Dadaismus einfach erklärt
Der Dadaismus ist eine internationale Kunst- und Literaturbewegung, die 1916 in Zürich entstand. Dada verstand sich als Anti-Kunst und lehnte konventionelle Kunstwerte durch Parodie, Provokation und Nonsens bewusst ab. Es war kein einheitlicher Stil, sondern eine radikale Haltung gegen den Krieg und die bürgerliche Ordnung.
| Steckbrief | Dadaismus |
|---|---|
| Beginn | 5. Februar 1916, Cabaret Voltaire, Zürich |
| Gründer | Hugo Ball und Emmy Hennings |
| Zeitraum | ca. 1916 bis 1924 |
| Selbstverständnis | Anti-Kunst, Provokation, Nonsens |
| Techniken | Collage, Fotomontage, Readymade, Lautgedicht |
| Nachfolger | Surrealismus (ab ~1924) |
Entstehung und historischer Kontext
Der Dadaismus entstand am 5. Februar 1916 im Cabaret Voltaire in der Spiegelgasse 1 in Zürich, gegründet von Hugo Ball und Emmy Hennings. Er war eine direkte Reaktion auf den Ersten Weltkrieg: Aus Ekel vor dem Massengemetzel wandten sich die Künstler gegen Krieg, Nationalismus und die bürgerliche Kultur, die den Krieg mit ermöglicht hatte.
Die Schweiz war im Ersten Weltkrieg neutral, und so wurde das neutrale Zürich zum Zufluchtsort für Künstler, Schriftsteller und Kriegsgegner aus ganz Europa. Im Cabaret Voltaire trafen sich unter anderem Tristan Tzara, Marcel Janco, Richard Huelsenbeck sowie Hans (Jean) Arp und Sophie Taeuber-Arp. Aus abendlichen Lesungen, Lautgedichten, Musik und provokanten Auftritten formte sich rasch eine Bewegung.
Der Name Dada war dabei bewusst mehrdeutig und zufällig gewählt. Einer Version nach schlug Hugo Ball blind ein deutsch-französisches Wörterbuch auf und traf das französische Wort dada, was so viel wie Steckenpferd bedeutet. Eine andere Deutung sieht darin die Kindersprache da, da. Genau diese Sinnfreiheit war Programm: Dada wollte keine Bedeutung festlegen, sondern die Suche nach fester Bedeutung selbst infrage stellen.
Wichtig für das Verständnis ist der historische Kontext. Der Erste Weltkrieg hatte das Vertrauen in Fortschritt, Vernunft und die etablierte Kunst zerstört. Wenn eine vermeintlich zivilisierte Gesellschaft einen solchen Krieg hervorbringen konnte, dann, so die Dadaisten, hatte auch ihre Kunst versagt. Dada zog daraus die radikale Konsequenz, die Kunst selbst anzugreifen, statt sie zu beschönigen.
Merkmale des Dadaismus
Kennzeichnend für den Dadaismus sind die Ablehnung konventioneller Kunst als Anti-Kunst, Provokation und Nonsens, das Zufallsprinzip und die bewusste Absage an eine feste Formsprache. Dada richtete sich gegen Krieg und Bürgertum und umfasste bildende Kunst, Literatur, Performance und Musik gleichermaßen.
Das wichtigste Merkmal ist das Selbstverständnis als Anti-Kunst. Dada wollte nicht schöne Werke schaffen, sondern die etablierten Vorstellungen davon, was Kunst überhaupt ist, unterlaufen. Parodie, Ironie und gezielte Provokation waren dabei zentrale Mittel, um das Publikum aus seiner Erwartungshaltung zu reißen.
Ein zweites Merkmal ist das Zufallsprinzip. Statt jedes Detail zu komponieren, überließen die Dadaisten Teile ihrer Werke bewusst dem Zufall, etwa indem sie Papierschnipsel fallen ließen und dort ankleben, wo sie landeten. Damit stellten sie die Vorstellung vom genialen, kontrollierenden Künstler infrage.
