Vom Symptom Zur Diagnose an der Private Hochschule Göttingen | Karteikarten & Zusammenfassungen

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TESTE DEIN WISSEN

Was versteht man unter einem Symptom?

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TESTE DEIN WISSEN
  • beobachtbares Einzelmerkmal einer Störung
  • kleinste beschreibbare Untersuchungseinheit in der Klinischen Psychologie bzw. Medizin
  • Patient kann darüber selbst Auskunft geben (Selbstbeurteilung). Andere Symptome müssen durch den Diagnostiker festgestellt werden (Fremdbeurteilungen).
    • Beispiel für das Symptom »Zwangsgedanken«: Zwangsgedanken sind automatische Gedanken und Gefühle, welche sich gegen den Willen des Betroffenen immer wieder aufdrängen. Sowohl durch ihre Unkontrollierbarkeit als auch durch ihre Inhalte sind Zwangsgedanken für den Betroffenen quälend und können dessen Alltagsleben stark beeinträchtigen.
  • Verlaufskriterien: Neben der inhaltlichen Bestimmung eines Symptoms ist auch die Erfassung des Verlaufs wichtig.
    • Zum Beispiel Abgrenzung normaler Angst in Herausforderungssituationen im Vergleich zu Panikattacken scheinbar aus dem Nichts
  • Drei Arten von Symptomen:
    • Leit- oder Kernsymptome: Typische Symptome, welche mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine spezifische Störung hinweisen
      • z. B. Entzugserscheinungen bei Abhängigkeitsstörungen oder 
      • Stimmenhören bei schizophrenen Psychosen
    • Fakultative (»nicht zwingend«) oder akzessorische (»nebensächliche«) Symptome: Das sind ebenfalls typische Symptome, welche allerdings wahlweise bzw. alternativ bei einer Störung auftreten können.
      • z. B. Appetitverlust oder -steigerung bei Depressionen
      • Vernichtungsangst oder Angst, verrückt zu werden, bei Panikstörungen
    • Unspezifische Symptome: Diese meist genauso schwerwiegenden Symptome treten gleichzeitig bei vielen psychischen Störungen vollständig unterschiedlicher Art auf.
      • z. B. Konzentrationsschwierigkeiten
      • Ein- und Durchschlafstörungen,
      • Verwirrtheit (deliranter Zustand)
      • Grübeln
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Was war die hauptsächliche Schlussfolgerung aus dem klassischen Rosenhan-Experiment?

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  • Das Rosenhan-Experiment zeigt den klassischen Kunstfehler des nicht reliablen, vorschnellen Diagnostizierens
  • keine allumfassende Symptomerfassung bzw. unzureichende Anamnese
  • ein Symptom (Hören von Stimmen) und ein Kriterium (Verwahrlosung) reichten aus, um weitreichende Diagnosen zu stellen und entsprechende Therapiemaßnahmen einzuleiten.
    • Zwölf gesunde Probanden meldeten sich in psychiatrischen Institutionen, nachdem sie ihr Äußeres willentlich hatten verwahrlosen lassen, wobei sie vorgaben, Stimmen gehört zu haben. Obwohl keinerlei weitere Symptome angegeben wurden, wurden sämtliche »Pseudopatienten« stationär aufgenommen. Elf erhielten wurden mit Schizophrenie diagnostiziert, einer mit einer manisch-depressiven Psychose. Aller erhielten Medikamente.
  • Ein Leitsymptom kann den diagnostischen Prozess nicht abkürzen. Leitsymptome sind nur dann kennzeichnend für eine psychische Störung, wenn sie mit einer bestimmten
    • Schwere, Häufigkeit und Dauer sowie
    • in Verbindung mit anderen typischen Symptomen auftreten.
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Was ist ein Syndrom?

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  • überzufälliges bzw. gehäuftes Zusammentreffen von typischen Symptomen (»Symptomverband«)
  • Stufe zwischen »Symptom« und »Diagnose«
  • häufige Verwendung: Syndrom = vorläufige Diagnose für Störungen, die in den gültigen Störungsklassifikationsverzeichnissen noch nicht als offizielle Diagnosen anerkannt werden, z. B.
    • suizidales Syndrom
    • Burnout-Syndrom
    • Battered-Child-Syndrom (Kindesmisshandlung)
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Was versteht man unter einer Diagnose?

