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Tertiärisierung

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Geografie

In diesem Artikel geht es um die Tertiärisierung. Wir erklären dir was die Tertiärisierung ist, welche Bedeutung die Tertiärisierung hat und zeigen dir ein Beispiel. Dieser Artikel hilft dir den Strukturwandel besser zu verstehen.


Dieser Artikel gehört zum Fach Geographie und erweitert das Thema Strukturwandel.


  • Dienstleistungsgesellschaft
  • 1970er
  • technischer Fortschritt
  • Schein-Tertiärisierung
  • Selbstbedienungsgesellschaft
  • Arbeitslosigkeit und Lohnspreizung



Was ist die Tertiärisierung?


Abb. 1: Tertiärer Sektor 
Quelle via Adobe


"Der Begriff Tertiärisierung beschreibt die Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunktes von der Industrie hin zum Dienstleistungssektor gemessen an der Zahl der Beschäftigten sowie an der Wertschöpfung."


Die Tertiärisierung ist also ein gesellschaftlicher Strukturwandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Es verändern sich sowohl materielle Grundlagen als auch gesellschaftliche Werte und Normen. 


Der Strukturwandel begann in allen westlichen Industriestaaten um die 1970er Jahre. Dabei gab es verschiedene Auslöser. Vor allem aber ist die Tertiärisierung dem technischen Fortschritt zuzuschreiben. 


Für viele Prozesse im primären und sekundären Sektor gibt es durch den technischen Fortschritt Maschinen, die viele Aufgaben übernehmen und auch die Produktivität steigert. Dies führt zu kostengünstigeren Produkten. Dadurch gibt es im Dienstleistungssektor eine immer höhere Kaufkraft und damit verbunden auch mehr Arbeitsplätze, die zur Verfügung stehen.


  • Tertiärisierung ist die Entwicklung von einer Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft.
  • Es verändern sich materielle Grundlagen und gesellschaftliche Werte & Normen.
  • Sie begann in den 1970er Jahren.



Die Bedeutung und der Verlauf der Tertiärisierung

Im Folgenden erklären wir dir, wie die Tertiärisierung abläuft. Du erfährst die Ursachen der Tertiärisierung, wie sie sich entwickelt und was für Folgen die Tertiärisierung hat.


Ursachen


Als Ursachen für die Tertiärisierung gibt es im Wesentlichen drei Faktoren:


  • das Bevölkerungs- bzw. Beschäftigungswachstum
  • der technische Fortschritt
  • die Nettoinvestitionen


Durch diese Faktoren werden die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Verbraucherpräferenzen beeinflusst.


Im Konkreten bedeutet das, dass sich die Arbeiter durch steigendes Einkommen mehr leisten können und durch geringere Arbeitszeiten mehr Freizeitangebote wahrnehmen können. Auch gibt die Industrie immer mehr Aufgaben an externe Dienstleister ab (Outsourcing). Durch erhöhten Gebrauch an Dienstleistungen wächst der tertiäre Sektor immer weiter. 


Zudem kann der Verlust von Arbeitsplätzen im primären und tertiären Sektor dazu führen, dass der tertiäre Sektor "scheinbar" immer größer wird (Weniger Arbeiter im primären und sekundären Sektor bei gleichbleibenden tertiären Sektor, prozentual gesehen wächst also der tertiäre Sektor). Diesen Fall nennt man auch Schein-Tertiärisierung.


Weitere Ursachen für die Tertiärisierung sind:


  • die Verstaatlichung von Dienstfunktionen
  • die Veränderungen der Struktur der Konsumnachfrager (demographische Faktoren), der Verhaltensweisen (Mobilität, Freizeitorientierung) und des Lebensstandards (höhere Einkommen)
  • die zunehmende Internationalisierung führt zur Entstehung neuer Handelsnetze
  • Auslagerungsvorgänge von Dienstleistungen aus der Industrie
  • die steigende Komplexität von Produkten und der technologischer Wandel


Quelle via Klett


Entwicklung


Abb. 2: Entwicklung der Sektoren

Quelle via Wikipedia


Auf dieser Abbildung siehst du, wie sich die drei Sektoren im Laufe der Zeit entwickeln. Interessant ist dabei der prozentuale Anteil der Dienstleistungen und der Industrie/Landwirtschaft von 1960 im Vergleich zu 1994. 1960 haben die Dienstleistungen einen Anteil von knapp über 40 %, während es 1994 an die 65 % sind. Der Anteil an Dienstleistungen ist also deutlich gestiegen, während die anderen zwei Sektoren kleiner geworden sind (von rund 45 % auf knapp 25 %). Du kannst also eine deutliche Tertiärisierung erkennen.


Ab den 1970er Jahren begann der Wandel von einer Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Die Dienstleistungen galten bis Dato als große Hoffnung, um die Verluste des primären und tertiären Sektors kompensieren zu können. In den Dienstleistungen sollten sowohl dauerhaft Leistungen erbracht, als auch konsumiert werden können. Dies würde eine ständigen und langfristigen Beschäftigungszuwachs sichern.


