Formmangel at Universität Mannheim | Flashcards & Summaries

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TESTE DEIN WISSEN

Reichweite des Formzwangs


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TESTE DEIN WISSEN

Grundsätzlich ganze Rechtsgeschäft =  alle Anreden, aus denen sich nach dem Willen der Parteien der Inhalt des jeweiligen Rechtsgeschäfts zusammensetzen soll, einschließlich etwaiger Nebenabreden


ebenfalls: Änderungen und Ergänzungen, es sei denn sie folgen nur zugunsten der durch die Form geschützte Partei (zB Reduzierung der Bürgenschuld)

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Einschränkungen der Berufung auf die Formnichtigkeit nach § 242 BGB

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Wenn Wirkungen im Einzelfall untragbar erscheinen, Ergebnisse nicht nur hart, sondern schlechthin unerträglich

1) Arglistige Täuschung über die Formbedürftigkeit

Getäuschter hat analog §§ 124, 143 f. BGB ein Wahlrecht, ob Vertrag als wirksam behandelt werden soll


2) Beiderseitige fehlende Nichtbeachtung

a) Drohende Existenzgefährdung
b) besondere Treuepflichtverletzung bei Berufung durch die andere Partei, insbes. wenn Vertragspflichten entziehen will nachdem längere Zeit Vorteile genossen wurden

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Ausdehnung des gesetzlichen Formzwangs im Wege teleologischer Extension (Fallgruppen)


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1. Vertragsverbindung bei derart miteinander verknüpften Verträgen, dass sie miteinander stehen und fallen werden
2. Vorvertrag, wenn Warnfunktion mit Formzwang verfolgt wird
3. RG, die erheblichen Druck auf den Abschluss einer formbedürftigen Verpflichtung ausüben (Maklervertrag mit Vertragsstrafeversprechen bei Unterbleiben des Grundstücksvertrag zb)

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Vertragliche Nebenabrede bei Grundstückskaufvertrag nur mündlich – Folge? 

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  • Bei mündlich verbindlichen Vereinbarungen (zB Beschaffenheitsabrede) = vertragliche Nebenabrede

  • § 311 b I 1 iV, 125  BGB gilt auch für Nebenabrede

  • Gesamtnichtigkeit des Vertrags nach § 139 BGB, wenn die Nebenabrede von den Beteiligten als wesentlich angesehen wird (§§ 133, 157 BGB)

  • Heilung durch Auflassung und Eintragung, § 311b I 2 BGB, gilt auch für Nebenabrede, also hier ganzen Vertrag
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​Mündliche Beschaffenheitsvereinbarung bei Grundstückskaufvertrag?

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  • zunächst Vorliegen einer Beschaffenheitsvereinabrung bereits sehr fraglich
    • BGH: Vermutung, dass  Parteien eines Immobilienkaufvertrags solche Informationen über die Kaufsache, die nicht beurkundet werden, nicht zum Gegenstand einer Beschaffenheitsvereinbarung machen wollen
    • Formbedürftigkeit allgemein bekannt

  • wenn Beschaffenheitsvereinbarung aber (+) dann muss diese auch der Form des Kaufvertrags entsprechen
  • ansonsten Nichtigkeit des gesamten Kaufvertrags nach §§ 125, 139 BGB
  • Heilungsmöglichkeit des gesamten Rechtsgeschäfts durch Auflassung und Eintragung nach §§ 311b I 2 BGB
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Nennen Sie die wichtigsten Formvorschriften!

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  • § 492 BGB: Verbraucherdarlehensvertrag

  • § 550 S. 1 BGB: Mietvertrag über Wohnraum für länger als ein Jahr

  • § 568 I BGB: Kündigung eines Mietvertrags über Wohnraum

  • § 623 BGB: Kündigung eines Arbeitsverhältnisses und Auflösungsvertrag

  • § 766 S. 1 BGB: Bürgschaftserklärung

  • §§ 780, 781 BGB: Schuldversprechen, Schuldanerkenntnis

  • § 1154 I BGB: Abtretungserklärung einer hypothekarisch gesicherten Forderung

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Was versteht man unter der Textform i.S.d. § 126b BGB?

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Ist Textform i.S.d. § 126b BGB vorgesehen, muss die Erklärung in einer Urkunde oder auf andere zur dauerhaften Wiedergabe der Schriftzeichen geeignete Weise abgegeben sein. Zu Wahrung der Textform muss der Absender die Erklärung in Richtung auf den Empfänger abgegeben haben und die Information so mitteilen, dass es dem Empfänger möglich ist, ihren Inhalt unverändert wiederzugeben bzw. zur Kenntnis zu nehmen.

