Schwellenländer im Portfolio Chancen, Risiken & Einstieg
Schwellenländer im Portfolio: Was sind Emerging Markets, welche Chancen & Risiken gibt es und wie investieren Studierende sinnvoll? Jetzt informieren.
- Definition: Volkswirtschaften zwischen Entwicklungs- und Industrieländern – höheres Wachstumspotenzial, aber auch höhere Unsicherheit.
- Bekannte Beispiele: China, Indien, Brasilien, Südafrika, Mexiko, Indonesien.
- Abgrenzung zu Frontier Markets (noch weniger entwickelt) und Industrieländern (z. B. MSCI World).
- Klassifizierungsinstanzen: MSCI und FTSE Russell legen fest, welche Länder als Emerging Market gelten – Einstufungen können sich ändern.
Schwellenländer im Portfolio: Was du wirklich wissen musst
Definition: Volkswirtschaften zwischen Entwicklungs- und Industrieländern – höheres Wachstumspotenzial, aber auch höhere Unsicherheit.
Emerging Markets – also Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien – können ein Portfolio breiter aufstellen und langfristig höhere Wachstumschancen bieten. Gleichzeitig bringen sie spürbar mehr Risiko mit sich als klassische Industrieländer-Indizes. Ob und wie du Schwellenländer beimischst, hängt von deinem Anlagehorizont, deiner Risikotoleranz und deinem Gesamtportfolio ab.
AUF EINEN BLICK
- Bekannte Beispiele: China, Indien, Brasilien, Südafrika, Mexiko, Indonesien.
- Abgrenzung zu Frontier Markets (noch weniger entwickelt) und Industrieländern (z. B. MSCI World).
- Klassifizierungsinstanzen: MSCI und FTSE Russell legen fest, welche Länder als Emerging Market gelten – Einstufungen können sich ändern.
- Relevanz: Wer langfristig anlegt, kann von Strukturwachstum profitieren – muss aber Volatilität aushalten können.
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Was genau sind Schwellenländer – und wie unterscheiden sie sich von anderen Märkten?
Diversifikation: Geringe oder mittlere Korrelation zu Industrieländer-Indizes kann das Gesamtportfoliorisiko senken.
Schwellenländer, auf Englisch „Emerging Markets" (EM), sind Volkswirtschaften, die sich auf dem Weg vom Entwicklungsland zum Industrieland befinden. Sie weisen oft höhere Wachstumsraten auf als etablierte Industrienationen, kämpfen aber gleichzeitig mit schwächeren Institutionen, weniger stabilen Währungen und teils unvollständigen Kapitalmärkten. Es handelt sich also um eine Art Mittelkategorie: mehr Dynamik als in Westeuropa oder Nordamerika, mehr Unsicherheit als dort ebenfalls.
Zu den bekanntesten Schwellenländern zählen China, Indien, Brasilien, Südafrika, Mexiko und Indonesien. Sie bündeln zusammen einen erheblichen Teil der Weltbevölkerung, ein wachsendes Konsumpotenzial und bedeutende Rohstoffvorkommen. Unterhalb der Schwellenländer gibt es noch die sogenannten Frontier Markets – zum Beispiel Vietnam, Nigeria oder Bangladesch –, die noch weniger liquide und noch weniger reguliert sind. Auf der anderen Seite stehen die etablierten Industrieländer, die im MSCI World abgebildet werden: USA, Deutschland, Japan, Großbritannien und weitere Hocheinkommensländer.
Wer in einen Emerging-Markets-Index investiert, muss wissen: Nicht jede Volkswirtschaft entscheidet selbst, ob sie als Schwellenland gilt. Die Klassifizierung nehmen unabhängige Indexanbieter wie MSCI und FTSE Russell vor. Sie prüfen Kriterien wie Marktzugänglichkeit, Regulierungsqualität, Liquidität und Kapitalflussfreiheit. Diese Einstufungen können sich ändern – Länder wie Südkorea werden seit Jahren diskutiert, und Saudi-Arabien wurde erst vor wenigen Jahren in den MSCI Emerging Markets aufgenommen. Anlegerinnen und Anleger, die einen EM-ETF halten, sind daher indirekt von solchen Entscheidungen betroffen.
