Demografischer Wandel: Ursachen & Folgen | StudySmarter
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Demografischer Wandel

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Geographie

In Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wird häufig vom demografischen Wandel geredet. Die Bundesregierung in Deutschland sieht ihn als eines der wichtigsten Themen der kommenden Jahre. Warum das so ist und was es mit dem demografischen Wandel auf sich hat lernst du in diesem Artikel. Das Thema gehört zum Fach Geographie und erweitert das Themengebiet Demographie



Was ist Demographie? 


Bevor wir uns mit dem demografischen Wandel auseinandersetzten können, muss zunächst geklärt werden, was Demographie überhaupt ist. Der demografische Wandel basiert nämlich auf dem Verständnis dieser Wissenschaft. 


Das Wort Demographie setzt sich aus den griechischen Wörtern "demos" (auf deutsch: Volk) und "graphein" (auf deutsch: beschreiben) ab. Die Demographie ist also die Wissenschaft vom Volk, die sich mit der Entwicklung der Bevölkerung und ihren Strukturen beschäftigt.


Die Demographie beschreibt und analysiert die Zusammensetzung einer Gesellschaft und beachtet dabei beispielsweise das Alter, das Geschlecht oder die Nationalität der Einwohner eines bestimmten Gebiets. Es werden innerhalb der Demographie räumliche Bewegungen, wie die Migration oder Wanderungen und natürlichen Bewegungen, also die Geburten- und Sterberaten, angeschaut.


Mehr zum Thema Demographie lernst du in dem dazugehörigen Artikel. Schau dort doch mal vorbei, um Allgemeines zur Demographie zu erfahren. 


Was ist der demografische Wandel? 


Der demografische Wandel beschreibt Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Insbesondere meint man hier Veränderungen in Hinsicht auf folgende Aspekte: 


  • die Altersstruktur, 
  • die Entwicklung der Geburtenzahl
  • die Entwicklung der Sterbefälle, 
  • die Anteile von Inländern, Ausländern und Eingebürgerten
  • die Anteile von Zuzügen und Fortzügen


Der demografische Wandel bezeichnet die Veränderung der Struktur der Bevölkerung von Staaten unter Berücksichtigung von Altersstruktur, Geburtenzahlen und Sterbefällen.


Die folgende Abbildung zeigt die Struktur der Bevölkerung in den Jahren 2000 und 2015. Außerdem zeigt sie eine Prognose für das Jahr 2030. Man erkennt einen deutlichen Anstieg des Durchschnittsalters der Bevölkerung. Das ist eine typisches Beispiel für die Veränderung der Bevölkerungsstruktur. 





Einflussfaktoren auf den demografischen Wandel


Im Normalfall ist der demografische Wandel eher ein schleichender, also ein sich langsam entwickelnder und ein sich über Jahrzehnte ziehender Prozess. Vorfälle wie Kriege, Krankheiten oder die Einführung von Verhütungsmitteln können den demografischen Wandel jedoch stark beeinflussen, indem sie die Bevölkerung schrumpfen lassen. 


Andere Ereignisse wie zum Beispiel Flüchtlingswellen lassen die Bevölkerung des Zuwanderungslandes steigen, was auch einen demografischen Wandel darstellt.



Der demografische Wandel in Deutschland


  • Ungleichgewicht von Sterbe- und Geburtenrate
  • steigende Lebenserwartung 
  • alternde Gesellschaft


Seit Anfang der 1970er Jahre ist in Deutschland die Anzahl der Sterbefälle höher als die Anzahl der Geburten. Das bedeutet, dass ohne Zuwanderung die Bevölkerung schrumpfen würde, also die Anzahl der Einwohner Deutschlands immer niedriger werden würde. Durch die Migration von Personen aus anderen Ländern kann dieses Ungleichgewicht jedoch ausgeglichen werden. 


Ein weiteres Merkmal des demografischen Wandels in Deutschland ist die steigende Lebenserwartung der Menschen. Durch den Fortschritt der Medizin und der sich stetig verbesserten Hygiene leben die Menschen im Durchschnitt länger. Bei einem Rückgang der Geburtenrate bedeutet das für die Bevölkerung, dass sie allgemein immer älter wird. 


Die folgende Abbildung zeigt die Struktur der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2020. Man erkennt, dass der Großteil der Menschen etwa zwischen 50 und 70 Jahre alt ist. Prognosen zeigen, dass sich dies in den kommenden Jahren weiter nach oben verschieben wird. 




Quelle via blog.games-career



Die Ursachen des demografischen Wandels 


Wie du bereits gelernt hast, besteht der demografische Wandel in Deutschland aus zwei Merkmalen: 


  • dem Rückgang der Geburtenrate und 
  • der steigenden Lebenserwartung.


Warum diese beiden Phänomene in Deutschland zu beobachten sind hat verschiedene Gründe. 


