Soziologie at TU München

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Interrollenkonflikt am Beispiel der Adhärenz

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Rollenkonflikte

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Wesenbestimmung des Menschen 

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Definfition soziales Handeln Schäfers

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Soziale Rollen

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Sanktionen

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Kkonsequenzen pessimistischer Anthropologie Gehlen 

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Gehlen: Mensch als handelndes Wesen 

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Rollentheorie

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Raumbezug des Handelns

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Besonderheiten menschlichen Handelns

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Soziologie

Interrollenkonflikt am Beispiel der Adhärenz

• Die Rollenanforderungen „Patient“(R1) und „Vater“/“Ehemann“(R2) verlangen ein hohes Maß an
Adhärenz.
 (Adhärenz = „Ausmaß, in dem das Verhalten einer Person, wie die Medikamenten-Einnahme, ein
Diätregime oder eine Lebensstiländerung, mit den mit dem Therapeuten vereinbarten Empfehlungen
übereinstimmt“)
 In diesem Fall gesundheitsbedingte Diät und Verzicht auf Alkohol, fettiges Fleisch und salzhaltige
Speisen
• Die Rollenanforderungen „Mann“ (R3) und „Gast“ (R4) verlangen hingegen eine Teilnahme am
ritualisierten Konsum großer Fleisch- und Biermengen
• R1/R2 stehen mit R3/R4 in Konflikt
• Nicht Einhaltung ist sanktioniert (Missbilligung) („Soll-Norm“)

Soziologie

Rollenkonflikte

Intra-Rollenkonflikte: Konflikte innerhalb einer Rolle aufgrund unterschiedlicher (und
widersprüchlicher) Erwartungen
• StudentInnen erwarten Nachsicht und faire Noten
• Dekanat erwartet Strenge und hohe Durchfallquoten
Inter-Rollenkonflikte: Verhaltenserwartungen aus unterschiedlichen Rollen kommen in Konflikt
miteinander
• Rolle als Dozent erfordert Vorbereitung auf Unterricht
• Erwartung als Vater Zeit mit den Kindern Zeit zu verbringen

Soziologie

Wesenbestimmung des Menschen 

▶ animal symbolicum (Ernst Cassirer 2007): der Mensch als ein auf Symbole
angewiesenes Lebewesen; der Evolutionsprozess als Geschichte der Ent-
wicklung immer komplexerer, informationssteigernder Symbolsysteme;
▶ der homo oeconomicus der liberalen Wirtschaftstheoretiker seit dem
18. Jahrhundert (ebenfalls mit Anspruch auf universale Gültigkeit);
▶ der homo sociologicus (Dahrendorf 2006): der Mensch als rollenspielendes,
vergesellschaftetes Wesen.

Soziologie

Definfition soziales Handeln Schäfers

soziale Handeln in al-

len seinen Dimensionen. Das Adjektiv „sozial“ heißt in soziologischer Per-
spektive: auf den oder die Mitmenschen (lat. socius = Gefährte) bezogen, also
zwischenmenschlich. Zum sozialen Handeln gehören der unmittelbare Aus-
tausch mit anderen Personen ebenso wie die über Gruppen und Organisa-
tionen, Institutionen und „die“ Gesellschaft vorstrukturierten Beziehungs-
muster.

Soziologie

Soziale Rollen

▶ die Verfestigung einer Reihe von Normen (und ggf. zugehöriger Gesten
und sonstiger Symbole) zu bestimmten Verhaltenskomplexen;
▶ die Summe der Erwartungen, die alter (der Andere) an ego (mein Verhal-
ten) richtet.

▶ Soziale Rollen stehen im Schnittpunkt von zwei grundlegenden sozialen
Phänomenen: der sozialen Differenzierung (wie sie z. B. in der Arbeitstei-
lung zum Ausdruck kommt) und der sozialen Normierung.
▶ Der Rollenbegriff muss komplementär gesehen werden zur zugehörigen
sozialen Position, die ein Individuum in einem sozialen Gebilde (wie
Gruppe oder Organisation) einnimmt und mit der mehr oder weniger ri-
gide festgelegt ist, was wann wie zu tun ist. Somit kann die soziale Position
als der statische Aspekt, das konkrete Rollenhandeln als der dynamische
Aspekt des sozialen Handelns angesehen werden.