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Kategoriale Diagnosen


  • Zuordnung der Symptomkonstellation zu einer definierten Störungskategorie 
    • Diagnosen sind vom Gesundheitswesen und den Krankenversicherungen anerkannte (sog. krankheitswertige) Gesundheitsstörungen.
    • Ausgangspunkt für weitere Entscheidungen (z. B. für Beratung, Therapie, Rehabilitation bzw. Berentung)
  • übliche Form der kategorialen Diagnose: klassifikatorische Diagnostik gemäß ICD und DSM; wichtig für:
    • sinnvolle Zuordnung zu präventiven und therapeutischen Maßnahmen einschließlich der Beachtung eindeutiger Kontraindikationen
    • wissenschaftliche Erforschung psychischer Störungen von der Grundlagenforschung bis zur Versorgungsforschung
    • Versicherungsrechtliche, juristische begutachtungs- und sozialverwaltungsbezogene Regelungen mit diagnosenbezogenen Fallgruppen (diagnosis-related groups: DRG) zur Steuerung der Finanzierung des Gesundheitswesens (Fallpauschalen)
  • Problem: Einordnen in Schubladen → Stigmatisierung (»der Schizophrene« anstatt »Patient mit einer schizophrenen Störung«)


Dimensionale Diagnosen


  • Messen des Ausmaßes eines Merkmals oder einer Eigenschaft
  • Unterschiede sind quantitativer Natur (z. B. »geringe«, »moderate«, »hohe Ausprägung«)
  • Anwendung in klinischer Psychologie:
    • Fragebögen oder Fremdbeurteilungsskalen für Depressivität, Ängstlichkeit, Impulsivität oder die generelle psychische Belastung
    • Einschätzung von weiteren Dimensionen der klassifikatorischen Diagnostik, etwa für die sogenannten Achsen IV und V des DSM »Schwere der psychosozialen Belastungsfaktoren« und »Niveau der sozialen Anpassung im letzten Jahr«
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Kennzeichnen Sie die kategoriale und die dimensionale Diagnostik und nennen Sie für beide jeweils ein Anwendungsbeispiel.

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Kategoriale Diagnostik:

  • Gruppierung der interessierenden Merkmale und Einordung dieser Gruppen in ein System von Kategorien (Klassen)
  • zugrunde liegende Annahme: Es gibt sinnvolle Gruppierungen der zu diagnostizierenden Phänomene (z. B. auf Grund gemeinsamer Ätiologie, überzufällig gemeinsames Auftreten) und außerdem bestehen qualitative Unterschiede zwischen diesen Gruppen.
    • klassifikatorische Diagnostik gemäß ICD und DSM 
    • einheitliche Fachsprache für klinische, wissenschaftliche und versicherungsrechtliche Zwecke


Dimensionale Diagnostik: 

  • Beschreibung von Eigenschaften oder Merkmalen einer Person (z. B. Intelligenz) entlang eines Kontinuums anhand einer oder mehrerer Dimensionen (z. B. fluide und kristalline Intelligenz)
  • Feststellbare Unterschiede sind dabei quantitativer Natur und kontinuierlich verteilt. 
  • Qualitative Unterschiede können hierbei lediglich zwischen mehreren zugrunde liegenden Dimensionen bestehen.
  • Für die Vergabe einer Diagnose wird die Ausprägung auf der oder den Dimensionen des Diagnoseinstruments festgestellt.
    • Beispiel: verschiedene Fragebögen, z. B. das Beck-Depressions-Inventar (BDI) zur Erfassung der subjektiven Schwere einer Depression oder der Mehrdimensionale Befindlichkeitsfragebogen (MDBF), der die drei bipolaren Befindlichkeitsdimensionen »gute-schlechte Stimmung«, »Wachheit-Müdigkeit« und «Ruhe-Unruhe« erfasst.
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Welche Vorteile bietet die klassifikatorische Diagnostik?

