Kredite für Selbstständige So klappt's auch ohne festes Gehalt
Kredit als Selbstständiger oder Freelancer im Studium? Erfahre, welche Kreditarten es gibt, worauf Banken achten & wie du deine Chancen verbesserst.
- Banken und Kreditgeber werten unregelmäßige Einnahmen als höheres Ausfallrisiko – kein Gehaltszettel bedeutet aufwändigere Bonitätsprüfung.
- Selbstständige müssen statt Lohnabrechnungen Steuerbescheide, BWAs (betriebswirtschaftliche Auswertungen) und Kontoauszüge einreichen.
- Für Studierende, die nebenberuflich freiberuflich tätig sind, gilt: kurze Geschäftshistorie erschwert den Nachweis stabiler Einnahmen zusätzlich.
- Schufa-Score und Eigenkapital spielen eine noch größere Rolle als bei Angestellten.
Kredite für Selbstständige: Möglich – aber mit der richtigen Vorbereitung
Banken und Kreditgeber werten unregelmäßige Einnahmen als höheres Ausfallrisiko – kein Gehaltszettel bedeutet aufwändigere Bonitätsprüfung.
Ein Kredit ohne festes Gehalt klingt nach einer fast unüberwindbaren Hürde. Tatsächlich aber vergeben Banken, Förderbanken und alternative Kreditgeber regelmäßig Darlehen an Selbstständige, Freelancer und Gründer:innen – vorausgesetzt, die Antragsteller:innen wissen, worauf es ankommt und reichen die richtigen Unterlagen ein.
AUF EINEN BLICK
- Selbstständige müssen statt Lohnabrechnungen Steuerbescheide, BWAs (betriebswirtschaftliche Auswertungen) und Kontoauszüge einreichen.
- Für Verbraucher:innen, die nebenberuflich freiberuflich tätig sind, gilt: kurze Geschäftshistorie erschwert den Nachweis stabiler Einnahmen zusätzlich.
- Schufa-Score und Eigenkapital spielen eine noch größere Rolle als bei Angestellten.
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Warum ist ein Kredit als Selbstständige:r schwieriger zu bekommen?
Privatkredit / Ratenkredit: Für kleinere Anschaffungen oder Überbrückung – Bonität entscheidet, einige Anbieter akzeptieren Selbstständige explizit.
Das Kernproblem liegt im Risikomodell der Banken. Wer angestellt ist, bringt einen Gehaltszettel mit, der monatlich gleichbleibende Einnahmen belegt. Kreditinstitute können darauf aufbauend sehr einfach berechnen, wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit ist. Bei Selbstständigen fehlt genau dieses stabile Bild: Einnahmen schwanken von Monat zu Monat, Aufträge können wegfallen, saisonale Einbrüche kommen vor. Banken werten das als erhöhtes Ausfallrisiko und setzen die Hürden entsprechend höher.
Anstelle von Lohnabrechnungen müssen Selbstständige umfangreiche Unterlagen einreichen: Steuerbescheide der letzten zwei bis drei Jahre, aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA), Einnahmen-Überschuss-Rechnungen (EÜR) und Kontoauszüge. Das klingt nach Bürokratie – und das ist es auch. Wer diese Dokumente aber vollständig und korrekt vorlegt, verbessert seine Chancen erheblich, weil er der Bank zeigt: Meine Zahlen sind transparent und belastbar.
Für Selbstständige, die erst seit kurzer Zeit freiberuflich tätig sind, kommt erschwerend hinzu, dass die Geschäftshistorie oft sehr kurz ist. Eine Freelancerin, die seit sechs Monaten Webdesign-Aufträge annimmt, kann noch keine zwei Jahre Steuerbescheide vorweisen. Das macht es schwierig, stabile Einnahmen nachzuweisen – auch wenn die laufenden Einnahmen durchaus solide sind. Gleichzeitig spielt der Schufa-Score eine noch zentralere Rolle als bei Angestellten, da er für die Bank das verbleibende Signal für finanzielle Zuverlässigkeit darstellt. Auch vorhandenes Eigenkapital – etwa ein Sparkonto oder Wertpapiere – wirkt sich direkt positiv auf die Kreditentscheidung aus.
