Vermoegenswirksame Leistungen: Dein kostenloser Einstieg ins Sparen
Du hast ein Recht auf VL, wenn dein Arbeitgeber sie zahlt. Wir erklaeren dir, wie das System funktioniert, was es dir bringt und wie du in nur 5 Schritten startest.
Warum dich das Thema betrifft: Dein Gehalt ist mehr als der Nettolohn
Wenn du in Deutschland arbeitest, hast du vielleicht schon einmal den Begriff 'vermögenswirksame Leistungen' gehoert. Oft taucht er im Arbeitsvertrag oder in der Gehaltsabrechnung auf. Viele ignorieren ihn, weil er kompliziert klingt. Doch genau hier liegt oft Geld auf der Strasse, das du dir nicht entgehen lassen solltest. Es ist kein Geheimnis, sondern ein simpler Mechanismus, der dir hilft, Vermoegen aufzubauen, ohne dass du dafuer auf dein normales Gehalt verzichten musst.
Der Kern ist einfach: Dein Arbeitgeber zahlt einen Teil deines Lohns nicht auf dein Konto, sondern direkt in eine Sparanlage. Das kann ein Bausparvertrag, ein Aktienfonds oder ein Banksparplan sein. Dieses Geld ist nicht weg, es arbeitet fuer dich. Der grosse Vorteil: Der Arbeitgeber-Zuschuss ist fuer dich oft steuer- und sozialabgabenfrei. Das heisst, du bekommst mehr Wert, als wenn du das Geld brutto ausbezahlt bekommen und dann selbst versteuern muesstest.
Viele junge Menschen und auch Berufserfahrene lassen dieses Geld liegen, weil sie nicht wissen, wie sie es beantragen oder anlegen sollen. Dabei ist der Einstieg heute einfacher denn je. Du brauchst nur einen passenden Vertrag und musst deinem Arbeitgeber mitteilen, wohin er das Geld ueberweisen soll. Der Rest passiert automatisch. Genau deshalb lohnt es sich, jetzt zu verstehen, wie das System funktioniert.
Stell dir vor, du bekommst jeden Monat einen kleinen Betrag geschenkt, der ueber Jahre hinweg anwaechst. Genau das ist die Idee dahinter. Es ist ein Anreiz, schon mit kleinen Betraegen den Grundstein fuer ein spaeteres Vermoegen zu legen. In den naechsten Abschnitten zeigen wir dir, wie du diesen Vorteil konkret nutzt.
Die Grundlagen: Was sind vermoeggenswirksame Leistungen genau?
Vermoegenswirksame Leistungen, oft einfach VL oder VWL genannt, sind eine Sonderzahlung deines Arbeitgebers. Diese Zahlung ist zweckgebunden. Das bedeutet, sie darf nicht einfach auf dein Girokonto fliessen, sondern muss in eine staatlich gefoerderte Anlageform investiert werden. Der Gesetzgeber hat diese Anlageformen im Vermoegensbildungsgesetz festgelegt. Dazu gehoeren unter anderem Bausparvertraege, Aktienfonds, Banksparplaene oder auch die Tilgung eines Immobilienkredits.
Der Clou an der Sache: Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, VL zu zahlen. Es sei denn, es gibt einen Tarifvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder eine Regelung in deinem Arbeitsvertrag. In vielen Branchen, zum Beispiel im oeffentlichen Dienst oder in der Metall- und Elektroindustrie, ist die Zahlung von VL Standard. Schaue also unbedingt in deinen Vertrag oder frage deine Personalabteilung. Wenn du keinen Anspruch hast, kannst du trotzdem VL besparen, musst die Beitraege dann aber selbst von deinem Nettolohn zahlen. Das lohnt sich oft wegen der staatlichen Foerderung.
Die staatliche Foerderung ist die sogenannte Arbeitnehmersparzulaage. Diese bekommst du vom Staat obendrauf, wenn dein zu versteuerndes Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt. Die Zulaage gibt es nur, wenn du in einen gefoerderten Vertrag einzahlst. Fuer einen Bausparvertrag ist die Foerderung hoeher als fuer einen Fondssparplan. Der Staat belohnt also das langfristige Sparen mit einem Bonus, den du dir nicht entgehen lassen solltest.