Gründe für den Geburtenrückgang


In Deutschland gibt es seit einigen Jahrzehnten einen deutlichen Abwärtstrend bei der Geburtenzahl. Dies kann folgende Gründe haben: 


  • ein allgemein veränderter Lebensstil der Gesellschaft 
  • mehr Singles
  • die Emanzipation der Frau 
  • die Einführung der Anti-Baby-Pille
  • eine schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zu wenig Betreuungsangebote für Babys und Kleinkinder
  • Kinder werden nicht mehr zur sozialen Absicherung benötigt
  • weniger Ehen und mehr Scheidungen sowie mehr kurzfristige unverbindliche Partnerschaften


Gründe für die höhere Lebenserwartung


Zudem gibt es auch verschiedene Gründe, warum die Menschen immer älter werden. Im Jahr 1970 lag die Lebenserwartung für Frauen noch bei etwa 73 Jahren und für Männer bei etwa 67 Jahren. Heute ist die Lebenserwartung für Frauen etwa 83 Jahre und für Männer etwa 78 Jahre. Dieser drastische Anstieg der Lebenserwartung hat folgende Ursachen: 


  • eine bessere medizinische Versorgung und medizinisches Wissen
  • mehr Hygiene
  • bessere Lebensverhältnisse und ein höherer Wohlstand
  • eine gesündere Ernährung



Die Folgen des demografischen Wandels


  • der Anstieg des Durchschnittsalters der  Bevölkerung.
  • die Abnahme der Bevölkerungszahl, da die Sterberate über der Geburtenrate liegt.
  • Mehr Kosten für Pflege und medizinische Versorgung alter Menschen.
  • Belastung des Sozialsystems.
  • Mangel an Arbeitskräften.


Der demografische Wandel hat auf viele gesellschaftliche Ebenen einen großen Einfluss. Oft wirkt sich der Anstieg des Durchschnittalters negativ auf die Bereiche aus. Der demografische Wandel hat Folgen für die Sozialsysteme und hier vor allem auf das Rentensystem und die Krankenkassen. Außerdem hat er auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. 


Folgen für die Sozialversicherungssysteme


Die Sozialversicherungssysteme in Deutschland basieren auf dem Generationenvertrag. 


Der Generationenvertrag beschreibt die Verpflichtung der arbeitenden Generation zur Beitragszahlung und zum Aufkommen für die ältere Generation. Die nachfolgende Generation übernimmt die gleiche Verpflichtung.

Dieser Generationenvertrag wird mit dem zunehmenden Alter der Bevölkerung immer problematischer. 


Folgen für das Rentenversicherungssystem


Der demografische Wandel hat einen erheblichen Einfluss auf das Rentensystem. In Deutschland ist es nämlich so, dass die arbeitende Gesellschaft für die Renten der älteren Bevölkerung, die nicht mehr arbeitet, aufkommt. Nun kommen aber auf eine arbeitende Person immer mehr alte Menschen. Es gibt ja immer weniger jüngere und gleichzeitig immer mehr ältere Menschen. 


Die arbeitende Gesellschaft kann auf Dauer nicht die Kosten für die älteren Menschen übernehmen, weshalb das Rentensystem nicht praktikabel für die heutigen Entwicklungen sind. Hier bedarf es einer Änderung. 


Folgen für die Kranken- und Pflegeversicherung


Auch für die Kranken- und Pflegeversicherungen ergeben sich durch den demografischen Wandel negative Folgen. Durch die immer älter werdende Bevölkerung ergibt sich, dass auch immer mehr Menschen pflegebedürftig werden und auf medizinische Versorgung angewiesen sind. Hieraus entsteht bei den Krankenkassen ein Finanzierungsproblem, da auch diese durch die Beiträge der jüngeren Bevölkerung finanziert werden. 


Folgen für den Arbeitsmarkt


Wie bereits erwähnt gibt es durch den demografischen Wandel weniger Menschen, die sich im arbeitsfähigen Alter befinden. Es fehlen also in vielen Unternehmen Arbeits- und Fachkräfte. Dadurch entsteht ein erhöhter Wettbewerb um neue Mitarbeiter unter den Unternehmen. Besonders hart ist es für kleinere Unternehmen, da diese den Großunternehmen schon zuvor in Hinsicht auf die Rekrutierung neuer Mitarbeiter unterlegen waren.


Die Arbeitswelt könnte sich außerdem aufgrund der Überalterung der Gesellschaft verändern. Die Lebensarbeitszeit könnte weiter erhöht und es könnten altersgerechte Arbeitsbedingungen und Maßnahmen zur altersgerechten Arbeitszeitflexibilisierung geschaffen werden.


Durch das Ausscheiden vieler älterer Arbeitnehmer kann es zudem passieren, dass Know-how verloren geht. Im schlimmsten Fall kann sich der Verlust des Wissens auch auf die Wirtschaftsleistung eines ganzen Landes auswirken.



