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FinanzbildungKgv9 Min.

KGV berechnen Formel, Beispiel und Interpretation für Einsteiger

KGV berechnen leicht erklärt: Formel, Schritt-für-Schritt-Beispiel & was ein gutes KGV beim Einstieg ins Aktieninvestieren bedeutet.

KGV berechnen in dreiRechnerWas ist das
Das Wichtigste in 30 Sekunden
  • Definition: Das KGV (englisch: Price-Earnings Ratio, P/E) setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie (EPS) eines Unternehmens.
  • Warum es wichtig ist: Das KGV ist eine der meistgenutzten Kennzahlen zur ersten Einschätzung, ob eine Aktie im Verhältnis zu ihrem Gewinn teuer oder günstig erscheint.
  • Kurze Abgrenzung: KGV ist keine absolute Wahrheit – es ist ein relatives Bewertungsmaß, das immer im Kontext (Branche, Marktphase, Wachstum) gelesen werden muss.
  • Relevanz: Wer mit kleinen Beträgen anfängt zu investieren, kann das KGV als schnellen ersten Filter nutzen, bevor tiefere Analysen folgen.

KGV berechnen in drei Sekunden – so geht's

Definition: Das KGV (englisch: Price-Earnings Ratio, P/E) setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie (EPS) eines Unternehmens.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine der wichtigsten Kennzahlen der Aktienanalyse. Es zeigt, wie viel Anleger:innen bereit sind, für jeden Euro Jahresgewinn eines Unternehmens zu bezahlen – und lässt sich mit einer einzigen Division ermitteln.

Kurzformel: KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie (EPS). Liegt der Kurs einer Aktie bei 50 € und der Gewinn je Aktie bei 5 €, beträgt das KGV 10 – Anleger:innen zahlen also das Zehnfache des Jahresgewinns. Was dieser Wert bedeutet, hängt immer von Branche, Wachstum und Marktumfeld ab.

AUF EINEN BLICK

  • Warum es wichtig ist: Das KGV ist eine der meistgenutzten Kennzahlen zur ersten Einschätzung, ob eine Aktie im Verhältnis zu ihrem Gewinn teuer oder günstig erscheint.
  • Kurze Abgrenzung: KGV ist keine absolute Wahrheit – es ist ein relatives Bewertungsmaß, das immer im Kontext (Branche, Marktphase, Wachstum) gelesen werden muss.
  • Relevanz: Wer mit kleinen Beträgen anfängt zu investieren, kann das KGV als schnellen ersten Filter nutzen, bevor tiefere Analysen folgen.

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Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)?

Formel: KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie (EPS

Das KGV – englisch Price-Earnings Ratio (P/E) – setzt den aktuellen Börsenkurs einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) des Unternehmens. Es beantwortet die Frage: Wie viele Jahresgewinne muss ein Unternehmen erwirtschaften, damit Anleger:innen ihren Kaufpreis theoretisch „zurückbekommen"? Ein KGV von 10 bedeutet: Bei konstantem Gewinn dauert es zehn Jahre, bis der Einsatz durch den reinen Unternehmensgewinn gedeckt wäre. Diese simple Logik macht die Kennzahl so populär.

Warum ist das KGV so wichtig? Weil es als schneller erster Filter funktioniert, bevor aufwendigere Analysen folgen. Finanzportale wie Börsenmakler-Seiten, Yahoo Finance oder die Investor-Relations-Seiten der Unternehmen weisen das KGV direkt aus – Einsteiger:innen können es also mit wenigen Klicks abrufen und für einen ersten Vergleich nutzen, ohne stundenlang Geschäftsberichte zu wälzen.

Trotzdem gilt: Das KGV ist kein Orakel. Es ist ein relatives Bewertungsmaß, das immer im Kontext gelesen werden muss. Branchen, Marktphasen und Wachstumserwartungen beeinflussen das „richtige" KGV erheblich. Wer diese Einschränkungen ignoriert, zieht falsche Schlüsse. Genau deshalb lohnt es sich, die Kennzahl von Grund auf zu verstehen – und nicht nur blind zu vergleichen.

