Sozialstrukturanalyse an der Universität Potsdam

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Was bedeutet Status (Anthias)?


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Was bedeutet Stigma (Anthias)?

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Was bedeutet Überschneidungen / intersections (Anthias)?

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Welche drei Vorstellungen lassen sich als gemeinsamer Kern aller Klassenbegriffe und auch vieler Schichtbegriffe festhalten?

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Was besagt das Konzept der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft"?

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Was sind die Erkenntnisse um Klassengesellschaft versus soziale Schichtung?

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Was besagt das Konzept der Klassengesellschaft im Schmelztiegel?

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Welche zwei wichtigen qualitativen Veränderungen werden im Haus-Modell von 2009 nicht sichtbar?

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Welche zwei analytische Begrenzungen lassen sich bei dem EGP-Klassenschema ausmachen?

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Welchen neuen Zugang zur Ordnung und Analyse sozialstruktureller Vielfalt bieten die Milieu- und Lebensstilanalysen?

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Was versteht man unter Lebensstilen?

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Was versucht man mit Schichtmodellen darzustellen und was können diese nicht abbilden?

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Sozialstrukturanalyse

Was bedeutet Status (Anthias)?


Status als Begriff wurde eingeführt um die Lücke bei der Theorie der sozialen Schichtung zu schließen. Der Begriff des Status wurde vorgeschlagen um über klassenlose Formen sozialer Hierarchie/Schichtung nachzudenken und um sich auf die Gesamtstrukturierung der Ungleichheit entlang einer Reihe von Dimensionen zu beziehen. (S.30)

In einigen aktuellen Analysen wurde der Status verwendet, um sich auf ein breites Spektrum sozialer Beziehungen zu referieren, einschließlich der Bürgerrechte. Der Begriff "Status" ist nicht in der Lage, das komplexe Spektrum der hier beteiligten sozialen Beziehungen zu berücksichtigen. Die Aufteilung von Personen in permanente Klassen- und Statusgruppen funktioniert einfach nicht oder hat keinen heuristischen Wert, da Personen in diesen Gruppen gleichzeitig nach Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit gekennzeichnet sind. (S.30-31)

Darüber hinaus werden bei der Behandlung von Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit als "Gruppierung" und der anschließenden Zuordnung zu "Status" die spezifischen Merkmale und Unterschiede nicht berücksichtig, sowohl untereinander als auch bei anderen Arten von Statusgruppierungen, z.B. berufliche oder konsumbezogene Gruppen. Klassen, ethnische und geschlechtsspezifische Zuschreibungen und Kompetenzen sind von zentraler Bedeutung auf dem Markt, sowohl als Ressource, die Einzelpersonen auf dem Markt bringen, als auch in Bezug auf die Wertzuweisung an die Orte auf dem Markt. (S.31)

Beispiel: der Geschlechtsstatus (Mann oder Frau zu sein). In den letzten Jahrhunderten war es in unserer Gesellschaft selbstverständlich, dass eine Frau von ihrem Mann dominiert wurde. Oder auch Statussymbole wie z.B. Anzüge, Markenklamotten und teure Autos. 



Der soziale Status meint die mehr oder minder hohe Stellung, die eine Person im Vergleich zu anderen Mitgliedern des jeweiligen Sozialsystems (z.B. Betrieb, Gemeinde, Gesamtgesellschaft) einnimmt. Als Merkmale oder Kriterien sozialer Ungleichheit kommen dabei alle Unterschiede in Betracht, mit denen sich Vorstellungen von besser oder schlechter, höher- oder tiefergestellt, bevorrechtigt oder benachteiligt usw. verbinden (z.B. Unterschiede des Einkommens, der Macht, der Bildung, des Ansehens). (Peuckert, S.331)