Soziologie

Sanktionen

Bei Sanktionen handelt es sich also um Reaktionen auf Verhalten (Han-
deln) mit dem Ziel, Konformität zu erzeugen. Wie bei den Normen muss auch
bei den Sanktionen neben der regulierenden Funktion die handlungsorientie-
rende gesehen werden, also nicht nur das Konformitätserzeugende der Norm-
struktur des Handelns, sondern auch dessen Orientierungsfunktion und Ord-
nungsstruktur.
Konformität kann durch Belobigung eines als positiv angesehenen Verhal-
tens erreicht werden. in diesem Fall spricht man von positiven Sanktionen.
Bei Abweichungen von einem als wünschenswert angesehenen Verhalten
wird das breite Spektrum von der Missbilligung bis hin zur Gefängnisstrafe
als negative Sanktion bezeichnet.

Soziologie

Kkonsequenzen pessimistischer Anthropologie Gehlen 

▶ dass Seinsaussagen über die menschliche Natur in Sollaussagen (z. B. der
Notwendigkeit eines starken Staates, eines „Leviathan“, Thomas Hobbes)
umschlagen können;
▶ dass Aussagen über die kaum feststellbare „Natur“ des Menschen zu
Norm aussagen über das daraus folgende notwendige Verhalten und die
Beschaffenheit von Institutionen werden;

▶ dass die Anthropologie ihren Euro- und Ethnozentrismus nicht überwun-
den hat.

Soziologie

Gehlen: Mensch als handelndes Wesen 

▶ ist der Mensch im Vergleich zum Tier ein instinktverunsichertes und in-
stinktreduziertes Wesen; eine sichere Handlungsführung bekommt er nur
über von ihm selbst geschaffene Institutionen („was die Instinkte beim
Tier sind, sind die Institutionen beim Menschen“; vgl. Lektion VIII). Geh-
len verweist auf Johann Gottfried Herder (1744 – 1803), der den Menschen
als „Mängelwesen“ bezeichnet hatte; er sieht im aufrechten Gang einer
bestimmten Primatenart und dem damit möglichen freien Gebrauch der
Hände und des freien Blicks die Voraussetzung der Menschwerdung (vor
ca. 3 bis 4 Mio. Jahren); Helmuth Plessner setzte hierfür die „Dominanz
des Auge-Hand-Feldes“ voraus (1985);
▶ hat der Mensch einen großen Triebüberschuss, der kulturschaffend sein
kann, aber ohne Institutionen (Regeln) leicht in „aggressive Destruktivität“
(Gehlen) umschlägt;
▶ ist der Mensch durch eine hohe „Plastizität“ (Formbarkeit) der Antriebe
charakterisiert;
▶ gibt es zwischen Handlungsantrieb (Reiz) und Handlung einen sog.
„Hiatus“ (Kluft), die moralisch-ethisch oder rein pragmatisch gesteuerte
Handlungshemmung durch Reflexion, Besinnung etc.;
▶ ist der Mensch „weltoffen“, ein Neugierwesen (vgl. zu vorstehenden Aussa-
gen Gehlen 1993 und Gehlen 1993a).

Soziologie

Rollentheorie

▶ die eher rigide Rollenauffassung, die von den Anforderungen „der“ Ge-
sellschaft bzw. der sozialen Systeme aus die Ansprüche an eine Rolle for-
muliert;
▶ die Rollenauffassung aus der Sicht des handelnden Individuums, das aus
der angesonnenen Fremdrolle eine Eigenrolle machen will, um so seine
personale Identität gegenüber der rollenspezifischen sozialen Identität zu
behaupten (vgl. Goffman 2011: 19 ff.).

