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Texte interpretieren

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Deutsch

Kurzgeschichten sind eine Form der erzählenden Dichtung. Welche Merkmale eine Kurzgeschichte hat, wie Kurzgeschichten aufgebaut sind und worauf du beim Schreiben einer Kurzgeschichte achten solltest, erklären wir dir alles hier!


  • Merkmale einer Kurzgeschichte werden in Inhalt, Form und Sprache aufgeteilt:
  • Inhalt – bezieht sich meist auf das alltägliche Leben (Protagonisten als Personen aus dem Alltag, relevante Thematiken der Entstehungszeit)
  • Form – auf das nötigste beschränkt (Beschreibungen, Textumfang, etc.)
  • Sprache – realitätsnah, leicht verständlich
  • Einführung von Kurzgeschichten in Deutschland durch Trümmerliteratur


Was sind Kurzgeschichten?

Kurzgeschichten sind epische Werke, die der Gattung der Kurzprosa zugeordnet werden. Inhalt, Form und Sprache bestimmen dabei die Merkmale einer Kurzgeschichte.

Wie eine Kurzgeschichte gelesen wird, hängt davon ab, wie die Handlung erzählt wird und welche Sprache die Figuren und der Erzähler verwenden. Um Kurzgeschichten zu verstehen und sie richtig zu analysieren oder interpretieren, ist es daher wichtig, mit den Merkmalen einer Kurzgeschichte vertraut zu sein.

„Ein Kunstwerk kann sozusagen nicht kurz genug sein, denn auf seiner gedrängten Kürze beruht sein Wert.“ (Gilbert Keith Chesterton)


Merkmale einer Kurzgeschichte

Wie der Name es schon verrät, sind Kurzgeschichten kurze Erzählungen. Jedoch ist nicht jedes kurze epische Werk gleich eine Kurzgeschichte! Damit du sofort erkennen kannst, ob es sich bei einem Text um eine Kurzgeschichte handelt, sind hier die wichtigsten Merkmale in Stichpunkten aufgelistet.


  • Unmittelbarer Einstieg in das Geschehen
  • Handlung erzählt oft ein personaler Erzähler
  • Sprache der Kurzgeschichte oft Alltagssprache und knapp gehalten
  • Orte, Schauplätze und Personen nicht ausführlich beschrieben
  • alltägliche Personen mit alltäglichen Problemen
  • nur wenige Protagonisten
  • erzählte Zeit oft nur sehr kurz
  • zentraler Konflikt oder besonderes Ereignis (zentrales Thema) im Mittelpunkt der Geschichte
  • offenes Ende, das zur eigenen Interpretation auffordert
  • Kurzgeschichte endet abrupt kurz nach Pointe (unerwarteter Wendepunkt)
  • keine urteilenden Formulierungen, um Leser nicht zu beeinflussen
  • relativ geringer Textumfang
  • Handlung wird linear und chronologisch geschildert


Ein Text kann, muss aber nicht alle Merkmale einer Kurzgeschichte erfüllen, um auch eine zu sein! Oft reicht es schon aus, einige der oben genannten Merkmale zu finden, um eine Kurzgeschichte zu identifizieren.


Inhalt

Die Inhalte der Kurzgeschichten werden meist direkt aus der Lebenswelt der Leser aufgegriffen. Dabei werden oft aktuelle Thematiken oder Ereignisse behandelt. Zum Beispiel wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besonders die kritische Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit thematisiert. 


Kurzgeschichten werfen oft einen Blick auf augenscheinlich unscheinbare Ausschnitte aus dem alltäglichen Leben der Protagonisten. Dabei tragen diese Einblicke jedoch einen Symbolcharakter oder dienen als Metapher. Sie bedeuten mehr, als die Ausschnitte es vermuten lassen.

 

Die auftretenden Figuren einer Kurzgeschichte beschränken sich oft nur auf wenige Hauptcharaktere, bei denen es sich nicht um Helden, sondern um alltägliche Personen handelt. So kann sich der Leser besser in die Personen der Kurzgeschichte hineinversetzen. Genauso wie der Ort oder die Schauplätze, in denen die Geschichte stattfindet, werden auch die handelnden Figuren kaum oder gar nicht beschrieben. Es gibt also meist keine Exposition, und wenn doch, beschränkt sie sich nur auf das nötigste.


In einer Kurzgeschichte muss sich der Protagonist häufig einer entscheidenden Situation stellen: ein zentraler Konflikt oder ein besonderes Ereignis, welches oft zu einem bedeutenden Wendepunkt in ihren Leben wird. Du findest oft Leitmotive, Symbole oder Metaphern, wie zum Beispiel Details, die auf das Ganze hinweisen.  

"Das war unsere Küchenuhr, sagte er und sah sie alle der Reihe nach an, die auf der Bank in der Sonne saßen. Ja, ich habe sie noch gefunden. Sie ist übrig geblieben. (...) Dann sagte jemand: Sie haben wohl alles verloren? Ja, ja, sagte er (...) Sie müssen nicht immer von den Bomben reden."

Auch "Die Küchenuhr" dreht sich um ein zentrales Ereignis im Leben des Protagonisten. Wie man aus der Erzählung herauslesen kann, wurde das Haus des Mannes durch Bomben zerstört, wodurch er alles, bis auf die Küchenuhr, verloren hat. Hier ist es deutlich, welches Ereignis zum Wendepunkt im Leben des Protagonisten wird. Dieses Ereignis ist jedoch nicht in jeder Kurzgeschichte direkt offensichtlich, weshalb du manchmal zwischen den Zeilen lesen musst, um den zentralen Konflikt zu finden.


Obwohl Kurzgeschichten sich an einen einfachen Sprachstil halten, kannst du viele Stilmittel in ihnen entdecken. Wenn du eine Kurzgeschichte analysierst, halte vor allem die Augen nach Metaphern und Symbolen offen!

Die erzählte Zeit umfasst dabei eine sehr kurze Zeitspanne. Meistens handelt es sich dabei nur wenige Stunden oder Minuten. Auch verläuft die Zeit in Kurzgeschichten chronologisch, was heißt, dass die Erzählung nur selten durch Einblicke in die Zukunft oder durch Rückblenden unterbrochen wird. Hinzu kommt, dass das Erzähltempo häufig beschleunigt ist, was die erzählte Zeit verdichtet. 