| Aspekt | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Privatkredit / Ratenkredit: Für kleinere Anschaffungen oder Überbrückung – Bonität entscheidet, einige Anbieter akzeptieren Selbstständige explizit. | , |
| Geschäftskredit / Unternehmenskredit: Speziell für betriebliche Investitionen, wird auf Basis von Geschäftszahlen vergeben. | , |
| KfW-Förderkredite: Staatlich geförderte Darlehen (z. B. ERP-Gründerkredit) über Hausbanken – besonders relevant für Gründer:innen in der Anfangsphase. | , |
| Mikrokredite: Kleinere Summen für Soloselbstständige und Freelancer; oft niedrigschwellig, z. B. über den Mikrokreditfonds Deutschland. | , |
| Peer-to-Peer-Kredite (P2P): Über Plattformen von Privatpersonen finanziert, oft flexiblere Kriterien als klassische Banken. | , |
| Rahmenkredit / Kontokorrentkredit: Flexibler Kreditrahmen für laufende Betriebsausgaben bei schwankenden Einnahmen. | , |
Welche Kreditarten kommen für Selbstständige infrage?
Einkommensnachweise: Steuerbescheide der letzten zwei bis drei Jahre, aktuelle BWA, Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR).
Der klassische Privatkredit oder Ratenkredit ist auch für Selbstständige zugänglich – vor allem dann, wenn die Selbstständigkeit bereits einige Jahre besteht und stabile Einnahmen nachgewiesen werden können. Einige Direktbanken und Kreditvermittlungsplattformen haben ihre Vergabekriterien explizit für Selbstständige angepasst. Wichtig: Wer diesen Weg geht, sollte gezielt nach Anbietern suchen, die Selbstständige ausdrücklich akzeptieren, anstatt pauschal alle gängigen Verbraucherkredite anzufragen.
Für betriebliche Investitionen – neue Ausstattung, Softwarelizenzen, Lagerbestand – ist ein Geschäftskredit oder Unternehmenskredit die passendere Wahl. Er wird auf Basis der Geschäftszahlen vergeben, weshalb eine gut geführte BWA hier besonders viel bewirkt. Unternehmenskredite haben häufig längere Laufzeiten und können steuerlich als Betriebsausgabe relevant sein.
KfW-Förderkredite sind für viele Gründer:innen und junge Selbstständige die günstigste Option. Programme wie der ERP-Gründerkredit – StartGeld richten sich ausdrücklich an Personen, die sich innerhalb der ersten fünf Jahre nach Gründung befinden. Die Anträge werden nicht direkt bei der KfW gestellt, sondern laufen immer über die eigene Hausbank – das ist ein wichtiger, oft missverstandener Punkt. Schließlich gibt es noch Mikrokredite, die über den Mikrokreditfonds Deutschland vergeben werden. Sie sind besonders niedrigschwellig, richten sich an Soloselbstständige und Kleinstunternehmen und bieten auch dann Chancen, wenn ein klassischer Bankkredit abgelehnt wurde.
AUF EINEN BLICK
- Kontinuität: Wie lange besteht die Selbstständigkeit? Neugründer:innen haben es schwerer als langjährig Etablierte.
- Schufa-Auskunft: Negativeinträge (z. B. gemahnte Rechnungen) können zur Ablehnung führen – eigene Schufa kostenlos einmal jährlich prüfen.
- Eigenkapital und Sicherheiten: Immobilien, Wertpapiere oder Bürgschaften Dritter verbessern die Chancen erheblich.
- Branche und Marktaussichten: Wachstumsstarke Branchen (Tech, Kreativwirtschaft) werden oft günstiger bewertet.
Was prüfen Banken bei Selbstständigen genau?
ERP-Gründerkredit – StartGeld: Für Gründer:innen und Unternehmen in den ersten fünf Jahren nach Gründung; Antrag läuft immer über die Hausbank.
Beim Kreditantrag schauen Banken bei Selbstständigen besonders genau hin. An erster Stelle stehen die Einkommensnachweise: In der Regel werden Steuerbescheide der letzten zwei bis drei Jahre verlangt, ergänzt durch eine aktuelle BWA und die Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Wer Bilanzierer ist, legt zusätzlich Jahresabschlüsse vor. Diese Dokumente sollten stimmig und lückenlos sein – Abweichungen zwischen BWA und Steuerbescheid fallen auf und können zu Rückfragen oder Ablehnungen führen.