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Was versteht man unter einer qualifizierten bzw. doppelten Schriftformklausel?

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  • Dies ist eine Klausel, in der nicht nur Vertragsänderungen von der Schriftform abhängig gemacht werden, sondern auch die Änderung der Schriftformklausel selbst. Sie bewirkt, dass die Aufhebung der Klausel nicht mehr mündlich erfolgen kann. Bei AGB jedoch sind mündliche Vereinbarungen wegen des Vorrangs der Individualabrede stets gültig, siehe § 305b BGB.

  • Beachten Sie hier das Problem bei AGB, ob wegen der Schriftformklausel eine Beschränkung der Vertretungsmacht vorliegt. Dies kann grundsätzlich angenommen werden. Die Beschränkung der Vertretungsmacht greift aber jedenfalls nicht ein, wenn eine im Außenverhältnis unbeschränkte Vollmacht vorliegt, also z.B. nicht bei Prokura gem. § 50 I HGB und bei Rechtsscheinvollmachten.

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Welcher Form bedarf die Erteilung einer Vollmacht für ein formbedürftiges Rechtsgeschäft?

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  • Die Vollmachtserteilung ist grundsätzlich formfrei, vgl. § 167 II BGB.

  • Eine Ausnahme ist dann gegeben, wenn der Vertretene bereits durch die Erteilung der Vollmacht in gleicher Weise gebunden wird wie durch die Vornahme des formbedürftigen Geschäfts selbst. Eine unwiderrufliche Vollmacht zum Verkauf eines Grundstücks ist deshalb formbedürftig, § 311b I BGB. Bei widerruflicher Vollmacht gilt das Formerfordernis aber nur, wenn die Vollmacht faktische Bindungswirkung ähnlich der unwiderruflichen entfaltet. Dabei kommt es immer auf die Umstände des Einzelfalls an: z.B. der Vertreter ist vom Verbot des Selbstkontrahierens gem. § 181 BGB befreit und kann das Geschäft damit nach seinen Wünschen vollenden. D.h. in diesem Fall läge eine faktische Bindungswirkung vor.

  • Weitere Ausnahmen von der Formfreiheit der Vollmachtserteilung bestehen in den Fällen der § 492 IV BGB, § 2 II GmbHG und § 135 AktG.

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Welche Folgeprobleme entstehen regelmäßig aus dem Problem der falsa demonstratio, d.h. unbewusste Falschbezeichnung, beim Grundstückskauf?

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  • Die unbewusste Falschbezeichnung ist auch beim formbedürftigen Grundstückskauf unschädlich, wenn sich die Parteien über das eigentlich Gewollte tatsächlich einig waren. Rechtsfolge: Der eigentliche gewollte Grundstückskauf scheitert nicht an §§ 311b I S. 1, 125 S. 1 BGB. Die Anwendung der Rechtsfigur „falsa demonstratio“ führt also dazu, dass der schuldrechtliche Anspruch auf Übereignung erhalten bleibt.

  • Die Eintragung des zwar übereinstimmend gemeinten, aber fälschlich bezeichneten Grundstücks ins Grundbuch führt nicht zur gewünschten Übereignung. Sound: Für das eingetragene Grundstück fehlt es an der Einigung, für das übereinstimmend gemeinte an der Eintragung.


Anmerkung: Die Grundsätze der „falsa demonstratio“ gelten nicht, wenn dem Formerfordernis zugleich eine Kontrollfunktion zukommt, z.B. wenn der Grundstücksverkauf einer behördlichen Genehmigung bedarf. Letztere kann sich immer nur auf den in der Urkunde zum Ausdruck gekommenen Willen beziehen.

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Was ist ein sog. Knebelungsvertrag?

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Ein Knebelungsvertrag ist ein Vertrag, durch den die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit des anderen Teils so sehr beschränkt wird, dass er praktisch dem anderen Teil mehr oder weniger ausgeliefert ist, z.B. Bierbezugsvertrag ab 15 - jähriger Laufzeit. Rechtsfolge: Grundsätzlich Nichtigkeit des gesamten Rechtsgeschäfts, vgl. § 138 BGB. Wenn der Bierlieferungsvertrag allein wegen übermäßig langer Laufzeit gegen die guten Sitten verstößt, wird der Vertrag bei entsprechendem Parteiwillen mit einer geringeren Laufzeit in entsprechender Anwendung des § 139 BGB aufrechterhalten.


