Ratgeber · Versicherung
Pflegeversicherung im Test: So schließt du deine Versorgungslücke
Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt die Kosten bei Pflegebedürftigkeit nur teilweise. Ein Test privater Pflegezusatzversicherungen zeigt, welche Tarife den entstehenden Eigenanteil sinnvoll absichern.
10 Kapitel · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nur einen Zuschuss, keinen vollen Ausgleich der Pflegekosten.
- Der Eigenanteil im Pflegeheim liegt oft bei über 2.000 Euro im Monat.
- Eine Pflegetagegeldversicherung leistet eine flexible Geldsumme, über die du frei verfügen kannst.
- Je früher du abschließt, desto günstiger ist der Beitrag für die private Pflegeversicherung.
01 · Grundlagen
Was ist eine Pflegezusatzversicherung?
Eine private Pflegezusatzversicherung ergänzt die Leistungen der gesetzlichen oder privaten Pflegepflichtversicherung. Sie zahlt im Pflegefall eine vereinbarte Geldleistung oder übernimmt anfallende Kosten.
Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt bei Pflegebedürftigkeit nur einen Teil der anfallenden Kosten. Eine private Pflegezusatzversicherung schließt diese Lücke, indem sie im Pflegefall eine vereinbarte Geldleistung auszahlt oder Kosten direkt erstattet. Du kannst damit frei entscheiden, wie du das Geld für deine Pflege einsetzt.
Die beliebteste Form ist die Pflegetagegeldversicherung. Sie zahlt für jeden Tag der Pflegebedürftigkeit einen festen Betrag, dessen Höhe vom Pflegegrad abhängt. Im Gegensatz zur Pflegekostenversicherung musst du keine Rechnungen einreichen, sondern erhältst das Geld zur freien Verfügung.
86 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Gerade dort entstehen Kosten, die von der Pflegepflichtversicherung nicht vollständig gedeckt werden. Eine private Zusatzversicherung kann Angehörige entlasten und professionelle Unterstützung finanzieren.
Kurz erklärt
Pflegezusatzversicherung
Eine private Vorsorge, die die finanzielle Lücke zwischen den Leistungen der Pflegepflichtversicherung und den tatsächlichen Kosten bei Pflegebedürftigkeit schließt.
Sie ist keine Pflichtversicherung, sondern eine freiwillige Ergänzung für gesetzlich und privat Versicherte.
02 · Vergleich
Gesetzliche Pflegeversicherung und private Pflegeversicherung im Vergleich
Die Pflegepflichtversicherung ist an die Krankenversicherung gekoppelt. Die Leistungen sind für gesetzlich und privat Versicherte identisch, die Beiträge unterscheiden sich jedoch.
Die Pflegepflichtversicherung ist an deine Krankenversicherung gekoppelt. Wer gesetzlich krankenversichert ist, gehört automatisch der Pflegekasse seiner Krankenkasse an. Privat Krankenversicherte sind in der privaten Pflegepflichtversicherung versichert, können aber bis sechs Monate nach Vertragsabschluss den Anbieter wechseln.
Die Leistungen sind für beide Systeme identisch. Unterschiede gibt es bei den Beiträgen: Gesetzlich Versicherte zahlen einen Prozentsatz ihres Bruttoeinkommens, privat Versicherte einen einkommensunabhängigen Beitrag, der vom Alter und Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss abhängt.
Für privat Versicherte gilt 2026 eine Höchstgrenze von 209,26 Euro im Monat. Beihilfeberechtigte zahlen höchstens 83,70 Euro, Ehepaare zusammen 125,55 Euro. Bei Angestellten übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte, maximal jedoch 104,63 Euro monatlich.
| Gesetzliche Pflegeversicherung | Private Pflegepflichtversicherung | |
|---|---|---|
| Beitrag | 4,2 % des Bruttoeinkommens für Kinderlose, mit Kindern weniger | Höchstens 209,26 Euro im Monat (2026), abhängig von Alter und Gesundheitszustand |
| Leistungen | Identische Leistungen nach Pflegegrad | Identische Leistungen nach Pflegegrad |
| Antragstellung | Bei der Pflegekasse der Krankenkasse | Beim privaten Krankenversicherer |
03 · Schritt für Schritt
So kommst du an Leistungen aus der Pflegeversicherung
Leistungen gibt es nicht automatisch. Du musst sie beantragen und deine Pflegebedürftigkeit nachweisen.
