Krankentagegeld Höhe: So findest du den Betrag, der dein Einkommen wirklich schützt
Bist du gesetzlich krankgeschrieben, zahlt deine Krankenkasse nach sechs Wochen nur noch 70 Prozent deines Bruttogehalts. Eine Krankentagegeldversicherung schließt diese Lücke, aber nur, wenn die Höhe stimmt. Wir zeigen dir, wie du sie richtig berechnest.
Warum das Thema auch dich betrifft: Die unterschätzte Gefahr
Stell dir vor, du brichst dir das Bein, bekommst eine schwere Grippe oder kämpfst mit einem Bandscheibenvorfall. Nach sechs Wochen ist Schluss mit der Lohnfortzahlung durch deinen Arbeitgeber. Ab dann fließt nur noch Krankengeld von deiner gesetzlichen Krankenkasse. Für viele ist das ein böses Erwachen, denn das Krankengeld ist deutlich niedriger als das gewohnte Gehalt.
Die gesetzliche Krankenkasse berechnet das Krankengeld auf Basis deines Bruttogehalts, aber es gibt eine Obergrenze. In der Praxis bedeutet das: Wer ein durchschnittliches oder überdurchschnittliches Einkommen hat, erhält oft nur 60 bis 70 Prozent seines Nettoverdienstes. Gleichzeitig laufen die Fixkosten wie Miete, Versicherungen und Lebensmittel unvermindert weiter.
Genau hier setzt das Krankentagegeld an. Es ist eine private Versicherung, die genau für diesen Zeitraum nach der sechsten Woche einspringt. Sie zahlt einen vorher vereinbarten täglichen Betrag, um die Lücke zwischen Krankengeld und deinem gewohnten Nettogehalt zu schließen. Ohne diesen Schutz musst du entweder deine Rücklagen angreifen oder deinen Lebensstandard vorübergehend drastisch senken.
Viele denken, das betreffe nur Gutverdiener oder Selbstständige. Das ist ein Irrtum. Auch Angestellte mit einem Gehalt von 3.000 oder 4.000 Euro brutto spüren den Einschnitt deutlich. Gerade in Zeiten steigender Mieten und Energiekosten ist die finanzielle Reserve oft dünner, als man denkt. Ein längerer Krankheitsfall kann so schnell zur existenziellen Bedrohung werden.
Die Grundlagen: Was ist Krankentagegeld und wie funktioniert es?
Das Krankentagegeld ist eine Absicherung für den Fall, dass du arbeitsunfähig bist und dein Arbeitgeber keine Lohnfortzahlung mehr leistet. Es ist eine eigenständige Versicherung, die du entweder als Zusatzbaustein zu deiner Berufsunfähigkeitsversicherung oder als separate Police abschließen kannst. Der Versicherer zahlt dir für jeden vollen Tag der Arbeitsunfähigkeit einen vorher festgelegten Betrag aus.
Der entscheidende Punkt ist der Beginn der Zahlung. Die sogenannte Karenzzeit legt fest, ab wann die Versicherung leistet. Üblich sind 42 Tage, was exakt den sechs Wochen der Lohnfortzahlung entspricht. Du kannst aber auch kürzere oder längere Wartezeiten wählen. Eine kürzere Karenzzeit erhöht den Beitrag, eine längere senkt ihn.
Die Leistung selbst ist an die Arbeitsunfähigkeit gekoppelt. Das bedeutet, du musst eine ärztliche Bescheinigung vorlegen und die Versicherung prüft, ob du tatsächlich nicht arbeiten kannst. Anders als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung geht es hier nicht um den dauerhaften Verlust der Arbeitskraft, sondern um die vorübergehende Krankheit.
Wichtig ist auch das Verhältnis zum gesetzlichen Krankengeld. Die Versicherung ist so konzipiert, dass sie zusammen mit dem Krankengeld dein Nettoeinkommen ersetzt. Du darfst also nicht mehr absichern, als du netto verdienst. Der Gesetzgeber hat hier eine Obergrenze von 90 Prozent des Nettoverdienstes festgelegt, um eine Überversicherung zu verhindern.
Die richtige Höhe berechnen: Dein persönlicher Bedarf
Die Frage nach der richtigen Krankentagegeld Höhe ist der wichtigste Schritt. Eine zu niedrige Absicherung lässt dich im Ernstfall mit finanziellen Problemen zurück. Eine zu hohe Absicherung kostet unnötig Geld und ist zudem gar nicht erlaubt. Die Berechnung ist einfacher als du denkst, erfordert aber ein paar ehrliche Zahlen von dir.
