Ratgeber · Versicherung
Krankentagegeld Höhe: So sichern Sie Ihren Verdienstausfall richtig ab
Die Höhe des Krankentagegeldes entscheidet darüber, wie nah Ihr Einkommen im Krankheitsfall an Ihrem gewohnten Netto bleibt. Besonders für Selbstständige und Gutverdienende ist die richtige Kalkulation entscheidend, um finanzielle Lücken zu vermeiden.
9 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Gesetzlich Versicherte erhalten maximal 70 Prozent des Bruttoeinkommens, begrenzt auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.
- Die Beitragsbemessungsgrenze deckelt das gesetzliche Krankengeld, wodurch Gutverdienende eine größere Lücke haben.
- Privatversicherte können die Höhe des Krankentagegeldes fast frei wählen, begrenzt durch das Nettoeinkommen.
- Selbstständige ohne gesetzlichen Krankengeldanspruch sichern ihren Verdienstausfall vollständig privat ab.
01 · Grundlagen
Was bedeutet die Höhe des Krankentagegeldes?
Das Krankentagegeld ist eine Geldleistung, die Ihren Verdienstausfall bei Arbeitsunfähigkeit abfedert. Die Höhe bestimmt, wie viel Geld Ihnen monatlich zur Verfügung steht, wenn Sie krankheitsbedingt nicht arbeiten können.
Die Höhe deines Krankentagegeldes legst du bei Vertragsabschluss fest. Sie bestimmt, welcher Geldbetrag dir für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit ausgezahlt wird. In der privaten Krankenversicherung ist dieser Betrag fast frei vereinbar, wird aber durch dein Nettoeinkommen begrenzt.
Du kannst dich also nicht über dein tatsächliches Einkommen hinaus versichern. Das verhindert, dass eine Krankheit finanziell attraktiver wird als das Arbeiten. Für gesetzlich Versicherte dient das private Krankentagegeld dazu, die Lücke zum gesetzlichen Krankengeld zu schließen.
Die Höhe des Krankentagegeldes orientiert sich immer an deinem Nettoeinkommen. Ein zu hoher vereinbarter Satz wird vom Versicherer nicht akzeptiert, ein zu niedriger Satz führt im Ernstfall zu einer Versorgungslücke.
Kurz erklärt
Krankentagegeld
Eine private Versicherungsleistung, die bei Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfall ein zuvor vereinbartes Tagesgeld zahlt. Es ersetzt den Verdienstausfall, der nicht durch Lohnfortzahlung oder gesetzliches Krankengeld gedeckt ist.
Die Höhe wird bei Vertragsabschluss individuell vereinbart und orientiert sich an Ihrem Nettoeinkommen.
02 · Vergleich
Gesetzliches Krankengeld und privates Krankentagegeld im Vergleich
Die Höhe der Absicherung unterscheidet sich grundlegend zwischen gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und privater Krankentagegeldversicherung. Der Vergleich zeigt, welche Einkommenslücken entstehen können.
Das gesetzliche Krankengeld beträgt 70 Prozent deines Bruttoeinkommens, ist aber auf 90 Prozent deines Nettoeinkommens begrenzt. Zudem wird nur Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt. Verdienst du mehr, bleibt ein Teil deines Gehalts unberücksichtigt und die Lücke wird größer.
Ein privates Krankentagegeld wird dagegen als fester Tages- oder Monatssatz vereinbart. Dieser Satz ist nicht durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt, sondern nur durch dein Nettoeinkommen. Dadurch kannst du auch Einkommensteile oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze absichern.
Der Beginn der Zahlung unterscheidet sich ebenfalls: Das gesetzliche Krankengeld startet ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit, das private Krankentagegeld nach der von dir gewählten Karenzzeit. Diese kann deutlich früher liegen, zum Beispiel ab dem 43. Tag oder bei Selbstständigen ab dem 4. Tag.