Floya Anthias (2005) verweist in ihren Ausführungen der verschiedenen Ansätze zur Analyse von sozialer Ungleichheit auf den Statusbegriff, um eine klassenunabhängiges Konzept der gesellschaftlichen Hierarchisierung aufzuzeigen. (Anthias, S. 25) Demnach verknüpft der Status-Begriff die gesamte Ungleichheitsstruktur mit mehreren Dimensionen sozialen Dimensionen (Macht, Einkommen etc.) Die Autorin merkt an, dass der Status soziale Beziehungen darstellt z.B. in Form von bestimmten Zugängen, die Menschen durch Bürgerrechte erwerben. Sie kritisiert jedoch, dass diese Bürgerrechte im juristischen Sinne oft rassistisch und hochgradig geschlechtsspezifisch angelegt sind. Daher wird das Konzept des Status der Komplexität der sozialen Welt kaum gerecht. (Anthias, S.25)

Weiterhin ist die Zuweisung von Klasse, Geschlecht und Ethnie in bestimmte Statuskategorien verallgemeinernd und vernachlässigt die sozialen Unterschiede und Differenzen innerhalb dieser Gruppen.

Aus diesen Gründen kommt das Konzept des Status schnell an seine Grenzen in der Beschreibung der sozialen Ungleichheit/Diversität. (Anthias, S.26)

Beispiel: Die reine Differenzierung des Einkommens bezogen auf das Geschlecht, würde im Status-Konzept bedeuten, dass Männer einen höheren sozialen Status genießen als Frauen. Dies ist jedoch aufgrund der Vielschichtigkeit und dem situativen Kontext der jeweiligen sozialen Konstellation eine grobe und wenig sagende Verallgemeinerung.



Der Begriff Status wurde vorgeschlagen, um die soziale Schichtung/Hierarchisierung klassenunabhängig zu betrachten und sich in Bezug auf die Gesamtstrukturierung der Ungleichheit auf mehrere Dimensionen beziehen zu können (vgl. Anthias 2005: S.25).

Unter sozialem Status versteht man die höhere oder niedrigere Stellung einer Person im Vergleich zu anderen Personen eines Sozialsystems (z.B. im Unternehmen oder in der Gesamtgesellschaft). Jede Person ist Mitglied mehrerer sozialer Gruppen, in denen es verschiedene Positionen annehmen kann, jede Person besitzt daher auch mehr als einen Status. Als Merkmale sozialer Ungleichheit können alle Unterschiede mit einfließen, mit denen sich Vorstellungen von unterschiedlicher Stellung (benachteiligt, höher- oder tiefergestellt, usw.) verbinden lassen (vgl. Peuckert 1992: S.331).

Anthias kritisiert das Konzept des Status, nach ihr ist das Konzept nicht in der Lage, das komplexe Spektrum der sozialen Beziehungen zu erfassen. Sie bezieht sich hier auf aktuelle Analysen, wo der Begriff Status verwendet wurde, um sich auf ein breites Spektrum sozialer Beziehungen zu beziehen, auch der Bürgerrechte. Nach ihr sind Bürgerrechte ein Ort für die Formulierung einer Reihe von Bedingungen über den Zugang zu Ressourcen und Zuteilung, aber die juristische und andere Kategorien sind geschlechterspezifisch und rassistisch geprägt (vgl. Anthias 2005: S.25/26).

Beispiel:

Der Berufsstatus:  Berufe mit einem höheren Einkommen, die höhere Qualifikationen und Bildung voraussetzen oder mit einer hohen sozialen Verantwortung verbunden sind haben ein höheres Ansehen als Berufe, die geringere Qualifikationen verlangen (Arzt versus Schreiner).

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Was bedeutet Stigma (Anthias)?

  1. was ist unter diesem Begriff zu verstehen (S.30; 39,f. )?
  • Ein Stigma entstehen aufgrund von Bedeutungsformenden und unterscheidenden  Merkmalen  des Körpers/ der Person. Dabei werden  Gruppierungen von "fester" und fest verwurzelter Natur erzeugt. (S.30)
  • Stigma führen auch zu sozialen Zuschreibungen und Positionen, die durch soziale Anerkennung / Fehlerkennung ausgedrückt werden. (S.30, 39)
  • Gäbe es diese Anerkennung nicht, wären  Herausforderungen wie Homosexualität nicht möglich. (S.30)
  • Stigma teilen Menschen aber auch in Gruppen ein und grenzen Sie von diesen ab . Jedoch müssen diese realen oder imaginären Grenzen, die starr oder fließend sein können, überschritten werden, um die Frage nach der eigenen Zugehörigkeit zu beantworten. Dabei ist zu beachten, dass diese Grenzen nicht nur aufgrund von körperlich eingeschriebenen Stigmata, sondern auch durch externe Zwänge entstehen können. (S.39,f)

 Quelle: Anthias, Floya (2005): „Rethinking Class - Culture, Identities and Lifestyles“, Kapitel 2 „Social Stratification and Social Inequality: Models of Intersectionality and ldentity“ S.30 und 39,f.