Banken achten stark auf die Kontinuität der Selbstständigkeit. Wer seit vielen Jahren erfolgreich am Markt ist, hat einen deutlichen Vorteil gegenüber jemandem, der erst vor wenigen Monaten gegründet hat. Neugründer:innen sollten daher gezielt auf Förderkredite und Bürgschaftsprogramme setzen, statt auf den klassischen Bankweg.
Die Schufa-Auskunft spielt eine entscheidende Rolle. Negativeinträge – etwa gemahnte und nicht bezahlte Rechnungen, Kontopfändungen oder zurückgebuchte Lastschriften – können dazu führen, dass ein Antrag direkt abgelehnt wird. Wichtig zu wissen: Einmal jährlich kann jede Person kostenlos eine Datenkopie bei der Schufa anfordern (nach Art. 15 DSGVO). Das lohnt sich vor jedem Kreditantrag, um Fehler rechtzeitig korrigieren zu lassen. Darüber hinaus verbessern Sicherheiten und Eigenkapital die Kreditchancen erheblich: Immobilien, Wertpapierdepots, Sparguthaben oder auch Bürgschaften von Dritten mit festem Einkommen können ausschlaggebend sein.
AUF EINEN BLICK
- ERP-Gründerkredit – Universell: Für größere Investitionsvorhaben geeignet, höhere Kreditsummen möglich.
- Mikrokreditfonds Deutschland: Für Kleinstunternehmen und Soloselbstständige, die keinen klassischen Bankkredit erhalten – staatlich besichert.
- Landesförderprogramme: Jedes Bundesland hat eigene Förderbanken (z. B. NRW.Bank, LfA Bayern, IBB Berlin) mit spezifischen Programmen für Gründer:innen und junge Unternehmen.
- Wichtig: Bei KfW-Krediten trägt die Hausbank das Ausfallrisiko – deren Zustimmung ist Voraussetzung.
KfW und staatliche Förderung: Das solltest du als Gründer:in kennen
Wer nebenberuflich freiberuflich arbeitet, gilt rechtlich als Selbstständige:r – Banken prüfen dies separat vom Angestelltenstatus.
Staatlich geförderte Darlehen sind für viele Selbstständige die attraktivste Finanzierungsquelle – und werden dennoch häufig übersehen. Das bekannteste Programm ist der ERP-Gründerkredit – StartGeld der KfW. Er richtet sich an Personen, die ein Unternehmen gründen oder sich innerhalb der ersten fünf Jahre nach Gründung befinden. Ein wesentliches Merkmal: Die KfW übernimmt bei diesem Programm einen erheblichen Teil des Haftungsrisikos, was die Hausbank deutlich risikofreudiger machen kann. Wichtig: Der Antrag läuft immer über die Hausbank, nicht direkt bei der KfW. Das bedeutet auch, dass du zunächst das Gespräch mit deiner Bank suchen musst.
Für größere Investitionsvorhaben, die das StartGeld-Volumen übersteigen, gibt es den ERP-Gründerkredit – Universell. Dieser eignet sich für umfangreichere Investitionen und Betriebsmittelbedarf in der Gründungs- und Wachstumsphase. Die genauen Konditionen variieren je nach Laufzeit, Zinsbindung und Bonitätsbewertung der Hausbank – eine aktuelle Übersicht findest du direkt auf den KfW-Seiten.
Eine besonders niedrigschwellige Alternative für Soloselbstständige, Kleinstunternehmen und Neugründer:innen, die keinen klassischen Bankkredit erhalten, bietet der Mikrokreditfonds Deutschland. Er wird vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert und ermöglicht es Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten, Kleinstkredite zu erhalten – auch ohne umfangreiche Sicherheiten. Ergänzend dazu haben alle Bundesländer eigene Förderbanken: die NRW.Bank in Nordrhein-Westfalen, die LfA Förderbank Bayern, die IBB in Berlin oder die L-Bank in Baden-Württemberg. Diese bieten spezifische Programme für Gründer:innen und Soloselbstständige an, die oft besser auf lokale Gegebenheiten zugeschnitten sind als bundesweite Programme.
AUF EINEN BLICK
- Empfänger:innen von staatlichen Transferleistungen müssen beachten: Einnahmen aus Selbstständigkeit können auf den Anspruch angerechnet werden (Freibetrag beachten!).
- Private Zuschüsse oder Schenkungen zählen in der Regel nicht als Einkommen für die Kreditvergabe.
