Psychologie Der Sozialen Interaktion an der IUBH Internationale Hochschule | Karteikarten & Zusammenfassungen

Lernmaterialien für Psychologie der sozialen Interaktion an der IUBH Internationale Hochschule

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Definition des Begriffs der Sozialpsychologie:

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„Sozialpsychologie beschäftigt sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen in Interaktion mit ihrer sozialen Umwelt. Gegenstand ist also zum einen das Individuum alleine, zum anderen der Einzelne im Kontext der Gruppe."


Aus dieser Definition wird ersichtlich, dass Sozialpsychologie nicht ausschließlich auf die wechselseitige Bezogenheit und Beeinflussung zwischen Personen (interpersonale Bezüge) in der persönlichen Kommunikation, Interaktion sowie in Beziehungen abzielt. Ihr Fokus liegt sowohl auf sozial bedeutsamen Prozessen (z. B. soziale Bewertungsprozesse), persönlichen Dispositionen (z. B. die Einstellung von Personen) als auch auf den situativen Bedingungen (z. B. Gruppendruck) von Erleben und Verhalten. Wichtig ist es zu beachten, dass es hierbei nicht um das Individuum selbst geht, sondern immer um das Individuum in Bezug zu anderen Menschen und seiner Umwelt.

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Zwei Grundannahmen sozialpsychologischer Forschung ableiten:

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1. Menschen konstruieren aktiv das, was sie subjektiv als Realität wahrnehmen: Wie wir in einer bestimmten Situation reagieren, basiert demnach darauf, wie wir diese subjektiv wahrnehmen und interpretieren. Beispielsweise kann ein volles Fußballstadion für Moritz mit Freizeitvergnügen, Spaß und einer insgesamt positiven Stimmung verbunden sein, während Max dieselbe Situation mit lärmenden Hooligans und Schlägereien assoziiert. Ein volles Fußballstadion wirkt auf ihn eher bedrohlich, weswegen er diese Situation meidet. 


2. Verhalten ist stets situationsabhängig 

Dies drückt sich in der Formel V = f(P, U) des Sozialpsychologen Kurt Lewin aus. Laut Lewin ist Verhalten (V) eine Funktion, bei der personenbezogene (P) und umweltbezogene Faktoren (U) gemeinsam wirken, sich hierbei wechselseitig beeinflussen und damit Einfluss auf unsere Wahrnehmung sowie unser Erleben und Verhalten nehmen. Da Max seit kurzem einer Gruppe angehört, für die Fußball sehr wichtig ist, sieht man ihn in letzter Zeit immer öfter in Fußballstadien. Zwar entspricht das nicht seiner persönlichen Einstellung, aber weil ihm die Anerkennung seiner Peergroup wichtig ist, unterdrückt er seine persönliche Abneigung, um mit seinen Freunden am Wochenende zusammen sein zu können.

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Zwei große Bereiche, mit denen sich Sozialpsychologen in der Forschung beschäftigen:

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1. Intra- und interpersonale Prozesse 

Intrapersonale Prozesse finden innerhalb einer Person statt, wie etwa ihre Einstellung gegenüber einem bestimmten Gegenstand (Gruppe, Thema etc., z. B. positive Einstellung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund) und wie diese ihr gezeigtes Verhalten beeinflusst (aktives Engagement für Flüchtlinge). Interpersonale Prozesse hingegen entwickeln sich zwischen Personen, entweder in der Beziehung zueinander (z. B. in Liebesbeziehungen) oder auf die Bedingungen bezogen, unter denen Personen in der persönlichen Interaktion mit dem Gegenüber sich prosozial oder aggressiv verhalten. 


2. Intra- und intergruppale Prozesse 

Während sich die Forschung zu intragruppalen Prozessen schwerpunktmäßig auf die Leistung und Kooperation von und in Gruppen bezieht, stehen bei intergruppalen Prozessen meist die Erforschung von Vorurteilen und Diskriminierung sowie Maßnahmen, diese zu beseitigen, im Zentrum des Interesses.

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Um Fehlerquellen möglichst zu minimieren, greift die sozialpsychologische Forschung auf die folgenden fünf wissenschaftlichen Methoden zurück:

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• qualitative Befragung (Interview),

• quantitative Befragung, 

• Beobachtungsstudie, 

• Korrelationsstudie, 

• „echtes“ Experiment, Quasi- und Feldexperiment.

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Was sind Prädiktoren?

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Dies sind Einflussfaktoren, die die Ausprägung einer anderen Variablen (Kriterium) erklären.

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Unterscheiden Sie zwischen Gesundem Menschenverstand vs. wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn.

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Auch im Alltag versuchen wir, soziale Situationen oder das Erleben und Verhalten unserer Mitmenschen zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und manchmal auch, diese zu beeinflussen oder zu verändern. Die alltägliche Wissensbasis über soziale Sachverhalte kann auf Tradition, Bauchgefühl oder dem gesunden Menschenverstand als geteilte Überzeugung einer sozialen Gruppe (Familie, Freunde etc.) beruhen. Entsprechend variiert, was unter dem gesunden Menschenverstand betrachtet wird, sehr stark zwischen sozialen Gruppen (intergruppal) oder auch innerhalb der eigenen Gruppe (intragruppal). Da unser Alltagswissen abhängig ist von unseren jeweiligen persönlichen Erfahrungen, können die Einstellungen zwischen Personen (interpersonell) bei der Bewertung eines bestimmten Gegenstands sehr unterschiedlich sein, da sie z. B. durch Urteilsfehler, Verzerrungen und Vorurteile beeinflusst sein können.