Leistungen aus der Pflegeversicherung erhältst du nur auf Antrag. Bei gesetzlich Versicherten ist die Pflegekasse der Krankenkasse zuständig, privat Versicherte wenden sich an ihren Krankenversicherer. Voraussetzung ist, dass du in den letzten zehn Jahren vor Antragstellung mindestens zwei Jahre eingezahlt hast oder familienversichert warst.
Nach der Antragstellung prüft ein Gutachter deine Selbstständigkeit im Alltag. Bei gesetzlich Versicherten übernimmt das der Medizinische Dienst (MD), bei privat Versicherten die Firma Medicproof. Auf Basis dieses Gutachtens wirst du in einen Pflegegrad von 1 bis 5 eingestuft.
Geld gibt es erst, wenn du länger als sechs Monate auf Unterstützung angewiesen bist. Bei kurzfristigem Hilfebedarf nach einem Unfall oder einer Krankheit sind die Krankenkasse, der private Krankenversicherer oder die Unfallkasse zuständig.
Antrag stellen
Stelle den Antrag bei deiner Pflegekasse oder deinem privaten Krankenversicherer.
Begutachtung
Der Medizinische Dienst (MD) oder Medicproof prüft deine Selbstständigkeit im Alltag.
Pflegegrad erhalten
Auf Basis des Gutachtens wirst du in einen Pflegegrad von 1 bis 5 eingestuft.
Leistungen abrufen
Mit dem Pflegegrad kannst du Geld- oder Sachleistungen für die häusliche oder stationäre Pflege nutzen.
04 · Was gilt
Was zahlt die Pflegeversicherung bei häuslicher Pflege?
Die meisten Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Die Pflegeversicherung unterstützt mit Pflegegeld, Pflegesachleistungen und weiteren Hilfen.
Die Pflegeversicherung unterstützt diese Form der Pflege mit verschiedenen Leistungen, die je nach Pflegegrad unterschiedlich hoch ausfallen. Du kannst zwischen Geld- und Sachleistungen wählen oder beide kombinieren.
Pflegegeld erhältst du, wenn du die Pflege selbst organisierst, zum Beispiel durch Angehörige. Pflegesachleistungen werden für einen ambulanten Pflegedienst gezahlt. Zusätzlich gibt es Leistungen für Verhinderungspflege, wenn die Pflegeperson Urlaub macht oder krank ist, sowie für Kurzzeitpflege nach einem Krankenhausaufenthalt.
Für den Umbau der Wohnung zahlt die Pflegeversicherung einen Zuschuss. Die vollständigen Kosten eines ambulanten Pflegedienstes übernimmt sie jedoch nicht. Auch haushaltsnahe Dienstleistungen ohne Pflegebezug musst du selbst bezahlen.
Wird bezuschusst
Zahlst du selbst
05 · Kosten
Die Versorgungslücke: So hoch ist dein Eigenanteil im Pflegeheim
Die Kosten für ein Pflegeheim steigen. Die Pflegeversicherung zahlt nur einen festen Zuschuss, den Rest trägst du selbst.
Die Kosten für ein Pflegeheim steigen seit Jahren. Die Pflegeversicherung zahlt nur einen festen Zuschuss, der sich nach dem Pflegegrad richtet. Den Rest des Heimentgelts trägst du selbst, zusätzlich zu den Kosten für Unterkunft und Verpflegung.