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Vorteile


  • Voraussetzung: Verantwortliche Anwendung der klassifikatorischen Diagnostik 
  • bessere Kommunikation durch einheitliche und klar definierte Nomenklatur (Fachsprache)
  • Notwendigkeit sinnvoller Informationsreduktion, da der idiografische Ansatz schwerer zu praktizieren ist
  • ökonomische Informationsvermittlung und einfache Handlungsanleitung für das praktische Vorgehen
    • sinnvolle Zuordnung von präventiven und therapeutischen Maßnahmen
    • wissenschaftliche Erforschung psychischer Störungen (von der Grundlagen- bis zur Versorgungsforschung)
    • versicherungsrechtliche, juristische Begutachtungs- und sozialverwaltungsbezogene Regelung diagnosebezogener Fallgruppen


Nachteile


  • Gefahr der Stigmatisierung durch Vergabe diagnostischer Etiketten 
  • Informationsverlust infolge mangelnder detaillierten Beschreibung des Einzelfalls
  • Gefahr der Verwechslung von Deskription und Erklärung
  • Gefahr der Reifikation (Verdinglichung) künstlicher Einheiten, wobei Typologien zugrunde liegende Dimensionen verschleiern können
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Bei welchen Symptomen ist es erforderlich, dass eine diagnostische Fremdbeurteilung vorgenommen wird und nennen Sie ein Beispiel dafür.

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  • Wenn ein Patient keine Einsicht hinsichtlich der Abnormität eines Symptoms zeigt
    • Verbale Informationen
      • Beispiel: Dissoziative Amnesie(Die dissoziative Amnesie ist eine psychische Erkrankung, die sich in Form von Gedächtnisstörungen bzw. Erinnerungslücken äußert, welche über das normale Maß von Vergesslichkeit hinausgehen. Die Krankheit gehört zur Gruppe der dissoziativen Störungen) Dissoziationen sind auf psychische Funktion beschränkt, welche u. U. nur fremdanamnestisch eruiert und aufgeklärt werden können, wie z. B. Erinnerungsverlust für zumeist aktuelle traumatisierende oder belastende Ereignisse (Unfälle, unerwartete Trauerfälle).
    • Nonverbale Informationen: Körperhaltung und Stimmlage, zum einen als Bestätigung für den Stimmungszustand oder zum anderen als Widerspruch zu Aussagen des Patienten, außerdem Gefühle des Diagnostikers – vor und während des Gesprächs im Sinne der sogenannten Gegenübertragung (z. B. Missbrauch verursacht Misstrauen, diese spürt der Therapeut).
      • Beispiel: Parathymie (affektive Inadäquatheit) – hierbei handelt es sich um eine Störung der Affektivität bzw. des Affektlebens, welche sich in Dissonanz zwischen dem gegenwärtigen Erleben und dem Gefühlsausdruck äußert (z. B. Lachen, während vom Tod einer nahestehenden Person berichtet wird).
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Wie sind psychische Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter definiert?

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  • Zustand unwillkürlich gestörter Lebensfunktionen, der durch Beginn, Verlauf und ggf. auch Ende eine zeitliche Dimension aufweist und ein Kind oder einen Jugendlichen entscheidend daran hindert, an den alltagstypischen Lebensvollzügen aktiv teilzunehmen und diese zu bewältigen
  • verschiedene Normen auffälligen Verhaltens:
    • ideale Norm: Es gelten Personen als normal, die vollkommen ohne Beschwerden leben.
    • soziale Norm: Es gelten Personen als normal, die so leben, wie es die Gesellschaft von ihnen erwartet.

    • statistische Norm: Es gelten Personen als normal, die der Mehrheit aller Personen angehören.

    • funktionelle Norm: Es gelten Personen als normal, die ihre Aufgaben erfüllen.

  • Nicht nur psychische Symptome von Bedeutung, sondern auch:
    • Stärke und Anzahl der Symptome
    • die mit den Symptomen einhergehenden psychosozialen Beeinträchtigungen
    • Leistungsbeeinträchtigungen, die auch durch mögliche Ausgleichsprozesse nicht mehr verhindert werden können 
    • Dauer der Symptomatik und der Beeinträchtigungen
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Beschreiben Sie die Prinzipien der Diskrepanz- und Normalitätsannahme.

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  • Diskrepanzannahme: Die Leistungen eines Kindes in einem standardisierten Test zur Erfassung sprachlicher, schulischer oder motorischer Leistungen weichen deutlich ab von der
    • Altersnorm und dem
    • allgemeinen Leistungsniveau des Kindes
  • Normalitätsannahme: 
    • keine neurologischen, sensorischen oder körperlichen Beeinträchtigungen
    • keine Intelligenzminderung (d. h. normale Intelligenz: nonverbaler IQ > 70) 
    • keine tiefgreifenden Entwicklungsstörung
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Wie werden umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache in der ICD-10 und im DSM-IV-TR klassifiziert?

