Gesundheitsökonomik at Hochschule Aalen | Flashcards & Summaries

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Lernmaterialien für Gesundheitsökonomik an der Hochschule Aalen

Greife auf kostenlose Karteikarten, Zusammenfassungen, Übungsaufgaben und Altklausuren für deinen Gesundheitsökonomik Kurs an der Hochschule Aalen zu.

TESTE DEIN WISSEN

Welche Determinanten künftiger Ausgabeentwicklung (Aus Perspektive der Nachfrager, also der Kranken) gibt es?

Lösung anzeigen
TESTE DEIN WISSEN

Alleinige Determinanten der Nachfrage:

Wer oder was bestimmt, ob und welche Gesundheitsleistungen in Anspruch

genommen werden?


Markttheorie:
Nachfrageseite
- Preis eines Gutes

- Höhe des Einkommens

- Preise von Substituten

- Präferenz von Individuen


- Demographische Entwicklung

- Zunahme von Einzelhaushalten

- Veränderung des Krankheitsspektrums in Richtung chronische Erkrankungen

- Gestiegenes Anspruchsverhalten der Verbraucher

- Umfassender Versicherungsschutz

- Angebotsinduzierte Nachfrage/Medikalisierung

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TESTE DEIN WISSEN

Was sind Empfehlungen zur Reduktion von regionalen Versorgungsunterschieden? (OECD)

Lösung anzeigen
TESTE DEIN WISSEN

1. Öffentlichkeit schaffen – regelmäßige Publikationen von Behandlungsvariationen – Hervorhebung besonders auffälliger Regionen

2. Regionale Versorgungsplanung (Steuerung der Behandlungsfrequenzen)

3. Reallokation von Budgets (Budgetsenkung – bzw. –steigerung je nach Über- bzw. Unterversorgung)

4. Implementierung evidenzbasierter Behandlungsleitlinien

5. Qualitätsberichterstattung auf Ebene der Leistungserbringer

6. Anpassung der Vergütungssysteme (Reduktion der Einzelleistungsvergütung)

7. Outcome-Messungen

8. Entscheidungshilfen für Patienten und Shared Decision Making


Zu viertens: evidenzbasierte Behandlungsleitlinien:

 Verbesserung der Versorgungsqualität

• Standardisierung von Interventionen

• Reduktion von Behandlungsvariationen (EBM)

• Evidenz-Vehikel (Transport medizinischen Wissens in die Praxis)

• Disease-Management

• Versorgungsintegration

• Absicherung der Patientenversorgung (Patientenschutz)


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TESTE DEIN WISSEN

Macht Nachfragesteuerung Sinn?

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TESTE DEIN WISSEN

Nachfragesteuerung durch Zuzahlungen:

Moral Hazard: Fehlanreize – Personen können sich aufgrund ökonomischer Fehlanreize verantwortungslos oder leichtsinnig verhalten und damit ein Risiko auslösen oder verstärken. Einige Ökonomen sind der Ansicht, dass dies die herausragende Ursache aller Steuerungsprobleme im Gesundheitsweisen ist. Das hat drei Dimensionen:


1. Versicherungen („Ex-Ante-Moral-Hazard“): Für Versicherte Fallen Handlung und Haftung auseinander. Daher entfällt für Versicherte der Anreiz, riskante oder ungesunde Lebensweise einzuschränken, da im Bedarfsfall die Solidargemeinschaft einspringt. Gegenmaßnahme: Kostenbeteiligungen in verschiedener Form, nach Krankheitsrisiko differenzierte Versicherungsprämien. Studien zeigen: Zuzahlungen wirken – sie treffen aber immer die „Falschen“, nämlich finanziell Schwache und chronisch Kranke.


2. Medizinische Leistung: Patient („Ex-Post-Moral-Hazard“): da die Kosten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen keine Rolle spielen, besteht die Gefahr, dass Patienten zu viele Leistungen nachfragen, auch solche, die nur sehr wenig oder überhaupt nichts nützen. Gegenmaßnahme: Praxisgebühren, Kostenbeteiligung („Selbstbehalt“, siehe Niederlande) oder Karenztage (Lohnfortzahlung erst ab beispielsweise zweitem oder drittem Krankheitstag). Problem: Praxisgebühr hat zu MEHR Nachfrage geführt („Wenn ich schon gezahlt habe, mache ich in diesem Quartal gleich noch ein paar weitere Arztbesuche“).