Wichtig für das Verständnis: Ein Land kann wirtschaftlich stark wachsen und trotzdem als Schwellenland eingestuft bleiben, wenn sein Kapitalmarkt bestimmte Zugänglichkeitskriterien nicht erfüllt. Umgekehrt kann ein Land mit schwacher wirtschaftlicher Dynamik als Industrieland gelten, wenn seine Institutionen robust genug sind. Die Indexzugehörigkeit spiegelt also die Marktreife wider – nicht unbedingt das wirtschaftliche Potenzial allein.
AUF EINEN BLICK
- Wachstumspotenzial: Steigende Mittelschicht, Urbanisierung und Digitalisierung treiben Unternehmensgewinne in vielen EM-Ländern.
- BIP-Gewicht vs. Marktkapitalisierungsgewicht: Schwellenländer stellen einen großen Anteil am globalen BIP, sind aber im MSCI World nicht enthalten – dies kann ein Argument für separate EM-Allokation sein.
- Rohstoffexposure: Viele EM-Länder sind Rohstoffproduzenten; das kann als natürliche Inflation-Hedge wirken.
- Langfristiger Anlagehorizont: Gerade für Sparerinnen und Sparer mit Jahrzehnten bis zur Rente ist die Zeit-Komponente entscheidend.
Warum Schwellenländer ins Portfolio gehören können – die wichtigsten Argumente
Währungsrisiko: EM-Währungen können gegenüber Euro oder Dollar stark schwanken und Renditen aufzehren.
Das stärkste Argument für eine Beimischung von Schwellenländern ist Diversifikation. Wer ausschließlich in einen MSCI World ETF investiert, ist stark auf US-amerikanische Aktien konzentriert – der US-Anteil im Index liegt seit Jahren bei weit über 60 Prozent. Schwellenländer haben historisch eine andere Ertragsdynamik gezeigt: Sie liefen manchmal besser als Industrieländer, manchmal schlechter – aber nicht immer gleichzeitig. Eine mittlere oder niedrige Korrelation zwischen EM- und Industrieländer-Indizes kann das Gesamtrisiko eines Portfolios zumindest theoretisch reduzieren.
Hinzu kommt das Wachstumspotenzial. In vielen Schwellenländern wächst die Mittelschicht rapide. Urbanisierung, steigende Bildungsabschlüsse und Digitalisierung treiben Unternehmensgewinne, insbesondere im Konsum- und Technologiesektor. Indien beispielsweise verzeichnet seit Jahren überdurchschnittliche BIP-Wachstumsraten, und sein Kapitalmarkt hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Höheres Wirtschaftswachstum schlägt sich nicht automatisch in höheren Aktienrenditen nieder – aber es schafft ein Umfeld, in dem Unternehmen expandieren können.
Ein weiteres Argument ist das Missverhältnis zwischen BIP-Gewicht und Marktkapitalisierungsgewicht. Schwellenländer stellen zusammen einen riesigen Anteil am globalen BIP, sind im MSCI World jedoch überhaupt nicht vertreten. Wer nur einen MSCI World ETF hält, ignoriert diesen Teil der Weltwirtschaft vollständig. Ob das ein Problem ist, hängt von der eigenen Anlagephilosophie ab – aber es ist ein Punkt, den viele Anlegerinnen und Anleger bewusst berücksichtigen wollen.
Schließlich bieten Schwellenländer oft ein indirektes Rohstoff-Exposure. Länder wie Brasilien, Südafrika oder Chile sind bedeutende Exporteure von Industriemetallen, Agrargütern oder Energie. Das kann in inflationären Phasen als eine Art natürliche Absicherung wirken – auch wenn dieser Effekt nicht garantiert ist und stark vom jeweiligen Rohstoffzyklus abhängt.
AUF EINEN BLICK
- Politisches Risiko: Regulierungsänderungen, Verstaatlichungen oder geopolitische Spannungen treffen EM-Märkte härter.
- Liquiditätsrisiko: Einzelne EM-Märkte haben dünnere Handelsumsätze – bei ETFs weniger ein Problem, bei Einzelaktien schon.
- Höhere Volatilität: Stärkere Kursschwankungen als in Industrieländern – mentale Belastbarkeit und langer Anlagehorizont sind Voraussetzung.
