Logische Fehlschlüsse: typische Fehler in einer Diskussion

Logische Fehlschlüsse: typische Fehler in einer Diskussion

Obwohl Diskussionen prinzipiell nur einem Meinungstausch dienen, der auf einer gemeinsamen Ebene stattfinden soll, können manche Diskussionspartner doch dafür sorgen, dass du dich fühlst, als wenn du in eine Schlacht ziehen würdest. Damit du auf die potenziellen Waffen deines Gegners vorbereitet bist und weißt, worauf dein Diskussionspartner abzielt, haben wir logische Fehlschlüsse für dich zusammengefasst, die du kennen solltest.

1. Strohmann – was nach kluger Strategie aussieht, kann zum Untergang führen

Du wirst es sicherlich auch kennen, dass du dich mit jemandem unterhältst und auf einmal führt die Gegenpartei deine Argumente an. Jedoch nicht, weil diese erkannt hat, welche brillante Position du vertrittst, sondern, um diese für die eigene Position zu verwenden. Dabei werden deine Argumente so verdreht und verzerrt, dass Sie eigentlich nichts mehr mit deiner Aussage zu tun haben. Wenn das passiert solltest du deinen Gesprächspartner darauf aufmerksam machen, dass dein Argument anders interpretiert werden muss. Nur so könnt ihr wieder auf ein Niveau kommen, auf dem es sich lohnt zu debattieren.

2. Scheinkausalität – Sein oder Nicht-Sein, dass ist hier die Frage

Wenn Korrelation, also dass zwei Dinge gleichzeitig beziehungsweise direkt hintereinander passieren, und Kausalität, ein Ereignis ist die Ursache für ein Folgendes, miteinander verwechselt werden, dann steht zu Beginn eines Gespräches bereits ein logischer Fehlschluss. Denn es kann auch sein, dass einfach kein Zusammenhang besteht und dadurch die Suche nach einer gemeinsamen Ursache nicht zielführend ist. In diesem Fall solltest du, bevor du die Thematik vertiefst, auf diesen logischen Fehlschluss verweisen und diesen klarstellen.

3. Gefühlsargument – mit Gefühlen kann man nicht argumentieren

Logik und Gefühle sind keine Begriffe, die unbedingt auf derselben Seite eines Buches stehen. Das hat auch seine Begründung. Gefühle sind immer individuell und können deshalb gar nicht logisch begründet werden. Wie sollst du also auf ein Argument eingehen, dass auf der Emotionalität deines Gegenübers beruht reagieren? Generell kannst du auf eine solche Gesprächsführung kaum eingehen und solltest dich lieber darauf konzentrieren, die Gefühle von der Logik zu trennen.

4. Dammbruchargument – was ist, wenn der Damm bricht?

Das Problem mit diesem logischen Fehlschluss ist, dass zwar dein Argument richtig aufgefasst wird, aber dass die Konsequenzen, die daraus erwachsen, falsch und überzogen dargestellt werden. Wenn du argumentierst, dass es unproblematisch ist, dass homosexuelle Menschen heiraten dürfen und dein Gegenüber zunächst naheliegende Aspekte, durch nachfragen beleuchtet, scheint es sich um eine gute Konversation zu handeln. Wenn die Ausbreitung der vermeintlichen Argumente jedoch darin endet, dass die Möglichkeit, dass homosexuelle Menschen heiraten, in Ehen zwischen Menschen und Haustieren und schließlich in der Vernichtung der Menschheit enden, dann kannst du dir sicher sein, dass es sich um ein Dammbruchargument handelt.

5. Fangfrage – bekannt und doch unheimlich tückisch

Jedem wurde schon mal eine Fangfrage gestellt und der Ausgang des Gesprächs mündet darin, dass meistens keine Debatte mehr möglich ist. Denn eine Fangfrage impliziert dir ja schon, dass es nur eine richtige Antwort geben kann. Damit du überhaupt darauf eingehen kannst, musst du diese Annahme bestätigen. Dadurch wird auch deutlich, dass überhaupt kein Interesse an einem Meinungsaustausch besteht. Du wirst es auch kennen, dass du in einer solchen Situation dazu neigst, dich zu verteidigen oder zum Gegenangriff auszuholen. Jedoch solltest du das vermeiden, sondern dein Gegenüber auf die Problematik der Scheinfrage aufmerksam machen. Dadurch hebelst du nicht nur diesen logischen Fehlschluss aus, sondern verdeutlichst auch, dass du ein ernsthafter Gesprächspartner bist.

