Ratgeber · Investieren
Robo-Advisor für Selbstständige: So legst du als Unternehmer automatisiert an
Als Selbstständige hast du selten Zeit für tägliches Depotmanagement. Ein Robo-Advisor übernimmt die Geldanlage für dich, doch bei der Auswahl zählen andere Kriterien als bei Angestellten.
9 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Robo-Advisor bauen dein Portfolio aus ETFs auf und übernehmen das Rebalancing automatisch.
- Die jährlichen Servicegebühren liegen meist zwischen 0,35 und 0,80 Prozent des Anlagevolumens.
- Für Selbstständige eignen sich flexible Sparpläne ohne feste Einkommensvoraussetzungen.
- Dein Geld liegt in einem Depot bei einer Partnerbank, nicht direkt beim Robo-Advisor.
01 · Grundlagen
Was ist ein Robo-Advisor?
Ein Robo-Advisor ist eine digitale Vermögensverwaltung, die dein Geld ohne menschlichen Berater anlegt. Die Software stellt ein Portfolio zusammen und kümmert sich um die laufende Verwaltung.
Hinter dem Begriff steht eine digitale Vermögensverwaltung, die ohne persönlichen Berater auskommt. Die Anbieter zählen zu den Fintechs und stellen dir eine Software zur Verfügung, die früher nur professionellen Vermögensverwaltern vorbehalten war. Dein Geld liegt dabei nicht beim Anbieter selbst, sondern in einem Wertpapierdepot bei einer Partnerbank.
Die Software investiert überwiegend in börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die einen Marktindex wie den DAX nachbilden. Diese Fonds sind vergleichsweise kostengünstig und breit gestreut. Der Robo-Advisor übernimmt für dich die Auswahl, den Kauf und die laufende Anpassung dieser ETFs.
Du bleibst alleiniger Inhaber deines Depots und kannst es jederzeit auflösen. Weder der Finanzdienstleister noch die Partnerbank haben direkten Zugriff auf dein Geld.
Kurz erklärt
Robo-Advisor
Ein digitaler Anlagehelfer, der auf Basis deines Risikoprofils automatisch ein Portfolio aus ETFs und Indexfonds zusammenstellt und verwaltet.
Die Anlageentscheidungen trifft ein Algorithmus, nicht ein Bankberater. Du gibst deine Risikobereitschaft vor, den Rest übernimmt die Software.
02 · Schritt für Schritt
So funktioniert die Anlage über einen Robo-Advisor
Der Ablauf vom ersten Login bis zum fertigen Portfolio ist bei den meisten Anbietern ähnlich. Du beantwortest Fragen, erhältst eine Strategie und die Software setzt sie um.
Nach deiner Anmeldung beantwortest du einen standardisierten Fragenkatalog. Gefragt wird unter anderem nach deiner Risikobereitschaft, deiner Anlageerfahrung und deinem Anlagehorizont. Aus deinen Antworten leitet die Software eine passende Anlagestrategie ab.
Je nach Anbieter stehen dir zwischen einer und vierzehn Strategien zur Auswahl. Sicherheitsorientierte Portfolios enthalten überwiegend Anleihen-ETFs, während risikoreichere Portfolios einen höheren Aktienanteil haben. Nach deiner Zustimmung kauft die Partnerbank die entsprechenden Wertpapiere.
Die laufende Verwaltung übernimmt der Robo-Advisor automatisch. Beim sogenannten Rebalancing stellt die Software die ursprüngliche Gewichtung deines Portfolios wieder her, wenn sich die Marktwerte verschoben haben. Das passiert je nach Anbieter jährlich oder bei einer festgelegten Abweichung.
Risikoprofil ermitteln
Du beantwortest einen standardisierten Fragenkatalog zu deiner Risikobereitschaft, deiner Anlageerfahrung und deinem Anlagehorizont.
Anlagestrategie wählen
Die Software schlägt dir eine oder mehrere passende Strategien vor. Je nach Risikoklasse variiert der Anteil von Aktien-ETFs und Anleihen-ETFs.
Depot eröffnen
Der Robo-Advisor eröffnet ein Wertpapierdepot bei einer Partnerbank. Du selbst bleibst der alleinige Inhaber des Depots.
Geld anlegen
Du überweist eine Einmalanlage oder richtest einen Sparplan ein. Die Software kauft die ETFs entsprechend deiner gewählten Strategie.
Rebalancing
In festen Abständen oder bei Abweichung von der Zielallokation schichtet die Software dein Portfolio automatisch um, damit das ursprüngliche Risikoniveau erhalten bleibt.
03 · Vergleich
Robo-Advisor oder selbst investieren: Die Unterschiede
Ein Robo-Advisor nimmt dir die Arbeit ab, kostet dafür aber eine Servicegebühr. Wer selbst in ETFs investiert, spart diese Kosten, muss sich aber um alles selbst kümmern.