Kurzgeschichten betrachten die gegenwärtige Lebenswelt, typische Verhaltensweisen oder aktuelle Ereignisse aus einer kritischen Perspektive. Dabei kann die Handlung manchmal auch fantastische oder groteske Züge annehmen.


Form und Sprache

Kurzgeschichten erkennst du meistens an ihrem abrupten Einstieg und ihr offenes Ende. Die Einleitung ist also sehr kurz oder fehlt ganz, wobei der Leser mitten ins Geschehen geworfen wird. So könnte zum Beispiel ein abrupter Einstieg aussehen:

"Sie sahen ihn schon von weitem auf sich zukommen, denn er fiel auf. Er hatte ein ganz altes Gesicht, aber wie er ging, daran sah man, dass er erst zwanzig war. Er setzte sich mit seinem alten Gesicht zu ihnen auf die Bank. Und dann zeigte er ihnen, was er in der Hand trug. (...)"
(Wolfgang Borchert, "Die Küchenuhr")

Hier kannst du sehen, dass diese Kurzgeschichte keine Einleitung hat. Die Handlung beginnt gleich mit dem ersten Satz, ohne dass zuvor etwa die Atmosphäre oder der Handlungsort beschrieben wird.

Genauso plötzlich, wie die Geschichte anfängt, hört sie meistens auch auf. Das Ende zieht kein Fazit aus der Handlung und wie die Geschichte ausgeht, bleibt offen. Dadurch wird der Leser aufgefordert, selbst über den möglichen Ausgang der Geschichte nachzudenken. Genauso endet auch "Die Küchenuhr": 

"(...) Dann sagte er nichts mehr. Aber er hatte ein ganz altes Gesicht. Und der Mann, der neben ihm saß, sah auf seine Schuhe. Aber er sah seine Schuhe nicht. Er dachte immerzu an das Wort Paradies..." 

Hier fordert das Ende den Leser auf, weiterzudenken und die Handlungen der Personen zu interpretieren. Wieso dachte der Mann immerzu an das Wort Paradies? Wieso sah der Mann seine Schuhe nicht? Wieso hatte der junge Mann ein altes Gesicht? Solche und ähnliche Fragen musst du dir zum Ende von Kurzgeschichten stellen, wenn du diese interpretieren möchtest.


Da Kurzgeschichten meist möglichst realitätsnah wirken sollen, ist die Sprache ein wichtiges Mittel. Die Personen der in der Kurzgeschichte reden daher wie alltägliche Menschen. Ihr Ton kann dabei, auch umgangssprachlich sein, vor allem in der wörtlichen Rede. Die Ereignisse und Tatsachen sollen dabei realistisch wiedergegeben werden.

"Sie ist nur wie ein Teller, so mit weißem Lack. Aber die blauen Zahlen sehen doch ganz hübsch aus, finde ich. Die Zeiger sind natürlich nur aus Blech. Und nun gehen sie auch nicht mehr. Nein. Innerlich ist sie kaputt, das steht fest." 

Auch in "Die Küchenuhr" sprechen die Figuren in alltäglicher Sprache. Als Leser fühlt man sich dadurch den sprechenden Figuren gleich viel näher, da ihre Dialoge nicht formal oder gekünstelt klingen, sondern wie Unterhaltungen, die wir aus unserem Alltag kennen. 


Meistens werden Kurzgeschichten in der personalen Erzählweise und der Er-Form erzählt. Dabei kommentiert der Erzähler das Geschehen nicht, damit die handelnden Figuren im Mittelpunkt stehen. Wertungen, Deutungen, Lösungen und Reflexionen werden dabei weggelassen.


Urteilende Formulierungen werden vermieden, um den Leser nicht in seiner Interpretation oder seinem Verständnis der Kurzgeschichte zu beeinflussen!

Oft sind Kurzgeschichten nicht länger als zwei oder drei Buchseiten. Doch gibt es auch weitaus längere Kurzgeschichten. Nicht immer kannst du nur von der Länge allein entscheiden, ob es sich bei einem Text um eine Kurzgeschichte oder eine Erzählung handelt. Achte daher auch auf die restlichen Merkmale einer Kurzgeschichte!

Entstehung von Kurzgeschichten

Kurzgeschichten hängen eng mit der Entwicklung des Zeitschriftenwesens in Amerika im 19. Jahrhundert zusammen. Dort wurden short stories in Magazinen und Zeitschriften veröffentlicht, wodurch sich die Kurzgeschichten gegen die anderen epische Kleinformen (z. B. Novelle, Anekdote, Kalendergeschichte) durchsetzen konnte.

Bekannte Autoren der ersten englischsprachigen Kurzgeschichten, vor allem in der amerikanischen Literatur, waren William Faulkner, Edgar Allan Poe, F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway. 

In Deutschland wurde die Kurzgeschichte erst nach 1945 mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der daraus entstandenen Trümmerliteratur populär (mit Ausnahme der Kurzgeschichten Kafkas). Autoren der Zeit grenzten sich bewusst von der Literatur ab, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus entstanden war.



Deutsche Kurzgeschichten nach dem Zweiten Weltkrieg:

Wolfdietrich Schnurre: Auf der Flucht (ca. 1946)
Wolfgang Borchert: Nachts schlafen die Ratten doch (1947)
Heinrich Böll: An der Brücke (1949)

Bestimmt hast du eine dieser Kurzgeschichten bereits im Deutschunterricht gelesen. Sie gehören zu den bekanntesten Kurzgeschichten der Nachkriegsliteratur!



Mit den Jahren entwickelte sich die Kurzgeschichte und ihre Formen weiter. Vor allem die Gruppe 47, ein Netzwerk von Verlegern und Autoren, die sich jährlich trafen, wurde zur Talentschmiede für noch unbekannte Autoren von Kurzgeschichten und anderen Prosatexten.


Durch die Möglichkeit, Kurzgeschichten auch im Internet zu veröffentlichen, wurde die Kurzgeschichte im 21. Jahrhundert abermals zu einer beliebten Textform. 

In Deutschland finden zum Beispiel jährlich Literaturwettbewerbe statt, in denen auch Jugendliche ihre Kurzgeschichten einreichen können und mit Preisen und Veröffentlichungen ausgezeichnet werden!

