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Ratgeber · Versicherung

Unfallzusatzversicherung: Welche Höhe ist sinnvoll?

Die Höhe deiner Unfallversicherung entscheidet im Ernstfall darüber, ob du finanzielle Folgen eines Unfalls abfedern kannst. Eine passende Versicherungs­summe orientiert sich an deinem Einkommen, deinen Lebensumständen und den Kosten, die bei einer dauerhaften Beeinträchtigung auf dich zukommen.

11 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Die Invaliditätsleistung ist die wichtigste Leistung und wird als Prozentsatz der vereinbarten Versicherungssumme gezahlt.
  • Eine hohe Progression kann die Auszahlung bei schweren Unfällen deutlich erhöhen, kostet aber auch mehr Beitrag.
  • Die gesetzliche Unfallversicherung deckt nur Arbeits- und Wegeunfälle ab, nicht die Freizeit.
  • Zusatzbausteine wie Krankenhaustagegeld oder Unfallrente erhöhen den Beitrag, sind aber oft nicht die beste Absicherung.

01 · Grundlagen

Was leistet die private Unfallversicherung?

Die private Unfallversicherung springt ein, wenn du durch einen Unfall eine dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigung erleidest. Sie ergänzt die gesetzliche Absicherung, die nur für Arbeits- und Wegeunfälle zuständig ist.

Die zentrale Leistung ist die Invaliditätsleistung. Sie wird fällig, wenn nach einem Unfall eine dauerhafte Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit vorliegt, die voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen bleibt und eine Besserung nicht zu erwarten ist.

Die Höhe der Zahlung richtet sich nach dem Grad der Invalidität und der vereinbarten Versicherungssumme. Verlierst du zum Beispiel ein Auge, gilt in der verbreiteten Gliedertaxe ein Invaliditätsgrad von 50 Prozent. Bei einer Versicherungssumme von 300.000 Euro erhältst du dann 150.000 Euro als einmalige Zahlung.

Zusätzlich solltest du darauf achten, dass Kosten für Such-, Rettungs- oder Bergungseinsätze sowie unfallbedingte kosmetische Operationen mit mindestens 10.000 Euro mitversichert sind. Diese Leistungen sind nicht in jedem Tarif automatisch enthalten.

Kurz erklärt

Invaliditäts­leistung

Die Invaliditätsleistung ist die zentrale Leistung der privaten Unfallversicherung. Sie wird als einmaliger Geldbetrag gezahlt, wenn nach einem Unfall eine dauerhafte Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit vorliegt, die voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen bleibt.

Die Höhe der Zahlung richtet sich nach dem Grad der Invalidität und der vereinbarten Versicherungssumme.

02 · Kosten

Wie hoch sollte die Versicherungs­summe sein?

Die Versicherungssumme ist die Basis für alle Invaliditätsleistungen. Sie sollte so gewählt sein, dass du im Fall einer schweren Invalidität deinen Lebensstandard halten und notwendige Umbauten finanzieren kannst.

Die Versicherungssumme ist die Grundlage für alle Invaliditätsleistungen. Sie sollte so gewählt sein, dass du im Fall einer schweren Invalidität deinen Lebensstandard halten und notwendige Umbauten finanzieren kannst, etwa barrierefreie Anpassungen zu Hause oder am Auto.

Als Faustregel gilt: Die Versicherungssumme sollte mindestens das Drei- bis Fünffache deines jährlichen Bruttoeinkommens betragen. Bei einem durchschnittlichen Einkommen und familiären Verpflichtungen liegt eine sinnvolle Spanne zwischen 200.000 und 500.000 Euro. Mit geringem Einkommen oder ohne Unterhaltspflichten können 100.000 bis 200.000 Euro ausreichen, bei hohem Einkommen oder hohem Unfallrisiko sind 500.000 bis 1.000.000 Euro sinnvoll.

Je höher die Versicherungssumme, desto teurer der Beitrag. Eine zu niedrige Summe kann im Ernstfall jedoch zu einer Versorgungslücke führen, weil die gesetzliche Unfallversicherung für Freizeitunfälle nicht aufkommt.

03 · Vergleich

Wie funktioniert die Gliedertaxe?

Die Gliedertaxe legt fest, welcher Invaliditätsgrad beim Verlust oder der Funktionsunfähigkeit bestimmter Körperteile angenommen wird. Sie ist der Maßstab für die Berechnung deiner Leistung.

