Klinische Psychologie at Universität des Saarlandes

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Was ist das Diathese-Stress-Modell (auch: Vulnerabiltäts-Stress-Modell)? Wie lassen sich hier jeweils Diathese und Stress definieren und welche "Unterformen" hat das Modell?

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Welche pathologischen Auswirkungen kann Arbeitslosigkeit haben?

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Was sind Merkmale abweichenden Verhaltens?

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Was sind die Hauptprinzipien von DSM-5 und ICD-10?

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Welche verschiedenen Epidemiologien sind wichtig in der klinischen Psychologie und was bedeuten diese?

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Wie sind Symptome und Syndrome zu unterscheiden?

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Was sind Kern- und Zusatzsymptome einer depressiven Episode nach ICD-10?

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Was sind Symptome des Abhängigkeitssyndrom nach ICD-10?

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Alkohol ist die Droge, die weltweit am häufigsten zur behandlungsbedürftigen Abhängigkeitsentwicklung führt. Welche Fakten legten die WHO und das Jahrbuch Sucht 2020 über diese Abhängigkeit offen?

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Was sind körperliche und psychische Folgen von Alkoholkonsum?

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Was sind die 3 häufigsten psychischen Störungen?

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Klinische Psychologie

Was ist das Diathese-Stress-Modell (auch: Vulnerabiltäts-Stress-Modell)? Wie lassen sich hier jeweils Diathese und Stress definieren und welche "Unterformen" hat das Modell?

Diathese = Anfälligkeit/Disposition/ Vulnerabilität für eine bestimmte Krankheit. Neigung eines Menschen auf eine bestimmte Weise auf Belastungen zu reagieren. (biologische vs. lerngeschichtliche (psycho-soziale) Diathese)

Stress = Reaktion eines Individuums auf eine Situation, die seine persönlichen Ressourcen überschreitet oder stark beansprucht.


Modell:

  • beschreibt die Wechselwirkungen zwischen Diathese (Krankheitsneigung) und Stress. 
  • Zentrale Annahme: beide Faktoren nötig, dass es zur Entwicklung einer psychischen Störung kommt. 
  • Das Modell ist nicht auf eine bestimmte Schule festgelegt.


-> Additives Modell: Bei stärkerer Diathese weniger Stress notwendig 

-> Interaktionsmodell: Ohne Diathese keine psychische Störung (auch bei starkem Stress!) 


(Man weiß noch nicht für welche Störung welches Modell gilt. Hinweise, dass für Depressionen das Interaktionsmodell gilt und für PTBS das additive.)


Klinische Psychologie

Welche pathologischen Auswirkungen kann Arbeitslosigkeit haben?

  • Anstieg von Arbeitslosigkeit (z.B. in Wirtschaftskrisen) -> Anstieg der Rate psychischer Störungen: Depressionen, (Eheprobleme), (Somatische Beschwerden). Raten erholen sich wieder, wenn sich der Arbeitsmarkt wieder erholt.
  • Ehefrauen arbeitsloser Männer: höhere Niveaus von Angst, depressiver Verstimmung und Feindseligkeit.
  • Kinder arbeitsloser Männer: höhere Wahrscheinlichkeit misshandelt zu werden
  • Teilzeitarbeit, Unterbeschäftigung, unqualifizierte Arbeit: mehrere große Studien zeigen vergleichbare Raten an Depressionen im Vergleich zu Arbeitslosen

Klinische Psychologie

Was sind konfliktbedingte Störungen?

  • Folge von negativen Beziehungserfahrungen (unlösbar, internalisiert), z.B. Disharmonien im Elternhaus 
  • Schaffen Störungsdispositionen, die im Erwachsenenalter wieder aktualisiert werden können. 
  • Im Erwachsenenalter werden die Konfliktthemen reinszeniert: Frühe Konflikte als emotional-atmosphärische Grundeinstellung; Reife Konflikte als Beziehungsskript 
  • Das Symptom besteht in den assoziierten aufkommenden Affekten und den assoziierten Lösungsversuchen
  • Klassische konfliktbedingte Symptomcluster sind: Depressive Symptome (u.a. Verlustangst bzgl. ambivalentem Objekt; Internalisierung des Aggressionsanteils); Angstneurose (z.B. Panikstörung/Agoraphobie = Somatisierung von Ängsten bei fehlendem internalisierten Sicherheitsobjekt); Zwangsneurose (z.B. Versöhnung des strengen Über-Ichs)
  • Jedoch verweist nicht primär das Symptom, sondern die auslösende Situation auf den zugrundeliegenden Konflikt (Symptome sind im Kern nur vor dem Hintergrund des Individuums zu verstehen).

