Ratgeber · Investieren
Rohstoffe Rendite: So funktioniert die Geldanlage mit Rohstoff-ETFs
Die Rendite von Rohstoffen entsteht nicht nur durch steigende Preise, sondern auch durch Rollrendite und Zinseinnahmen aus Termingeschäften. Für dein Depot sind Rohstoff-ETFs vor allem als Beimischung interessant, weil sie sich in Krisen oft gegenläufig zu Aktien entwickeln.
10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Rohstoffe lieferten historisch inflationsbereinigt nur rund 0,3 bis 0,5 Prozent Rendite pro Jahr.
- Die Gesamtrendite setzt sich aus Spot-Preisänderung, Rollrendite und Zinseinnahmen zusammen.
- Rohstoff-ETFs investieren über Terminkontrakte, nicht in physische Waren.
- Als Beimischung von 5 bis 10 Prozent können Rohstoffe dein Portfolio stabilisieren.
01 · Grundlagen
Was bedeutet Rendite bei Rohstoffen?
Die Rendite einer Rohstoffanlage ist mehr als die reine Preisveränderung am Spotmarkt. Sie setzt sich aus drei Komponenten zusammen, die du kennen solltest, bevor du investierst.
Die Gesamtrendite eines Rohstoff-ETFs entsteht nicht nur durch steigende Preise am Kassamarkt. Sie setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: der Spot-Markt-Preisveränderung des Rohstoffs, der Rollrendite beim Wechsel von Terminkontrakten und den Zinseinnahmen aus dem hinterlegten Kapital in kurzfristigen Staatsanleihen.
Langfristig ist die reale, also inflationsbereinigte Rendite von Rohstoffen vor Kosten und Steuern ungefähr zwischen 0 und 1 Prozent pro Jahr. Das bedeutet, dass Rohstoffe in erster Linie als Beimischung und nicht als Renditetreiber für dein Depot geeignet sind.
Für deine Planung heißt das: Erwarte von einem breiten Rohstoff-ETF über lange Zeiträume keinen nennenswerten realen Vermögenszuwachs. Der Nutzen liegt eher im Schutz vor unerwarteten Inflationsschocks als im kontinuierlichen Kapitalwachstum.
Kurz erklärt
Rohstoff-Rendite
Die Gesamtrendite eines Rohstoff-Futures-ETFs ergibt sich aus der Spot-Markt-Preisveränderung des Rohstoffs, der Rollrendite aus dem Wechsel von Terminkontrakten und den Zinseinnahmen aus hinterlegtem Kapital in kurzfristigen Staatsanleihen.
Langfristig liegt die reale Rendite von Rohstoffen vor Kosten und Steuern ungefähr zwischen 0 und 1 Prozent pro Jahr.
02 · Schritt für Schritt
So funktionieren Termingeschäfte als Grundlage der Rohstoff-Rendite
Privatanleger können Rohstoffe außer Edelmetallen nicht direkt kaufen, weil Transport, Lagerung und Versicherung zu teuer wären. Der Weg führt über standardisierte Termingeschäfte, sogenannte Futures.
Bei einem Termingeschäft vereinbaren Verkäufer und Käufer am Tag T0 einen festen Preis für die Lieferung eines Rohstoffs an einem künftigen Termin, zum Beispiel T180.
Der Käufer eines Futures hinterlegt den Kaufpreis bereits in T0 und erhält dafür bis zur Lieferung die Rendite des Geldmarktes, in der Praxis kurzfristige Staatsanleihen. Vor dem Auslaufdatum verkauft der ETF den bisherigen Kontrakt und kauft einen neuen mit Lieferung weiter in der Zukunft. Dieser Vorgang heißt Rollen und erzeugt die Rollrendite.
Für dich als Anlegerin bedeutet das: Du nimmst indirekt die Rolle des Rohstoffkäufers ein, ohne dich um Lagerhallen oder Liefertermine kümmern zu müssen. Die Rendite hängt davon ab, ob der Spot-Markt-Preis am Einlösetermin über dem früher festgelegten Futures-Preis liegt.