- Governance-Risiken: Schwächere Unternehmensführungs- und Bilanzierungsstandards in einigen Ländern.
Was Schwellenländer-Investments wirklich schwierig macht
Marktkapitalisierungsgewichtung: Nach globalem Marktgewicht liegt der EM-Anteil bei grob einem Viertel des investierbaren Universums – genaue Zahlen schwanken
Das wohl unmittelbarste Risiko für deutsche Anlegerinnen und Anleger ist das Währungsrisiko. EM-Aktien notieren in lokalen Währungen – brasilianische Real, indische Rupien, chinesische Renminbi. Wenn diese Währungen gegenüber dem Euro abwerten, schrumpft die Rendite in Euro, selbst wenn der Aktienkurs in Lokalwährung gestiegen ist. Schwellenländer-Währungen können in Krisenzeiten – etwa bei steigenden US-Zinsen oder geopolitischen Schocks – sehr schnell und stark nachgeben. Das ist ein strukturelles Risiko, das man bei EM-Investments immer einkalkulieren muss.
Politisches Risiko ist ein weiterer entscheidender Faktor. Regulierungsänderungen können schnell und drastisch sein: China hat in der Vergangenheit ganze Branchen mit neuen Vorschriften belegt – von Bildungstechnologie über Gaming bis hin zu Fintech – und damit betroffene Aktien innerhalb kurzer Zeit massiv unter Druck gesetzt. Verstaatlichungen, Kapitalverkehrskontrollen oder geopolitische Spannungen (etwa im Verhältnis Taiwan–China) können Investitionen stark beeinträchtigen. Solche Risiken sind schwer vorherzusagen und können sich sehr plötzlich materialisieren.
Liquiditätsrisiko ist vor allem bei Einzelaktien aus kleineren EM-Märkten relevant. Breit gestreute ETFs auf MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging sind an großen europäischen Börsen handelbar und haben in der Regel ausreichend Handelsvolumen. Anders sieht es aus, wenn man gezielt in Länder-ETFs auf kleinere Märkte oder gar in Direktinvestments geht – dort können Spreads höher sein und der Markt in stressigen Phasen austrocknen.
Vielleicht am bedeutsamsten für Einsteigerinnen und Einsteiger: die höhere Volatilität. EM-Indizes haben historisch weitaus stärkere Ausschläge nach unten erlebt als Industrieländer-Indizes. Kursverluste von 30, 40 oder sogar 50 Prozent innerhalb weniger Monate sind in der Vergangenheit vorgekommen – während der Asienkrise, nach der Finanzkrise 2008 oder in der Corona-Phase. Wer solche Rückgänge nicht aussitzen kann oder will, weil das Geld kurzfristig gebraucht wird, sollte den EM-Anteil entsprechend niedrig halten oder ganz auf ihn verzichten.
AUF EINEN BLICK
- Beliebte Basis-Portfolios: 70/30-Aufteilung (MSCI World / MSCI EM) oder 80/20 – keine universelle Wahrheit, sondern Ausgangspunkt.
- Risikobereitschaft entscheidet: Je länger der Anlagehorizont und je höher die Risikotoleranz, desto mehr EM-Anteil kann verträglich sein.
- Rebalancing nicht vergessen: Starke EM-Ausschläge nach oben oder unten erfordern regelmäßiges Anpassen der Zielgewichte.
- Für Sparerinnen und Sparer mit kleinen Beträgen: ETF-Sparpläne ohne Mindestbetrag ermöglichen konsequentes Investieren trotz begrenztem Budget.
Wie viel Schwellenländer-Anteil ist sinnvoll? Portfoliogewichtung erklärt
Breite EM-ETFs (z. B. auf MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging): Breite Streuung über Hunderte Titel mit einem Produkt – kostengünstig und transparent.
Eine häufig diskutierte Orientierung ist die Marktkapitalisierungsgewichtung: Man investiert so in Industrieländer und Schwellenländer, wie es ihrer jeweiligen Börsenbewertung im globalen Aktienuniversum entspricht. Nach aktuellen MSCI-Daten macht der Emerging-Markets-Index dabei ungefähr ein Viertel des gesamten investierbaren Aktienuniversums aus – wobei dieser Wert je nach Marktlage schwankt. Das würde bei einem reinen Aktienportfolio bedeuten, etwa 75 bis 80 Prozent in Industrieländer (MSCI World) und 20 bis 25 Prozent in Schwellenländer (MSCI EM) zu investieren.
