Europäische Stadt: Merkmale & Aufbau | StudySmarter
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Europäische Stadt

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Geographie

In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige über die Europäische Stadt, ein weit verbreitetes Stadtmodell, das im Themengebiet der Stadtgeographie, was zum Fach Geographie gehört, sehr wichtig ist. Mit diesem Wissen wirst du dich sicherlich bestens auf deine nächste Prüfung in der Geographie vorbereiten können. Viel Spaß beim Lernen!



Was ist die Europäische Stadt?


Die Europäische Stadt ist ein wichtiges und weit verbreitetes regionalspezifisches Stadtmodell in der Stadtgeographie und versucht Städte in Europa, vorrangig in West- und Mitteleuropa, zu charakterisieren. Dabei wird unter anderem auf die Struktur des Verkehrs, sowie auf die Formen und Funktionen der Stadtgliederung eingegangen. Der Begriff der Europäischen Stadt ist allerdings nicht klar definiert. 


Die Europäische Stadt wird häufig als analytische Kategorie gegenüber anderen Stadttypen sowie als planerische Leitbildvorstellung verwendet. Die Bezeichnung beinhaltet auf der analytischen und auf der Leitbildebene morphologische, soziale, historische, ethnische, sowie kulturelle Dimensionen.


Europäische Städte sind ein Spiegelbild der jeweiligen politischen, rechtlichen und administrativen Gegebenheiten sowie zahlreicher historischer Prozesse von sehr langer Dauer. Daher ist die Europäische Stadt auch nicht eindeutig zu erfassen.


Die Geschichte der Europäischen Stadt 


Die Anfänge städtischer Siedlungen in Europa sind bis in die klassische Antike zurückzuverfolgen. Im geschichtlichen Wandel haben sich europäische Städte mit den jeweils geltenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fortlaufend verändert. Je nach Entstehungszeit und damaliger Funktion der Städte sind die charakteristischen städtebaulichen Elemente und Strukturen teilweise bis heute noch prägend für Europas Städte. Deswegen sind europäische Städte auch so vielfältig. 


Antike Städte


Die Geschichte der Europäischen Stadt begann mit den griechischen Stadtstaaten, die als Ausdruck von Machtkonzentration und Schutzmaßnahmen entstanden. Bereits für diese Epoche lässt sich die räumliche Nähe von Wirtschafts- und Verwaltungsfunktion innerhalb der Stadt feststellen. Dabei bildeten meist der Marktplatz und die Tempelanlagen die zentralen Orte der Stadt. 


Mit dem Aufstieg des Römischen Reichs seit dem dritten Jahrtausend v. Chr. wurden zahlreiche Städte neu gegründet. Hauptzweck war der Erhalt und Ausbau der militärischen Macht in den besetzten Gebieten. 


Bekannte Römerstädte in Deutschland sind beispielsweise Köln, Mainz und Trier.



Der schachbrettartige Grundriss der Römischen Städte ähnelt dem griechischen Vorbild. Kennzeichen für den Römischen Städtebau sind die für die damalige Zeit gut ausgebauten Straßen, die einheitlichen regelmäßigen Flurformen und die berühmten Aquädukte.


Mittelalterliche Städte 


Mit dem Zerfall des Römischen Reichs begann die Entwicklung des europäischen Städtesystems ab 900 bis ungefähr 1100 n. Chr. Durch einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung und einer deutlichen Zunahme der Bevölkerung entstandenhauptsächlich um Burgen, kaiserliche Pfalzen und Klöster neue Siedlungen. Charakteristisch für mittelalterliche europäische Städte sind der unregelmäßige Straßenverlauf, mehrstöckige Häuser und eine extrem dichte Bebauung.


Diese ausgeprägte Enge von Wohn- und Wirtschaftsverhältnissen entstand durch die Befestigung der Städte mittels Stadtmauern und Wehranlagen. Um die dafür aufkommenden Kosten gering zu halten, war das Wachstum weitgehend auf den Bereich innerhalb des Stadtmauerrings beschränkt.  


Residenzstädte


Im 14. und 15. Jahrhundert verloren die mittelalterlichen Städte an Bedeutung. Die weitgehend unumschränkte Herrschaft des barocken Adels prägte stattdessen die Entwicklung der Städte. 


