Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion an der Universität Duisburg-Essen

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Vorrangige Aufgaben der Diagnostik in pädagogischen Kontexten

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Geschlechterunterschiede bei Intelligenzmodellen?

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Diagnostische Beschreibungssysteme

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Argumente für statistische Urteilsbildung

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Vielfältigkeit der Definition von Intelligenz

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Objekte der Psychodiagnostik

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Verknüpfungsregeln

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Zählen und Messen als methodische Zugänge der klassischen Psychodiagnostik

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Glockenkurven

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Konstruktvalidität –im Kern der Validitätsdiskussion

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Allgemeine Rahmenbedingungen bei diagnostischer Datenerhebung

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Zentrales Konstrukt: Selektive Aufmerksamkeit

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Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Vorrangige Aufgaben der Diagnostik in pädagogischen Kontexten

  • „Zur pädagogischen Diagnostik gehören [...] die diagnostischen Tätigkeiten, die die Zuweisung zu [...] individuellen Förderungsprogrammen ermöglichen sowie die mehr gesellschaftlich verankerten Aufgaben [...] der Erteilung von Qualifikationen zum Ziel haben.“ (Ingenkamp& Lissmann, 2008, S. 13)
  • Im Fokus stehen also Entscheidungen mit Bedeutung für:
    • die Selektion/Platzierung: Herstellung optimaler Passung von diagnostischen Objekten (Personen!) und Kontexten
    • bzw. die Begründung von Intervention/Förderung: Ansatzpunkt für Veränderung des diagnostischen Objekts und Bewertung des Erfolgs dieser Maßnahmen

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Geschlechterunterschiede bei Intelligenzmodellen?

  • Intelligenztests sind (via Normierung) so angelegt, dass sie Geschlechterunterschiede minimieren
  • Generell gilt:
    • Keine Unterschiede bzgl. g
    • IQ-Scores von Jungen/Männern variieren ggf. stärker und
    • unterscheiden sich in bestimmten Tests von denen von Mädchen/Frauen.

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Diagnostische Beschreibungssysteme

  • Diagnostische Zugänge haben (u.a.) das Ziel, die Objekte der Diagnostik vergleichend zu beschreiben.
  • ergleichende Aussagen (e.g. interindividuell, normorientiert etc.) in der Psychodiagnostik basieren auf zwei grundsätzlich verschiedenen Beschreibungsansätzen:
    • Kategoriale Modelle: sog. qualitative/typologische Beschreibungen ordnen diagnostische Objekte bestimmten Kategorien zu („Bei Erika manifestiert sich eine Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens.“)
    • Dimensionale Modelle: sog. quantitative Systeme gehen von kontinuierlichen Eigenschaftsdimensionen aus, in Bezug auf die ein diagnostisches Objekt beschrieben wird („Erikas Impulskontrolle ist gering“, „Erika neigt zu Wutanfällen“...).

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Argumente für statistische Urteilsbildung

  • Menschliche Informationsverarbeitungskapazität ist beschränkt, i.e. Integration großer Datenmengen ist nicht möglich
  • Faktoren wie Salienz best. Information, Affekt etc. verzerren menschliches Urteil systematisch
  • Heuristiken (i.e. auf begrenztem Wissen basierend) statt Algorithmen

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Vielfältigkeit der Definition von Intelligenz

100 Jahre systematische Intelligenzforschung und dennoch haben wir keine allgemeingültige Definition! 


Versuche: 

  • „Intelligenz ist das, was ein Intelligenztest misst.“ (Edwin Bohring, Experimentalpsychologe)
  • „Intelligenz ist adaptives Denken und Handeln.“ (Jean Piaget, Entwicklungspsychologe)
  • „Intelligenz umfasst die mentalen Fähigkeiten, die notwendig sind, um das Individuum an seine Umwelt anzupassen und um ihm gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, diese auszuwählen und zu formen.“ (Robert Sternberg, Pädagogischer Psychologe)

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Objekte der Psychodiagnostik

  • Häufig stehen Personen im Fokus von Diagnostik.
  • Aber sicher nicht ausschließlich!
    • Gruppen
    • Institutionen
    • Macrosysteme

⟶vgl. Bronfenbrenners (1979) ökologische Systemtheorie als Modell der möglichen Betrachtungsebenen