 2) ein Beispiel aus dem Alltag

Einem Mann werden aufgrund seiner körperlichen Eigenschaften andere Fähigkeiten zugeschrieben, als einer Frau. Das kann dazu führen, dass   Männer häufiger in Führungspositionen zu finden sind, als Frauen. Das Stigma „Mann“ hat aber nicht nur Vorteile. Durch sein Geschlecht wird er von der Gesellschaft von allen weiblichen Attributen ausgeschlossen. Aber um herauszufinden, ob diese Dinge trotzdem zu ihm gehören, müsste er diese Grenze überschreiten.

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Was bedeutet Überschneidungen / intersections (Anthias)?

Der Begriff der Überschneidung bezeichnet im Allgemeinen die Überlappung verschiedener sozialer Kategorien bei Individuen - traditionell meist Gender, Ethnizität und Klasse.

Nach Anthias kann die Überschneidung einerseits als Untersuchung der konkreten Überlappungen bei bestimmten Personen/Personengruppen gesehen werden oder andererseits als Betrachtung der Prozesse, die zu diesen Überschneidungen führen.

Unter anderem sollen so Korrelationen analysiert werden, die das Ergebnis der gleichzeitigen Anwesenheit mehrerer dieser Kategorien in einer Person sind, welche ohne diese Kombination möglicherweise ein anderes Ergebnis bewirkt hätten. Die Überschneidungen können aufzeigen, welche Eigenschaften momentan (in einem bestimmten Land etc) "prominent" sind, und eine Basis für politische Fragen und Änderungen bieten.

Ein Beispiel, welches Anthias selbst benennt (und auch selbst unter dem Blickpunkt der Intersektionalität als kritisch betrachtet), ist der Sexhandel mit jungen albanischen Frauen in Griechenland. In Hinblick auf Intersektionalität könnte so erkannt werden, dass es weder ein exklusiv Gender-fokussiertes Problem ist, also die Stellung der Frauen in der Gesellschaft dort, noch ein exklusiv rassistisches Problem, also die Stellung von albanischen Menschen in Griechenland betrachtend.

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Welche drei Vorstellungen lassen sich als gemeinsamer Kern aller Klassenbegriffe und auch vieler Schichtbegriffe festhalten?

Als gemeinsamer Kern aller Klassenbegriffe und auch vieler Schichtbegriffe – sofern diese etwas anspruchsvoller und komplexer definiert sind – lassen sich drei Vorstellungen festhalten:
1. Die Vorstellung der Klassen- bzw. Soziallagen: eine Bevölkerung lässt sich in verschiedene Gruppen untergliedern, die sich in jeweils ähnlichen Klassenlagen bzw. Soziallagen befinden. Klassen- und Soziallagen können insbesondere durch eines oder mehrere der folgenden Bestimmungsmerkmale – Geiger (1955, 191) nennt sie„Schichtdeterminanten“ – identifiziert werden: durch die Stellung zu den Produktionsmitteln, durch ähnliche Besitz- oder Einkommensverhältnisse, durch ähnliche Berufe oder ähnliche Qualifikationen.
2. Durch die Vorstellung von klassen- bzw. schichttypischen Prägungen und Subkulturen (Sozialisationsannahme): Menschen in ähnlichen Klassen- und Soziallagen leben unter ähnlichen Bedingungen und machen daher ähnliche Erfahrungen. Die Klassen- bzw. Soziallage beeinflusst deshalb ihr Denken, ihre Vorstellungswelt, ihre Mentalitäten, Werte, Interessen, Ideologien und Verhaltensweisen; es entsteht so etwas wie „Klassenbewusstsein“ (Karl Marx), „Schichtmentalität“ (Theodor Geiger), „Klassenhabitus“ (Pierre Bourdieu), schichtspezifische Einstellungs- und Verhaltensmuster, klassen- bzw. schichtspezifische Subkulturen. Der Zusammenhang von Klassen- und Soziallagen mit den Subkulturen wird in der Regel nicht vulgärmarxistisch-deterministisch gedeutet nach der Formel „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“; den Lagen entsprechen vielmehr „typische“ (Geiger 1932, 5) Subkulturen nach dem Muster der Wahrscheinlichkeit, d. h., nicht alle Menschen mit der Soziallage X entwickeln auch eine x-typische Mentalität, aber unter ihnen ist die x-typische Mentalität wahrscheinlicher bzw. häufiger als eine andere Mentalität.
3. Aus den Klassen- und Soziallagen mit ihren Ressourcen und Prägungen resultieren klassen- bzw. schichttypische Lebenschancen und Lebensrisiken (vgl. Geißler 1994, 3 f.). Für den Zusammenhang von Klassen- bzw. Soziallagen und Chancen/Risiken gilt dasselbe wie unter Punkt 2: Er ist nicht deterministisch, sondern typisch.


