Ratgeber · Investieren
Schwellenländer-ETF-Vergleich: So findest du den passenden Emerging-Markets-ETF
Ein Schwellenländer-ETF ergänzt dein Portfolio um Aktien aus aufstrebenden Volkswirtschaften. Der Vergleich zeigt, worauf es bei Index, Kosten und Strategie ankommt.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei Schwellenländer-ETFs zwischen 0,09 und 0,55 Prozent pro Jahr.
- Für ein breites Investment stehen dir 37 ETFs auf sechs große Schwellenländer-Indizes zur Auswahl.
- Der MSCI Emerging Markets und der FTSE Emerging sind die wichtigsten Indizes für dein Depot.
- Ein Schwellenländer-ETF eignet sich als Beimischung zu einem Industrieländer-ETF, etwa im Verhältnis 70 zu 30.
01 · Grundlagen
Was ist ein Schwellenländer-ETF?
Ein Schwellenländer-ETF bildet einen Index aus Aktien von Unternehmen ab, die ihren Sitz in aufstrebenden Volkswirtschaften haben. Damit investierst du mit einem einzigen Wertpapier in viele Länder gleichzeitig.
Ein Schwellenländer-ETF bündelt Aktien aus Ländern, die von Indexanbietern als aufstrebende Volkswirtschaften eingestuft werden. Dazu zählen regelmäßig China, Indien, Brasilien, Taiwan oder Südafrika. Die konkrete Länderauswahl folgt der Definition des jeweiligen Indexanbieters, nicht einer politischen Liste.
Für dich bedeutet das: Du kaufst mit einem einzigen Wertpapier eine breite Streuung über viele Unternehmen und Länder. Das reduziert das Risiko, das mit einer Einzelaktie aus einem Schwellenland verbunden wäre.
- Der Fonds bildet die Wertentwicklung eines Aktienindex aus Schwellenländern nach.
- Die enthaltenen Länder und Unternehmen bestimmt der Indexanbieter anhand wirtschaftlicher Kriterien.
Kurz erklärt
Schwellenländer-ETF
Ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Aktienindex aus Schwellenländern nachbildet. Er bündelt Unternehmen aus Ländern wie China, Indien, Brasilien oder Taiwan.
Die Auswahl der Länder folgt der Definition des jeweiligen Indexanbieters, nicht einer politischen Liste.
02 · Vergleich
MSCI Emerging Markets oder FTSE Emerging: Welcher Index passt?
Die beiden großen Indexanbieter teilen die Welt unterschiedlich ein. Für deinen Schwellenländer-ETF-Vergleich ist die Indexwahl wichtiger als der ETF-Anbieter.
Der MSCI Emerging Markets enthält 1.165 große und mittelgroße Unternehmen, der FTSE Emerging kommt auf 2.290 Titel und schließt zusätzlich kleinere Unternehmen ein. Diese unterschiedliche Abdeckung wirkt sich direkt auf die Streuung deines Investments aus.
Für deinen Schwellenländer-ETF-Vergleich ist die Indexwahl wichtiger als der ETF-Anbieter. Achte darauf, dass der Index zu deinem bestehenden Industrieländer-ETF passt, um Dopplungen oder Lücken zu vermeiden.
- Der MSCI Emerging Markets konzentriert sich auf Large und Mid-Caps und ist mit 23 ETFs sehr breit verfügbar.
- Der FTSE Emerging deckt durch die höhere Titelzahl auch Small-Caps ab, wird aber nur von 4 ETFs nachgebildet.
| MSCI Emerging Markets | FTSE Emerging | |
|---|---|---|
| Anzahl der enthaltenen Titel | 1.165 Unternehmen | 2.290 Unternehmen |
| Abdeckung der Marktkapitalisierung | Große und mittelgroße Unternehmen (Large und Mid-Caps) | |
| Verfügbare ETFs | 23 ETFs | 4 ETFs |
03 · Kosten
Welche Kosten entstehen bei Schwellenländer-ETFs?
Die Gesamtkostenquote ist die wichtigste laufende Gebühr deines ETFs. Sie wird direkt vom Fondsvermögen abgezogen und schmälert deine Rendite.
Bei Schwellenländer-ETFs liegt die Spanne im Jahr 2026 zwischen 0,09 Prozent und 0,55 Prozent pro Jahr.
Der Unterschied zwischen einem günstigen Standard-ETF und einem teureren Spezialprodukt mag klein wirken. Bei einer Sparrate von 100 Euro im Monat macht eine Differenz von 0,3 Prozentpunkten über 20 Jahre mehrere hundert Euro aus.
- Sehr günstige Standard-ETFs auf den MSCI Emerging Markets gibt es bereits ab 0,09 Prozent pro Jahr.
