Ratgeber · Investieren
Zertifikate im Test: Welche Arten sich 2026 für dein Depot lohnen
Zertifikate sind Schuldverschreibungen, mit denen du gezielt auf die Entwicklung eines Basiswerts setzen kannst. Dein Risiko hängt dabei stark vom gewählten Zertifikatetyp und der Bonität des Emittenten ab.
10 Kapitel · 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert 12.10.2026
Das Wichtigste
- Zertifikate sind rechtlich Schuldverschreibungen des Emittenten, kein Sondervermögen.
- Das Emittentenrisiko bedeutet: Zahlt der Herausgeber nicht mehr, kann dein Geld weg sein.
- Bonus- und Express-Zertifikate bieten Chancen bei seitwärts laufenden Märkten.
- Faktor-Zertifikate eignen sich nur für kurze Haltedauern, da sich Verluste über Zeit aufschaukeln.
01 · Grundlagen
Was sind Zertifikate?
Ein Zertifikat ist eine Inhaberschuldverschreibung. Du leihst dem Emittenten Geld, und die Rückzahlung hängt von einem Basiswert wie einer Aktie oder einem Index ab.
Für dich als Studierende sind Zertifikate vor allem deshalb relevant, weil du mit kleinen Beträgen an der Entwicklung von Aktien, Indizes oder Rohstoffen teilnehmen kannst, ohne den Basiswert selbst zu kaufen. Die Konstruktion als Schuldverschreibung bedeutet aber, dass du kein Miteigentum an der Aktie erwirbst, sondern ein Versprechen des Herausgebers in Händen hältst.
Die Rückzahlung am Laufzeitende oder beim Verkauf richtet sich nach einem vorher festgelegten Mechanismus. Dieser Mechanismus unterscheidet sich je nach Zertifikatetyp erheblich, von einer festen Zinszahlung bei Aktienanleihen bis zur täglichen Hebelwirkung bei Faktor-Zertifikaten.
Rechtlich gehört dein eingesetztes Geld im Insolvenzfall des Emittenten nicht zu einem geschützten Sondervermögen. Du trägst also immer ein Ausfallrisiko, das du bei einem Direktkauf einer Aktie in dieser Form nicht hast.
Kurz erklärt
Zertifikat
Eine Schuldverschreibung, deren Rückzahlung an die Wertentwicklung eines Basiswerts gekoppelt ist. Der Emittent schuldet dir Geld, du besitzt den Basiswert nicht direkt.
Zertifikate sind rechtlich kein Sondervermögen, sondern eine Forderung gegen den Herausgeber.
02 · Vergleich
Basiswert und Emittentenrisiko: Dein doppeltes Risiko
Deine Rendite hängt vom Basiswert ab, dein Kapital von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Beides musst du getrennt bewerten.
Beides musst du getrennt bewerten, denn ein steigender Basiswert nützt dir nichts, wenn der Herausgeber zahlungsunfähig wird.
Das Emittentenrisiko ist der Hauptunterschied zu einer Direktanlage in Aktien oder ETFs. Bei einer Aktie kann der Kurs fallen, aber das Unternehmen schuldet dir kein Geld zurück; bei einem Zertifikat ist die Bonität der Bank Teil deines Anlagerisikos.
Du kannst das Emittentenrisiko streuen, indem du Zertifikate verschiedener Herausgeber mit guter Bonität kaufst. Das Basiswertrisiko reduzierst du durch die Wahl defensiver Zertifikatetypen wie Kapitalschutz-Zertifikate, die einen Teil deines Einsatzes absichern.
03 · Schritt für Schritt
Aktienanleihen: Feste Zinsen statt Kursgewinne
Aktienanleihen zahlen dir einen hohen festen Zins. Dafür trägst du das Risiko, am Laufzeitende Aktien des Basiswerts geliefert zu bekommen, wenn dessen Kurs gefallen ist.
Der Ablauf ist dreistufig: Du kaufst die Anleihe zum Nennwert, oft 1000 Euro pro Stück. Während der Laufzeit erhältst du den festen Zinskupon, unabhängig vom Kursverlauf des Basiswerts. Am Ende entscheidet der Kurs des Basiswerts über die Rückzahlung.
Liegt der Basiswert über dem Basispreis, bekommst du den Nennwert zurück. Liegt er darunter, erhältst du in der Regel eine vorher festgelegte Anzahl an Aktien, die weniger wert sind als dein Einsatz. Der Zins ist also ein Ausgleich für dieses Verlustrisiko.