| Gesetzliches Krankengeld (GKV) | Privates Krankentagegeld | |
|---|---|---|
| Berechnungsbasis | 70 Prozent des Bruttoeinkommens, maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens | Individuell vereinbarter Tages- oder Monatssatz, begrenzt durch das Nettoeinkommen |
| Einkommensgrenze | Beitragsbemessungsgrenze deckelt die Berechnung | Keine Deckelung durch die Beitragsbemessungsgrenze |
| Beginn der Zahlung | Ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit | Nach individuell gewählter Karenzzeit, z. B. ab dem 43. Tag oder früher |
| Sozialversicherungsbeiträge | Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung werden abgezogen | Keine Sozialversicherungsbeiträge auf die Leistung |
03 · Schritt für Schritt
So berechnen Sie die passende Höhe Ihres Krankentagegeldes
Die richtige Höhe zu finden, ist eine individuelle Rechnung. Sie sollten Ihre monatlichen Ausgaben kennen und die Lücke zwischen gesetzlicher Leistung und Nettoeinkommen schließen.
Zuerst ermittelst du dein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen. Berücksichtige dabei auch regelmäßige Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, da diese dein gewohntes Budget erhöhen. Nur so erkennst du, welcher Betrag dir im Krankheitsfall tatsächlich fehlt.
Im zweiten Schritt berechnest du dein gesetzliches Krankengeld. Es beträgt 70 Prozent des Bruttoeinkommens, höchstens aber 90 Prozent des Nettoeinkommens, und wird nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berechnet. Die Differenz zwischen diesem Wert und deinem Nettoeinkommen ist deine Versorgungslücke.
Diese Lücke ist der Zielwert für dein privates Krankentagegeld. Du musst sie nicht zu 100 Prozent schließen, aber du solltest wissen, auf welchen Betrag du im Ernstfall verzichten müsstest. Prüfe dann, ob deine Rücklagen ausreichen oder ob du die Lücke versichern möchtest.
Nettoeinkommen ermitteln
Stellen Sie fest, wie hoch Ihr durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen ist. Berücksichtigen Sie auch regelmäßige Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.
Gesetzliche Leistung berechnen
Ermitteln Sie, wie hoch Ihr gesetzliches Krankengeld wäre: 70 Prozent des Bruttoeinkommens, gedeckelt auf 90 Prozent des Nettoeinkommens und begrenzt durch die Beitragsbemessungsgrenze.
Versorgungslücke erkennen
Ziehen Sie das gesetzliche Krankengeld von Ihrem Nettoeinkommen ab. Die Differenz ist die Lücke, die Sie mit einem privaten Krankentagegeld schließen können.
Krankentagegeld festlegen
Wählen Sie eine Krankentagegeld-Höhe, die diese Lücke schließt. Achten Sie darauf, dass die Versicherungssumme Ihr Nettoeinkommen nicht übersteigt.
04 · Was gilt
Wann zahlt die Krankentagegeldversicherung in voller Höhe?
Die Auszahlung der vereinbarten Höhe ist an Bedingungen geknüpft. Entscheidend sind der Beginn der Arbeitsunfähigkeit, die Karenzzeit und die ärztliche Feststellung.
Die volle Leistung erhältst du nur, wenn deine Arbeitsunfähigkeit durch eine Ärztin oder einen Arzt schriftlich festgestellt wurde. Die Karenzzeit beginnt erst an dem Tag, an dem diese Feststellung erfolgt. Eine rückwirkende Bescheinigung erkennen private Krankenversicherer nicht an.
Nach Ablauf der vereinbarten Karenzzeit wird das Krankentagegeld für jeden Kalendertag der Arbeitsunfähigkeit gezahlt. Während der Lohnfortzahlung durch deinen Arbeitgeber in den ersten sechs Wochen ruht die Leistung. Du kannst nicht gleichzeitig Lohn und Krankentagegeld beziehen.
Beispiel: Du bist selbstständig und hast eine Karenzzeit von 21 Tagen vereinbart. Gehst du erst am 10. Krankheitstag zur Ärztin, beginnt die Karenzzeit erst dann. Dein Krankentagegeld wird nicht ab dem 22. Tag, sondern erst ab dem 32. Tag deiner Erkrankung gezahlt.
Da zahlt sie
Da zahlt sie nicht
05 · Kosten
Die Kosten der Krankentagegeldversicherung im Überblick
Der Beitrag für eine Krankentagegeldversicherung hängt von der Höhe der versicherten Leistung, dem Eintrittsalter, dem Gesundheitszustand und der gewählten Karenzzeit ab.
