Wie lerne ich Karteikarten am besten auswendig? Die richtige Herangehensweise

Wie lerne ich Karteikarten am besten auswendig? Die richtige Herangehensweise

Das Problem mit den Karteikarten..

Wie dem Großteil aller Studenten ist sicherlich auch Dir folgendes Problem bekannt: die Prüfungszeit fängt in wenigen Tagen an, es stehen fünf bis sechs Prüfungen an und Du hast potentiell noch nicht mit dem Lernen angefangen? Für solche – nennen wir sie mal „Lernphasen mit akuter Dringlichkeit“ – gibt es dennoch simple, aber effektive Lösungen: Karteikarten.

Diese sind seit jeher ein wichtiges Hilfsinstrument für mehr oder weniger engagierte Studentinnen und Studenten. Einmal angefertigt, geben diese hilfreiche Informationen rund um den Prüfungsstoff preis, auf kleine Kärtchen und alle relevanten Informationen reduziert. Das Anfertigen der kleinen Helferlein ist das Eine, das schlussendliche Auswendiglernen dieser jedoch eine ganz andere Sache. Doch wie nun Karteikarten auswendig lernen?

Oftmals verbergen die einzelnen Notizen, die Du Dir auf Deine individuellen Karteikarten schreibst eine sehr viel umfangreichere Story, die es sich zu merken gilt. Im nun folgenden Artikel möchten wir Dir daher ein paar praktische Tipps im Umgang mit physischen und digitalen Karteikarten und wie Du diese bestmöglich für Dich nutzen kannst, mit auf den Weg geben.

Dein persönlicher Kampf gegen die unliebsame Vergessenskurve

Was Du heute auf Deinen Karteikarten – ganz egal ob Papier- oder Digitalkarteikarte – lernst, dass hast Du vermutlich binnen 96 Stunden schon wieder vergessen. Genau diese Thematik untersuchte der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus und fand dabei heraus, dass der Mensch bereits 20 Minuten nach der individuellen Lernphase bereits bis zu 40 Prozent seines Lernstoffes wieder vergessen hat. Ähnlich wie bei einem Neuwagenkauf die ersten Jahre, stellen beim Lernen die ersten Minuten den größten Wert- bzw. Wissensverlust dar.

Einen Tag nach Deiner Lernorgie sind bereits 66 Prozent wieder vergessen, auf lange Sicht behältst du maximal 15 Prozent Deines für die Prüfung erlernten Wissens. Natürlich ist diese „Vergessenskurve nach Ebbinghaus“, wie diese genannt wird, nebst temporären Aspekten auch noch von weiteren Dingen wie z.B. dem Inhalt des Lernstoffes, ob Dich der Lernstoff überhaupt interessiert oder wie bildlich das Erlernte dargestellt wurde, abhängig.

forgetting-curveGrundsätzlich stellt sich aber dennoch die Frage: Reichen Dir 34 bzw. 15 Prozent Deines ursprünglich auf Karteikarten geschriebene und bereits auf das Nötigste reduzierten Wissens aus, um Deine Prüfung(en) zu bestehen?

Das wirksame Konzept des „Spaced Repetition Systems“

Das „Spaced Repetition System“ – oder zu Deutsch auch „Wiederholen mit Lücken“ genannt – ist so konzipiert, dass entsprechende Informationen ganz kurz vor dem Vergessen wieder abgerufen werden müssen. Ermöglicht wird dies durch verschiedene Wiederholungsintervalle, in denen gleiche Inhalte immer wieder abgefragt werden. Die einzelnen Lernpunkte – in diesem Fall die Karteikarten – werden demnach hintereinander abgefragt und in zunehmenden Zeitintervallen immer wieder überprüft. Dabei wird der psychologische Abstandseffekt genutzt, durch welchen schlussendlich das Langzeitgedächtnis trainiert werden soll.

In seiner Ausprägung kennt das „Spaced Repetition System“, im Folgenden kurz „SRS“ genannt, verschiedene Formen: das individuelle Neuralsystem, das Leitner-System sowie das so genannte „Super-Memo“-System. Letzteres ist mit seinen unterschiedlichen Zeitabständen, in denen das Gelernte wiederholt werden muss, sicherlich das Effektivste. Erfinder dieser Super-Memo-Strategie ist der polnische Neurobiologe Piotr Wozniak. Dieser empfiehlt zunächst folgende Lernintervalle beim Auswendiglernen von Prüfungsstoff:

  • erneutes Lernen nach 20 Minuten
  • nach 24 Stunden
  • nach 48 Stunden
  • nach 10 Tagen
  • nach 30 Tagen
  • und schlussendlich nochmal nach 60 Tagen

Spätestens nach diesen Lernintervallen sitzt das Wissen für die jeweilige Prüfung so fest, dass dieses im Langzeitgedächtnis verankert und damit auch nachhaltig für Dich abrufbar ist. Damit ist das Lernen mit dieser Methode viel effektiver und deutlich stressfreier, als sich die letzten paar Tage vor der Prüfung an den Lernstoff zu setzen und zu hoffen, dass noch Wunder geschehen können.

