Ratgeber · Investieren
Günstige Hebelprodukte: So handelst du Optionsscheine und Knock-outs ohne hohe Kosten
Hebelprodukte vervielfachen die Kursbewegung eines Basiswerts, dadurch wirken sich bereits kleine Gebührenunterschiede stark auf deine Rendite aus. Dieser Ratgeber erklärt, welche Produktarten es gibt, wo die Risiken liegen und wie du beim Handel Kosten sparst.
10 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Ein Hebel von 10 bedeutet, dass eine Kursbewegung des Basiswerts um 1 Prozent den Wert deines Hebelprodukts um 10 Prozent verändert.
- Bei Knock-out-Zertifikaten und Turbo-Zertifikaten droht der Totalverlust, sobald der Basiswert die Knock-out-Schwelle erreicht.
- Optionsscheine und Zertifikate sind Schuldverschreibungen, du trägst also das Risiko einer Pleite des Emittenten.
- Günstige Hebelprodukte erkennst du nicht am Preis, sondern an niedrigen Ordergebühren und engen Spreads in deinem Depot.
01 · Grundlagen
Was sind Hebelprodukte?
Hebelprodukte sind komplexe Finanzinstrumente, die sich auf einen realen Basiswert wie eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff beziehen. Der Hebel multipliziert die Kursbewegungen des Basiswerts, sodass Gewinne und Verluste überproportional ausfallen.
Für den Handel brauchst du kein großes Kapital, denn du setzt nur einen Bruchteil des eigentlichen Werts ein. Dieser Kapitaleinsatz wird als Margin bezeichnet und bestimmt zusammen mit dem Hebel, wie stark deine Position auf Kursbewegungen reagiert.
Ein Beispiel: Bei einem Hebel von 10 genügt eine Kursbewegung des Basiswerts von 1 Prozent, damit sich der Wert deines Produkts um 10 Prozent verändert. Diese Rechnung gilt für Gewinne und Verluste gleichermaßen, deshalb ist der Totalverlust deines Einsatzes schon bei kleinen Gegenbewegungen möglich.
Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten. Diese Zahl zeigt, wie riskant der kurzfristige Handel mit gehebelten Produkten in der Praxis ist.
- Du partizipierst überproportional an der Entwicklung von Aktien, Indizes oder Rohstoffen.
- Du kannst sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen.
- Du trägst bei Wertpapieren wie Optionsscheinen und Zertifikaten das Bonitätsrisiko des Emittenten.
Kurz erklärt
Hebelprodukt
Ein Finanzinstrument, das die Kursbewegung eines Basiswerts überproportional nachbildet. Steigt der Basiswert um 1 Prozent, kann ein Hebel von 10 den Wert des Produkts um 10 Prozent steigen lassen, und umgekehrt.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Er vervielfacht Gewinne und Verluste gleichermaßen.
02 · Grundlagen
Optionsscheine: Rechte statt Pflichten
Ein Optionsschein verbrieft das Recht, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Du zahlst dafür eine Prämie, die nur einen Bruchteil des eigentlichen Aktienpreises beträgt.
Der Preis eines Optionsscheins setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen. Der innere Wert ist die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem vereinbarten Basispreis, sofern diese Differenz positiv ist.
Der Zeitwert bildet die Chance ab, dass der Optionsschein bis zum Laufzeitende weiter an Wert gewinnt. Er sinkt mit abnehmender Restlaufzeit, weil die Wahrscheinlichkeit einer positiven Kursentwicklung kleiner wird.
In der Praxis verkaufen die meisten Anleger ihre Optionsscheine vor dem Laufzeitende. Sie warten auf eine Preissteigerung des Scheins und realisieren dann den Gewinn, statt den Basiswert tatsächlich zu kaufen oder zu verkaufen.
- Ein Call-Optionsschein gibt dir das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen.
- Ein Put-Optionsschein gibt dir das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.
- Für dieses Recht zahlst du eine Prämie, die nur einen Bruchteil des Aktienpreises beträgt.