Zusammenfassend lässt sich der gemeinsame Kern der beiden Konzepte Klasse und Schicht in Anlehnung an Geiger wie folgt definieren: Die Begriffe Schicht und Klasse fassen Menschen in ähnlicher sozioökonomischer Lage zusammen, mit der aufgrund ähnlicher Lebenserfahrungen ähnliche Persönlichkeitsmerkmale (psychische Dispositionen, Einstellungen und Wertorientierungen, Bedürfnisse und Interessen, Mentalitäten, Habitus und Lebensstile) sowieähnliche Lebenschancen und Risiken verbunden sind (vgl. Abb. 5.1).

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Was besagt das Konzept der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft"?

Es geht von einer hochmobilen Sozialstruktur aus, in der kollektive Auf- und Abstiegsprozesse zur Einebnung der sozialen Klassen und Schichten führen und „damit zu einer sozialen Nivellierung in einer verhältnismäßig einheitlichen Gesellschaftsschicht, die ebenso wenig proletarisch wie bürgerlich ist, d. h. durch den Verlust der Klassenspannung und sozialen Hierarchie gekennzeichnet wird“ (Schelsky 1979, 327).

Das Konzept der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ hat eine wichtige Entwicklungstendenz richtig erfasst: die zahlenmäßige Ausdehnung der Mittellagen in der Schichtungshierarchie mit dem dort typischen angestiegenen Wohlstandsniveau, verbesserten Konsumchancen und mittelschichtspezifischen Einstellungs- und Verhaltensmustern. In seiner Überspitzung verstellt es jedoch den Blick für ein anderes zentrales Element der bundesdeutschen Sozialstruktur – für die Fortdauer von erheblichen sozialen Unterschieden. Die Kritik an Schelsky arbeitete mit Recht heraus,

  • dass in der Bundesrepublik in den 1960er Jahren weiterhin deutliche Mobilitätsbarrieren existierten;
  • dass Lebenschancen und wichtige Ressourcen wie Besitz, Einkommen, Bildung und Macht weiterhin sehr ungleich verteilt waren;
  • dass schichttypische Mentalitäten und Verhaltensdifferenzierungen fortlebten (vgl. z. B. Dahrendorf 1965, 94–115; Bolte u. a. 1967, 284–343).

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Was sind die Erkenntnisse um Klassengesellschaft versus soziale Schichtung?