Die neuen prunkhaften Residenzen wurden oft außerhalb bereits bestehender europäischer Städte errichtet. Kam es in der Nähe solcher fürstlichen Residenzen zu Stadtneugründungen, wurde die gesamte Stadtanlage mit ihrem geometrischen Grundriss auf das fürstliche Schloss ausgerichtet.



Industriestädte


Ab dem 18. Jahrhundert begann ein sozialer, geistiger und wirtschaftlicher Wandel. Technologische Fortschritte lösten eine Steigerung der Industrieproduktion aus und die verbesserten Hygienebedingungen hatten ein starkes Bevölkerungs- und Städtewachstum zur Folge. 


Bessere Verdienstmöglichkeiten verursachten eine hohe Migration der ländlichen Bevölkerung in die europäischen Städte. Neue Produktionsstätten der Industrie entstanden in den damaligen Außenbereichen der Städte und häufig wurden in der unmittelbaren Nähe auch die Siedlungen der Arbeiter errichtet. 


Es kam dennoch zu einer funktionalen Trennung von Wohnen und Arbeiten. Die wohlhabenderen Bevölkerungsgruppen wohnten häufig im westlichen Gebiet der Stadt, um geschützt von den Emissionen der Industriestandorte zu leben. Die Errichtung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichte eine bessere Erschließung der Stadtviertel und verstärkte das Flächenwachstum der Städte. Dörfer wurden zu Städten und Städte verschmolzen zu Ballungsräumen.


Die Merkmale der Europäischen Stadt


Auch wenn die Europäische Stadt nicht einfach zu greifen ist, gibt es dennoch bestimmte Merkmale, die sich häufig in Städten Europas finden lassen. 


Diese Merkmale sind Folgende:


  • eine kompakte Form der Innenstadt bzw. Altstadt durch historische Stadtbefestigung
  • eine enge Straßenführung und komplexe Straßenmuster
  • die Vermischung von Arbeits- und Wohnfunktion in den Gebäuden
  • die bauliche Überhöhung konzentriert sich auf Repräsentativbauten geistlicher und weltlicher Macht (zum Beispiel Kirchen und Schlösser)
  • in Richtung Zentrum sind die Häuser höher als am Rand
  • die Geschossbauweise nahm seit der Industrialisierung zu
  • eine starke Persistenz der baulichen Strukturen
  • sehr hoher Stellenwert von Stadtbildpflege und Denkmalschutz
  • der Bodenwert nimmt vom Rand zum Zentrum zu
  • belebte Innenstädte
  • Spuren der Kriege
  • sehr starke Vielfalt auf relativ kleinem Raum




Abb. 1: Eine Luftaufnahme der Stadt München als Beispiel für die Europäische Stadt

Quelle via Geohilfe


Auf dieser Luftaufnahme der Stadt München erkennt man deutlich die kompakte Form der Innenstadt, die niedrige Bebauung und die Ausrichtung auf Repräsentativbauten. 


Die Gliederung der Europäischen Stadt


Zentrale Gliederungselemente der Europäischen Stadt sind:


  • das Stadtzentrum
  • verdichtete Wohn- und Gewerbegebiete
  • die Vorortzone
  • der Grüngürtel 
  • die suburbane Zone


Das Stadtzentrum erfüllt vorrangig gewerbliche Funktionen, wobei im Zentrum einer Europäischen Stadt auch gewohnt wird. Das Zentrum wird durch einen Grüngürtel an der Stelle der ehemaligen Befestigungsanlagen begrenzt. Es gibt stark verdichtete Wohn- und Gewerbegebiete, die Funktionsmischung fand während der Industrialisierung statt. 


Der Grüngürtel einer Europäischen Stadt dient als Naherholungsgebiet. Er will eine bauliche Abgrenzung der Stadt herstellen und außerdem das Stadtklima verbessern.



Die Europäische Stadt macht des Weiteren eine Vorortzone aus. In dieser Vorortzone befinden sich in mehreren Ringen Orte, die teilweise noch einen eigenen erhaltenen Ortskern aufweisen. Es ist hierbei eine deutliche Trennung von Wohngebieten und Industrie- und Gewerbezonen erkennbar. Es gibt außerdem noch eine suburbane Zone, die sich außerhalb der administrativen Stadtgrenze befindet. 