3. Medizinische Leistung Arzt: Weil die Kosten der Behandlung nicht vom Patienten direkt, sondern von seiner Versicherung bezahlt werden, kommt der Behandler in Versuchung, überflüssige und/oder zu teure Behandlungen vorzunehmen.




-> laut Ahrens macht Nachfragesteuerung eher wenig Sinn nicht, weil "massenhafte" Nachfragesteuerung nicht zielführend ist, wenn nur kleine Gruppen den größten Teil der Ausgaben verursachen

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TESTE DEIN WISSEN

Wettbewerb auf Krankenversicherungsmärkten:
Was sind Wettbewerbsinstrumente der Versicherer? Wie wirkt sich das auf das Nachfrageverhalten aus?

Lösung anzeigen
TESTE DEIN WISSEN

1. Versorgungsspektrum

2 Versorgungsqualität (wegen hoher Regulierung bei uns nur indirekt möglich, beispielsweise Selektivverträge)

3. Einnahmen (Beitragssatz)


Nachfrageverhalten:

kaum jemand wechselt seine Krankenkasse. Ausnahme: junge, Gesunde -> Kassen werben hauptsächlich um diese Mitglieder (Risiko-Selektion). Da für wird auch Homöopathie und IGeL übernommen. 

-> Dass der Kassenwettbewerb die Effizienz steigert und Kosten senkt (weswegen er ursprünglich eingeführt wurde) ist also stark zu bezweifeln!

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TESTE DEIN WISSEN

Die Zunahme der Lebenserwartung in den meisten entwickelten Ländern betrug im 20. Jahrhundert etwa 30 Jahre. Woraus ist das zurückzuführen?

Lösung anzeigen
TESTE DEIN WISSEN

Public health impact lediglich 5 %:

bessere medizinische Versorgung, der Rest ist auf bessere Lebensbedingungen (sauberes Wasser, weniger Keime im KH, bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen) zurückzuführen.


-> zur Steigerung der Lebenserwartung sollte der Fokus auf Verbesserung der Arbeits- und Lebensqualität gelegt werden

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TESTE DEIN WISSEN

Was sind Kernbotschaften von "Besonderheiten von Gesundheitsmärkten"

Lösung anzeigen
TESTE DEIN WISSEN

- Auf Gesundheitsmärkten herrschen beträchtliche Informations--Asymmetrien

- Auf Krankenversicherungsmärkten dominiert die Risikoselektion (Morbi RSA wurde eingeführt, muss aber weiterentwickelt werden)

Motivation der Versicherten, wettbewerblich aktiv zu werden, ist stabil auf geringem Niveau (ca. 6% der Versicherten Machen vom Kassenwechsel gebrauch)

- Mitspracherecht und -Bereitschaft der Patientinnen und Patienten entwickelt sich erst langsam und nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen

- Der Wissensstand der Health Professionals entspricht häufig nicht dem aktuellen Stand der Forschung (z.B. Krebsfrüherkennung, Hormonersatztherapie)

-> gemeinsame Entscheidung von Health Professionals und Patientinnen und Patienten durchaus falsch sein kann

- Health Professionals sind häufig nicht frei von äußeren (finanziellen) Einflüssen

- Auf Expertenmärkten dominieren zahlenmäßig die Selektivverträge

-> Die Sicherstellungsaufträge der Bundesländer garantieren jedoch eine Versorgung, so dass die Selektion letztlich nicht wirken kann

- HZV und populationsbezogenen IV-Verträge scheinen positive Effekte zu zeigen: HZV -> Vermeidung von Doppeluntersuchungen/Doppelmedikation, Hausärzte behalten Überblick -> Ärzte werden Kontrolliert


Wichtig:

-aufgrund der Tatsache, dass die meisten Interventionen im Gesundheitswesen unzureichend evaluiert wurden/werden, wird es immer einen "Ermessensspielraum" (try and error) der Health Professionals geben

- in vielen Gesundheitssystemen der Industriestaaten ist eine beträchtliche Überversorgung festzustellen, die primär durch Wettbewerb und finanzielle Anreize verursacht wird

- finanzielle Leistungsanreize fördern Leistungserbringung - was es bräuchte wären Anreize zur "Nicht-Leistung"

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TESTE DEIN WISSEN

Was versteht man unter Medikalisierung?