Mit der kurzen Renaissance der neo-marxistischen Soziologie am Ende der 1960er und in den 1970er Jahren entzündeten sich hitzige Debatten an einer Frage, auf die Geiger und Schelsky, aber auch die schichtsoziologischen Kritiker Schelskys längst eine Antwort gefunden hatten: Ist die

Bundesrepublik weiterhin in erster Linie eine Klassengesellschaft im Marx’schen Sinne? Es wurde wiederholt versucht, die Sozialstruktur der Bundesrepublik in das enge Korsett der klassischen oder leicht revidierten Konzepte der Marx’schen Klassentheorie zu zwängen. Die folgenden Gesichtspunkte wurden als angeblich strukturprägend hervorgehoben:

  • die herausragende Bedeutung der Produktionsverhältnisse, insbesondere die vor- rangige Relevanz des Produktionsmittelbesitzes und der Kapitalverwertung für die sozialen und politischen Strukturen;
  • die zentrale strukturelle Bedeutung des Widerspruchs von Arbeit und Kapital, des Interessengegensatzes von Lohnarbeitern und Kapitalisten für die Lebensbedin-gungen des Einzelnen;
  • die Vertiefung und Zuspitzung des „Antagonismus von Lohnarbeiter- und Kapitalverwerterklasse“ (Tjaden-Steinhauer/Tjaden 1973, 187).

Die hinter Geiger zurückfallenden Kernaussagen der Neomarxisten blieben wenig überzeugend und werden heute kaum noch vertreten. Dennoch war die Kontroverse zwischen neomarxistischen Klassentheoretikern und nichtmarxistischen Schichttheoretikern für die Sozialstrukturanalyse ertragreich: Sie lenkte die Aufmerksamkeit der Schichtungssoziologen auf die Zusammenhänge sozialer Ungleichheit mit ökonomischen Faktoren sowie auf die Einflüsse von Marktchancen und tariflichen Machtkämpfen auf die Verteilung begehrter Güter. Sie veranlasste die Schichtungstheoretiker dazu, sich stärker von der Nivellierungsvorstellung Schelskys zu distanzieren und die weiterhin bestehenden markanten Unterschiede inden Lebensbedingungen – in den Besitz- und Einkommensverhältnissen, in den Einfluss- und Bildungsmöglichkeiten – und die ebenfalls nachweisbaren schichttypischen Denk- und Verhaltensweisen hervorzuheben.

Sozialstrukturanalyse

Was besagt das Konzept der Klassengesellschaft im Schmelztiegel?

Das Konzept der Klassengesellschaft im Schmelztiegel. Bereits 1948/49 verfasste Geiger eine Streitschrift mit dem programmatischen Titel „Die Klassengesellschaft im Schmelztiegel“. Darin konfrontierte er die marxistische Klassentheorie mit den sozialstrukturellen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und unterzog sie einer umfassenden Kritik. Seine These von der Einschmelzung der Klassengesellschaft untermauerte er im Wesentlichen mit den folgenden Tendenzen des sozialstrukturellen Wandels:

  • Die Schichtstruktur wird nicht homogener und einfacher, sondern zunehmend differenzierter. Der alte Mittelstand verschwindet nicht, sondern bleibt – verkleinert – erhalten und übernimmt neue Funktionen im Wirtschaftsprozess. Der Anteil der Lohnabhängigen wächst zwar, aber innerhalb dieser Gruppe entstehen neue soziale Unterschiede, deren trennende Wirkung stärker ist als die einende Kraft des Produktionsverhältnisses. Von diesem Differenzierungsprozess wird auch die Arbeiterschaft erfasst, da der technische Fortschritt die Arbeitsprozesse auffächert, was wiederum Unterschiede in den Qualifikationen und Entlohnungen nach sich zieht.
  • Die Klassenkonflikte gewinnen nicht an Schärfe, sondern flauen ab. Ursachen dafür sind das Auftauchen des neuen, zum Teil nicht-sozialistischen Mittelstandes der Angestellten und Beamten, die „Institutionalisierung des Klassenantagonismus“ (Geiger 1949, 182) in den Spielregeln des Tarifkonflikts und die Abkühlung des proletarischen Klassenbewusstseins bei den Arbeitern – eine Folge der zunehmenden Differenzierung innerhalb der Arbeiterschicht und ihres wachsenden Wohlstandes.
  • Quer zu den Klassenstrukturen verlaufen neue Linien der Differenzierung: Stadt-Land-Unterschiede und der Interessengegensatz von Produzierenden und Gruppen außerhalb der materiellen Produktion.

Sozialstrukturanalyse

Welche zwei wichtigen qualitativen Veränderungen werden im Haus-Modell von 2009 nicht sichtbar?