Zuerst ermittelst du dein aktuelles Nettoeinkommen. Das ist der Betrag, der monatlich auf deinem Konto eingeht. Davon ziehst du das Krankengeld ab, das du von deiner gesetzlichen Krankenkasse erhalten würdest. Die Differenz ist die Lücke, die du schließen musst. Zusätzlich solltest du einen Puffer für Kosten einplanen, die im Krankheitsfall entstehen können, etwa für Medikamente oder Fahrtkosten zur Behandlung.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Du verdienst 2.800 Euro netto. Dein Krankengeld beträgt etwa 1.900 Euro. Die Lücke liegt also bei 900 Euro pro Monat. Geteilt durch 30 Tage ergibt das einen täglichen Bedarf von 30 Euro. Diesen Betrag solltest du mindestens als Krankentagegeld vereinbaren, um deinen Lebensstandard zu halten.
Vergiss nicht, auch Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Boni in die Rechnung einzubeziehen. Diese erhöhen dein durchschnittliches Nettoeinkommen und damit auch deinen Bedarf. Wer unsicher ist, kann auch einen Online-Rechner nutzen. Diese Tools führen dich Schritt für Schritt durch die Berechnung und berücksichtigen automatisch die gesetzlichen Grenzen.
Die Kosten der Absicherung: Was du für den Schutz zahlen musst
Die Beiträge für eine Krankentagegeldversicherung sind sehr individuell. Sie hängen von mehreren Faktoren ab: deinem Alter bei Vertragsabschluss, deinem Beruf, der gewählten Höhe des Tagegeldes und der Karenzzeit. Grundsätzlich gilt: Je älter du bist und je höher das Risiko in deinem Beruf, desto teurer wird der Schutz.
Ein junger Büroangestellter mit 25 Jahren zahlt für ein Tagegeld von 50 Euro deutlich weniger als ein 50-jähriger Handwerker. Der Handwerker hat ein höheres Risiko, krank zu werden oder sich zu verletzen. Die Versicherer kalkulieren diese Risiken ein. Auch Vorerkrankungen können den Beitrag erhöhen oder im schlimmsten Fall zu einem Ausschluss führen.
Die Beiträge sind nicht statisch. Viele Tarife sehen eine Dynamik vor, das heißt, der Beitrag steigt mit dem Alter an. Dafür bleibt die Leistung konstant. Es gibt auch Tarife mit einer Beitragsgarantie, bei denen der Beitrag über einen bestimmten Zeitraum festgeschrieben wird. Diese Sicherheit hat aber ihren Preis und ist meist teurer.
Ein pauschaler Richtwert für die Kosten ist schwierig, da die Spanne enorm ist. Als Orientierung kannst du dir merken: Für einen 30-jährigen Angestellten liegen die Kosten für ein Tagegeld von 50 Euro oft im Bereich von 20 bis 40 Euro pro Monat. Es lohnt sich, verschiedene Anbieter zu vergleichen, denn die Preise unterscheiden sich teilweise erheblich bei ähnlicher Leistung.
Worauf du beim Vertrag achten solltest: Die entscheidenden Details
Nicht nur die Höhe des Tagegeldes ist entscheidend, sondern auch die Vertragsbedingungen. Achte besonders auf die Definition der Arbeitsunfähigkeit. Manche Versicherer verlangen, dass du zu 100 Prozent arbeitsunfähig bist, andere begnügen sich mit einer ärztlichen Bescheinigung. Eine weiche Definition ist für dich immer besser.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Dauer der Leistung. Wie lange zahlt die Versicherung im Krankheitsfall? Gute Tarife zahlen bis zu einer maximalen Dauer von 36 oder sogar 60 Monaten. Es gibt aber auch Tarife, die nur für 12 Monate leisten. Gerade bei schweren Erkrankungen wie Krebs kann die Genesung deutlich länger dauern.
Prüfe auch, ob der Vertrag eine sogenannte Verlängerung der Leistung bei erneuter Erkrankung vorsieht. Wenn du nach einer Krankheit wieder gesund bist und dann erneut krank wirst, muss die Versicherung wieder von vorne zahlen. Bei manchen Tarifen ist das nicht der Fall und es gibt eine Wartezeit für erneute Leistungen.
