Ratgeber · Investieren
Optionsrechner: So bewertest du Calls und Puts richtig
Ein Optionsrechner ermittelt den theoretischen Preis einer Option aus Basiswert, Basispreis, Restlaufzeit, Volatilität und Zins. Er zeigt dir außerdem, wie stark sich der Preis ändert, wenn sich einer dieser Faktoren bewegt.
9 Kapitel · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert 07.10.2026
Das Wichtigste
- Der Optionspreis besteht aus dem inneren Wert und dem Zeitwert.
- Delta, Gamma, Theta, Vega und Rho messen die Preisreaktion auf einzelne Einflussfaktoren.
- Die implizite Volatilität ist die vom Markt erwartete Schwankungsbreite des Basiswerts.
- Ein Rechner liefert Modellpreise, keine Garantie für den tatsächlichen Marktpreis.
01 · Grundlagen
Was berechnet ein Optionsrechner?
Ein Optionsrechner liefert einen theoretischen Modellpreis für eine Call- oder Put-Option. Grundlage ist meist das Black-Scholes-Modell aus dem Jahr 1973, das für europäische Optionen entwickelt wurde.
Der Rechner zerlegt den theoretischen Preis in zwei Bestandteile: den inneren Wert und den Zeitwert. Der innere Wert entspricht dem Betrag, den du bei sofortiger Ausübung der Option erhalten würdest. Der Zeitwert ist der Aufschlag, den du für die verbleibende Laufzeit und die Chance auf steigende Kurse zahlst.
Zusätzlich zeigt dir ein Optionsrechner die Optionsgriechen an. Diese Kennzahlen beschreiben, wie empfindlich der Optionspreis auf Veränderungen einzelner Faktoren reagiert. So kannst du abschätzen, wie sich deine Position entwickelt, wenn sich der Kurs des Basiswerts bewegt oder die Zeit vergeht.
Der Optionsrechner liefert dir eine Modellrechnung, keine Garantie für den tatsächlichen Handelspreis. Er hilft dir, die Preisbildung zu verstehen und verschiedene Szenarien zu vergleichen.
Kurz erklärt
Optionsrechner
Ein Tool, das aus Kurs des Basiswerts, Basispreis, Restlaufzeit, impliziter Volatilität, risikofreiem Zins und Dividendenrendite einen theoretischen Optionspreis berechnet.
Der Rechner zerlegt den Preis in inneren Wert und Zeitwert und zeigt die Optionsgriechen als Sensitivitätskennzahlen.
02 · Vergleich
Call-Option und Put-Option im direkten Vergleich
Der Rechner unterscheidet zwei Grundtypen: Eine Call-Option gibt dir das Recht zu kaufen, eine Put-Option das Recht zu verkaufen. Beide reagieren unterschiedlich auf Kursänderungen des Basiswerts.
Eine Call-Option gibt dir das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Du profitierst, wenn der Kurs des Basiswerts steigt. Eine Put-Option gibt dir das Recht zu verkaufen. Sie gewinnt an Wert, wenn der Kurs des Basiswerts fällt.
Im Rechner unterscheiden sich die beiden Typen vor allem im Vorzeichen des Deltas. Ein Call hat ein positives Delta, ein Put ein negatives. Das bedeutet: Steigt der Basiswert um einen Euro, steigt der Preis einer Call-Option, während der Preis einer Put-Option fällt.
Der Zeitwert ist bei beiden Optionstypen ähnlich hoch, wenn Restlaufzeit und Volatilität identisch sind. Der Unterschied liegt im inneren Wert und in der Richtung, in die sich der Preis bei Kursänderungen bewegt.
- Ein Call hat einen inneren Wert, wenn der Kurs des Basiswerts über dem Basispreis liegt.
- Ein Put hat einen inneren Wert, wenn der Kurs des Basiswerts unter dem Basispreis liegt.
- Das Delta eines Calls ist positiv, das Delta eines Puts ist negativ.
| Call-Option | Put-Option | |
|---|---|---|
| Recht des Käufers | Basiswert zum Basispreis kaufen | Basiswert zum Basispreis verkaufen |
| Innerer Wert bei Kurs über Basispreis | Positiv | Null |
| Delta bei steigendem Basiswert | Positiv, steigt | Negativ, fällt |
| Zeitwert bei längerer Restlaufzeit | Höher | Höher |
03 · Schritt für Schritt
So setzt sich der Optionspreis zusammen
Der Rechner zeigt dir den Optionspreis als Summe aus innerem Wert und Zeitwert. Der innere Wert ist der Auszahlungsbetrag bei sofortiger Ausübung, der Zeitwert der Aufschlag für die verbleibende Laufzeit.
Der Optionspreis besteht aus zwei Komponenten: dem inneren Wert und dem Zeitwert. Der innere Wert ist der Betrag, den du bei sofortiger Ausübung erhalten würdest. Er kann nicht negativ sein.
