Orientalische Stadt: Merkmale & Aufbau | StudySmarter
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Orientalische Stadt

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Geographie

In diesem Artikel erfährst du, was eine Orientalische Stadt ist, was ihre traditionellen Merkmale sind und wie sich die Orientalische Stadt in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Das Thema gehört zum Themenbereich der Stadtgeographie im Fach Geographie. Viel Spaß beim Lernen!



Was ist die Orientalische Stadt?


Die Orientalische Stadt ist ein regionalspezifisches Stadtmodell in der Stadtgeographie, das versucht, Merkmale und Prozesse von Städten des Orients zu beschreiben. Städte mit entsprechenden Merkmalen sind von Vorderasien bis Nordafrika, von Istanbul in der Türkei bis Marrakesch in Marokko zu finden.


Orientalische Städte verfügen über eine mehr als 5000 Jahre dauernde Geschichte und zählen damit zu den ältesten Städten weltweit. Durch die politische, kulturelle und soziale Expansion des Islams ab dem sechsten Jahrhundert wurde die Orientalische Stadt zunehmend islamisch geprägt. Im 19. Jahrhundert führte der westliche Einfluss zu einer erneuten Veränderung des Stadtbildes.



Um diesen verschiedenen historischen Prozessen hinter der Orientalischen Stadt gerecht werden zu können, unterscheidet man das Modell der traditionellen orientalischen Stadt, auch orientalisch-islamische Stadt genannt, und das Modell der orientalischen Stadt unter westlichem Einfluss. 



Die traditionelle Orientalische Stadt


Ein Beispiel für dieses Stadtmodell ist die Stadt Damaskus in Syrien. 


Das Idealschema der islamisch-orientalischen Stadt wurde 1969 anhand einer Dissertation über Damaskus in Syrien vom Geographen Klaus Dettmann entworfen. Dieses Schema kennzeichnet wesentliche traditionelle Elemente des Aufbaus sowie der funktionalen und sozialräumlichen Gliederung der Altstadtbereiche.


Bauliche Merkmale der traditionellen Orientalischen Stadt


Charakteristische bauliche Elemente der islamisch-orientalischen Stadt sind:


  • der Sackgassengrundriss der Stadtquartiere in der Altstadt bzw. Medina
  • die Gebäude im Innenhofhaustyp
  • die (Haupt-)Moschee als religiöses Zentrum im Mittelpunkt der Stadt
  • der Souk bzw. Basar als wirtschaftliches Zentrum
  • die ringförmige Stadtmauer, häufig mit integriertem Palast



Ein typisches Merkmal der traditionellen Orientalischen Stadt war bzw. ist teilweise heute noch der Sackgassengrundriss der Viertel. Dieses Gewirr aus Gassen ist meistens in der Altstadt bzw. Medina zu finden. Wenige Hauptstraßen verlaufen durch diesen Bereich und von diesen zweigen häufig enge Sackgassen ab. Zahlreiche kurze Straßen führen dann von den Sackgassen in das Innere der Wohnhausblöcke.


Die Nähe von Religion und Wirtschaft der Orientalischen Stadt findet ihren Ausdruck im städtebaulichen Nebeneinander von Hauptmoschee und Basar. Diese bilden gemeinsam mit öffentlichen Plätzen, Brunnen und sämtlichen Durchgangsstraßen den öffentlichen Bereich der traditionellen Orientalischen Stadt. Als Bindeglied zwischen dem öffentlichen und dem privaten Bereich fungiert der halböffentliche Sektor in Form dieser Sackgassen und der Innenhöfe.


Das traditionelle orientalische Stadtbild wird geprägt von den Moscheen und den dazugehörigen Minaretten, also Moscheetürmen, von denen der Muezzin seine Gläubigen zum Gebet ruft. Der zentrale Markt der Orientalischen Stadt wird Souk (arabisch) oder Basar (persisch) genannt und ist das traditionelle Handels-, Gewerbe- und Finanzzentrum der Stadt. Hier befinden sich Einzel-, Groß- und Fernhandel auf engstem Raum.



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Abb. 1: Ein Souk der orientalischen Stadt Marrakesch 

via Grimaldi Lines


Ursprünglich waren viele orientalische Städte von einer Stadtmauer umgeben, die jedoch in vielen Städten unter Anderem durch den Bau breiterer Straßen aufgebrochen wurden. Im Zuge des Wachstums der Städte haben die Stadtbefestigungen längst ihre einstige Wehr- und Schutzfunktion verloren.


Auf der folgenden Abbildung erkennst du den Aufbau einer traditionellen islamisch-orientalischen Stadt mit der Hauptmoschee im Zentrum, den Souks, den Altstadtgassen, der Stadtmauer und den Wohnvierteln außerhalb dieser:



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Abb. 2: Der Aufbau einer orientalisch-islamischen Stadt

via Diercke Westermann

 

Soziale und wirtschaftliche Merkmale



Kennzeichnend für die traditionelle Orientalische Stadt ist die Trennung von Wohnort und Arbeitsstätte, welches in der Viertelbildung und der Konzentration wirtschaftlicher Funktionen im Basar seinen Ausdruck findet. Die Entstehung von Vierteln in der orientalischen Stadt wird durch die extreme Abkapselung von Stammesgruppen, religiösen und ethnischen Gruppen gekennzeichnet. Dieser Prozess wird auch als Segregation der Bevölkerung bezeichnet.