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Medikalisierung bedeutet, dass menschliche Lebenserfahrungen und Lebensbereiche in den Fokus medizinischer Forschung und Verantwortung rücken, die vorher außerhalb der Medizin standen. Durch Diagnostik und Therapie werden neue gesundheitliche Probleme geschaffen, für deren Beseitigung sich die Medizin für zuständig erklärt. Es gibt zwei wesentliche Aspekte der Medikalisierung: 

Normierung (Festlegung von Grenzwerten durch Mediziner) und Stigmatisierung („Krankmachung“ normaler Zustände). Die Medikalisierung ist so „erfolgreich“ weil Ärzte behandeln wollen und Patienten behandelt werden wollen.

Beispiele sind:

Pathologisierung von Befindlichkeitsstörungen, die auch von sozialen Faktoren bestimmt sind (z.B. sexuelle Unlust) und deren medizinische Behandlung.

• Der Weibliche Körper, insbesondere seine Sexualität wird durch „Wissens“-Kampagnen zu gesundheitlichen Problemen (Regularien über Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Menopause → nutzlose Hormontherapien)

• „Aufwertung“ von Befindlichkeiten zu Krankheiten, Bspw. Antriebslosigkeit und Trübsal werden ggf. als Depression diagnostiziert.

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TESTE DEIN WISSEN

Was sind empirische Befunde für angebotsinduzierte Nachfrage und Medikalisierung auf Krankenversorgungsmärkten?

Lösung anzeigen
TESTE DEIN WISSEN

1. Ärzte als Patienten

2. Small Area Variations (Regionale Unterschiede der Versorgung)

3. Hormonersatztherapie (Frauen ü70 bekommen noch Mittel zur Begleitung in der Menopause, obwohl deren Nutzen selbst IN der Menopause nur schwer gegen die Risiken abwägbar ist)

4. Kaiserschnittprävalenz (nimmt seit Jahrzehnten zu, ggf. weil besser planbar für KH – und fast nie sonntags, weil da besonders teuer für KH)


Kostenkontrolle sollte demnach bei den LeistungsANBIETERN ansetzen:

1. Keine monetären Leistungsanreize (Beispiel: Fördern DRG-Pauschalen Kaiserschnitte?)

2. Stärkere Verpflichtung (und Kontrolle) zur Weiterbildung (Sie Gynäkologie und Hormonersatztherapie)

3. Stärkere Betonung der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared decission making)

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TESTE DEIN WISSEN

Was sind Gründe für den Bedarf einer Steuerung?

Lösung anzeigen
TESTE DEIN WISSEN

Versorgungsqualität

- Über-, Unter- und Fehlversorgung

- Versorgungsvariation (regional und nach Bevölkerungsgruppen, wie Ärzte als Bezieher ärztlicher Leistungen)


Mögliche Hebel zur Steuerung


-Ansätze der Nachfragesteuerung

-> Zuzahlungen

-> Bonusprogramme


-Ansätze der Angebotssteuerung

-> Mindestmengenregelung

-> Kapazitätsplanung

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TESTE DEIN WISSEN

Erläutere die Bedeutung von Unsicherheit / Moral Hazard in der "Geschichte" der Gesundheitsökonomik

Lösung anzeigen
TESTE DEIN WISSEN

Arrow u.a. plädieren für die Einführung bzw. Beibehaltung der
Krankenversicherungspflicht, um die negativen Auswirkungen des Marktversagens
(fehlende Krankenversicherung führt zur Unterversorgung bzw. Überschuldung) zu
reduzieren


• Andere Gesundheitsökonomen (z.B. Pauly) weisen auf zwei negative Aspekte der
Krankenversicherung hin (moralisches Risiko)
• Patienten würden mehr Leistungen in Anspruch nehmen, als sie tatsächlich
benötigen.
• Versicherten fehle zudem jeglicher Anreiz zu „gesundheitsbewusstem Verhalten“, da
sie die finanziellen Folgen des Verhalten nicht tragen müssten