Klinische Psychologie

Was sind Merkmale abweichenden Verhaltens?

  • Verletzung gesellschaftlicher Standards: Kulturelle, moralische Regeln; Gesetzesverstöße Beachte: Schweregrad (Falschparken, Kindesmissbrauch) 
  • Soziales Unbehagen: Verletzung von sozialen Regeln führt zu Unbehagen oder Besorgnis bei Personen im Umfeld 
  • Irrationalität und Unvorhersagbarkeit: Einschätzung der Kontrollierbarkeit Hintergründe des Verhaltens sind nicht ersichtlich Unkonventionalität bis zu gewissem Grad akzeptiert 
  • Leid: Aber: Manie, Prüfungsangst etc. 
  • Maladaptivität i.S. von Unangemessenheit: bezogen auf eigene Person (z.B. Anorexie, Depression) bezogen auf Gesellschaft (z.B. Trickbetrüger, Auftragskiller) 
  • Devianz oder Abweichung: abweichend von der statistischen Norm. Aber: (1) seltenes Verhalten ist nicht per se abnorm (z.B. Hochbegabung) (2) statistisch selten und nicht wünschenswert (z.B. geistige Retardierung) (3) unerwünscht, aber statistisch nicht selten (z.B. rüpelhaftes Verhalten)


Klinische Psychologie

Was sind die Hauptprinzipien von DSM-5 und ICD-10?

  • spezifische inhaltliche Kriterien 
  • spezifische zeitliche Kriterien 
  • breite, detaillierte Beschreibung der einzelnen diagnostischen Kategorien 
  • weitgehende Operationalisierung der diagnostischen Merkmale und Kriterien 
  • weitgehender Verzicht auf theoretische bzw. ätiologische Modelle (soweit nicht wissenschaftlich abgesichert) 
  • Konzept der multiplen Diagnosen (Komorbidität=Man kann an mehreren Sachen leiden, beispielsweise Zwangsstörungen, Anorexie, etc. gleichzeitig) 
  • Multiaxialität (dass man sowohl Diagnosen vergeben kann, es aber auch noch eine Einordnung gibt über Funktionsniveau in anderen Bereichen, z.B. soziale Funktionsniveau)
  • diagnostische Entscheidungsbäume

Klinische Psychologie

Welche verschiedenen Epidemiologien sind wichtig in der klinischen Psychologie und was bedeuten diese?

  • Prävalenz: Anzahl vorhandener Erkrankungen in einer Population
  • Punktprävalenz: Bestimmter Zeitpunkt. Geschätzter Anteil der aktuell vorhandenen Fälle 
  • Periodenprävalenz: Bestimmter Zeitraum
  • 1-Jahres-Prävalenz: Fälle während eines Jahres (unterform der Periodenprävalenz)
  • Gesamtlebenszeitprävalenz: Gesamte Lebensspanne
  • Inzidenz: Anzahl der Neuerkrankungen (normalerweise 1 Jahr)

Klinische Psychologie

Wie sind Symptome und Syndrome zu unterscheiden?

  • Symptom: einzelner Indikator einer Erkrankung -> kann sich auf Affekte, Verhalten und Kognitionen beziehen
  • Syndrome: gleichzeitige Vorliegen mehrerer Symptome z.B. Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Suizidgedanken – Symptome des Syndroms Depression

Klinische Psychologie

Was sind Kern- und Zusatzsymptome einer depressiven Episode nach ICD-10?