Für alle, die mit kleinen Beträgen anfangen zu investieren, ist das KGV besonders wertvoll: Es erfordert keine Spezialsoftware, keine Jahrzehnte Börsenerfahrung und keine teuren Datenbanken. Ein Taschenrechner und ein aktueller Geschäftsbericht reichen aus, um erste Bewertungsurteile zu bilden – und genau das ist der Einstiegspunkt in eine selbstständige Aktienanalyse.

AUF EINEN BLICK

  • Alternativ auf Unternehmensebene: KGV = Marktkapitalisierung ÷ Jahresnettogewinn – beide Varianten liefern dasselbe Ergebnis.
  • Gewinn je Aktie (EPS): EPS = Jahresnettogewinn ÷ Anzahl der ausstehenden Aktien.
  • Welcher Gewinn? Unterschied zwischen historischem EPS (aus dem letzten Jahresabschluss) und erwartetem EPS (Analystenschätzung für das laufende oder nächste Jahr – dann spricht man vom Forward-KGV).
  • Einheit: Das KGV ist dimensionslos (kein Euro-Zeichen, kein Prozent) – es drückt aus, das Wievielfache des Jahresgewinns Anleger:innen bereit sind zu zahlen.

KGV berechnen: Formel und Varianten im Überblick

Schritt 1 – Aktienkurs ermitteln: Aktuellen Börsenkurs der Aktie aus einer seriösen Quelle ablesen (z. B. Bundesanzeiger, Börse Frankfurt, Yahoo Finance).

Die klassische Formel lautet: KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie (EPS). Alternativ lässt sich dasselbe Ergebnis auf Unternehmensebene berechnen: KGV = Marktkapitalisierung ÷ Jahresnettogewinn. Beide Varianten führen zur identischen Zahl, weil sich Kurs und Marktkapitalisierung bzw. EPS und Gesamtgewinn mathematisch entsprechen. Welche Variante man nutzt, hängt davon ab, welche Daten leichter verfügbar sind.

Der Gewinn je Aktie (EPS) selbst errechnet sich aus: EPS = Jahresnettogewinn ÷ Anzahl der ausstehenden Aktien. Den Jahresnettogewinn findet man in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) im Geschäftsbericht, die Anzahl ausstehender Aktien im Anhang oder direkt auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens. Wichtig: Es gibt verwässerte und unverdünnte EPS-Varianten – erstere berücksichtigen auch Optionen und Wandelanleihen und gelten als konservativer.

Eine entscheidende Frage beim KGV berechnen lautet: Welcher Gewinn? Wer den letzten testierten Jahresabschluss nimmt, erhält das sogenannte Trailing KGV. Wer die Gewinnschätzung von Analyst:innen für das laufende oder nächste Jahr nutzt, erhält das Forward KGV. Beide haben ihre Daseinsberechtigung – und ihre Schwächen. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.

AUF EINEN BLICK

  • Schritt 2 – EPS ermitteln: Jahresnettogewinn aus dem Geschäftsbericht (Investor-Relations-Seite des Unternehmens) durch die Anzahl ausstehender Aktien teilen.
  • Schritt 3 – Dividieren: Aktienkurs ÷ EPS = KGV.
  • Beispielrechnung (fiktive Zahlen zur Illustration): Kurs = 50 €, EPS = 5 € → KGV = 10. Das bedeutet: Anleger:innen zahlen das 10-Fache des Jahresgewinns.
  • Tipp: Geschäftsberichte sind kostenfrei auf den IR-Seiten der Unternehmen abrufbar – das übt gleichzeitig den Umgang mit Finanzberichten.