Für eine Call-Option berechnest du den inneren Wert als Kurs des Basiswerts minus Basispreis. Für eine Put-Option rechnest du Basispreis minus Kurs des Basiswerts. Liegt das Ergebnis unter null, ist der innere Wert null.
Der Zeitwert ist der Teil des Optionspreises, der über dem inneren Wert liegt. Er sinkt mit abnehmender Restlaufzeit und beträgt am Verfallstag null. Der Rechner gibt beide Komponenten getrennt aus, damit du siehst, welcher Anteil des Preises auf die Restlaufzeit entfällt.
Am Verfallstag entspricht der Optionspreis exakt dem inneren Wert. Der Zeitwert ist dann vollständig abgebaut.
Inneren Wert bestimmen
Bei einer Call-Option rechnest du Kurs des Basiswerts minus Basispreis, mindestens 0. Bei einer Put-Option rechnest du Basispreis minus Kurs des Basiswerts, mindestens 0.
Zeitwert berechnen
Der Zeitwert ist der Teil des Optionspreises, der über dem inneren Wert liegt. Er sinkt mit der Zeit und ist am Verfallstag 0.
Optionspreis zusammensetzen
Der theoretische Optionspreis ergibt sich aus innerem Wert plus Zeitwert. Der Rechner gibt beide Komponenten getrennt aus.
04 · Checkliste
Welche Eingaben der Rechner benötigt
Für eine Berechnung brauchst du sechs Werte. Die implizite Volatilität findest du in Optionsketten deines Brokers oder auf Finanzportalen.
Die meisten davon findest du direkt in deinem Broker-Tool oder auf Finanzportalen. Die implizite Volatilität ist der einzige Wert, den du nicht direkt ablesen kannst, sondern aus der Optionskette übernehmen musst.
Der risikofreie Zinssatz orientiert sich an der Rendite von Staatsanleihen mit ähnlicher Laufzeit. Die Dividendenrendite trägst du nur ein, wenn der Basiswert Dividenden zahlt. Andernfalls setzt du den Wert auf null.
- Optionstyp: Call oder Put
- Kurs des Basiswerts, zum Beispiel der aktuelle Aktienkurs
- Basispreis, auch Strike-Preis oder Ausübungspreis genannt
- Restlaufzeit in Tagen bis zum Verfallsdatum
- Implizite Volatilität in Prozent pro Jahr
- Risikofreier Zinssatz und Dividendenrendite in Prozent
Diese sechs Eingaben gehören in den Rechner
Optionstyp: Call oder Put
Kurs des Basiswerts, zum Beispiel der aktuelle Aktienkurs
Basispreis, auch Strike-Preis oder Ausübungspreis genannt
Restlaufzeit in Tagen bis zum Verfallsdatum
Implizite Volatilität in Prozent pro Jahr
Risikofreier Zinssatz und Dividendenrendite in Prozent
05 · Im Vertrag
Die Optionsgriechen: Was Delta, Gamma, Theta, Vega und Rho bedeuten
Die Optionsgriechen sind Sensitivitätskennzahlen. Sie zeigen, wie sich der Optionspreis näherungsweise ändert, wenn sich genau ein Einflussfaktor bewegt und alle anderen gleich bleiben.
Die Optionsgriechen sind Sensitivitätskennzahlen. Sie zeigen dir, wie sich der Optionspreis näherungsweise ändert, wenn sich genau ein Einflussfaktor bewegt und alle anderen gleich bleiben. Diese Betrachtung nennt man ceteris paribus.
Delta misst die absolute Preisänderung bei einer Bewegung des Basiswerts um eine Geldeinheit. Ein Delta von 0,50 bedeutet: Steigt die Aktie um einen Euro, steigt der Preis der Call-Option um 0,50 Euro. Gamma zeigt, wie stark sich das Delta selbst verändert, wenn der Basiswert steigt.
Theta beziffert den täglichen Wertverlust durch Zeitverfall. Vega zeigt die Reaktion auf eine Änderung der impliziten Volatilität um einen Prozentpunkt. Rho misst die Empfindlichkeit gegenüber einer Zinsänderung um einen Prozentpunkt.
Für Käufer von Optionen ist Theta ein Risiko, für Verkäufer eine Einnahmequelle. Ein hohes Theta bedeutet, dass die Option jeden Tag spürbar an Wert verliert.
Die fünf wichtigsten Kennzahlen im Überblick
06 · Was gilt
Innerer Wert und Zeitwert: Was bei welcher Marktlage zählt
Ob eine Option einen inneren Wert hat, hängt vom Verhältnis zwischen Kurs des Basiswerts und Basispreis ab. Der Zeitwert ist dagegen immer positiv, solange die Restlaufzeit nicht abgelaufen ist.
Liegt der Kurs auf der falschen Seite des Basispreises, ist der innere Wert null. Die Option besteht dann nur noch aus Zeitwert. Das ist typisch für Optionen, die aus dem Geld sind.
Der Zeitwert ist immer positiv, solange die Restlaufzeit nicht abgelaufen ist. Er sinkt mit der Zeit und beträgt am Verfallstag null. Dann entspricht der Optionspreis exakt dem inneren Wert.