Sehen wir uns das folgende Beispiel an:

Lea verfolgt interessiert eine Fernsehdiskussion zu dem Thema Klimawandel und Erderwärmung. Auf der einen Seite wurde die Auffassung vertreten, dass Klimaveränderungen nichts Besonderes seien, da es diese schon immer gegeben habe. Auf der anderen Seite postuliert die Gegenposition, dass die Klimaveränderungen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hätten und wir alles tun müssten, um eine zukünftige Klimakatastrophe zu verhindern. Die wissenschaftliche Vorgehensweise in diesem Zusammenhang verdeutlicht beispielhaft eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Bern (2019), die die Klimadaten der letzten 2000 Jahre auf Zeichen einer globalen Erwärmung untersuchten. In dieser Studie konnten sie belegen, dass es sich bei früheren Klimaveränderungen mit Warm- und Kaltzeiten stets um regionale Ereignisse gehandelt habe, z. B. zurückzuführen auf Vulkanausbrüche, die zu unterschiedlichen Zeiten auftraten und nicht für weltweite Klimaveränderungen sorgen konnten. Die Annahme (Hypothese) global gleichzeitiger Klimaphasen wurde somit widerlegt. Die mit großer Wahrscheinlichkeit wärmste Phase liege im 20. Jahrhundert und betreffe 98 % der Erdoberfläche. Die Forscher führen diese Entwicklung auf die Emissionen von CO2 sowie andere Treibhausgase zurück, die zu einer Erwärmung führe, die im Unterschied zu vorindustriellen Zeiten so hoch wie nie zuvor sei und die ganze Welt gleichzeitig betreffe.


Durch das wissenschaftliche Vorgehen ist es also möglich, ein objektives Bild über bestimmte Sachverhalte zu erhalten, wie z. B. mögliche Klimaveränderungen, und durch die Anwendung wissenschaftlicher Methoden die zugrunde liegenden Ursachen und ihre Folgen zu ermitteln, um sinnvolle Maßnahmen für globales und individuelles Handeln ableiten zu können. Eine sozialpsychologische Fragestellung in diesem Zusammenhang könnte z. B. darin bestehen, Teilnehmende zu fragen, wieso sie eine bestimmte Position in dieser Debatte bevorzugen, oder zu untersuchen, inwiefern die Tagestemperatur die Ansicht von Personen zum Klimawandel beeinflusst. So wurden in drei Studien amerikanische und australische Bürger nach ihrer Meinung zum Klimawandel befragt und konkret, ob die Tagestemperatur zum Zeitpunkt der Befragung kälter oder wärmer als gewöhnlich sei. Personen, die angaben, dass die Tagestemperatur höher als gewöhnlich sei, äußerten eine größere Besorgnis über den globalen Klimawandel und spendeten einen größeren Betrag an eine Wohltätigkeitsorganisation zur globalen Erwärmung als diejenigen, die dachten, es sei an diesem Tag kälter als sonst.


Dieses Beispiel verdeutlicht, wie Überzeugungen von Personen auf oftmals irrelevanten, aber aktuell verfügbaren und für die einzelnen Personen im Vordergrund stehenden Informationen basieren können. Der theoretische Hintergrund hierfür ist die Attributsubstitution (attribute substition), die die Basis für eine Reihe von Urteilsverzerrungen ist. Hierunter wird die Neigung von Personen verstanden, die mit einer schwierigen Frage konfrontiert werden, stattdessen eine ähnliche, aber leichtere Fragestellung zu beantworten. Sie müssen sich hierbei nicht zwingend darüber bewusst sein, dass sie die schwierige Frage ersetzt (substituiert) haben.

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Die Marienthal-Studie von Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel (1933), die darauf abzielte, die komplexen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf ein ganzes Dorf zu zeigen, ist ein Beispiel für die teilnehmende Beobachtung im Feld. Sie erlangte u. a. wegen der Vielfalt der neben der Beobachtung angewandten Methoden eine große Bekanntheit. Erläutern Sie diese.

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Hintergrund dieser soziografischen Studie war die Weltwirtschaftskrise 1929, in deren Folge eine Textilfabrik in dem kleinen österreichischen Ort Marienthal schließen musste. Da nahezu alle Einwohner dieses Ortes in der Fabrik beschäftigt waren, war dessen gesamte Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen. Das Forschungsteam quartierte sich in dem Ort ein, um die subjektive Bewältigung der Arbeitslosigkeit durch die Einwohner zu erfassen. Um den Zugang zum Feld zu erleichtern, nahmen die Sozialforscher nicht nur an den Interaktionen der Dorfbewohner teil, sondern übernahmen auch wichtige soziale Rollen. Beispielsweise führte eine Kleidersammelaktion für besonders bedürftige Einwohner durch das Forscherteam dazu, dass sie Zugang zu den Wohnungen erhielten und sich einen Eindruck von den Wohnverhältnissen verschaffen konnten, ohne Misstrauen zu erzeugen. Die Ergebnisse dieser und weiterer Beobachtungen sowie von Gesprächen mit den Betroffenen wurden protokolliert und aufgrund der gewonnenen Daten wurde eine Typologie der betroffenen Familien erstellt. So gab es z. B. sowohl den Familientyp der Ungebrochenen, die noch Zukunftspläne hatten, sich aktiv um Arbeit bemühten und ihren Haushalt im Griff hatten, als auch drei weitere Familientypen, die auf Basis der Beobachtungsdaten als resigniert, verzweifelt oder apathisch typisiert wurden. Je länger die Arbeitslosigkeit andauerte, desto mehr nahm die Zahl der Familien zu, die resignierten oder sich verzweifelt oder apathisch verhielten.


Im Vorfeld der Untersuchung entwickelte das Forschungsteam eine Vielzahl offener Hypothesen, die sich in Form von offenen Fragen auf die Einstellung und das Verhalten der Bewohner im Hinblick auf die eigene Arbeitslosigkeit sowie die Auswirkungen derselbigen auf das persönliche und soziale Leben bezogen. Diese Fragen waren Teil eines Instruktionsbogens, der das Vorgehen der Wissenschaftler während der unterschiedlichen Untersuchungen leitete. Solche Fragen waren z. B.: „Was hat der einzelne [sic] getan, um Arbeit zu finden?“ „Veränderungen innerhalb der Familie?“ „Wie haben sich die Beziehungen der Einwohner zueinander geändert, Hilfsbereitschaft oder Kampf?“.