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Übersicherung ist gegeben, wenn der Wert der zu sichernden Forderung und der Wert des Sicherungsmittels in unangemessenem Verhältnis steht. In welchen Fällen führt die Übersicherung nicht zur Nichtigkeit nach § 138 I BGB?

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Aufgrund der neueren Rechtsprechung ist zu beachten, dass bei einer Sicherungsabtretung bzw. Sicherungsübereignung eine nachträgliche Übersicherung, z.B. durch Tilgung einer Teilforderung, nicht mehr zur Übersicherung d.h. Sittenwidrigkeit führen kann.


In diesen Fällen wird nämlich stets ein stillschweigender schuldrechtlicher Freigabeanspruch angenommen. Danach besteht mit Beginn der Übersicherung ein Anspruch auf Rückübertragung, und es liegt keine Sittenwidrigkeit vor. Dasselbe gilt auch bei Globalsicherheiten mit wechselndem Bestand und Wert. Globalsicherheiten sind gegeben, wenn Sachgesamtheiten mit wechselndem Bestand zur Sicherheit übereignet werden. Sittenwidrigkeit ist bei diesen dann anzunehmen, wenn der Schätzwert des Sicherungsgutes über 150 % der zu sichernden Forderung liegt. Merken Sie sich: 100 % ist die Forderung, 110 % ist noch wirksam, weil Gebühren und Kosten entstehen, aber bis 150 % werden in der Regel benötigt, um 110 % zu realisieren.


Anmerkung: Die Globalzession ist eine Sicherungsabtretung, die alle im Geschäftsbetrieb begründeten gegenwärtigen und zukünftigen Forderungen umfasst. Bei der Globalzession ist Sittenwidrigkeit dann anzunehmen, wenn z.B. eine Bank sich Forderungen zur Sicherheit für ein Darlehen abtreten lässt, und diese Vorausabtretung auch Forderungen umfasst, die sich Warenlieferanten über einen verlängerten Eigentumsvorbehalt abtreten lassen wollen. Nach dieser Klausel kann nur eine sog. dingliche Verzichtsklausel die Sittenwidrigkeit der Globalzession verhindern. Danach muss vereinbart werden, dass die Abtretung einer Forderung erst dann wirksam wird, wenn der verlängerte Eigentumsvorbehalt erlischt.

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Q:

Reichweite des Formzwangs


A:

Grundsätzlich ganze Rechtsgeschäft =  alle Anreden, aus denen sich nach dem Willen der Parteien der Inhalt des jeweiligen Rechtsgeschäfts zusammensetzen soll, einschließlich etwaiger Nebenabreden


ebenfalls: Änderungen und Ergänzungen, es sei denn sie folgen nur zugunsten der durch die Form geschützte Partei (zB Reduzierung der Bürgenschuld)

Q:

Einschränkungen der Berufung auf die Formnichtigkeit nach § 242 BGB

A:

Wenn Wirkungen im Einzelfall untragbar erscheinen, Ergebnisse nicht nur hart, sondern schlechthin unerträglich

1) Arglistige Täuschung über die Formbedürftigkeit

Getäuschter hat analog §§ 124, 143 f. BGB ein Wahlrecht, ob Vertrag als wirksam behandelt werden soll


2) Beiderseitige fehlende Nichtbeachtung

a) Drohende Existenzgefährdung
b) besondere Treuepflichtverletzung bei Berufung durch die andere Partei, insbes. wenn Vertragspflichten entziehen will nachdem längere Zeit Vorteile genossen wurden

Q:

Ausdehnung des gesetzlichen Formzwangs im Wege teleologischer Extension (Fallgruppen)


A:

1. Vertragsverbindung bei derart miteinander verknüpften Verträgen, dass sie miteinander stehen und fallen werden
2. Vorvertrag, wenn Warnfunktion mit Formzwang verfolgt wird
3. RG, die erheblichen Druck auf den Abschluss einer formbedürftigen Verpflichtung ausüben (Maklervertrag mit Vertragsstrafeversprechen bei Unterbleiben des Grundstücksvertrag zb)

Q:

Vertragliche Nebenabrede bei Grundstückskaufvertrag nur mündlich – Folge? 

A:
  • Bei mündlich verbindlichen Vereinbarungen (zB Beschaffenheitsabrede) = vertragliche Nebenabrede

  • § 311 b I 1 iV, 125  BGB gilt auch für Nebenabrede

  • Gesamtnichtigkeit des Vertrags nach § 139 BGB, wenn die Nebenabrede von den Beteiligten als wesentlich angesehen wird (§§ 133, 157 BGB)

  • Heilung durch Auflassung und Eintragung, § 311b I 2 BGB, gilt auch für Nebenabrede, also hier ganzen Vertrag
Q:

​Mündliche Beschaffenheitsvereinbarung bei Grundstückskaufvertrag?