Sie ist der Maßstab für die Berechnung deiner Leistung.

Die am weitesten verbreiteten Werte sind: Ein Arm im Schultergelenk zählt 70 Prozent, ein Bein bis zur Mitte des Oberschenkels 60 Prozent, eine Hand im Handgelenk 55 Prozent, ein Auge 50 Prozent und das Gehör auf einem Ohr 30 Prozent. Bei teilweisem Verlust oder teilweiser Funktionsunfähigkeit werden diese Werte entsprechend gekürzt.

Für bestimmte Berufsgruppen wie Musiker, Chirurgen oder Friseure gibt es Tarife mit eigenen Gliedertaxen. Dort können einzelne Körperteile deutlich höher bewertet sein, was für deinen Beruf entscheidend sein kann.

Beispiele aus der Gliedertaxe
KörperteilInvaliditäts­grad
Arm im SchultergelenkArm im Schultergelenk70 Prozent
Bein bis Mitte OberschenkelBein bis Mitte Oberschenkel60 Prozent
Hand im HandgelenkHand im Handgelenk55 Prozent
AugeAuge50 Prozent
Gehör auf einem OhrGehör auf einem Ohr30 Prozent

04 · Im Vertrag

Was gilt als Unfall?

Der Unfallbegriff in den Versicherungsbedingungen ist enger gefasst, als viele denken. Nur wenn die Definition erfüllt ist, besteht überhaupt ein Anspruch auf Leistung.

Ein Unfall liegt vor, wenn ein plötzlich von außen auf deinen Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung verursacht. Dauerbelastungen im Sport, krankhafte Störungen infolge psychischer Reaktionen wie Ärger oder Schock sowie selbst zugefügte Verletzungen sind nicht versichert.

Gegen Aufpreis kannst du einen erweiterten Unfallbegriff vereinbaren. Dann gelten auch Schäden an Gliedmaßen oder der Wirbelsäule nach hoher Kraftanstrengung als Unfall, wenn dadurch ein Gelenk verrenkt oder Muskeln, Sehnen, Bänder oder Kapseln gezerrt oder verrissen werden. Normale Bewegungen des täglichen Lebens reichen dafür nicht aus.

Die Definition des Unfallbegriffs

Plötzlich von außenKernkriteriumEin Unfall liegt vor, wenn ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis eine Gesundheitsschädigung verursacht. Dauerbelastungen wie beim Sport sind kein Unfall.
UnfreiwilligkeitVoraussetzungDie Gesundheitsschädigung muss unfreiwillig erlitten werden. Selbst zugefügte Verletzungen oder ein Freitod sind nicht versichert.
Erweiterter UnfallbegriffOptionale KlauselGegen Aufpreis können auch Schäden an Gliedmaßen oder der Wirbelsäule durch hohe Kraftanstrengung versichert werden, wenn dadurch Gelenke verrenkt oder Muskeln, Sehnen, Bänder oder Kapseln gezerrt oder verrissen werden.

05 · Was gilt

Wo gilt der Versicherungs­schutz?

Die private Unfallversicherung bietet weltweiten Schutz rund um die Uhr. Sie deckt Unfälle in der Freizeit, im Haushalt und im Urlaub ab, also genau dort, wo die gesetzliche Unfallversicherung nicht leistet.

Die private Unfallversicherung umfasst alle Unfälle des täglichen Lebens, also in der Freizeit, im Haushalt, im Straßenverkehr und im Urlaub. Der Schutz gilt weltweit und rund um die Uhr.

Die gesetzliche Unfallversicherung leistet dagegen nur bei Arbeits- und Wegeunfällen sowie bei Berufskrankheiten. Über 70 Prozent der Unfälle passieren jedoch zu Hause und in der Freizeit, wo die gesetzliche Absicherung nicht greift.

Krankheiten und deren Folgen sind in der privaten Unfallversicherung nicht versichert. Auch psychische Reaktionen wie Schock oder Ärger sowie selbst zugefügte Verletzungen fallen nicht unter den Schutz.

