Diversität Und Gender an der Universität Wien | Karteikarten & Zusammenfassungen

Lernmaterialien für Diversität und Gender an der Universität Wien

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Regretting Motherhood / Regretting Parenthood – ein Tabubruch. Was zeigt Orna Donaths Studie (siehe Zusatztext: Regretting Motherhood: A Sociopolitical Analysis, Orna Donath, 2015), welchen Diskurs hat sie angestoßen? Welche Belastungen werden rund um Elternschaft häufig ausgeblendet?

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Die Studie „Regretting Motherhood“ befasst sich mit Interviews mit 23 israelischen Frauen, die es bereuen Mütter geworden zu sein. Das Fazit war, dass diese Frauen die Mutterschaft bereuen, die Kinder an sich aber nicht. Sie lieben ihre Kinder. Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten würden sie darauf verzichten Kinder zu haben und Mutter zu sein. Hätten sie die Erfahrung, die sie jetzt haben, würden sie sich anders entscheiden und keine Kinder haben wollen. Vor allem im ersten Jahr bedauert man den Verlust. Man verliert sich selbst, die Freiheit, die Kontrolle und besonders verliert man Zeit. Andere Mütter haben es erst nach einigen Jahren oder der zweiten Geburt gemerkt, dass Mutter sein nichts für sie ist. Es gibt mehrere Erklärungen warum es für jede Mutter eine Tortur ist, die sie bereut. Daher kann man es nicht auf eine Sache oder eine Erklärung zurückführen.

In Israel ist der soziale Druck besonders groß Mutter zu werden. Es heißt, dass jede Frau Mutter werden will - oder es zu einem Zeitpunkt ihres Lebens muss! Fertilitätsraten in Israel sind die höchsten der Welt. Die Verpflichtung Mutter zu werden findet sich auch in religiösen Pflichten wieder. Frauen, die es ablehnen Mütter zu werden, wird dies in sozialen Kreisen sehr vorgeworfen. Ihre Menschlichkeit, Weiblichkeit und Glaube werden hinterfragt. 

In westlicheren Ländern hingegen ist dies nicht so drastisch der Fall und der eigene Wille wird mehr akzeptiert. 

Das Bedauern beinhaltet eine subjektive retrospektive Evaluation der Vor- und Nachteile mütterlicher Erfahrungen. Einige der Frauen dieser Studie bestätigten aber, dass es positive Aspekte der Mutterschaft gibt - wie z.B. persönliches Wachstum, herausfordernde Erfahrung, angenehme Momente und das Akzeptiert werden in der israelischen Gesellschaft – ihre generelle Bewertung war allerdings negativ. Die Nachteile überwiegen den Vorteilen. Andere der Mütter sahen überhaupt keine Vorteile der Mutterschaft. 

Die Studie hat ein großes mediales Echo hervorgerufen, auch auf diversen sozialen Netzwerken wie Twitter oder in Zeitungen wie dem Standard wurde darüber berichtet. Dies ist natürlich ein sehr heikles Thema und auch immer noch ein Tabuthema. 

Nach einer Studie aus Deutschland gaben 95% der Befragten an sie lieben ihre Kinder, wobei die Hälfte aller Befragten (52%) Einschränkungen der persönlichen Entfaltung – und 19% der Mütter und 20% der Väter bereuen es generell Kinder bekommen zu haben und würden sich jetzt gegen Kinder entscheiden! 64% beklagen fehlende Betreuungseinrichtungen, was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass 44% der Mütter und 20% der Väter negative Auswirkungen auf die berufliche Karriere sehen! 

Welche sonstigen Belastungen und Kosten können nun also zu dieser Unzufriedenheit beitragen? 

  • Ökonomische Belastung: Es kommt zu einem Einkommensverlust, die Kosten der Kinderbetreuung und Opportunitätskosten (Zeit, die für Kinderbetreuung anfällt, kann nicht zum Geld verdienen genutzt werden). Kinder verringern generell den Wohlstand durch geringere Sparquoten, höhere Konsumquoten - aber geringere Kaufkraft. 25% der Alleinerzieher*innen gelten als ‚working poor‘ = trotz Arbeit unter der Armutsgrenze leben! Ca. €625 pro Monat ,ca. €150.000,- bis zum 18. Geburtstag und ca. 230.000 bis zum Abschluss des Studiums kostet ein Kind laut Schätzungen – wobei die gleichzeitig entstandenen Verdienstentgänge auch beachtlich sind! Familien mit >3 Kindern, sowie Alleinerzieher*innen befinden sich dabei überdurchschnittlich häufig im unteren Einkommensdrittel. - Paare ohne Kinder haben dagegen den höchsten Anteil im oberen Einkommensdrittel. Singles liegen im Einkommen dort, wo Paare mit einem Kind liegen, haben aber weniger finanzielle Probleme.
  • Zeitliche Belastung: Durch Betreuung, Krankheit, Schule, unflexible/traditionelle Arbeitszeiten! Dies wirkt sich auf Hobbies, sportliche Betätigung, Lesen, Freund*innen treffen, berufliches Netzwerken und Partnerschaft/Sex aus. 
  • Psychologische Belastung: Rollenerwartungen im ‚Doing Parents‘ üben Druck auf Eltern aus, genauso wie enttäuschte Hoffnungen, (Versagens-)Ängste, Erziehungsprobleme, Schulprobleme und das Gefühl eingesperrt zu. Dazu kommen auch ‚gesellschaftliche Hürden‘ wie z.B. Verfügbarkeit von Windeltischen (auf der Damen- oder Behindertentoilette?), Rauchergesetzgebung, die Benutzung von öffentliche Verkehrsmitteln und das Schulsysteme (wenn es z.B. auf ca 70 schulfrei Tage - kontra 25 Tage Urlaubsanspruch gibt) 
  • Belastung der Partnerschaft: Es kommt zu mehr partnerschaftliche Konflikten, Anstieg an Depression und zu einer Abnahme ehelicher Zufriedenheit. 
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Diversität als soziales/gesellschaftliches Konstrukt - Schlagwort "Doing Diversity". Definieren Sie, was damit gemeint ist und geben Sie mindestens zwei aussagekräftige aktuelle Beispiele. 

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Doing Diversity beschreibt Diversität als etwas sozial gemachtes, das erst durch Wahrnehmung, Erwartung, Zuschreibung und Verhalten erzeugt wird. Dadurch entstehen Diversitätskategorien, welche das soziale Denken ökonomisieren, dadruch aber auch zu Stereotypen führen können.

Beispiel 1: Kindergartenpädagogen geben Mädchen und Buben verschiedene Spielzeuge. Dadurch verfestigen Sie binäre Geschlechterrollen und scheinbar stereotype Verhaltensweisen werden gefördert. In diese Geschlechterrollen wachsen die Kinder rein und verinnerlichen diese, was später zu Identitätskonflikten führen kann.

Beispiel 2: Das umgangssprachliche Phänomen des "Mansplaining" ist auch ein Beispiel dafür. Dabei nehmen, vorzugsweise bei stereotypisch-männlichen Tätigkeiten, die von einer Frau getätigt werden die Rolle eines hilfsbereiten Mentor ein, der seiner Schülerin ganz selbstlos dabei hilft, die für sie vermutlich besonders schwere Tätigkeit zu meistern. Diese Hilfsbereitschaft fußt allerdings nur auf gesellschaftlich konstruierten Stereotypen, anstatt auf Wissen über individuelle Fähigkeiten der Person.

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Bruce Evan Blaine und Kimberly J. McClure Brenchley (2017) stellen fünf Forderungen an eine psychologische Diversity-Forschung, führen Sie diese aus entlang der Differenzkategorie a) Geschlecht, b) sexuelle Orientierung, c) Generativität/Elternschaft, d) Alter, e) Klasse/Bildung, f) Ethnie und g) Behinderung

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Fünf Forderungen:

1. Wie beeinflusst Diversität menschliche Identität und Verhalten

2. Wie konstruieren Menschen die Diversität ihrer sozialen Umwelt mit (Doing Diversity?)

3. Diversity-Forschung sollte nicht nur einige wenige Diversitätsdimensionen mitdenken

4. DF sollte soziale Ungleichheiten wahrnehmen, aufdecken und mit wissenschaftlichen Zugängen entgegenwirken

5. DF sollte nicht nur die sozialen Ungleichheiten zwischen Diversitätskategorien aufdecken, sondern auch die Ungleichheiten innerhalb und Gleichheiten zwischen Diversitätskategorien


a) Geschlecht

(1) Analyse wie sehr das Verhalten von Menschen und die Interpretation ihrer Identität durch sex/sex-category/gender mitgetragen wird und wie sehr äußere/gesellschaftliche Einflussfaktoren darauf einwirken.

(2) Nachdem Gender als Prozessvariable betrachtet werden muss, passiert dies in Interaktion mit unterschiedlichen Kollektiven, Instanzen oder einzelnen Individuen. Doing Gender ist immer in historische und kulturelle Diskurse eingebettet - so ist beispielsweise der Grad der Emanzipiertheit von Menschen z.B. der sex-category "Frau" von Familie, Kultur, Umfeld, gesellschaftlichen Normen und Erwartungen u.v.m. mitbestimmt.

(3) Geschlecht für sich alleine zu betrachten führt meist zu einer deutlichen Verkürzung der Problematik; eine intersektionale Betrachtung in Zusammenschau mit z.B. elterlicher Generativität, Alter, sozialer Klasse, Ethnizität etc. schärft den Blick für Spannungsfelder und beugt groben Vereinfachungen vor.

(4) Die wissenschaftliche Beschreibung und Aufarbeitung von Ungleichheiten bildet eine Basis auf der gezielte Fördermaßnahmen oder kognitive oder Emotionen adressierende Gegenmaßnahmen ansetzten können.

(5) Wissenschaftliche Diversityforschung aollte sich nicht im Vergleich von binären Kategorien verlieren, sondern vor allem die Varianz innerhalb einer Kategorie beschreiben (z.B. Männlichkeitskonstruktion als vielfältiges Spektrum und nicht nur Fokussierung auf patriarchale Zuschreibungen).


b) Sexuelle Orientierung

(1) Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sexueller Orientierung, deren Variabilität und Fluidität im Laufe des Lebens und inwieweit diese identitätsstiftend ist, sollte eher im Fokus sein, als Unterschiedsforschung entlang vereinfachter Kategorisierungen

(2) Auseinandersetzung mit Sexualität als komplexes Konstrukt innerhalb dessen die sexuelle Orientierung nur einen Teil ausmacht und inwieweit gesellschaftliche, wissenschaftliche, juridische etc. Diskurse hier mitbedingen, was normgerecht ist und was in einer Gesellschaft pathologisiert oder sogar kriminalisisert wird. 

(3) Diversitätsforschung zu sexueller Orientierung sollte die gesamte Bandbreite sexueller Orientierungen inkludieren und intersektionell andere Diversity-Kategorien wie Geschlecherkonstruktionen, Alter, Ethnizität, Klasse, Behinderung u.v.m. mitberücksichtigen.

(4) Eine Frage der DF zu diesem Thema könnte sein, wie sexuelle Orientierung mit dem sozialen Status zusammenhängt und welche Auswirkungen es für ein Individuum haben kann, wenn es nicht "der heterosexuellen Norm" entspricht.