Vertragsabschluss
Verkäufer und Käufer vereinbaren am Tag T0 einen festen Preis für die Lieferung eines Rohstoffs an einem künftigen Termin, zum Beispiel T180.
Hinterlegung des Kaufpreises
Der Käufer eines Futures hinterlegt den Kaufpreis bereits in T0 und erhält dafür bis zur Lieferung die Rendite des Geldmarktes, in der Praxis kurzfristige Staatsanleihen.
Rollen des Kontrakts
Vor dem Auslaufdatum verkauft der ETF den bisherigen Kontrakt und kauft einen neuen mit Lieferung weiter in der Zukunft. Dieser Vorgang heißt Rollen und erzeugt die Rollrendite.
Lieferung und Bezahlung
Am Ende der Laufzeit erfolgt die physische Lieferung und Bezahlung. Bei ETFs wird der Prozess kontinuierlich wiederholt, ohne dass du als Anleger eingreifen musst.
03 · Vergleich
Rohstoffindizes: Welche Auswahlkriterien für deine Rendite zählen
Rohstoff-ETFs bilden Indizes ab, die aus 23 bis 38 verschiedenen Rohstoffen bestehen können. Die Indexmethodik beeinflusst, wie stark einzelne Rohstoffe und Sektoren deine Rendite prägen.
Der Bloomberg Commodity Index umfasst 23 Rohstoffe und begrenzt das Maximalgewicht je Rohstoff auf 15 Prozent sowie je Sektor auf 33 Prozent.
Der Rogers International Commodity Index bietet mit 38 Rohstoffen die breiteste Marktabdeckung und orientiert sich am weltweiten Verbrauch. Der UBS CMCI Index setzt auf 28 Rohstoffe und diversifiziert seine Futures über die gesamte Laufzeitkurve, um das Risiko einer negativen Rollrendite zu minimieren.
- Der Bloomberg Commodity Index passt seine Gewichtung jährlich im Januar an und gewichtet nach Produktion und Liquidität.
- Der Rogers International Commodity Index wird monatlich auf seine Zielgewichte angepasst und jährlich von einem Komitee überprüft.
- Der UBS CMCI Index erlaubt dem größten Rohstoff ein Maximalgewicht von 35 Prozent und allen weiteren Rohstoffen maximal 20 Prozent.
| Bloomberg Commodity Index | Rogers International Commodity Index | UBS CMCI Index | |
|---|---|---|---|
| Anzahl Rohstoffe | 23 | 38 | 28 |
| Indexanpassung | jährlich im Januar | jährlich, Gewichtung monatlich angepasst | jährlich im August |
| Maximalgewicht je Rohstoff | 15 Prozent | keine feste Grenze | 35 Prozent für den größten, 20 Prozent für alle weiteren |
| Maximalgewicht je Sektor | 33 Prozent | keine feste Grenze | keine feste Grenze |
| Besonderheit | Gewichtung nach Produktion und Liquidität | breiteste Marktabdeckung, Auswahl nach weltweitem Verbrauch | konstante Fristigkeiten zur Reduzierung negativer Rollrendite |
04 · Kosten
Fondsvolumen: Warum die Größe eines Rohstoff-ETFs für dich relevant ist
Das Fondsvolumen zeigt, wie viel Kapital in einem ETF steckt. Ein größeres Volumen kann auf höhere Liquidität und geringere Handelskosten hindeuten, was deine Nettorendite verbessert.
Bei Rohstoff-ETFs gelten Volumen über 1 Milliarde Euro als solide Basis für liquiden Handel.
Der iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF führt die Liste mit 2.140 Millionen Euro an, gefolgt vom iShares Bloomberg Roll Select Commodity Swap UCITS ETF mit 1.647 Millionen Euro. Der UBS CMCI Composite SF UCITS ETF kommt auf 1.331 Millionen Euro.
Für dich heißt das: Ein ETF mit hohem Fondsvolumen lässt sich in der Regel enger an seinem Nettoinventarwert handeln. Das reduziert die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, die sonst deine Rendite schmälert.