Private Unfallversicherung zahlt

·Unfälle in der Freizeit
·Unfälle im Haushalt
·Unfälle im Straßenverkehr
·Unfälle im Urlaub weltweit

Private Unfallversicherung zahlt nicht

·Krankheiten und deren Folgen
·Psychische Reaktionen wie Schock oder Ärger
·Selbst zugefügte Verletzungen
·Dauerbelastungen im Sport

06 · Vergleich

Wie wirkt die Progression?

Die Progression ist ein Hebel, um bei schweren Unfällen eine deutlich höhere Leistung zu erhalten. Sie erhöht die Auszahlung überproportional zum Invaliditätsgrad.

Sie erhöht die Auszahlung überproportional zum Invaliditätsgrad.

Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro und 300 Prozent Progression erhältst du bei 50 Prozent Invalidität 75.000 Euro statt 50.000 Euro. Bei 70 Prozent Invalidität sind es 210.000 Euro statt 70.000 Euro, bei 100 Prozent Invalidität 300.000 Euro statt 100.000 Euro.

Die Progression wirkt erst ab einem bestimmten Invaliditätsgrad, oft ab 20 oder 25 Prozent. Sie ist ein sinnvoller Baustein, um die Versicherungssumme bei schweren Unfällen zu erhöhen, ohne den Beitrag für leichte Unfälle stark anzuheben.

Wirkung der Progression auf die Kapitalleistung
Invaliditäts­gradOhne Progression (100.000 € Summe)Mit 300 % Progression (100.000 € Summe)
70 Prozent70 Prozent70.000 Euro210.000 Euro
100 Prozent100 Prozent100.000 Euro300.000 Euro

07 · Kosten

Krankenhaustagegeld: sinnvoller Zusatz?

Das Krankenhaustagegeld ist ein optionaler Baustein in der Unfallversicherung. Es zahlt für jeden Tag, den du nach einem Unfall im Krankenhaus verbringst, einen festen Betrag.

Das Krankenhaustagegeld ist ein optionaler Baustein in der Unfallversicherung. Es zahlt für jeden Tag, den du nach einem Unfall im Krankenhaus verbringst, einen festen Betrag.

Die Leistung wird in der Regel für maximal 5 Jahre ab dem Unfalltag gezahlt. Typische Höhen liegen zwischen 10 und 50 Euro pro Tag, oft mit Verdopplung ab dem 4. Tag oder im Ausland.

Ein Krankentagegeld in der Unfallversicherung ist oft überflüssig, da eine separate Krankentagegeldversicherung auch bei Krankheit leistet und damit umfassender ist. Sie sichert deinen Verdienstausfall unabhängig von der Ursache ab.

Krankenhaustagegeld als Zusatzbaustein

Typische Höhe pro Tag10 bis 50 Euro
Mögliche Verdopplung ab dem 4. Tag20 bis 100 Euro
Mögliche Verdopplung im Ausland20 bis 100 Euro

08 · Fehler vermeiden

Todesfallleistung: Was passiert im Todesfall?

Die Todesfallleistung ist eine optionale oder automatisch eingeschlossene Leistung. Sie zahlt einen vereinbarten Betrag, wenn du an den Folgen eines Unfalls stirbst.

Die Todesfallleistung greift nur bei einem Unfalltod, nicht bei Tod durch Krankheit. Für die Absicherung von Angehörigen ist eine Risikolebensversicherung die bessere Wahl, da sie bei jeder Todesursache leistet.

Die Todesfallleistung in der Unfallversicherung ist meist teurer als eine vergleichbare Risikolebensversicherung. Wenn du keine Angehörigen hast, die finanziell von dir abhängig sind, benötigst du diese Leistung in der Regel nicht.

Warum die Todesfallleistung oft überflüssig ist

·Die Todesfallleistung greift nur bei einem Unfalltod, nicht bei Tod durch Krankheit.
·Für die Absicherung von Angehörigen ist eine Risikolebensversicherung die bessere Wahl, da sie bei jeder Todesursache leistet.
·Die Todesfallleistung in der Unfallversicherung ist meist teurer als eine vergleichbare Risikolebensversicherung.
·Wenn du keine Angehörigen hast, die finanziell von dir abhängig sind, benötigst du diese Leistung in der Regel nicht.

09 · Im Vertrag

Unfallrente: Lohnt sich die monatliche Zahlung?

Die Unfallrente ist eine optionale Zusatzleistung, die eine monatliche Rente bei schwerer Invalidität vorsieht. Sie ist jedoch oft teuer und an hohe Hürden geknüpft.