Schritt-für-Schritt: KGV selbst berechnen

Trailing KGV (historisch): Nutzt den tatsächlich erzielten Gewinn der letzten zwölf Monate (TTM – Trailing Twelve Months). Verlässlicher, aber rückwärtsgerichtet.

Schritt 1 – Aktienkurs ermitteln: Den aktuellen Börsenkurs liest man aus einer seriösen Quelle ab, beispielsweise der Börse Frankfurt, Xetra oder dem Informationsangebot der Deutschen Bundesbank. Wichtig ist, denselben Handelstag zu verwenden wie beim EPS – oder zumindest einen Kurs, der zeitlich zum Berichtszeitraum passt.

Schritt 2 – EPS ermitteln: Den Jahresnettogewinn findet man im Geschäftsbericht des Unternehmens, konkret in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Viele Unternehmen weisen den EPS auch direkt im Jahresabschluss aus. Alternativ sind Finanzportale wie Börse Frankfurt, finanzen.net oder Yahoo Finance eine schnelle Quelle – allerdings sollten Angaben dort stets mit dem Originaldokument verglichen werden.

Schritt 3 – Dividieren: Jetzt kommt die eigentliche Berechnung: Aktienkurs ÷ EPS = KGV. Zur Illustration mit fiktiven Zahlen: Angenommen, eine Aktie kostet 50 € und das Unternehmen erzielt einen Gewinn je Aktie von 5 €. Dann ergibt sich ein KGV von 10. Das bedeutet: Anleger:innen zahlen das Zehnfache des Jahresgewinns. Im Vergleich dazu: Ein anderes fiktives Unternehmen mit einem Kurs von 120 € und einem EPS von 4 € käme auf ein KGV von 30 – scheinbar deutlich teurer, was aber erst im Branchenkontext beurteilt werden sollte.

Diese Rechnung klingt simpel – und das ist sie auch. Genau darin liegt die Stärke des KGV als Einstiegskennzahl. Wer die Formel einmal verinnerlicht hat, kann Bewertungen rasch einordnen und gezielt weitere Analysen anstoßen. Entscheidend ist, stets die Datenquelle zu kennen und zu hinterfragen, ob der verwendete Gewinn repräsentativ für das laufende Geschäftsmodell ist.

AspektWorauf es ankommt
Trailing KGV (historisch): Nutzt den tatsächlich erzielten Gewinn der letzten zwölf Monate (TTM – Trailing Twelve Months). Verlässlicher, aber rückwärtsgerichtet.,
Forward KGV (zukunftsorientiert): Nutzt die Gewinnschätzung von Analyst:innen für das laufende oder nächste Geschäftsjahr. Relevanter für Wachstumsunternehmen, aber fehleranfälliger.,
Shiller-KGV (CAPE): Glättet den Gewinn über zehn Jahre inflationsbereinigt – besonders für Marktbewertungen auf Index-Ebene verwendet.,
Für Einsteiger: Das Trailing KGV ist der sicherere Einstiegspunkt, weil es auf verifizierten Zahlen basiert.,

Trailing KGV, Forward KGV und Shiller-KGV: Die wichtigsten Varianten

Es gibt kein universell "gutes" KGV – der Kontext entscheidet: Branche, Wachstumsrate, Zinsniveau und Marktphase beeinflussen die Einordnung erheblich.

Das Trailing KGV – auch TTM-KGV (Trailing Twelve Months) – nutzt den tatsächlich erzielten Gewinn der vergangenen zwölf Monate. Es basiert auf verifizierten, testierten Zahlen aus dem Jahresabschluss und ist daher zuverlässiger als Schätzwerte. Der Nachteil: Es ist rückwärtsgerichtet. Bei Unternehmen im Wandel – etwa nach einer großen Akquisition oder in einer Restrukturierung – kann der historische Gewinn ein verzerrtes Bild liefern.