Zum einen hat sich das vergleichsweise einfache Wohnhaus der 1960er Jahre inzwischen in eine ansehnliche Residenz mit Komfortappartements verwandelt; selbst im Kellergeschoss ist es – von einigen Ecken abgesehen – inzwischen etwas wohnlicher. Zum anderen sind die Decken und Wände noch durchlässiger geworden. An diesem Punkt muss auf ein leicht entstehendes und weit verbreitetes Missverständnis von Schichten und Schichtmodellen hingewiesen werden. Die eingezeichneten Linien in dem Modell könnten die Vorstellung suggerieren, es handle sich bei Schichten um „scharf gegeneinander abgesetzte Gruppierungen von Menschen in jeweils eindeutig besserer oder schlechterer Soziallage“ – so z. B. die Definition von Schicht bei Bolte/Hradil (1988, 348). Scharfe Abstufungen dieser Art existieren in ständischen Gesellschaften oder Kastengesellschaften, in modernen, differenzierten Gesellschaften dagegen weisen Schichten keine klaren Grenzen auf; sie gehen vielmehr ineinander über und überlappen sich zunehmend (Überlappungshypothese).

Die Zusammenhänge von Soziallagen einerseits, Mentalitäten und Verhaltensweisen andererseits haben sich weiter gelockert. Außerdem sind schichttypische Unterschiede an der lebensweltlichen Oberfläche auf den ersten Blick schwerer wahrnehmbar geworden; sie haben sich stärker in die „Tiefenstruktur“ der Gesellschaft verlagert, und es bedarf häufig der theoretischen und empirischen Analyse, um sie sichtbar zu machen (Latenzhypothese – Beispiele dazu bei Geißler 1990a, 96 ff.). Um im Bild des Hauses zu bleiben: Die Stockwerke und Zimmer der Residenz sind nicht durch durch- gehende Decken und Wände gegeneinander abgeschottet, sondern verstellbare Wände, Raumteiler und halboffene Etagen zeigen viele Durch- und Übergänge an. Im Kap. 12.3
über die Mobilitätsmuster westdeutscher Männer im Generationenvergleich wird im Detail dargestellt, wie die Söhne im Vergleich zu ihren Vätern in den Etagen des Hauses auf- und absteigen oder auf derselben Etage die Räume wechseln. Die Binnenarchitektur des Hauses ermöglicht heute stärker als in den 1960er Jahren „offenes Wohnen“ in nicht deutlich voneinander getrennten Etagen und Räumen. Dennoch sind die Menschen weiterhin genötigt oder gewollt, sich vornehmlich in bestimmten Wohnbereichen aufzuhalten.

Sozialstrukturanalyse

Welche zwei analytische Begrenzungen lassen sich bei dem EGP-Klassenschema ausmachen?

Auch neuere Schicht- und Klassenmodelle können – wie andere Modelle auch – nur bestimmte, ausgewählte Facetten der vielfältigen gesamtgesellschaftlichen Ungleichheitsstruktur erhellen, andere Facetten werden durch sie nur unzureichend ausgeleuchtet oder bleiben im Dunkeln. Es lassen sich insbesondere zwei analytische Begrenzungen ausmachen:

  • Vertikalität: Schichtmodelle konzentrieren sich auf die traditionelle vertikale Dimension der sozialen Ungleichheit, auf Unterschiede nach Berufsposition, Qualifikation oder ökonomische Lage und blenden „horizontale“ Ungleichheiten – z. B. nach Geschlecht, Alter, Generation, privater Lebensform, Region oder Erwerbstätigkeit/Nichterwerbstätigkeit aus. Damit erfassen sie von der Multidimensionalität der modernen Ungleichheitsstruktur nur eine, allerdings eine zentrale Dimension – die vertikale.
  • Unzureichende kulturelle Vielfalt: Schichtmodelle erfassen nur unzureichend die zunehmende Vielfalt der Mentalitäten, Lebensstile, Milieus, Interessen, Subkulturen und ähnliches, die vor den Schichtgrenzen nicht Halt macht. Dadurch werden Unterschiede in den Mentalitäten, Lebensstilen etc. innerhalb der Schichten zu wenig beachtet; dasselbe gilt für diesbezügliche Überlappungen und Gemeinsamkeiten zwischen den Schichten.

