Mehr als 3.858,75 Euro brutto Krankengeld im Monat erhältst du nicht, selbst wenn du deutlich mehr verdienst.
Vom Krankengeld gehen noch Sozialabgaben ab. Als Angestellter zahlst du für die Rentenversicherung höchstens 359 Euro im Monat, in der Pflegeversicherung mit einem Kind 69 Euro und etwa 50 Euro für die Arbeitslosenversicherung. So bleiben rund 3.380 Euro netto Krankengeld im Monat übrig.
| Gesetzliches Krankengeld | Private Krankentagegeldversicherung | |
|---|---|---|
| Zahler | Gesetzliche Krankenkasse | Private Versicherungsgesellschaft |
| Anspruch | Nur für gesetzlich Versicherte mit Krankengeldanspruch | Für gesetzlich und privat Versicherte, unabhängig vom Status |
| Höhe | 70 Prozent des Bruttolohns, gedeckelt bei 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze | Individuell vereinbarter Tagessatz, unabhängig vom Einkommen |
| Beginn | Ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit | Nach vereinbarter Karenzzeit, oft ab dem 43. Tag oder früher |
03 · Schritt für Schritt
So entsteht die Einkommenslücke bei Arbeitsunfähigkeit
Vom Bruttogehalt zum Krankengeld: Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung sinkt das verfügbare Einkommen oft um mehrere Hundert Euro. Diese Rechnung zeigt, wo die Versorgungslücke entsteht.
In den ersten sechs Wochen deiner Arbeitsunfähigkeit zahlt dein Arbeitgeber das volle Gehalt weiter. Ab dem 43. Tag übernimmt die gesetzliche Krankenkasse und zahlt Krankengeld in Höhe von 70 Prozent deines Bruttolohns.
Die Differenz zwischen deinem gewohnten Nettoeinkommen und dem ausgezahlten Krankengeld ist deine persönliche Einkommenslücke. Je höher dein Einkommen, desto größer fällt diese Lücke aus, weil das Krankengeld bei 3.858,75 Euro brutto gedeckelt ist.
Eine private Krankentagegeldversicherung kann genau diese Differenz schließen. Du vereinbarst einen Tagessatz, der unabhängig von deinem Einkommen ist und die Lücke gezielt abdeckt.
Woche 1 bis 6: Lohnfortzahlung
Dein Arbeitgeber zahlt dein volles Gehalt weiter. Für gesetzlich versicherte Angestellte entsteht noch keine Lücke.
Ab Tag 43: Krankengeld der Krankenkasse
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt 70 Prozent deines Bruttolohns, maximal 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Davon gehen noch Sozialabgaben ab.
Nettoeinkommen sinkt
Die Differenz zwischen deinem gewohnten Nettoeinkommen und dem ausgezahlten Krankengeld ist deine persönliche Einkommenslücke.
Krankentagegeld schließt die Lücke
Eine private Krankentagegeldversicherung zahlt einen festen Tagessatz, der diese Lücke ganz oder teilweise ausgleicht.
04 · Was gilt
Für wen lohnt sich Krankentagegeld?
Nicht jeder braucht eine Krankentagegeldversicherung. Ob sie sich lohnt, hängt von deinem Versichertenstatus, deinem Einkommen und deiner beruflichen Situation ab.
Für manche Personengruppen ist sie unverzichtbar, für andere überflüssig.
Privatversicherte Angestellte haben nach sechs Wochen Lohnfortzahlung keinen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld. Für sie ist die Krankentagegeldversicherung die einzige Möglichkeit, bei längerer Krankheit Einkommen zu erhalten.
- Selbstständige und Freiberufler haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung und benötigen in der Regel eine Krankentagegeldversicherung.
- Gutverdiener, deren Krankengeld deutlich unter dem Nettoeinkommen liegt, können die Lücke mit Krankentagegeld schließen.
- Beamte brauchen kein Krankentagegeld, weil der Dienstherr die Bezüge im Krankheitsfall weiterzahlt.
Lohnt sich
Lohnt sich nicht
05 · Kosten
Die Beitragsbemessungsgrenze als Deckel fürs Krankengeld
Die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt nicht nur deine Sozialabgaben, sondern auch die Höhe deines gesetzlichen Krankengelds. Für Gutverdiener ist sie der entscheidende Faktor für die Versorgungslücke.