Das Forward KGV hingegen greift auf Analystenschätzungen für das laufende oder nächste Geschäftsjahr zurück. Es ist zukunftsorientierter und für Wachstumsunternehmen oft relevanter, weil es die erwartete Gewinnentwicklung einpreist. Der Haken: Analystenschätzungen liegen regelmäßig daneben – insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Phasen oder bei Unternehmen ohne stabilen Track Record. Wer ausschließlich auf das Forward KGV schaut, übernimmt also Prognoserisiken anderer.

Eine besondere Variante ist das Shiller-KGV, auch CAPE (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio) genannt. Entwickelt vom Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller, glättet es den Gewinn über zehn Jahre und bereinigt ihn um die Inflation. Dadurch werden kurzfristige Gewinnausreißer herausgerechnet, und die Kennzahl eignet sich besonders zur Bewertung ganzer Aktienmärkte oder Indizes – weniger für einzelne Aktien. In der Finanzpresse wird das Shiller-KGV häufig zitiert, wenn über die Gesamtbewertung des US-amerikanischen Aktienmarkts diskutiert wird.

Für Einsteiger:innen gilt: Das Trailing KGV ist der sicherste Startpunkt. Es basiert auf Fakten, ist leicht nachvollziehbar und schützt vor zu optimistischen Annahmen. Wer tiefer einsteigt, vergleicht Trailing und Forward KGV miteinander – eine große Diskrepanz zwischen beiden kann selbst ein wertvolles Analyseindiz sein.

AUF EINEN BLICK

  • Branchenvergleich ist entscheidend: Ein KGV, das in der Tech-Branche als niedrig gilt, kann im Versorgungssektor hoch sein – immer branchenintern vergleichen.
  • Niedriges KGV: Kann auf eine günstige Bewertung hindeuten – oder auf strukturelle Probleme im Unternehmen (sog. Value Trap).
  • Hohes KGV: Kann auf Wachstumserwartungen hindeuten – oder auf Überbewertung. Besonders bei Wachstumsaktien üblich.
  • Negativer Gewinn: Macht das KGV mathematisch nicht sinnvoll anwendbar – hier andere Kennzahlen (z. B. KUV, EV/EBITDA) nutzen.

Was ist ein „gutes" KGV? Interpretation und Benchmarks

Ignoriert Verschuldung: Zwei Unternehmen mit gleichem KGV können sehr unterschiedliche Schuldenlasten haben – das KGV zeigt das nicht.

Die ehrliche Antwort lautet: Ein universell „gutes" KGV gibt es nicht. Die Einordnung hängt von mindestens vier Faktoren ab: der Branche, der Wachstumsrate des Unternehmens, dem allgemeinen Zinsniveau und der aktuellen Marktphase. In Niedrigzinsphasen tendieren KGVs am Gesamtmarkt dazu, höher zu liegen, weil Anleger:innen mangels rentabler Alternativen bereit sind, mehr für zukünftige Gewinne zu zahlen. In Hochzinsumgebungen – wenn sichere Anleihen attraktive Renditen bieten – sinkt diese Zahlungsbereitschaft typischerweise.

Der Branchenvergleich ist deshalb das wichtigste Werkzeug bei der KGV-Interpretation. Technologieunternehmen mit starkem Wachstum weisen häufig deutlich höhere KGVs auf als Unternehmen aus dem Versorgungs- oder Grundstoffsektor. Ein KGV, das in der Software-Branche als moderat gilt, kann im Eisenbahn- oder Energiesektor als sehr teuer erscheinen. Vergleiche über Branchengrenzen hinweg führen ohne dieses Wissen zu gravierenden Fehlurteilen.

Ein niedriges KGV klingt nach einem Schnäppchen – kann aber auch eine sogenannte Value Trap sein. Wenn das KGV dauerhaft niedrig ist, kann das bedeuten, dass der Markt strukturelle Probleme erkennt: rückläufige Gewinne, veraltete Geschäftsmodelle, regulatorische Risiken oder schlechtes Management. Umgekehrt kann ein hohes KGV auf legitime Wachstumserwartungen hindeuten. Anleger:innen, die früh in ein Unternehmen mit starkem Gewinnwachstum einsteigen, zahlen oft ein hohes KGV – und sehen dieses im Zeitverlauf deutlich sinken, sobald die Gewinne steigen.