Kurz erklärt
Optionsschein
Ein Wertpapier, das das Recht, nicht aber die Verpflichtung verbrieft, eine bestimmte Menge eines Basiswerts zu einem bestimmten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).
Optionsscheine sind Schuldverschreibungen des Emittenten, du trägst dessen Bonitätsrisiko.
03 · Vergleich
Die Hebelwirkung: So funktioniert der Multiplikator
Die Hebelwirkung entscheidet, wie stark dein eingesetztes Kapital auf Kursbewegungen reagiert. Ein höherer Hebel bedeutet größere Gewinnchancen, aber auch ein höheres Risiko bis zum Totalverlust.
Der Hebel bestimmt, wie stark dein eingesetztes Kapital auf die Kursbewegung des Basiswerts reagiert. Ein niedriger Hebel vervielfacht die Bewegung weniger stark, ein hoher Hebel führt schon bei minimalen Kursänderungen zu großen Schwankungen deines Produktwerts.
Für vorsichtige Spekulation eignen sich Produkte mit niedrigem Hebel, weil das Verlustrisiko auf deinen Einsatz begrenzt bleibt. Sehr risikofreudige Anleger wählen hohe Hebel, müssen aber damit rechnen, dass bereits kleine Gegenbewegungen den Totalverlust auslösen.
Je höher der Hebel, desto chancenreicher und zugleich riskanter ist das Investment. Diese Grundregel gilt für alle Produktarten, vom Optionsschein bis zum CFD.
- Ein niedriger Hebel führt zu moderaten Gewinnchancen und einem begrenzten Verlustrisiko.
- Ein hoher Hebel führt zu überproportional hohen Gewinnchancen und einem schnellen Totalverlustrisiko.
- Die Wahl des Hebels sollte zu deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont passen.
| Niedriger Hebel | Hoher Hebel | |
|---|---|---|
| Kursbewegung des Basiswerts | Wird weniger stark vervielfacht | Wird sehr stark vervielfacht |
| Gewinnchance | Überproportional hoch | |
| Verlustrisiko | Schneller Totalverlust möglich | |
| Geeignet für | Sehr risikofreudige Anleger |
04 · Was gilt
Turbo-Zertifikate und Knock-out-Zertifikate: Totalverlust an der Schwelle
Turbo-Zertifikate und Knock-out-Zertifikate bilden den Basiswert linear nach. Erreicht der Basiswert die Knock-out-Schwelle, wird das Produkt wertlos und du verlierst deinen gesamten Einsatz.
Bei Knock-out-Produkten ist die Preisbildung deutlich einfacher nachvollziehbar als bei Optionsscheinen. Steigt bei einem Knock-out-Call die unterlegte Aktie um 1 Euro, erhöht sich auch der Kurs des Hebelzertifikats um 1 Euro, die Entwicklung ist also linear.
Die Knock-out-Schwelle liegt bei Call-Produkten unter dem aktuellen Kurs des Basiswerts, bei Put-Produkten darüber. Erreicht der Basiswert diese Schwelle, wird das Produkt sofort wertlos und du verlierst deinen gesamten Einsatz.
Klassische Turbos haben eine begrenzte Laufzeit. Mini-Futures sind dagegen mit einer Stop-Loss-Marke ausgestattet und werden beim Erreichen eines bestimmten Kurswerts automatisch verkauft, sodass ein geringer Restwert verbleibt.
- Die Preisbildung von Knock-out-Produkten ist linear zum Basiswert.
- Es gibt eine Knock-out-Schwelle, bei deren Erreichen der Totalverlust eintritt.
- Du kannst auf steigende Kurse mit einem Call und auf fallende Kurse mit einem Put setzen.
Trifft zu
Trifft nicht zu
05 · Grundlagen
Put-Optionsscheine: Mit fallenden Kursen Gewinne erzielen
Mit einem Put-Optionsschein wettest du auf fallende Kurse des Basiswerts. Du sicherst dir das Recht, den Basiswert zu einem höheren Preis zu verkaufen, als er am Markt notiert.