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TESTE DEIN WISSEN

Diskutiere "die morbiditätsabhängige Kostenentwicklung bei steigender Lebenserwartung"

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TESTE DEIN WISSEN

- Die Menschen werden nicht nur älter, sondern dies auch in einem besseren Gesundheitszustand

- die wesentlichen Gesundheitskosten werden im letzten Lebensjahr verursacht, unabhängig vom Sterbezeitpunkt

- Dies bedeutet, dass die zunehmende Lebenserwartung sich nicht kostensteigernd auswirkt!

- Nach wie vor wird die Bedeutung der Prävention unterschätzt und die Bedeutung der Medizin für die Lebenserwartung der Bevölkerung überschätzt

- Eine nachfrage-, d.h. krankheitsbedingte Ausgabensteigerung ist daher nicht zu erwarten

- wahrscheinlicher sind Ausgabensteigerungen durch die Angebotsseite

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TESTE DEIN WISSEN

Was können Gründe für "Marktversagen" im Gesundheitswesen sein

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TESTE DEIN WISSEN

- Informationsasymmetrien (Prinzipal-Agent-Beziehung; Studien zeigen, dass Ärzte und Juristen deutlich seltener operiert werden als der Rest der Bevölkerung - vermutlich, weil die Info-Asymmetrie zw. Behandler und Patient kleiner ist; führt ansonsten grundsätzl. zu Überversorgung -> Leistungserbringer nutzen ihren Informationsvorsprung aus (um vorwiegend ökonomische) Interessen zu verfolgen (Angebotsinduzierte Nachfrage-> Medikalisierung)

- Externe Effekte: Positiv: Schutzimpfungen, Hygienemaßnahmen, "Nichtmarktteilnehmer" profitieren bspw. von Herdenimmunität;
Patienten profitieren von früheren Patienten, an denen ihr Arzt seine Erfahrung und sein Wissen gesammelt hat

negativ: Umweltverschmutzung zum eigenen Nutzen, aber zu Lasten der Gesellschaft 

- öffentliche Güter (Grundversorgung: Luftreinhaltung, Verkehrsberuhigung, Wasserversorgung)

- Zwang zum Konsum ("Wer krank ist, kann nicht auf Behandlung verzichten")

Verteilungsungerechtigkeiten (Zugangshürden zur Versorgung, sozialökonomischer Status, etc.)

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  • 35953 Karteikarten
  • 950 Studierende
  • 43 Lernmaterialien

Beispielhafte Karteikarten für deinen Gesundheitsökonomik Kurs an der Hochschule Aalen - von Kommilitonen auf StudySmarter erstellt!

Q:

Welche Determinanten künftiger Ausgabeentwicklung (Aus Perspektive der Nachfrager, also der Kranken) gibt es?

A:

Alleinige Determinanten der Nachfrage:

Wer oder was bestimmt, ob und welche Gesundheitsleistungen in Anspruch

genommen werden?


Markttheorie:
Nachfrageseite
- Preis eines Gutes

- Höhe des Einkommens

- Preise von Substituten

- Präferenz von Individuen


- Demographische Entwicklung

- Zunahme von Einzelhaushalten

- Veränderung des Krankheitsspektrums in Richtung chronische Erkrankungen

- Gestiegenes Anspruchsverhalten der Verbraucher

- Umfassender Versicherungsschutz

- Angebotsinduzierte Nachfrage/Medikalisierung

Q:

Was sind Empfehlungen zur Reduktion von regionalen Versorgungsunterschieden? (OECD)

A:

1. Öffentlichkeit schaffen – regelmäßige Publikationen von Behandlungsvariationen – Hervorhebung besonders auffälliger Regionen

