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Grundfähigkeits­versicherung: Erfahrungen mit der Alternative zur BU

Die Grundfähigkeits­versicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn du bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten verlierst. Sie ist oft günstiger als eine Berufsunfähigkeits­versicherung, schützt dich aber auch deutlich weniger.

10 Kapitel · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026

Das Wichtigste

  • Die Grundfähigkeitsversicherung leistet unabhängig davon, ob du deinen Beruf noch ausüben kannst.
  • Sie eignet sich vor allem für Menschen in körperlichen Berufen, die keine bezahlbare BU bekommen.
  • Psychische Erkrankungen sind nur über Zusatzbausteine oder sehr schwere Diagnosen abgesichert.
  • Für Kinder kann sie als Einstieg dienen, um später ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine BU zu wechseln.

01 · Grundlagen

Was ist eine Grundfähigkeits­versicherung?

Die Grundfähigkeitsversicherung sichert dich gegen die finanziellen Folgen ab, die entstehen, wenn du elementare Fähigkeiten wie Sehen, Sprechen oder den Gebrauch deiner Hände verlierst. Anders als bei der BU ist es unerheblich, ob du weiterhin arbeiten kannst.

Der Versicherer definiert in seinem Fähigkeitenkatalog genau, welche körperlichen oder geistigen Fähigkeiten abgesichert sind. Du erhältst die Leistung nur, wenn du eine dieser konkret genannten Fähigkeiten verlierst, nicht schon bei einer allgemeinen Einschränkung im Alltag. Der Verlust muss durch ein ärztliches Gutachten nachgewiesen werden.

Für die Leistung ist es unerheblich, ob du weiterhin arbeiten kannst oder nicht. Entscheidend ist allein der medizinisch bestätigte Verlust der versicherten Fähigkeit. Eine zumutbare Heilbehandlung darf den Verlust nicht beheben können, sonst entfällt die Zahlung.

Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn du eine versicherte Fähigkeit infolge von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall verlierst.

Kurz erklärt

Grundfähigkeits­versicherung

Eine Versicherung, die eine monatliche Rente zahlt, wenn du bestimmte körperliche oder geistige Grundfähigkeiten infolge von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall verlierst.

Der Verlust der Fähigkeit muss durch ein ärztliches Gutachten nachgewiesen werden und darf nicht durch eine zumutbare Heilbehandlung behebbar sein.

02 · Was gilt

Welche Grundfähigkeiten sind versichert?

Der Fähigkeitenkatalog unterscheidet sich je nach Tarif. Während elementare Fähigkeiten wie Hören oder Stehen fast immer enthalten sind, bieten viele Versicherer auch berufsspezifische Tätigkeiten oder psychische Erkrankungen als Zusatzbausteine an.

Fast alle Tarife sichern elementare Fähigkeiten wie Sehen, Sprechen, Hören, Gehen, Stehen, Sitzen und den Gebrauch einer Hand ab. Auch Greifen und Halten, Treppensteigen, Gleichgewicht halten sowie Herz- und Lungenfunktion gehören häufig zum Grundschutz. Pflegebedürftigkeit ist bei vielen Anbietern ebenfalls enthalten, wobei die genaue Pflegestufe im Vertrag festgelegt wird.

Darüber hinaus bieten viele Versicherer berufsspezifische Tätigkeiten als Zusatzbausteine an. Dazu zählen etwa Bildschirmarbeit, das Bedienen einer Tastatur, Autofahren oder Fahrradfahren. Diese Bausteine erhöhen den Beitrag, können für deinen Beruf aber entscheidend sein.

Psychische Erkrankungen sind in der Grundfähigkeitsversicherung oft nur eingeschränkt abgesichert. Versichert sind in der Regel nur sehr schwere Fälle wie Schizophrenie, Demenz oder schwere Depressionen. Für eine umfassendere Absicherung der Psyche benötigst du meist einen gesonderten Zusatzbaustein.

Häufig versichert

·Sehen
·Sprechen
·Hören
·Gebrauch einer Hand
·Greifen und Halten
·Gehen
·Treppensteigen
·Stehen
·Sitzen
·Gleichgewicht halten
·Herz- und Lungenfunktion
·Pflegebedürftigkeit

Oft nur als Zusatzbaustein

·Riechen und Schmecken
·Bildschirmarbeit
·Tastatur bedienen
·Autofahren
·Fahrradfahren
·Schwere Depressionen
·Schizophrenie
·Demenz
·Erwerbsminderung aufgrund psychischer Erkrankungen

03 · Vergleich

Grundfähigkeits­versicherung oder Berufsunfähigkeits­versicherung?