Für eine erste Orientierung empfehlen erfahrene Anleger:innen oft, das KGV einer Aktie mit dem historischen Durchschnitt derselben Aktie sowie mit dem Branchenmediankurs zu vergleichen. So entsteht ein relativer Kontext – ohne absolute Schwellenwerte, die ohnehin trügerisch wären.

AUF EINEN BLICK

  • Anfällig für Bilanzpolitik: Einmalige Sondereffekte (Verkäufe, Abschreibungen) verzerren den Jahresgewinn und damit das KGV.
  • Kein Wachstum abgebildet: Ein Unternehmen mit schnellem Gewinnwachstum kann bei hohem KGV dennoch günstig sein – dafür gibt es die PEG Ratio (KGV ÷ Gewinnwachstumsrate).
  • Sektorblind ohne Kontext: Vergleiche über Branchen hinweg führen zu Fehlinformationen.
  • Währungs- und Rechnungslegungsunterschiede: IFRS vs. US-GAAP können den ausgewiesenen Gewinn und damit das KGV beeinflussen.

Grenzen des KGV: Was die Kennzahl nicht leisten kann

KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis): Setzt Kurs ins Verhältnis zum Buchwert – ergänzt das KGV, besonders bei kapitalintensiven Branchen.

Das KGV ignoriert vollständig die Verschuldungssituation eines Unternehmens. Zwei Unternehmen mit identischem KGV können fundamental unterschiedlich sein, wenn das eine schuldenfrei ist und das andere einen hohen Fremdkapitalanteil trägt. Gerade in Zeiten steigender Zinsen wirkt sich eine hohe Schuldenlast massiv auf die zukünftige Ertragskraft aus – das KGV spiegelt das nicht wider. Wer ausschließlich auf das KGV schaut, übersieht dieses Risiko vollständig.

Hinzu kommt die Anfälligkeit für Bilanzpolitik. Einmalige Sondereffekte – etwa Gewinne aus Unternehmensverkäufen, außerordentliche Abschreibungen oder steuerliche Einmaleffekte – können den Jahresnettogewinn stark verzerren. Ein ungewöhnlich niedriges KGV kann schlicht das Ergebnis eines einmaligen Buchgewinns sein, der im nächsten Jahr ausbleibt. Analysten bereinigen deshalb oft den Gewinn um Sondereffekte und berechnen ein sogenanntes „normalisiertes" oder „bereinigtes" KGV.

Das KGV bildet außerdem kein Gewinnwachstum ab. Ein Unternehmen, das seinen Gewinn jährlich stark steigert, kann trotz eines scheinbar hohen KGV günstig bewertet sein. Genau für diesen Fall wurde die PEG Ratio entwickelt: Sie dividiert das KGV durch die jährliche Gewinnwachstumsrate. Ein KGV von 30 bei einem Wachstum von 30 % p.a. ergibt eine PEG von 1,0 – was viele Analysten als fair bewertet einstufen. Die PEG ist eine sinnvolle Erweiterung, aber auch sie bringt eigene Schwächen mit, vor allem die Abhängigkeit von Wachstumsprognosen.

Schließlich ist das KGV sektorblind, wenn es ohne Kontext eingesetzt wird. Direktvergleiche zwischen einer Pharmafirma, einem Chiphersteller und einem Stromversorger sagen wenig aus. Jede Branche hat strukturell unterschiedliche Kapitalintensitäten, Wachstumsdynamiken und Risikostrukturen. Die Kennzahl entfaltet ihren Nutzen erst im richtigen Vergleichsrahmen.