Als eigenständige Kulturleistung der islamisch-orientalischen Stadt wird der Basar angesehen, da hier die ökonomischen Funktionen der Produktion, der Lagerung, des Handels und der Finanzierung vereint werden. Je nach Größe der Stadt erfolgt eine Dezentralisierung der Basare an mehreren Standorten.  



Die Orientalische Stadt mit westlichem Einfluss


Ein Beispiel für dieses Stadtmodell ist Teheran im Iran. 



Das Modell der orientalischen Stadt unter westlich-modernem Einfluss wurde ab 1975 von Martin Seger am Beispiel der Stadt Teheran im Iran entwickelt. Bereits im 19. Jahrhundert gerieten Teile der islamisch geprägten Welt zunehmend unter starken westlichen Einfluss. Dieser Einfluss und das enorme Wachstum vieler Städte haben zu einer Zweipoligkeit der heutigen Stadtstruktur geführt. Dabei stehen dem erhaltenen historischen Stadtkern als Gegensatz neuartige und moderne Viertel gegenüber.


Städtebauliche Veränderungen


Städtebaulich werden diese Differenzen durch das Aufeinandertreffen von Gebäuden im orientalischen Stil, zum Beispiel Baumaterial aus Lehm, und funktionalen Betonbauten erkennbar. Die moderne Orientalische Stadt verfügt zwar weiterhin über ihre historische Altstadt, daneben aber auch über einen neuen wirtschaftlichen Kern, der als Central Business District (CBD) bezeichnet wird und vor allem tertiärwirtschaftliche Strukturen besitzt, wie zum Beispiel Banken, Großkaufhäuser oder Hotels. 


Häufig werden die alten Stadtkerne der islamisch-orientalischen Stadt einfach abgebrochen oder teilweise auch im Stil der orientalischen Stadt des 19. Jahrhunderts saniert. Erhalten bleiben meist die Moscheen und Souks/Basare, wobei diese aufgrund der neuen Geschäftszentren zunehmend ihre einstige Bedeutung verlieren.


Veränderung der Wohnviertel


Auch die Verteilung der Wohnviertel änderte sich. Während das CBD sich im Gebiet der früheren Oberschichtviertel ansiedelte, suchte die Mittel- und Oberschicht die Stadtrandlage. Die Wohngebiete der ärmeren Bevölkerungsteile befinden sich vornehmlich im Bereich der Altstadt und deren Umgebung, wo eine zunehmende Slumbildung zu beobachten ist. Die Industrie hat sich auf Grund der späten Industrialisierung vor allem am Stadtrand entlang der Ein- und Ausfallstraßen angesiedelt.


Zusammenfassend kann man sagen, dass die am westlichen Stil orientierten Modernisierungen zur Folge haben, dass die traditionellen orientalischen Stadtstrukturen und Lebensformen zunehmend an Bedeutung verlieren und auch teilweise zerstört werden.


Orientalische Stadt - Das Wichtigste auf einen Blick

  • Orientalische Städte verfügen über eine mehr als 5000 Jahre dauernde Geschichte und zählen damit zu den ältesten Städten weltweit. Durch die politische, kulturelle und soziale Expansion des Islams ab dem sechsten Jahrhundert wurde die Orientalische Stadt zunehmend islamisch geprägt. Im 19. Jahrhundert führte der westliche Einfluss zu einer erneuten Veränderung des Stadtbildes.
  • Charakteristische bauliche Elemente der islamisch-orientalischen Stadt sind der Sackgassengrundriss der Stadtquartiere in der Altstadt, die Moschee als religiöses Zentrum im Mittelpunkt der Stadt, der Souk/Basar als wirtschaftliches Zentrum und die ringförmige Stadtmauer.
  • Die moderne Orientalische Stadt verfügt zwar weiterhin über ihre historische Altstadt, daneben aber auch über einen neuen wirtschaftlichen Kern, der als Central Business District (CBD) bezeichnet wird und vor allem tertiärwirtschaftliche Strukturen besitzt.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Orientalische Stadt

Im Zentrum der Orientalischen Stadt befindet sich die Hauptmoschee und der Souk/Basar. Um dieses Zentrum herum befinden sich die Gassen der Altstadt mit eigenen Nebenzentren. Am Rand befindet sich eine ringförmige Stadtmauer und außerhalb dieser sind die Wohnviertel angesiedelt.

Die orientalische Altstadt nennt man Medina.

Charakteristische bauliche Elemente der islamisch-orientalischen Stadt sind der Sackgassengrundriss der Stadtquartiere in der Altstadt, die Moschee als religiöses Zentrum im Mittelpunkt der Stadt, der Souk/Basar als wirtschaftliches Zentrum und die ringförmige Stadtmauer.

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