(5) Welche gemeinsamen Erfahrungen haben Menschen unabhängig von deren sexueller Orientierung z.B. im Hinblick auf "Sich verlieben" "Partnerschaftskonflikte" "Wunsch nach erfülltem Sexualleben" etc.


c) Elternschaft/Generativität

(1) Inwieweit hat Elternschaft Einfluss auf Verhalten und Identität von Menschen, ist der Wunsch nach Kindern identitätsstiftend? Welche gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen sind hier mitzudenken. Was bedeutet Elternschaft für Glück, psychische Gesundheit, etc. von Menschen

(2) Anforderungen an Menschen, die generative Verpflichtungen eingehen werden einerseits von außen (Kultur, Gesellschaft, Medien etc.) an diese herangetragen, andererseits unterliegt Elternschaft (was bedeutet es Mutter/Vater zu sein, welche Familienkonzepte sind denkbar) auch einem Bedeutungswandel, der auch von den ProtagonistInnen mitgedacht wird (Doing Elternschaft).

(3) Elternschaft oder deren Abwesenheit muss aber wiederum intersektional mit anderen Diversitätskategorien zusammengedacht werden, wie eben Geschlecht, sexuelle Orientierung, soziale Klasse, Ethnizität u.v.m.

(4) In einem ökonomisierten Gesellschaftssystem bedeuten generative Verpflichtungen eine Einbuße an zeitlicher und örtlicher Flexibilität - was bedeutet also für die einzelnen Individuen die Entscheidung für oder gegen Generativität? Welche Ungleichgewichte resultieren daraus?

(5) Analyse unterschiedlicher Zugänge zu Elternschaft, unterschiedlicher Familienmodelle und damit eine Erweiterung des Fokus über "klassische" Formen hinweg, wären Beispiele für Forschungsansätze in diesem Bereich.


d) Alter

(1) Analyse von Alter als identitätsstiftende Kategorie und inwieweit wird dies von gesellschaftlichen Vorgaben und Normen mitbestimmt; wie wirkt sich der aktuelle Altersdiskurs (egal welcher Lebensabschnitt) auf den Selbstwert, Selbstwirksamkeit etc. aus. 

(2) Inwieweit Alter ein ‚Doing‘ ist, zeigt sich in der täglichen Performanz von Menschen, indem bestimmte Altersnormen erfüllt werden oder versucht wird daraus auszubrechen. Wie geht Gesellschaft mit Alter um, was bedeutet es einer bestimmten Alterskategorie anzugehören, welche de- und präskriptiven Zuschreibungen werden mit bestimmten Altersabschnitten verknüpft? 

(3) Alter ist unbedingt mit anderen Differenzkategorien intersektional zu betrachten, wobei Geschlecht, soziale Klasse, Gesundheit, Behinderung nur einige der offensichtlichen Diversitätskategorien sind, die mitzudenken sind. 

(4) Z.B. Ageism als universeller Diskriminierungsprozess, bei dem Ungleichheiten generiert und Ungleichbehandlung produziert wird (Z.B. das viele studienbezogene Förderungen nur bis zum 25 Lebensjahr verfügbar sind). 

(5) Betrachtungen nur nach kalendarischem Alter sind bieten nur einen verkürzten Blick, welche Einflüsse resultieren aus einem gesunden Lebensstil und kontinuierlichem Input; Betrachtung der interindividuellen Varianz in verschiedenen Altersstufen. 


e) Klasse/Bildung

(1) Analyse wie sehr die Bildung, welche jemand genießt oder die Klasse der eine Person angehört, Einfluss auf die Entwicklung und das Selbstkonzept und die Wahrnehmung u. a. von Chance hat 

(2) Wie konstruiert eine Gesellschaft soziale Klasse, was macht Menschen zu Bildungsverlierer*innen, welche Mechanismen verringern oder fördern soziale Durchlässigkeit? 

(3) Intersektionale Betrachtung von Klassenspezifika in Zusammenschau mit Ethnizität, Geschlecht, Behinderung etc. und Ableitung gezielter Fördermaßnahmen. 

(4) Systematische Analyse von ungleichheitsstiftenden Einflussfaktoren und Entwicklung von Gegenmaßnahmen und Förderkonzepten z.B. Verbesserung der intergenerationalen Mobilität 

(5) Welche Zugänge, Eigenschaften vereinen Menschen aus unterschiedlichen Bildungsschichten; Berücksichtigung von Kompetenzen, die aus nicht-formalen Lernprozessen resultieren. 


f) Ethnie

(1) Analyse von Race/Ethnizitätszuschreibungen (Selbst- und Fremd) im Hinblick auf Selbstwert, Selbstwirksamkeit (z.B. Stereotype-Threat oder Stereotype-Shift); Auswirkung von Mehrfachethnien etc. auf Verhalten/Identität 

(2) Analyse von ‚doing ethnicity‘; welche Selbst- und Fremddarstellungen finden sich im Hinblick auf Race/Ethnie im medialen Diskurs, im wissenschaftlichen Diskurs, etc. welche Änderungen in Fremd- und Selbstbild zeigen sich durch Migrationsprozesse? 

(3) Analyse von Race/Ethnizität in Wechselwirkung mit geographischer Örtlichkeit, Alter, Geschlecht (z.B. Ethnosexismus), Bildung und viele anderen Diversitätskategorien 

(4) Sichtbarmachen von Ungleichheiten entlang von ethnischen Zuschreibungen, Bewusstmachen von wiederkehrenden Mustern /Stereotpyisierungen, Erarbeitung von Kommunikationsstrategien für Politik und Etnscheidungsträger*innen 

(5) Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten zwischen migrierenden/mobilen Menschen in einer globalisierten Welt – was unterscheidet eigentlich berufliche Mobilität von Betterment-Migration. Ideographische Analysen von Asylwerber*innen zur Sichtbarmachung der Diversität within. 


g) Behinderung


(1) Vertiefende Analysen dazu, inwieweit eine Behinderung Teil des Identitäzskonzepts ist bzw., wenn im Laufe des Lebens erworben, wird. Nicht von einer impliziten Selbstverständlichkeit der ‚theory of mourning‘ ausgehen 

(2) Welche Umwelteinflüsse, welche Diskurse führen dazu, dass bestimmte Behinderungen als solche wirkmächtig werden. (Menschen im Rollstuhl werden behindert in Umgebungen, wo es keinen Lift, abgeschrägte Gehsteigkanten etc gibt. Welche diskursiven Zuschreibungen werden medial, umgangssprachlich im Sinne des ‚doing disability‘ verwendet.

(3) Menschen mit Behinderung stellen selbstverständlich ihrerseits eine sehr diverse Gruppe dar und um Blindstellen zu vermeiden sind Aspekte der Behinderung immer intersektional mit andeen Diversitätskategorien (z.B. Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter, soziale Klasse etc.) mitzudenken. 

(4) Welche Alltagshürden gibt es für Menschen mit Behinderung, wie müsste Gesellschaft gestaltet sein, um eine wirkliche Teilhabe zu gewährleisten (Schlagwort: Design for All, völlige Barrierefreiheit). 

(5) Menschen mit Behinderung stellen eine sehr varianzstarke Gruppe dar, deren Diversität Within berückscihtigt werden muss – keine Vereinfachungen!. Auf der anderen Seite sind Aspekte herauszuarbeiten, die Menchen unabhängig von einer Behinderung einen, so sind z.B. für FLIT*-Personen egal gleiche Themen relevant. 


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Welche politischen, sozialen und ideologischen Diskurse lassen sich zu Diversität finden? [Geben Sie zur Beantwortung dieser Frage auch eine kurze Definition von "Diskurs" und gehen Sie dann auf die unterschiedlichen Zugänge ein]

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Diskurs beinhaltet wie über ein gesellschaftlich relevantes Thema gesprochen, gedacht und geforscht wird. Nach Habermas und Foucault geht es dabei besonders um Macht. Diese bestimmt wie über etwas gesprochen wird und wird gleichzeitig durch Diskurse legitimiert.
Im politischen Diskurs zu Diversität geht es meist um historisch benachteiligte Gruppen. Darunter fallen Kategorisierungen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, Ethnizität, Altergruppe, Bildungsniveau und auch Behinderungen. Ein weiterer wichtiger Aspekt im politischen Diskurs, ist die Sichtbarkeit der Gruppierung, denn aufgrund der Sichtbarkeit werden soziale und psychologische Zuschreibungen beeinflusst.

Im sozialen Diversitäts-Diskurs geht es darum, wie Ungleichheit auf Gerechtigkeit und die Entwicklung von Stereotypen wirkt. Es geht darum, ob in einer gerechten Gesellschaft die Zugehörigkeit zu einer diversen Gruppe über die Lebenssituation entscheiden darf/soll. 

Diversität im ideologischen Diskurs stellt verschiedene Differenzauspräungen einer Differenzkategorie hierarisch und wertend gegenüber. Diese Gegenüberstellung ist oft binär, kontroversiell, subjektiv gefärbt und aus der Sicht der eigenen In-Group. Der Umgang mit Diversität als ideologische Größe ist dadurch oft problematisch

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Was macht soziale Kategorisierung zu einer Differenzkategorie? [Definieren Sie soziale Kategorisierung und Differenzkategorie und gehen Sie bei der Beantwortung dieser Frage auch auf die Trias Stereotyp-Vorurteil-Diskriminierung ein.]

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Soziale Kategorien werden zu Differenzkategorien, wenn sich daran In- und Outgroup-Diskurse, stereotype Zuschreibungen, Vorurteile und letztlich Diskriminierungsprozesse entzünden. Durch diese Prozesse kann Ungleichheit und ein Machtgefälle entstehen oder verstärkt werden. Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung stellen dabei drei, sich beeinflussende, Ebenen dar wie uns Differenzkategorien begegnen. Als Stereotype bezeichnen wir die kognitive Ebene, also unser denken gegenüber Mitgliedern einer sozialen Kategorie. Meist erfüllen Stereotype den Zweck einer Vereinfachung um Denken zu ökonomisieren. Das führt zu Verallgemeinerungen und homogener Wahrnehmung von Out-Goups. 

Voruteile sind die affektive Komponente gegenüber Mitgliedern einer Differenzkategorie. Sie können durch Stereotype geprägt werden oder sich umgekehrt durch Stereotype erklären lassen.

Diskriminierung ist die Verhaltenskomponente gegenüber Menschen einer bestimmten Differenzkategorie. Diskriminierendes Verhalten lässt sich in direkte und unmittelbare Diskriminierung unterscheiden. Direkte Diskriminierung richtet sich gegen Mitglieder einer Differenzkategorie, während unmittelbare Diskriminierung dann vorliegt, wenn vorgeblich faire Regelungen letztlich Mitglieder bestimmter Gruppierungen diskriminieren.

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Welche historischen, kulturellen, politischen, etc. Ursachen fallen Ihnen ein, dass Gender, Race, Class und sexuelle Orientierung besonders häufig thematisierte Differenzkategorien darstellen?

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Ein Grundliegender Parameter für die Differenzkategorien Gender und Race liegt in der Sichtbarkeit dieser, Meschen die diesen Differenzkategorien zugeordnet werden, können sich dem nicht entziehen, da es schon alleine ihrem Äußeren geschuldet ist. 

Aus historischer Sicht wachsen benachteiligte soziale Gruppen mit den gesellschaftlichen Entwicklungen mit. Erst der historische Diskurs um soziale Klassen (Marx) machte verschieden soziale Klassen zu einer Differenzkategorie (Doing Diversity); genauso die Frauenbewegung; Oder die Dehumanisierung anderer Ethnien während der Kolonialzeit.