Es gibt eine Mindestlaufzeit fuer VL-Vertraege, meist sieben Jahre. Waehrend dieser Zeit ist dein Geld gebunden. Danach kannst du frei darueber verfuegen. Diese Sperrfrist soll sicherstellen, dass das Geld wirklich dem Vermoegensaufbau dient und nicht fuer den taeglichen Konsum ausgegeben wird. Das ist ein wichtiger Punkt, den du bei deiner Entscheidung beruecksichtigen solltest.
So funktioniert es: Der Weg vom Gehalt bis zum Vertrag
Der Ablauf ist denkbar einfach und laeuft in den meisten Faellen vollautomatisch ab. Zuerst schliesst du einen VL-faehigen Vertrag ab. Das kann bei einer Bank, einer Bausparkasse oder einer Fondsgesellschaft sein. Du entscheidest dich fuer eine Anlageform und eine monatliche Sparrate. Diese Rate muss nicht hoch sein, oft reichen schon 40 Euro. Du kannst aber auch mehr sparen, wenn du moechtest.
Nach dem Vertragsabschluss bekommst du eine Bescheinigung mit deiner Vertragsnummer und den Bankdaten des Anbieters. Diese Daten gibst du an deine Personalabteilung oder deinen Arbeitgeber weiter. Am besten nutzt du dafuer ein Formular, das du oft direkt bei deinem VL-Anbieter herunterladen kannst. Dein Arbeitgeber traegt dann den vereinbarten Betrag in deine Lohnabrechnung ein.
Ab diesem Zeitpunkt ueberweist dein Arbeitgeber den VL-Betrag direkt an den Anbieter deines Vertrags. Das passiert in der Regel monatlich. Wichtig zu wissen: Wenn dein Arbeitgeber bereits VL zahlt, wird dieser Betrag mit deiner eigenen Sparrate verrechnet. Wenn dein Chef also rund 40 Euro zahlt und du rund 40 Euro sparen willst, musst du selbst nichts mehr zahlen. Wenn dein Chef nur rund 20 Euro zahlt, kannst du die restlichen rund 20 Euro selbst uebernehmen, um auf den hoechstmoeglichen Sparbetrag zu kommen.
Am Ende des Jahres bekommst du von deinem Anbieter eine Bescheinigung ueber deine eingezahlten Beitraege. Diese reichst du mit deiner Steuererklaerung beim Finanzamt ein, um die Arbeitnehmersparzulaage zu beantragen. Der Staat ueberweist dir den Bonus dann direkt auf dein Konto oder auf deinen Vertrag. So einfach ist das im Prinzip. Du musst nur den ersten Schritt machen.
Kosten und Gebuehren: Was du beim Sparen beachten solltest
Wie bei jeder Geldanlage gibt es auch bei VL-Vertraegen Kosten, die du im Blick behalten solltest. Die Gebuehren sind jedoch stark abhaengig von der gewaehlten Anlageform. Bei einem Banksparplan fallen haeufig Kontofuehrungsgebuehren an, die aber meist gering sind. Bei Bausparvertraegen gibt es Abschlussgebuehren, die oft ein Prozent der Bausparsumme betragen. Diese werden zu Beginn faellig und koennen die Rendite in den ersten Jahren schmaelern.
Bei Fondssparplaenen zahlst du in der Regel einen Ausgabeaufschlag, wenn du Anteile kaufst. Dieser liegt je nach Fonds und Bank zwischen null und fuenf Prozent. Zudem fallen jaehrliche Verwaltungsgebuehren an, die direkt von der Fondsrendite abgezogen werden. Diese Kosten sind nicht immer offensichtlich, aber sie sind in den Fondsbedingungen aufgefuehrt. Ein Vergleich lohnt sich also, denn die Kosten unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter erheblich.
Ein wichtiger Tipp: Viele Banken und Fondsgesellschaften bieten spezielle VL-Tarife an, die reduziertere Gebuehren haben. Diese sind oft guenstiger als regulaere Sparplaene. Es lohnt sich daher, gezielt nach 'VL-faehigen' Produkten zu suchen. Online-Vergleichsportale koennen dir dabei helfen, die Kosten transparent gegenueberzustellen. Achte darauf, dass du die Gesamtkosten ueber die Laufzeit betrachtest und nicht nur die Abschlussgebuehr.