2. Regionale Versorgungsplanung (Steuerung der Behandlungsfrequenzen)

3. Reallokation von Budgets (Budgetsenkung – bzw. –steigerung je nach Über- bzw. Unterversorgung)

4. Implementierung evidenzbasierter Behandlungsleitlinien

5. Qualitätsberichterstattung auf Ebene der Leistungserbringer

6. Anpassung der Vergütungssysteme (Reduktion der Einzelleistungsvergütung)

7. Outcome-Messungen

8. Entscheidungshilfen für Patienten und Shared Decision Making


Zu viertens: evidenzbasierte Behandlungsleitlinien:

 Verbesserung der Versorgungsqualität

• Standardisierung von Interventionen

• Reduktion von Behandlungsvariationen (EBM)

• Evidenz-Vehikel (Transport medizinischen Wissens in die Praxis)

• Disease-Management

• Versorgungsintegration

• Absicherung der Patientenversorgung (Patientenschutz)


Q:

Macht Nachfragesteuerung Sinn?

A:

Nachfragesteuerung durch Zuzahlungen:

Moral Hazard: Fehlanreize – Personen können sich aufgrund ökonomischer Fehlanreize verantwortungslos oder leichtsinnig verhalten und damit ein Risiko auslösen oder verstärken. Einige Ökonomen sind der Ansicht, dass dies die herausragende Ursache aller Steuerungsprobleme im Gesundheitsweisen ist. Das hat drei Dimensionen:


1. Versicherungen („Ex-Ante-Moral-Hazard“): Für Versicherte Fallen Handlung und Haftung auseinander. Daher entfällt für Versicherte der Anreiz, riskante oder ungesunde Lebensweise einzuschränken, da im Bedarfsfall die Solidargemeinschaft einspringt. Gegenmaßnahme: Kostenbeteiligungen in verschiedener Form, nach Krankheitsrisiko differenzierte Versicherungsprämien. Studien zeigen: Zuzahlungen wirken – sie treffen aber immer die „Falschen“, nämlich finanziell Schwache und chronisch Kranke.


2. Medizinische Leistung: Patient („Ex-Post-Moral-Hazard“): da die Kosten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen keine Rolle spielen, besteht die Gefahr, dass Patienten zu viele Leistungen nachfragen, auch solche, die nur sehr wenig oder überhaupt nichts nützen. Gegenmaßnahme: Praxisgebühren, Kostenbeteiligung („Selbstbehalt“, siehe Niederlande) oder Karenztage (Lohnfortzahlung erst ab beispielsweise zweitem oder drittem Krankheitstag). Problem: Praxisgebühr hat zu MEHR Nachfrage geführt („Wenn ich schon gezahlt habe, mache ich in diesem Quartal gleich noch ein paar weitere Arztbesuche“).


3. Medizinische Leistung Arzt: Weil die Kosten der Behandlung nicht vom Patienten direkt, sondern von seiner Versicherung bezahlt werden, kommt der Behandler in Versuchung, überflüssige und/oder zu teure Behandlungen vorzunehmen.




-> laut Ahrens macht Nachfragesteuerung eher wenig Sinn nicht, weil "massenhafte" Nachfragesteuerung nicht zielführend ist, wenn nur kleine Gruppen den größten Teil der Ausgaben verursachen

Q:

Wettbewerb auf Krankenversicherungsmärkten:
Was sind Wettbewerbsinstrumente der Versicherer? Wie wirkt sich das auf das Nachfrageverhalten aus?

A:

1. Versorgungsspektrum

2 Versorgungsqualität (wegen hoher Regulierung bei uns nur indirekt möglich, beispielsweise Selektivverträge)

3. Einnahmen (Beitragssatz)


Nachfrageverhalten:

kaum jemand wechselt seine Krankenkasse. Ausnahme: junge, Gesunde -> Kassen werben hauptsächlich um diese Mitglieder (Risiko-Selektion). Da für wird auch Homöopathie und IGeL übernommen. 

-> Dass der Kassenwettbewerb die Effizienz steigert und Kosten senkt (weswegen er ursprünglich eingeführt wurde) ist also stark zu bezweifeln!

Q:

Die Zunahme der Lebenserwartung in den meisten entwickelten Ländern betrug im 20. Jahrhundert etwa 30 Jahre. Woraus ist das zurückzuführen?

A:

Public health impact lediglich 5 %:

bessere medizinische Versorgung, der Rest ist auf bessere Lebensbedingungen (sauberes Wasser, weniger Keime im KH, bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen) zurückzuführen.