Ein kultureller Grund für häufig thematisierte Differenzkategorien ist die Sichtbarkeit dieser. Dazu kommt, dass Medien den Diskurs bespielen. Die Tendenz zu Gruppenmittelwerten in unserer Gesellschaft fördert dies zusätzlich und führt zu einer wahrgenommenen Fremd-Gruppen-Homogenität, also das Mitglieder einer Out-Group für intersubjektiv ähnlicher gehalten werden, als sie es tatsächlich sind.
Politische Ursachen gehen auf politische Diskurse zurück. Beispielsweise die Förderung bestimmter sozialer Klassen setzt eine Differenzierung in soziale Klassen voraus. Auch demographische Darstellungen der Gesellschaft nutzen immer wieder dieselben Kategorien, was die Folge hat, dass diese Kategorien politisiert werden und ihre explizite Nennung sich dabei selbst verstärkt. 

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Woran erkennt man im öffentlichen Diskrs, dass eine soziale Kategorisierung eine Differenzkategorie darstellt? Was sind hierbei typische Diskursmuster? Diskutieren Sie diese entlang der folgenden Differenzkategorien a) Frauen vs. Männer b) Intersexuell/Divers, c) schwule Männer, d) lesbische Frauen, e) kinderlose Eltern, f) alleinerziehende Mütter, g) Karenzväter, h) lesbische/schwule Eltern, i) ältere ArbeitnehmerInnen j) pflegebedürftige alte Menschen, k) AsylwerberInnen, l) MigrantInnen, m) Frauen mit Kopftuch, n) SozialhilfeempfängerInnen, o) körperbehinderte Menschen, p) sinnesbehinderte Menschen, q) geistig behinderte Menschen, r) psychisch Kranke [in der Prüfung nur eine Differenzkategorie]

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Soziale Kategorien stellen erst dann eine Differenzkategorie dar, wenn sie ein Machtverhältnis durch ihre Verwendung herstellen. Individuen werden so einer Gruppe zugeordnet, die einer gewissen Norm entspricht und alle, die nicht zu dieser Gruppe gehören und der Norm nicht entsprechen werden als "anders" abgegrenzt. Die Außengruppe wird dabei als homogen dargestellt. Abweichendes Verhalten von Individuen der Out-Group wird als Ausnahme gesehen, um das stereotype Muster aufrecht zu erhalten. Diese Wahrnehmung ist zeitlich sehr stabil und oft essentialistisch begründet: "Die können gar nicht anders, das ist genetisch bedingt"

a) Frauen sind das schwächere Geschlecht und haben automatisch eine engere Beziehung zu Kinder, weshalb sie für Kinder zuständig sein sollten. Das liegt in ihrer Natur als Frau (Hormone) und daran das sie Kinder gebären. Außerdem sind sie im Büro emotionaler und weniger stressresistent, weshalb eine klassische Aufgabenteilung - wenn schon nicht nach Hausfrau und arbeitender Mann aber nach Frauen- und Männerberufen sinnvoll ist.

Männer sind die geborenen Kämpfer, die sich durchsetzen wollen, Rangkämpfe austragen, wenn nicht mir Fäusten, dann mit "Brain", mit Emotionen nichts anfangen und somit in Berufsfeldern, die Zwischenmenschliches, Versorgendes etc. erfordern nichts verloren haben. Kinderbetreuung überfordert sie. Zahlen, Technik, Computer kommen dem "männlichen Denken/Gehirn" entgegen, außerdem reagieren sie stärker auf sexuelle Reize.

b) Biologisch gesehen gibt es nur zwei Geschlechter. intersexuelle werden entweder als "Fehler"/Krankheit/Laune der Natur angesehen, weil sie nicht in das binäre Geschlecht passen oder ausgegrenzt, weil sie durch andersartiges, bspw. sehr androgynes Äußeres auffallen. Sie sind nicht weiblich/männlich genug oder werden als männlich mit zu weiblichem Aussehen oder umgekehrt klassifiziert. Sie werden als gleichartig anders angesehen und gemeinsam gruppiert, egal wie unterschiedlich sie sind; also männliches, weibliches, diverses Aussehen und Gefühl der Zugehörigkeit. 

c) Homosexuelle Männer führen keine ernsten Beziehungen, jeder schläft mit jedem und deshalb sind sie auch anfälliger für sexuell übertragbare Krankheiten. Schwule Eltern haben eine Vorbildfunktion, so dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ihre Kinder, die "homosexuelles Verhalten" beobachten, selbst schwul werden. 

d) Lesbische Frauen sind Feministinnen, tragen kurze Haare und haben ein stereotyp männliches Aussehen. Klassisch "weiblich" aussehende lesbische Frauen sind die Ausnahme. In Beziehungen muss eine den männlichen Part einnehmen, bei Kinderwunsch wir die "weiblichere" Partnerin das Kind austragen.

e) Wer keine Kinder hat, kann keine bekommen, oder redet es schön und wird es im Alter bereuen. Frage nach Kinderwunsch ist abdingbar da es "normal" ist welche zu wollen. 

f) Werden oft als benachteiligt dargestellt, weil sie durchschnittliche weniger Einkommen haben. Bei einer Trennung liegt es in ihrer Natur die Kinder zu nehmen. 

g) Karenzväter werden besonders hervorgehoben, da sie sich um die Kinder kümmern, was bei Frauen als normal gesehen wird. sie Leisten etwas zusätzlich auf mögliche Kosten ihrer Karriere was eine besondere Leistung darstellt. 

h) Homosexualität wirkt sich auf Kinder aus, die keine "normale" Beziehung sehen oder erleben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst schwul werden steigt. Schwule Väter haben beide erfolgreiche Berufe und gutes Einkommen, Kinder sind mehr Accessoires.

i) Ok, Boomer. Ältere ArbeitnehmerInnen sind in ihren Denkmustern festgefahren und nicht auf dem neusten Stand. Sie machen nur noch "Dienst nach Pflicht" und haben keine Energie mehr.

j) Pflegebedürftige alte Menschen leisten keinen Mehrwert, kosten Steuergelder und sind weniger intelligent. Sie werden oft bemitleidet, nicht ernstgenommen und die Intelligenz wird als gemindert betrachtet. Sie sind unverschuldet in die Situation geraten, können aber auch nicht mehr "gerettet" werden. 

k) AsylbewerberInnen sind ungebildet/weniger intelligent, weigern sich, sich zu integrieren, sind kriminell, Bildung und Interessen werden nicht gesehen, alle werden homogen als weniger wert, gefährlich und intelligenzgemindert angesehen. Oft ist das in "diesen Ländern" auch einfach so, man kann nichts dagegen tun.

l) MigrantInnen sind nur wegen der Sozialleistung im Land, arbeiten hier, schicken das Geld in ihr Heimatland, beziehen eine gute Altersrente und gehen dann wieder zurück. Sie sind nicht nachhaltig.

m) Frauen mit Kopftuch werden von ihren Männern unterdrückt und sympatisieren mit terroristischen Organistationen, auch wenn sie dass nicht ausdrücken. Aus welchen Gründen auch verschiedene Arten von Kopftüchern getragen werden spielt keine Rolle. 

n) SozialhilfeempfängerInnen sind Sozialschmarozer, die für ihre Situation selbst verantwortlich sind. Sie sind nur zu faul um arbeiten zu gehen. Sie sind selbstverschuldet in diese Lage geraten und wenn sie dort immer noch sind, besitzen sie schlichtweg nicht die Fähigkeit als normales Mitglied der Gesellschaft zu funktionieren. 

o) Körperbehinderte Menschen sind nicht in der Lage, körperliche Arbeiten zu verrichten und auch nicht fähig jede Arbeit zu erbringen. Sie sind im Arbeitsumfeld weniger leistungsstark als Nicht-Behinderte. Obwohl geistige und körperliche Behinderung einander nicht bedingen, werden sie oft miteinander verknüpft, was kognitiv nicht eingeschränkten den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert. 

p) sinnesbehinderte Menschen sind in ihrer Wahrnehmung eingeschränkt und verstehen ihr Umfeld oft nicht. Sie sind geistig benachteiligt. Nicht-Behinderte sprechen z.B. oft lauter mit Blinden. Das Urteilsvermögen Nicht-Behinderter scheint durch die Wahrnehmung einer Behinderung, die keine kognitive Einschränkung bedeutet, so beeinflusst, dass sie ihre Wahrnehmung beeinflusst. 

q) Geistig behinderte Menschen sind merkwürdig, man versteht sie nicht und deshalb ist die soziale Interaktion schwierig. Am liebsten geht man ihnen aus dem Weg, weil sie kein normales Leben führen und es sehr anstrengend ist, sich auf ihre sehr speziellen Bedürfnisse einzustellen. Die Kommunikation ist im Zweifel nicht anders oder angepasst, sondern wird schlichtweg unmöglich. „Jemand, der geistig behindert ist, versteht sowieso nichts von dem, was ich sage.“ 

r) Psychisch Kranke sind ‚verrückt‘, weniger leistungsfähig, weniger vertrauenswürdig und zuverlässig, weil sie selbst nicht genau wissen, was sie tun. Bei vielen Krankheiten, bspw. schwer Depressiven, wird eine Krankheit auch nicht als solche anerkannt, sondern als Übertreibung gesehen und mit etwas mehr Willensstärke könnte der Betroffene das auch allein bewältigen. Trotzdem sind sie genetisch bedingt und man kann es nicht ändern, so dass der Umgang mit psychisch Kranken anstrengend und eher gemieden wird, denn es gibt sowieso keinen Ausweg oder Aussicht auf Veränderung. „Einmal verrückt, immer verrückt.“ Betroffene erleben eine schwer zu bewältigende Art der Ausgrenzung, da sie plötzlich nicht mehr dazu gehören und es ihnen schwer fällt, sich Gehör zu verschaffen. 

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Inwieweit ist Pierre Bourdieus "Theorie der Praxis" (1972) auf die Diversitätsdebatte anwendbar, diskutieren Sie entlang der Sifferenzkategorie a) Ethnie und b) Bildung/soziale Klasse

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Die „Theorie der Praxis“ von Pierre Bourdieus beschäftigt sich mit den Regeln sozialer Beziehungen und der damit zusammenhängenden sozialen Positionierung. Mit dem Begriff „Kapitalsorten“ erweitert Bourdieu den ursprünglich aus der Wirtschaft kommenden Kapitalbegriff. Kapitalsorten sind alle Quellen, aus denen eine Person schöpfen kann um die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und die eigene soziale Position zu halten oder verbessern. Diese Kapitalsorten können ökonomischer, sozialer, kultureller und symbolischer Natur sein. Ökonomisches Kapital sind die finanziellen Ressourcen einer Person. Kulturelles Kapital bezieht sich auf die Bildung sowie inkorporiertes Kapital auf Grund von Herkunft, Titel und Stellung. Das soziale Kapital stellt das Netz der Beziehungen einer Person da. Das symbolische Kapital steht für soziale Macht, Privilegien und Anerkennung. Daraus lässt sich aber auch folgern, das soziale teilhabe abhängig ist von den Kapitalsorten ist und bei unterschiedlicher Verteilung dieser, soziale Ungleichheit entsteht. Diese Ungleichheit wird durch die strukturellen Merkmale des jeweiligen Individuums mitbestimmt. Die „Theorie der Praxis“ ist in der Diversitätsdebatte in dem Sinne anwendbar, da die verschiedenen Diversitätskategorien denen ein Individuum angehört, sich auf seine Kapitalsorten auswirkt und damit auf seine soziale Positionierung. Eine soziale Ungleichheit, also ungleiche Teilhabemöglichkeit bedeutet unterschiedliche Verfügbarkeit und Möglichkeit des Einsatzes unterschiedlicher Kapitale. 


a) Ethnie

Die Ethnie einer Person wirkt sich vor allem dann (negativ) auf ihre Kapitalsorten aus, wenn das Individuum aufgrund seiner Ethnie zu einer Minderheit in der Gesellschaft gehört. Das kulturelle Kapital der Person kann großer sein, in dem Sinne das die Person vertraut ist mit zwei Kulturen, aber es ist auch möglich, dass das Kulturkapital geringer ist, wenn die Person z.B. nicht in dieser Gesellschaft/Land aufgewachsen ist und demnach nicht so vertraut mit der Kultur ist. Das symbolische Kapital, also Prestige und Anerkennung in der Gesellschaft, wie auch das ökonomische Kapital dieser Person können darunter leiden, da Personen welche einer Ethnie angehören die eine Minderheit ist, oft in der Jobsuche benachteiligt werden. 


b) Bildung/soziale Klasse

Die Bildung einer Person zählt zu ihrem kulturellen Kapital, je nach dem ob eine Person ein großes oder geringes kulturelles Kapital hat, wird sich das auch auf andere Bereiche aus. Das ökonomische Kapital kann zum Beispiel stark von der Bildung einer Person abhängen. Die soziale Positionierung hängt nicht ausschließlich von den verschiedenen Kapitalsorten ab, sondern auch von dem Habitus. Habitus ist die erworbene und erfahrungsmäßige Konstruktion, die Individuen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Klasse eigen ist.