Zumal schult die Methode das Lernen selbst, indem es den Lernenden dazu auffordert, stetig komplexere Lerninhalte, aufbauend aufeinander, einzustudieren. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass es hier nicht zu einem gehäuften Lernen des Lernstoffs kommt, welches Dir subjektiv nicht ansatzweise so anstrengend vorkommen wird wie das Lernen in letzter Minute (auch „Cramming“ genannt).

So behältst Du die Inhalte deiner Papier- oder Digitalkarteikarten am längsten im Gedächtnis

Praktische Techniken für Papierkarteikarten

Eine effektive Vorgehensweise zum Erlernen des auf Deinen Karteikarten niedergeschriebenen Lernstoffs ist der so genannte „Leitner-Karteikasten“ oder auch als „5-Fächer-System“ beschrieben. Hierfür musst du mit den Vorder- und Rückseiten deiner Karteikarten arbeiten. Auf die Vorderseite schreibst Du in diesem Fall ein individuelles Stichwort – z.B. die zu lernende Vokabel, ein entsprechendes Datum oder Begrifflichkeiten, die Du verstehen musst – und auf die Rückseite schreibst Du die dazugehörige Lösung oder Ausformulierung.

Im nächsten Schritt müssen insgesamt fünf verschiedene Kästen, in die Du die Karteikarten einsortieren kannst, bereitgestellt werden. Anfangs sortierst Du jedoch alle Karteikarten in den ersten der insgesamt fünf Kästen. Alle Karten, die Du bereits erfolgreich abarbeiten konntest und deren Inhalt Du schnell und unkompliziert wiedergeben konntest, wandern in die folgenden Kästen und werden ab sofort weniger häufig betrachtet. Bei allen weiteren, schwieriger aufzufassenden Karten, legst Du diese wieder in einen oder mehrere Kästen zurück.

  • Alle Karten in Kasten 1 wiederholst Du täglich
  • die Karten in Kasten 2 aller 2 Tage
  • die Karten in Kasten 3 alle 4 Tage
  • die Karten in Kasten 4 aller 8 Tage
  • und die Karten in Kasten 5 aller 20 Tage

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kannst Du den Inhalt einer Karte einmal nicht im Rahmen des jeweiligen Turnus aus dem Gedächtnis hervorholen, wandert die Karte dementsprechend in einen niedriger nummerierten Kasten zurück und wird folglich öfter zum Lernen vorgelegt, als bereits erfolgreich abrufbare Karten. Je schlechter Du Dir den entsprechenden Inhalt einer Papierkarteikarte einprägen kannst, desto öfter solltest Du diese ansehen und lernen können – nach diesem Muster arbeitet das Leitner’sche Kastensystem.

Weitere Möglichkeiten mit denen Du Papierkarteikarten effizient auswendig lernen kannst, sind z.B. die Lernphasen möglichst häufig in den Alltag zu integrieren – z.B. bei der Busfahrt zur Uni oder wenn Du gerade auf der Toilette sitzt. Auch ist visualisiertes Wissen oftmals leichter aufzunehmen – fertige auf Deinen Karteikarten also gern auch Zeichnungen, Diagramme oder Figuren an, um Dir den etwaigen Inhalt bildlicher darzustellen und damit besser merken zu können.

Wie Du mit dem SRS-System das Auswendiglernen von digitalen Karteikarten revolutionieren kannst

Besonders schnell und unkompliziert kannst Du Deine individuellen Digitalkarteikarten mit dem praktischen Tool des Smart-Assistant von StudySmarter erstellen. Lies dafür einfach den jeweiligen Folieninhalt Deiner Vorlesungsskripte ein und erstelle Dir binnen weniger Sekunden hilfreiche Digitalkarteikarten zum Lernen. Lade dafür die entsprechenden PDFs mit den Skripten auf Deinen Account hoch und schneide mit dem Smart-Assistant alle relevanten Informationen aus dem jeweiligen Dokument aus und füge diese in kleine Digitalkarteikarten ein.