F80

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ICD-10


  • Kapitel F80.0 bis F80.9 umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache 
    • Artikulationsstörungen
    • expressive Sprachstörungen
    • rezeptive Sprachstörungen
    • Landau-Kleffner-Syndrom 


DSM-IV-TR


  • Kategorie der Kommunikationsstörungen
    • phonologische Störungen
    • expressive Sprachstörungen 
    • kombinierte rezeptiv-expressive Sprachstörungen
    • Stottern
  • Im Gegensatz zur ICD-10 fordert das DSM-IV-TR zusätzlich, dass die Einschränkungen in den Bereichen Sprache und Sprechen die schulischen Leistungen sowie die soziale Kommunikation des betroffenen Kindes einschränken (Kriterium B).
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Wie werden umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten in der ICD-10 und im DSM-IV-TR klassifiziert?

F81

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  • ICD-10: umschriebene Entwicklungsstörungen der schulischen Fertigkeiten
  • DSM-IV-TR: Lernstörungen
  • drei Kategorien:
    • Lesestörungen
    • Rechtschreibstörungen 
    • Rechenstörungen
  • Erwerb der Lese-, Schreib- oder Rechenfertigkeiten von Beginn an beeinträchtigt, ohne dass Phasen einer unauffälligen Entwicklung zu verzeichnen sind.
  • Die Störungen werden weder durch einen Mangel an Lernmöglichkeiten noch durch Krankheiten oder erworbene Hirnschädigungen verursacht.
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Was verstehen Sie allgemein unter dem diagnostischen Vorgehen in der klinischen Psychologie?

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  • Erfassen und Beschreiben von psychischen bzw. zwischenmenschlichen Problemen, Symptomen und psychischen Störungen
  • kategoriale Klassifikation: Klärung, ob eine Störung vorliegt und ggf. welche Störung
  • dimensionale Diagnostik: Erfassung, in welchem Ausmaß einzelne Symptome ausgeprägt sind und zu welchen Beeinträchtigungen sie führen
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Q:

Was versteht man unter einem Symptom?

A:
  • beobachtbares Einzelmerkmal einer Störung
  • kleinste beschreibbare Untersuchungseinheit in der Klinischen Psychologie bzw. Medizin
  • Patient kann darüber selbst Auskunft geben (Selbstbeurteilung). Andere Symptome müssen durch den Diagnostiker festgestellt werden (Fremdbeurteilungen).
    • Beispiel für das Symptom »Zwangsgedanken«: Zwangsgedanken sind automatische Gedanken und Gefühle, welche sich gegen den Willen des Betroffenen immer wieder aufdrängen. Sowohl durch ihre Unkontrollierbarkeit als auch durch ihre Inhalte sind Zwangsgedanken für den Betroffenen quälend und können dessen Alltagsleben stark beeinträchtigen.
  • Verlaufskriterien: Neben der inhaltlichen Bestimmung eines Symptoms ist auch die Erfassung des Verlaufs wichtig.
    • Zum Beispiel Abgrenzung normaler Angst in Herausforderungssituationen im Vergleich zu Panikattacken scheinbar aus dem Nichts
  • Drei Arten von Symptomen:
    • Leit- oder Kernsymptome: Typische Symptome, welche mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine spezifische Störung hinweisen
      • z. B. Entzugserscheinungen bei Abhängigkeitsstörungen oder 
      • Stimmenhören bei schizophrenen Psychosen
    • Fakultative (»nicht zwingend«) oder akzessorische (»nebensächliche«) Symptome: Das sind ebenfalls typische Symptome, welche allerdings wahlweise bzw. alternativ bei einer Störung auftreten können.
      • z. B. Appetitverlust oder -steigerung bei Depressionen
      • Vernichtungsangst oder Angst, verrückt zu werden, bei Panikstörungen
    • Unspezifische Symptome: Diese meist genauso schwerwiegenden Symptome treten gleichzeitig bei vielen psychischen Störungen vollständig unterschiedlicher Art auf.
      • z. B. Konzentrationsschwierigkeiten
      • Ein- und Durchschlafstörungen,
      • Verwirrtheit (deliranter Zustand)
      • Grübeln
Q:

Was war die hauptsächliche Schlussfolgerung aus dem klassischen Rosenhan-Experiment?