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Was besagt das 4-Schichten-Modell von Lee Gardenswartz und Anita Rowe - nehmen Sie dann ein Fallbeispiel einer a) klinisch-psychologischen Intervention b) arbeits- und organisationspsychologischen Intervention, c) gesundheitspsychologischen Intervention oder d) Interventionen im Rahmen der pädagogischen Psychologie her und wenden Sie es auf dieses Modell an.

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Das 4 Schichten-Modell ist ein Instrument für die Orientierung von Differenzmerkmalen und Gruppenzugehörigkeiten in sozialen Systemen. Es besteht aus 4 Ebenen, die sich durch die Möglichkeit auf die Diversitätsdimensionen Einfluss zu nehmen unterscheiden. Von der äußersten Ebene ausgegangen, wird es nach innen hin, immer schwieriger Einfluss zu nehmen. Der innerste Kreis steht für die mehr oder weniger unveränderliche Persönlichkeit, diese wird durch die Kombination an Zugehörigkeiten in äußeren Ebenen beeinflusst. Die zweite Ebene von Innen gesehen, ist die interne Dimension, wozu Alter, Ethnie, Geschlecht und sexuelle Orientierung zählen. Auch dieses Merkmal sind (fast) unveränderlich. In der dritten Ebene werden die externen, teilweise veränderbaren Dimensionen beschreibt, wie sozialer Status, Ausbildung, Familienstand und Religion. In der 4. und äußersten Ebene sind die Merkmale werden organisationalen Einbindungen beschreiben, also Zugehörigkeit zu Rand- und Kerngruppen und Hierarchieposition. 


a) Das Modell kann für die klinisch psychologisch Intervention genutzt werden, um die unterschiedlichen Merkmale, Problematiken und Ressourcen von Klientinnen zu erfassen, und auch das Wissen um die Wechselwirkung zwischen Differenzmerkmalen in die Arbeit mit einfließen zu lassen. Mit differenzierten aber integralen Arbeitsansätzen, kann das Potential der einzelnen Menschen im Hinblick auf ihre gesundheitliche und soziale Stabilisierung und Entwicklung genutzt und gefördert werden. Ein Anwendungsbeispiel in einer Therapie wäre zum eine, zu versuchen das Verhalten und die kognitive Verarbeitung einer Person bei einem bestimmten Thema zu ändern (1. Ebene) und zum anderen sich z.B. von einem toxischen Umfeld zu lösen oder eine konkrete Ausbildung anzustreben (3. Ebene). 


b) Für Interventionen in der Arbeits- und Organisationspsychologische ist das Modell hilfreich, um personelle Strukturen und den Zusammenhang mit Diversitätskategorien zu erkennen. Das Aufzeigen von struktureller Benachteiligung bzw. Bevorzugung kann helfen Interventionen bezüglich Diversity zu starten. Durch das Verstehen, wie wichtig Diversity für ein gutes Team und damit für ein Unternehmen ist, werden die Veränderungen und Interventionen mit einer positiven Haltung angenommen. Ein Anwendungsbeispiel welche an den Ebene 3 und 4 des Modells ansetzt, wäre eine Mediation. Ein lösungsorientiertes, vermittelndes Gespräch eines Mediators mit streitenden Parteien, welche von selbst keine Einigung erzielen können. Kann auch auf die Teambuilding Maßnahmen übertragen werden insbesondere bei eher heterogenen Teams.


c) Bei der Gesundheitspsychologische Intervention ist das Modell hilfreich, ähnlich wie bei der klinisch psychologischen Intervention, um die unterschiedlichen Merkmale, Problematiken und Ressourcen von Individuen zu erfassen, und auch das Wissen um die Wechselwirkung zwischen Differenzmerkmalen in die Arbeit mit einfließen zu lassen. Die Gesundheitspsychologie zielt darauf ab, die Gesundheit zu fördern, dies kann man auf allen vier Ebenen tun, natürlich am besten, bei der am leichtesten veränderbaren Dimension, aber es sollte auf allen Ebenen Aufklärung betrieben werden. 


d) Bei Interventionen im Rahmen der pädagogischen Psychologie kann das das 4- Schichten Modell hilfreich sein, um zu unterscheiden, welche Dimensionen veränderbar sind und welche nicht, um Akzeptanz und Toleranz zu fördern. Denn in Erziehung und Bildung sollten Unterschiede/Diversität gemeinsam diskutiert/erarbeitet werden. Durch diese Gruppenarbeiten können unterschiedliche Stärken und Schwächen erfahren werden und Wertschätzung gelernt werden. In Folge dessen kann Diversität als etwas hilfreiches/förderliches beschrieben werden. Hier wäre ein Anwendungsbeispiel, in Kindergärten/Kinderbetreuung bewusst Diversität zu fördern und das Betreuungsangebot für alle soziale Schichten gleich zugänglich zu machen durch Information. Diese Maßnahmen, wären der 4. Ebene zuzuordnen. 


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Warum passieren soziale Kategorisierungen? Geben sie einen Überblick über (sozial-)psychologische Prozesse, die an der Entstehung derselben beteiligt sind.

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Auf Wahrnehmungsebene entstehen soziale Kategorisierungen, wenn Menschen optisch ähnliche Menschen als zusammengehörig empfinden. Wenn eine Person von der so gedachten Gruppe abweicht, werden Erinnerungen an ähnliche abweichende Personen aktiviert. Die abweichenden Personen werden als Out-Group kategorisiert. Wenn diese Kategorien besonders salient sind (u.a., weil der Solo-Status auch die Aufmerksamkeit erhöht) können sie, durch die häufige Benutzung des Denkmusters, das so systematisch die weitere (evtl. auch konträre) Informationsaufnahme verhindert, noch stabiler werden. Wenn Personen als potenzielle Bedrohung eingestuft werden, steigt ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Out-Group kategorisiert werden. Auf kognitiver Ebene dienen Kategorisierungen zur Ökonomisierung des Denkens, da die großen Informationsmengen, die ein Mensch jeden Tag wahrnimmt, auf diesem Weg am effizientesten verarbeitet werden können. Kahnemann und Tversky sprechen von System 1 (schnell, intuitiv, emotional) Aronson, Wilson und Akert vom automatische Denken (schnell, automatisch, immer aktiv, emotional, stereotypisierend, nicht bewusst) welche besonders anfällig für kognitive Biases und Heuristiken sind. Kategorien, zu denen wir uns selbst zugehörig fühlen, sind identitätsstiftend und determinieren das eigene Well-Being. Auf Verhaltensebene werden die Interaktionen zwischen Gruppen und Individuen von den beschriebenen Mechanismen der Glaubenssysteme bestimmt.

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Welche Gegenmaßnahmen zum Aufbrechen von Stereotypen und Vorurteilen können gesetzt werden und wie erfolgreich sind diese Interventionen?

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Nach Aronson, Akert und Wilson sind die Gegenmaßnahmen, um Stereotype und Vorurteile aufzubrechen, eine wechselseitige Abhängigkeit, gemeinsame Ziele, gleicher Status, Kontakt in freundlicher informeller Umgebung, soziale Norm von Gleichheit und dass die Kontaktmitglieder nicht als Ausnahme aufgefasst werden. Um dieses Idealziel zu erreichen, bedarf es Interventionen in verschiedenen Bereichen. Auf Verhaltensebene reduziert physischer Kontakt mit negativ besetzten Gruppen negative Emotionen zu diesen (Kontakthypothese, Gordon Allport, 1954). Vorurteile können durch indirekte Kontakte und imaginierte Inter-Gruppen-Kontakte abgebaut werden, d.h. man begegnet den Out-Group-Mitgliedern nicht physisch, sondern macht sich nur bewusst, dass In-Group-Mitglieder ebenfalls mit der stereotypisierten Gruppe Kontakt haben und stellt sich vor, wie eine normale, alltägliche Kontaktsituation mit der Out-Group ablaufen könnte. Bei den kognitiven Interventionen spielt die Neubewertung von bestehenden Denkmustern eine große Rolle: Bei Techniken wie Decategorization/Recategorization/Personalization werden Begriffe, die allgegenwärtig die Stereotype aufrechterhalten („Wir“ vs. „die Anderen“), durch persönlichere Begriffe wie „Ich“ und „Du“ ersetzt. Negative Stereotype sollen durch positive Stereotype ersetzt werden (Stereotypen-Ersetzung) – wobei zu beachten ist, dass auch positive Stereotype die Differenzkategorien verstärken können. Auch die Unterdrückung von Stereotypen ist wirksam, da auch hier eine Bewusstmachung der eigenen Vorurteile erfolgt und sich dann gezielt dagegen entschieden wird. Kreuz-Kategorisieren führen zu einer Sensibilisierung, dahingehend, dass jeder Mensch in viele verschiedene Kategorien (wovon einige natürlich nicht die ‚typischen‘ Differenzkategorien darstellen) fällt – ähnlich gedacht wie Intersektionalität. Weiters tragen kognitive und emotionale Empathie zu Perspektivübernahme bezüglich der Umstände und Gefühle des anderen bei und führen zu einer Eruierung von bestehenden Vorurteilen. Emotionale Empathie hat langfristigere Wirkung als nur kognitive Empathie. Die Wirksamkeit von Diversity Trainings wurde in einer Metaanalyse von Katherina Bezrukova untersucht. Die Trainings hatten eine durchschnittliche Effektgröße von .38, wobei die Trainingseffekte bezüglich Reaktionen, Einstellungen und Affekten sich mit der Zeit reduzierten, während die kognitiven Trainingseffekte vergleichsweise stabil blieben. Frauen profitierten von den Trainings mehr. Die Maßnahmen waren insgesamt wirksamer, wenn sie gemeinsam mit Diversity Initiativen (z.B. in Betreiben) durchgeführt wurden.

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In der Psychologischen Forschung ist Diversität häufig (nur) eine demographische Größe - was ist damit gemeint und was sind dann Blindstellen

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Diversitätskategorien werden häufig als demographische Größe dargestellt um deskriptiv Ergebnisse, Ungleichheiten (beispielsweise Gender-Pay-Gap) darstellen zu können. Problematisch ist dabei, dass diese Darstellung von Diversitätskategorien auch zu präskriptiven Zuschreibungen führen kann. Konzentration auf Lagemaße anstatt auf Streuungsmaße führen dabei zu einer reduzierten Wahrnehmung von unterschiedenen innerhalb einer Kategorie und Gemeinsamkeiten mehrerer Kategorien. 