Fondsvolumen der größten Rohstoff-ETFs
05 · Was gilt
Edelmetalle: Sonderfall für deine Rohstoff-Rendite
Gold, Silber, Platin und Palladium werden oft als eigene Anlageklasse betrachtet. Anders als gewerbliche Rohstoffe kannst du Edelmetalle physisch kaufen, was ihre Rendite anders wirken lässt.
Gold wird aus Investmentsicht häufig getrennt von den übrigen Rohstoffen gesehen, die im Produktionsprozess tatsächlich verbraucht werden.
Gewerbliche Rohstoffe wie Öl, Weizen oder Kupfer sind für Privatanleger nicht direkt praktikabel, weil Lagerung und Transport zu teuer wären. Ihr Zugang erfolgt nur über Termingeschäfte oder ETFs. Edelmetalle hingegen werden nicht verbraucht und dienen historisch als Krisenschutz und Wertspeicher.
Für deine Depotstrategie bedeutet das: Wenn du physisches Gold kaufst, erwirbst du einen direkten Sachwert ohne Kontrahentenrisiko. Bei einem Rohstoff-ETF auf Energie oder Agrarrohstoffe bist du dagegen auf die Funktionsweise der Terminmärkte angewiesen.
Edelmetalle
Gewerbliche Rohstoffe
06 · Fehler vermeiden
Volatilität: Das Risiko hinter der Rohstoff-Rendite
Rohstoffe sind für ihre teils massiven Kursausschläge bekannt. Diese Volatilität ist der Preis für die Diversifikation, die Rohstoffe in dein Portfolio bringen können.
In den letzten 25 Jahren war die Rollrendite in der Praxis meist negativ und hat die Gesamtrendite geschmälert.
Langfristig liefern Rohstoffe inflationsbereinigt nur rund 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Das reicht nicht für einen kontinuierlichen Vermögensaufbau und macht die Anlageklasse ungeeignet für eine langfristige Buy-and-Hold-Strategie.
- Hohe Volatilität mit teils massiven Drawdowns kann dein Depot kurzfristig stark belasten.
- Negative Rollrendite hat in den letzten 25 Jahren in der Praxis meist die Gesamtrendite reduziert.
- Langfristig fast keine reale Rendite bedeutet inflationsbereinigt nur rund 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr.
- Keine Eignung für eine langfristige Buy-and-Hold-Strategie, aktives Monitoring ist erforderlich.
Typische Risiken bei der Rohstoffanlage
07 · Kosten
Rohstoff-ETFs: Kosten und ihre Wirkung auf deine Rendite
Die Gesamtkostenquote eines Rohstoff-ETFs liegt zwischen 0,12 und 0,60 Prozent pro Jahr. Diese Kosten gehen direkt von deiner Rendite ab und sollten bei der ETF-Auswahl eine zentrale Rolle spielen.
Der Xtrackers Bloomberg Commodity Swap UCITS ETF 1C ist mit 0,12 Prozent pro Jahr der günstigste.
Der L&G All Commodities UCITS ETF kostet 0,15 Prozent pro Jahr, der iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF liegt bei 0,19 Prozent. Günstige ETFs lassen mehr von der Bruttorendite bei dir ankommen.
Für deine Auswahl heißt das: Achte bei ansonsten vergleichbarer Indexmethodik zuerst auf die Gesamtkostenquote. Ein Unterschied von 0,3 Prozentpunkten pro Jahr summiert sich über zehn Jahre auf spürbare Beträge.
Gesamtkostenquote günstiger Rohstoff-ETFs
08 · Was gilt
Rohstoffe im Portfolio: Beimischung statt Kernanlage
Rohstoffe eignen sich als Satelliten-Portfolio mit einer Beimischung von maximal 5 bis 10 Prozent. Ihre historisch negative Korrelation zu Aktien kann Verluste in Krisen abfedern.
In starken Aktien-Aufwärtsphasen bleibst du mit Rohstoffen dagegen oft hinter dem breiten Markt zurück.