In der Praxis hat sich die 70/30-Aufteilung (70 Prozent MSCI World, 30 Prozent MSCI EM) als beliebtes Basis-Portfolio für deutsche Privatanleger etabliert. Einige wählen auch 80/20. Es gibt keine universelle richtige Antwort – beide Varianten sind vertretbar und haben unterschiedliche historische Ergebnisse gezeigt, je nach Betrachtungszeitraum. Entscheidend ist, dass du mit der gewählten Aufteilung langfristig durchhalten kannst, auch in Phasen, in denen dein EM-Anteil stark unter Druck steht.
Je länger dein Anlagehorizont und je belastbarer du psychisch gegenüber kurzfristigen Verlusten bist, desto mehr EM-Anteil kann für dich verträglich sein. Wenn du noch viele Jahre bis zur Rente hast, ist das ein echter Vorteil, denn kurzfristige Einbrüche verlieren über lange Zeiträume an Gewicht.
Rebalancing ist ein oft unterschätzter Aspekt. Wenn dein EM-Anteil durch starke Kursgewinne auf 40 Prozent angeschwollen ist, während dein Ziel 30 Prozent war, solltest du umschichten – entweder durch Verkauf des übergewichteten Teils oder durch gezielten Kauf des untergewichteten Teils. Das diszipliniert das Portfolio und verhindert, dass du ungewollt ein höheres Risiko trägst als geplant.
AUF EINEN BLICK
- Länder-ETFs: Ermöglichen gezielte Wetten auf einzelne Märkte (z. B. Indien, Brasilien) – konzentrierter und damit riskanter.
- Themen-ETFs: EM-Konsumenten, EM-Technologie usw. – noch konzentrierter, Vorsicht bei Kosten und Nischenstrategie.
- Aktiv gemanagte Fonds: Höhere laufende Kosten als ETFs; historisch schlagen die meisten aktiven EM-Fonds ihren Benchmark langfristig nicht.
- Einzelaktien: Nur mit tiefem Research und hoher Risikobereitschaft – für Anfänger meist ungeeignet.
ETFs, Fonds oder Einzelaktien: Welche Investitionswege gibt es?
Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge: Pauschaler Steuersatz gilt – bei geringem Jahreseinkommen kann die Günstigerprüfung relevant sein.
Für die meisten Sparer:innen und Berufseinsteiger sind breite Emerging-Markets-ETFs der sinnvollste Einstieg. Ein ETF auf den MSCI Emerging Markets oder den FTSE Emerging bildet Hunderte von Unternehmen aus dutzenden Ländern mit einem einzigen Produkt ab. Die laufenden Kosten (TER – Total Expense Ratio) sind bei ETFs in der Regel sehr niedrig, und Transparenz ist strukturell garantiert, da die Zusammensetzung täglich einsehbar ist. Breite Diversifikation zu geringen Kosten – das ist der Kernvorteil dieser Produktklasse.
Wer gezielter investieren möchte, kann auf Länder-ETFs zurückgreifen – etwa auf Indien, Brasilien oder Vietnam. Diese ermöglichen eine bewusste Übergewichtung einzelner Märkte. Allerdings steigt damit die Konzentration, und die länder- oder regionsspezifischen Risiken werden vollständig übernommen. Ein Indien-ETF zum Beispiel ist stark von regulatorischen Entscheidungen der indischen Regierung, Währungsentwicklung der Rupie und geopolitischen Risiken in der Region abhängig.
Themen-ETFs auf EM-Konsumenten, EM-Technologie oder EM-Dividenden sind noch konzentrierter. Sie können sinnvoll sein, wenn du ein spezifisches Argument (z. B. Wachstum der Mittelschicht in Asien) gezielt abbilden möchtest – aber die Kosten sind häufig höher, die Portfolios kleiner und die Strategie schwerer zu beurteilen. Hier ist besondere Sorgfalt bei der Recherche angebracht.