6. Beweislast – auf einmal bist du in der Pflicht

Erinnerst du dich noch an den Streit im Sandkasten, wenn es darum ging, dass du dem anderen Kind beweisen musstest, dass es auch wirklich nicht seine Schaufel, sondern deine ist? Genau in diese nervenaufreibende Situation fühlst du dich zurückversetzt, wenn du es mit dem logischen Fehlschluss der Beweislast zu tun hast. Dabei sollte dir bewusst sein, dass die Position deines Gesprächspartners nicht besonders ausgefeilt sein kann, wenn deine Aufgabe sein sollte, seine Argumentation zu widerlegen. Grundsätzlich muss niemand etwas widerlegen, sondern derjenige muss das Argument beweisen, der es angeführt hat.

7. Eminenzbasierung – Obrigkeitshörigkeit ist nicht nur peinlich, sondern auch gefährlich

Besonders wenn du ein Gespräch mit jemandem führst, der dazu neigt, mit Fachtermini, um sich zu werfen, ohne, dass das entsprechende Hintergrundwissen verfügbar ist, dann kennst du auch die Situation, dass eine Position nur deswegen verteidigt wird, weil sie von einer Person stammt, die über die entsprechende Fachkenntnis verfügt. Wenn aber keine individuelle Abwägung einer Position vorgenommen wird, dann wirst du merken, dass auch das restliche Gespräch substanzlos bleibt. Denn wie soll man argumentieren, wenn die entsprechende Auseinandersetzung nicht stattgefunden hat? Also ist es hier, wie überall im Leben – nur die eigene Meinung kann man richtig verteidigen.

8. Mitläufer – Nur weil Etwas „In“ ist, kann man damit noch keinen Blumentopf gewinnen

Sicherlich kennst du es auch, dass man dich von etwas überzeugen will, weil es gerade „In“ ist. Oder weil ein Prominenter es tut. Dabei wirst du für diese Positionen keine klassischen Argumente hören. Sondern, dass die Beliebtheit dir ja wohl als Beweis ausreichen muss. Allerdings liegt genau darin der Fehler – Entdeckungen wurden nicht dadurch gemacht, dass diese Menschen mit dem Strom geschwommen sind, sondern, dass Sie sich unpopulären Standpunkten zugewandt haben.

9. Schwarzweißmalerei – wenn die Welt doch nur so einfach wäre

Diesen klassischen logischen Fehlschluss hat jeder schon einmal erlebt und vermutlich auch selbst angewandt. Dieses binäre Denken sorgt dafür, dass man dir nur zwei Lösungen präsentiert. Wovon nur eine richtig und folglich die andere falsch sein muss. Allerdings liegt das Problem darin, dass die wenigsten Probleme in der Welt so einfach zu erfassen sind. Damit du Variablen und Kontexte in deine Argumentation einbringen kannst, musst du und auch dein Gesprächspartner diesen logischen Fehlschluss hinter euch lassen.

10. Zielscheibenfehler – wenn es nicht so einfach ist, wie es scheint

Der schöne Spruch „Trau keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast!“ spiegelt ziemlich gut wider, was dich bei diesem logischen Fehlschluss erwartet. Wenn man dir nur Fakten, Daten und Zahlen präsentiert, die einen Standpunkt stützen, dann solltest du dich fragen, ob das wirklich alle Aspekte sind, die du berücksichtigen solltest. Denn wenn es so einfach wäre, wie es der Zielscheibenfehler darstellt, wieso solltest du dann noch darüber diskutieren? Dies waren unsere Top Ten logische Fehlschlüsse für dich.

Logische Fehlschlüsse hin oder her – Wieso du dennoch mit Menschen reden solltest!

Natürlich sorgen logische Fehlschlüsse dafür, dass eine Diskussion relativ unerfreulich wird, weil du oder dein Gesprächspartner eine faire Ebene verlässt. Denn du musst davon ausgehen, dass entweder keine Argumente für die gelieferte These vorliegen oder kein Interesse an einem richtigen Austausch und somit deiner Meinung vorliegt.

Allerdings ist es natürlich sehr praktisch, wenn du logische Fehlschlüsse kennst und diese dann geschickt aushebeln kannst. So hast du die Möglichkeit, deinen Gegner, also deinen Gesprächspartner, mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Das Gesicht wird dich dafür entschädigen, dass du den ein oder anderen Schachzug vorab planen musst.
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