A:


  • zunächst Vorliegen einer Beschaffenheitsvereinabrung bereits sehr fraglich
    • BGH: Vermutung, dass  Parteien eines Immobilienkaufvertrags solche Informationen über die Kaufsache, die nicht beurkundet werden, nicht zum Gegenstand einer Beschaffenheitsvereinbarung machen wollen
    • Formbedürftigkeit allgemein bekannt

  • wenn Beschaffenheitsvereinbarung aber (+) dann muss diese auch der Form des Kaufvertrags entsprechen
  • ansonsten Nichtigkeit des gesamten Kaufvertrags nach §§ 125, 139 BGB
  • Heilungsmöglichkeit des gesamten Rechtsgeschäfts durch Auflassung und Eintragung nach §§ 311b I 2 BGB
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Q:

Nennen Sie die wichtigsten Formvorschriften!

A:
  • § 492 BGB: Verbraucherdarlehensvertrag

  • § 550 S. 1 BGB: Mietvertrag über Wohnraum für länger als ein Jahr

  • § 568 I BGB: Kündigung eines Mietvertrags über Wohnraum

  • § 623 BGB: Kündigung eines Arbeitsverhältnisses und Auflösungsvertrag

  • § 766 S. 1 BGB: Bürgschaftserklärung

  • §§ 780, 781 BGB: Schuldversprechen, Schuldanerkenntnis

  • § 1154 I BGB: Abtretungserklärung einer hypothekarisch gesicherten Forderung

Q:

Was versteht man unter der Textform i.S.d. § 126b BGB?

A:

Ist Textform i.S.d. § 126b BGB vorgesehen, muss die Erklärung in einer Urkunde oder auf andere zur dauerhaften Wiedergabe der Schriftzeichen geeignete Weise abgegeben sein. Zu Wahrung der Textform muss der Absender die Erklärung in Richtung auf den Empfänger abgegeben haben und die Information so mitteilen, dass es dem Empfänger möglich ist, ihren Inhalt unverändert wiederzugeben bzw. zur Kenntnis zu nehmen.

Q:

Was versteht man unter einer qualifizierten bzw. doppelten Schriftformklausel?

A:
  • Dies ist eine Klausel, in der nicht nur Vertragsänderungen von der Schriftform abhängig gemacht werden, sondern auch die Änderung der Schriftformklausel selbst. Sie bewirkt, dass die Aufhebung der Klausel nicht mehr mündlich erfolgen kann. Bei AGB jedoch sind mündliche Vereinbarungen wegen des Vorrangs der Individualabrede stets gültig, siehe § 305b BGB.

  • Beachten Sie hier das Problem bei AGB, ob wegen der Schriftformklausel eine Beschränkung der Vertretungsmacht vorliegt. Dies kann grundsätzlich angenommen werden. Die Beschränkung der Vertretungsmacht greift aber jedenfalls nicht ein, wenn eine im Außenverhältnis unbeschränkte Vollmacht vorliegt, also z.B. nicht bei Prokura gem. § 50 I HGB und bei Rechtsscheinvollmachten.

Q:

Welcher Form bedarf die Erteilung einer Vollmacht für ein formbedürftiges Rechtsgeschäft?

A:
  • Die Vollmachtserteilung ist grundsätzlich formfrei, vgl. § 167 II BGB.

  • Eine Ausnahme ist dann gegeben, wenn der Vertretene bereits durch die Erteilung der Vollmacht in gleicher Weise gebunden wird wie durch die Vornahme des formbedürftigen Geschäfts selbst. Eine unwiderrufliche Vollmacht zum Verkauf eines Grundstücks ist deshalb formbedürftig, § 311b I BGB. Bei widerruflicher Vollmacht gilt das Formerfordernis aber nur, wenn die Vollmacht faktische Bindungswirkung ähnlich der unwiderruflichen entfaltet. Dabei kommt es immer auf die Umstände des Einzelfalls an: z.B. der Vertreter ist vom Verbot des Selbstkontrahierens gem. § 181 BGB befreit und kann das Geschäft damit nach seinen Wünschen vollenden. D.h. in diesem Fall läge eine faktische Bindungswirkung vor.

  • Weitere Ausnahmen von der Formfreiheit der Vollmachtserteilung bestehen in den Fällen der § 492 IV BGB, § 2 II GmbHG und § 135 AktG.