-> zur Steigerung der Lebenserwartung sollte der Fokus auf Verbesserung der Arbeits- und Lebensqualität gelegt werden

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Q:

Was sind Kernbotschaften von "Besonderheiten von Gesundheitsmärkten"

A:

- Auf Gesundheitsmärkten herrschen beträchtliche Informations--Asymmetrien

- Auf Krankenversicherungsmärkten dominiert die Risikoselektion (Morbi RSA wurde eingeführt, muss aber weiterentwickelt werden)

Motivation der Versicherten, wettbewerblich aktiv zu werden, ist stabil auf geringem Niveau (ca. 6% der Versicherten Machen vom Kassenwechsel gebrauch)

- Mitspracherecht und -Bereitschaft der Patientinnen und Patienten entwickelt sich erst langsam und nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen

- Der Wissensstand der Health Professionals entspricht häufig nicht dem aktuellen Stand der Forschung (z.B. Krebsfrüherkennung, Hormonersatztherapie)

-> gemeinsame Entscheidung von Health Professionals und Patientinnen und Patienten durchaus falsch sein kann

- Health Professionals sind häufig nicht frei von äußeren (finanziellen) Einflüssen

- Auf Expertenmärkten dominieren zahlenmäßig die Selektivverträge

-> Die Sicherstellungsaufträge der Bundesländer garantieren jedoch eine Versorgung, so dass die Selektion letztlich nicht wirken kann

- HZV und populationsbezogenen IV-Verträge scheinen positive Effekte zu zeigen: HZV -> Vermeidung von Doppeluntersuchungen/Doppelmedikation, Hausärzte behalten Überblick -> Ärzte werden Kontrolliert


Wichtig:

-aufgrund der Tatsache, dass die meisten Interventionen im Gesundheitswesen unzureichend evaluiert wurden/werden, wird es immer einen "Ermessensspielraum" (try and error) der Health Professionals geben

- in vielen Gesundheitssystemen der Industriestaaten ist eine beträchtliche Überversorgung festzustellen, die primär durch Wettbewerb und finanzielle Anreize verursacht wird

- finanzielle Leistungsanreize fördern Leistungserbringung - was es bräuchte wären Anreize zur "Nicht-Leistung"

Q:

Was versteht man unter Medikalisierung?

A:

Medikalisierung bedeutet, dass menschliche Lebenserfahrungen und Lebensbereiche in den Fokus medizinischer Forschung und Verantwortung rücken, die vorher außerhalb der Medizin standen. Durch Diagnostik und Therapie werden neue gesundheitliche Probleme geschaffen, für deren Beseitigung sich die Medizin für zuständig erklärt. Es gibt zwei wesentliche Aspekte der Medikalisierung: 

Normierung (Festlegung von Grenzwerten durch Mediziner) und Stigmatisierung („Krankmachung“ normaler Zustände). Die Medikalisierung ist so „erfolgreich“ weil Ärzte behandeln wollen und Patienten behandelt werden wollen.

Beispiele sind:

Pathologisierung von Befindlichkeitsstörungen, die auch von sozialen Faktoren bestimmt sind (z.B. sexuelle Unlust) und deren medizinische Behandlung.

• Der Weibliche Körper, insbesondere seine Sexualität wird durch „Wissens“-Kampagnen zu gesundheitlichen Problemen (Regularien über Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Menopause → nutzlose Hormontherapien)

• „Aufwertung“ von Befindlichkeiten zu Krankheiten, Bspw. Antriebslosigkeit und Trübsal werden ggf. als Depression diagnostiziert.

Q:

Was sind empirische Befunde für angebotsinduzierte Nachfrage und Medikalisierung auf Krankenversorgungsmärkten?