Fertig! Jetzt weißt du alles, was du über Kurzgeschichten wissen musst. Weitere hilfreiche Artikel findest du unter dem Thema Texte interpretieren. Schau dich auf unserer Seite gern weiter um. 


jasmin.japs@studysmarter.de

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Definition:
Kurzgeschichten sind epische Werke, die der Gattung der Kurzprosa zugeordnet werden. Inhalt, Form und Sprache bestimmen dabei die Merkmale einer Kurzgeschichte.

 Merkmale:

  • Unmittelbarer Einstieg in das Geschehen
  • Handlung erzählt oft ein personaler Erzähler
  • Sprache der Kurzgeschichte oft Alltagssprache
  • Orte, Schauplätze und Personen nicht ausführlich beschrieben
  • Alltägliche Personen mit alltäglichen Problemen
  • nur wenige Protagonisten
  • Erzählte Zeit oft nur sehr kurz
  • Zentraler Konflikt oder besonderes Ereignis im Mittelpunkt der Geschichte
  • Offenes Ende, das zur eigenen Interpretation auffordert
  • keine urteilenden Formulierungen, um Leser nicht zu beeinflussen
  • relativ geringer Textumfang


Entstehung:

  • Entwicklung des Zeitschriftenwesens in Amerika im 19. Jahrhundert
  •  In Deutschland wurde die Kurzgeschichte erst nach 1945 mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der daraus entstandenen Trümmerliteratur populär

12:23 24.08.2021

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Texte interpretieren - Das Wichtigste auf einen Blick

Definition:
Kurzgeschichten sind epische Werke, die der Gattung der Kurzprosa zugeordnet werden. Inhalt, Form und Sprache bestimmen dabei die Merkmale einer Kurzgeschichte.

 Merkmale:

  • Unmittelbarer Einstieg in das Geschehen
  • Handlung erzählt oft ein personaler Erzähler
  • Sprache der Kurzgeschichte oft Alltagssprache
  • Orte, Schauplätze und Personen nicht ausführlich beschrieben
  • Alltägliche Personen mit alltäglichen Problemen
  • nur wenige Protagonisten
  • Erzählte Zeit oft nur sehr kurz
  • Zentraler Konflikt oder besonderes Ereignis im Mittelpunkt der Geschichte
  • Offenes Ende, das zur eigenen Interpretation auffordert
  • keine urteilenden Formulierungen, um Leser nicht zu beeinflussen
  • relativ geringer Textumfang


  • Unmittelbarer Einstieg in das Geschehen
  • Handlung erzählt oft ein personaler Erzähler
  • Sprache der Kurzgeschichte oft Alltagssprache
  • Orte, Schauplätze und Personen nicht ausführlich beschrieben
  • Alltägliche Personen mit alltäglichen Problemen
  • nur wenige Protagonisten
  • Erzählte Zeit oft nur sehr kurz
  • Zentraler Konflikt oder besonderes Ereignis im Mittelpunkt der Geschichte
  • Offenes Ende, das zur eigenen Interpretation auffordert
  • keine urteilenden Formulierungen, um Leser nicht zu beeinflussen
  • relativ geringer Textumfang


Entstehung:

  • Entwicklung des Zeitschriftenwesens in Amerika im 19. Jahrhundert
  •  In Deutschland wurde die Kurzgeschichte erst nach 1945 mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der daraus entstandenen Trümmerliteratur populär

Häufig gestellte Fragen zum Thema Texte interpretieren

  • Unmittelbarer Einstieg in das Geschehen
  • Handlung erzählt oft ein personaler Erzähler
  • Sprache der Kurzgeschichte oft Alltagssprache
  • Orte, Schauplätze und Personen nicht ausführlich beschrieben
  • Alltägliche Personen mit alltäglichen Problemen
  • nur wenige Protagonisten
  • Erzählte Zeit oft nur sehr kurz
  • Zentraler Konflikt oder besonderes Ereignis im Mittelpunkt der Geschichte
  • Offenes Ende, das zur eigenen Interpretation auffordert
  • keine urteilenden Formulierungen, um Leser nicht zu beeinflussen
  • relativ geringer Textumfang

Kurzgeschichten beginnen mit einem unmittelbaren Einstieg. Du brauchst also keine Einleitung schreiben und kannst einfach mit der eigentlichen Geschichte beginnen!

Das Ende zieht kein Fazit aus der Handlung und wie die Geschichte ausgeht, bleibt offen. Dadurch wird der Leser aufgefordert, selbst über den möglichen Ausgang der Geschichte nachzudenken.

Neben den Merkmalen von Form und Sprache einer Kurzgeschichte, sind auch die inhaltlichen Merkmale wichtig. Obwohl der Inhalt relativ einfach und unbedeutend scheint, zeigt die Handlung oft auf ein größeres Problem oder weist auf einen Konflikt hin. Daher ist es wichtig, bei Kurzgeschichten auch auf ihren zeitlichen Kontext zu achten. 

Finales Texte interpretieren Quiz

Frage

Was versteht man unter einer klingenden und einer stumpfen Kadenz?

Antwort anzeigen

Antwort

Bei einer klingenden Kadenz (auch "weibliche Kadenz" genannt) endet ein Vers mit einer unbetonten Silbe. Bei einer stumpfen Kadenz (auch "männliche Kadenz" genannt) endet ein Vers mit einer betonten Silbe.

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Frage

Welche der folgenden Aspekte eines Gedichtes müssen analysiert werden, wenn die formale, äußere Form beschrieben wird?

Antwort anzeigen

Antwort

Kadenz

Frage anzeigen

Frage

Welche Ebenen eines Gedichts analysiert man? 

Antwort anzeigen

Antwort

  • Inhalt
  • Form
  • Sprache
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Frage

Was solltest du dir vor dem ersten Durchlesen eines Gedichts ansehen? 

Antwort anzeigen

Antwort

  • Titel 
  • Entstehungsjahr
  • Autor
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Frage

Wieso ist der Titel eines Gedichts relevant?

Antwort anzeigen

Antwort

Titel deuten häufig auf den thematischen Kern (Gegenstand, Person, Zeit, Ort oder Anlass) des Gedichts hin, können aber auch bewusst einen Kontrast zum Text bilden und so Spannung zum Gedicht aufbauen.