Sie liegt 2026 bei monatlich 5.512,50 Euro.
Das maximale Bruttokrankengeld beträgt 70 Prozent dieser Grenze, also 3.858,75 Euro im Monat. Verdienst du mehr als die Beitragsbemessungsgrenze, bleibt dein Krankengeld trotzdem bei diesem Betrag gedeckelt.
Nach Abzug der Sozialabgaben bleiben rund 3.380 Euro netto übrig. Die Differenz zu deinem gewohnten Nettoeinkommen musst du selbst tragen, wenn du keine private Krankentagegeldversicherung hast.
So wirkt die Beitragsbemessungsgrenze auf dein Krankengeld
06 · Checkliste
So hoch sollte dein Krankentagegeld sein
Die richtige Höhe des Krankentagegelds orientiert sich an deinen monatlichen Ausgaben, nicht an deinem Bruttogehalt. Eine einfache Rechnung hilft dir, deinen Bedarf zu ermitteln.
Notiere alle monatlichen Fixkosten wie Miete, Kredite, Versicherungen, Lebensmittel und Mobilität. Ermittle dann dein aktuelles Nettoeinkommen und berechne dein voraussichtliches gesetzliches Krankengeld.
- Berechne dein Krankengeld: 70 Prozent vom Bruttolohn, maximal 3.858,75 Euro brutto, abzüglich Sozialabgaben.
- Bilde die Differenz zwischen deinem Nettoeinkommen und dem Krankengeld.
- Wähle den Krankentagegeld-Tagessatz so, dass er diese Differenz abdeckt.
- Berücksichtige Rücklagen für unregelmäßige Ausgaben wie Urlaub oder Reparaturen.
Schritte zur Ermittlung deines Krankentagegeld-Bedarfs
Notiere alle monatlichen Fixkosten: Miete, Kredite, Versicherungen, Lebensmittel, Mobilität.
Ermittle dein aktuelles Nettoeinkommen pro Monat.
Berechne dein voraussichtliches gesetzliches Krankengeld: 70 Prozent vom Bruttolohn, maximal 3.858,75 Euro brutto, abzüglich Sozialabgaben.
Bilde die Differenz zwischen Nettoeinkommen und Krankengeld.
Wähle den Krankentagegeld-Tagessatz so, dass er diese Differenz abdeckt.
Berücksichtige Rücklagen für unregelmäßige Ausgaben wie Urlaub oder Reparaturen.
07 · Hintergrund
Verdienstausfall bei Selbstständigen und Freiberuflern
Selbstständige und Freiberufler haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Fällt das Einkommen durch Krankheit aus, müssen sie die laufenden Kosten aus eigener Kraft decken.
Wer selbstständig oder freiberuflich arbeitet, bekommt im Krankheitsfall kein Gehalt vom Arbeitgeber. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt nur dann Krankengeld, wenn du dich als gesetzlich versicherter Selbstständiger für den Krankengeldanspruch entschieden hast.
Dieser Anspruch beginnt frühestens ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Privatversicherte Selbstständige haben gar keinen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld und sind auf eine private Krankentagegeldversicherung angewiesen.
Ohne Absicherung droht der Verdienstausfall schnell zur Existenzbedrohung zu werden. Betriebskosten wie Miete, Gehälter oder Finanzierungskosten laufen weiter, auch wenn du selbst nicht arbeiten kannst.
Wer selbstständig oder freiberuflich arbeitet, bekommt im Krankheitsfall kein Gehalt vom Arbeitgeber. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt nur dann Krankengeld, wenn du dich als gesetzlich versicherter Selbstständiger für den Krankengeldanspruch entschieden hast. Dieser beginnt frühestens ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit.
Privatversicherte Selbstständige haben gar keinen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld. Für sie ist eine Krankentagegeldversicherung die einzige Möglichkeit, bei längerer Krankheit Einkommen zu erhalten. Ohne Absicherung droht der Verdienstausfall schnell zur Existenzbedrohung zu werden, denn Betriebskosten wie Miete, Gehälter oder Finanzierungskosten laufen weiter.