- Typische MSCI Emerging Markets ETFs liegen bei 0,18 Prozent, Small-Cap-Erweiterungen ebenfalls bei 0,18 Prozent.
Typische Gesamtkostenquoten (TER) von Schwellenländer-ETFs
04 · Checkliste
Welche Schwellenländer-Indizes kannst du mit ETFs abbilden?
Neben den beiden großen Indizes gibt es Varianten ohne China oder mit zusätzlichen Small-Caps. Diese Auswahl hilft dir, dein Depot gezielt zu steuern.
Insgesamt stehen dir sechs breite Marktindizes für ein Investment in Schwellenländer-Aktien zur Verfügung.
Die Titelzahl variiert stark: Der MSCI Emerging Markets ex China enthält 602 Unternehmen, der MSCI Emerging Markets IMI kommt auf 2.914 Titel. Der WisdomTree True Emerging Markets wählt seine 490 Titel nach makroökonomischen Kriterien aus.
- Der FTSE Emerging ex China bietet 1.012 Titel ohne chinesische Aktien.
- Der MSCI Emerging Markets IMI deckt zusätzlich zu Large und Mid-Caps auch Small-Caps ab.
Sechs breite Marktindizes für Schwellenländer-ETFs
FTSE Emerging: 2.290 Titel aus allen Schwellenländern, inklusive kleinerer Unternehmen
FTSE Emerging ex China: 1.012 Titel, ohne chinesische Aktien
MSCI Emerging Markets: 1.165 große und mittelgroße Unternehmen aus Schwellenländern
MSCI Emerging Markets IMI: 2.914 Titel, deckt zusätzlich Small-Caps ab
MSCI Emerging Markets ex China: 602 Titel, ohne chinesische Aktien
WisdomTree True Emerging Markets: 490 Titel, Auswahl nach makroökonomischen Kriterien
05 · Schritt für Schritt
Wie baust du einen ETF-Sparplan auf Schwellenländer auf?
Ein Sparplan macht den Einstieg einfach, weil du unabhängig vom Kurs regelmäßig investierst. So kaufst du in schwachen Phasen automatisch mehr Anteile.
Viele Depots ermöglichen Sparraten ab 25 Euro pro Monat.
Lege eine monatliche Rate fest, die du langfristig durchhalten kannst. Bei einem klassischen 70/30-Portfolio fließen 30 Prozent deiner Aktienquote in den Schwellenländer-ETF.
- Wähle ein Depot, das ETF-Sparpläne ohne hohe Ordergebühren anbietet.
- Entscheide dich für einen breiten Index wie den MSCI Emerging Markets oder den FTSE Emerging.
- Richte den Sparplan mit dem gewählten ETF und deiner Sparrate ein.
Depot auswählen
Wähle ein Depot, das ETF-Sparpläne ohne hohe Ordergebühren anbietet.
Index festlegen
Entscheide dich für einen breiten Index wie den MSCI Emerging Markets oder den FTSE Emerging. Achte darauf, dass er zu deinem bestehenden Industrieländer-ETF passt.
Sparrate bestimmen
Lege eine monatliche Rate fest, die du langfristig durchhalten kannst. Bei einem 70/30-Portfolio fließen 30 Prozent deiner Aktienquote in den Schwellenländer-ETF.
Sparplan einrichten
Richte den Sparplan mit dem gewählten ETF und der Sparrate ein. Die Ausführung erfolgt automatisch zum festgelegten Termin.
Laufzeit einhalten
Plane einen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren ein. Schwellenländer schwanken stärker als Industrieländer.
06 · Was gilt
Welche Rolle spielen Small-Caps und Frontier Markets?
Kleine Unternehmen und Grenzmärkte erweitern dein Schwellenländer-Investment. Sie bringen andere Chancen und Risiken mit als die großen Standardindizes.
Ein Standard-ETF auf den MSCI Emerging Markets enthält nur große und mittelgroße Unternehmen.
Small-Caps aus Schwellenländern bildest du nur über den MSCI Emerging Markets IMI oder den FTSE Emerging ab. Frontier Markets wie Vietnam, Nigeria oder Kuwait sind in keinem der breiten Standardindizes enthalten.
- Der MSCI Emerging Markets IMI deckt 99 Prozent der investierbaren Marktkapitalisierung ab, inklusive kleiner Unternehmen.
- Für Frontier Markets benötigst du spezielle Produkte, die nicht zu den klassischen Schwellenländer-ETFs zählen.
Im Standard-ETF enthalten
Nur über Spezial-ETFs abbildbar
07 · Fehler vermeiden
Welche Fehler solltest du beim Schwellenländer-ETF-Vergleich vermeiden?