In dieser soziografischen Studie, die darauf abzielte, die komplexen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf ein ganzes Dorf zu zeigen, setzten die Forscher neben der teilnehmenden Beobachtung weitere Methoden ein, um die weitreichenden Folgen der Arbeitslosigkeit für die betroffenen Familien zu ermitteln und die Ergebnisse der Beobachtungen mit diesen Daten zusätzlich abzusichern. Sie erhoben als nicht-reaktive Verfahren umfangreiche statistische Daten (z. B. Bevölkerungsstatistik, Mitgliederzahlen von Vereinen, Zeitschriftenabonnements, Wahlergebnisse etc.). Mittels qualitativer Interviews erfassten sie außerdem die Lebensgeschichten von insgesamt 62 Personen. 80 Einwohner waren an einer quantitativen Zeitbudgeterhebung beteiligt, bei dem sie einen Fragebogen mit einem Stundenplan ausfüllten und festhielten, was sie im Verlauf eines Tages getan hatten. Die Kinder der Familien nahmen an Schulaufsätzen und Preisausschreiben zu bestimmten Themen teil, wie z. B. ihre Zukunftsvorstellungen, Wünsche oder beruflichen Perspektiven. In der quantitativen Konsumforschung wurden die Umsätze der Familien beim Wirt, Schuhmacher, Friseur etc. erfasst. Außerdem wurden eine Woche lang die Mahlzeiten, die 41 Familien zu sich nahmen, genau festgehalten.


Laut Marie Jahoda war die zentrale Erkenntnis der Studie, dass anhaltende Arbeitslosigkeit zu Resignation und Apathie führt und nicht zu dem Wunsch nach einer radikalen Umgestaltung der politischen und ökonomischen Verhältnisse (Jahoda 1983, o. S.; zit. nach Diekmann 2008, S. 559). Lazarsfeld betonte entsprechend, dass die anhaltende Apathie der Bevölkerung infolge der Massenarbeitslosigkeit letztendlich der Führer-Ideologie des heraufziehenden Nationalsozialismus den Weg ebnete. Durch die Vielfalt der angewandten Methoden war es möglich, das Erleben und Verhalten der Bewohner in seiner Komplexität sehr präzise, detailgetreu und authentisch zu erfassen, sodass vermutlich auch nachfolgende Studien mit aktuelleren Methoden zu den gleichen Ergebnissen gekommen wären.


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Erläutern Sie die Grundlagenforschung und angewandte Forschung der Sozialpsychologie?

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Wie bereits weiter oben ausgeführt, beschäftigt sich die Sozialpsychologie als Grundlagenfach „mit der Art und Weise, in der Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen, Motive und Verhaltensweisen durch Interaktionen und Transaktionen zwischen Menschen beeinflusst werden“. 


Die Sozialpsychologie untersucht demgemäß in der Grundlagenforschung (basic research), wie wir einander wahrnehmen und uns wechselseitig beeinflussen. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse dienen zur Lösung wissenschaftlicher Probleme, indem (sozial-)psychologische Theorien und Methoden entwickelt oder weiterentwickelt werden. Diese können auf praxisbezogene Problemstellungen angewandt werden und erweisen sich dabei auch oft als nützlich, verfolgen dies jedoch nicht als ihr primäres Ziel. In der angewandten psychologischen Forschung können dann auf Basis von psychologischen Modellen und Methoden Praxisfelder erforscht und Empfehlungen für die Praxis gegeben werden. Angewandte Forschung kann sowohl unabhängig und nicht kommerziell (independent research) als auch kommerziell als Auftragsforschung (contract research) durchgeführt werden.

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Grundlegende Ziele bzw. Aufgaben psychologischer Grundlagenforschung und angewandter Forschung sind es, Verhalten zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und zu beeinflussen oder zu verändern. Als weiteres Ziel angewandter Psychologie sei die Verbesserung der Lebensqualität von Personen genannt. Erläutern Sie diese genauer.

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• Beschreiben: Hierbei geht es darum, das Verhalten von Personen objektiv zu beobachten und zu erfassen, z. B., wie sich Herr Meier gegenüber seinen Arbeitskollegen verhält. Zentral hierbei ist es, dass sich die Beobachtung ausschließlich auf wahrnehmbare Informationen bezieht, ohne die subjektiven Bewertungen oder Erwartungen der Beobachtenden. 

• Erklären: Hierbei ist das vornehmliche Ziel, regelhafte Verhaltens- oder Denkmuster zu verstehen und die zugrunde liegenden personenbezogenen und umweltbezogenen Faktoren aufzuspüren, wie z. B. den Einfluss, den das Familienklima oder die Clique auf das aggressive Verhalten eines Kindes hat. 

• Vorhersagen: „Eine wissenschaftliche Vorhersage basiert auf der Art und Weise, wie Ereignisse zusammenhängen, und sie trifft Aussagen darüber, welche Mechanismen diese Ereignisse mit bestimmten Prädiktoren bzw. Prädiktorvariablen verbinden“. Ein Beispiel hierfür ist der Zusammenhang zwischen Extraversion von Jugendlichen als Prädiktorvariable und der Zeit, die sie sich mit sozialen Medien beschäftigen (die wöchentliche Nutzungszeit als Kriterium bzw. Kriteriumsvariable). Hierbei wird davon ausgegangen, dass eine stark ausgeprägte Extraversion mit einer entsprechend stark ausgeprägten wöchentlichen Nutzung von sozialen Medien zusammenhängt. 