Eine Unfallrente wird häufig erst ab einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent gezahlt. Bei einigen Tarifen gibt es eine halbe Rente ab 35 Prozent und eine doppelte Rente ab 90 Prozent.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist besser geeignet, um einen Einkommensausfall abzusichern, da sie auch bei Krankheit leistet und nicht nur bei Unfällen. Die Unfallrente ist ein teurer Zusatzbaustein, dessen Leistung nur in seltenen Fällen greift.

Bedingungen der Unfallrente

Hoher InvaliditätsgradVoraussetzungEine Unfallrente wird häufig erst ab einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent gezahlt. Bei einigen Tarifen gibt es eine halbe Rente ab 35 Prozent und eine doppelte Rente ab 90 Prozent.
Alternative AbsicherungEmpfehlungEine Berufsunfähigkeitsversicherung ist besser geeignet, um einen Einkommensausfall abzusichern, da sie auch bei Krankheit leistet und nicht nur bei Unfällen.
KostenfaktorNachteilDie Unfallrente ist ein teurer Zusatzbaustein. Der Beitrag erhöht sich deutlich, während die Leistung nur in seltenen Fällen schwerer Invalidität greift.

10 · Vergleich

Wie unterscheiden sich gesetzliche und private Unfallversicherung?

Die gesetzliche Unfallversicherung ist eine Pflichtversicherung für Arbeits- und Wegeunfälle. Die private Unfallversicherung schließt die Lücke für Freizeit und Haushalt.

Der Arbeitgeber zahlt die Beiträge über die Berufsgenossenschaft.

Die private Unfallversicherung schließt die Lücke für Freizeit und Haushalt. Sie leistet eine einmalige Kapitalzahlung bei Invalidität, während die gesetzliche Unfallversicherung Heilbehandlung, Rehabilitation, Verletztengeld und Renten zahlt.

Arbeitnehmer, Kinder in Kindergarten, Schule und Universität sind gesetzlich versichert, aber nur für den direkten Hin- und Rückweg. Selbstständige, Hausfrauen und Hausmänner sowie Personen ohne Beruf haben keinen gesetzlichen Unfallschutz in der Freizeit.

Gesetzliche und private Unfallversicherung im Vergleich
MerkmalGesetzliche UnfallversicherungPrivate Unfallversicherung
Versicherte UnfälleVersicherte UnfälleArbeits- und Wegeunfälle, BerufskrankheitenAlle Unfälle des täglichen Lebens, weltweit
LeistungsartLeistungsartHeilbehandlung, Rehabilitation, Verletztengeld, RenteEinmalige Kapitalleistung bei Invalidität, optionale Zusatzleistungen
BeitragszahlerBeitragszahlerArbeitgeber über die BerufsgenossenschaftVersicherungsnehmer selbst
Wer ist versichert?Wer ist versichert?Arbeitnehmer, Kinder in Kita und Schule, StudierendeJede Person, die einen Vertrag abschließt

11 · Checkliste

Wann ist eine Unfallversicherung besonders wichtig?

Nicht für jeden ist eine private Unfallversicherung gleichermaßen sinnvoll. Dein persönliches Unfallrisiko und deine berufliche Situation entscheiden über den Bedarf.

Besonders wichtig ist sie für Selbstständige ohne gesetzlichen Unfallschutz in der Freizeit, für Hausfrauen und Hausmänner, für Personen ohne Beruf sowie für Menschen mit sehr hohem Unfallrisiko in der Freizeit. Auch Erwerbstätige mit Vorerkrankungen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können, profitieren von einer Unfallversicherung.

Für Arbeitnehmer, die bereits über die Berufsgenossenschaft abgesichert sind, ist eine private Unfallversicherung weniger dringlich. In mehr als 90 Prozent aller Fälle werden Menschen durch eine Krankheit berufsunfähig, nicht nach einem Unfall, und bei Krankheitsfolgen hilft die Unfallversicherung nicht.

Personengruppen mit hohem Bedarf

01

Selbstständige ohne gesetzlichen Unfallschutz in der Freizeit

02

Hausfrauen und Hausmänner

03

Personen ohne Beruf

04

Menschen mit sehr hohem Unfallrisiko in der Freizeit

05

Erwerbstätige mit Vorerkrankungen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026