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Frage

Wieso ist das Entstehungsjahr eines Gedichts bei der Analyse relevant? 

Antwort anzeigen

Antwort

Um das Gedicht in eine literarische Epoche einzuordnen. Dies hilft oft Schreibstil oder Zeitbezüge besser zu verstehen, und ermöglicht so eine tiefer gehende Interpretation. 


Aber nicht immer lassen sich Epochenmerkmale finden.

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Frage

Welche Fragen zu dem Inhalt eines Gedichts solltest du dir stelleN? 

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Antwort

  • Worum geht es in dem Gedicht? 
  • Was beschreibt/erzählt/berichtet das Gedicht? Geht es beispielsweise mehr um ein äußeres Geschehen oder um ein inneres Erleben? 
  • Gibt es einen zeitlichen Bezugspunkt, Verlauf oder eine Entwicklung im Gedicht?
  • Spielt sich das im Gedicht Beschriebene an einem bestimmten Ort ab? Gibt es eine spezielle Perspektive?
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Frage

Beschreibe das lyrische Ich in der folgenden Strophe


Ich hab meine Tante geschlachtet,
Meine Tante war alt und schwach;
Ich hatte bei ihr übernachtet
Und grub in den Kisten-Kasten nach.

Antwort anzeigen

Antwort

Es sich um ein klar erkennbares lyrisches Ich ("ich"; "meine"; "ich")

Frage anzeigen

Frage

Beschreibe das lyrische Ich in der folgenden Strophe


Verflossen ist das Gold der Tage,
Des Abends braun und blaue Farben:
Des Hirten sanfte Flöten starben
Des Abends blau und braune Farben
Verflossen ist das Gold der Tage.

Antwort anzeigen

Antwort

Es ist kein lyrisches Ich erkennbar

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Frage

Beschreibe das lyrische Ich in der folgenden Strophe


Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Diesteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!

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Antwort

In diesem Gedicht spricht das lyrische Ich in der Rolle des Prometheus

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Frage

Wann ist ein lyrisches Ich erkennbar? 

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Antwort

Das lyrische Ich ist klar erkennbar durch z. B. Personal- oder Possessivpronomen in der ersten Person. Wenn der Sprecher im Plural auftritt, dann kann man von einem lyrischen „Wir“ sprechen.

Frage anzeigen

Frage

Was ist das lyrische Ich nicht erkennbar?

Antwort anzeigen

Antwort

Das lyrische Ich tritt nicht erkennbar im Gedicht auf und spricht aus dem „Off“ über Personen, Lebenswirklichkeit, Natur, etc. 


Hier bietet sich besonders an, die Bezeichnung lyrisches Subjekt oder Sprecherinstanz zu benutzen.

Frage anzeigen

Frage

Wann schlüpft das lyrische Ich in eine bestimmbare Rolle?

Antwort anzeigen

Antwort

Das lyrische Ich schlüpft in eine bestimmbare Rolle (Rollenlyrik); Rollenträger können gewisse Typen (Schäfer, der Liebende o. ä.), mythologische Figuren oder individuelle Personen sein (oft hilft hier bereits der Gedichttitel).

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Frage

Welche Formen des Adressatenbezugs gibt es?

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Antwort

  • Der Adressat ist der Leser. Dies ist häufig der Fall, wenn im Gedicht jemand angesprochen wird, aber kein anderes Gegenüber identifiziert werden kann. 
  • Der Adressat lässt sich klar im Text durch konkrete Anrede, Widmungen oder im Titel erkennen
  • Der Adressat ist das lyrische Ich selbst. Der Sprecher spricht sich selbst, seine Seele oder sein Herz an. In manchen Gedichten kann die Selbstanrede verall- gemeinert werden und so repräsentativ für jeden Menschen stehen. 
  • Es ist kein Adressat erkennbar: Der Dichter stellt das lyrische Ich in keine konkrete Kommunikationssituation.
Frage anzeigen

Frage

Was sagen die Verse „Ich treibe durch die Straßen / Wie ein kleines Floß im Meer“ über das lyrische Ich aus?

Antwort anzeigen

Antwort

Das lyrische Ich ist einsam und unsicher

Frage anzeigen

Frage

„Volle Köpfe, leere Phrasen /Jeder redet aus Prinzip“. 


Was ist damit gemeint?

Antwort anzeigen

Antwort

Die Menschen reden zu viel.

Frage anzeigen

Frage

Ordne dem Zitat die richtigen Stilmittel zu


"Worte sind wie Wellen"

Antwort anzeigen

Antwort

Vergleich

Frage anzeigen

Frage

Ordne dem Zitat die richtigen Stilmittel zu


Ich hör’ nur […] Rauschen 

Ich hör’ nur diesen Lärm

Antwort anzeigen

Antwort

Rhetorische Frage

Frage anzeigen

Frage

Ordne dem Zitat die richtigen Stilmittel zu


Worte sind wie Mauern

Sie lassen keinen rein

Antwort anzeigen

Antwort

Rhetorische Frage

Frage anzeigen

Frage

Ordne dem Zitat die richtigen Stilmittel zu


Denn wie oft ist das, was man nicht ausspricht 

Das, worum es geht?

Antwort anzeigen

Antwort

Anapher

Frage anzeigen

Frage

Ordne dem Zitat die richtigen Stilmittel zu


weißes Rauschen

Antwort anzeigen

Antwort

Personifikation

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Frage

Günther Kunert: Traf jemand


Das Leben traf ich heute
unter de Erde, in der
Eckigen Röhre
U-Bahn-Station "Stadtmitte"
und das Leben traf mich

Mitten in die Brust

Mit dunklen Kugeln,

Die unter einer Locke Haares waren .

Die hing dem Leben

In die Stirn,

Und breit war Seines Kinnes Bogen,

Und ernst war es,

Wie das Leben ernst ist –

Aber lockend in jeder Bewegung,

Wie das Leben lockend ist.


So also –

Während der Zug einlief –

Sahen wir einander.


Das Gedicht besteht aus ... 