Q:

Welche Folgeprobleme entstehen regelmäßig aus dem Problem der falsa demonstratio, d.h. unbewusste Falschbezeichnung, beim Grundstückskauf?

A:
  • Die unbewusste Falschbezeichnung ist auch beim formbedürftigen Grundstückskauf unschädlich, wenn sich die Parteien über das eigentlich Gewollte tatsächlich einig waren. Rechtsfolge: Der eigentliche gewollte Grundstückskauf scheitert nicht an §§ 311b I S. 1, 125 S. 1 BGB. Die Anwendung der Rechtsfigur „falsa demonstratio“ führt also dazu, dass der schuldrechtliche Anspruch auf Übereignung erhalten bleibt.

  • Die Eintragung des zwar übereinstimmend gemeinten, aber fälschlich bezeichneten Grundstücks ins Grundbuch führt nicht zur gewünschten Übereignung. Sound: Für das eingetragene Grundstück fehlt es an der Einigung, für das übereinstimmend gemeinte an der Eintragung.


Anmerkung: Die Grundsätze der „falsa demonstratio“ gelten nicht, wenn dem Formerfordernis zugleich eine Kontrollfunktion zukommt, z.B. wenn der Grundstücksverkauf einer behördlichen Genehmigung bedarf. Letztere kann sich immer nur auf den in der Urkunde zum Ausdruck gekommenen Willen beziehen.

Q:

Was ist ein sog. Knebelungsvertrag?

A:

Ein Knebelungsvertrag ist ein Vertrag, durch den die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit des anderen Teils so sehr beschränkt wird, dass er praktisch dem anderen Teil mehr oder weniger ausgeliefert ist, z.B. Bierbezugsvertrag ab 15 - jähriger Laufzeit. Rechtsfolge: Grundsätzlich Nichtigkeit des gesamten Rechtsgeschäfts, vgl. § 138 BGB. Wenn der Bierlieferungsvertrag allein wegen übermäßig langer Laufzeit gegen die guten Sitten verstößt, wird der Vertrag bei entsprechendem Parteiwillen mit einer geringeren Laufzeit in entsprechender Anwendung des § 139 BGB aufrechterhalten.


Q:

Übersicherung ist gegeben, wenn der Wert der zu sichernden Forderung und der Wert des Sicherungsmittels in unangemessenem Verhältnis steht. In welchen Fällen führt die Übersicherung nicht zur Nichtigkeit nach § 138 I BGB?

A:

Aufgrund der neueren Rechtsprechung ist zu beachten, dass bei einer Sicherungsabtretung bzw. Sicherungsübereignung eine nachträgliche Übersicherung, z.B. durch Tilgung einer Teilforderung, nicht mehr zur Übersicherung d.h. Sittenwidrigkeit führen kann.


In diesen Fällen wird nämlich stets ein stillschweigender schuldrechtlicher Freigabeanspruch angenommen. Danach besteht mit Beginn der Übersicherung ein Anspruch auf Rückübertragung, und es liegt keine Sittenwidrigkeit vor. Dasselbe gilt auch bei Globalsicherheiten mit wechselndem Bestand und Wert. Globalsicherheiten sind gegeben, wenn Sachgesamtheiten mit wechselndem Bestand zur Sicherheit übereignet werden. Sittenwidrigkeit ist bei diesen dann anzunehmen, wenn der Schätzwert des Sicherungsgutes über 150 % der zu sichernden Forderung liegt. Merken Sie sich: 100 % ist die Forderung, 110 % ist noch wirksam, weil Gebühren und Kosten entstehen, aber bis 150 % werden in der Regel benötigt, um 110 % zu realisieren.


Anmerkung: Die Globalzession ist eine Sicherungsabtretung, die alle im Geschäftsbetrieb begründeten gegenwärtigen und zukünftigen Forderungen umfasst. Bei der Globalzession ist Sittenwidrigkeit dann anzunehmen, wenn z.B. eine Bank sich Forderungen zur Sicherheit für ein Darlehen abtreten lässt, und diese Vorausabtretung auch Forderungen umfasst, die sich Warenlieferanten über einen verlängerten Eigentumsvorbehalt abtreten lassen wollen. Nach dieser Klausel kann nur eine sog. dingliche Verzichtsklausel die Sittenwidrigkeit der Globalzession verhindern. Danach muss vereinbart werden, dass die Abtretung einer Forderung erst dann wirksam wird, wenn der verlängerte Eigentumsvorbehalt erlischt.

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