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Q:

Regretting Motherhood / Regretting Parenthood – ein Tabubruch. Was zeigt Orna Donaths Studie (siehe Zusatztext: Regretting Motherhood: A Sociopolitical Analysis, Orna Donath, 2015), welchen Diskurs hat sie angestoßen? Welche Belastungen werden rund um Elternschaft häufig ausgeblendet?

A:

Die Studie „Regretting Motherhood“ befasst sich mit Interviews mit 23 israelischen Frauen, die es bereuen Mütter geworden zu sein. Das Fazit war, dass diese Frauen die Mutterschaft bereuen, die Kinder an sich aber nicht. Sie lieben ihre Kinder. Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten würden sie darauf verzichten Kinder zu haben und Mutter zu sein. Hätten sie die Erfahrung, die sie jetzt haben, würden sie sich anders entscheiden und keine Kinder haben wollen. Vor allem im ersten Jahr bedauert man den Verlust. Man verliert sich selbst, die Freiheit, die Kontrolle und besonders verliert man Zeit. Andere Mütter haben es erst nach einigen Jahren oder der zweiten Geburt gemerkt, dass Mutter sein nichts für sie ist. Es gibt mehrere Erklärungen warum es für jede Mutter eine Tortur ist, die sie bereut. Daher kann man es nicht auf eine Sache oder eine Erklärung zurückführen.

In Israel ist der soziale Druck besonders groß Mutter zu werden. Es heißt, dass jede Frau Mutter werden will - oder es zu einem Zeitpunkt ihres Lebens muss! Fertilitätsraten in Israel sind die höchsten der Welt. Die Verpflichtung Mutter zu werden findet sich auch in religiösen Pflichten wieder. Frauen, die es ablehnen Mütter zu werden, wird dies in sozialen Kreisen sehr vorgeworfen. Ihre Menschlichkeit, Weiblichkeit und Glaube werden hinterfragt. 

In westlicheren Ländern hingegen ist dies nicht so drastisch der Fall und der eigene Wille wird mehr akzeptiert. 

Das Bedauern beinhaltet eine subjektive retrospektive Evaluation der Vor- und Nachteile mütterlicher Erfahrungen. Einige der Frauen dieser Studie bestätigten aber, dass es positive Aspekte der Mutterschaft gibt - wie z.B. persönliches Wachstum, herausfordernde Erfahrung, angenehme Momente und das Akzeptiert werden in der israelischen Gesellschaft – ihre generelle Bewertung war allerdings negativ. Die Nachteile überwiegen den Vorteilen. Andere der Mütter sahen überhaupt keine Vorteile der Mutterschaft. 

Die Studie hat ein großes mediales Echo hervorgerufen, auch auf diversen sozialen Netzwerken wie Twitter oder in Zeitungen wie dem Standard wurde darüber berichtet. Dies ist natürlich ein sehr heikles Thema und auch immer noch ein Tabuthema. 

Nach einer Studie aus Deutschland gaben 95% der Befragten an sie lieben ihre Kinder, wobei die Hälfte aller Befragten (52%) Einschränkungen der persönlichen Entfaltung – und 19% der Mütter und 20% der Väter bereuen es generell Kinder bekommen zu haben und würden sich jetzt gegen Kinder entscheiden! 64% beklagen fehlende Betreuungseinrichtungen, was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass 44% der Mütter und 20% der Väter negative Auswirkungen auf die berufliche Karriere sehen! 

Welche sonstigen Belastungen und Kosten können nun also zu dieser Unzufriedenheit beitragen? 

  • Ökonomische Belastung: Es kommt zu einem Einkommensverlust, die Kosten der Kinderbetreuung und Opportunitätskosten (Zeit, die für Kinderbetreuung anfällt, kann nicht zum Geld verdienen genutzt werden). Kinder verringern generell den Wohlstand durch geringere Sparquoten, höhere Konsumquoten - aber geringere Kaufkraft. 25% der Alleinerzieher*innen gelten als ‚working poor‘ = trotz Arbeit unter der Armutsgrenze leben! Ca. €625 pro Monat ,ca. €150.000,- bis zum 18. Geburtstag und ca. 230.000 bis zum Abschluss des Studiums kostet ein Kind laut Schätzungen – wobei die gleichzeitig entstandenen Verdienstentgänge auch beachtlich sind! Familien mit >3 Kindern, sowie Alleinerzieher*innen befinden sich dabei überdurchschnittlich häufig im unteren Einkommensdrittel. - Paare ohne Kinder haben dagegen den höchsten Anteil im oberen Einkommensdrittel. Singles liegen im Einkommen dort, wo Paare mit einem Kind liegen, haben aber weniger finanzielle Probleme.
  • Zeitliche Belastung: Durch Betreuung, Krankheit, Schule, unflexible/traditionelle Arbeitszeiten! Dies wirkt sich auf Hobbies, sportliche Betätigung, Lesen, Freund*innen treffen, berufliches Netzwerken und Partnerschaft/Sex aus. 
  • Psychologische Belastung: Rollenerwartungen im ‚Doing Parents‘ üben Druck auf Eltern aus, genauso wie enttäuschte Hoffnungen, (Versagens-)Ängste, Erziehungsprobleme, Schulprobleme und das Gefühl eingesperrt zu. Dazu kommen auch ‚gesellschaftliche Hürden‘ wie z.B. Verfügbarkeit von Windeltischen (auf der Damen- oder Behindertentoilette?), Rauchergesetzgebung, die Benutzung von öffentliche Verkehrsmitteln und das Schulsysteme (wenn es z.B. auf ca 70 schulfrei Tage - kontra 25 Tage Urlaubsanspruch gibt) 
  • Belastung der Partnerschaft: Es kommt zu mehr partnerschaftliche Konflikten, Anstieg an Depression und zu einer Abnahme ehelicher Zufriedenheit. 
Q:

Diversität als soziales/gesellschaftliches Konstrukt - Schlagwort "Doing Diversity". Definieren Sie, was damit gemeint ist und geben Sie mindestens zwei aussagekräftige aktuelle Beispiele. 

A:

Doing Diversity beschreibt Diversität als etwas sozial gemachtes, das erst durch Wahrnehmung, Erwartung, Zuschreibung und Verhalten erzeugt wird. Dadurch entstehen Diversitätskategorien, welche das soziale Denken ökonomisieren, dadruch aber auch zu Stereotypen führen können.

Beispiel 1: Kindergartenpädagogen geben Mädchen und Buben verschiedene Spielzeuge. Dadurch verfestigen Sie binäre Geschlechterrollen und scheinbar stereotype Verhaltensweisen werden gefördert. In diese Geschlechterrollen wachsen die Kinder rein und verinnerlichen diese, was später zu Identitätskonflikten führen kann.

Beispiel 2: Das umgangssprachliche Phänomen des "Mansplaining" ist auch ein Beispiel dafür. Dabei nehmen, vorzugsweise bei stereotypisch-männlichen Tätigkeiten, die von einer Frau getätigt werden die Rolle eines hilfsbereiten Mentor ein, der seiner Schülerin ganz selbstlos dabei hilft, die für sie vermutlich besonders schwere Tätigkeit zu meistern. Diese Hilfsbereitschaft fußt allerdings nur auf gesellschaftlich konstruierten Stereotypen, anstatt auf Wissen über individuelle Fähigkeiten der Person.

Q:

Bruce Evan Blaine und Kimberly J. McClure Brenchley (2017) stellen fünf Forderungen an eine psychologische Diversity-Forschung, führen Sie diese aus entlang der Differenzkategorie a) Geschlecht, b) sexuelle Orientierung, c) Generativität/Elternschaft, d) Alter, e) Klasse/Bildung, f) Ethnie und g) Behinderung

A:

Fünf Forderungen:

1. Wie beeinflusst Diversität menschliche Identität und Verhalten

2. Wie konstruieren Menschen die Diversität ihrer sozialen Umwelt mit (Doing Diversity?)

3. Diversity-Forschung sollte nicht nur einige wenige Diversitätsdimensionen mitdenken

4. DF sollte soziale Ungleichheiten wahrnehmen, aufdecken und mit wissenschaftlichen Zugängen entgegenwirken

5. DF sollte nicht nur die sozialen Ungleichheiten zwischen Diversitätskategorien aufdecken, sondern auch die Ungleichheiten innerhalb und Gleichheiten zwischen Diversitätskategorien


a) Geschlecht

(1) Analyse wie sehr das Verhalten von Menschen und die Interpretation ihrer Identität durch sex/sex-category/gender mitgetragen wird und wie sehr äußere/gesellschaftliche Einflussfaktoren darauf einwirken.

(2) Nachdem Gender als Prozessvariable betrachtet werden muss, passiert dies in Interaktion mit unterschiedlichen Kollektiven, Instanzen oder einzelnen Individuen. Doing Gender ist immer in historische und kulturelle Diskurse eingebettet - so ist beispielsweise der Grad der Emanzipiertheit von Menschen z.B. der sex-category "Frau" von Familie, Kultur, Umfeld, gesellschaftlichen Normen und Erwartungen u.v.m. mitbestimmt.

(3) Geschlecht für sich alleine zu betrachten führt meist zu einer deutlichen Verkürzung der Problematik; eine intersektionale Betrachtung in Zusammenschau mit z.B. elterlicher Generativität, Alter, sozialer Klasse, Ethnizität etc. schärft den Blick für Spannungsfelder und beugt groben Vereinfachungen vor.

(4) Die wissenschaftliche Beschreibung und Aufarbeitung von Ungleichheiten bildet eine Basis auf der gezielte Fördermaßnahmen oder kognitive oder Emotionen adressierende Gegenmaßnahmen ansetzten können.

(5) Wissenschaftliche Diversityforschung aollte sich nicht im Vergleich von binären Kategorien verlieren, sondern vor allem die Varianz innerhalb einer Kategorie beschreiben (z.B. Männlichkeitskonstruktion als vielfältiges Spektrum und nicht nur Fokussierung auf patriarchale Zuschreibungen).


b) Sexuelle Orientierung

(1) Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sexueller Orientierung, deren Variabilität und Fluidität im Laufe des Lebens und inwieweit diese identitätsstiftend ist, sollte eher im Fokus sein, als Unterschiedsforschung entlang vereinfachter Kategorisierungen

(2) Auseinandersetzung mit Sexualität als komplexes Konstrukt innerhalb dessen die sexuelle Orientierung nur einen Teil ausmacht und inwieweit gesellschaftliche, wissenschaftliche, juridische etc. Diskurse hier mitbedingen, was normgerecht ist und was in einer Gesellschaft pathologisiert oder sogar kriminalisisert wird. 

(3) Diversitätsforschung zu sexueller Orientierung sollte die gesamte Bandbreite sexueller Orientierungen inkludieren und intersektionell andere Diversity-Kategorien wie Geschlecherkonstruktionen, Alter, Ethnizität, Klasse, Behinderung u.v.m. mitberücksichtigen.

(4) Eine Frage der DF zu diesem Thema könnte sein, wie sexuelle Orientierung mit dem sozialen Status zusammenhängt und welche Auswirkungen es für ein Individuum haben kann, wenn es nicht "der heterosexuellen Norm" entspricht.