Achte außerdem auf die Meldepflichten. Du musst deine Arbeitsunfähigkeit in der Regel innerhalb weniger Tage der Versicherung melden. Versäumst du diese Frist, kann die Versicherung die Leistung kürzen oder verweigern. Ein guter Tarif hat klare und faire Regelungen, die du als Versicherter auch einhalten kannst.
Typische Fehler bei der Wahl der Krankentagegeld Höhe
Der häufigste Fehler ist, das Krankentagegeld zu niedrig anzusetzen. Viele orientieren sich an den Mindestanforderungen der Versicherer und nicht an ihrem tatsächlichen Bedarf. Das führt dazu, dass im Krankheitsfall eine Lücke bleibt, die du aus eigener Tasche zahlen musst. Eine regelmäßige Überprüfung der Höhe ist daher unerlässlich.
Ein weiterer Fehler ist, die Karenzzeit falsch zu wählen. Wer eine sehr lange Karenzzeit von 90 Tagen wählt, spart zwar Beiträge, muss aber im Ernstfall drei Monate ohne ausreichendes Einkommen überbrücken. Das kann nur, wer über sehr hohe Rücklagen verfügt. Für die meisten ist eine Karenzzeit von 42 Tagen die richtige Wahl.
Viele vergessen auch, die Krankentagegeld Höhe anzupassen, wenn sich ihr Gehalt ändert. Wer eine Gehaltserhöhung bekommt, hat automatisch einen höheren Bedarf. Die Versicherung muss dann angepasst werden, sonst entsteht eine neue Lücke. Gleiches gilt bei einem Jobwechsel mit höherem oder niedrigerem Einkommen.
Ein oft übersehener Punkt ist die Steuer. Das Krankentagegeld ist steuerpflichtig, das gesetzliche Krankengeld nicht. Das bedeutet, du musst auf das private Tagegeld Steuern zahlen. Wenn du die Höhe berechnest, solltest du also einen Puffer für die Steuerlast einplanen, sonst reicht der Betrag am Ende nicht aus.
Der Weg zum passenden Tarif: So gehst du Schritt für Schritt vor
Der erste Schritt ist die ehrliche Bedarfsanalyse. Nimm dir Zeit und berechne deinen Nettoverdienst sowie das zu erwartende Krankengeld. Nutze dafür die Formel aus den vorherigen Abschnitten. Schreibe dir das Ergebnis auf, es ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. Überprüfe auch, ob du Rücklagen hast, die eine längere Karenzzeit ermöglichen würden.
Im zweiten Schritt solltest du den Markt sondieren. Es gibt zahlreiche Vergleichsportale im Internet, auf denen du Tarife gegenüberstellen kannst. Gib dort deine Daten ein und achte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Leistungsmerkmale. Ein günstiger Tarif ist wertlos, wenn er im Ernstfall nicht zahlt oder eine schlechte Definition von Arbeitsunfähigkeit hat.
Der dritte Schritt ist die Beratung. Du kannst einen unabhängigen Versicherungsmakler aufsuchen, der dir die Unterschiede der Tarife erklärt. Ein Makler ist nicht an eine Versicherung gebunden und kann dir daher objektiv die Vor- und Nachteile verschiedener Produkte aufzeigen. Lass dir die Vertragsbedingungen im Detail erklären, besonders die Klauseln zu Karenzzeit und Leistungsdauer.
Der letzte Schritt ist der Abschluss. Beantrage die Versicherung schriftlich und mache wahrheitsgemäße Angaben zu deinem Gesundheitszustand. Verschweigst du Vorerkrankungen, riskierst du, dass die Versicherung im Leistungsfall die Zahlung verweigert. Nach Abschluss solltest du die Police sorgfältig aufbewahren und den Beitrag im Blick behalten. Eine jährliche Überprüfung der Höhe ist empfehlenswert.
Die Alternative: Was passiert, wenn du auf Krankentagegeld verzichtest?
Du musst keine Krankentagegeldversicherung abschließen. Die Entscheidung ist freiwillig und hängt von deiner persönlichen Situation ab. Wenn du über ein sehr hohes Vermögen verfügst oder im Krankheitsfall auf das Einkommen deines Partners zurückgreifen kannst, mag der Verzicht vertretbar sein. Für die meisten Arbeitnehmer ist das aber ein riskantes Spiel.