Drittens ist Dada kein Stil mit einheitlicher Formsprache, sondern eine Haltung. Von Stadt zu Stadt sah Dada völlig anders aus: politisch und aggressiv in Berlin, spielerisch-poetisch in Zürich, eher literarisch in Paris. Was die Werke verbindet, ist nicht ihr Aussehen, sondern ihr gemeinsamer Geist der Auflehnung und ihr Blick auf die Kunst als Provokation.
Schließlich war Dada von Anfang an interdisziplinär. Neben der bildenden Kunst spielten Literatur und vor allem die Lautgedichte, Performance-Abende und Musik eine zentrale Rolle. Wer Dada nur als Stil in der Malerei versteht, verfehlt daher den Kern der Bewegung.
Was ist ein Readymade? Techniken des Dada
Die zentralen Techniken des Dadaismus sind die Collage, die Fotomontage, das Readymade, das Lautgedicht und das Simultangedicht sowie das Zufallsprinzip. All diese Verfahren brachen bewusst mit klassischen Vorstellungen von Handwerk, Komposition und dem Werk als geschlossenem Kunstwerk.
Bei der Collage werden Papierschnipsel, Zeitungsausschnitte und Fundstücke zu einem neuen Bild zusammengesetzt. Die verwandte Fotomontage arbeitet gezielt mit Fotografien und Druckerzeugnissen und montiert sie zu oft politisch aufgeladenen, verfremdeten Bildern. Beide Verfahren nutzen fertiges Material aus der Alltagswelt statt selbst gemalter Motive.
Das Lautgedicht (auch phonetisches Gedicht) verzichtet auf die inhaltliche Bedeutung der Sprache und arbeitet nur mit Klang, Rhythmus und Silben. Das Simultangedicht wiederum lässt mehrere Stimmen gleichzeitig sprechen, sodass ein bewusst chaotisches Klangbild entsteht. Beide Formen wurden vor allem im Cabaret Voltaire vorgetragen.
Die radikalste Technik ist das Readymade. Hier wird ein industriell gefertigtes Alltagsobjekt zur Kunst erklärt, ohne dass der Künstler es verändert. Die eigentliche künstlerische Leistung liegt nicht mehr im Herstellen, sondern in der Auswahl und der Deklaration: Der Künstler entscheidet, dass ein Gegenstand als Kunst gilt. Damit verschob Dada die Frage vom Wie der Herstellung zum Ob und Warum der Kunst.
Diese Techniken wurden später von vielen Bewegungen aufgegriffen. Die Fotomontage prägte politische Plakatkunst, das Readymade wurde zur Grundlage der Konzeptkunst. Wer heute die Avantgarde-Kunst untersucht, stößt fast zwangsläufig auf Verfahren, die Dada zuerst konsequent eingesetzt hat.
Wichtige Künstler und Werke
Zu den wichtigsten Künstlern des Dadaismus zählen Hugo Ball und Emmy Hennings als Gründer, Tristan Tzara, Hans (Jean) Arp und Sophie Taeuber-Arp in Zürich, Marcel Duchamp mit dem Readymade, Hannah Höch und Raoul Hausmann mit der Fotomontage in Berlin sowie Kurt Schwitters mit seiner Variante MERZ.
Marcel Duchamp gilt als eine der einflussreichsten Figuren. Er prägte das Readymade und erklärte damit Alltagsobjekte zu Kunst. Sein berühmtestes Werk ist Fountain aus dem Jahr 1917, ein umgedrehtes Urinal, das er mit dem fiktiven Namen R. Mutt signierte. Nicht das Herstellen, sondern die Auswahl und die Deklaration ist hier die künstlerische Geste.
In Berlin entwickelten Hannah Höch und Raoul Hausmann die Fotomontage zu einem scharfen politischen Werkzeug. Sie zerschnitten Zeitungsbilder und Werbung und setzten sie zu Bildern zusammen, die die Gesellschaft der Weimarer Republik kommentierten. In Hannover verfolgte Kurt Schwitters mit MERZ einen eigenen Weg: Er baute Collagen aus Abfall, Fahrscheinen und Werbematerial und schuf mit dem Merzbau ein raumfüllendes Environment.