Ein Put-Optionsschein gewinnt an Wert, wenn der Kurs des Basiswerts fällt. Du sicherst dir das Recht, den Basiswert zu einem vorher vereinbarten Preis zu verkaufen, der über dem aktuellen Marktpreis liegt.
Der Gewinn entsteht aus der Differenz zwischen dem vereinbarten Verkaufspreis und dem niedrigeren Marktpreis. Steigt der Kurs des Basiswerts dagegen, verliert der Put-Optionsschein an Wert und kann am Laufzeitende wertlos verfallen.
Put-Optionsscheine eignen sich für Anleger, die von fallenden Kursen profitieren oder ein bestehendes Depot gegen Kursverluste absichern möchten. Du gehst dabei eine Wette auf die negative Entwicklung eines Basiswerts ein.
- Du profitierst von fallenden Kursen des Basiswerts.
- Der Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen vereinbartem Verkaufspreis und Marktpreis.
- Steigt der Basiswert, droht der Totalverlust deines Einsatzes.
Kurz erklärt
Put-Optionsschein
Ein Optionsschein, der dir das Recht gibt, einen Basiswert zu einem vorher vereinbarten Preis zu verkaufen. Er gewinnt an Wert, wenn der Kurs des Basiswerts fällt.
Der Gewinn entsteht aus der Differenz zwischen dem vereinbarten Verkaufspreis und dem niedrigeren Marktpreis.
06 · Grundlagen
CFDs: Verträge mit dem Broker
Contracts for Difference sind Verträge zwischen dir und einem Broker. Du handelst sie außerbörslich und spekulierst auf die Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs eines Vermögenswerts.
Ein CFD ist ein Vertrag zwischen dir und einem Broker, bei dem du auf die Kursdifferenz eines Vermögenswerts spekulierst. Du besitzt den Basiswert nicht, sondern wettest nur auf dessen Preisbewegung.
Du kannst mit CFDs sowohl auf steigende Kurse mit einer Long-Position als auch auf fallende Kurse mit einer Short-Position setzen. Der Gewinn oder Verlust ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Eröffnungs- und dem Schlusskurs des gehandelten Vermögenswerts.
CFDs werden nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt mit einem CFD-Anbieter abgeschlossen. Dieser legt die Bedingungen für den Handel selbst fest, was die Konditionen im Vergleich zu börsengehandelten Produkten intransparenter machen kann.
- Du handelst CFDs außerbörslich mit einem Finanzdienstleister.
- Du kannst auf steigende und fallende Kurse setzen.
- Der Hebel ermöglicht große Gewinne, aber auch den Totalverlust bei kleinsten Kursbewegungen.
Kurz erklärt
CFD
Ein Finanzderivat, mit dem du auf Preisbewegungen von Aktien, Indizes oder Rohstoffen spekulierst, ohne den Basiswert selbst zu besitzen. Der Gewinn oder Verlust ergibt sich aus der Kursdifferenz.
CFDs werden nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt mit einem CFD-Anbieter abgeschlossen.
07 · Im Vertrag
Der Emittent: Dein Vertragspartner mit Risiko
Optionsscheine und Zertifikate werden von Banken oder Wertpapierhändlern herausgegeben. Geht der Emittent pleite, ist dein eingesetztes Geld weg, unabhängig von der Kursentwicklung des Basiswerts.
Optionsscheine und Zertifikate sind Schuldverschreibungen des Emittenten, keine Beteiligungen am Unternehmen des Basiswerts. Du bist also von der Zahlungsfähigkeit der herausgebenden Bank oder des Wertpapierhändlers abhängig.
Geht der Emittent pleite, ist dein eingesetztes Geld weg, unabhängig davon, wie sich der Basiswert entwickelt. Dieses Bonitätsrisiko trägst du als Anleger zusätzlich zum Marktrisiko des Basiswerts.
Achte vor dem Kauf auf die Bonität des Emittenten. Große, etablierte Banken gelten als sicherer, bieten aber nicht immer die günstigsten Konditionen. Ein Emittent mit schwächerer Bonität kann höhere Renditen versprechen, erhöht aber dein Verlustrisiko.
- Das Bonitätsrisiko beschreibt die Gefahr, dass der Emittent zahlungsunfähig wird.