• Beeinflussen/Verändern: Durch Training, Beratung oder Therapie Menschen dabei unterstützen, ihr Verhalten zu kontrollieren und hierdurch ihre Lebensqualität zu steigern, wie z. B. regelmäßig Sport treiben, Rauchen aufgeben, soziale Kompetenz fördern etc.

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Erläutern Sie die Qualitative Befragung (Interview) als eines der fünf zentralen issenschaftlichen Methoden der sozialpsychologischen Forschung.

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Bei einer qualitativen Befragung werden die hierbei gewonnenen Daten nicht mittels einer quantitativen statistischen Analyse ausgewertet, sondern mit speziellen qualitativen Methoden. Qualitative Befragungen werden häufig explorativ (erforschend) eingesetzt, wenn nur wenig über einen bestimmten Gegenstand bekannt ist oder auch, wenn quantitative Methoden z. B. aus ethischen Gründen nicht angewandt werden können.


Befürworter qualitativer Untersuchungsmethoden kritisieren an standardisierten Befragungsmethoden häufig die Künstlichkeit der Befragungssituation und die mangelnde Offenheit der Befragung. Dadurch werden Antworten von Befragten, die außerhalb des vorgegebenen Rahmens liegen, in der Forschung nicht berücksichtigt. Demgegenüber ist qualitative Forschung an der subjektiven Perspektive der Befragten interessiert. Folgende drei Anforderungen sollte die qualitative Forschung neben weiteren Kriterien erfüllen: 

1. Subjektbezogenheit (die subjektive Sicht der Befragten steht im Fokus des Interesses); 

2. Offenheit in Bezug auf die Fragen, Antworten und Methoden; 

3. Untersuchung in alltäglichen Situationen.


In der qualitativen Forschung greift man üblicherweise auf Fallstudien zurück oder auf im Vergleich zu quantitativen Methoden nur kleine Stichproben. Statt einer möglichst großen Zahl von Probanden, stehen die befragten Personen und deren persönliche Sicht auf einen bestimmten Gegenstand im Zentrum des Interesses, die in der Tiefe analysiert und nicht, wie in der quantitativen Forschung, zu Kennwerten zusammengefasst werden. Hierdurch sollen tiefere Einblicke in die soziale Wirklichkeit von Personen gewonnen und reichhaltige sowie wirklichkeitsgetreue Informationen generiert werden. Die Personen werden mittels unstrukturierter und halbstrukturierter Interviews in ihrer alltäglichen Umgebung befragt. Ziel ist eine entspannte Gesprächsatmosphäre, um mögliche Hemmschwellen abzubauen.


 Daraus ergeben sich folgende Ziele qualitativer Forschung: 

• empirische Sachverhalte und soziale Prozesse beschreiben, 

• Klassifikationen oder Typologien aufstellen, 

• Hypothesen anhand empirischen Materials gewinnen und 

• Forschungshypothesen überprüfen. 


In der Mixed-Methods-Forschung werden quantitative und qualitative Forschungsstrategien zumeist stärker miteinander verknüpft, was „über ein Neben- oder Nacheinander separater Teilstudien hinausgeht“. Beispiel für einen Mixed-Methods-Ansatz ist eine Studie des deutschen Jugendinstituts, bei der junge Erwachsene im Fokus des Interesses standen. Diese waren lange Zeit einer ungelernten Tätigkeit nachgegangen, um schließlich doch noch eine spätere Berufsausbildung anzustreben. Bei den qualitativen Interviews lag das Hauptaugenmerk der Forschergruppe auf den Motiven und Intentionen der Befragten: Was bewog sie, eine spätere berufliche Qualifikation aufzunehmen und welche Strategien wandten sie hierbei an? Die Studie zielte darauf ab, zu empirisch begründeten Typologien zu gelangen, mögliche vorhandene Verhaltensmuster aufzuspüren und zu beschreiben. 


Ein Nachteil qualitativer Methoden ist, dass mit ihnen keine Aussagen über UrsacheWirkungs-Zusammenhänge getroffen werden können. Problematisch ist außerdem die Gefahr von subjektiven Verzerrungen durch die Forschenden und die Befragten. Zudem bieten qualitative Methoden naturgemäß keine objektiv vergleichbaren, quantifizierbaren Ergebnisse. Sie werden daher häufig in der Sozialpsychologie zur Hypothesenbildung benutzt, die später mit quantitativen Methoden überprüft werden. Wie das obige Beispiel zeigt, ist es aber auch möglich, sie im Mixed-Methods-Ansatz gemeinsam in einer Studie zu benutzen.

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Was sind Mixed-Methods-Designs?

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kombinierte Anwendung von quantitativen und qualitativen Verfahren

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Erläutern Sie den Pygmalion- oder Rosenthal-Effekt.

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Ein weiterer Effekt reaktiver Verfahren ist der Pygmalion- oder Rosenthal-Effekt, den Rosenthal und Jacobson (1968) in ihren Felduntersuchungen fanden und der mehrfach repliziert werden konnte. Dieser beruht darauf, dass die an die Leistungen bestimmter Schüler gerichtete Erwartung des Lehrers sowohl seine Beurteilung ihrer Leistung infolge eines Urteilsfehlers als auch deren Leistungen beeinflusst. Dieser Effekt konnte auch dann beobachtet werden, wenn die Schüler davon nichts wussten und der Lehrer von seiner neutralen Haltung gegenüber den Schülern ausging. Der Effekt kann damit erklärt werden, dass eine positive Voreingenommenheit des Lehrers sich indirekt auf positivere Interaktionen zwischen Lehrer und Schüler auswirkt und damit zu einer Steigerung ihrer Leistungen führt. 


Bei reaktiven Verfahren können daher Merkmale des Messinstruments, des Studienleiters oder der Untersuchungssituation das Messergebnis systematisch beeinflussen, wenn sie nicht kontrolliert werden. Wie diese kontrolliert werden können, um Verzerrungen des Ergebnisses zu vermeiden, ist daher eine zentrale Aufgabe der empirischen Methodenforschung.