Daneben spielten weitere Künstler eine wichtige Rolle: Max Ernst prägte die Kölner Szene und wurde später zu einer Schlüsselfigur des Surrealismus, während Man Ray in New York und Paris mit Fotografie und Objekten arbeitete. Wer den Dadaismus im Kontext verstehen will, kann ihn gut mit der späteren Konzeptkunst vergleichen, für die Duchamps Readymade eine der wichtigsten Grundlagen bildet.
Zentren des Dada: Zürich, Berlin, Hannover, Paris, New York
Der Dadaismus hatte mehrere Zentren: Zürich als Ausgangspunkt ab 1916, Berlin mit der politisch schärfsten Ausprägung von 1918 bis 1920, Hannover mit Kurt Schwitters, Köln mit Max Ernst sowie Paris und New York. Jedes Zentrum entwickelte einen eigenen Charakter der Bewegung.
Zürich war die Geburtsstätte und blieb spielerisch und poetisch geprägt. In Berlin wurde Dada dagegen politisch: Zwischen 1918 und 1920 richtete sich die Bewegung offen gegen Militarismus und die bürgerliche Republik, ihren Höhepunkt bildete die Erste Internationale Dada-Messe von 1920. Hier entstand auch die Fotomontage als politisches Medium.
In Hannover arbeitete Kurt Schwitters weitgehend eigenständig an seiner MERZ-Kunst, während Köln vor allem mit Max Ernst verbunden ist. In Paris entwickelte sich Dada ab 1919 eher literarisch und ging später fließend in den Surrealismus über. New York schließlich war durch Marcel Duchamp, Man Ray und Francis Picabia geprägt, die dort schon während des Krieges dadaistische Ideen erprobten.
Was ist der Unterschied zwischen Dadaismus und Surrealismus?
Der Unterschied zwischen Dadaismus und Surrealismus: Dada kam zuerst (ab 1916) und war destruktiv-provokante Anti-Kunst, der Surrealismus ging ab etwa 1924 unter André Breton daraus hervor und suchte, beeinflusst von Freud, eine traumhafte Bildsprache. Dada selbst zerfiel Anfang der 1920er Jahre und beeinflusste später Fluxus, die Konzeptkunst, die Performance und die Pop Art.
Dada war von Anfang an auf Bewegung und Provokation angelegt, nicht auf Dauer. Als die Provokation zur Gewohnheit wurde und persönliche wie inhaltliche Konflikte zunahmen, verlor die Bewegung ihre Schlagkraft. Viele Künstler wandten sich neuen Wegen zu, ohne den dadaistischen Geist ganz aufzugeben.
In Paris bündelte André Breton die literarisch geprägte Dada-Szene und formulierte ab 1924 den Surrealismus, der das Unbewusste, den Traum und die Assoziation in den Mittelpunkt stellte. Dada und Surrealismus sind daher eng verwandt, aber nicht dasselbe: Dada kam zuerst und war destruktiv-provokant, der Surrealismus baute darauf auf und suchte nach einer neuen, traumhaften Bildsprache.
Der Einfluss reicht bis heute. Das Readymade wurde zur Grundlage der Konzeptkunst, die Fotomontage prägte Grafikdesign und politische Plakate, und die Performance-Abende des Cabaret Voltaire nahmen spätere Aktions- und Fluxus-Kunst vorweg. Auch die Pop Art mit ihren Alltagsgegenständen steht in dieser Tradition. Dada wirkt so weit über seine kurze aktive Zeit hinaus.
Häufige Fehler beim Dadaismus
Die häufigsten Fehler beim Dadaismus: Dada wird für einen einheitlichen Stil gehalten, mit dem Surrealismus gleichgesetzt oder auf die Malerei verengt. Auch bei Duchamps Fountain und beim Namen Dada schleichen sich oft Ungenauigkeiten ein.
Dada hat keine feste Formsprache, sondern ist eine Haltung. Von Stadt zu Stadt sah die Kunst völlig anders aus, gemeinsam ist nur der Geist der Provokation.
Dada entstand zuerst ab 1916, der Surrealismus ging ab etwa 1924 daraus hervor. Beide sind verwandt, aber nicht dasselbe.
Literatur, Lautgedichte, Performance und Musik waren zentral. Wer Dada auf Malerei verengt, verpasst den Kern.