Kauf
Du kaufst eine Aktienanleihe von einem Emittenten.
Zinszahlung
Du erhältst während der Laufzeit einen festen Zinskupon, unabhängig vom Kursverlauf des Basiswerts.
Rückzahlung am Laufzeitende
Liegt der Basiswert über dem Basispreis, bekommst du den Nennwert zurück. Liegt er darunter, erhältst du in der Regel eine vorher festgelegte Anzahl an Aktien, die weniger wert sind als dein Einsatz.
04 · Was gilt
Bonus-Zertifikate: Rendite bei Seitwärtsbewegung
Bonus-Zertifikate zahlen dir einen Bonus, solange der Basiswert eine festgelegte Barriere nicht berührt. Fällt der Kurs darunter, wird aus dem Bonus ein Verlustgeschäft.
Du bekommst den Bonus, wenn der Basiswert am Bewertungstag über dem Bonuslevel notiert und die Barriere während der Laufzeit nie berührt oder unterschritten hat. Der Bonus ist ein fester Betrag, der unabhängig von der tatsächlichen Kursentwicklung oberhalb der Barriere gezahlt wird.
Der Bonus entfällt, wenn der Basiswert die Barriere mindestens einmal berührt oder unterschreitet. Dann richtet sich die Rückzahlung nach dem Kurs des Basiswerts, und du trägst das volle Verlustrisiko wie bei einer Direktanlage.
Bonus wird gezahlt
Bonus entfällt
05 · Schritt für Schritt
Express-Zertifikate: Chance auf frühe Rückzahlung
Express-Zertifikate können vorzeitig zurückgezahlt werden, wenn der Basiswert an einem Stichtag über einer festgelegten Schwelle liegt. Je länger die Laufzeit, desto höher die mögliche Rückzahlung.
Der Ablauf ist an jährliche Stichtage gekoppelt. An jedem Stichtag prüft der Emittent, ob der Basiswert auf oder über der Rückzahlungsschwelle liegt. Ist die Schwelle erreicht, wird das Zertifikat vorzeitig zum Nennwert plus einem vorher festgelegten Zusatzbetrag zurückgezahlt.
Wird die Schwelle nie erreicht, hängt die Rückzahlung am Ende vom Schlusskurs ab. Liegt dieser unter einer Sicherheitsschwelle, erhältst du den Basiswert oder einen reduzierten Betrag. Das Risiko steigt also mit der Laufzeit, wenn der Basiswert dauerhaft schwach bleibt.
Start
Du kaufst das Express-Zertifikat zu einem festen Ausgabepreis. Eine Rückzahlungsschwelle wird definiert.
Jährlicher Stichtag
An jedem Stichtag prüft der Emittent, ob der Basiswert auf oder über der Rückzahlungsschwelle liegt.
Vorzeitige Rückzahlung
Ist die Schwelle erreicht, wird das Zertifikat vorzeitig zum Nennwert plus einem vorher festgelegten Zusatzbetrag zurückgezahlt.
Endfälligkeit
Wird die Schwelle nie erreicht, hängt die Rückzahlung am Ende vom Schlusskurs ab. Liegt dieser unter einer Sicherheitsschwelle, erhältst du den Basiswert oder einen reduzierten Betrag.
06 · Fehler vermeiden
Faktor-Zertifikate: Hebel für kurze Zeiträume
Faktor-Zertifikate bilden die tägliche prozentuale Veränderung eines Basiswerts mit einem konstanten Faktor ab. Sie sind für kurzfristige Trades gedacht, nicht für langfristige Anlagen.
Der typische Fehler ist, Faktor-Zertifikate über mehrere Tage oder Wochen zu halten, obwohl sich die tägliche Hebelwirkung bei Seitwärtsbewegungen negativ auf den Wert auswirkt. Ein Faktor 10 bedeutet, dass ein Tagesverlust von 5 Prozent im Basiswert deinen Einsatz halbiert.
Die Pfadabhängigkeit ist entscheidend: Auch wenn der Basiswert am Ende wieder am Start steht, kann das Faktor-Zertifikat deutlich im Minus liegen. Setze daher immer ein Stopp-Loss, denn die Produkte sind für aktives Risikomanagement konzipiert.
Typische Fehler im Umgang mit Faktor-Zertifikaten
07 · Checkliste
Liquidität: Nicht jedes Zertifikat lässt sich gut verkaufen
Die Liquidität bestimmt, wie schnell und zu welchem Preis du ein Zertifikat wieder verkaufen kannst. Sie hängt vom Emittenten und vom Handelsplatz ab.