Der zentrale Unterschied liegt im Zeitaufwand und in den Kosten. Ein Robo-Advisor richtet dein Portfolio automatisch ein und übernimmt das Rebalancing. Dafür zahlst du eine jährliche Servicegebühr, die bei den Anbietern im Vergleich zwischen 0,35 und 0,80 Prozent liegt.
Beim eigenständigen Investieren in ETFs entfällt diese Servicegebühr komplett. Du trägst nur die laufenden Kosten der Fonds, die bei ETFs typischerweise zwischen 0,10 und 0,30 Prozent pro Jahr liegen. Dafür musst du dich selbst um die Auswahl der ETFs und das regelmäßige Anpassen deines Depots kümmern.
Die Gesamtkostenquote eines Robo-Advisors liegt meist zwischen 0,49 und 1,08 Prozent pro Jahr. Bei einem Anlagevolumen von 10.000 Euro zahlst du also zwischen 49 und 108 Euro jährlich. Ein selbst verwaltetes ETF-Depot kostet dich bei gleicher Summe oft weniger als die Hälfte.
| Robo-Advisor | Selbst investieren | |
|---|---|---|
| Portfolioaufbau | Manuell durch eigene Auswahl | |
| Rebalancing | Eigenverantwortlich | |
| Servicegebühr | ||
| ETF-Kosten | ||
| Zeitaufwand | Höher, laufende Kontrolle nötig | |
| Mindestanlage |
04 · Kosten
Was kostet ein Robo-Advisor?
Die Kosten setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: der Servicegebühr des Anbieters und den laufenden Kosten der enthaltenen ETFs. Beide werden jährlich fällig.
Beide werden direkt deinem Depot belastet und fallen unabhängig von der Wertentwicklung an.
Die Servicegebühren im Markt reichen von 0,35 Prozent bei günstigen Anbietern bis 0,80 Prozent bei teureren. Die ETF-Portfoliokosten liegen je nach Zusammensetzung zwischen 0,14 und 0,28 Prozent. Zusammen ergibt sich eine Gesamtkostenquote von 0,49 bis 1,08 Prozent pro Jahr.
Bei 10.000 Euro Anlagevolumen zahlst du je nach Anbieter zwischen 49 und 108 Euro pro Jahr. Bei 50.000 Euro sind es entsprechend 245 bis 540 Euro. Diese Kosten fallen auch in Jahren mit negativer Wertentwicklung an.
Typische jährliche Kosten eines Robo-Advisors
05 · Was gilt
Diese Anlagestrategien verfolgen Robo-Advisor
Die meisten Robo-Advisor setzen auf passiv verwaltete Portfolios aus weltweit gestreuten ETFs. Die Unterschiede liegen in der Anzahl der Strategien und der Feingewichtung.
Aktien-ETFs und Anleihen-ETFs bilden das Grundgerüst fast aller Strategien. Viele Anbieter ergänzen Geldmarkt-Fonds, Rohstoffe oder Gold als Beimischung.
Die Anzahl der wählbaren Strategien variiert stark. Einige Anbieter bieten nur eine oder zwei Varianten an, andere bis zu vierzehn. Auch die Anzahl der enthaltenen ETFs unterscheidet sich: Manche Portfolios kommen mit sechs Titeln aus, andere enthalten fünfzehn verschiedene Fonds.
Einzelaktien, aktive Fonds mit Fondsmanager oder Kryptowährungen gehören bei den meisten Robo-Advisor nicht zum Anlageuniversum. Nachhaltige Strategien sind dagegen bei vielen Anbietern verfügbar, oft als eigene Portfolio-Variante mit entsprechend gefilterten ETFs.
Häufig enthalten
Selten enthalten
06 · Checkliste
Worauf du als Selbstständige achten solltest
Dein Einkommen schwankt, deine Altersvorsorge musst du selbst organisieren. Ein Robo-Advisor kann dafür passen, wenn du auf bestimmte Eigenschaften achtest.
Dein Einkommen schwankt stärker als bei Angestellten, deshalb ist ein flexibler Sparplan wichtiger als eine hohe Mindestrate. Achte darauf, dass du die monatliche Rate jederzeit anpassen oder pausieren kannst. Viele Anbieter erlauben bereits Sparraten ab 20 oder 25 Euro.
Für deine Altersvorsorge ist ein Anbieter mit Auszahlungsplan sinnvoll. Damit kannst du später regelmäßige Entnahmen einrichten, ohne das Depot komplett auflösen zu müssen. Prüfe außerdem, ob die Partnerbank eine Einlagensicherung für das Verrechnungskonto bietet.
Die Servicegebühr schmälert deine Rendite über Jahre hinweg spürbar. Ein Unterschied von 0,3 Prozentpunkten macht bei 50.000 Euro Anlagevolumen bereits 150 Euro pro Jahr aus. Über zwanzig Jahre summiert sich das auf mehrere tausend Euro.