Grundsaetzlich gilt: Je laenger dein Anlagehorizont ist, desto weniger fallen die einmaligen Kosten ins Gewicht. Bei einer Laufzeit von sieben Jahren und mehr relativieren sich die Gebuehren. Trotzdem solltest du nicht blind den erstbesten Vertrag abschliessen. Ein Vergleich der Konditionen kann dir ueber die Jahre hinweg mehrere hundert Euro sparen. Nimm dir also die Zeit und schaue genau hin.
Worauf du achten solltest: Die Wahl der richtigen Anlageform
Die Wahl der richtigen VL-Anlage haengt von deinen persoenlichen Zielen ab. Wenn du sicher sparen und eine garantierte Verzinsung haben moechtest, ist ein Banksparplan oder ein Bausparvertrag die richtige Wahl. Diese Produkte bieten Planungssicherheit, aber oft nur eine geringe Rendite. Sie eignen sich besonders, wenn du in ein paar Jahren eine Immobilie kaufen oder bauen moechtest, da ein Bausparvertrag dir ein zinsguenstiges Darlehen sichert.
Wenn du eine hoehere Rendite anstrebst und bereit bist, Kursschwankungen zu akzeptieren, sind Aktienfonds oder ETFs eine gute Option. Hier investierst du in einen breiten Markt und profitierst langfristig vom Wirtschaftswachstum. Historisch gesehen sind die Renditen hier hoeher als bei sicheren Anlagen, aber es gibt keine Garantie. Fuer einen langen Anlagezeitraum von sieben Jahren und mehr sind Fonds jedoch eine sehr beliebte Wahl.
Ein entscheidender Punkt ist die staatliche Foerderung. Die Arbeitnehmersparzulaage ist bei Bausparvertraegen deutlich hoeher als bei Fondssparplaenen. Wenn dein Einkommen unter der Grenze liegt, kann ein Bausparvertrag trotz niedrigerer Rendite attraktiver sein, weil der Zuschuss des Staates die Gesamtrendite nach oben treibt. Pruefe also zuerst, ob du ueberhaupt Anspruch auf die Zulaage hast. Das kannst du mit einer einfachen Einkommensprognose feststellen.
Ausserdem solltest du die Flexibilitaet beachten. Manche Vertraege erlauben Sonderzahlungen oder eine vorzeitige Kuendigung, andere nicht. Ueberlege, ob du das Geld in sieben Jahren sicher nicht brauchst. Wenn du dir unsicher bist, waehle ein Produkt mit einer kuendbaren Option. Denke auch daran, dass du den Vertrag nach der Sperrfrist kostenlos weiterfuehren kannst, ohne dass dein Arbeitgeber weiterzahlen muss. Das kann ein Vorteil sein, wenn du langfristig sparen willst.
Typische Fehler: Das solltest du unbedingt vermeiden
Der haeufigste Fehler ist, das Thema VL komplett zu ignorieren. Viele Arbeitnehmer lassen den Zuschuss ihres Chefs einfach verfallen, weil sie keinen Vertrag haben. Das ist bares Geld, das du dir entgehen laesst. Selbst wenn du nur einen kleinen Betrag bekommst, summiert sich das ueber die Jahre. Pruefe also sofort, ob du Anspruch auf VL hast und ob dein Arbeitgeber zahlt.
Ein weiterer Fehler ist, den Vertrag nicht auf die eigene Lebenssituation abzustimmen. Wer zum Beispiel einen Bausparvertrag abschliesst, aber nie eine Immobilie kaufen will, bindet sein Geld unnötig und erzielt oft nur eine magere Rendite. Umgekehrt ist ein Aktienfonds fuer jemanden, der in drei Jahren eine Eigentumswohnung kaufen will, zu riskant, weil die Kurse gerade dann fallen koennten. Ueberlege dir also genau, wofuer du sparst.
Viele vergessen auch, die Arbeitnehmersparzulaage zu beantragen. Die Frist dafuer ist an die Steuererklaerung gekoppelt. Wenn du die Bescheinigung deines Anbieters nicht einreichst, bekommst du den staatlichen Bonus nicht. Das ist besonders aergerlich, weil es sich um geschenktes Geld handelt. Setze dir eine Erinnerung, sobald du deine Steuerunterlagen zusammenstellst.