Sie hängt vom Emittenten und vom Handelsplatz ab.
Ein enger Spread zwischen Geld- und Briefkurs ist das wichtigste Signal für einen liquiden Handel. Je kleiner die Differenz, desto geringer sind deine Transaktionskosten beim Kauf und Verkauf.
Du solltest Zertifikate mit hohem Handelsvolumen an der Börse bevorzugen und prüfen, ob der Emittent fortlaufend Ankaufs- und Verkaufskurse stellt. Vergleiche die Kurse an mehreren Handelsplätzen, bevor du verkaufst, um den besten Preis zu erzielen.
So prüfst du die Liquidität eines Zertifikats
Achte auf einen engen Spread zwischen Geld- und Briefkurs.
Bevorzuge Zertifikate mit hohem Handelsvolumen an der Börse.
Prüfe, ob der Emittent fortlaufend Ankaufs- und Verkaufskurse stellt.
Vergleiche die Kurse an mehreren Handelsplätzen, bevor du verkaufst.
08 · Kosten
Rendite: Was nach Steuern übrig bleibt
Gewinne aus Zertifikaten zählen zu den Kapitalerträgen. Die Abgeltungsteuer wird direkt von deiner Depotbank einbehalten, wenn dein Freibetrag aufgebraucht ist.
Gewinne aus Zertifikaten zählen zu den Kapitalerträgen. Die Abgeltungsteuer wird direkt von deiner Depotbank einbehalten, wenn dein Freibetrag aufgebraucht ist.
Für das Jahr 2026 gilt ein Sparer-Pauschbetrag von 1000 Euro pro Person. Zusammenveranlagte Ehepaare haben einen gemeinsamen Sparer-Pauschbetrag von 2000 Euro pro Jahr. Erst oberhalb dieser Beträge wird die Abgeltungsteuer fällig.
Die Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent auf deine Kapitalerträge. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Eine Teilfreistellung wie bei Aktienfonds gibt es bei Zertifikaten nicht, daher ist die steuerliche Belastung im Vergleich zu Aktienfonds höher.
09 · Im Vertrag
Schuldverschreibungen: Die rechtliche Basis
Alle Zertifikate sind rechtlich Schuldverschreibungen. Das hat Konsequenzen für dein Risiko und die Einlagensicherung.
Das hat Konsequenzen für dein Risiko und die Einlagensicherung.
Eine Inhaberschuldverschreibung verbrieft eine Zahlungsverpflichtung des Emittenten. Du hast keinen Anspruch auf den Basiswert selbst, sondern nur auf die vertraglich vereinbarte Rückzahlung. Der Emittent ist das Kreditinstitut, das das Zertifikat ausgibt und für die Rückzahlung haftet.
Der Basisprospekt ist das rechtliche Dokument, das die Bedingungen des Zertifikats beschreibt. Du solltest ihn vor dem Kauf lesen, denn er enthält alle Details zu Barrieren, Stichtagen und Rückzahlungsmechanismen. Die Billigung des Prospekts durch die BaFin ist keine Befürwortung des Produkts.
Wichtige Klauseln und Begriffe
10 · Vergleich
Zertifikate im Vergleich: Welcher Typ passt zu dir?
Die Wahl des Zertifikatetyps hängt von deiner Markterwartung und deinem Risikoprofil ab. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Arten ein.
Für eine Seitwärtsbewegung mit leicht steigender Tendenz eignen sich Bonus-Zertifikate, die einen festen Bonus bei intakter Barriere zahlen. Express-Zertifikate passen zu einer moderat steigenden Erwartung, da sie bei Erreichen der Schwelle einen festen Zusatzbetrag bieten.
Aktienanleihen sind für Seitwärts- oder leicht fallende Märkte gedacht, weil der hohe feste Zinskupon das Risiko der Aktienlieferung bei Kursverfall ausgleicht. Faktor-Zertifikate sind nur für kurzfristig stark steigende oder fallende Erwartungen geeignet, mit sehr hohem Risiko bis hin zum Totalverlust.
| Markterwartung | Risiko | Ertrag | |
|---|---|---|---|
| Bonus-Zertifikat | Seitwärtsbewegungen des Basiswerts | ||
| Faktor-Zertifikat | Steigende oder fallende Kurse des Basiswerts | Überproportionale Teilnahme an der Entwicklung des Basiswerts |
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