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Q:

Definition des Begriffs der Sozialpsychologie:

A:

„Sozialpsychologie beschäftigt sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen in Interaktion mit ihrer sozialen Umwelt. Gegenstand ist also zum einen das Individuum alleine, zum anderen der Einzelne im Kontext der Gruppe."


Aus dieser Definition wird ersichtlich, dass Sozialpsychologie nicht ausschließlich auf die wechselseitige Bezogenheit und Beeinflussung zwischen Personen (interpersonale Bezüge) in der persönlichen Kommunikation, Interaktion sowie in Beziehungen abzielt. Ihr Fokus liegt sowohl auf sozial bedeutsamen Prozessen (z. B. soziale Bewertungsprozesse), persönlichen Dispositionen (z. B. die Einstellung von Personen) als auch auf den situativen Bedingungen (z. B. Gruppendruck) von Erleben und Verhalten. Wichtig ist es zu beachten, dass es hierbei nicht um das Individuum selbst geht, sondern immer um das Individuum in Bezug zu anderen Menschen und seiner Umwelt.

Q:

Zwei Grundannahmen sozialpsychologischer Forschung ableiten:

A:

1. Menschen konstruieren aktiv das, was sie subjektiv als Realität wahrnehmen: Wie wir in einer bestimmten Situation reagieren, basiert demnach darauf, wie wir diese subjektiv wahrnehmen und interpretieren. Beispielsweise kann ein volles Fußballstadion für Moritz mit Freizeitvergnügen, Spaß und einer insgesamt positiven Stimmung verbunden sein, während Max dieselbe Situation mit lärmenden Hooligans und Schlägereien assoziiert. Ein volles Fußballstadion wirkt auf ihn eher bedrohlich, weswegen er diese Situation meidet. 


2. Verhalten ist stets situationsabhängig 

Dies drückt sich in der Formel V = f(P, U) des Sozialpsychologen Kurt Lewin aus. Laut Lewin ist Verhalten (V) eine Funktion, bei der personenbezogene (P) und umweltbezogene Faktoren (U) gemeinsam wirken, sich hierbei wechselseitig beeinflussen und damit Einfluss auf unsere Wahrnehmung sowie unser Erleben und Verhalten nehmen. Da Max seit kurzem einer Gruppe angehört, für die Fußball sehr wichtig ist, sieht man ihn in letzter Zeit immer öfter in Fußballstadien. Zwar entspricht das nicht seiner persönlichen Einstellung, aber weil ihm die Anerkennung seiner Peergroup wichtig ist, unterdrückt er seine persönliche Abneigung, um mit seinen Freunden am Wochenende zusammen sein zu können.

Q:

Zwei große Bereiche, mit denen sich Sozialpsychologen in der Forschung beschäftigen:

A:

1. Intra- und interpersonale Prozesse 

Intrapersonale Prozesse finden innerhalb einer Person statt, wie etwa ihre Einstellung gegenüber einem bestimmten Gegenstand (Gruppe, Thema etc., z. B. positive Einstellung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund) und wie diese ihr gezeigtes Verhalten beeinflusst (aktives Engagement für Flüchtlinge). Interpersonale Prozesse hingegen entwickeln sich zwischen Personen, entweder in der Beziehung zueinander (z. B. in Liebesbeziehungen) oder auf die Bedingungen bezogen, unter denen Personen in der persönlichen Interaktion mit dem Gegenüber sich prosozial oder aggressiv verhalten. 


2. Intra- und intergruppale Prozesse 

Während sich die Forschung zu intragruppalen Prozessen schwerpunktmäßig auf die Leistung und Kooperation von und in Gruppen bezieht, stehen bei intergruppalen Prozessen meist die Erforschung von Vorurteilen und Diskriminierung sowie Maßnahmen, diese zu beseitigen, im Zentrum des Interesses.

Q:

Um Fehlerquellen möglichst zu minimieren, greift die sozialpsychologische Forschung auf die folgenden fünf wissenschaftlichen Methoden zurück:

A:

• qualitative Befragung (Interview),

• quantitative Befragung, 

• Beobachtungsstudie, 

• Korrelationsstudie, 

• „echtes“ Experiment, Quasi- und Feldexperiment.

Q:

Was sind Prädiktoren?

A:

Dies sind Einflussfaktoren, die die Ausprägung einer anderen Variablen (Kriterium) erklären.

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Q:

Unterscheiden Sie zwischen Gesundem Menschenverstand vs. wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn.

A:

Auch im Alltag versuchen wir, soziale Situationen oder das Erleben und Verhalten unserer Mitmenschen zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und manchmal auch, diese zu beeinflussen oder zu verändern. Die alltägliche Wissensbasis über soziale Sachverhalte kann auf Tradition, Bauchgefühl oder dem gesunden Menschenverstand als geteilte Überzeugung einer sozialen Gruppe (Familie, Freunde etc.) beruhen. Entsprechend variiert, was unter dem gesunden Menschenverstand betrachtet wird, sehr stark zwischen sozialen Gruppen (intergruppal) oder auch innerhalb der eigenen Gruppe (intragruppal). Da unser Alltagswissen abhängig ist von unseren jeweiligen persönlichen Erfahrungen, können die Einstellungen zwischen Personen (interpersonell) bei der Bewertung eines bestimmten Gegenstands sehr unterschiedlich sein, da sie z. B. durch Urteilsfehler, Verzerrungen und Vorurteile beeinflusst sein können.