Aktiv gemanagte Fonds auf Schwellenländer bieten einen professionellen Manager, der einzelne Titel auswählt. Die laufenden Kosten liegen aber deutlich über denen von ETFs. Langfristig gelingt es den meisten aktiven EM-Fonds nicht, ihren Vergleichsindex nach Kosten zu schlagen – ein gut dokumentiertes Phänomen in der Kapitalmarktforschung. Das bedeutet nicht, dass aktive Fonds prinzipiell schlecht sind, aber Kosten sind ein handfester Renditekiller über lange Zeiträume.
AUF EINEN BLICK
- Freistellungsauftrag beim Broker hinterlegen: Sonst werden Erträge automatisch versteuert.
- Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs: Seit der Investmentsteuerreform fällt jährlich eine fiktive Besteuerung an – auch wenn nichts ausgeschüttet wird.
- Teilfreistellung bei Aktien-ETFs: Ein Teil der Erträge bleibt steuerfrei
- Tipp: Sonderausgaben und Werbungskosten haben keinen direkten Einfluss auf Kapitalertragssteuer – beides sind getrennte Töpfe.
Steuerliche Aspekte: Was du bei EM-Investments beachten musst
ESG-EM-ETFs schließen Unternehmen nach Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien aus – oft geringerer China- und Rohstoffanteil.
In Deutschland werden Kapitalerträge – also Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne – mit der Abgeltungsteuer besteuert. Der Steuersatz beträgt pauschal 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent auf die Steuer) und gegebenenfalls Kirchensteuer. Das bedeutet, dass auf Kapitalerträge in der Regel keine individuellen Einkommensteuersätze angewandt werden – die Steuer ist mit der Abgeltungsteuer abgegolten. Wer allerdings ein sehr geringes Gesamteinkommen hat, kann über die sogenannte Günstigerprüfung in der Steuererklärung erreichen, dass der persönliche Einkommensteuersatz – sofern er unter 25 Prozent liegt – stattdessen angewandt wird. Das kann für Sparer:innen mit niedrigem Einkommen relevant sein.
Wichtig ist der Sparerpauschbetrag: Bis zu 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr sind für Einzelpersonen steuerfrei. Damit du diesen Freibetrag auch tatsächlich nutzt, musst du deinem Broker einen Freistellungsauftrag erteilen. Ohne diesen Auftrag führt der Broker automatisch Kapitalertragsteuer ab – und du musst den Betrag über deine Steuererklärung zurückfordern, was vermeidbar ist.
Thesaurierende ETFs – also solche, die Dividenden und Zinsen nicht ausschütten, sondern reinvestieren – sind steuerlich ein besonderes Thema. Seit der Investmentsteuerreform 2018 wird jährlich eine sogenannte Vorabpauschale erhoben: eine fiktive Besteuerung auf einen Mindestgewinn, auch wenn du kein Geld aus dem ETF entnommen hast. Dein Broker zieht diese Steuer automatisch ab, in der Regel Anfang des Jahres. Es ist wichtig, dass auf deinem Verrechnungskonto genug Geld liegt oder der Freistellungsauftrag ausreicht, um diese Zahlung zu decken. Wer das ignoriert, riskiert Probleme mit der automatischen Steuerabbuchung.
AUF EINEN BLICK
- Klassifizierung nach EU-Offenlegungsverordnung: Artikel 8 (hellgrün) vs. Artikel 9 (dunkelgrün) – Unterschied für Anleger verstehen.
- Möglicher Tracking Error: ESG-Filter können dazu führen, dass sich ESG-ETFs deutlich anders entwickeln als der klassische MSCI EM.
- Greenwashing-Risiko: Nicht jedes 'ESG'-Label bedeutet gleich strenge Kriterien – Methodenberichte lesen.
- Für Anleger:innen mit Nachhaltigkeitspräferenz: ESG-EM-ETFs sind eine Möglichkeit, Werte und Investition zu verbinden – kein Allheilmittel.
ESG in Schwellenländer-ETFs: Chancen und Grenzen nachhaltig investieren
Schritt 1 – Finanzielle Basis sichern: Notgroschen (mehrere Monatsausgaben) anlegen, bevor investiert wird.