A:

1. Ärzte als Patienten

2. Small Area Variations (Regionale Unterschiede der Versorgung)

3. Hormonersatztherapie (Frauen ü70 bekommen noch Mittel zur Begleitung in der Menopause, obwohl deren Nutzen selbst IN der Menopause nur schwer gegen die Risiken abwägbar ist)

4. Kaiserschnittprävalenz (nimmt seit Jahrzehnten zu, ggf. weil besser planbar für KH – und fast nie sonntags, weil da besonders teuer für KH)


Kostenkontrolle sollte demnach bei den LeistungsANBIETERN ansetzen:

1. Keine monetären Leistungsanreize (Beispiel: Fördern DRG-Pauschalen Kaiserschnitte?)

2. Stärkere Verpflichtung (und Kontrolle) zur Weiterbildung (Sie Gynäkologie und Hormonersatztherapie)

3. Stärkere Betonung der gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared decission making)

Q:

Was sind Gründe für den Bedarf einer Steuerung?

A:

Versorgungsqualität

- Über-, Unter- und Fehlversorgung

- Versorgungsvariation (regional und nach Bevölkerungsgruppen, wie Ärzte als Bezieher ärztlicher Leistungen)


Mögliche Hebel zur Steuerung


-Ansätze der Nachfragesteuerung

-> Zuzahlungen

-> Bonusprogramme


-Ansätze der Angebotssteuerung

-> Mindestmengenregelung

-> Kapazitätsplanung

Q:

Erläutere die Bedeutung von Unsicherheit / Moral Hazard in der "Geschichte" der Gesundheitsökonomik

A:

Arrow u.a. plädieren für die Einführung bzw. Beibehaltung der
Krankenversicherungspflicht, um die negativen Auswirkungen des Marktversagens
(fehlende Krankenversicherung führt zur Unterversorgung bzw. Überschuldung) zu
reduzieren


• Andere Gesundheitsökonomen (z.B. Pauly) weisen auf zwei negative Aspekte der
Krankenversicherung hin (moralisches Risiko)
• Patienten würden mehr Leistungen in Anspruch nehmen, als sie tatsächlich
benötigen.
• Versicherten fehle zudem jeglicher Anreiz zu „gesundheitsbewusstem Verhalten“, da
sie die finanziellen Folgen des Verhalten nicht tragen müssten

Q:

Diskutiere "die morbiditätsabhängige Kostenentwicklung bei steigender Lebenserwartung"

A:

- Die Menschen werden nicht nur älter, sondern dies auch in einem besseren Gesundheitszustand

- die wesentlichen Gesundheitskosten werden im letzten Lebensjahr verursacht, unabhängig vom Sterbezeitpunkt

- Dies bedeutet, dass die zunehmende Lebenserwartung sich nicht kostensteigernd auswirkt!

- Nach wie vor wird die Bedeutung der Prävention unterschätzt und die Bedeutung der Medizin für die Lebenserwartung der Bevölkerung überschätzt

- Eine nachfrage-, d.h. krankheitsbedingte Ausgabensteigerung ist daher nicht zu erwarten

- wahrscheinlicher sind Ausgabensteigerungen durch die Angebotsseite

Q:

Was können Gründe für "Marktversagen" im Gesundheitswesen sein

A:

- Informationsasymmetrien (Prinzipal-Agent-Beziehung; Studien zeigen, dass Ärzte und Juristen deutlich seltener operiert werden als der Rest der Bevölkerung - vermutlich, weil die Info-Asymmetrie zw. Behandler und Patient kleiner ist; führt ansonsten grundsätzl. zu Überversorgung -> Leistungserbringer nutzen ihren Informationsvorsprung aus (um vorwiegend ökonomische) Interessen zu verfolgen (Angebotsinduzierte Nachfrage-> Medikalisierung)

- Externe Effekte: Positiv: Schutzimpfungen, Hygienemaßnahmen, "Nichtmarktteilnehmer" profitieren bspw. von Herdenimmunität;
Patienten profitieren von früheren Patienten, an denen ihr Arzt seine Erfahrung und sein Wissen gesammelt hat

negativ: Umweltverschmutzung zum eigenen Nutzen, aber zu Lasten der Gesellschaft 

- öffentliche Güter (Grundversorgung: Luftreinhaltung, Verkehrsberuhigung, Wasserversorgung)

- Zwang zum Konsum ("Wer krank ist, kann nicht auf Behandlung verzichten")

Verteilungsungerechtigkeiten (Zugangshürden zur Versorgung, sozialökonomischer Status, etc.)

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