- Optionsscheine und Zertifikate sind Schuldverschreibungen, keine Unternehmensbeteiligungen.
- Die Emittentenauswahl ist ein zentraler Bestandteil deiner Risikoprüfung.
Wichtige Begriffe rund um den Emittenten
08 · Kosten
Günstig handeln: Ordergebühren und Spreads im Depot
Die Kosten für Hebelprodukte setzen sich aus den Ordergebühren deines Depots und der Spanne zwischen An- und Verkaufskurs zusammen. Beides reduziert deine Rendite, besonders bei kurzen Haltedauern.
Die Kosten für Hebelprodukte setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen. Die Ordergebühr deines Depots fällt bei jedem Kauf und Verkauf an, unabhängig davon, ob du Gewinn oder Verlust machst.
Der Spread ist die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, also zwischen An- und Verkaufspreis. Bei Hebelprodukten liegt er typischerweise zwischen 0,1 und 0,5 Prozent, kann bei illiquiden Produkten aber deutlich höher ausfallen.
Bei Optionsscheinen kommt zusätzlich das Aufgeld hinzu, das den Zeitwert und die Kosten des Emittenten abbildet. Vergleiche die Konditionen deines Depots, bevor du handelst, denn ein günstiger Produktpreis ist nicht der einzige Kostenfaktor.
- Die Ordergebühr pro Trade liegt je nach Depot zwischen 0 und 10 Euro.
- Der Spread reduziert deine Rendite bei jedem Kauf und Verkauf.
- Das Aufgeld bei Optionsscheinen ist variabel und hängt von Laufzeit und Volatilität ab.
Kurz erklärt
Ordergebühr pro Trade
Kostenfaktoren beim Handel mit Hebelprodukten
reduzierte Ordergebühr
09 · Checkliste
Checkliste: So findest du passende Hebelprodukte
Bevor du ein Hebelprodukt kaufst, solltest du deine Strategie und dein Risiko klären. Diese Punkte helfen dir, systematisch vorzugehen.
Bevor du ein Hebelprodukt kaufst, solltest du deine Strategie und dein Risiko klären. Eine systematische Prüfung hilft dir, Fehlentscheidungen zu vermeiden und dein Verlustrisiko zu begrenzen.
Beginne mit der Auswahl des Basiswerts und der Richtung, auf die du setzen möchtest. Danach bestimmst du die Hebelhöhe, die zu deiner Risikobereitschaft passt, und prüfst die produktspezifischen Merkmale wie Knock-out-Schwelle oder Basispreis.
Vergiss nicht, die Kosten zu vergleichen und einen maximalen Verlust festzulegen. Ein Stop-Loss kann helfen, dein Risiko zu begrenzen, funktioniert aber nicht bei allen Produkten zuverlässig.
- Wähle den Basiswert aus: Aktie, Index oder Rohstoff.
- Lege die Richtung fest: steigende Kurse mit Call oder fallende Kurse mit Put.
- Bestimme die Hebelhöhe nach deiner Risikobereitschaft.
- Prüfe Knock-out-Schwelle, Basispreis und Laufzeit des Produkts.
- Schätze die Bonität des Emittenten ein.
- Vergleiche Ordergebühren und Spreads in deinem Depot.
- Lege den maximalen Verlust fest und setze einen Stop-Loss.
Prüfpunkte vor dem Kauf
Basiswert auswählen: Aktie, Index oder Rohstoff
Richtung festlegen: steigende Kurse (Call) oder fallende Kurse (Put)
Hebelhöhe bestimmen: Wie viel Risiko bist du bereit zu tragen?
Knock-out-Schwelle bzw. Basispreis prüfen
Laufzeit des Produkts beachten
Bonität des Emittenten einschätzen
Ordergebühren und Spreads im Depot vergleichen
Maximalen Verlust festlegen und Stop-Loss setzen
10 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Handel mit Hebelprodukten
Viele Anleger unterschätzen die Risiken von Hebelprodukten. Diese Fehler führen besonders häufig zu Verlusten.
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Häufige Fragen
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