Die BU leistet, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt dagegen nur bei Verlust einer konkret definierten Fähigkeit, unabhängig von deiner Arbeitsfähigkeit.

Dieser Unterschied ist der Kern beider Versicherungen.

Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit. In der BU sind sie umfassend abgesichert, in der Grundfähigkeitsversicherung dagegen nur in sehr schweren Fällen oder über Zusatzbausteine. Genau hier liegt die größte Schutzlücke der Grundfähigkeitsversicherung.

In körperlichen Berufen ist die Grundfähigkeitsversicherung meist deutlich günstiger als eine BU. Ein Dachdecker zahlt für 1.500 Euro Rente bis 65 oft nur rund 63 Euro im Monat, während die BU etwa 263 Euro kostet. Bei überwiegend nicht körperlichen Tätigkeiten wie einem Bauingenieur liegen beide Beiträge mit etwa 48 bis 49 Euro nahezu gleichauf.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Grundfähigkeits­versicherungBerufsunfähigkeits­versicherung
Leistungs­auslöserVerlust einer definierten GrundfähigkeitBerufsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf
ArbeitsfähigkeitUnabhängig davon, ob du weiter arbeiten kannstMuss eingeschränkt sein
Psychische ErkrankungenNur sehr schwere Fälle oder über ZusatzbausteineHäufigste Ursache für Leistungsfälle, umfassend abgesichert
BeitragshöheMeist deutlich günstiger, besonders in körperlichen BerufenIn körperlichen Berufen oft sehr teuer
SchutzumfangGeringer, da nur bestimmte Fähigkeiten abgesichert sindHöher, da jede Ursache für Berufsunfähigkeit zählt

04 · Schritt für Schritt

Wann zahlt die Grundfähigkeits­versicherung?

Die Leistung setzt voraus, dass du eine versicherte Fähigkeit infolge von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall verloren hast. Ein ärztlicher Nachweis ist erforderlich, und der Verlust darf nicht durch eine zumutbare Heilbehandlung behebbar sein.

Ein ärztliches Gutachten muss den Verlust bestätigen. Ohne diesen Nachweis zahlt die Versicherung nicht.

Der Verlust darf nicht durch eine zumutbare Heilbehandlung behebbar sein. Ist eine Operation oder Therapie möglich und zumutbar, entfällt die Leistung. Die Versicherung zahlt die vereinbarte monatliche Rente in der Regel bis zum Ende der Versicherungsdauer, bei entsprechendem Vertrag auch lebenslang.

Die Rente wird unabhängig davon gezahlt, ob du weiterhin arbeiten kannst. Es kommt allein auf den Verlust der versicherten Fähigkeit an, nicht auf deine berufliche Situation.

01

Verlust einer versicherten Fähigkeit

Du verlierst eine im Vertrag definierte Grundfähigkeit wie Sehen, Gehen oder den Gebrauch einer Hand.

02

Ärztlicher Nachweis

Ein medizinisches Gutachten bestätigt den Verlust der Fähigkeit. Ohne diesen Nachweis zahlt die Versicherung nicht.

03

Keine zumutbare Heilbehandlung

Der Verlust darf nicht durch eine zumutbare Behandlung behebbar sein. Ist eine Operation oder Therapie möglich, entfällt die Leistung.

04

Monatliche Rente

Die Versicherung zahlt die vereinbarte Rente aus, in der Regel bis zum Ende der Versicherungsdauer oder lebenslang, falls vereinbart.

05 · Kosten

Was kostet eine Grundfähigkeits­versicherung?

Die Beiträge hängen von deinem Alter, deinem Beruf, der Rentenhöhe und dem Umfang der versicherten Fähigkeiten ab. In körperlichen Berufen ist die Grundfähigkeitsversicherung oft erheblich günstiger als eine BU.

Der Unterschied kann mehrere hundert Euro im Monat betragen.

Für einen 37-jährigen Dachdecker mit 1.500 Euro Rente bis 65 kostet die Grundfähigkeitsversicherung etwa 63 Euro im Monat, die BU dagegen rund 263 Euro. Bei einem Bauingenieur gleichen Alters liegen beide Beiträge mit etwa 48 bis 49 Euro nahezu gleichauf. Die Ersparnis ist also vor allem in körperlich anstrengenden Berufen groß.