Sozialstrukturanalyse

Welchen neuen Zugang zur Ordnung und Analyse sozialstruktureller Vielfalt bieten die Milieu- und Lebensstilanalysen?

Einen völlig anderen Zugang zur Ordnung und Analyse sozialstruktureller Vielfalt wählen die Milieu- und Lebensstilanalysen, die sich in der deutschen Sozialstrukturforschung in den 1980er Jahren zunehmend ausbreiten. Während Klassen-, Schicht- und Lagenmodelle Menschen zunächst nach ausgewählten Merkmalen ihrer „objektiven“ Lebensbedingungen in verschiedene Gruppen gliedern und anschließend danach fragen, ob und wie typische Klassen- bzw. Soziallagen mit bestimmten Subkulturen und Lebenschancen zusammenhängen, gehen die Milieu- und Lebensstilmodelle genau umgekehrt vor: Sie ordnen zunächst die kulturelle Vielfalt (Wertorientierungen, Einstellungen, Verhaltensweisen, Interaktionen u. a.) nach bestimmten Mustern und fragen – wenn überhaupt – erst in einem zweiten Schritt danach, wie diese kulturellen Muster mit den „objektiven“ sozialstrukturellen Merkmalen zusammenhängen. Es ist daher gerechtfertigt, Milieu- und Lebensstilanalysen als kultursoziologische bzw. kulturalistische Ansätze der Sozialstrukturforschung zu bezeichnen. Die Milieu- und Lebensstilmodelle weisen eine ähnliche Schwäche auf wie die Klassen-, Schicht- und Lagenmodelle: Ihre zentralen Begriffe sind unscharf und tauchen in verschiedenen Varianten auf (zum Lebensstilbegriff vgl. z. B. Hartmann 1999, 15 ff. und
Meyer 2001a, 259 f.). Soziale Milieus und Lebensstile lassen sich daher auch nicht genau gegeneinander abgrenzen.

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Was versteht man unter Lebensstilen?

Unter Lebensstil wird ein relativ stabiles, regelmäßig wiederkehrendes Muster der alltäglichen Lebensführung verstanden – ein „Ensemble“ von Wertorientierungen, Einstellungen, Deutungen, Geschmackspräferenzen, Handlungen und Interaktionen, die aufeinander bezogen sind; es weist in der Regel die vier folgenden Merkmale auf:

  • Lebensstile sind bereichsübergreifend mit einem Schwerpunkt im Freizeit- und Konsumbereich. Neben diesem Bereich beziehen sie sich auf Familienleben, Geschmack und kulturelle Interessen, manchmal auch – meist aber mehr am Rande – auf Arbeit und Politik.
  • Lebensstilanalysen rücken expressiv-ästhetische Orientierungen und Handlungen ins Zentrum – die mehr oder weniger bewusste Selbstdarstellung (Stilisierung) der Individuen in Fragen des Geschmacks und der kulturellen Interessen.
  • Lebensstile haben ganzheitlichen, sinnhaften Charakter. Ihre verschiedenen Elemente ergeben für die Individuen „ein Ganzes“ und machen „subjektiven Sinn“.
  • Lebensstile sind identitätsstiftend und distinktiv (abgrenzend, ausgrenzend). Sie schaffen individuelle oder auch kollektive Identitäten, weil sich Menschen oder Gruppen mit einem bestimmten Muster der Lebensführung identifizieren und gegen andere abgrenzen.

Sozialstrukturanalyse

Was versucht man mit Schichtmodellen darzustellen und was können diese nicht abbilden?

Modelle können Wirklichkeit nicht abbilden; in diesem Sinne sind sie stets unvollständig und einseitig. Sie sind lediglich ein Hilfsmittel des Analytikers, um nach dem Prinzip der „informierten Willkür“ (Dahrendorf) die wesentlichen Strukturen der Wirklichkeit genauer zu erkennen. In Schichtmodellen wird versucht, die Gesamtbevölkerung so zu gliedern, dass Gruppierungen mit ähnlicher Soziallage und damit verknüpften typischen Subkulturen und Lebenschancen entstehen.

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