Antwort anzeigen

Antwort

drei Versen

Frage anzeigen

Frage

Günther Kunert: Traf jemand


Das Leben traf ich heute
unter de Erde, in der
Eckigen Röhre
U-Bahn-Station "Stadtmitte"
und das Leben traf mich

Mitten in die Brust

Mit dunklen Kugeln,

Die unter einer Locke Haares waren .

Die hing dem Leben

In die Stirn,

Und breit war Seines Kinnes Bogen,

Und ernst war es,

Wie das Leben ernst ist –

Aber lockend in jeder Bewegung,

Wie das Leben lockend ist.


So also –

Während der Zug einlief –

Sahen wir einander.


Der im Gedicht benannte Ort ist ... 

Antwort anzeigen

Antwort

eine U-Bahn-Station 

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Frage

Günther Kunert: Traf jemand


Das Leben traf ich heute
unter de Erde, in der
Eckigen Röhre
U-Bahn-Station "Stadtmitte"
und das Leben traf mich

Mitten in die Brust

Mit dunklen Kugeln,

Die unter einer Locke Haares waren .

Die hing dem Leben

In die Stirn,

Und breit war Seines Kinnes Bogen,

Und ernst war es,

Wie das Leben ernst ist –

Aber lockend in jeder Bewegung,

Wie das Leben lockend ist.


So also –

Während der Zug einlief –

Sahen wir einander.


Das „Leben“ (V. 1) im Gedicht ist …

Antwort anzeigen

Antwort

eine Person 

Frage anzeigen

Frage

Günther Kunert: Traf jemand


Das Leben traf ich heute
unter de Erde, in der
Eckigen Röhre
U-Bahn-Station "Stadtmitte"
und das Leben traf mich

Mitten in die Brust

Mit dunklen Kugeln,

Die unter einer Locke Haares waren .

Die hing dem Leben

In die Stirn,

Und breit war Seines Kinnes Bogen,

Und ernst war es,

Wie das Leben ernst ist –

Aber lockend in jeder Bewegung,

Wie das Leben lockend ist.


So also –

Während der Zug einlief –

Sahen wir einander.


In dem Gedicht geht es 

Antwort anzeigen

Antwort

um eine Person, die durch einen Schuss verletzt wird

Frage anzeigen

Frage

Günther Kunert: Traf jemand


Das Leben traf ich heute
unter de Erde, in der
Eckigen Röhre
U-Bahn-Station "Stadtmitte"
und das Leben traf mich

Mitten in die Brust

Mit dunklen Kugeln,

Die unter einer Locke Haares waren .

Die hing dem Leben

In die Stirn,

Und breit war Seines Kinnes Bogen,

Und ernst war es,

Wie das Leben ernst ist –

Aber lockend in jeder Bewegung,

Wie das Leben lockend ist.


So also –

Während der Zug einlief –

Sahen wir einander.


Die „dunklen Kugeln“ (V. 7) sind …

Antwort anzeigen

Antwort

schwarze Murmeln

Frage anzeigen

Frage

Welches Metrum liegt dem folgenden Ausschnitt aus Schillers "Ode an die Freude" zugrunde?


Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
 


Aus: Friedrich Schiller - Ode an die Freude (1785)

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Antwort

Das Metrum dieses Ausschnittes ist ein vierhebiger Trochäus

Jeder Vers beginnt mit einer betonten Silbe, worauf ein Wechsel von unbetonten und betonten Silben folgt. Dieses Versmaß nennt man Trochäus. Da in jedem Vers vier betonte Silben vorkommen, spricht man zusätzlich von einem vierhebigen Trochäus.

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Frage

Was ist ein Gedicht? 

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Antwort

Kunstvoll gestaltete Texte in Versen, die meist inhaltliche Lücken aufweisen und die Interpretationsleistung des Lesers erfordern. Gattung: Lyrik

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Frage

Was ist das Ziel einer Gedichtsanalyse? 

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Antwort

Aussage/Bedeutung eines Gedichts erschließen

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Frage

Welchen Aufbau hat eine Gedichtsanalyse? 

Antwort anzeigen

Antwort

  1. Einleitung
  2. Hauptteil
    1. Äußere Form
    2. Inhalt und Aufbau
    3. Detailanalyse und Interpretation
      1. Erläuterung der Inhalte
      2. Sprachliche Gestaltung
    4. Entstehungshintergrund
    5. Gesamtaussage/Autorabsicht
  3. Schluss
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Frage

Was beinhaltet die Einleitung einer Gedichtsanalyse?

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Antwort

  • Basissatz: Titel des Gedichts, Autor, Entstehungs-/ Erscheinungsjahr, evtl. Literaturepoche, Textsorte (Gedichtformen: z. B. Ballade, Sonett, Haiku, Elegie, Ode, Hymne), Thema
  • erster Eindruck oder Deutungshypothese (= Vermutung über Gesamtaussage des Textes)
Frage anzeigen

Frage

Was beinhaltet der Hauptteil einer Gedichtsanalyse? 

Antwort anzeigen

Antwort

  • äußere Form: knappe Beschreibung der wichtigsten Merkmale
  • Aufbau- und Inhaltsübersicht
  • Detailanalyse und Interpretation, Verknüpfung von Form, Sprache und Inhalt
  • Entstehungshintergründe: ergänzende Interpretation
  • Gesamtaussage: zusammenfassende Aussage zur Bedeutung (kann Schluss ersetzen)
Frage anzeigen

Frage

Wie kannst du die äußere Form eines Gedichts beschreiben? 

Antwort anzeigen

Antwort

  • Strophen- und Versanzahl (Zeilen im Gedicht = Verse), ggf. optische Form (z. B. Pyramide)
  • Reime: reiner Reim (Tanne/Wanne), unreiner Reim (rissen/küssen), Assonanz (Omen/oder)
  • Reimschemata: Paarreim (a a b b), Kreuzreim (a b a b), umarmender Reim (a b b a), Schweif-
    reim (a a b c c b), Binnenreim (a a innerhalb eines Verses: Im Brand sie verschwand )
  • Metrum/ Versmaß: Abfolge von betonten und unbetonten Silben nach festem Schema:
    • Trochäus: x´ x (Máhl-zeit)
    • Jambus: x x´ (Fa-sán)
    • Daktylus: x´ x x (Mín-der-heit)
    • Anapäst: x x x´(Pa-ra-díes)
    • freie Rhythmen (metrisch ungebundene Verse, beliebige Silbenanzahl)
  • Kadenzen/ Versenden: weiblich (unbetont), männlich (betont
Frage anzeigen

Frage

Woraus besteht die Detailanalyse einer Gedichtsanalyse? 