A:
  • Das Rosenhan-Experiment zeigt den klassischen Kunstfehler des nicht reliablen, vorschnellen Diagnostizierens
  • keine allumfassende Symptomerfassung bzw. unzureichende Anamnese
  • ein Symptom (Hören von Stimmen) und ein Kriterium (Verwahrlosung) reichten aus, um weitreichende Diagnosen zu stellen und entsprechende Therapiemaßnahmen einzuleiten.
    • Zwölf gesunde Probanden meldeten sich in psychiatrischen Institutionen, nachdem sie ihr Äußeres willentlich hatten verwahrlosen lassen, wobei sie vorgaben, Stimmen gehört zu haben. Obwohl keinerlei weitere Symptome angegeben wurden, wurden sämtliche »Pseudopatienten« stationär aufgenommen. Elf erhielten wurden mit Schizophrenie diagnostiziert, einer mit einer manisch-depressiven Psychose. Aller erhielten Medikamente.
  • Ein Leitsymptom kann den diagnostischen Prozess nicht abkürzen. Leitsymptome sind nur dann kennzeichnend für eine psychische Störung, wenn sie mit einer bestimmten
    • Schwere, Häufigkeit und Dauer sowie
    • in Verbindung mit anderen typischen Symptomen auftreten.
Q:

Was ist ein Syndrom?

A:
  • überzufälliges bzw. gehäuftes Zusammentreffen von typischen Symptomen (»Symptomverband«)
  • Stufe zwischen »Symptom« und »Diagnose«
  • häufige Verwendung: Syndrom = vorläufige Diagnose für Störungen, die in den gültigen Störungsklassifikationsverzeichnissen noch nicht als offizielle Diagnosen anerkannt werden, z. B.
    • suizidales Syndrom
    • Burnout-Syndrom
    • Battered-Child-Syndrom (Kindesmisshandlung)
Q:

Was versteht man unter einer Diagnose?

A:

Kategoriale Diagnosen


  • Zuordnung der Symptomkonstellation zu einer definierten Störungskategorie 
    • Diagnosen sind vom Gesundheitswesen und den Krankenversicherungen anerkannte (sog. krankheitswertige) Gesundheitsstörungen.
    • Ausgangspunkt für weitere Entscheidungen (z. B. für Beratung, Therapie, Rehabilitation bzw. Berentung)
  • übliche Form der kategorialen Diagnose: klassifikatorische Diagnostik gemäß ICD und DSM; wichtig für:
    • sinnvolle Zuordnung zu präventiven und therapeutischen Maßnahmen einschließlich der Beachtung eindeutiger Kontraindikationen
    • wissenschaftliche Erforschung psychischer Störungen von der Grundlagenforschung bis zur Versorgungsforschung
    • Versicherungsrechtliche, juristische begutachtungs- und sozialverwaltungsbezogene Regelungen mit diagnosenbezogenen Fallgruppen (diagnosis-related groups: DRG) zur Steuerung der Finanzierung des Gesundheitswesens (Fallpauschalen)
  • Problem: Einordnen in Schubladen → Stigmatisierung (»der Schizophrene« anstatt »Patient mit einer schizophrenen Störung«)


Dimensionale Diagnosen


  • Messen des Ausmaßes eines Merkmals oder einer Eigenschaft
  • Unterschiede sind quantitativer Natur (z. B. »geringe«, »moderate«, »hohe Ausprägung«)
  • Anwendung in klinischer Psychologie:
    • Fragebögen oder Fremdbeurteilungsskalen für Depressivität, Ängstlichkeit, Impulsivität oder die generelle psychische Belastung
    • Einschätzung von weiteren Dimensionen der klassifikatorischen Diagnostik, etwa für die sogenannten Achsen IV und V des DSM »Schwere der psychosozialen Belastungsfaktoren« und »Niveau der sozialen Anpassung im letzten Jahr«
Q:

Kennzeichnen Sie die kategoriale und die dimensionale Diagnostik und nennen Sie für beide jeweils ein Anwendungsbeispiel.