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Verknüpfungsregeln

  • Additive Verknüpfung(Beispiel X) -> Motto: Das Gesamtpaket muss stimmen...!
    • (Gleich skalierte!) Einzelscores werden (gewichtet oder ungewichtet!) zu einem Gesamtscore aufaddiert. ⟶ Setzt vollständige wechselseitige Kompensierbarkeit der Prädiktoren voraus!
  • Konjunktive Verknüpfung(Beispiel Y) -> Motto: Ein bestimmtes Niveau unterschreiten wir nirgends...!
    • Keiner der Einzelscores darf ein bestimmtes Mindestmaß nicht unterschreiten. ⟶ Kann mit kompensatorischen Ansätzen verbunden werden (= schwach konjunktiv), indem jeweils (mittlere) Wertintervalle angegeben werden, innerhalb derer sich Merkmale kompensieren können!
  • Disjunktive Verknüpfung(Beispiel Z) -> Motto: Hauptsache irgendwo stimmt dann alles...!
    • Ist nur bei einem Prädiktor der Grenzwert überschritten, ist die Ausprägung der zweiten Variable unerheblich. ⟶ Auch hier: Kann mit kompensatorischen Ansätzen verbunden werden (= schwach disjunktiv)
  • Bedenke: Mehrstufige Verfahren (z.B.Personalauswahlzugänge) sind zwangsläufig konjunktiv, i.e. in jedem Schritt muss ein Grenzwert erreicht werden

⟶ Eignung der Variante hängt vom Bereich ab (vgl. e.g. Fahrerlaubnis)!

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Zählen und Messen als methodische Zugänge der klassischen Psychodiagnostik

  • Quantifizierung von Merkmalen impliziert die Zuordnung von numerischen Werten zu Merkmalsausprägungen
  • Dabei: Das Zählen gibt Auskunft über Häufigkeit; das Messen erlaubt eine feinere Erfassung von Ausprägung:
    • Diskrete Merkmale, die also zur Erfassung nur ganze Zahlen zulassen (Anzahl von Studierenden in der VL, Anzahl von Fehlern in einem Test, o.ä.), werden gezählt.
    • Stetige Merkmale, die zur Erfassung in ganzen Zahlen nicht geeignet sind (Körpergröße, Hautleitfähigkeit, o.ä.), werden gemessen.

⟶ Prinzipielle Messbarkeit muss sichergestellt sein und Messinstrumentarium muss gefunden werden (Operationalisierung!)

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Glockenkurven

  • Die Normalverteilung ist die am häufigsten vorkommende bzw. angenommene Verteilungsform für die Werteverteilungen bzgl. isolierter Merkmale in Populationen (Größe, IQ, ...). 
  • Besondere Nettigkeiten:
    • 50% der Werte liegen unter dem Mittelwert
    • sie ist tollerweise sogar symmetrisch
    • die meisten Werte stapeln sich um den Mittelwert
    • je extremer die Werte, desto seltener 
    • je größer n, desto mehr schmiegt sich die Verteilung der Werte an eine Glockenkurve an  


Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Konstruktvalidität –im Kern der Validitätsdiskussion

Ist gegeben, wenn Messergebnisse mit theoretischabgeleiteten Messvorhersagen übereinstimmen.

⟶ Setzt ein umfassendes Theoriegebäude voraus, in die das gemessene Merkmal eingebettet ist!

Ist gegeben bei: 

  • Konvergenzvalidität: Messergebnisse theoretisch zusammenhängender Konstrukte (eg. Intelligenz, abstraktes Denken) hängen zusammen
  • Diskriminanzvalidität: Messergebnisse theoretisch zu unterscheidender Konstrukte (eg. Intelligenz, Persönlichkeit) unterscheiden sich

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Allgemeine Rahmenbedingungen bei diagnostischer Datenerhebung

Im Kontext der Erhebung sensibler (!) diagnostischer Daten sind enge (und teilweise länderspezifische!) rechtliche sowie ethische Rahmenbedingungen zu beachten!

Pädagogisch-psychologische Diagnostik und Inklusion

Zentrales Konstrukt: Selektive Aufmerksamkeit

  • Selektive Aufmerksamkeit („Spotlight“-Metapher) bezeichnet die Fähigkeit
    • auf einen bestimmten Reizausschnitt zu fokussieren
    • und geht einher mit einer beschränkten Wahrnehmung des Restumfelds.

⟶ In diesem Sinne entspricht selektive Aufmerksamkeit unserem Alltagsbegriff von Aufmerksamkeit am ehesten 

  • Aufmerksamkeit in diesem Sinne ist eng mit Bewusstsein verbunden, denn Aufmerksamkeitszuwendung zu einem äußeren oder inneren Reiz ist Bedingung dafür, dass uns dieser bewusst wird.

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