Eine Krankentagegeldversicherung kann für Selbstständige so gewählt werden, dass sie bereits nach kurzer Karenzzeit zahlt. Das überbrückt die Zeit, bis das gesetzliche Krankengeld einsetzt, oder ersetzt es vollständig. Die Höhe des Tagessatzes sollte sich an den monatlichen Betriebs- und Lebenshaltungskosten orientieren.
08 · Was gilt
Privatversicherte: Ohne Krankentagegeld droht die Versorgungslücke
Privat Krankenversicherte erhalten nach sechs Wochen Lohnfortzahlung kein gesetzliches Krankengeld. Für sie ist die Krankentagegeldversicherung keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Die meisten Privatversicherten schließen die Krankentagegeldversicherung zusammen mit ihrer Krankenversicherung ab. Das ist aber kein Muss, du kannst dich auch bei einem anderen Anbieter versichern, der bessere Bedingungen bietet.
Ohne private Krankentagegeldversicherung hast du nach der sechsten Woche keinerlei Einkommen aus Versicherungsleistungen. Deine laufenden Kosten musst du dann aus Ersparnissen oder anderen Quellen decken.
Abgesichert
Nicht abgesichert
09 · Im Vertrag
Wichtige Vertragsklauseln in der Krankentagegeldversicherung
Die Qualität einer Krankentagegeldversicherung zeigt sich in den Vertragsbedingungen. Diese Klauseln entscheiden, ob die Versicherung im Ernstfall wirklich zahlt.
Die Karenzzeit bestimmt, ab wann die Versicherung zahlt. Üblich sind 43 Tage, möglich sind auch kürzere Zeiten. Je kürzer die Karenzzeit, desto teurer wird der Beitrag.
- Achte auf die Definition der Arbeitsunfähigkeit: Die Versicherung zahlt nur, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kannst.
- Vermeide Tarife mit abstrakter Verweisung, die dich auf einen anderen Beruf verweisen können.
- Eine Nachversicherungsgarantie erlaubt dir, den Tagessatz ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
- Prüfe, ob du den Tagessatz einmal im Jahr unbegrenzt erhöhen kannst und ob dies ohne Wartezeit möglich ist.
Darauf solltest du im Vertrag achten
10 · Fehler vermeiden
Häufige Fehler beim Abschluss einer Krankentagegeldversicherung
Viele Versicherte wählen den falschen Tagessatz oder übersehen wichtige Vertragsklauseln. Diese Fehler kannst du vermeiden.
Diese Fehler kannst du vermeiden, wenn du vor dem Abschluss genau hinschaust.
Ein zu niedriger Tagessatz deckt die Einkommenslücke nicht vollständig. Ermittle deinen Bedarf anhand deiner monatlichen Ausgaben und nicht anhand einer groben Schätzung.
- Zu lange Karenzzeit: Die Versicherung zahlt erst nach 43 Tagen, obwohl du schon früher Einkommen brauchst.
- Fehlende Nachversicherungsgarantie: Bei Einkommenssteigerungen bleibt dein Schutz unzureichend.
- Abstrakte Verweisung: Die Versicherung verweist dich auf einen anderen Beruf, den du theoretisch noch ausüben könntest.
- Keine Gesundheitsprüfung vor Vertragsabschluss: Vorerkrankungen können zur Ablehnung führen.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
11 · Kosten
Was kostet eine Krankentagegeldversicherung?
Die Beiträge hängen von Alter, Gesundheitszustand und Tagessatz ab. Eine Orientierung hilft dir, realistische Kosten einzuschätzen.
Die Beiträge für eine Krankentagegeldversicherung sind einkommensunabhängig. Entscheidende Faktoren sind dein Alter, dein Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss und der gewählte Tagessatz.
Für ein Krankentagegeld von 100 Euro ab dem 43. Tag liegen die monatlichen Beiträge bei einem Eintrittsalter von 30 Jahren zwischen 32 und 36 Euro. Mit 40 Jahren zahlst du zwischen 42 und 48 Euro, mit 50 Jahren zwischen 61 und 68 Euro.
Je früher du abschließt, desto günstiger bleibt der Beitrag. Der Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss ist entscheidend, weil die Versicherer deine Gesundheit prüfen und dich ablehnen können.
Monatliche Beiträge für 100 Euro Krankentagegeld ab dem 43. Tag
Häufige Fragen
Fragen zu Lohnt sich Krankentagegeld? So schließt du die Einkommenslücke
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