Der Eigenanteil variiert je nach Bundesland, Einrichtung und Pflegegrad. Er liegt häufig zwischen 2.000 und 3.000 Euro im Monat. Mit zunehmender Pflegedauer steigt er oft an, weil die Pflegekassen ihre Zuschüsse nicht im gleichen Maß erhöhen wie die Heime ihre Preise.
14 Prozent der Pflegebedürftigen werden in Pflegeheimen betreut. Für sie und ihre Angehörigen ist die finanzielle Belastung besonders hoch. Eine private Pflegezusatzversicherung kann diesen Eigenanteil abfedern.
06 · Hintergrund
Pflegetagegeldversicherung: Flexible Leistung für alle Pflegegrade
Die Pflegetagegeldversicherung ist die beliebteste Form der privaten Pflegezusatzversicherung. Sie zahlt bei Pflegebedürftigkeit ein festes Tagegeld.
Sie zahlt bei Pflegebedürftigkeit ein festes Tagegeld, dessen Höhe vom vereinbarten Tarif und dem festgestellten Pflegegrad abhängt. Je höher der Pflegegrad, desto höher fällt die tägliche Leistung aus.
Über das Geld kannst du frei verfügen. Du kannst damit professionelle Pflege bezahlen, Angehörige für ihre Unterstützung entschädigen oder laufende Kosten decken. Anders als bei einer Pflegekostenversicherung musst du keine Rechnungen einreichen.
Gute Tarife leisten bereits ab Pflegegrad 1 oder 2. Achte bei der Auswahl darauf, dass die Auszahlung in den häufigen Pflegegraden 2 und 3 angemessen hoch ist. Die Pflege durch Angehörige spielt vor allem in den unteren Pflegegraden eine große Rolle.
Die Höhe des Tagegelds hängt vom vereinbarten Tarif und dem festgestellten Pflegegrad ab. Je höher der Pflegegrad, desto höher fällt die tägliche Leistung aus.
Über das Geld kannst du frei verfügen. Du kannst damit professionelle Pflege bezahlen, Angehörige entschädigen oder deinen Lebensunterhalt sichern.
Anders als bei einer Pflegekostenversicherung musst du keine Rechnungen einreichen. Das macht die Pflegetagegeldversicherung besonders flexibel.
07 · Checkliste
Checkliste: Worauf du beim Test von Pflegeversicherungen achten solltest
Nicht jeder Tarif leistet in jedem Pflegegrad. Prüfe die Bedingungen genau, bevor du dich entscheidest.
Ein guter Pflegetarif zeichnet sich durch mehrere Merkmale aus. Prüfe die Bedingungen genau, bevor du dich entscheidest. Die folgenden Kriterien helfen dir, leistungsstarke von schwachen Tarifen zu unterscheiden.
- Der Tarif leistet bereits ab Pflegegrad 1 oder 2 und nicht erst ab Pflegegrad 3 oder 4.
- Die Höhe des Tagegelds ist in den häufigen Pflegegraden 2 und 3 angemessen.
- Der Tarif zahlt auch bei Pflege durch Angehörige und nicht nur bei professioneller Pflege.
- Eine Beitragsbefreiung im Pflegefall ist vorgesehen, damit du während der Pflege keine Beiträge mehr zahlen musst.
- Der Versicherer bildet Alterungsrückstellungen, um die Beiträge im Alter stabil zu halten.
- Die finanzielle Stabilität und der Kundenservice des Anbieters sind solide.
Kriterien für einen guten Pflegetarif
Leistung bereits ab Pflegegrad 1 oder 2
Angemessene Höhe des Tagegelds in den häufigen Pflegegraden 2 und 3
Leistung auch bei Pflege durch Angehörige
Beitragsbefreiung im Pflegefall
Bildung von Alterungsrückstellungen für stabile Beiträge
Finanzielle Stabilität des Versicherers
08 · Fehler vermeiden
Typische Fehler beim Abschluss einer Pflegezusatzversicherung
Ein voreiliger Abschluss kann dazu führen, dass du im Pflegefall nicht die erhoffte Leistung erhältst.