Maßnahmen gegen den demografischen Wandel


Wie man anhand der negativen Folgen des demografischen Wandels sehen kann, bringt dieser große Herausforderungen und neue Aufgaben für den Staat, die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Bürger mit sich. Um die negativen Folgen des demografischen Wandels zu stoppen oder wenigstens zu minimieren, werden einige Gegenmaßnahmen getroffen, die jedoch nicht immer die gewünschte Wirkung zeigen. 


  1. In die Familienpolitik wird von allen Gesellschaftsbereichen das meiste Geld investiert. Es soll für eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf gesorgt werden. 
  2. Das Anwerben von ausländischen Zuwanderern wird diskutiert. Dies soll zur Verjüngung der Gesellschaft beitragen. 
  3. Es wird auch über eine grundlegende Reform des Sozialversicherungssystem nachgedacht. Dieses Thema ist jedoch sehr umstritten. 
  4. Die Anpassung der Umwelt an die Überalterung der Gesellschaft



Der demografische Wandel weltweit


Die oben beschriebene Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland ist typisch für hoch entwickelte Industriestaaten. Eine Theorie, die diesen Sachverhalt beschreibt, ist das demografisch-ökonomische Paradoxon.


Das demografisch-ökonomische Paradoxon besagt, dass eine Bevölkerung oder eine soziale Schicht umso weniger Kinder bekommt, je wohlhabender und gebildeter sie ist.

In vielen europäischen Ländern, sowie in China und Japan können demnach die gleichen Entwicklungen beobachtet werden wie in Deutschland. In Entwicklungsländern wird eher ein Bevölkerungswachstum beobachtet. 


Afrika ist der am schnellsten wachsende Kontinent der Welt. Im Zeitraum 2010-2015 lag die Fertilitätsrate dort bei rund 5,1 Kindern pro Frau. 

 

  • Der demografische Wandel bezeichnet die Veränderung der Struktur der Bevölkerung von Staaten unter Berücksichtigung von Altersstruktur, Geburtenzahlen und Sterbefällen.
  • Vorfälle wie Kriege, Krankheiten, die Einführung von Verhütungsmitteln oder Flüchtlingswellen haben einen Einfluss auf den demografischen Wandel. 
  • In Deutschland sowie in den meisten Industriestaaten zeichnet sich der demographische Wandel durch einen Geburtenrückgang und eine steigende Lebenserwartung aus. Das nennt man das demographisch-ökonomische Paradoxon. 
  • In Entwicklungsstaaten wird eine gegenteilige Entwicklung festgestellt. Hier wächst meistens die Bevölkerung
  • Es folgt eine Überalterung der Gesellschaft, die Probleme für den Arbeitsmarkt und die Sozialversicherungssysteme mit sich bringt. 
  • Die Politik versucht gegen den demografischen Wandel vorzugehen, indem sie zum Beispiel viel in Familienpolitik investiert.






Demografischer Wandel - Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der demografische Wandel bezeichnet die Veränderung der Struktur der  Bevölkerung von Staaten unter Berücksichtigung von Altersstruktur, Geburtenzahlen und Sterbefällen.
  • Vorfälle wie Kriege, Krankheiten, die Einführung von Verhütungsmitteln oder Flüchtlingswellen haben einen Einfluss auf den demografischen Wandel. 
  • In Deutschland sowie in den meisten Industriestaaten zeichnet sich der demographische Wandel durch einen Geburtenrückgang und eine steigende Lebenserwartung aus. Das nennt man das demographisch-ökonomische Paradoxon. 
  • In Entwicklungsstaaten wird eine gegenteilige Entwicklung festgestellt. Hier wächst meistens die  Bevölkerung
  • Es folgt eine Überalterung der Gesellschaft, die Probleme für den Arbeitsmarkt und die Sozialversicherungssysteme mit sich bringt. 
  • Die Politik versucht gegen den demografischen Wandel vorzugehen, indem sie zum Beispiel viel in Familienpolitik investiert. 

Häufig gestellte Fragen zum Thema Demografischer Wandel

Der demografische Wandel bezeichnet die Veränderung der Struktur der Bevölkerung von Staaten unter Berücksichtigung von Altersstruktur, Geburtenzahlen und Sterbefällen.

Der demografische Wandel sorgt für einen Rückgang der Geburtenrate und für eine steigende Lebenserwartung. Das hat im Allgemeinen die Überalterung der Gesellschaft zur Folge. 

Es ergeben sich negative Folgen für die Sozialversicherungssysteme und den Arbeitsmarkt. Es gibt weniger junge Menschen, die Beiträge für die Versicherungen der älteren Bevölkerung zahlen und durch die Überalterung der Gesellschaft kommt es zu einem Fachkräftemangel. 

Vorfälle wie Kriege, Krankheiten oder die Einführung von Verhütungsmitteln können den demografischen Wandel jedoch stark beeinflussen, indem sie die Bevölkerung schrumpfen lassen. Andere Ereignisse wie zum Beispiel Flüchtlingswellen lassen die Bevölkerung des Zuwanderungslandes steigen, was auch einen demografischen Wandel darstellt. 

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