Je mehr Fähigkeiten und Zusatzbausteine du versicherst, desto höher fällt der Beitrag aus. Versichere daher nur Fähigkeiten, die du für deinen Beruf tatsächlich brauchst.

Monatliche Beiträge im Vergleich für einen 37-jährigen Mann, 1.500 Euro Rente, bis 65

Dachdecker: BU263 EUR
Dachdecker: Grundfähigkeitsversicherung63 EUR
Bauingenieur: BU49 EUR
Bauingenieur: Grundfähigkeitsversicherung48 EUR

06 · Im Vertrag

Gesundheits­fragen und Gesundheits­prüfung

Vor Abschluss musst du Gesundheitsfragen beantworten. Die Versicherer prüfen deinen Gesundheitszustand, um das Risiko einzuschätzen. Bei Vorerkrankungen kann der Antrag abgelehnt oder mit Risikozuschlägen versehen werden.

Vor Abschluss musst du Gesundheitsfragen beantworten. Die Versicherer prüfen deinen Gesundheitszustand, um das Risiko einzuschätzen. Falsche Angaben können zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

Angeborene Krankheiten sind in der Regel nicht versichert, da der Schutz frühestens ab einem Alter von sechs Monaten beginnt. Bei Vorerkrankungen kann der Antrag abgelehnt oder mit Risikozuschlägen versehen werden.

Bei Kindern kann die Grundfähigkeitsversicherung später oft ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine BU umgewandelt werden. Dieser Vorteil ist ein zentrales Argument für den Abschluss in jungen Jahren.

Wichtige Aspekte der Gesundheitsprüfung

GesundheitsfragenAntragDu musst Angaben zu bestehenden Erkrankungen, Behandlungen und Beschwerden machen. Falsche Angaben können zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.
Angeborene KrankheitenAusschlussAngeborene Krankheiten sind in der Regel nicht versichert, da der Schutz frühestens ab einem Alter von sechs Monaten beginnt.
Umwandlung in BUOptionBei Kindern kann die Grundfähigkeitsversicherung später oft ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine BU umgewandelt werden.

07 · Checkliste

Für wen lohnt sich die Grundfähigkeits­versicherung?

Die Grundfähigkeitsversicherung ist vor allem für Menschen interessant, die in körperlich anstrengenden Berufen arbeiten und für die eine BU sehr teuer wäre. Auch für Kinder kann sie als Einstieg in die Absicherung sinnvoll sein.

Für Menschen mit Vorerkrankungen, die von der BU abgelehnt wurden, ist sie oft die einzige verfügbare Alternative.

Wenn du überwiegend nicht körperlich arbeitest, bist du mit einer BU in der Regel besser bedient. Der Schutzumfang ist höher, und die Beiträge unterscheiden sich in diesen Berufen kaum.

  • Handwerker und körperlich tätige Menschen, die keine bezahlbare BU bekommen
  • Menschen mit Vorerkrankungen, die von der BU abgelehnt wurden
  • Eltern, die ihre Kinder früh absichern und später in eine BU umwandeln möchten
  • Menschen, die nur bestimmte körperliche Risiken absichern wollen

Diese Personengruppen profitieren am ehesten

01

Handwerker und körperlich tätige Menschen, die keine bezahlbare BU bekommen

02

Menschen mit Vorerkrankungen, die von der BU abgelehnt wurden

03

Eltern, die ihre Kinder früh absichern und später in eine BU umwandeln möchten

04

Menschen, die nur bestimmte körperliche Risiken absichern wollen

08 · Fehler vermeiden

Typische Fehler bei der Grundfähigkeits­versicherung

Viele Menschen überschätzen den Schutz einer Grundfähigkeitsversicherung. Sie ist keine gleichwertige Alternative zur BU und deckt psychische Erkrankungen nur unzureichend ab.

Wer sie als vollwertigen Ersatz betrachtet, riskiert eine gefährliche Schutzlücke.

Ein weiterer Fehler ist es, zu viele Fähigkeiten zu versichern, die du für deinen Beruf nicht brauchst. Das treibt den Beitrag unnötig in die Höhe. Auch eine zu niedrige Rentenhöhe kann im Leistungsfall zum Problem werden.

Setze die Rente auf mindestens 80 Prozent deines Nettoeinkommens. Prüfe außerdem die Bedingungen zu psychischen Erkrankungen genau, bevor du dich für einen Tarif entscheidest.