Ergänze die Inhalte dann noch mit eigenen Fragen und Antworten auf der Vorder- oder Rückseite der digitalen Karteikarte und fasse so umfangreiche Skript-Inhalte innerhalb kurzer Zeit auf praktischen Digitalkarteikarten zusammen. Ordne diese im Smart-Assistant zudem noch nach individuellen Themengebieten und kombiniere die Vorteile eines SRS-Systems mit dem Lernen Deiner selbsterstellten Digitalkarteikarten. So kannst Du dank des vorteilhaften Smart-Assistants genau festlegen, in welchen Zeitabständen Du Deine Digitalkarteikarten wieder ansehen möchtest.

Indem Du die Karten regelmäßig durchgehst und diese zu beantworten versuchst, werden die Karteikarten automatisch durch den StudySmarter-Algorithmus nach gut und weniger gut beherschten sortiert . Digitalkarteikarten die Du bereits drauf hast, müssen folglich seltener beantwortet werden als jene, mit denen Du noch Schwierigkeiten hast.

Ein paar hilfreiche Tipps & Tricks für Dich, mit denen Dir Karteikarten auswendig lernen leichter fällt

Unabhängig davon, ob nun Papierkarteikarten oder digitale Karteikarten, gibt es aber ein paar allgemeine Vorgehensweisen, mit denen das Lernen mittels Karteikarten ein wenig leichter fällt:

 

1. Sobald Du die Karteikarten für Deine Prüfung(en) erstellt hast, empfiehlt es sich, diese nach bestimmten Themenbereichen zu ordnen. So kannst Du Deine Lerneinsätze stets nach bestimmten Themenbereichen strukturieren – montags lernst Du alle Karteikarten des Themenbereichs 1, dienstags die von Themenbereich 2 usw.

 

 

 

 

 

2. Eine weitere Möglichkeit ist das Erstellen von so genannten Mind-maps. Hierbei handelt es sich um Gedächtniskarten, auf denen Du alle zum Thema relevanten Begriffe miteinander verknüpfst und Dir damit einen guten Gesamtüberblick über den Lernstoff verschaffst.

 

 

 

 

3. Achte zudem auf eine gewisse Routine: Wenn Du jeden Tag zur gleichen Zeit lernst, dann wird Dir das Lernen über kurz oder lang leichter fallen. Fange zudem klein an und steigere Dich dann – z.B. zunächst nur 15 Minuten am Tag und nach einer Zeit schrittweise länger, z.B. 60 Minuten pro Tag. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Angewohnheit, die Du mindestens 60 Tage hintereinander durchziehst, so zur Routine für Dich wird.

 

 

 

4. Lese Dir Deine Karteikarten zudem laut vor. Du magst Dir dabei vielleicht komisch oder albern vorkommen, doch dies kann wirklich helfen, Dir den Inhalt Deiner Karteikarten wesentlich besser zu merken. Das Gehirn speichert Informationen, die wir laut vor uns hersagen, sehr viel besser ab, als Dinge, die wir nur lesen.

 

 

 

 

 

 

 

5. Karteikarten können auch in der Lerngruppe sehr effektiv gelernt werden wenn du und deine Freunde sich gegenseitig abfragen. So steigt auch die Motivation zum Lernen sowie der Wettkampfsgeist.

 

 

 

 

6. Achte zudem auf eine gute Schlafqualität. Durch einen gesunden Schlaf speichern wir die gelernten Informationen bestmöglich ab. Es empfiehlt sich daher auch, direkt vor dem Schlafengehen zu lernen und das neu erlangte Wissen dann mit einem erholsamen Nachtschlaf von 7 bis 8 Stunden quasi „abzuspeichern“.

 

 

 

 

7. Indem Du das Karteikarten auswendig lernen zudem mit positiven Emotionen – z.B. der Gedanke an Deine Liebsten, an die letzte Party im Studentenclub oder an den letzten Urlaub – verknüpfst, wird es Dir sehr viel leichter fallen, Dich im Nachhinein an das Gelernte zu erinnern.

 

 

 

8. Das häufige Wiederholen der Karteikarten beansprucht nämlich das Langzeitgedächtnis, sodass du die gelernte Information nicht so schnell vergisst. Während Karteikarten Dir dabei helfen, Wissen längerfristig im Gedächtnis zu behalten, gibt es eine weitere Technik die dir dabei hilft, Dinge kurzfristig schneller im Gedächtnis zu behalten, nämlich der Gedächtnispalast auch bekannt als Loki-Methode.