Viele Verbraucher achten nur auf den Preis und übersehen dabei Leistungslücken in niedrigen Pflegegraden. Gerade dort ist die Wahrscheinlichkeit einer Pflegebedürftigkeit jedoch hoch.
Ein Tarif, der erst ab Pflegegrad 3 oder 4 leistet, nützt dir bei einer leichten oder mittleren Beeinträchtigung nichts. Auch unvollständige Angaben bei den Gesundheitsfragen im Antrag können später zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.
Kündige einen bestehenden Vertrag nicht vorschnell, ohne die neuen Bedingungen genau zu prüfen. Eine Pflegeversicherung wird in der Regel über viele Jahre gehalten, bevor der Versicherungsfall eintritt. Ein Wechsel kann sich lohnen, ist aber immer mit einem erneuten Gesundheitscheck verbunden.
Diese Fehler solltest du vermeiden
09 · Hintergrund
Private Pflegeversicherung: Lohnt sich der Abschluss?
Eine private Pflegezusatzversicherung ist nicht für jeden sinnvoll. Entscheidend sind dein Einkommen, dein Vermögen und deine familiäre Situation.
Ob eine private Pflegezusatzversicherung für dich sinnvoll ist, hängt von deiner finanziellen Situation ab. Für Menschen mit geringem Einkommen und wenig Vermögen kann die private Vorsorge eine hohe Belastung darstellen. Im Pflegefall übernimmt dann oft das Sozialamt die Kosten.
Für Gutverdiener und Vermögende ist die private Pflegeversicherung eine sinnvolle Ergänzung. Sie schützt das Ersparte und verhindert, dass Angehörige finanziell einspringen müssen. Das Risiko eines Pflegebedarfs steigt mit dem Alter deutlich an: Bei den über 90-Jährigen sind 87 Prozent auf Unterstützung angewiesen.
Je jünger du beim Abschluss bist, desto niedriger ist der Beitrag. Mit zunehmendem Alter steigen die Kosten für den gleichen Schutz deutlich an. Ein früher Abschluss kann sich daher lohnen, auch wenn der Pflegefall noch weit entfernt scheint.
Für Menschen mit geringem Einkommen und wenig Vermögen kann die private Vorsorge eine hohe finanzielle Belastung darstellen. Im Pflegefall übernimmt dann oft das Sozialamt die Kosten.
Für Gutverdiener und Vermögende ist die private Pflegeversicherung eine sinnvolle Ergänzung, um das Ersparte zu schützen und Angehörige nicht zu belasten.
Je jünger du beim Abschluss bist, desto niedriger ist der Beitrag. Mit zunehmendem Alter steigen die Kosten für den gleichen Schutz deutlich an.
10 · Was gilt
Pflegegrade: So wird deine Pflegebedürftigkeit eingestuft
Die Einstufung in einen Pflegegrad entscheidet über die Höhe aller Leistungen. Sie erfolgt nach einem Punktesystem im Begutachtungsverfahren.
Der Medizinische Dienst oder Medicproof bewertet dabei deine Selbstständigkeit in verschiedenen Bereichen des Alltags.
Es gibt fünf Pflegegrade. Pflegegrad 1 bedeutet eine geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, Pflegegrad 2 eine erhebliche. Pflegegrad 3 steht für eine schwere Beeinträchtigung, Pflegegrad 4 für eine schwerste. Pflegegrad 5 beschreibt eine schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die Pflege.
Je höher der Pflegegrad, desto höher fallen die Leistungen der Pflegeversicherung aus. Die Begutachtung ist der entscheidende Schritt, um überhaupt Leistungen zu erhalten. Bereite dich darauf vor, indem du deinen Hilfebedarf im Alltag genau dokumentierst.
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