Diese Fehler solltest du vermeiden

·Die Grundfähigkeitsversicherung als vollwertigen Ersatz für eine BU zu betrachten
·Zu viele Fähigkeiten zu versichern, die du für deinen Beruf nicht brauchst
·Die Rentenhöhe zu niedrig anzusetzen, sodass sie im Leistungsfall nicht ausreicht
·Die Bedingungen zu psychischen Erkrankungen nicht zu prüfen
·Auf eine Beratung zu verzichten und den Tarif nicht zu vergleichen

09 · Hintergrund

Grundfähigkeits­versicherung für Kinder

Für Kinder kann die Grundfähigkeitsversicherung ein sinnvoller Einstieg sein, weil sie oft schon ab einem Alter von sechs Monaten abgeschlossen werden kann. Der große Vorteil liegt in der späteren Umwandlung in eine BU ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Die meisten Berufsunfähigkeitsversicherungen kannst du für dein Kind erst ab einem Alter von zehn Jahren abschließen. Mit einer Grundfähigkeitsversicherung schützt du dein Kind schon deutlich früher, bei einigen Versicherern bereits ab sechs Monaten. Passiert deinem Kind etwas, erhältst du in der Regel eine monatliche Rente oder eine Einmalzahlung.

Der entscheidende Vorteil liegt in der Zukunft: Du kannst die Grundfähigkeitsversicherung als Anwartschaft auf eine BU betrachten. Dein Kind bekommt später leichter eine BU und ist damit das gesamte Berufsleben abgesichert. Du nutzt den guten Gesundheitszustand des Kindes, denn die Umwandlung erfolgt in der Regel ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Ein großer Nachteil ist, dass du jahrelang gegen unwahrscheinliche Risiken versicherst. Die meisten Schwerbehinderungen gehen auf angeborene Krankheiten zurück, und die sind nie Teil des Schutzes.

Die meisten Berufsunfähigkeitsversicherungen kannst du für dein Kind erst ab einem Alter von zehn Jahren abschließen. Mit einer Grundfähigkeitsversicherung schützt du dein Kind schon deutlich früher, bei einigen Versicherern bereits ab sechs Monaten.

Passiert deinem Kind etwas, erhältst du in der Regel eine monatliche Rente oder eine Einmalzahlung. Letztere wird oft gezahlt, wenn das Kind vor dem dritten Lebensjahr eine Fähigkeit verliert.

Der entscheidende Vorteil liegt in der Zukunft: Du kannst die Grundfähigkeitsversicherung als Anwartschaft auf eine BU betrachten. Dein Kind bekommt später leichter eine BU und ist damit das gesamte Berufsleben abgesichert, ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Ein Nachteil ist, dass du zunächst jahrelang gegen unwahrscheinliche Risiken versicherst. Die meisten Schwerbehinderungen gehen auf angeborene Krankheiten zurück, und die sind nie Teil des Schutzes.

10 · Checkliste

Beratung und Tarifvergleich

Die Bedingungen der Grundfähigkeitsversicherung unterscheiden sich je nach Anbieter erheblich. Eine unabhängige Beratung hilft dir, den Tarif zu finden, der zu deinem Beruf und deiner Lebenssituation passt.

Vergleiche nicht nur die Preise, sondern vor allem die versicherten Fähigkeiten und die Bedingungen für psychische Erkrankungen.

Versichere nur Fähigkeiten, die du für deinen Beruf tatsächlich brauchst. Prüfe Zusatzbausteine für psychische Erkrankungen und Arbeitsunfähigkeit. Setze die Rente auf mindestens 80 Prozent deines Nettoeinkommens.

Lass dich von einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten, der den Markt kennt und dir die Unterschiede erklärt. Eine gute Beratung ist bei der Grundfähigkeitsversicherung besonders wichtig, weil die Bedingungen komplex sind.

Darauf solltest du bei der Auswahl achten

01

Versichere nur Fähigkeiten, die du für deinen Beruf tatsächlich brauchst

02

Prüfe Zusatzbausteine für psychische Erkrankungen und Arbeitsunfähigkeit

03

Setze die Rente auf mindestens 80 Prozent deines Nettoeinkommens

04

Vergleiche die Bedingungen mehrerer Anbieter, nicht nur die Preise

05

Lass dich von einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten

Häufige Fragen

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FinanzredaktionAktualisiert am 07.10.2026