MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden at Universität Bielefeld

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Grundannahmen der empirischen Sozialforschung

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Was versteht man unter einer Theorie?

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Was sind Anforderungen an gute Theorien

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Deterministische vs. probabilistische Gesetzmäßigkeiten


Was ist damit gemeint?

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Was ist ein Modell und wodurch zeichnet es sich aus?

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Zusammenhang zwischen Empirie und Theorie: Induktion und Deduktion



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Definition von psychometrischen Tests

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Klassische Testtheorie und Problem

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Axiome der KTT

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Definition der Verhältnisskala (Ratioskala)

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Erkläre den Unterschied zwischen reflexiven Indikatoren und formativen Indikatoren eines Konstrukts

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Nenne die vier Kombinationen der Erhebungsform "Beobachtung"

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MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Grundannahmen der empirischen Sozialforschung

mithilfe von Theorien:

Sachverhalte
… zu beschreiben
… zu erklären und
… vorherzusagen.


►Vorzugsweise über Ursache-Wirkungs-Beziehungen

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Was versteht man unter einer Theorie?

Unter einer Theorie versteht man ein logisch konsistentes System von Konzepten, Definitionen und Aussagen (Annahmen, Gesetzesaussagen, Hypothesen) über einen Gegenstandsbereich. Theorien haben die Funktion, über die Spezifizierung der Beziehungen enthaltener Konzepte untereinander, Phänomene zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen.

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Was sind Anforderungen an gute Theorien

widerspruchsfrei;

empirisch überprüfbar;

neue Theorien müssen den alten überlegen sein (können Probleme besser erklären); haben sich bewährt

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Deterministische vs. probabilistische Gesetzmäßigkeiten


Was ist damit gemeint?

In Theorien enthaltene Gesetzmäßigkeiten erlauben Vorhersagen über noch nicht eingetretene Fälle.

Deterministische Gesetzmäßigkeiten treffen in jedem Einzelfall zu und erlauben sichere Vorhersagen

Z.B. physikalische Gesetzmäßigkeiten der Mechanik

Dagegen in den Sozialwissenschaften: probabilistische Gesetzmäßigkeiten

Diese erlauben nur Vorhersagen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit und müssen nicht in jedem Einzelfall zutreffen

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Was ist ein Modell und wodurch zeichnet es sich aus?

Ein Modell ist eine vereinfachte, verkürzende und abstrahierende (symbolische) Repräsentation eines Realitätsbereiches mit dem Ziel, die unter einer bestimmten Problemstellung relevanten Aspekte hervorzuheben und überschaubar zu machen.


Ein Modell zeichnet sich aus durch
►symbolische bzw. schematische Veranschaulichung von Sachverhalten, Beziehungen und Mechanismen
►Vereinfachung
►Bezug zur Theorie hat: aus ihr abgeleitet oder Vorläufer
►tendenziell weniger „endgültig“ als Theorien

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Zusammenhang zwischen Empirie und Theorie: Induktion und Deduktion



►Theorien werden aus der Empirie abgeleitet, und
►ihre Gültigkeit wird an der Empirie überprüft


Induktion =
Schlussfolgerungen von konkreten Einzelfällen auf das Allgemeine
►aus systematisch erhobenen Daten wird auf mögliche allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten (Theorie) geschlossen
►Hypothesenerkundung/-generierung


Deduktion = Ableiten des Besonderen aus dem Allgemeinen
► aus allgemeinen Gesetzesannahmen (Theorie) werden Vorhersagen über einen spezifischen Fall gemacht (und anhand von diesem überprüft)
► Hypothesenprüfung

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Definition von psychometrischen Tests

Ein Test ist ein wissenschaftliches Routineverfahren zur Untersuchung eines oder mehrerer empirisch abgrenzbarer Persönlichkeitsmerkmale 


Das Ziel eines psychometrischen Tests besteht darin, die
absolute oder relative Ausprägung einer Eigenschaft, einer
Fähigkeit oder eines Zustands bei einer oder mehreren
Personen zu messen (…) (Rost, 2004).


Psychometrische Tests sind
► nach einer Testtheorie entwickelt
► genügen genau definierten Gütekriterien
► sind normiert (Individualdiagnostik)

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Klassische Testtheorie und Problem

Die klassische Testtheorie (KTT)
 Ist an einem naturwissenschaftlichen Messmodell orientiert
Geht davon aus, dass das Testergebnis im Prinzip dem wahren
Ausprägungsgrad des untersuchten Merkmals entspricht.
 Jeder Messwert ist aber von einer Fehlerkomponente überlagert

Problem: ermittelt werden soll der „wahre“ Wert – unmittelbar
sichtbar ist nur der Messwert, der Fehler enthält.