AUF EINEN BLICK

  • KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis): Nützlich, wenn Unternehmen noch keinen Gewinn ausweisen (z. B. Start-ups, Wachstumsphasen).
  • Dividendenrendite: Ergänzt das KGV für einkommensorientierte Anleger:innen.
  • EV/EBITDA: Berücksichtigt Verschuldung und ist weniger anfällig für Bilanzpolitik – gilt als robustere Ergänzungskennzahl.
  • Für Anleger:innen als Lernpfad empfohlen: Erst KGV verstehen, dann PEG Ratio, dann EV/EBITDA – schrittweise Komplexität aufbauen.

KGV im Zusammenspiel mit anderen Bewertungskennzahlen

Eigene Finanzkompetenz aufbauen: Wer Aktienkennzahlen wie das KGV versteht, legt den Grundstein für langfristigen Vermögensaufbau.

Erfahrene Anleger:innen nutzen das KGV nie isoliert, sondern kombinieren es mit weiteren Kennzahlen, die unterschiedliche Aspekte eines Unternehmens beleuchten. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum bilanziellen Buchwert des Eigenkapitals. Es ist besonders bei kapitalintensiven Branchen wie Banken, Versicherungen oder Industrieunternehmen aufschlussreich, weil dort der Buchwert eine hohe Aussagekraft über die Substanz hat.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) wird dann relevant, wenn ein Unternehmen noch keinen positiven Gewinn ausweist – etwa Start-ups, Wachstumsunternehmen in der Verlustphase oder Firmen in einer tiefen Restrukturierung. Ein KGV lässt sich in diesen Fällen gar nicht sinnvoll berechnen, das KUV hingegen schon. Es hat allerdings den Nachteil, dass es nichts über die Profitabilität aussagt – hohe Umsätze bei dauerhaften Verlusten sind kein Gütezeichen.

Für einkommensorientierte Anleger:innen ergänzt die Dividendenrendite das KGV sinnvoll: Sie zeigt, welchen prozentualen Anteil des investierten Betrags Anleger:innen jährlich als Dividende erhalten. Wer in Deutschland Kapitalerträge erzielt, sollte dabei den Sparerpauschbetrag von 1.000 € (bei Einzelveranlagung) bzw. 2.000 € (bei Zusammenveranlagung) im Blick behalten – bis zu diesem Betrag fallen keine Kapitalertragsteuer an. Oberhalb greift die Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die Steuer).

Als robusteste Ergänzungskennzahl gilt in der Fachpraxis EV/EBITDA: Der Enterprise Value (Marktwert des Eigenkapitals plus Nettoschulden) wird durch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen geteilt. Diese Kennzahl berücksichtigt die Verschuldung, ist weniger anfällig für Bilanzpolitik und ermöglicht internationale Vergleiche über unterschiedliche Steuerregimes hinweg. Wer das KGV als Einstieg nutzt und mit EV/EBITDA ergänzt, hat bereits ein solides Basistoolset für die Fundamentalanalyse.

AUF EINEN BLICK

  • Nächster Schritt – Finanz-Score-Check: Mit dem StudySmarter Finanz-Score-Rechner kannst du prüfen, wie gut deine finanzielle Ausgangslage für erste Investments aufgestellt ist.
  • Wichtiger Hinweis: Die Berechnung von Kennzahlen ersetzt keine individuelle Anlageberatung. Für personalisierte Empfehlungen wende dich an eine lizenzierte Finanzberatung (§34f/§34h GewO).
  • Lernempfehlung: Kombiniere die KGV-Berechnung mit unserem Lernpfad zu Aktien, Depot-Eröffnung und Vermögensaufbau.

KGV berechnen als Einstieg in die eigene Finanzanalyse

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine mächtige, aber begrenzte Kennzahl. Wer es versteht, richtig berechnet und im Kontext interpretiert, legt einen soliden Grundstein für den eigenverantwortlichen Umgang mit Aktien und Geldanlage. Die Formel KGV = Kurs ÷ EPS ist in drei Sekunden angewendet – die Kunst liegt in der Einordnung: Branche, Verschuldung, Wachstum und Marktphase müssen stets mitgedacht werden.