Die personale
Identität verlangt, so zu sein wie kein anderer; die soziale Identität verlangt, so
zu sein wie alle anderen (in der gleichen Rolle).

die von selbstständig erworbenen und zu­
geschriebenen Rollen, die Ralph Linton (1893 – 1953) in die soziologische Be-
griffssprache einführte (Linton 1979). Die Bedeutung der zugeschriebenen
Rollen (Herkunft, Alter, Geschlecht etc.) hat im Prozess der Modernisierung
von Gesellschaften gegenüber den selbst erworbenen (z. B. Bildung, Beruf)
abgenommen.

Soziologie

Raumbezug des Handelns

1a) „die intime Distanz – nahe Phase“; körpereigen und hautnah; Berührun-
gen bedürfen der Übereinkunft und Einwilligung;
1b) „die intime Distanz – weite Phase“; ca. 15 – 45 cm; ein Eindringen in diesen
körpereigenen Raum bedarf der – kulturspezifischen – Verständigung;
2a) „die persönliche Distanz – nahe Phase“; ca. 45 – 75 cm; andere Menschen
sind quasi noch in Griffweite; so erlauben nur besondere Situationen
– z. B. im Kino – ein Eindringen in diesen Distanzbereich;
2b) „die persönliche Distanz – weite Phase“; ca. 75 – 120 cm; hier werden die
anderen bereits „auf Armlänge“ ferngehalten; „die Grenze der körperli-
chen Herrschaft im eigentlichen Sinn“ ist erreicht;
3a) „die soziale Distanz – nahe Phase“; ca. 120 – 220 cm; dies sei die Entfer-
nung für die Abwicklung unpersönlicher Geschäfte;
3b) „soziale Distanz – weite Phase“; ca. 220 – 360 cm; die Distanz signalisiert
eine gewollte Formalisierung der interpersonalen Aktivitäten (z. B. Büro
des Chefs);

Soziologie

Besonderheiten menschlichen Handelns

▶ Der Mensch handelt immer aus einer gewissen Distanz heraus, aus einem
nie vollen Eingepasstsein in seine Welt (die philosophischen Begriffe des
Geworfenseins und der Entfremdung haben hier ihren Ursprung). Hel-
muth Plessner (1985: 56 f.) erläuterte dies mit dem Begriff der „exzen-
trischen Positionalität“ des Menschen: die Differenz von Leibsein und
Körperhaben und damit die Fähigkeit, sich selbst zum Objekt werden zu
können (eigene Reflexivität);
▶ Handeln ist immer eine Verschränkung von Innen und Außen, von kon-
kreter Situationsbewältigung und den Überzeugungen, dem Willen und
Motiven einer bestimmten Person. Geht beides ineinander auf oder inein-
ander über, so könnte man von sozialer Harmonie sprechen (z. B. in der
Übereinstimmung von zwei Willenserklärungen, von festgestellten glei-
chen Überzeugungen, Neigungen usw.). Fehlt es an dieser Übereinstim-
mung, so sind alle Formen von Dissens und Abweichung möglich, ebenso
aber Rückzug aus Handlungssituationen;
▶ das Handeln vollbringt eine für den Menschen notwendige Strukturie-
rungsleistung: Die in die Umwelt nicht eingepasste Motorik, die reizüber-
flutete Wahrnehmung mit ihrem Reflexions- und Deutungsüberschuss
und die „Zerstreutheit der Begierden“ (Gehlen) erfordern eine bewusste
Auswahl (Selektion) und eine gut trainierte Motorik, die eine gewisse Re-
gelhaftigkeit und Angepasstheit auf erlernter Basis erlauben.

Soziologie

Soziale Rollen

Situationsrollen = „soziale Zusammenhänge, bei denen sich Personen an einem Ort zu einer
bestimmten Zeit begegnen oder Beziehungen eingehen“ (Holland: S.64)
• Bsp. Fußgängerin, Gast, Sitznachbarin
Transitorische Rollen: zum Beispiel: Patientenrolle!
Positionsrollen finden „sich in Handlungskontexten, die langandauernde, sich häufig
wiederholende Beziehungen in organisierten Sozialgebilden umfassen“ (ebd.)
• Bsp. Mutter, Ärztin, Lehrer, Priester
Statusrollen sind zugewiesen und nicht erworben
Bsp. ethnische Herkunft, Religion, Geschlecht

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