- Mitunterzeichner:in (z. B. Partner:in mit Festgehalt) kann die Kreditchancen erheblich verbessern.
- Kleinkredite über lokale Gründerzentren oder Beratungsnetzwerke können eine Alternative sein.
Kredit bei Nebenselbstständigkeit: Was du beachten musst
Schufa-Selbstauskunft einholen und Fehler korrigieren lassen (kostenlos einmal jährlich nach Art. 15 DSGVO).
Wer nebenberuflich freiberuflich tätig ist – als Dozent:in, Texter:in, Entwickler:in oder Berater:in – gilt rechtlich als Selbstständige:r. Das klingt zunächst banal, hat aber weitreichende Konsequenzen: Banken prüfen den Kredit nicht anhand eines Angestelltenverhältnisses, sondern anhand der selbstständigen Tätigkeit. Das bedeutet, dass dieselben strengen Anforderungen gelten wie für jede:n anderen Selbstständigen auch – inklusive der Anforderung, Steuerbescheide und BWAs einzureichen.
Für Empfänger:innen von staatlichen Transferleistungen gibt es eine wichtige Besonderheit: Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit werden auf den Anspruch angerechnet, sobald sie bestimmte Freibeträge überschreiten. Der konkrete Freibetrag hängt von der individuellen Situation ab und sollte mit der zuständigen Behörde geklärt werden. Es lohnt sich, diese Frage frühzeitig zu klären, um nachträgliche Rückforderungen zu vermeiden. Private Zuwendungen hingegen zählen in der Regel nicht als anrechenbares Einkommen für die Kreditvergabe – auch wenn sie das Budget aufbessern, sehen Banken darin keine verlässliche, langfristige Einkommensquelle.
Eine wirkungsvolle Möglichkeit, die Kreditchancen zu verbessern, ist das Einbeziehen einer Mitunterzeichner:in. Wenn zum Beispiel eine Person mit festem Gehalt den Kreditvertrag gemeinsam unterzeichnet, haftet diese Person mit und signalisiert der Bank damit zusätzliche Sicherheit. Das kann den Unterschied zwischen Ablehnung und Bewilligung ausmachen – besonders dann, wenn die eigene Geschäftshistorie noch kurz ist oder die Einnahmen stark schwanken.
AUF EINEN BLICK
- Unterlagen vollständig vorbereiten: Steuerbescheide, EÜR, BWA, Kontoauszüge der letzten drei bis sechs Monate.
- Puffer einplanen: Kreditantrag stellen, wenn die Auftragslage gut ist – nicht in einer Einkommensdelle.
- Sicherheiten benennen: Auch kleine Sparkonten oder Wertpapiere können positiv wirken.
- Bürg:in anfragen: Verwandte oder Partner:innen mit stabilem Einkommen können als Mitantragsteller:in fungieren.
So verbesserst du deine Kreditchancen als Selbstständige:r
Zu viele Kreditanfragen in kurzer Zeit: Jede Konditionsanfrage (nicht Kreditanfrage) ist Schufa-neutral – auf die Formulierung achten.
Die wichtigste Vorbereitung beginnt mit der eigenen Schufa-Akte. Einmal jährlich hast du das kostenlose Recht auf eine vollständige Datenkopie nach Art. 15 DSGVO. Viele Menschen entdecken dabei veraltete oder schlicht fehlerhafte Einträge, die sich negativ auf ihren Score auswirken. Fehler lassen sich über die Schufa direkt korrigieren lassen – und das sollte unbedingt vor dem Kreditantrag passieren.
Ebenso wichtig ist die vollständige und widerspruchsfreie Vorbereitung der Unterlagen. Steuerbescheide der letzten zwei bis drei Jahre, eine aktuelle BWA, die EÜR sowie Kontoauszüge der letzten drei bis sechs Monate sollten griffbereit sein. Wer hier Lücken hat oder auf Nachfragen unvorbereitet reagiert, vermittelt den Eindruck mangelnder finanzieller Disziplin – unabhängig davon, wie gut das Geschäft tatsächlich läuft.