Sehen wir uns das folgende Beispiel an:

Lea verfolgt interessiert eine Fernsehdiskussion zu dem Thema Klimawandel und Erderwärmung. Auf der einen Seite wurde die Auffassung vertreten, dass Klimaveränderungen nichts Besonderes seien, da es diese schon immer gegeben habe. Auf der anderen Seite postuliert die Gegenposition, dass die Klimaveränderungen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hätten und wir alles tun müssten, um eine zukünftige Klimakatastrophe zu verhindern. Die wissenschaftliche Vorgehensweise in diesem Zusammenhang verdeutlicht beispielhaft eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Bern (2019), die die Klimadaten der letzten 2000 Jahre auf Zeichen einer globalen Erwärmung untersuchten. In dieser Studie konnten sie belegen, dass es sich bei früheren Klimaveränderungen mit Warm- und Kaltzeiten stets um regionale Ereignisse gehandelt habe, z. B. zurückzuführen auf Vulkanausbrüche, die zu unterschiedlichen Zeiten auftraten und nicht für weltweite Klimaveränderungen sorgen konnten. Die Annahme (Hypothese) global gleichzeitiger Klimaphasen wurde somit widerlegt. Die mit großer Wahrscheinlichkeit wärmste Phase liege im 20. Jahrhundert und betreffe 98 % der Erdoberfläche. Die Forscher führen diese Entwicklung auf die Emissionen von CO2 sowie andere Treibhausgase zurück, die zu einer Erwärmung führe, die im Unterschied zu vorindustriellen Zeiten so hoch wie nie zuvor sei und die ganze Welt gleichzeitig betreffe.


Durch das wissenschaftliche Vorgehen ist es also möglich, ein objektives Bild über bestimmte Sachverhalte zu erhalten, wie z. B. mögliche Klimaveränderungen, und durch die Anwendung wissenschaftlicher Methoden die zugrunde liegenden Ursachen und ihre Folgen zu ermitteln, um sinnvolle Maßnahmen für globales und individuelles Handeln ableiten zu können. Eine sozialpsychologische Fragestellung in diesem Zusammenhang könnte z. B. darin bestehen, Teilnehmende zu fragen, wieso sie eine bestimmte Position in dieser Debatte bevorzugen, oder zu untersuchen, inwiefern die Tagestemperatur die Ansicht von Personen zum Klimawandel beeinflusst. So wurden in drei Studien amerikanische und australische Bürger nach ihrer Meinung zum Klimawandel befragt und konkret, ob die Tagestemperatur zum Zeitpunkt der Befragung kälter oder wärmer als gewöhnlich sei. Personen, die angaben, dass die Tagestemperatur höher als gewöhnlich sei, äußerten eine größere Besorgnis über den globalen Klimawandel und spendeten einen größeren Betrag an eine Wohltätigkeitsorganisation zur globalen Erwärmung als diejenigen, die dachten, es sei an diesem Tag kälter als sonst.


Dieses Beispiel verdeutlicht, wie Überzeugungen von Personen auf oftmals irrelevanten, aber aktuell verfügbaren und für die einzelnen Personen im Vordergrund stehenden Informationen basieren können. Der theoretische Hintergrund hierfür ist die Attributsubstitution (attribute substition), die die Basis für eine Reihe von Urteilsverzerrungen ist. Hierunter wird die Neigung von Personen verstanden, die mit einer schwierigen Frage konfrontiert werden, stattdessen eine ähnliche, aber leichtere Fragestellung zu beantworten. Sie müssen sich hierbei nicht zwingend darüber bewusst sein, dass sie die schwierige Frage ersetzt (substituiert) haben.

Q:

Die Marienthal-Studie von Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel (1933), die darauf abzielte, die komplexen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf ein ganzes Dorf zu zeigen, ist ein Beispiel für die teilnehmende Beobachtung im Feld. Sie erlangte u. a. wegen der Vielfalt der neben der Beobachtung angewandten Methoden eine große Bekanntheit. Erläutern Sie diese.

A:

Hintergrund dieser soziografischen Studie war die Weltwirtschaftskrise 1929, in deren Folge eine Textilfabrik in dem kleinen österreichischen Ort Marienthal schließen musste. Da nahezu alle Einwohner dieses Ortes in der Fabrik beschäftigt waren, war dessen gesamte Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen. Das Forschungsteam quartierte sich in dem Ort ein, um die subjektive Bewältigung der Arbeitslosigkeit durch die Einwohner zu erfassen. Um den Zugang zum Feld zu erleichtern, nahmen die Sozialforscher nicht nur an den Interaktionen der Dorfbewohner teil, sondern übernahmen auch wichtige soziale Rollen. Beispielsweise führte eine Kleidersammelaktion für besonders bedürftige Einwohner durch das Forscherteam dazu, dass sie Zugang zu den Wohnungen erhielten und sich einen Eindruck von den Wohnverhältnissen verschaffen konnten, ohne Misstrauen zu erzeugen. Die Ergebnisse dieser und weiterer Beobachtungen sowie von Gesprächen mit den Betroffenen wurden protokolliert und aufgrund der gewonnenen Daten wurde eine Typologie der betroffenen Familien erstellt. So gab es z. B. sowohl den Familientyp der Ungebrochenen, die noch Zukunftspläne hatten, sich aktiv um Arbeit bemühten und ihren Haushalt im Griff hatten, als auch drei weitere Familientypen, die auf Basis der Beobachtungsdaten als resigniert, verzweifelt oder apathisch typisiert wurden. Je länger die Arbeitslosigkeit andauerte, desto mehr nahm die Zahl der Familien zu, die resignierten oder sich verzweifelt oder apathisch verhielten.


Im Vorfeld der Untersuchung entwickelte das Forschungsteam eine Vielzahl offener Hypothesen, die sich in Form von offenen Fragen auf die Einstellung und das Verhalten der Bewohner im Hinblick auf die eigene Arbeitslosigkeit sowie die Auswirkungen derselbigen auf das persönliche und soziale Leben bezogen. Diese Fragen waren Teil eines Instruktionsbogens, der das Vorgehen der Wissenschaftler während der unterschiedlichen Untersuchungen leitete. Solche Fragen waren z. B.: „Was hat der einzelne [sic] getan, um Arbeit zu finden?“ „Veränderungen innerhalb der Familie?“ „Wie haben sich die Beziehungen der Einwohner zueinander geändert, Hilfsbereitschaft oder Kampf?“.