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Axiome der KTT

AXIOM 1 (Verknüpfungsaxiom)
Der einzelne Messwert (X) ist die Summe aus dem wahren Wert (True
Score = T) und dem zufälligen Messfehler (Error Score = E).
X = T + E
Der Messfehler ergibt sich umgekehrt als Abweichung vom wahren

Wert: E = X - T



AXIOM 2 (Existenzaxiom)
Wird der Test wiederholt angewendet, kommt es zum Ausgleich der
Fehler, d. h. der Erwartungswert (µ) des Messfehlers ist Null.
µ (E) = 0
►Demzufolge muss auch der Erwartungswert mehrerer unabhängiger
Messungen an demselben Untersuchungsobjekt messfehlerfrei sein
und somit den wahren Wert repräsentieren.
µ (X) = µ (T) + µ (E) = T + 0 = T


AXIOME 3 bis 5 (Zufälligkeit der Messfehler)
Die Messfehler hängen nicht zusammen mit dem wahren Wert und
anderen konstanten Personmerkmalen:
ρT,E = 0
Die Messfehler verschiedener Testanwendungen (bei verschiedenen
Personen oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten) sind voneinander
unabhängig, d. h. die Fehlerwerte sind nicht miteinander korreliert.
ρE1,E2 = 0

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Definition der Verhältnisskala (Ratioskala)

Auf einer Verhältnisskala werden den Objekten eines empirischen Relativs Zahlenwerte so zugeordnet, dass die Zahlen im selben Verhältnis zueinander stehen wie die Merkmalsausprägungen der Objekte.

►Im Gegensatz zu der Intervallskala ist ein absoluter Nullpunkt definiert.
►Das Verhältnis zwischen je zwei Zahlen entspricht dem Verhältnis der Merkmalsausprägungen der jeweiligen Objekte.
►Aussagen möglich wie: „Merkmal x ist bei Person A doppelt so hoch
ausgeprägt wie bei Person B.“

MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Erkläre den Unterschied zwischen reflexiven Indikatoren und formativen Indikatoren eines Konstrukts

Reflexive Indikatoren

… spiegeln „latente“ Konstrukte wider


  • Weil alle Indikatoren das gleiche (eindimensionale) Merkmal wiedergeben, hängen sie untereinander eng zusammen

►Die latente Variable „erklärt“ diese Zusammenhänge.

  • Verändert sich das gemessene Merkmal, ändern sich alle Itemwerte
  • Bei mehrdimenisonalen Konstrukten sollte es jeweils mehrere Indikatoren für jede einzelne Dimension (“Subskala“) geben (z.B. Geszundheitsbezogene Lebensqualität)



Formative Indikatoren (KTT nicht anwendbar)
…„formen“ ein Konstrukt 

  • Die Indikatoren gelten als ‚Ursache‘ für das latente Konstrukt, das sie abbilden 

Bsp. sozioökonomischer Status (SES):

►Bildungsabschluss
►Einkommen
►Berufliche Position

→ Wahl der Indikatoren hängt von Bestandteilen eines Konstrukts laut Definition ab

►„Ein Index ist also (…) eine Größe, die den Inhalt einer definierten Itemmenge anzeigt.“ (Bühner, 2011, S.34)


  • Ein Index ist gut, wenn er alle inhaltlichen Definitionsbestandteile eines Konstruktes vollständig abdeckt
  • Die Indikatoren können untereinander zusammenhängen, müssen sie aber nicht! Sie können unterschiedliche Eigenschaften erfassen
  • Items können sich unabhängig voneinander verändern


MPH 20 Quantitative Forschungsmethoden

Nenne die vier Kombinationen der Erhebungsform "Beobachtung"

1. Teilnehmend-offen: Eine Betriebspsychologin beteiligt sich zur Erkundung von Gruppenproblemen offen an Mitarbeitergesprächen. 


2. Teilnehmend-verdeckt: Ein Beamter des Verfassungsschutzes beobachtet unerkannt als Teilnehmer einer Demonstration das Verhalten der Demonstranten. 


3. Nichtteilnehmend-offen: Ein Fußballtrainer beobachtet am Rande des Fußballplatzes die Einsatzbereitschaft der Spieler. 


4. Nichtteilnehmend-verdeckt: Ein Entwicklungspsychologe beobachtet hinter einer Einwegscheibe eine Auseinandersetzung zwischen zwei Kindern.

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