Timing ist ein oft unterschätzter Faktor: Einen Kreditantrag zu stellen, wenn die Auftragslage gerade schwächelt, ist strategisch ungünstig. Banken prüfen den Ist-Zustand anhand aktueller Unterlagen. Wenn möglich, sollte der Antrag in einer Phase gestellt werden, in der die Einnahmen gut sind und die Kontoauszüge eine stabile Situation zeigen. Auch das Benennen von Sicherheiten – selbst ein überschaubares Sparkonto oder ein kleines Wertpapierdepot – kann positiv in die Bewertung einfließen und das Vertrauen der Bank stärken.
AUF EINEN BLICK
- Einnahmen schönrechnen: Banken prüfen Steuerbescheide – Diskrepanzen führen zur Ablehnung.
- Verwendungszweck unklar lassen: Klare Angabe (z. B. Betriebsausstattung, Überbrückung) erhöht die Glaubwürdigkeit.
- Laufzeit zu kurz wählen: Hohe Monatsraten gefährden Liquidität bei schwankenden Einnahmen.
- Staatliche Förderung übersehen: KfW und Landesförderbanken bieten oft günstigere Konditionen als klassische Banken.
Häufige Fehler beim Kreditantrag als Selbstständige:r
Bevor du einen Kredit aufnimmst, lohnt sich ein vollständiger Überblick über dein Einkommen, deine Ausgaben und deine Schufa-Situation.
Ein verbreiteter Fehler ist das unkritische Stellen mehrerer Kreditanfragen in kurzer Zeit. Wichtig dabei: Es gibt einen Unterschied zwischen einer Konditionsanfrage und einer Kreditanfrage. Konditionsanfragen, bei denen du nur Angebote einholst, sind Schufa-neutral. Eine vollständige Kreditanfrage hingegen hinterlässt einen Schufa-Eintrag. Wer innerhalb weniger Wochen viele solcher Einträge ansammelt, signalisiert finanzielle Engpässe – was zu Ablehnungen führen kann. Achte daher immer auf die genaue Formulierung beim Antragsformular.
Ein weiterer Klassiker: Einnahmen schönrechnen oder Kosten kleinrechnen. Wer gegenüber der Bank höhere Nettoeinkünfte angibt, als die Steuerbescheide belegen, läuft in eine Sackgasse. Banken gleichen die Angaben mit den eingereichten Dokumenten ab – Diskrepanzen führen sofort zur Ablehnung. Ehrliche, vollständige Zahlen sind langfristig die einzig sinnvolle Strategie.
Auch der Verwendungszweck wird oft unterschätzt. Wer vage antwortet oder keinen klaren Zweck nennt, wirkt wenig überzeugend. Eine präzise Angabe – etwa "Anschaffung von Betriebsausstattung für Homeoffice" oder "Überbrückung bis zur Begleichung einer ausstehenden Kundenrechnung" – erhöht die Glaubwürdigkeit erheblich. Schließlich sollte die Laufzeit des Kredits realistisch gewählt werden: Wer als Selbstständige:r eine kurze Laufzeit und damit hohe Monatsraten wählt, gefährdet seine eigene Liquidität, wenn einmal ein Auftrag wegbricht. Lieber eine längere Laufzeit mit moderaten Raten wählen – Sondertilgungen sind bei vielen Produkten jederzeit möglich.
AUF EINEN BLICK
- Nutze den StudySmarter Finanz-Score-Rechner, um deine aktuelle Finanzlage als Selbstständige:r strukturiert zu analysieren.
- Der Rechner hilft dir einzuschätzen, ob ein Kredit sinnvoll ist oder ob andere Finanzierungsquellen (Förderung, Rücklage, Factoring) besser passen.
- Im Anschluss kannst du gezielt auf Kreditgespräche oder Förderanträge vorbereitet gehen.
Finanzlage realistisch einschätzen – bevor du den Kreditantrag stellst
Ein Kredit als Selbstständige:r ist kein Selbstläufer, aber er ist machbar. Der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in den Unterlagen, die du einreichst, sondern darin, wie gut du deine eigene Finanzlage wirklich kennst. Viele Ablehnungen passieren nicht, weil die Einkommenssituation grundsätzlich schlecht ist, sondern weil Antragsteller:innen die eigene Lage nicht klar genug darstellen – oder selbst kein genaues Bild davon haben.
Bevor du einen Kreditantrag stellst, lohnt es sich daher, einen vollständigen Überblick über dein Einkommen, deine laufenden Ausgaben, deine Schufa-Situation und mögliche Sicherheiten zu gewinnen. Nur wer selbst weiß, wo er steht, kann das auch überzeugend kommunizieren. Außerdem hilft ein ehrlicher Blick auf die eigene Situation dabei zu entscheiden, ob ein Kredit überhaupt das richtige Instrument ist – oder ob Alternativen wie Förderprogramme, Rücklagen oder Factoring besser passen.