A:

Kategoriale Diagnostik:

  • Gruppierung der interessierenden Merkmale und Einordung dieser Gruppen in ein System von Kategorien (Klassen)
  • zugrunde liegende Annahme: Es gibt sinnvolle Gruppierungen der zu diagnostizierenden Phänomene (z. B. auf Grund gemeinsamer Ätiologie, überzufällig gemeinsames Auftreten) und außerdem bestehen qualitative Unterschiede zwischen diesen Gruppen.
    • klassifikatorische Diagnostik gemäß ICD und DSM 
    • einheitliche Fachsprache für klinische, wissenschaftliche und versicherungsrechtliche Zwecke


Dimensionale Diagnostik: 

  • Beschreibung von Eigenschaften oder Merkmalen einer Person (z. B. Intelligenz) entlang eines Kontinuums anhand einer oder mehrerer Dimensionen (z. B. fluide und kristalline Intelligenz)
  • Feststellbare Unterschiede sind dabei quantitativer Natur und kontinuierlich verteilt. 
  • Qualitative Unterschiede können hierbei lediglich zwischen mehreren zugrunde liegenden Dimensionen bestehen.
  • Für die Vergabe einer Diagnose wird die Ausprägung auf der oder den Dimensionen des Diagnoseinstruments festgestellt.
    • Beispiel: verschiedene Fragebögen, z. B. das Beck-Depressions-Inventar (BDI) zur Erfassung der subjektiven Schwere einer Depression oder der Mehrdimensionale Befindlichkeitsfragebogen (MDBF), der die drei bipolaren Befindlichkeitsdimensionen »gute-schlechte Stimmung«, »Wachheit-Müdigkeit« und «Ruhe-Unruhe« erfasst.
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Q:

Welche Vorteile bietet die klassifikatorische Diagnostik?

A:

Vorteile


  • Voraussetzung: Verantwortliche Anwendung der klassifikatorischen Diagnostik 
  • bessere Kommunikation durch einheitliche und klar definierte Nomenklatur (Fachsprache)
  • Notwendigkeit sinnvoller Informationsreduktion, da der idiografische Ansatz schwerer zu praktizieren ist
  • ökonomische Informationsvermittlung und einfache Handlungsanleitung für das praktische Vorgehen
    • sinnvolle Zuordnung von präventiven und therapeutischen Maßnahmen
    • wissenschaftliche Erforschung psychischer Störungen (von der Grundlagen- bis zur Versorgungsforschung)
    • versicherungsrechtliche, juristische Begutachtungs- und sozialverwaltungsbezogene Regelung diagnosebezogener Fallgruppen


Nachteile


  • Gefahr der Stigmatisierung durch Vergabe diagnostischer Etiketten 
  • Informationsverlust infolge mangelnder detaillierten Beschreibung des Einzelfalls
  • Gefahr der Verwechslung von Deskription und Erklärung
  • Gefahr der Reifikation (Verdinglichung) künstlicher Einheiten, wobei Typologien zugrunde liegende Dimensionen verschleiern können
Q:

Bei welchen Symptomen ist es erforderlich, dass eine diagnostische Fremdbeurteilung vorgenommen wird und nennen Sie ein Beispiel dafür.

A:
  • Wenn ein Patient keine Einsicht hinsichtlich der Abnormität eines Symptoms zeigt
    • Verbale Informationen
      • Beispiel: Dissoziative Amnesie(Die dissoziative Amnesie ist eine psychische Erkrankung, die sich in Form von Gedächtnisstörungen bzw. Erinnerungslücken äußert, welche über das normale Maß von Vergesslichkeit hinausgehen. Die Krankheit gehört zur Gruppe der dissoziativen Störungen) Dissoziationen sind auf psychische Funktion beschränkt, welche u. U. nur fremdanamnestisch eruiert und aufgeklärt werden können, wie z. B. Erinnerungsverlust für zumeist aktuelle traumatisierende oder belastende Ereignisse (Unfälle, unerwartete Trauerfälle).
    • Nonverbale Informationen: Körperhaltung und Stimmlage, zum einen als Bestätigung für den Stimmungszustand oder zum anderen als Widerspruch zu Aussagen des Patienten, außerdem Gefühle des Diagnostikers – vor und während des Gesprächs im Sinne der sogenannten Gegenübertragung (z. B. Missbrauch verursacht Misstrauen, diese spürt der Therapeut).
      • Beispiel: Parathymie (affektive Inadäquatheit) – hierbei handelt es sich um eine Störung der Affektivität bzw. des Affektlebens, welche sich in Dissonanz zwischen dem gegenwärtigen Erleben und dem Gefühlsausdruck äußert (z. B. Lachen, während vom Tod einer nahestehenden Person berichtet wird).
Q:

Wie sind psychische Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter definiert?