(5) Welche gemeinsamen Erfahrungen haben Menschen unabhängig von deren sexueller Orientierung z.B. im Hinblick auf "Sich verlieben" "Partnerschaftskonflikte" "Wunsch nach erfülltem Sexualleben" etc.


c) Elternschaft/Generativität

(1) Inwieweit hat Elternschaft Einfluss auf Verhalten und Identität von Menschen, ist der Wunsch nach Kindern identitätsstiftend? Welche gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen sind hier mitzudenken. Was bedeutet Elternschaft für Glück, psychische Gesundheit, etc. von Menschen

(2) Anforderungen an Menschen, die generative Verpflichtungen eingehen werden einerseits von außen (Kultur, Gesellschaft, Medien etc.) an diese herangetragen, andererseits unterliegt Elternschaft (was bedeutet es Mutter/Vater zu sein, welche Familienkonzepte sind denkbar) auch einem Bedeutungswandel, der auch von den ProtagonistInnen mitgedacht wird (Doing Elternschaft).

(3) Elternschaft oder deren Abwesenheit muss aber wiederum intersektional mit anderen Diversitätskategorien zusammengedacht werden, wie eben Geschlecht, sexuelle Orientierung, soziale Klasse, Ethnizität u.v.m.

(4) In einem ökonomisierten Gesellschaftssystem bedeuten generative Verpflichtungen eine Einbuße an zeitlicher und örtlicher Flexibilität - was bedeutet also für die einzelnen Individuen die Entscheidung für oder gegen Generativität? Welche Ungleichgewichte resultieren daraus?

(5) Analyse unterschiedlicher Zugänge zu Elternschaft, unterschiedlicher Familienmodelle und damit eine Erweiterung des Fokus über "klassische" Formen hinweg, wären Beispiele für Forschungsansätze in diesem Bereich.


d) Alter

(1) Analyse von Alter als identitätsstiftende Kategorie und inwieweit wird dies von gesellschaftlichen Vorgaben und Normen mitbestimmt; wie wirkt sich der aktuelle Altersdiskurs (egal welcher Lebensabschnitt) auf den Selbstwert, Selbstwirksamkeit etc. aus. 

(2) Inwieweit Alter ein ‚Doing‘ ist, zeigt sich in der täglichen Performanz von Menschen, indem bestimmte Altersnormen erfüllt werden oder versucht wird daraus auszubrechen. Wie geht Gesellschaft mit Alter um, was bedeutet es einer bestimmten Alterskategorie anzugehören, welche de- und präskriptiven Zuschreibungen werden mit bestimmten Altersabschnitten verknüpft? 

(3) Alter ist unbedingt mit anderen Differenzkategorien intersektional zu betrachten, wobei Geschlecht, soziale Klasse, Gesundheit, Behinderung nur einige der offensichtlichen Diversitätskategorien sind, die mitzudenken sind. 

(4) Z.B. Ageism als universeller Diskriminierungsprozess, bei dem Ungleichheiten generiert und Ungleichbehandlung produziert wird (Z.B. das viele studienbezogene Förderungen nur bis zum 25 Lebensjahr verfügbar sind). 

(5) Betrachtungen nur nach kalendarischem Alter sind bieten nur einen verkürzten Blick, welche Einflüsse resultieren aus einem gesunden Lebensstil und kontinuierlichem Input; Betrachtung der interindividuellen Varianz in verschiedenen Altersstufen. 


e) Klasse/Bildung

(1) Analyse wie sehr die Bildung, welche jemand genießt oder die Klasse der eine Person angehört, Einfluss auf die Entwicklung und das Selbstkonzept und die Wahrnehmung u. a. von Chance hat 

(2) Wie konstruiert eine Gesellschaft soziale Klasse, was macht Menschen zu Bildungsverlierer*innen, welche Mechanismen verringern oder fördern soziale Durchlässigkeit? 

(3) Intersektionale Betrachtung von Klassenspezifika in Zusammenschau mit Ethnizität, Geschlecht, Behinderung etc. und Ableitung gezielter Fördermaßnahmen. 

(4) Systematische Analyse von ungleichheitsstiftenden Einflussfaktoren und Entwicklung von Gegenmaßnahmen und Förderkonzepten z.B. Verbesserung der intergenerationalen Mobilität 

(5) Welche Zugänge, Eigenschaften vereinen Menschen aus unterschiedlichen Bildungsschichten; Berücksichtigung von Kompetenzen, die aus nicht-formalen Lernprozessen resultieren. 


f) Ethnie

(1) Analyse von Race/Ethnizitätszuschreibungen (Selbst- und Fremd) im Hinblick auf Selbstwert, Selbstwirksamkeit (z.B. Stereotype-Threat oder Stereotype-Shift); Auswirkung von Mehrfachethnien etc. auf Verhalten/Identität 

(2) Analyse von ‚doing ethnicity‘; welche Selbst- und Fremddarstellungen finden sich im Hinblick auf Race/Ethnie im medialen Diskurs, im wissenschaftlichen Diskurs, etc. welche Änderungen in Fremd- und Selbstbild zeigen sich durch Migrationsprozesse? 

(3) Analyse von Race/Ethnizität in Wechselwirkung mit geographischer Örtlichkeit, Alter, Geschlecht (z.B. Ethnosexismus), Bildung und viele anderen Diversitätskategorien 

(4) Sichtbarmachen von Ungleichheiten entlang von ethnischen Zuschreibungen, Bewusstmachen von wiederkehrenden Mustern /Stereotpyisierungen, Erarbeitung von Kommunikationsstrategien für Politik und Etnscheidungsträger*innen 

(5) Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten zwischen migrierenden/mobilen Menschen in einer globalisierten Welt – was unterscheidet eigentlich berufliche Mobilität von Betterment-Migration. Ideographische Analysen von Asylwerber*innen zur Sichtbarmachung der Diversität within. 


g) Behinderung


(1) Vertiefende Analysen dazu, inwieweit eine Behinderung Teil des Identitäzskonzepts ist bzw., wenn im Laufe des Lebens erworben, wird. Nicht von einer impliziten Selbstverständlichkeit der ‚theory of mourning‘ ausgehen 

(2) Welche Umwelteinflüsse, welche Diskurse führen dazu, dass bestimmte Behinderungen als solche wirkmächtig werden. (Menschen im Rollstuhl werden behindert in Umgebungen, wo es keinen Lift, abgeschrägte Gehsteigkanten etc gibt. Welche diskursiven Zuschreibungen werden medial, umgangssprachlich im Sinne des ‚doing disability‘ verwendet.

(3) Menschen mit Behinderung stellen selbstverständlich ihrerseits eine sehr diverse Gruppe dar und um Blindstellen zu vermeiden sind Aspekte der Behinderung immer intersektional mit andeen Diversitätskategorien (z.B. Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter, soziale Klasse etc.) mitzudenken. 

(4) Welche Alltagshürden gibt es für Menschen mit Behinderung, wie müsste Gesellschaft gestaltet sein, um eine wirkliche Teilhabe zu gewährleisten (Schlagwort: Design for All, völlige Barrierefreiheit). 

(5) Menschen mit Behinderung stellen eine sehr varianzstarke Gruppe dar, deren Diversität Within berückscihtigt werden muss – keine Vereinfachungen!. Auf der anderen Seite sind Aspekte herauszuarbeiten, die Menchen unabhängig von einer Behinderung einen, so sind z.B. für FLIT*-Personen egal gleiche Themen relevant. 


Q:

Welche politischen, sozialen und ideologischen Diskurse lassen sich zu Diversität finden? [Geben Sie zur Beantwortung dieser Frage auch eine kurze Definition von "Diskurs" und gehen Sie dann auf die unterschiedlichen Zugänge ein]

A:

Diskurs beinhaltet wie über ein gesellschaftlich relevantes Thema gesprochen, gedacht und geforscht wird. Nach Habermas und Foucault geht es dabei besonders um Macht. Diese bestimmt wie über etwas gesprochen wird und wird gleichzeitig durch Diskurse legitimiert.
Im politischen Diskurs zu Diversität geht es meist um historisch benachteiligte Gruppen. Darunter fallen Kategorisierungen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, Ethnizität, Altergruppe, Bildungsniveau und auch Behinderungen. Ein weiterer wichtiger Aspekt im politischen Diskurs, ist die Sichtbarkeit der Gruppierung, denn aufgrund der Sichtbarkeit werden soziale und psychologische Zuschreibungen beeinflusst.

Im sozialen Diversitäts-Diskurs geht es darum, wie Ungleichheit auf Gerechtigkeit und die Entwicklung von Stereotypen wirkt. Es geht darum, ob in einer gerechten Gesellschaft die Zugehörigkeit zu einer diversen Gruppe über die Lebenssituation entscheiden darf/soll. 

Diversität im ideologischen Diskurs stellt verschiedene Differenzauspräungen einer Differenzkategorie hierarisch und wertend gegenüber. Diese Gegenüberstellung ist oft binär, kontroversiell, subjektiv gefärbt und aus der Sicht der eigenen In-Group. Der Umgang mit Diversität als ideologische Größe ist dadurch oft problematisch

Q:

Was macht soziale Kategorisierung zu einer Differenzkategorie? [Definieren Sie soziale Kategorisierung und Differenzkategorie und gehen Sie bei der Beantwortung dieser Frage auch auf die Trias Stereotyp-Vorurteil-Diskriminierung ein.]

A:

Soziale Kategorien werden zu Differenzkategorien, wenn sich daran In- und Outgroup-Diskurse, stereotype Zuschreibungen, Vorurteile und letztlich Diskriminierungsprozesse entzünden. Durch diese Prozesse kann Ungleichheit und ein Machtgefälle entstehen oder verstärkt werden. Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung stellen dabei drei, sich beeinflussende, Ebenen dar wie uns Differenzkategorien begegnen. Als Stereotype bezeichnen wir die kognitive Ebene, also unser denken gegenüber Mitgliedern einer sozialen Kategorie. Meist erfüllen Stereotype den Zweck einer Vereinfachung um Denken zu ökonomisieren. Das führt zu Verallgemeinerungen und homogener Wahrnehmung von Out-Goups. 

Voruteile sind die affektive Komponente gegenüber Mitgliedern einer Differenzkategorie. Sie können durch Stereotype geprägt werden oder sich umgekehrt durch Stereotype erklären lassen.

Diskriminierung ist die Verhaltenskomponente gegenüber Menschen einer bestimmten Differenzkategorie. Diskriminierendes Verhalten lässt sich in direkte und unmittelbare Diskriminierung unterscheiden. Direkte Diskriminierung richtet sich gegen Mitglieder einer Differenzkategorie, während unmittelbare Diskriminierung dann vorliegt, wenn vorgeblich faire Regelungen letztlich Mitglieder bestimmter Gruppierungen diskriminieren.

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Q:

Welche historischen, kulturellen, politischen, etc. Ursachen fallen Ihnen ein, dass Gender, Race, Class und sexuelle Orientierung besonders häufig thematisierte Differenzkategorien darstellen?

A:

Ein Grundliegender Parameter für die Differenzkategorien Gender und Race liegt in der Sichtbarkeit dieser, Meschen die diesen Differenzkategorien zugeordnet werden, können sich dem nicht entziehen, da es schon alleine ihrem Äußeren geschuldet ist. 

Aus historischer Sicht wachsen benachteiligte soziale Gruppen mit den gesellschaftlichen Entwicklungen mit. Erst der historische Diskurs um soziale Klassen (Marx) machte verschieden soziale Klassen zu einer Differenzkategorie (Doing Diversity); genauso die Frauenbewegung; Oder die Dehumanisierung anderer Ethnien während der Kolonialzeit.

Ein kultureller Grund für häufig thematisierte Differenzkategorien ist die Sichtbarkeit dieser. Dazu kommt, dass Medien den Diskurs bespielen. Die Tendenz zu Gruppenmittelwerten in unserer Gesellschaft fördert dies zusätzlich und führt zu einer wahrgenommenen Fremd-Gruppen-Homogenität, also das Mitglieder einer Out-Group für intersubjektiv ähnlicher gehalten werden, als sie es tatsächlich sind.
Politische Ursachen gehen auf politische Diskurse zurück. Beispielsweise die Förderung bestimmter sozialer Klassen setzt eine Differenzierung in soziale Klassen voraus. Auch demographische Darstellungen der Gesellschaft nutzen immer wieder dieselben Kategorien, was die Folge hat, dass diese Kategorien politisiert werden und ihre explizite Nennung sich dabei selbst verstärkt. 