Antwort anzeigen

Antwort

  • detaillierte Untersuchung und Erläuterung der Inhalte
  • sprachliche Gestaltung untersuchen und einbeziehen(Wirkung!):
    • Wortebene (Vergleich, Metapher, Personifikation, Neologismus usw.)
    • Satzebene (kurze/lange Sätze, Parataxe, Parallelismus, Enjambement usw.)
    • Textebene (Wiederholung, Wortfeld, Schlüsselbegriff, Kontrast usw.)
    • Lautebene (Lautmalerei usw.)
  • Zusammenhänge herausarbeiten (z. B.: Inhalt: Frau und Mann treffen sich, Form: regelmäßiges Versmaß und Reimschema, Sprache: Wortfeld „Wärme“ → harmonische Stimmung, behagliche Beschreibung des Umfelds, vertrautes/glückliches Liebespaar)
Frage anzeigen

Frage

Wie kann die Entstehungsgeschichte analysiert werden? 

Antwort anzeigen

Antwort

  • historische Ereignisse, die Autor beeinflusst haben könnten, z. B. 30-jähriger Krieg, DDR
  • literarische Epoche, z. B. Barock, Aufklärung, Sturm und Drang, Romantik (Aufzeigen von Epochenmerkmalen häufig Zusatzaufgabe)
  • Verbindung zwischen Gedicht und Biografie des Autors (Die weibliche Figur im Gedicht erinnert an Goethes Geliebte Friederike Brion …)
Frage anzeigen

Frage

Woraus besteht der Schluss einer Gedichtsanalyse

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Antwort

z. B. Bezug auf Gegenwart, Vergleich mit anderem Text, Rückbezug auf Einleitung
keine persönliche Bewertung des Gedichts (nicht: Ich finde das Gedicht gelungen …),
wenn nicht explizit verlangt

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Frage

Welche dieser Aspekte müssen untersucht werden, wenn du die Sprache eines Gedichts analysierst?

Antwort anzeigen

Antwort

Die im Text vorkommenden Stilmittel.

Frage anzeigen

Frage

Welcher Gedichtform ist das folgende Gedicht zuzuordnen?


Mächtiges Überraschen


Ein Strom entrauscht umwölktem Felsensaale,

Dem Ozean sich eilig zu verbinden; 

Was auch sich spiegeln mag von Grund zu Gründen, 

Es wandelt unaufhaltsam fort zu Tale. 


Dämonisch aber stürzt mit einem Male – 

Ihr folgen Berg und Wald in Wirbelwinden – 

Sich Oreas, Behagen dort zu finden. 

Und hemmt den Lauf, begrenzt die weite Schale. 


Die Welle sprüht, und staut zurück und weichet, 

Und schwillt bergan, sich immer selbst zu trinken; 

Gehemmt ist nun zum Vater hin das Streben. 


Sie schwankt und ruht, zum See zurückgedeichet;

Gestirne, spiegelnd sich, beschaun das Blinken

Des Wellenschlags am Fels, ein neues Leben. 


Johann Wolfgang von Goethe - Mächtiges Überraschen (1807)

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Antwort

Bei dem vorliegenden Gedicht handelt es sich um ein Sonett. Dies ist leicht an der äußeren Form erkennbar: Das Gedicht hat 4 Strophen, wobei die ersten beiden Strophen jeweils 4 Verse und die letzten beiden Strophen jeweils 3 Verse aufweisen.

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Frage

Was versteht man bei einer Gedichtanalyse unter einem "lyrischen Ich"?

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Antwort

Das lyrische Ich ist eine fiktive Figur, welche das Gedicht "spricht". Je nach Gedicht erfahren wir mehr oder weniger über den Sprecher des Gedichts. Das lyrische Ich ist nicht der Autor des Gedichts.

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Frage

Was genau versteht man unter dem "Metrum" eines Gedichts?

Antwort anzeigen

Antwort

Das Metrum eines Gedichts beschreibt dessen Rhythmus. Dabei wird darauf geachtet, welche Silben im Gedicht betont oder unbetont sind. Bei der Betrachtung konzentriert man sich auf die einzelnen Verse. Falls diese alle dasselbe Metrum besitzen, spricht man von einem regelmäßigen Metrum. Die Abfolge der unbetonten und betonten Silben verleiht dem Gedicht einen bestimmten regelmäßigen Klang - oder auch nicht! Es gibt auch Gedichte, die kein Metrum haben. Dies ist besonders bei modernen Gedichten oft der Fall.

Frage anzeigen

Frage

Finde alle Enjambements im folgenden Gedicht!


Die zwei Gesellen


Es zogen zwei rüstge Gesellen

Zum erstenmal von Haus,

So jubelnd recht in die hellen,

Klingenden, singenden Wellen

Des vollen Frühlings hinaus.


Die strebten nach hohen Dingen,

Die wollten, trotz Lust und Schmerz,

Was Rechts in der Welt vollbringen,

Und wem sie vorübergingen,

Dem lachten Sinn und Herz. 


Der erste, der fand ein Liebchen,

Die Schwieger kauft´ Hof und Haus;

Der wiegte gar bald ein Bübchen,

Und sah aus heimlichem Stübchen

Behaglich ins Feld hinaus.


Dem zweiten sangen und logen

Die tausend Stimmen im Grund,

Verlockend´ Sirenen, und zogen

Ihn in der buhlenden Wogen

Farbig klingenden Schlund.


Und wie er auftaucht vom Schlunde,

Da war er müde und alt,

Sein Schifflein das lag im Grunde,

So still wars rings in der Runde,

Und über die Wasser wehts kalt.


Es singen und klingen die Wellen

Des Frühlings wohl über mir;

Und seh ich so kecke Gesellen,

Die Tränen im Auge mir schwellen -

Ach Gott, führ mich liebreich zu Dir!