A:
  • Zustand unwillkürlich gestörter Lebensfunktionen, der durch Beginn, Verlauf und ggf. auch Ende eine zeitliche Dimension aufweist und ein Kind oder einen Jugendlichen entscheidend daran hindert, an den alltagstypischen Lebensvollzügen aktiv teilzunehmen und diese zu bewältigen
  • verschiedene Normen auffälligen Verhaltens:
    • ideale Norm: Es gelten Personen als normal, die vollkommen ohne Beschwerden leben.
    • soziale Norm: Es gelten Personen als normal, die so leben, wie es die Gesellschaft von ihnen erwartet.

    • statistische Norm: Es gelten Personen als normal, die der Mehrheit aller Personen angehören.

    • funktionelle Norm: Es gelten Personen als normal, die ihre Aufgaben erfüllen.

  • Nicht nur psychische Symptome von Bedeutung, sondern auch:
    • Stärke und Anzahl der Symptome
    • die mit den Symptomen einhergehenden psychosozialen Beeinträchtigungen
    • Leistungsbeeinträchtigungen, die auch durch mögliche Ausgleichsprozesse nicht mehr verhindert werden können 
    • Dauer der Symptomatik und der Beeinträchtigungen
Q:

Beschreiben Sie die Prinzipien der Diskrepanz- und Normalitätsannahme.

A:
  • Diskrepanzannahme: Die Leistungen eines Kindes in einem standardisierten Test zur Erfassung sprachlicher, schulischer oder motorischer Leistungen weichen deutlich ab von der
    • Altersnorm und dem
    • allgemeinen Leistungsniveau des Kindes
  • Normalitätsannahme: 
    • keine neurologischen, sensorischen oder körperlichen Beeinträchtigungen
    • keine Intelligenzminderung (d. h. normale Intelligenz: nonverbaler IQ > 70) 
    • keine tiefgreifenden Entwicklungsstörung
Q:

Wie werden umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache in der ICD-10 und im DSM-IV-TR klassifiziert?

F80

A:

ICD-10


  • Kapitel F80.0 bis F80.9 umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache 
    • Artikulationsstörungen
    • expressive Sprachstörungen
    • rezeptive Sprachstörungen
    • Landau-Kleffner-Syndrom 


DSM-IV-TR


  • Kategorie der Kommunikationsstörungen
    • phonologische Störungen
    • expressive Sprachstörungen 
    • kombinierte rezeptiv-expressive Sprachstörungen
    • Stottern
  • Im Gegensatz zur ICD-10 fordert das DSM-IV-TR zusätzlich, dass die Einschränkungen in den Bereichen Sprache und Sprechen die schulischen Leistungen sowie die soziale Kommunikation des betroffenen Kindes einschränken (Kriterium B).
Q:

Wie werden umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten in der ICD-10 und im DSM-IV-TR klassifiziert?

F81

A:
  • ICD-10: umschriebene Entwicklungsstörungen der schulischen Fertigkeiten
  • DSM-IV-TR: Lernstörungen
  • drei Kategorien:
    • Lesestörungen
    • Rechtschreibstörungen 
    • Rechenstörungen
  • Erwerb der Lese-, Schreib- oder Rechenfertigkeiten von Beginn an beeinträchtigt, ohne dass Phasen einer unauffälligen Entwicklung zu verzeichnen sind.
  • Die Störungen werden weder durch einen Mangel an Lernmöglichkeiten noch durch Krankheiten oder erworbene Hirnschädigungen verursacht.
Q:

Was verstehen Sie allgemein unter dem diagnostischen Vorgehen in der klinischen Psychologie?

A:
  • Erfassen und Beschreiben von psychischen bzw. zwischenmenschlichen Problemen, Symptomen und psychischen Störungen
  • kategoriale Klassifikation: Klärung, ob eine Störung vorliegt und ggf. welche Störung
  • dimensionale Diagnostik: Erfassung, in welchem Ausmaß einzelne Symptome ausgeprägt sind und zu welchen Beeinträchtigungen sie führen
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