In dieser soziografischen Studie, die darauf abzielte, die komplexen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf ein ganzes Dorf zu zeigen, setzten die Forscher neben der teilnehmenden Beobachtung weitere Methoden ein, um die weitreichenden Folgen der Arbeitslosigkeit für die betroffenen Familien zu ermitteln und die Ergebnisse der Beobachtungen mit diesen Daten zusätzlich abzusichern. Sie erhoben als nicht-reaktive Verfahren umfangreiche statistische Daten (z. B. Bevölkerungsstatistik, Mitgliederzahlen von Vereinen, Zeitschriftenabonnements, Wahlergebnisse etc.). Mittels qualitativer Interviews erfassten sie außerdem die Lebensgeschichten von insgesamt 62 Personen. 80 Einwohner waren an einer quantitativen Zeitbudgeterhebung beteiligt, bei dem sie einen Fragebogen mit einem Stundenplan ausfüllten und festhielten, was sie im Verlauf eines Tages getan hatten. Die Kinder der Familien nahmen an Schulaufsätzen und Preisausschreiben zu bestimmten Themen teil, wie z. B. ihre Zukunftsvorstellungen, Wünsche oder beruflichen Perspektiven. In der quantitativen Konsumforschung wurden die Umsätze der Familien beim Wirt, Schuhmacher, Friseur etc. erfasst. Außerdem wurden eine Woche lang die Mahlzeiten, die 41 Familien zu sich nahmen, genau festgehalten.


Laut Marie Jahoda war die zentrale Erkenntnis der Studie, dass anhaltende Arbeitslosigkeit zu Resignation und Apathie führt und nicht zu dem Wunsch nach einer radikalen Umgestaltung der politischen und ökonomischen Verhältnisse (Jahoda 1983, o. S.; zit. nach Diekmann 2008, S. 559). Lazarsfeld betonte entsprechend, dass die anhaltende Apathie der Bevölkerung infolge der Massenarbeitslosigkeit letztendlich der Führer-Ideologie des heraufziehenden Nationalsozialismus den Weg ebnete. Durch die Vielfalt der angewandten Methoden war es möglich, das Erleben und Verhalten der Bewohner in seiner Komplexität sehr präzise, detailgetreu und authentisch zu erfassen, sodass vermutlich auch nachfolgende Studien mit aktuelleren Methoden zu den gleichen Ergebnissen gekommen wären.


Q:

Erläutern Sie die Grundlagenforschung und angewandte Forschung der Sozialpsychologie?

A:

Wie bereits weiter oben ausgeführt, beschäftigt sich die Sozialpsychologie als Grundlagenfach „mit der Art und Weise, in der Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen, Motive und Verhaltensweisen durch Interaktionen und Transaktionen zwischen Menschen beeinflusst werden“. 


Die Sozialpsychologie untersucht demgemäß in der Grundlagenforschung (basic research), wie wir einander wahrnehmen und uns wechselseitig beeinflussen. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse dienen zur Lösung wissenschaftlicher Probleme, indem (sozial-)psychologische Theorien und Methoden entwickelt oder weiterentwickelt werden. Diese können auf praxisbezogene Problemstellungen angewandt werden und erweisen sich dabei auch oft als nützlich, verfolgen dies jedoch nicht als ihr primäres Ziel. In der angewandten psychologischen Forschung können dann auf Basis von psychologischen Modellen und Methoden Praxisfelder erforscht und Empfehlungen für die Praxis gegeben werden. Angewandte Forschung kann sowohl unabhängig und nicht kommerziell (independent research) als auch kommerziell als Auftragsforschung (contract research) durchgeführt werden.

Q:

Grundlegende Ziele bzw. Aufgaben psychologischer Grundlagenforschung und angewandter Forschung sind es, Verhalten zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und zu beeinflussen oder zu verändern. Als weiteres Ziel angewandter Psychologie sei die Verbesserung der Lebensqualität von Personen genannt. Erläutern Sie diese genauer.

A:

• Beschreiben: Hierbei geht es darum, das Verhalten von Personen objektiv zu beobachten und zu erfassen, z. B., wie sich Herr Meier gegenüber seinen Arbeitskollegen verhält. Zentral hierbei ist es, dass sich die Beobachtung ausschließlich auf wahrnehmbare Informationen bezieht, ohne die subjektiven Bewertungen oder Erwartungen der Beobachtenden. 

• Erklären: Hierbei ist das vornehmliche Ziel, regelhafte Verhaltens- oder Denkmuster zu verstehen und die zugrunde liegenden personenbezogenen und umweltbezogenen Faktoren aufzuspüren, wie z. B. den Einfluss, den das Familienklima oder die Clique auf das aggressive Verhalten eines Kindes hat. 

• Vorhersagen: „Eine wissenschaftliche Vorhersage basiert auf der Art und Weise, wie Ereignisse zusammenhängen, und sie trifft Aussagen darüber, welche Mechanismen diese Ereignisse mit bestimmten Prädiktoren bzw. Prädiktorvariablen verbinden“. Ein Beispiel hierfür ist der Zusammenhang zwischen Extraversion von Jugendlichen als Prädiktorvariable und der Zeit, die sie sich mit sozialen Medien beschäftigen (die wöchentliche Nutzungszeit als Kriterium bzw. Kriteriumsvariable). Hierbei wird davon ausgegangen, dass eine stark ausgeprägte Extraversion mit einer entsprechend stark ausgeprägten wöchentlichen Nutzung von sozialen Medien zusammenhängt. 

• Beeinflussen/Verändern: Durch Training, Beratung oder Therapie Menschen dabei unterstützen, ihr Verhalten zu kontrollieren und hierdurch ihre Lebensqualität zu steigern, wie z. B. regelmäßig Sport treiben, Rauchen aufgeben, soziale Kompetenz fördern etc.