Für Sparer:innen und Anleger:innen gilt: Finanzkompetenz wächst schrittweise. Das KGV zu verstehen ist Schritt eins. Wer dann KBV, EV/EBITDA und die PEG Ratio ergänzt, kann Aktien bereits auf einem soliden Niveau einschätzen. Und wer den eigenen finanziellen Ausgangspunkt kennt – Einnahmen, Ausgaben, Sparquote –, kann deutlich besser beurteilen, wann und wie viel er oder sie sinnvoll investieren kann.

Wichtiger Hinweis: Die Berechnung von Kennzahlen wie dem KGV ersetzt keine individuelle Anlageberatung. Für personalisierte Empfehlungen zu deiner konkreten Situation wende dich an eine lizenzierte Finanzberatung (§ 34f / § 34h GewO). Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung.

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Häufige Fragen

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) berechnest du, indem du den aktuellen Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie des Unternehmens teilst. Den Gewinn je Aktie findest du in der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens, üblicherweise für die letzten zwölf Monate.

Ein KGV von 15 bedeutet, dass du für jeden Euro Gewinn, den das Unternehmen erwirtschaftet, 15 Euro an der Börse zahlst. Es ist ein Anhaltspunkt dafür, wie viele Jahre es bei unverändertem Gewinn dauern würde, bis deine Investition über die Gewinne zurückgeflossen ist.

Das KGV basiert auf den tatsächlich erzielten Gewinnen der Vergangenheit, während das Forward-KGV auf den geschätzten Gewinnen der kommenden zwölf Monate beruht. Das Forward-KGV ist daher zukunftsorientierter, aber auch unsicherer, weil es auf Analystenschätzungen beruht.

Ja, das KGV kann negativ sein, wenn das Unternehmen in den betrachteten zwölf Monaten einen Verlust gemacht hat. In diesem Fall ist das KGV mathematisch negativ, aber es ist für die Bewertung nicht aussagekräftig, da ein negatives Verhältnis keine sinnvolle Interpretation zulässt.

Es gibt keine allgemeingültige Grenze, ab der ein KGV als günstig gilt, da dies stark von der Branche und dem Wachstum des Unternehmens abhängt. Als grobe Faustregel gelten Werte unter dem Durchschnitt der jeweiligen Branche oder unter dem historischen Durchschnitt des Unternehmens als eher günstig.

Das KGV findest du kostenlos auf vielen Finanzportalen, in Börsen-Apps und auf den Aktienseiten großer Nachrichtenanbieter. Auch die Website der Deutschen Börse oder die Investor-Relations-Seiten der Unternehmen selbst liefern die Kennzahl in der Regel kostenlos.

Das KGV berücksichtigt weder das Wachstum des Unternehmens noch seine Verschuldung, Cashflow oder qualitative Faktoren wie Managementqualität. Zudem kann es durch einmalige Sondereffekte verzerrt sein, weshalb du es immer mit anderen Kennzahlen und der Unternehmensstrategie abgleichen solltest.

Ein hohes KGV ist nicht automatisch schlecht, denn es kann auf stark erwartetes zukünftiges Wachstum hindeuten, etwa bei jungen Technologieunternehmen. Entscheidend ist, ob das Unternehmen die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen kann; enttäuscht es, kann der Kurs stark fallen.

Quellen & Stand 09.07.2026

MS

StudySmarter-Redaktion

Finanz-Redaktion · StudySmarter
Marie macht Finanzthemen für Studierende verständlich – von der ersten Versicherung bis zum ersten Sparplan.

Redaktionell geprüft. Alle Zahlen mit Quellenangabe, Stand 09.07.2026. Dieser Artikel ist Finanzbildung – keine Rechts- oder Steuerberatung.

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