Der monatliche Beitrag hängt von mehreren Faktoren ab. Die wichtigsten sind die Höhe des vereinbarten Krankentagegeldes, dein Eintrittsalter, dein Gesundheitszustand und die gewählte Karenzzeit. Je höher die Leistung und je kürzer die Karenzzeit, desto teurer wird der Tarif.
Ein niedriges Krankentagegeld von beispielsweise 30 Euro pro Tag führt zu einem niedrigeren Beitrag als ein hohes Krankentagegeld von 120 Euro pro Tag. Auch die Karenzzeit wirkt sich spürbar aus: Ein Beginn ab dem 4. Tag kostet mehr als ein Beginn ab dem 43. Tag.
Die genaue Beitragshöhe ist immer individuell. Sie lässt sich nur über eine persönliche Berechnung mit deinen Angaben ermitteln. Ein Vergleich verschiedener Tarife ist sinnvoll, weil die Beiträge für vergleichbare Leistungen unterschiedlich ausfallen können.
Einflussfaktoren auf den monatlichen Beitrag
06 · Im Vertrag
Wichtige Klauseln zur Höhe des Krankentagegeldes
In den Versicherungsbedingungen finden sich Regelungen, die die Höhe der Leistung beeinflussen. Diese Klauseln sollten Sie vor Vertragsabschluss genau prüfen.
Die Karenzzeit legt fest, wann die Zahlung beginnt. Üblich sind für Arbeitnehmer 43 Tage, weil der Arbeitgeber sechs Wochen lang das Gehalt weiterzahlt. Selbstständige wählen oft kürzere Karenzzeiten, zum Beispiel 4 oder 22 Tage, weil bei ihnen das Einkommen sofort wegfällt.
Die Höchstleistungsdauer begrenzt, wie lange du Krankentagegeld für dieselbe Krankheit erhältst. In vielen Tarifen sind das 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Danach endet die Zahlung, auch wenn du weiterhin arbeitsunfähig bist.
Bei einer Erhöhung des Krankentagegeldes kann der Versicherer eine erneute Gesundheitsprüfung verlangen. Nach einer Gehaltserhöhung ist die Anpassung oft ohne Prüfung möglich, wenn du sie innerhalb einer im Vertrag bestimmten Frist beantragst. Prüfe diese Frist, damit du keine Nachteile hast.
Relevante Vertragsklauseln
07 · Checkliste
Checkliste: So finden Sie die richtige Krankentagegeld-Höhe
Mit dieser Prüfliste ermitteln Sie Ihren Bedarf und vermeiden eine Unter- oder Überversicherung.
Die passende Höhe zu finden, ist eine Rechenaufgabe mit mehreren Schritten. Wenn du sie systematisch angehst, vermeidest du sowohl eine Unterversicherung als auch unnötig hohe Beiträge. Die folgenden Punkte helfen dir bei der Bedarfsanalyse.
- Notiere dein monatliches Nettoeinkommen inklusive regelmäßiger Sonderzahlungen.
- Berechne dein gesetzliches Krankengeld oder lass es berechnen.
- Halte die Differenz zwischen Nettoeinkommen und gesetzlichem Krankengeld als Zielwert fest.
- Wähle die Karenzzeit passend zu deiner Lohnfortzahlung oder zu deinen eigenen Rücklagen.
- Prüfe, ob eine Erhöhung des Krankentagegeldes bei Gehaltssteigerungen ohne Gesundheitsprüfung möglich ist.
- Lies die Versicherungsbedingungen zur Höchstleistungsdauer und zu Ausschlüssen.
Der Zielwert aus Schritt 3 ist deine Orientierung für die Vertragsgestaltung. Du musst nicht jeden Euro absichern, aber du solltest wissen, welche Lücke im Ernstfall entsteht und ob du sie tragen kannst.