Joseph von Eichendorff - Die zwei Gesellen (1818)

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Alle Enjambements wurden im Folgenden fett markiert, wobei das letzte Wort aus dem vorherigen und das erste Wort aus dem nächsten Vers markiert wurden:


Es zogen zwei rüstge Gesellen

Zum erstenmal von Haus,

So jubelnd recht in die hellen,

Klingenden, singenden Wellen

Des vollen Frühlings hinaus.


Die strebten nach hohen Dingen,

Die wollten, trotz Lust und Schmerz,

Was Rechts in der Welt vollbringen,

Und wem sie vorübergingen,

Dem lachten Sinn und Herz. 


Der erste, der fand ein Liebchen,

Die Schwieger kauft´ Hof und Haus;

Der wiegte gar bald ein Bübchen,

Und sah aus heimlichem Stübchen

Behaglich ins Feld hinaus.


Dem zweiten sangen und logen

Die tausend Stimmen im Grund,

Verlockend´ Sirenen, und zogen

Ihn in der buhlenden Wogen

Farbig klingenden Schlund.


Und wie er auftaucht vom Schlunde,

Da war er müde und alt,

Sein Schifflein das lag im Grunde,

So still wars rings in der Runde,

Und über die Wasser wehts kalt.


Es singen und klingen die Wellen

Des Frühlings wohl über mir;

Und seh ich so kecke Gesellen,

Die Tränen im Auge mir schwellen -

Ach Gott, führ mich liebreich zu Dir!

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Analysiere das folgende Gedicht auf der formalen Ebene!


Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.


Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? —

Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? —
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. —

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;

Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ —

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? —

Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;

In dürren Blättern säuselt der Wind. —

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn

Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ —


Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? —
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. —


„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;

Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ —
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! —


Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,

Er hält in Armen das ächzende Kind,

Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.


Johann Wolfgang von Goethe - Erlkönig (1782)

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Das Gedicht hat acht Strophen mit jeweils vier Versen. Insgesamt hat das Gedicht 32 Verse.
Das Reimschema ist aabb - es handelt sich also um einen durchgängigen Paarreim.
Ein durchgängiges Metrum existiert hier nicht. Das Gedicht folgt einem freien Rhythmus.
Es existieren darüber hinaus ausschließlich stumpfe Kadenzen.
Bei dem vorliegenden Gedicht handelt es sich um eine Ballade, da das Gedicht eine Geschichte erzählt.

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Mit welchen sprachlichen Mitteln drückt Theodor Storm im folgenden Gedicht die Trostlosigkeit der Stadt aus?


Die Stadt


Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.


Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn Unterlaß;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.


Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für
Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer.


Theodor Storm - Die Stadt (1851)

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Bereits in der ersten Zeile ist die Anapher "Am grauen Strand, am grauen Meer" zu finden. die Wiederholung des Wortes "grau" macht deutlich, dass die Szenerie trostlos und öde ist - ganz anders, als man ein Meer oder einen Strand erwarten würde.
Außerdem wird der Nebel beschrieben, der "schwer" auf die Dächer der Stadt drückt. Hierdurch entsteht eine wortwörtlich "bedrückte" Atmosphäre, da eine graue Masse die Stadt von oben zu erdrücken scheint.
Weiterhin wird das Meer, das durch die Stille "braust", als eintönig beschrieben. Also auch auf der auditiven Ebene ist die Stadt still, eintönig, einsam. Dies wird in der zweiten Strophe fortgeführt, als der Dichter beschreibt, dass weder Vögel noch Waldesrauschen zu hören seien. Lediglich der "harte Schrei" der Wandergans ertönt. Und auch die beschriebene "Herbstesnacht" lässt ein bedrücktes Bild entstehen.

Das wehende Gras am Strand erscheint wie ein Lichtblick, jedoch wird nicht weiter darauf eingegangen. Keine Sonne, kein grünes, saftiges Gras, das blüht - lediglich Gras, das am Strand weht.
Auch die eintönig erscheinende Wiederholung der Reime am Ende der Verse lassen eine sprachliche Monotonie entstehen. "Meer" und "Stadt" reimen sich teils sogar auf sich selbst. Dies verweist auf das immer wieder auftretende, eintönige Bild, welches die Stadt dem Dichter zeigt.

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Analysiere das folgende Gedicht auf der formalen Ebene!

Die gestundete Zeit


Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Bald musst du den Schuh schnüren
und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
Denn die Eingeweide der Fische
sind kalt geworden im Wind.
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel:
die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.


Drüben versinkt dir die Geliebte im Sand,
er steigt um ihr wehendes Haar,
er fällt ihr ins Wort,
er befiehlt ihr zu schweigen,
er findet sie sterblich
und willig dem Abschied
nach jeder Umarmung.


Sieh dich nicht um.
Schnür deinen Schuh.
Jag die Hunde zurück.
Wirf die Fische ins Meer.
Lösch die Lupinen!


Es kommen härtere Tage.

Ingeborg Bachmann - Die gestundete Zeit (1953)

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Das Gedicht hat insgesamt vier unterschiedlich lange Strophen, wobei die ersten Strophe elf, die zweite Strophe sieben, die dritte Strophe fünf und die letzte Strophe schließlich nur einen Vers hat. Insgesamt hat das Gedicht also 24 Verse.
Das Gedicht ist reimlos und folgt keinem regelmäßigen Metrum, da das Gedicht einen freien Rhythmus aufweist.
Darüber hinaus gibt es sowohl männliche als auch weibliche Kadenzen, die scheinbar willkürlich angeordnet sind.

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Nenne vier bekannte Versmaße. 

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  1. Jambus: x x´
  2. Trochäus: x´x
  3. Daktylus: x´ x x
  4. Anapäst: x x x´
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Nenne charakteristische Merkmale eines Sonetts.

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Ein Sonett besteht aus14 Versen, aus je zwei Quartetten (abba, abba) und je zwei Terzetten (cdc, dcd). Die Form der Terzette jedoch ist variabel. Es hat einen sechshebigen Jambus als Versmaß (Alexandriner) mit einer Mittelzäsur.

Inhaltlich besteht ein Gegensatz zwischen den Quartetten (These, Anithese) einerseits und den Terzetten (Synthese) andererseits. Unter Andreas Gryphius gewinnt das Sonett erst Bedeutung als aussagekräftige Form.

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Was ist da Thema des folgenden Gedichts von Ulla Hahn? Wähle aus.