Duchamp signierte das Werk 1917 nicht mit seinem eigenen Namen, sondern mit dem fiktiven Namen R. Mutt. Der Name Dada selbst hat zudem keine feste Bedeutung, die Zufälligkeit ist Absicht.
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Dadaismus, das Wichtigste
Der Dadaismus ist eine internationale Anti-Kunst-Bewegung, die 1916 im Cabaret Voltaire in Zürich entstand. Als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg lehnte Dada mit Provokation, Nonsens und Zufall die konventionelle Kunst ab und nutzte Techniken wie Collage, Fotomontage und Readymade. Um 1924 ging die Bewegung in den Surrealismus über.
- Definition: internationale Anti-Kunst-Bewegung ab 1916, eine Haltung, kein Stil.
- Entstehung: 5. Februar 1916, Cabaret Voltaire, Zürich, gegründet von Hugo Ball und Emmy Hennings.
- Auslöser: Ekel vor dem Ersten Weltkrieg, anti-bürgerlich und anti-Krieg.
- Techniken: Collage, Fotomontage, Readymade, Lautgedicht, Zufallsprinzip.
- Künstler: Ball, Tzara, Arp, Duchamp (Readymade, Fountain), Höch, Hausmann, Schwitters.
- Merke: Dada (ab 1916) ist nicht dasselbe wie der Surrealismus (ab ~1924).
Häufige Fragen zum Dadaismus
Der Dadaismus ist eine internationale Kunst- und Literaturbewegung, die 1916 in Zürich entstand. Dada verstand sich als Anti-Kunst und lehnte konventionelle Kunstwerte durch Parodie, Provokation und Nonsens ab. Es war keine feste Formsprache, sondern eine Haltung gegen Krieg und bürgerliche Ordnung.
Dada wurde am 5. Februar 1916 im Cabaret Voltaire in der Spiegelgasse 1 in Zürich gegründet. Gründer waren Hugo Ball und Emmy Hennings. Die neutrale Schweiz wurde im Ersten Weltkrieg zum Treffpunkt vieler Künstler.
Der Dadaismus kam zuerst (ab 1916) und war radikale Anti-Kunst: Provokation, Nonsens und Zufall als Absage an Kunst und Bürgertum. Der Surrealismus entstand daraus ab etwa 1924, griff das Irrationale auf und lenkte es, beeinflusst von Sigmund Freud, gezielt auf Traum und Unterbewusstsein. Kurz: Dada zerstört, der Surrealismus baut aus dem Zufall eine neue Bildwelt.
Kennzeichnend sind die Ablehnung konventioneller Kunst (Anti-Kunst), Provokation und Nonsens, das Zufallsprinzip und die Absage an eine feste Formsprache. Dada richtete sich gegen Krieg und Bürgertum und umfasste bildende Kunst, Literatur, Performance und Musik.
Zentrale Techniken sind die Collage, die Fotomontage, das Readymade, das Lautgedicht und das Simultangedicht sowie das Zufallsprinzip. Diese Verfahren brachen bewusst mit klassischen Vorstellungen von Handwerk und Komposition.
Zu den zentralen Figuren zählen Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara, Hans (Jean) Arp, Sophie Taeuber-Arp, Marcel Duchamp, Hannah Höch, Raoul Hausmann, Kurt Schwitters, Max Ernst und Man Ray.
Ein Readymade ist ein Alltagsobjekt, das der Künstler zur Kunst erklärt. Marcel Duchamp prägte den Begriff; sein Fountain (1917) ist ein umgedrehtes Urinal, das er mit dem fiktiven Namen R. Mutt signierte. Nicht das Herstellen, sondern die Auswahl ist die Geste.
Dada zerfiel Anfang der 1920er Jahre durch interne Konflikte. In Paris ging die Bewegung ab etwa 1924 in den Surrealismus über. Dada beeinflusste später Fluxus, die Konzeptkunst, die Performance und die Pop Art.
Quellen
Die Darstellung stützt sich auf kunsthistorische Standardquellen und ein renommiertes Museumsportal:
- Dadaismus. Wikipedia. de.wikipedia.org
- Tate: Dada. tate.org.uk
- Cabaret Voltaire (Zurich). Wikipedia. en.wikipedia.org