Kernsymptome:

  •  gedrückte oder traurige Stimmung, z.T. als vermehrte Reizbarkeit 
  • Interessenverlust oder Freudlosigkeit 
  • verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit

Zusatzsymptome

  • Verlust des Selbstvertrauens bzw. des Selbstwertgefühls 
  • vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen 
  • Selbstvorwürfe oder unangemessene Schuldgefühle 
  • psychomotorische Hemmung oder Unruhe 
  • Schlafstörungen 
  • verminderter (selten auch gesteigerter) Appetit mit Gewichtsänderung 
  • Suizidgedanken oder Suizidhandlungen

Klinische Psychologie

Was sind Symptome des Abhängigkeitssyndrom nach ICD-10?

  • Ein starkes Verlangen (Craving) oder eine Art Zwang, die Substanz zu konsumieren.
  • Verminderte Kontrolle über den Substanzgebrauch, d.h. über Beginn, Beendigung oder die Menge des Konsums.
  • Ein körperliches Entzugssyndrom, wenn die Substanz reduziert oder abgesetzt wird.
  • Toleranzentwicklung ggü. den Wirkungen der Substanz. Für eine Intoxikation oder um den gewünschten Effekt zu erreichen, müssen größere Mengen der Substanz konsumiert werden.
  • Einengung auf den Substanzgebrauch, deutlich an der Aufgabe oder Vernachlässigung anderer wichtiger Interessensbereiche.
  • Anhaltender Substanzgebrauch trotz eindeutig schädlicher Folgen, deutlich an dem fortgesetzten Gebrauch, obwohl der Betreffende sich über die Art und das Ausmaß des Schadens bewusst ist oder bewusst sein könnte.

Klinische Psychologie

Alkohol ist die Droge, die weltweit am häufigsten zur behandlungsbedürftigen Abhängigkeitsentwicklung führt. Welche Fakten legten die WHO und das Jahrbuch Sucht 2020 über diese Abhängigkeit offen?

WHO:

  • Jeder 20. Todesfall geht auf Alkohol zurück. 
  • Jedes Jahr sterben rund drei Millionen Menschen weltweit durch Alkoholkonsum. -> Entspricht 5,3 Prozent aller Todesfälle des Jahres. 
  • Ca. 200 Krankheiten werden mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht, darunter Leberzirrhose und einige Krebsarten. Alkoholkonsum mache Menschen anfälliger für Krankheiten wie Tuberkulose, HIV und Lungenentzündungen.

Jahrbuch Sucht 2020:

  • 131,3 Liter an alkoholischen Getränken je Einwohner.
  • 3 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland hatten im Jahr 2018 eine alkoholbezogene Störung. 
  • Rund 74.000 Todesfälle werden den Angaben nach jährlich allein durch Alkoholkonsum oder den kombinierten Konsum von Tabak und Alkohol verursacht. -> Alkoholkonsum steigend -> Tabakkonsum abnehmend

Klinische Psychologie

Was sind körperliche und psychische Folgen von Alkoholkonsum?

körperlich:

  • Rausch/akute Gefahr: erhöhte Unfallgefahr, Vergiftungen mit Todesfolge in tiefer Bewusstlosigkeit durch Atemstillstand, Ersticken an Erbrochenem. 
  • Erkrankungen der Leber 
  • Erhöhtes Krebsrisiko 
  • Störung der Libido 
  • Erhöhtes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen 
  • Erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten
  • Gehirn: Abnahme von Gedächtnis- und Konzentrationsvermögen sowie Kritikund Urteilsfähigkeit. Negative Auswirkungen auf Intelligenz bis hin zum geistigen Abbau.

psychisch:

  • Änderung der Persönlichkeit (unzuverlässig, reizbar, depressiv, eifersüchtig) 
  • Stimmungsschwankungen 
  • Angstzustände 
  • Erhöhte Aggressivität (Jede 3. Gewalttat wird unter Alkoholeinfluss begangen) 
  • Erhöhte Suizidalität (60-120mal erhöhte Lebenssuizidrate)

Klinische Psychologie

Was sind die 3 häufigsten psychischen Störungen?

  • Angststörungen 
  • Affektive Störungen, (insbesondere unipolare Depression) 
  • Substanzgebrauchsstörungen, (insbesondere Alkoholkonsumstörung)

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