Checkliste für Selbstständige
Flexible Sparpläne ohne feste Mindestrate wählen, damit du in umsatzschwachen Monaten pausieren kannst
Auf die Höhe der Servicegebühr achten, sie schmälert deine Rendite über Jahre
Einen Anbieter mit Auszahlungsplan wählen, wenn du später regelmäßige Entnahmen planst
Prüfen, ob die Partnerbank eine Einlagensicherung für das Verrechnungskonto bietet
07 · Fehler vermeiden
Typische Fehler bei der Nutzung eines Robo-Advisors
Auch bei der digitalen Geldanlage kannst du Entscheidungen treffen, die dich Rendite kosten. Diese Fehler lassen sich vermeiden.
Der häufigste Fehler ist ein zu kurzer Anlagehorizont. Wer nach einem Jahr verkauft, trägt das volle Marktrisiko ohne die Chance auf Erholung. Für Aktien-ETFs solltest du mindestens zehn Jahre einplanen, besser fünfzehn oder mehr.
Auch eine zu defensive Strategie kostet dich Rendite. Als junge Selbstständige mit langem Anlagehorizont verschenkst du langfristig Geld, wenn du nur auf Anleihen setzt. Ein höherer Aktienanteil schwankt stärker, bringt über Jahrzehnte aber in der Regel mehr Ertrag.
Ein Prozent Unterschied bei der Gesamtkostenquote macht über zwanzig Jahre mehrere tausend Euro aus. Vergleiche deshalb nicht nur die Servicegebühr, sondern auch die ETF-Kosten. Beide zusammen bestimmen, was von deiner Rendite übrig bleibt.
Häufige Fehler
08 · Im Vertrag
Steuern auf Erträge aus dem Robo-Advisor
Deine Erträge aus dem Robo-Advisor unterliegen der Abgeltungsteuer. Die Teilfreistellung für Aktienfonds reduziert die Steuerlast bei den meisten Portfolios.
Auf Kapitalerträge wie Dividenden und Kursgewinne fällt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Abgeltungsteuer. Die meisten Robo-Advisor führen diese Steuern automatisch an das Finanzamt ab.
Für Aktienfonds mit mindestens 51 Prozent Aktienquote gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent. Das bedeutet: 30 Prozent deiner Erträge bleiben steuerfrei, nur auf die restlichen 70 Prozent zahlst du Abgeltungsteuer. Die meisten Robo-Advisor-Portfolios erfüllen diese Voraussetzung.
Pro Person und Jahr sind 1000 Euro an Kapitalerträgen steuerfrei. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren sind es 2000 Euro. Diesen Sparer-Pauschbetrag kannst du über einen Freistellungsauftrag bei deiner Depotbank nutzen.
09 · Hintergrund
Für wen sich ein Robo-Advisor lohnt
Nicht jede Selbstständige braucht einen Robo-Advisor. Die Entscheidung hängt von deinem Zeitbudget, deinem Interesse an Geldanlage und deinem Anlagevolumen ab.
Ein Robo-Advisor passt zu dir, wenn du wenig Zeit hast und dich nicht selbst um dein Depot kümmern möchtest. Die Software übernimmt Auswahl, Kauf und Rebalancing der ETFs. Du musst nur einmalig dein Risikoprofil festlegen und einen Sparplan einrichten.
Wenn du bereits Erfahrung mit ETFs hast und gerne selbst entscheidest, sparst du dir die Servicegebühr. Mit einem einfachen ETF-Sparplan auf einen weltweiten Indexfonds erzielst du eine ähnliche Diversifikation zu geringeren Kosten. Der Nachteil: Du musst dich selbst um das Rebalancing kümmern.
Für Selbstständige mit stark schwankendem Einkommen ist die Flexibilität entscheidend. Ein Robo-Advisor mit niedriger Mindestsparrate und jederzeit anpassbarem Sparplan gibt dir die Freiheit, in umsatzstarken Monaten mehr zu investieren und in schwachen Monaten zu pausieren.
Ein Robo-Advisor lohnt sich für dich, wenn du wenig Zeit hast und dich nicht selbst um dein Depot kümmern möchtest. Die Software übernimmt Auswahl, Kauf und Rebalancing der ETFs. Du musst nur einmalig dein Risikoprofil festlegen und einen Sparplan einrichten.
Wenn du bereits Erfahrung mit ETFs hast und gerne selbst entscheidest, sparst du dir die Servicegebühr. Mit einem einfachen ETF-Sparplan auf einen weltweiten Indexfonds erzielst du eine ähnliche Diversifikation zu geringeren Kosten. Der Nachteil: Du musst dich selbst um das Rebalancing kümmern.
Für Selbstständige mit stark schwankendem Einkommen ist ein Robo-Advisor mit flexibler Sparrate sinnvoll. Du kannst in guten Monaten mehr einzahlen und in schwachen Monaten pausieren. Achte darauf, dass der Anbieter keine Mindestsparrate verlangt, die du nicht immer bedienen kannst.
Häufige Fragen
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