Viele Anleger vergleichen nur die Kosten oder nur die Performance. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Index, Kosten und deiner bestehenden Depotstruktur.
Ein häufiger Fehler ist es, einen MSCI-ETF mit einem FTSE-ETF zu mischen, ohne auf Länderdopplungen oder Lücken zu achten.
Schwellenländer-ETFs sind als Beimischung zu einem Industrieländer-ETF gedacht, nicht als Kerninvestment. Plane einen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren ein, um Schwankungen auszusitzen.
- Vermeide es, nur auf die Wertentwicklung des letzten Jahres zu schauen und daraus eine dauerhafte Überlegenheit abzuleiten.
- Ignoriere die Gesamtkostenquote nicht, denn sie wirkt sich über Jahre direkt auf deine Rendite aus.
Typische Fehler bei der Auswahl eines Schwellenländer-ETFs
08 · Im Vertrag
Wie werden Schwellenländer-ETFs in Deutschland besteuert?
Die Besteuerung deiner ETF-Erträge hängt von der Fondsart ab. Für Aktienfonds wie Schwellenländer-ETFs gilt eine Teilfreistellung, die deine Steuerlast senkt.
30 Prozent der Erträge sind steuerfrei, nur auf die restlichen 70 Prozent zahlst du Abgeltungsteuer.
Auf den steuerpflichtigen Teil deiner Erträge fallen 25 Prozent Kapitalertragsteuer an. Zusätzlich wird der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer erhoben, nicht auf den gesamten Ertrag.
- Pro Person und Jahr bleiben Erträge bis 1000 Euro durch den Sparer-Pauschbetrag steuerfrei.
- Bei zusammenveranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Freibetrag auf 2000 Euro pro Jahr.
09 · Hintergrund
Wie kombinierst du Schwellenländer-ETFs mit deinem Weltportfolio?
Ein Schwellenländer-ETF ist selten das einzige Investment. Meist ergänzt er einen Industrieländer-ETF zu einem globalen Aktienportfolio.
Ein Schwellenländer-ETF ist selten das einzige Investment. Meist ergänzt er einen Industrieländer-ETF zu einem globalen Aktienportfolio. Die klassische Aufteilung ist das 70/30-Portfolio: 70 Prozent deiner Aktienquote stecken in einem Industrieländer-ETF wie dem MSCI World, 30 Prozent in einem Schwellenländer-ETF.
Achte bei der Kombination darauf, dass beide ETFs vom selben Indexanbieter stammen. Ein MSCI World passt zum MSCI Emerging Markets, ein FTSE Developed World zum FTSE Emerging. So vermeidest du, dass Länder wie Südkorea doppelt oder gar nicht enthalten sind.
- Alternativ kannst du mit einem einzigen All-World-ETF in Industrie- und Schwellenländer investieren.
- Die Gewichtung von 70 zu 30 orientiert sich grob an der Verteilung der Weltwirtschaft.
Die klassische Aufteilung ist das 70/30-Portfolio: 70 Prozent deiner Aktienquote stecken in einem Industrieländer-ETF wie dem MSCI World, 30 Prozent in einem Schwellenländer-ETF. Diese Gewichtung orientiert sich grob an der Verteilung der Weltwirtschaft.
Achte bei der Kombination darauf, dass beide ETFs vom selben Indexanbieter stammen. Ein MSCI World passt zum MSCI Emerging Markets, ein FTSE Developed World zum FTSE Emerging. So vermeidest du, dass Länder wie Südkorea doppelt oder gar nicht enthalten sind.
Alternativ kannst du mit einem einzigen All-World-ETF in Industrie- und Schwellenländer investieren. Der Vorteil ist die einfache Handhabung, der Nachteil die fehlende Möglichkeit, den Schwellenländer-Anteil selbst zu steuern.
10 · Was gilt
Welche Alternativen gibt es zum klassischen Schwellenländer-ETF?
Nicht jeder Schwellenländer-ETF bildet denselben Markt ab. Je nach Anlagestrategie kommen ex-China-Varianten, Small-Cap-Erweiterungen oder nachhaltige Filter infrage.
Der MSCI Emerging Markets ex China reduziert das hohe Gewicht chinesischer Aktien im Depot.
Der MSCI Emerging Markets IMI eignet sich, wenn du zusätzlich Small-Caps abbilden möchtest. Nachhaltige Schwellenländer-ETFs berücksichtigen ESG-Kriterien, schränken aber die Titelauswahl ein.
- Der FTSE Emerging bietet eine breitere Streuung mit mehr Titeln als der MSCI Emerging Markets.
- Spezialindizes wie der WisdomTree True Emerging Markets wählen Unternehmen nach makroökonomischen Kriterien aus.
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