Zu guter Letzt solltest du nicht den Fehler machen, den Vertrag vor Ablauf der Sperrfrist zu kuendigen. In diesem Fall verlierst du nicht nur die staatliche Foerderung, sondern musst unter Umstaenden auch erhaltene Zulaagen zurueckzahlen. Das kann deine Rendite komplett zunichtemachen. Halte also durch und lasse den Vertrag mindestens sieben Jahre laufen.
Dein Fahrplan: So legst du in 5 Schritten los
Schritt eins: Pruefe deinen Anspruch. Schaue in deinen Arbeitsvertrag oder frage die Personalabteilung, ob dein Arbeitgeber VL zahlt. Wenn ja, wie hoch ist der Betrag? Wenn nein, kannst du trotzdem von den Steuervorteilen profitieren, indem du selbst Geld in einen VL-Vertrag einzahlst. Notiere dir den Betrag, den du monatlich aufbringen kannst.
Schritt zwei: Informiere dich ueber die Anlageformen. Vergleiche Banksparplan, Bausparvertrag und Fondssparplan. Achte auf Kosten, Renditechancen und die staatliche Foerderung. Nutze Online-Rechner, um die Arbeitnehmersparzulaage zu simulieren. So bekommst du ein Gefuehl dafuer, welches Produkt zu dir passt. Ueberlege, ob du ein sicheres oder ein renditeorientiertes Produkt bevorzugst.
Schritt drei: Schliesse den Vertrag ab. Das geht heute komplett online oder in einer Filiale. Du benoetigst dafuer nur deine persoenlichen Daten und deine Steuernummer. Achte darauf, dass es sich um ein VL-faehiges Produkt handelt. Nach dem Abschluss erhaelst du deine Vertragsdaten und die Bankverbindung des Anbieters. Bewahre diese Unterlagen gut auf.
Schritt vier: Reiche die Daten bei deinem Arbeitgeber ein. Nutze dafuer das Formular 'Vermoegenswirksame Leistungen', das du oft direkt beim Anbieter oder im Netz findest. Trage deine Vertragsnummer ein und gib das Formular in der Personalabteilung ab. Dein Arbeitgeber kuemmert sich dann um den Rest. Kontrolliere nach zwei bis drei Monaten deine Gehaltsabrechnung, ob die Zahlung korrekt erfolgt.
Schritt fuenf: Beantrage die Foerderung. Nach dem ersten Jahr bekommst du von deinem Anbieter eine Bescheinigung. Diese legst du deiner Steuererklaerung bei. Das Finanzamt prueft dann, ob du Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulaage hast und ueberweist dir den Bonus. Ab jetzt laeuft alles automatisch. Du musst dich erst in sieben Jahren wieder darum kuemmern, wenn die Sperrfrist endet.
Beantworte 3 Fragen für deine Einschätzung.
Häufige Fragen
Ja, du kannst vermoegenswirksame Leistungen auch alleine besparen. Du zahlst dann den Sparbetrag selbst von deinem Nettolohn ein. Der Vorteil bleibt die staatliche Foerderung, sofern dein Einkommen unter der Grenze liegt.
Dein Vertrag laeuft einfach weiter. Du musst nur deinem neuen Arbeitgeber die Vertragsdaten geben, damit er die Zahlungen uebernehmen kann. Wenn der neue Arbeitgeber keine VL zahlt, kannst du die Beitraege selbst weiterzahlen.
In der Regel nach Ablauf der siebenjaehrigen Sperrfrist. Danach kannst du dir das Geld auszahlen lassen oder den Vertrag weiterfuehren. Bei manchen Produkten, wie Bausparvertraegen, gibt es Sonderregelungen fuer die Wohnungsbau-Praemie.
Nein, du musst sie aktiv beantragen. Das geschieht ueber deine Steuererklaerung. Du musst die Bescheinigung deines VL-Anbieters beifuegen. Wenn du keine Steuererklaerung abgibst, bekommst du die Zulaage nicht.
Das haengt von deinen Zielen ab. Fuer Sicherheit und Immobilienwunsch ist ein Bausparvertrag gut. Fuer hoehere Renditechancen sind ETFs oder Fonds besser. Vergleiche die Konditionen und ueberlege, wie lange du das Geld anlegen willst.
Ja, das ist moeglich, aber dann verlierst du die staatliche Foerderung. Bereits erhaltene Zulaagen musst du zurueckzahlen. Eine vorzeitige Kuendigung lohnt sich also meist nur in Notfaellen.
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