Die Anlageklasse ist ein Werkzeug für taktischen Krisenschutz und nicht für den primären, langfristigen Vermögensaufbau. Bei unerwarteten Inflationsschocks, die Aktien belasten, kann die Anlage die Verluste im Depot abfedern.
- Sinnvoll ist eine Beimischung von 5 bis 10 Prozent des Portfolios für erfahrene Anleger mit Verständnis für Terminkontrakte.
- Als taktischer Krisenschutz gegen unerwartete Inflationsschocks kann die Anlage Verluste im Depot abfedern.
- Weniger sinnvoll ist die Anlageklasse als Kernanlage für den langfristigen Vermögensaufbau oder als Buy-and-Hold-Strategie über viele Jahre.
- Für Anleger ohne Verständnis für Futures und Rollrendite ist ein Rohstoff-ETF nicht geeignet.
Sinnvoll
Weniger sinnvoll
09 · Im Vertrag
Steuern auf Rohstoff-ETF-Erträge
Deine Erträge aus Rohstoff-ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer. Die Teilfreistellung für Aktienfonds gilt bei Rohstoff-ETFs nicht, da sie nicht in Aktien investieren.
Auf Kapitalerträge aus Rohstoff-ETFs fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer an, zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Der steuerfreie Freibetrag pro Person und Jahr beträgt 1000 EUR, bei zusammenveranlagten Ehepaaren 2000 EUR pro Jahr.
Die Teilfreistellung für Aktienfonds von 30 Prozent gilt für Rohstoff-ETFs nicht, da sie nicht überwiegend in Aktien investieren. Das bedeutet, dass deine gesamten Erträge aus Rohstoff-ETFs der Abgeltungsteuer unterliegen, ohne den Freibetrag für Aktienfonds nutzen zu können.
Für deine Steuerplanung heißt das: Rohstoff-ETFs sind steuerlich weniger attraktiv als Aktien-ETFs, bei denen 30 Prozent der Erträge steuerfrei bleiben. Berücksichtige diesen Nachteil, wenn du die erwartete Nettorendite verschiedener Anlageklassen vergleichst.
Steuerliche Behandlung von Rohstoff-ETF-Erträgen
10 · Vergleich
Aktien-ETFs und Rohstoff-ETFs: Rendite im Vergleich
Aktien-ETFs und Rohstoff-ETFs spielen unterschiedliche Rollen in deinem Depot. Während Aktien langfristig Vermögen aufbauen, dienen Rohstoffe eher als taktische Beimischung.
Historisch liefern Aktien eine deutlich positive reale Rendite von mehreren Prozent pro Jahr, Rohstoffe dagegen nur rund 0,3 bis 0,5 Prozent.
Die Ertragsquellen unterscheiden sich grundlegend: Aktien-ETFs profitieren von Kursgewinnen und Dividenden, Rohstoff-ETFs von Spot-Preisänderung, Rollrendite und Zinseinnahmen. Bei Aktien-ETFs gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent, bei Rohstoff-ETFs nicht.
Für deine Depotstruktur bedeutet das: Aktien-ETFs bilden die Kernanlage für langfristigen Vermögensaufbau. Rohstoff-ETFs sind ein Satellit als Beimischung von 5 bis 10 Prozent, der in Krisen gegenläufig wirken kann, aber langfristig kaum reale Rendite bringt.
| Aktien-ETF | Rohstoff-ETF | |
|---|---|---|
| Langfristige reale Rendite | Historisch deutlich positiv, mehrere Prozent pro Jahr | Historisch rund 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr |
| Volatilität | Mittel bis hoch, aber langfristig mit Aufwärtstrend | Hoch, mit teils massiven Drawdowns ohne langfristigen Aufwärtstrend |
| Rolle im Portfolio | Kernanlage für langfristigen Vermögensaufbau | Satellit als Beimischung von 5 bis 10 Prozent |
| Ertragsquellen | Kursgewinne und Dividenden | Spot-Preisänderung, Rollrendite und Zinseinnahmen |
| Steuerliche Teilfreistellung | 30 Prozent Teilfreistellung | Keine Teilfreistellung |
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