Immer mehr Anlegerinnen und Anleger möchten ihr Geld nicht nur vermehren, sondern auch verantwortungsvoll anlegen. ESG-ETFs auf Schwellenländer schließen Unternehmen aus, die bestimmte Mindeststandards in den Bereichen Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) nicht erfüllen. In der Praxis bedeutet das oft: geringerer China-Anteil, weniger Rohstoffunternehmen, ein bewussterer Umgang mit Zulieferketten. Das klingt gut – aber es gibt relevante Einschränkungen, die du kennen solltest.
Die EU-Offenlegungsverordnung unterscheidet zwischen Artikel-8-Fonds (sogenannte hellgrüne Produkte, die ESG-Merkmale bewerben) und Artikel-9-Fonds (dunkelgrüne Produkte mit einem expliziten Nachhaltigkeitsziel). Für Anlegerinnen und Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Ein Artikel-8-ETF kann ESG-Filter haben, aber weiterhin viele kontroverse Titel enthalten. Artikel-9-Produkte haben strengere Vorgaben, aber auch häufig ein kleineres Anlageuniversum und höhere Kosten.
Ein struktureller Nachteil von ESG-EM-ETFs ist der potenzielle Tracking Error – also die Abweichung vom klassischen MSCI Emerging Markets Index. Da ESG-Filter viele der größten EM-Unternehmen aus China oder aus dem Rohstoffsektor ausschließen können, kann die Wertentwicklung deutlich anders verlaufen als beim nicht-gefilterten Index. Das kann ein Vorteil oder ein Nachteil sein – je nach Marktphase. Wer einen ESG-EM-ETF wählt, sollte sich bewusst sein, dass er kein „bereinigtes MSCI EM" kauft, sondern ein anderes Produkt mit eigener Risikostruktur.
Greenwashing ist ein reales Problem. Nicht jedes „ESG"-Label im Produktname bedeutet gleich strenge Ausschlusskriterien. Wer wirklich verstehen will, was in seinem ETF steckt, sollte den Methodenbericht des Indexanbieters lesen und die tatsächlichen Top-10-Holdings prüfen. Das klingt aufwendig, ist aber in der Regel innerhalb einer Stunde machbar – und lohnt sich vor einer langen Haltedauer von 20 oder mehr Jahren.
AUF EINEN BLICK
- Schritt 2 – Anlagehorizont und Risikotoleranz ehrlich einschätzen: EM ist Langfristanlage, kurzfristige Verluste von 30 %+ sind historisch möglich.
- Schritt 3 – Gesamtstrategie festlegen: Erst Kern-Portfolio (z. B. MSCI World), dann EM-Beimischung bestimmen.
- Schritt 4 – Broker mit Sparplan ohne Mindestbetrag wählen: Viele Neobroker bieten ab kleinen Beträgen Sparpläne – kein Produktvergleich hier, eigene Recherche notwendig.
- Schritt 5 – Sparplan einrichten, automatisieren, nicht täglich schauen: Behavioral Finance zeigt, dass zu häufiges Monitoring zu schlechteren Entscheidungen führt.
Praktischer Einstieg: So investieren Sie strukturiert in Schwellenländer
Bevor Sie auch nur einen Euro in Aktien oder ETFs investieren, sollten Sie Ihre finanzielle Basis sichern. Das bedeutet konkret: einen Notgroschen von mehreren Monatsausgaben auf einem leicht zugänglichen Tagesgeldkonto oder Sparkonto. Wie viele Monate genau, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab – aber der Grundsatz gilt: Geld, das Sie in den nächsten zwei bis drei Jahren möglicherweise brauchen, hat nichts an der Börse verloren. Gerade wer unregelmäßige Einnahmen und unvorhersehbare Ausgaben hat (Autoreparatur, Umzug, neue Waschmaschine), für den ist dieser Puffer besonders wichtig.
Als zweiten Schritt sollten Sie Ihren Anlagehorizont und Ihre Risikotoleranz ehrlich einschätzen – nicht so, wie Sie sich wünschen zu sein, sondern wie Sie wirklich auf Verluste reagieren. Stellen Sie sich vor, Ihr Depot verliert in drei Monaten 35 Prozent. Würden Sie kaufen, halten oder verkaufen? EM-Investments sind für einen langen Horizont gemacht – typischerweise 10, 15 oder 20 Jahre und mehr. Kurzfristige Verluste in ähnlicher Größenordnung sind historisch betrachtet nicht die Ausnahme, sondern Teil des Spiels.