Ohne Krankentagegeld musst du nach sechs Wochen Krankheit mit dem gesetzlichen Krankengeld auskommen. Das sind oft nur 70 Prozent des Bruttogehalts, was netto deutlich weniger ist. Gleichzeitig laufen alle Fixkosten weiter. Wenn du keine Rücklagen hast, musst du entweder deinen Lebensstandard einschränken oder Schulden aufnehmen.
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt das Krankengeld maximal für 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Erkrankung. Danach endet der Anspruch komplett. In diesem Fall greift dann nur noch die Erwerbsminderungsrente, die aber oft nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu decken. Eine Krankentagegeldversicherung kann hier eine wichtige Brücke sein.
Es gibt auch die Möglichkeit, das Krankentagegeld als Teil einer Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Das ist oft günstiger als zwei separate Verträge. Allerdings solltest du genau prüfen, ob die Bedingungen zu deiner Lebenssituation passen. Eine Kombination kann sinnvoll sein, aber nur, wenn beide Komponenten ausreichend stark sind.
Dein Fahrplan für die nächsten 7 Tage: Konkrete Umsetzung
Der heutige Tag ist der perfekte Zeitpunkt, um aktiv zu werden. Nimm dir morgen 30 Minuten Zeit und berechne deinen konkreten Bedarf. Du brauchst dafür deine letzten Gehaltsabrechnungen und einen Taschenrechner. Notiere dir das Ergebnis und lege es an einen Ort, wo du es nicht verlierst.
Am zweiten und dritten Tag solltest du dich über Vergleichsportale informieren. Gib deine Daten ein und erstelle eine Liste mit drei bis fünf Tarifen, die zu deinem Bedarf passen. Achte darauf, dass die Karenzzeit und die Leistungsdauer deinen Vorstellungen entsprechen. Sortiere die Tarife nach Preis und Leistung.
Am vierten Tag vereinbarst du einen Termin mit einem unabhängigen Versicherungsmakler. Nimm deine Berechnungen und die Liste der Tarife mit. Stelle gezielte Fragen zu den Bedingungen und lass dir unklare Formulierungen erklären. Ein guter Makler nimmt sich Zeit für dich und drängt dich nicht zu einer schnellen Entscheidung.
Am fünften und sechsten Tag triffst du deine Entscheidung. Vergleiche die Angebote noch einmal in Ruhe und wähle den Tarif, der das beste Gesamtpaket bietet. Am siebten Tag reichst du den Antrag ein. Danach hast du die Gewissheit, dass dein Einkommen auch bei längerer Krankheit gesichert ist. Ein gutes Gefühl, das jeden Monat ein paar Euro wert ist.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Das Krankengeld zahlt die gesetzliche Krankenkasse nach sechs Wochen Krankheit. Es ist an dein Bruttogehalt gekoppelt und gedeckelt. Das Krankentagegeld ist eine private Versicherung, die du selbst abschließt und die einen vorher vereinbarten Betrag zahlt, um die Lücke zum Nettogehalt zu schließen.
Der Gesetzgeber begrenzt die Höhe auf 90 Prozent deines Nettoverdienstes. Diese Grenze soll verhindern, dass du durch die Kombination aus Krankengeld und Krankentagegeld mehr Geld erhältst als bei normaler Arbeit. Die Versicherer prüfen diese Grenze bei Vertragsabschluss.
Ja, die Beiträge zur Krankentagegeldversicherung können als sonstige Vorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Allerdings greift hier die Höchstbetragsgrenze, die mit anderen Vorsorgebeiträgen geteilt wird. Die Leistungen selbst sind im Krankheitsfall steuerpflichtig.
Ein Jobwechsel hat in der Regel keine Auswirkungen auf deine bestehende Krankentagegeldversicherung. Der Vertrag läuft unabhängig vom Arbeitgeber weiter. Du solltest aber prüfen, ob sich dein Gehalt geändert hat und ob die Versicherungssumme angepasst werden muss.
Ja, auch psychische Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen können zur Arbeitsunfähigkeit führen und werden von der Krankentagegeldversicherung abgedeckt. Voraussetzung ist, dass ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt und die Versicherung den Fall anerkennt.
Beamte haben in der Regel Anspruch auf Dienstunfallfürsorge und Beihilfe, aber nicht automatisch auf eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Für Beamte ist eine Krankentagegeldversicherung daher oft besonders wichtig, da die gesetzliche Absicherung Lücken aufweist.
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