Jedoch konnten im Laufe der Zeit viele Dienstleistungen durch langlebige Konsumgüter ersetzt werden. So gibt es Beispielsweise anstatt Waschsalons Waschmaschinen oder anstatt Servicekräften Selbstbedienungsautomaten oder -theken. Die Automatisierung und Standardisierung von Dienstleistung führt zu einer Verlagerung der Dienstleistungen ins Ausland und/oder zu einer Selbstbedienungsgesellschaft. 


Folgen


Die Tertiärisierung bringt sowohl den wirtschaftlichen Wandel als auch sozioökonomische und raumbezogene Veränderungen mit sich. 


Durch den technischen Fortschritt im Dienstleistungssektor können auch hier Arbeitsplätze eingespart bzw. gekürzt werden. In vielen Dienstleistungsunternehmen werden aus Vollzeitkräften Teilzeitkräfte, Mini-Jobber oder Leiharbeiter. Zudem werden oftmals auch Arbeitsplätze dequalifiziert. Genauer bedeutet das, dass Stellen durch Automatisierungsprozesse von weniger qualifizierten Personal übernommen werden können. Es kommt zur Unterscheidung zwischen höherwertigen und einfachen Dienstleistungen.


Durch die Tertiärisierung bilden sich neue Funktionsverteilungen und Hierarchien in den Städten - es entstehen Zentren. Diese Zentren haben eine Versorgungs- und Steuerungsfunktion. Jedoch eignen sich nur wenige Standorte als solche Funktionszentren. Für diese Managementzentren werden große Städte und Metropolen gesucht. Orte, an denen sich die Bevölkerung räumlich konzentriert und es viele Abnehmer für die Dienstleistungen gibt. 


Ein Beispiel wäre hier die Stadt Frankfurt. Frankfurt gehört zu den führenden Finanz- und Dienstleistungszentren. Dass Frankfurt im Rahmen der Tertiärisierung zu einer Metropole wurde, liegt zum einen an seinen günstigen Standortfaktoren (Verkehrsknoten Deutschlands) und zum anderen an seiner Rolle als Messestadt. Dadurch konnte sich die Stadt intensive Handelsbeziehungen aufbauen. Die günstige Lage und die guten Beziehungen führten dazu, dass Frankfurt zu einer Dienstleistungsmetropole wurde.


Die Folgen im Überblick:


  • strukturelle Arbeitslosigkeit
  • verstärkte Lohnspreizung
  • viele leerstehende Immobilien
  • Metropolisierung


Tertiärisierung: Ursachen, Entwicklung und Folgen im Überblick


  • Ursachen: Bevölkerungs- bzw. Beschäftigungswachstum, technischer Fortschritt, Nettoinvestitionen
  • Schein-Tertiärisierung
  • Entwicklung
    • ab den 1970er Jahren
    • Wandel von einer Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft
    • in Dienstleistungen dauerhaft Leistungen erbringen und konsumieren
    • Automatisierung und Standarisierung von Dienstleistungen
  • Selbstbedienungsgesellschaft
  • Folgen
    • strukturelle Arbeitslosigkeit, verstärkte Lohnspreizung, viele leerstehende Immobilien, Metropolisierung

Jetzt weißt du, was die Tertiärisierung ist und welche Bedeutung sie hat. Schau auch mal in die Artikel zum Strukturwandel, zur Entwicklung der Wirtschaftssektoren nach Fourastié oder zum Kondratjew-Zyklus. Weitere spannende Übungsaufgaben und hilfreiche Literatur findest du auf StudySmarter.



Tertiärisierung - Das Wichtigste auf einen Blick

  • von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft
  • ab den 1970ern
  • durch technischen Fortschritt
  • Selbstbedienungsgesellschaft

Häufig gestellte Fragen zum Thema Tertiärisierung

Durch den technischen Fortschritt, das Bevölkerungs- bzw. das Beschäftigungswachstum und Nettoinvestitionen kommt es dazu, dass die Dienstleistungen immer gefragter werden. Es werden finden immer mehr Menschen im tertiären Sektor einen Arbeitsplatz und auch die Nachfrage nach Dienstleistungen steigt. Das führt dazu, dass der Dienstleistungssektor wächst.

Eine Dienstleistungsgesellschaft ist eine Gesellschaft, in der die Dienstleistungen bzw. der tertiäre Sektor die größte Bedeutung für die Gesellschaft hat. In diesem Sektor wird das meiste Einkommen verdient, die meisten Arbeitnehmer sind hier beschäftigt und auch der Konsum der Güter ist an größten. (Die Dienstleistungen machen prozentual den größten Anteil in der Gesellschaft.)

Durch die immer höhere Nachfrage und den immer größeren Konsum von Dienstleistungen können sich die Unternehmen immer weiter vergrößern. Durch die Expansion der Unternehmen können zugleich auch mehr Arbeiter eingestellt werden. Dieser Kreislauf führt zu einem stetigen Wachstum der Dienstleistungen.

Die Tertiärisierung beschreibt die Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunktes von der Industrie hin zum Dienstleistungssektor. Gemessen wird der Prozess an der Anzahl der Beschäftigten und an der Wertschöpfung.

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