- Call-Option: innerer Wert vorhanden, wenn Kurs des Basiswerts über Basispreis liegt
- Put-Option: innerer Wert vorhanden, wenn Kurs des Basiswerts unter Basispreis liegt
- Am Verfallstag: Optionspreis entspricht dem inneren Wert, Zeitwert ist null
Innerer Wert vorhanden
Kein innerer Wert
07 · Fehler vermeiden
Warum der Marktpreis vom Rechnerwert abweichen kann
Der Rechner arbeitet mit vereinfachenden Annahmen. In der Praxis weichen Marktpreise oft vom theoretischen Wert ab, weil die implizite Volatilität je nach Basispreis unterschiedlich hoch ist.
Das Black-Scholes-Modell arbeitet mit vereinfachenden Annahmen. Es gilt für europäische Optionen, die nur am Verfallstag ausgeübt werden können. Amerikanische Optionen, die du vorzeitig ausüben kannst, werden mit diesem Modell nur näherungsweise bewertet.
Das Modell nimmt eine konstante Volatilität über die gesamte Laufzeit an. In der Praxis variiert die implizite Volatilität jedoch je nach Basispreis. Dieses Phänomen wird als Volatility Skew oder Volatility Smile bezeichnet.
Extreme Kursausschläge sind im Modell unterrepräsentiert, weil es eine log-normale Verteilung der Aktienkurse annimmt. Deshalb weichen Marktpreise oft vom theoretischen Wert ab, besonders bei Optionen, die weit aus dem Geld sind.
Der Rechnerwert ist eine Orientierung, kein verbindlicher Handelspreis. Die tatsächliche Preisbildung an der Börse berücksichtigt zusätzliche Faktoren wie Angebot und Nachfrage.
Diese Modellannahmen solltest du kennen
08 · Kosten
Restlaufzeit und Volatilität: Die wichtigsten Preistreiber
Zwei Eingaben haben besonders großen Einfluss auf den Zeitwert: die Restlaufzeit und die implizite Volatilität. Beide wirken direkt auf die Höhe des Zeitwerts.
Je länger die Restlaufzeit, desto höher der Zeitwert, weil mehr Zeit für eine positive Kursentwicklung bleibt.
Die implizite Volatilität misst die erwartete Schwankungsbreite des Basiswerts. Eine höhere Volatilität erhöht den Zeitwert, weil die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass die Option ins Geld läuft.
Eine Option mit 180 Tagen Restlaufzeit hat einen deutlich höheren Zeitwert als eine Option mit 30 Tagen Restlaufzeit. Gleiches gilt für eine Option mit 40 Prozent impliziter Volatilität im Vergleich zu 15 Prozent.
Der Zeitwert sinkt mit abnehmender Restlaufzeit und ist am Verfallstag null. Deshalb verlieren Optionen in den letzten Wochen vor dem Verfall besonders schnell an Wert.
Einfluss auf den Zeitwert einer Option
09 · Hintergrund
So nutzt du den Rechner für deine Optionsstrategie
Der Rechner hilft dir, den Einfluss von Aktienkurs, Zeit, Zins und Volatilität auf den Optionspreis zu verstehen. Du kannst Szenarien simulieren, indem du einzelne Eingaben veränderst.
Wenn du eine Optionsstrategie planst, gibst du zuerst den aktuellen Kurs des Basiswerts und den gewünschten Basispreis ein. Danach wählst du die Restlaufzeit, die zu deiner Strategie passt. Die implizite Volatilität übernimmst du aus der Optionskette deines Brokers.
Ein Vergleichsszenario mit veränderter Volatilität zeigt dir, wie empfindlich der Optionspreis auf diesen Faktor reagiert. So kannst du abschätzen, ob eine Option bei steigender oder fallender Volatilität teurer oder billiger wird.
Die Optionsgriechen helfen dir, das Risiko einer Position einzuschätzen. Ein hohes Theta bedeutet, dass die Option täglich spürbar an Wert verliert. Das ist für Käufer ein Nachteil, für Verkäufer ein Vorteil.
Nutze den Rechner, um Szenarien zu simulieren, bevor du eine Position eröffnest. So verstehst du, wie sich Kursänderungen, Zeitverfall und Volatilität auf dein Ergebnis auswirken.
Wenn du eine Optionsstrategie planst, gibst du zuerst den aktuellen Kurs des Basiswerts und den gewünschten Basispreis ein. Danach wählst du die Restlaufzeit, die zu deiner Strategie passt.
Die implizite Volatilität übernimmst du aus der Optionskette deines Brokers. Ein Vergleichsszenario mit veränderter Volatilität zeigt dir, wie empfindlich der Optionspreis auf diesen Faktor reagiert.
Die Optionsgriechen helfen dir, das Risiko einer Position einzuschätzen. Ein hohes Theta bedeutet zum Beispiel, dass die Option täglich spürbar an Wert verliert, was für Käufer ein Nachteil und für Verkäufer ein Vorteil ist.
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