Ihre persönliche Bedarfsanalyse
Monatliches Nettoeinkommen inklusive Sonderzahlungen notieren
Höhe des gesetzlichen Krankengeldes berechnen oder berechnen lassen
Differenz zwischen Nettoeinkommen und gesetzlichem Krankengeld als Zielwert festhalten
Karenzzeit passend zur Lohnfortzahlung oder zu eigenen Rücklagen wählen
Prüfen, ob eine Erhöhung des Krankentagegeldes bei Gehaltssteigerungen ohne Gesundheitsprüfung möglich ist
Versicherungsbedingungen zur Höchstleistungsdauer und zu Ausschlüssen lesen
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Festlegung der Krankentagegeld-Höhe
Eine falsch gewählte Höhe kann im Ernstfall zu finanziellen Engpässen führen. Diese Fehler sollten Sie vermeiden.
Ein häufiger Fehler ist ein zu niedrig gewähltes Krankentagegeld. Es schließt die Lücke zum Nettoeinkommen nicht und führt im Krankheitsfall trotz Versicherung zu finanziellen Engpässen. Besonders bei hohen Fixkosten wie Miete oder Krediten wird das schnell zum Problem.
Auch eine zu lange Karenzzeit kann sich rächen. Wenn deine Rücklagen aufgebraucht sind, bevor die Zahlung beginnt, entsteht eine Durststrecke. Selbstständige, die ab dem 43. Tag versichert sind, obwohl ab dem ersten Krankheitstag kein Einkommen fließt, gehen ein vermeidbares Risiko ein.
Ein weiterer Fehler ist, die Höhe nach einer Gehaltserhöhung nicht anzupassen. Dein gewohntes Nettoeinkommen steigt, deine Versicherung bleibt aber auf dem alten Stand. Die Lücke wird größer, ohne dass du es merkst. Prüfe deshalb bei jeder Gehaltserhöhung deinen Bedarf.
Häufige Fehler
09 · Hintergrund
Krankentagegeld-Höhe für Selbstständige und Gutverdienende
Für Selbstständige und Gutverdienende gelten besondere Überlegungen, da die gesetzliche Absicherung entweder fehlt oder durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt ist.
Selbstständige und Freiberufler erhalten im Krankheitsfall keine Lohnfortzahlung durch einen Arbeitgeber. Ihr Einkommen kann bereits ab dem ersten Krankheitstag entfallen. Daher ist für sie eine Krankentagegeldversicherung mit kurzer Karenzzeit, zum Beispiel ab dem 4. oder 22. Tag, besonders wichtig.
Die Höhe sollte so gewählt werden, dass sie die laufenden betrieblichen und privaten Kosten deckt. Dazu gehören Miete, Versicherungen, Lebenshaltungskosten und gegebenenfalls laufende Betriebsausgaben. Eine zu knappe Kalkulation gefährdet im Ernstfall die Existenz.
Gutverdienende Angestellte mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze erleben eine doppelte Lücke: Das gesetzliche Krankengeld ist auf 70 Prozent des Bruttoeinkommens begrenzt und berücksichtigt nur Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Ein privates Krankentagegeld kann diese Lücke schließen, weil es nicht durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt ist.
Selbstständige und Freiberufler erhalten im Krankheitsfall keine Lohnfortzahlung durch einen Arbeitgeber. Ihr Einkommen kann bereits ab dem ersten Krankheitstag entfallen. Daher ist für sie eine Krankentagegeldversicherung mit kurzer Karenzzeit, zum Beispiel ab dem 4. oder 22. Tag, besonders wichtig. Die Höhe sollte so gewählt werden, dass sie die laufenden betrieblichen und privaten Kosten deckt.
Gutverdienende Angestellte mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze erleben eine doppelte Lücke: Das gesetzliche Krankengeld ist auf 70 Prozent des Bruttoeinkommens begrenzt und berücksichtigt nur Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Dadurch sinkt die tatsächliche Ersatzquote deutlich unter 70 Prozent des tatsächlichen Bruttoeinkommens. Ein privates Krankentagegeld kann diese Lücke schließen.
Privat krankenversicherte Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld. Für sie ist die private Krankentagegeldversicherung die einzige Einkommensabsicherung nach der sechswöchigen Lohnfortzahlung. Die Höhe sollte daher so bemessen sein, dass sie den vollständigen Verdienstausfall ab der 7. Woche abdeckt.
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