Q:

Woran erkennt man im öffentlichen Diskrs, dass eine soziale Kategorisierung eine Differenzkategorie darstellt? Was sind hierbei typische Diskursmuster? Diskutieren Sie diese entlang der folgenden Differenzkategorien a) Frauen vs. Männer b) Intersexuell/Divers, c) schwule Männer, d) lesbische Frauen, e) kinderlose Eltern, f) alleinerziehende Mütter, g) Karenzväter, h) lesbische/schwule Eltern, i) ältere ArbeitnehmerInnen j) pflegebedürftige alte Menschen, k) AsylwerberInnen, l) MigrantInnen, m) Frauen mit Kopftuch, n) SozialhilfeempfängerInnen, o) körperbehinderte Menschen, p) sinnesbehinderte Menschen, q) geistig behinderte Menschen, r) psychisch Kranke [in der Prüfung nur eine Differenzkategorie]

A:

Soziale Kategorien stellen erst dann eine Differenzkategorie dar, wenn sie ein Machtverhältnis durch ihre Verwendung herstellen. Individuen werden so einer Gruppe zugeordnet, die einer gewissen Norm entspricht und alle, die nicht zu dieser Gruppe gehören und der Norm nicht entsprechen werden als "anders" abgegrenzt. Die Außengruppe wird dabei als homogen dargestellt. Abweichendes Verhalten von Individuen der Out-Group wird als Ausnahme gesehen, um das stereotype Muster aufrecht zu erhalten. Diese Wahrnehmung ist zeitlich sehr stabil und oft essentialistisch begründet: "Die können gar nicht anders, das ist genetisch bedingt"

a) Frauen sind das schwächere Geschlecht und haben automatisch eine engere Beziehung zu Kinder, weshalb sie für Kinder zuständig sein sollten. Das liegt in ihrer Natur als Frau (Hormone) und daran das sie Kinder gebären. Außerdem sind sie im Büro emotionaler und weniger stressresistent, weshalb eine klassische Aufgabenteilung - wenn schon nicht nach Hausfrau und arbeitender Mann aber nach Frauen- und Männerberufen sinnvoll ist.

Männer sind die geborenen Kämpfer, die sich durchsetzen wollen, Rangkämpfe austragen, wenn nicht mir Fäusten, dann mit "Brain", mit Emotionen nichts anfangen und somit in Berufsfeldern, die Zwischenmenschliches, Versorgendes etc. erfordern nichts verloren haben. Kinderbetreuung überfordert sie. Zahlen, Technik, Computer kommen dem "männlichen Denken/Gehirn" entgegen, außerdem reagieren sie stärker auf sexuelle Reize.

b) Biologisch gesehen gibt es nur zwei Geschlechter. intersexuelle werden entweder als "Fehler"/Krankheit/Laune der Natur angesehen, weil sie nicht in das binäre Geschlecht passen oder ausgegrenzt, weil sie durch andersartiges, bspw. sehr androgynes Äußeres auffallen. Sie sind nicht weiblich/männlich genug oder werden als männlich mit zu weiblichem Aussehen oder umgekehrt klassifiziert. Sie werden als gleichartig anders angesehen und gemeinsam gruppiert, egal wie unterschiedlich sie sind; also männliches, weibliches, diverses Aussehen und Gefühl der Zugehörigkeit. 

c) Homosexuelle Männer führen keine ernsten Beziehungen, jeder schläft mit jedem und deshalb sind sie auch anfälliger für sexuell übertragbare Krankheiten. Schwule Eltern haben eine Vorbildfunktion, so dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ihre Kinder, die "homosexuelles Verhalten" beobachten, selbst schwul werden. 

d) Lesbische Frauen sind Feministinnen, tragen kurze Haare und haben ein stereotyp männliches Aussehen. Klassisch "weiblich" aussehende lesbische Frauen sind die Ausnahme. In Beziehungen muss eine den männlichen Part einnehmen, bei Kinderwunsch wir die "weiblichere" Partnerin das Kind austragen.

e) Wer keine Kinder hat, kann keine bekommen, oder redet es schön und wird es im Alter bereuen. Frage nach Kinderwunsch ist abdingbar da es "normal" ist welche zu wollen. 

f) Werden oft als benachteiligt dargestellt, weil sie durchschnittliche weniger Einkommen haben. Bei einer Trennung liegt es in ihrer Natur die Kinder zu nehmen. 

g) Karenzväter werden besonders hervorgehoben, da sie sich um die Kinder kümmern, was bei Frauen als normal gesehen wird. sie Leisten etwas zusätzlich auf mögliche Kosten ihrer Karriere was eine besondere Leistung darstellt. 

h) Homosexualität wirkt sich auf Kinder aus, die keine "normale" Beziehung sehen oder erleben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst schwul werden steigt. Schwule Väter haben beide erfolgreiche Berufe und gutes Einkommen, Kinder sind mehr Accessoires.

i) Ok, Boomer. Ältere ArbeitnehmerInnen sind in ihren Denkmustern festgefahren und nicht auf dem neusten Stand. Sie machen nur noch "Dienst nach Pflicht" und haben keine Energie mehr.

j) Pflegebedürftige alte Menschen leisten keinen Mehrwert, kosten Steuergelder und sind weniger intelligent. Sie werden oft bemitleidet, nicht ernstgenommen und die Intelligenz wird als gemindert betrachtet. Sie sind unverschuldet in die Situation geraten, können aber auch nicht mehr "gerettet" werden. 

k) AsylbewerberInnen sind ungebildet/weniger intelligent, weigern sich, sich zu integrieren, sind kriminell, Bildung und Interessen werden nicht gesehen, alle werden homogen als weniger wert, gefährlich und intelligenzgemindert angesehen. Oft ist das in "diesen Ländern" auch einfach so, man kann nichts dagegen tun.

l) MigrantInnen sind nur wegen der Sozialleistung im Land, arbeiten hier, schicken das Geld in ihr Heimatland, beziehen eine gute Altersrente und gehen dann wieder zurück. Sie sind nicht nachhaltig.

m) Frauen mit Kopftuch werden von ihren Männern unterdrückt und sympatisieren mit terroristischen Organistationen, auch wenn sie dass nicht ausdrücken. Aus welchen Gründen auch verschiedene Arten von Kopftüchern getragen werden spielt keine Rolle. 

n) SozialhilfeempfängerInnen sind Sozialschmarozer, die für ihre Situation selbst verantwortlich sind. Sie sind nur zu faul um arbeiten zu gehen. Sie sind selbstverschuldet in diese Lage geraten und wenn sie dort immer noch sind, besitzen sie schlichtweg nicht die Fähigkeit als normales Mitglied der Gesellschaft zu funktionieren. 

o) Körperbehinderte Menschen sind nicht in der Lage, körperliche Arbeiten zu verrichten und auch nicht fähig jede Arbeit zu erbringen. Sie sind im Arbeitsumfeld weniger leistungsstark als Nicht-Behinderte. Obwohl geistige und körperliche Behinderung einander nicht bedingen, werden sie oft miteinander verknüpft, was kognitiv nicht eingeschränkten den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert. 

p) sinnesbehinderte Menschen sind in ihrer Wahrnehmung eingeschränkt und verstehen ihr Umfeld oft nicht. Sie sind geistig benachteiligt. Nicht-Behinderte sprechen z.B. oft lauter mit Blinden. Das Urteilsvermögen Nicht-Behinderter scheint durch die Wahrnehmung einer Behinderung, die keine kognitive Einschränkung bedeutet, so beeinflusst, dass sie ihre Wahrnehmung beeinflusst. 

q) Geistig behinderte Menschen sind merkwürdig, man versteht sie nicht und deshalb ist die soziale Interaktion schwierig. Am liebsten geht man ihnen aus dem Weg, weil sie kein normales Leben führen und es sehr anstrengend ist, sich auf ihre sehr speziellen Bedürfnisse einzustellen. Die Kommunikation ist im Zweifel nicht anders oder angepasst, sondern wird schlichtweg unmöglich. „Jemand, der geistig behindert ist, versteht sowieso nichts von dem, was ich sage.“ 

r) Psychisch Kranke sind ‚verrückt‘, weniger leistungsfähig, weniger vertrauenswürdig und zuverlässig, weil sie selbst nicht genau wissen, was sie tun. Bei vielen Krankheiten, bspw. schwer Depressiven, wird eine Krankheit auch nicht als solche anerkannt, sondern als Übertreibung gesehen und mit etwas mehr Willensstärke könnte der Betroffene das auch allein bewältigen. Trotzdem sind sie genetisch bedingt und man kann es nicht ändern, so dass der Umgang mit psychisch Kranken anstrengend und eher gemieden wird, denn es gibt sowieso keinen Ausweg oder Aussicht auf Veränderung. „Einmal verrückt, immer verrückt.“ Betroffene erleben eine schwer zu bewältigende Art der Ausgrenzung, da sie plötzlich nicht mehr dazu gehören und es ihnen schwer fällt, sich Gehör zu verschaffen. 

Q:

Inwieweit ist Pierre Bourdieus "Theorie der Praxis" (1972) auf die Diversitätsdebatte anwendbar, diskutieren Sie entlang der Sifferenzkategorie a) Ethnie und b) Bildung/soziale Klasse

A:

Die „Theorie der Praxis“ von Pierre Bourdieus beschäftigt sich mit den Regeln sozialer Beziehungen und der damit zusammenhängenden sozialen Positionierung. Mit dem Begriff „Kapitalsorten“ erweitert Bourdieu den ursprünglich aus der Wirtschaft kommenden Kapitalbegriff. Kapitalsorten sind alle Quellen, aus denen eine Person schöpfen kann um die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und die eigene soziale Position zu halten oder verbessern. Diese Kapitalsorten können ökonomischer, sozialer, kultureller und symbolischer Natur sein. Ökonomisches Kapital sind die finanziellen Ressourcen einer Person. Kulturelles Kapital bezieht sich auf die Bildung sowie inkorporiertes Kapital auf Grund von Herkunft, Titel und Stellung. Das soziale Kapital stellt das Netz der Beziehungen einer Person da. Das symbolische Kapital steht für soziale Macht, Privilegien und Anerkennung. Daraus lässt sich aber auch folgern, das soziale teilhabe abhängig ist von den Kapitalsorten ist und bei unterschiedlicher Verteilung dieser, soziale Ungleichheit entsteht. Diese Ungleichheit wird durch die strukturellen Merkmale des jeweiligen Individuums mitbestimmt. Die „Theorie der Praxis“ ist in der Diversitätsdebatte in dem Sinne anwendbar, da die verschiedenen Diversitätskategorien denen ein Individuum angehört, sich auf seine Kapitalsorten auswirkt und damit auf seine soziale Positionierung. Eine soziale Ungleichheit, also ungleiche Teilhabemöglichkeit bedeutet unterschiedliche Verfügbarkeit und Möglichkeit des Einsatzes unterschiedlicher Kapitale. 


a) Ethnie

Die Ethnie einer Person wirkt sich vor allem dann (negativ) auf ihre Kapitalsorten aus, wenn das Individuum aufgrund seiner Ethnie zu einer Minderheit in der Gesellschaft gehört. Das kulturelle Kapital der Person kann großer sein, in dem Sinne das die Person vertraut ist mit zwei Kulturen, aber es ist auch möglich, dass das Kulturkapital geringer ist, wenn die Person z.B. nicht in dieser Gesellschaft/Land aufgewachsen ist und demnach nicht so vertraut mit der Kultur ist. Das symbolische Kapital, also Prestige und Anerkennung in der Gesellschaft, wie auch das ökonomische Kapital dieser Person können darunter leiden, da Personen welche einer Ethnie angehören die eine Minderheit ist, oft in der Jobsuche benachteiligt werden. 


b) Bildung/soziale Klasse

Die Bildung einer Person zählt zu ihrem kulturellen Kapital, je nach dem ob eine Person ein großes oder geringes kulturelles Kapital hat, wird sich das auch auf andere Bereiche aus. Das ökonomische Kapital kann zum Beispiel stark von der Bildung einer Person abhängen. Die soziale Positionierung hängt nicht ausschließlich von den verschiedenen Kapitalsorten ab, sondern auch von dem Habitus. Habitus ist die erworbene und erfahrungsmäßige Konstruktion, die Individuen auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Klasse eigen ist.