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Häufige Fragen
Ja, mit einer Nebenselbstständigkeit können Sie grundsätzlich einen Kredit bekommen, sofern Sie ein regelmäßiges Einkommen nachweisen und Ihre Bonität ausreichend ist. Die Bank prüft dabei sowohl Ihre Einkünfte aus der Selbstständigkeit als auch Ihre gesamte finanzielle Situation, wobei die Anforderungen je nach Kreditinstitut variieren.
Als Selbstständige:r benötigen Sie für einen Kreditantrag in der Regel Ihre letzten drei bis fünf betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA), Ihre Einkommensteuerbescheide der letzten zwei bis drei Jahre sowie eine aktuelle Gewinn- und Verlustrechnung. Zusätzlich verlangen die meisten Banken eine Selbstauskunft, einen Nachweis über offene Verbindlichkeiten und oft eine betriebswirtschaftliche Planung für die kommenden Monate.
Ein Privatkredit wird für persönliche Zwecke wie Anschaffungen oder Urlaub vergeben und basiert auf Ihrem persönlichen Einkommen und Ihrer Schufa-Auskunft, während ein Geschäftskredit für betriebliche Investitionen oder Betriebsmittel gedacht ist und die Bank die wirtschaftliche Lage Ihres Unternehmens stärker gewichtet. Bei Geschäftskrediten sind die Zinsen und Konditionen oft an die geschäftliche Bonität gekoppelt, und die Kreditsumme kann höher ausfallen, dafür ist der bürokratische Aufwand meist größer.
Als Gründer:in ohne Geschäftshistorie können Sie einen Kredit erhalten, allerdings ist die Hürde höher als bei etablierten Unternehmen, da die Bank keine vergangenen Umsätze prüfen kann. Sie benötigen dann in der Regel einen detaillierten Businessplan, eine realistische Finanzplanung und oft Sicherheiten oder einen Bürgen, wobei Förderprogramme wie die KfW-Gründerkredite speziell für diese Situation entwickelt wurden.
Ihre Schufa-Auskunft ist ein zentraler Faktor bei der Kreditentscheidung, auch wenn Sie selbstständig sind, da sie Ihre Zahlungsfähigkeit und -disziplin dokumentiert. Ein negativer Schufa-Eintrag wie ein nicht bezahlter Kredit oder ein Mahnbescheid kann dazu führen, dass die Bank Ihren Antrag ablehnt oder nur zu deutlich schlechteren Konditionen annimmt, während ein sauberer Eintrag Ihre Chancen erheblich verbessert.
Ja, mit staatlicher Förderung dürfen Sie grundsätzlich selbstständig tätig sein, allerdings müssen Sie Ihr Einkommen aus der Selbstständigkeit bei der zuständigen Stelle angeben, da es auf die Förderung angerechnet werden kann. Es gibt einen Freibetrag, bis zu dem Ihr Nebeneinkommen die Förderleistungen nicht mindert, und alles darüber hinaus wird anteilig auf Ihren Bedarf angerechnet.
KfW-Kredite sind Förderdarlehen der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau, die über Ihre Hausbank beantragt werden und günstige Konditionen für bestimmte Zwecke wie Gründung, Investitionen oder Energieeffizienz bieten. Sie beantragen diese Kredite nicht direkt bei der KfW, sondern bei Ihrer Bank oder Sparkasse, die den Antrag prüft und an die KfW weiterleitet, wobei Sie die spezifischen Programme wie ERP-Gründerkredit oder KfW-Unternehmerkredit je nach Vorhaben auswählen.
Factoring ist eine Alternative zum Kredit, bei der Sie Ihre offenen Rechnungen an ein Factoring-Unternehmen verkaufen und so sofort Liquidität erhalten, anstatt auf Zahlungen Ihrer Kunden zu warten. Es ist besonders geeignet, wenn Sie viele B2B-Kunden mit langen Zahlungszielen haben, allerdings ist es in der Regel teurer als ein klassischer Kredit, da Sie Gebühren und einen Abschlag auf den Rechnungswert zahlen.
Quellen & Stand 09.07.2026
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