Drittens: Definieren Sie Ihre Gesamtstrategie, bevor Sie einzelne ETFs aussuchen. Das bedeutet: Wollen Sie einen einzigen globalen ETF (z. B. MSCI ACWI, der Industrieländer und Schwellenländer kombiniert)? Oder ein Zwei-ETF-Portfolio mit MSCI World und MSCI EM? Im ersten Fall ist die EM-Gewichtung automatisch marktkapitalisierungsgewichtet. Im zweiten Fall entscheiden Sie selbst. Erst wenn die Strategie steht, wählen Sie konkrete Produkte und Broker aus – nicht andersherum.
Viele Neobroker bieten heute Sparpläne auf EM-ETFs bereits ab kleinen monatlichen Beträgen an – ohne Mindestinvestition und ohne Orderkosten für Sparpläne. Das macht es möglich, auch mit einem begrenzten Budget regelmäßig und automatisiert zu investieren. Wichtig: Recherchieren Sie selbst, welcher Broker zu Ihnen passt – vergleichen Sie Konditionen, Depotgebühren und verfügbare ETFs. Kein Broker ist für alle gleich optimal, und Produktempfehlungen sind nicht Aufgabe dieses Artikels.
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Häufige Fragen
Schwellenländer-ETFs können auch mit kleinen Beträgen sinnvoll sein, da sie eine breite Streuung über viele Märkte ermöglichen und die Sparrate durch einen Sparplan oft schon ab geringen monatlichen Beträgen möglich ist. Du solltest jedoch bedenken, dass Schwellenländer eine höhere Schwankungsbreite aufweisen und daher eher für Anleger mit langem Anlagehorizont geeignet sind.
Der MSCI World umfasst ausschließlich Aktien aus entwickelten Industrieländern wie den USA, Japan und Deutschland, während der MSCI Emerging Markets Aktien aus Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien enthält. Die beiden Indizes ergänzen sich, da sie unterschiedliche Wirtschaftsregionen und Wachstumsdynamiken abbilden.
Der China-Anteil im MSCI Emerging Markets ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und liegt mittlerweile bei etwa einem Drittel des gesamten Indexgewichts. Dies bedeutet, dass deine Investition in Schwellenländer stark von der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Chinas abhängig ist.
Nein, thesaurierende ETFs sind in Deutschland steuerlich nicht komplizierter als ausschüttende, da die Vorabpauschale für beide Varianten gilt und die Abrechnung über deine Depotbank automatisch erfolgt. Du musst lediglich darauf achten, dass du einen Freistellungsauftrag einrichtest, um deinen Sparerpauschbetrag optimal zu nutzen.
Das Währungsrisiko bedeutet, dass Wechselkursschwankungen zwischen dem Euro und den Währungen der Schwellenländer den Wert deines Investments in Euro beeinflussen können. Wenn die lokalen Währungen gegenüber dem Euro abwerten, sinkt der Wert deines ETFs, selbst wenn die Aktienkurse in den jeweiligen Ländern steigen.
Wenn ein Land aus dem MSCI Emerging Markets fällt, wird es im Index durch ein anderes Land ersetzt, und dein ETF passt seine Zusammensetzung automatisch entsprechend an. Du musst selbst nichts unternehmen, da der Fonds die Indexänderungen nachvollzieht und die betroffenen Aktien verkauft beziehungsweise neue kauft.
Ja, du kannst Schwellenländer auch über einen Welt-ETF abdecken, wenn dieser sowohl entwickelte als auch aufstrebende Märkte enthält, wie es beispielsweise bei einem MSCI All Country World Index der Fall ist. Ein solcher ETF bietet dir eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, global in alle relevanten Märkte zu investieren, ohne separate Fonds kombinieren zu müssen.
Um herauszufinden, wie viel Kapital du für deine Altersvorsorge aufbauen musst, solltest du zunächst deinen jährlichen Bedarf im Ruhestand schätzen und diesen mit der voraussichtlichen Rentenbezugsdauer multiplizieren. Ziehe davon erwartete gesetzliche Rentenansprüche ab und berücksichtige eine realistische Renditeannahme sowie die Inflation, um den heutigen Kapitalbedarf zu ermitteln.
Quellen & Stand 09.07.2026
- Bundesfinanzministerium, Rahmen
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