Q:

Was besagt das 4-Schichten-Modell von Lee Gardenswartz und Anita Rowe - nehmen Sie dann ein Fallbeispiel einer a) klinisch-psychologischen Intervention b) arbeits- und organisationspsychologischen Intervention, c) gesundheitspsychologischen Intervention oder d) Interventionen im Rahmen der pädagogischen Psychologie her und wenden Sie es auf dieses Modell an.

A:

Das 4 Schichten-Modell ist ein Instrument für die Orientierung von Differenzmerkmalen und Gruppenzugehörigkeiten in sozialen Systemen. Es besteht aus 4 Ebenen, die sich durch die Möglichkeit auf die Diversitätsdimensionen Einfluss zu nehmen unterscheiden. Von der äußersten Ebene ausgegangen, wird es nach innen hin, immer schwieriger Einfluss zu nehmen. Der innerste Kreis steht für die mehr oder weniger unveränderliche Persönlichkeit, diese wird durch die Kombination an Zugehörigkeiten in äußeren Ebenen beeinflusst. Die zweite Ebene von Innen gesehen, ist die interne Dimension, wozu Alter, Ethnie, Geschlecht und sexuelle Orientierung zählen. Auch dieses Merkmal sind (fast) unveränderlich. In der dritten Ebene werden die externen, teilweise veränderbaren Dimensionen beschreibt, wie sozialer Status, Ausbildung, Familienstand und Religion. In der 4. und äußersten Ebene sind die Merkmale werden organisationalen Einbindungen beschreiben, also Zugehörigkeit zu Rand- und Kerngruppen und Hierarchieposition. 


a) Das Modell kann für die klinisch psychologisch Intervention genutzt werden, um die unterschiedlichen Merkmale, Problematiken und Ressourcen von Klientinnen zu erfassen, und auch das Wissen um die Wechselwirkung zwischen Differenzmerkmalen in die Arbeit mit einfließen zu lassen. Mit differenzierten aber integralen Arbeitsansätzen, kann das Potential der einzelnen Menschen im Hinblick auf ihre gesundheitliche und soziale Stabilisierung und Entwicklung genutzt und gefördert werden. Ein Anwendungsbeispiel in einer Therapie wäre zum eine, zu versuchen das Verhalten und die kognitive Verarbeitung einer Person bei einem bestimmten Thema zu ändern (1. Ebene) und zum anderen sich z.B. von einem toxischen Umfeld zu lösen oder eine konkrete Ausbildung anzustreben (3. Ebene). 


b) Für Interventionen in der Arbeits- und Organisationspsychologische ist das Modell hilfreich, um personelle Strukturen und den Zusammenhang mit Diversitätskategorien zu erkennen. Das Aufzeigen von struktureller Benachteiligung bzw. Bevorzugung kann helfen Interventionen bezüglich Diversity zu starten. Durch das Verstehen, wie wichtig Diversity für ein gutes Team und damit für ein Unternehmen ist, werden die Veränderungen und Interventionen mit einer positiven Haltung angenommen. Ein Anwendungsbeispiel welche an den Ebene 3 und 4 des Modells ansetzt, wäre eine Mediation. Ein lösungsorientiertes, vermittelndes Gespräch eines Mediators mit streitenden Parteien, welche von selbst keine Einigung erzielen können. Kann auch auf die Teambuilding Maßnahmen übertragen werden insbesondere bei eher heterogenen Teams.


c) Bei der Gesundheitspsychologische Intervention ist das Modell hilfreich, ähnlich wie bei der klinisch psychologischen Intervention, um die unterschiedlichen Merkmale, Problematiken und Ressourcen von Individuen zu erfassen, und auch das Wissen um die Wechselwirkung zwischen Differenzmerkmalen in die Arbeit mit einfließen zu lassen. Die Gesundheitspsychologie zielt darauf ab, die Gesundheit zu fördern, dies kann man auf allen vier Ebenen tun, natürlich am besten, bei der am leichtesten veränderbaren Dimension, aber es sollte auf allen Ebenen Aufklärung betrieben werden. 


d) Bei Interventionen im Rahmen der pädagogischen Psychologie kann das das 4- Schichten Modell hilfreich sein, um zu unterscheiden, welche Dimensionen veränderbar sind und welche nicht, um Akzeptanz und Toleranz zu fördern. Denn in Erziehung und Bildung sollten Unterschiede/Diversität gemeinsam diskutiert/erarbeitet werden. Durch diese Gruppenarbeiten können unterschiedliche Stärken und Schwächen erfahren werden und Wertschätzung gelernt werden. In Folge dessen kann Diversität als etwas hilfreiches/förderliches beschrieben werden. Hier wäre ein Anwendungsbeispiel, in Kindergärten/Kinderbetreuung bewusst Diversität zu fördern und das Betreuungsangebot für alle soziale Schichten gleich zugänglich zu machen durch Information. Diese Maßnahmen, wären der 4. Ebene zuzuordnen. 


Q:

Warum passieren soziale Kategorisierungen? Geben sie einen Überblick über (sozial-)psychologische Prozesse, die an der Entstehung derselben beteiligt sind.

A:

Auf Wahrnehmungsebene entstehen soziale Kategorisierungen, wenn Menschen optisch ähnliche Menschen als zusammengehörig empfinden. Wenn eine Person von der so gedachten Gruppe abweicht, werden Erinnerungen an ähnliche abweichende Personen aktiviert. Die abweichenden Personen werden als Out-Group kategorisiert. Wenn diese Kategorien besonders salient sind (u.a., weil der Solo-Status auch die Aufmerksamkeit erhöht) können sie, durch die häufige Benutzung des Denkmusters, das so systematisch die weitere (evtl. auch konträre) Informationsaufnahme verhindert, noch stabiler werden. Wenn Personen als potenzielle Bedrohung eingestuft werden, steigt ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Out-Group kategorisiert werden. Auf kognitiver Ebene dienen Kategorisierungen zur Ökonomisierung des Denkens, da die großen Informationsmengen, die ein Mensch jeden Tag wahrnimmt, auf diesem Weg am effizientesten verarbeitet werden können. Kahnemann und Tversky sprechen von System 1 (schnell, intuitiv, emotional) Aronson, Wilson und Akert vom automatische Denken (schnell, automatisch, immer aktiv, emotional, stereotypisierend, nicht bewusst) welche besonders anfällig für kognitive Biases und Heuristiken sind. Kategorien, zu denen wir uns selbst zugehörig fühlen, sind identitätsstiftend und determinieren das eigene Well-Being. Auf Verhaltensebene werden die Interaktionen zwischen Gruppen und Individuen von den beschriebenen Mechanismen der Glaubenssysteme bestimmt.

Q:

Welche Gegenmaßnahmen zum Aufbrechen von Stereotypen und Vorurteilen können gesetzt werden und wie erfolgreich sind diese Interventionen?

A:

Nach Aronson, Akert und Wilson sind die Gegenmaßnahmen, um Stereotype und Vorurteile aufzubrechen, eine wechselseitige Abhängigkeit, gemeinsame Ziele, gleicher Status, Kontakt in freundlicher informeller Umgebung, soziale Norm von Gleichheit und dass die Kontaktmitglieder nicht als Ausnahme aufgefasst werden. Um dieses Idealziel zu erreichen, bedarf es Interventionen in verschiedenen Bereichen. Auf Verhaltensebene reduziert physischer Kontakt mit negativ besetzten Gruppen negative Emotionen zu diesen (Kontakthypothese, Gordon Allport, 1954). Vorurteile können durch indirekte Kontakte und imaginierte Inter-Gruppen-Kontakte abgebaut werden, d.h. man begegnet den Out-Group-Mitgliedern nicht physisch, sondern macht sich nur bewusst, dass In-Group-Mitglieder ebenfalls mit der stereotypisierten Gruppe Kontakt haben und stellt sich vor, wie eine normale, alltägliche Kontaktsituation mit der Out-Group ablaufen könnte. Bei den kognitiven Interventionen spielt die Neubewertung von bestehenden Denkmustern eine große Rolle: Bei Techniken wie Decategorization/Recategorization/Personalization werden Begriffe, die allgegenwärtig die Stereotype aufrechterhalten („Wir“ vs. „die Anderen“), durch persönlichere Begriffe wie „Ich“ und „Du“ ersetzt. Negative Stereotype sollen durch positive Stereotype ersetzt werden (Stereotypen-Ersetzung) – wobei zu beachten ist, dass auch positive Stereotype die Differenzkategorien verstärken können. Auch die Unterdrückung von Stereotypen ist wirksam, da auch hier eine Bewusstmachung der eigenen Vorurteile erfolgt und sich dann gezielt dagegen entschieden wird. Kreuz-Kategorisieren führen zu einer Sensibilisierung, dahingehend, dass jeder Mensch in viele verschiedene Kategorien (wovon einige natürlich nicht die ‚typischen‘ Differenzkategorien darstellen) fällt – ähnlich gedacht wie Intersektionalität. Weiters tragen kognitive und emotionale Empathie zu Perspektivübernahme bezüglich der Umstände und Gefühle des anderen bei und führen zu einer Eruierung von bestehenden Vorurteilen. Emotionale Empathie hat langfristigere Wirkung als nur kognitive Empathie. Die Wirksamkeit von Diversity Trainings wurde in einer Metaanalyse von Katherina Bezrukova untersucht. Die Trainings hatten eine durchschnittliche Effektgröße von .38, wobei die Trainingseffekte bezüglich Reaktionen, Einstellungen und Affekten sich mit der Zeit reduzierten, während die kognitiven Trainingseffekte vergleichsweise stabil blieben. Frauen profitierten von den Trainings mehr. Die Maßnahmen waren insgesamt wirksamer, wenn sie gemeinsam mit Diversity Initiativen (z.B. in Betreiben) durchgeführt wurden.

Q:

In der Psychologischen Forschung ist Diversität häufig (nur) eine demographische Größe - was ist damit gemeint und was sind dann Blindstellen

A:

Diversitätskategorien werden häufig als demographische Größe dargestellt um deskriptiv Ergebnisse, Ungleichheiten (beispielsweise Gender-Pay-Gap) darstellen zu können. Problematisch ist dabei, dass diese Darstellung von Diversitätskategorien auch zu präskriptiven Zuschreibungen führen kann. Konzentration auf Lagemaße anstatt auf Streuungsmaße führen dabei zu einer reduzierten Wahrnehmung von unterschiedenen innerhalb einer Kategorie und Gemeinsamkeiten mehrerer Kategorien. 

Diversität und Gender

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