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Frau Heinzerling im #SmartMINT Interview

Interview mit Frau Heinzerling vom 18.02.21

Maren Dörte Heinzerling ist eine deutsche Diplom-Ingenieurin. Sie ist eine der ersten deutschen Eisenbahn-Diplom-Ingenieurinnen und wurde 2009 mit dem Bundes-verdienstkreuz am Bande für ihre langjährigen Aktivitäten im Bereich Frauen im Ingenieurberuf und Werbung von Mädchen für technisch-naturwissenschaftliche Berufe ausgezeichnet. 2017 wurde ihr der Deutsche Bürgerpreis für ihr Lebenswerk verliehen, unter anderem für das Projekt „Zauberhafte Physik in Grundschulen“, mit dem sie Grundschulkinder für Physik begeistern und mehr naturwissenschaftliches Interesse in die Gesellschaft tragen möchte; stolz ist sie auf ihre Webseite.

Wieso haben Sie sich für ein MINT Studium entschlossen?

Ich habe in der Schule Mathematik wahnsinnig gern gehabt und hatte hier immer recht gute Zensuren. Für mich kam deswegen nur in Frage Lehrkraft oder eben Ingenieurin zu werden. Hier kam die emotionale Komponente ins Spiel: Sowohl mein Vater als auch mein Bruder sind Ingenieure und schienen in ihrem Beruf viel Freude zu haben. Zudem fanden auch häufig technische Gespräche am Abendbrottisch statt. So bin ich dann auch zu einem Ingenieurstudium gekommen – für eine Frau war das aber damals zugegebenermaßen sehr ungewöhnlich.

Wieso sollten sich Frauen für MINT Studiengänge entscheiden?

Ich habe meinen Beruf mit sehr großer Begeisterung ausgeübt und habe dabei festgestellt, dass der Ingenieurberuf ein breites Spektrum bietet – auch an unterschiedlichen Aufgaben und Betätigungen. Das finde ich so spannend an diesem Berufsfeld. Meist weiß man als junger Mensch noch nicht ganz genau, wo die eigenen Stärken liegen. Erst im Beruf merkt man, was man besser kann als andere. Hier bieten gerade Ingenieurberufe die Möglichkeit, sich im Verlauf der beruflichen Laufbahn zu spezialisieren. Ein weiterer Punkt: Technik bestimmt unser Leben. Aus diesem Grund finde ich es wichtig, dass Frauen ihre Bedürfnisse und ihren Blickpunkt einbringen. Zudem spricht auch der wirtschaftliche Aspekt für ein MINT-Studium, da man hier in der Regel sehr gut verdient.

Wer oder was hat Ihren Werdegang am stärksten beeinflusst?

Neben meiner Familie spielten meine Vorgesetzten eine wichtige Rolle. Ich hatte drei wundervolle Vorgesetzte, die mir viel Vertrauen geschenkt und mich an anspruchsvolle Aufgaben herangeführt haben. Mit zwei davon stehe ich auch heute noch in Kontakt, weil ich ihnen sehr dankbar bin. Zudem war ein gutes Selbstvertrauen entscheidend. Dieses habe ich sowohl meiner Familie als auch meinem Mathematiklehrer zu verdanken. 

Wer waren Ihre Vorbilder?

Als Schülerin war ich von Marie Curie begeistert. Aber auch andere Frauen-Biografien haben mir gezeigt, dass Frauen Außergewöhnliches leisten. Mein Vater war natürlich auch ein großes Vorbild für mich. 

Welchen Stereotypen können Sie mit Ihrer Erfahrung widerlegen?

Ja! Ich habe oft auf Mädchen-Technik-Tagen mit Mädchen über ihre Berufswünsche gesprochen. Und wenn sie mir sagten, dass sie vor allem etwas mit Menschen zu tun haben wollten, habe ich ihnen geraten: Dann musst du Ingenieurin werden. Ein größeres Spektrum an unterschiedlichen Menschen erlebst Du in keinem anderen Beruf. Du hast nicht nur mit ihnen zu tun, du arbeitest, du gestaltest etwas mit ihnen zusammen. Auch kann ich aufgrund meiner interkulturellen Erfahrung viele Stereotypen widerlegen, die bestimmten Nationen zugeordnet werden, z.B. sind Amerikaner im allgemeinen deutlich weniger risikofreudig, als man es ihnen nachsagt.

Was war für Sie die größte Herausforderung?

Das Vorexamen war damals in meinem Studium mit einer 75% Durchfallquote eines der anspruchsvollsten Prüfungen. Kurz zuvor ist meine Mutter verstorben. Da nicht einzuknicken und weiter auf die Prüfung zu lernen war eine sehr große Herausforderung. Die zweite war, dass ich während meines Hauptexames schwanger geworden bin. Das führte sozusagen zu einer Doppelbelastung. Und schließlich war mein Wiedereinstieg eine große Herausforderung. Zuvor hatte ich zehn Jahre pausiert, Arbeit in Teilzeit war damals noch nicht verbreitet. Da braucht man schon gutes Stehvermögen.

Was kann man in Deutschland tun, um Studiengänge diverser zu gestalten?

Meiner Meinung nach muss nicht jeder auf einer Universität studieren. Ich persönlich halte auch sehr viel von einer praxisorientierten Ausbildung, beispielsweise im Rahmen eines dualen Studiums. Ob man von einer Universität, Fachhochschule oder einer technischen Ausbildung kommt, spielt später keine allzu große Rolle. Viel wichtiger ist es, die anfallenden Aufgaben erfüllen zu können und Freude daran zu haben. 

Was würden Sie Schülerinnen und Studentinnen mit auf den Weg geben?

Natürlich plädiere ich für naturwissenschaftliche Schulen oder Leistungskurse, weil hier das Spektrum an möglichen Berufen breiter, nachhaltiger und aussichtsreicher ist. Zudem sollten Schülerinnen und Studentinnen – wann immer es einzurichten ist – versuchen, praktische Erfahrung zu sammeln – in den Berufszweigen, die für sie in Frage kommen. In meinen Augen ist die Berufsentscheidung die wichtigste Entscheidung die man trifft, weil man einen Beruf i.d.R. ein Leben lang behält, wenn man den richtigen hat. Der richtige Job bringt Erfüllung, Lebensglück und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Deshalb sollte diese Entscheidung wohl überlegt sein. Praktika sind hier aus meiner Sicht sehr hilfreich, um die richtige Entscheidung zu treffen. Auch kann ich jedem ein Auslandssemester ans Herz legen, um fremde Sprachen zu erlernen und andere Kulturen besser zu verstehen. Schließlich ist ein gutes Netzwerk entscheidend – bleiben Sie offen und kontaktfreudig!

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