Q:

Erläutern Sie die Qualitative Befragung (Interview) als eines der fünf zentralen issenschaftlichen Methoden der sozialpsychologischen Forschung.

A:

Bei einer qualitativen Befragung werden die hierbei gewonnenen Daten nicht mittels einer quantitativen statistischen Analyse ausgewertet, sondern mit speziellen qualitativen Methoden. Qualitative Befragungen werden häufig explorativ (erforschend) eingesetzt, wenn nur wenig über einen bestimmten Gegenstand bekannt ist oder auch, wenn quantitative Methoden z. B. aus ethischen Gründen nicht angewandt werden können.


Befürworter qualitativer Untersuchungsmethoden kritisieren an standardisierten Befragungsmethoden häufig die Künstlichkeit der Befragungssituation und die mangelnde Offenheit der Befragung. Dadurch werden Antworten von Befragten, die außerhalb des vorgegebenen Rahmens liegen, in der Forschung nicht berücksichtigt. Demgegenüber ist qualitative Forschung an der subjektiven Perspektive der Befragten interessiert. Folgende drei Anforderungen sollte die qualitative Forschung neben weiteren Kriterien erfüllen: 

1. Subjektbezogenheit (die subjektive Sicht der Befragten steht im Fokus des Interesses); 

2. Offenheit in Bezug auf die Fragen, Antworten und Methoden; 

3. Untersuchung in alltäglichen Situationen.


In der qualitativen Forschung greift man üblicherweise auf Fallstudien zurück oder auf im Vergleich zu quantitativen Methoden nur kleine Stichproben. Statt einer möglichst großen Zahl von Probanden, stehen die befragten Personen und deren persönliche Sicht auf einen bestimmten Gegenstand im Zentrum des Interesses, die in der Tiefe analysiert und nicht, wie in der quantitativen Forschung, zu Kennwerten zusammengefasst werden. Hierdurch sollen tiefere Einblicke in die soziale Wirklichkeit von Personen gewonnen und reichhaltige sowie wirklichkeitsgetreue Informationen generiert werden. Die Personen werden mittels unstrukturierter und halbstrukturierter Interviews in ihrer alltäglichen Umgebung befragt. Ziel ist eine entspannte Gesprächsatmosphäre, um mögliche Hemmschwellen abzubauen.


 Daraus ergeben sich folgende Ziele qualitativer Forschung: 

• empirische Sachverhalte und soziale Prozesse beschreiben, 

• Klassifikationen oder Typologien aufstellen, 

• Hypothesen anhand empirischen Materials gewinnen und 

• Forschungshypothesen überprüfen. 


In der Mixed-Methods-Forschung werden quantitative und qualitative Forschungsstrategien zumeist stärker miteinander verknüpft, was „über ein Neben- oder Nacheinander separater Teilstudien hinausgeht“. Beispiel für einen Mixed-Methods-Ansatz ist eine Studie des deutschen Jugendinstituts, bei der junge Erwachsene im Fokus des Interesses standen. Diese waren lange Zeit einer ungelernten Tätigkeit nachgegangen, um schließlich doch noch eine spätere Berufsausbildung anzustreben. Bei den qualitativen Interviews lag das Hauptaugenmerk der Forschergruppe auf den Motiven und Intentionen der Befragten: Was bewog sie, eine spätere berufliche Qualifikation aufzunehmen und welche Strategien wandten sie hierbei an? Die Studie zielte darauf ab, zu empirisch begründeten Typologien zu gelangen, mögliche vorhandene Verhaltensmuster aufzuspüren und zu beschreiben. 


Ein Nachteil qualitativer Methoden ist, dass mit ihnen keine Aussagen über UrsacheWirkungs-Zusammenhänge getroffen werden können. Problematisch ist außerdem die Gefahr von subjektiven Verzerrungen durch die Forschenden und die Befragten. Zudem bieten qualitative Methoden naturgemäß keine objektiv vergleichbaren, quantifizierbaren Ergebnisse. Sie werden daher häufig in der Sozialpsychologie zur Hypothesenbildung benutzt, die später mit quantitativen Methoden überprüft werden. Wie das obige Beispiel zeigt, ist es aber auch möglich, sie im Mixed-Methods-Ansatz gemeinsam in einer Studie zu benutzen.

Q:

Was sind Mixed-Methods-Designs?

A:

kombinierte Anwendung von quantitativen und qualitativen Verfahren

Q:

Erläutern Sie den Pygmalion- oder Rosenthal-Effekt.

A:

Ein weiterer Effekt reaktiver Verfahren ist der Pygmalion- oder Rosenthal-Effekt, den Rosenthal und Jacobson (1968) in ihren Felduntersuchungen fanden und der mehrfach repliziert werden konnte. Dieser beruht darauf, dass die an die Leistungen bestimmter Schüler gerichtete Erwartung des Lehrers sowohl seine Beurteilung ihrer Leistung infolge eines Urteilsfehlers als auch deren Leistungen beeinflusst. Dieser Effekt konnte auch dann beobachtet werden, wenn die Schüler davon nichts wussten und der Lehrer von seiner neutralen Haltung gegenüber den Schülern ausging. Der Effekt kann damit erklärt werden, dass eine positive Voreingenommenheit des Lehrers sich indirekt auf positivere Interaktionen zwischen Lehrer und Schüler auswirkt und damit zu einer Steigerung ihrer Leistungen führt. 


Bei reaktiven Verfahren können daher Merkmale des Messinstruments, des Studienleiters oder der Untersuchungssituation das Messergebnis systematisch beeinflussen, wenn sie nicht kontrolliert werden. Wie diese kontrolliert werden können, um Verzerrungen des Ergebnisses zu vermeiden, ist daher eine zentrale Aufgabe der empirischen Methodenforschung.

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