Die Europäische Stadt Augsburg


Die deutsche Stadt Augsburg kann man als Beispiel für die klassische innere Gliederung einer Europäischen Stadt heranziehen:


  • Grünanlagen: das Stadtzentrum wird begrenzt durch Grünanlagen an den Überresten der ehemaligen Stadtmauer (beispielsweise am Jakoberwall und Roten Tor) 
  • Wohnen und Gewerbe: außerhalb des Zentrums befinden sich Wohn- und Gewerbegebiete, zum Beispiel in Lechhausen und Oberhausen
  • Orte der Vorortzone: in der Vorortzone befinden sich eingemeindete Orte wie Kriegshaber 
  • Suburbane Zone: in der suburbanen Zone befinden sich Orte außerhalb der administrativen Stadtgrenze Augsburgs, wie Friedberg und Gersthofen
  • Grüngürtel: der Grüngürtel reicht im Süden entlang des Stadtwald Augsburg zum Lechauwald bei Unterbergen und umfasst im Westen das Naherholungsgebiet Westliche Wälder



Herausforderungen der Europäischen Stadt


Die Europäische Stadt steht vor tiefgreifenden sozialen Veränderungen und damit verbundenen Herausforderungen. Dazu zählen zum Beispiel Herausforderungen durch die Integration von Zuwanderern, die Gefahr der Ghettobildung und Prozesse wie die Fragmentierung. 


Außerdem hat sich der Stellenwert öffentlicher Räume stark verändert, da mittlerweile viele berufliche und private Erledigungen digital passieren können. Zahlreiche Shopping-Center und der Onlinehandel begünstigen ein viel gefürchtetes „Aussterben der Innenstädte“. Die Europäischen Städte versuchen, dieser Entwicklung mit bestimmten Events entgegenzuwirken.


Ein wichtiges Thema sind städtische Prozesse wie die Gentrifizierung, die häufig für Streitigkeiten zwischen verschiedenen Interessensgemeinschaften sorgen.


Wenn du mehr über die verschiedenen städtischen Prozesse erfahren möchtest, kannst du auf die jeweiligen Begriffe klicken und gelangst so direkt zu den entsprechenden Artikeln!


Europäische Stadt - Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Europäische Stadt ist ein weit verbreitetes regionalspezifisches Stadtmodell in der Stadtgeographie und versucht Städte in Europa, vorrangig in West- und Mitteleuropa, zu charakterisieren. Der Begriff ist allerdings nicht klar definiert.
  • Europäische Städte sind ein Spiegelbild zahlreicher historischer Prozesse von sehr langer Dauer. Daher ist die Europäische Stadt auch nicht eindeutig zu erfassen.
  • Die Anfänge städtischer Siedlungen in Europa sind bis in die klassische Antike zurückzuverfolgen. Je nach Entstehungszeit und damaliger Funktion der Städte sind die charakteristischen städtebaulichen Elemente teilweise bis heute noch prägend für Europas Städte.
  • Einige wichtige Merkmale der Europäischen Stadt sind eine kompakte Form der Innenstadt bzw. Altstadt durch historische Stadtbefestigung, eine enge Straßenführung und komplexe Straßenmuster, die Vermischung von Arbeits- und Wohnfunktion in den Gebäuden und eine sehr starke Vielfalt auf relativ kleinem Raum.
  • Zentrale Gliederungselemente der Europäischen Stadt sind das Stadtzentrum, verdichtete Wohn- und Gewerbegebiete, die Vorortzone, der Grüngürtel und die suburbane Zone.
  • Die Europäische Stadt steht vor tiefgreifenden sozialen Veränderungen und damit verbundenen Herausforderungen. Dazu zählen zum Beispiel Herausforderungen durch die Integration von Zuwanderern, die Gefahr der Ghettobildung und verschiedene städtische Prozesse.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Europäische Stadt

Die größte Stadt Europas, gemessen an der Bevölkerungszahl, ist Moskau, dicht gefolgt von Istanbul und London.

In fast allen europäischen Städten gibt es hinsichtlich ihrer Funktion eine grundsätzliche Gliederung in vier Elemente: Innenstadt, citynahe Wohn- und Gewerbeviertel, Außenzone der Städte und Stadt-Umland.

Das Zentrum einer europäischen Stadt wird Innenstadt, Stadtzentrum oder City genannt.

Die europäische Stadt ist durch eine sehr starke Vielfalt auf relativ kleinem Raum gekennzeichnet.

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