MIT HAUT UND HAAR (1981)


Ich zog dich aus der Senke deiner Jahre

und tauchte dich in meinen Sommer ein

ich leckte dir die Hand und Haut und Haare

und schwor dir ewig mein und dein zu sein.


Du wendetest mich um. Du branntest mir dein Zeichen

mit sanftem Feuer in das dünne Fell.

Da ließ ich von mir ab. Und schnell

begann ich vor mir selbst zurückzuweichen


und meinem Schwur. Anfangs blieb noch Erinnern

ein schöner Überrest der nach mir rief.

Da aber war ich schon in deinem Innern

vor mir verborgen. Du verbargst mich tief.


Bis ich ganz in dir aufgegangen war:

da spucktest du mich aus mit Haut und Haar.


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Das Gedicht beshreibt da Scheitern einer Liebesbeziehung und den Selbstverlust des lyrischen Ich in derselben.

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Welche Funktion schreibt Goethe Gedichten in dem nachfolgenden Text zu?


Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
Da ist alles dunkel und düster;
Und so siehts auch der Herr Philister.
Der mag denn wohl verdrießlich sein
Und lebenslang verdrießlich bleiben.

Kommt aber nur einmal herein!
Begrüßt die heilige Kapelle;
Da ist`s auf einmal farbig helle,
Geschicht und Zierat glänzt in Schnelle,
Bedeutend wirkt ein edler Schein,
Dies wird euch Kindern Gottes taugen,
Erbaut euch und ergetzt die Augen!


Johann Wolfgang von Goethe

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Nicht für jeden sind Gedichte gemalte Fensterscheiben, d. h., viele sehen oder erkennen die Schönheit von Gedichten nicht, so die Aussage der 1. Strophe von Goethes Gedicht "Gedichte sind gemalte Fensterscheiben". Für solche Menschen, die Philister, erscheint alles unschön und unverständlich, bleibt "düster und dunkel". Manche geben nach diesem ersten missglückten Annäherungsversuch an ein Gedicht auch vorschnell auf und bleiben bei ihrer negativen Haltung, was die Sinnhaftigkeit von Gedichten angeht.

Wer sich aber auf Gedichte tiefer einlässt und dafür auch seinen Blickwinkel verändert, wird belohnt werden: Alles im Inneren der Kirche erscheint einladend und erhellt zu sein, man erkennt den tieferen Sinn der Aussage eines Gedichts. Goethe schreibt Gedichten somit eine positive Funktion zu, da er sagt, dass diese den Menschen Freude bringen und Lebenserfahrungen und -weisheiten in poetischer, edler Form vermitteln, aber nur erkennbar für den, der sich auf eine tiefere Analyse einlässt.

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Analysiere das Gedicht "Mit Haut und Haar" von Ulla Hahn formal.


MIT HAUT UND HAAR (1981)


Ich zog dich aus der Senke deiner Jahre

und tauchte dich in meinen Sommer ein

ich leckte dir die Hand und Haut und Haare

und schwor dir ewig mein und dein zu sein.


Du wendetest mich um. Du branntest mir dein Zeichen

mit sanftem Feuer in das dünne Fell.

Da ließ ich von mir ab. Und schnell

begann ich vor mir selbst zurückzuweichen


und meinem Schwur. Anfangs blieb noch Erinnern

ein schöner Überrest der nach mir rief.

Da aber war ich schon in deinem Innern

vor mir verborgen. Du verbargst mich tief.


Bis ich ganz in dir aufgegangen war:

da spucktest du mich aus mit Haut und Haar.

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Das Gedicht besteht aus vier Strophen, wobei die ersten drei Strophen aus je vier Versen bestehen. Die letzte Strophe hingegen weist nur zwei Verse auf. Das Metrum besteht aus einem fünfhebigen Jambus mit dem Reimschema abab/cddc/efef/gg. Es gibt verschiedene Abweichungen, die beim Leser Unsicherheit erzeugen. So ist der 1. Vers der 2. Strophe sechshebig und es gibt zahlreiche Zeilensprünge (Enjambements), z. B. V. 3/4, V. 5/6, V. 8/9. Der Sinn dieser Abweichungen ist inhaltlich begründet.

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Analysiere das Gedicht "Mit Haut und Haar" von Ulla Hahn inhaltlich.


MIT HAUT UND HAAR (1981)


Ich zog dich aus der Senke deiner Jahre

und tauchte dich in meinen Sommer ein

ich leckte dir die Hand und Haut und Haare

und schwor dir ewig mein und dein zu sein.


Du wendetest mich um. Du branntest mir dein Zeichen

mit sanftem Feuer in das dünne Fell.

Da ließ ich von mir ab. Und schnell

begann ich vor mir selbst zurückzuweichen


und meinem Schwur. Anfangs blieb noch Erinnern

ein schöner Überrest der nach mir rief.

Da aber war ich schon in deinem Innern

vor mir verborgen. Du verbargst mich tief.


Bis ich ganz in dir aufgegangen war:

da spucktest du mich aus mit Haut und Haar.

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In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich den Beginn der Liebesbeziehung. Es selbst ergriff die Initiative, um eine Beziehung mit einer viel älteren Person einzugehen, die es umsorgt hat. Es schwört dem Partner ewige Treue, gibt aber auch zu erkennen, dass es sich selbst in der Partnerschaft nicht aufgeben will. Doch es kommt anders: Das Du ergreift immer mehr Besitz von ihm und wendet das lyrische Ich um, sodass dieses nunmehr nur noch die Ansprüche und Vorstellungen des "Du" erfüllen soll. Das lyrische Ich setzt dieser Inbesitznahme keinen großen Widerstand entgegen, auch wenn es feststellt, dass es sich so immer mehr verliert. Der völlige Identitätsverlust ist die Folge (Strophe 3), das lyrische Ich existiert nur noch tief im Inneren des "Du". 

Die vierte Strophe endet genauso abrupt wie die Beziehung endet: Dadurch, dass das lyrische Ich sich ganz in der Beziehung verloren hat, ist es für das "Du" schlussendlich uninteressant geworden und wird metaphorisch von diesem wie unverdauliche Nahrung ausgespuckt. Die animalischen Metaphern weisen dabei auf das Zerstörerische der Liebe hin.


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