Einführung In Die Politikethnologie at Albert-Ludwigs-Universität Freiburg | Flashcards & Summaries

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Lernmaterialien für Einführung in die Politikethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

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TESTE DEIN WISSEN

Aussteigen oder Aufbegehren?

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TESTE DEIN WISSEN

- Voice und Exit: Konzepte Albert Hirschmans (1915-2012) zur Erklärung typischen Verhaltens in Organisationen.
-> Mitglieder einer Organisation können auf zwei unterschiedliche Arten reagieren, wenn die Leistungen der Organisation ihnen nicht mehr genügen: Exit (Verlassen der Organisation) oder Voice (Aufbegehren und Anregung von Veränderungen)
-> Je leichter der Ausstieg, desto weniger stark werden Mitglieder Kritik als Mittel wählen; je mehr Kritikmöglichkeiten ihnen offen stehen, desto weniger leicht werden sie die Gruppe verlassen
-> Loyalität zu einer Organisation steht in Wechselwirkung mit beiden Möglichkeiten. Hohe Loyalität kann Ausstieg verhindern und Voice wichtiger machen; das Gefühl, keine Stimme zu finden, verringert die Loyalität und macht Exit wahrscheinlicher.
- Das Begriffspaar eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit, nach außen die Gründe des Entstehens eines sozialen Bewegung zu analysieren und sie nach innen zu beschreiben.
- Gründe der Loyalität können vielfältig sein: zweckrational, wertrational, identitär, aufgrund von Gemeinschaftserfahrungen... Stets aber Spannung zwischen Loyalität und Individualität (niemand geht vollständig auf in sozialen Bewegungen).


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TESTE DEIN WISSEN

Was sind Bedingungen von Herrschaftslosigkeit? J. J. Rousseau: & Parallele mit Woodburn und Popitz


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TESTE DEIN WISSEN

- Ethnologische Begründung einer These J.J. Rousseaus (Herrschaft beginnt mit Eigentum):

"Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und dreist sagte: 'Das ist mein' und so einfältige Leute fand, die das glaubten, wurde zum wahren Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wieviele Verbrechen, Kriege, Morde, Leiden und Schrecken würde einer dem Menschengeschlecht erspart haben, hätte er die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinesgleichen zugerufen: 'Hört ja nicht auf diesen Betrüger. Ihr seid alle verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde keinem.'"
- Rousseau wie Woodburn verknüpfen die Verfügung über wirtschaftliche Ressourcen mit der Entstehung von Herrschaft.
- Parallele bei Popitz: Ressourcen verleihen Druckmittel, Organisationsfähigkeit, Interesse an Machtausübung und Gefühl der Legitimität.
- Ob jede Herrschaft an wirtschaftlichen Ressourcen ansetzt, ist fraglich; Solidarität, Gemeinschaftsgefühl, Charisma, eingeübte Hierarchien lassen sich nicht immer auf Eigentumsverhältnisse zurückführen.
- Umgekehrt birgt aber jede wirtschaftliche Ungleichheit einen Keim der Herrschaftsentstehung in sich. 

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TESTE DEIN WISSEN

James Woodburn, „Immediate Return Societies“

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TESTE DEIN WISSEN

- Grundthese: Echte Herrschaftslosigkeit ist nur dort möglich, wo man sich der Herrschaft jederzeit entziehen kann (gibt keine Zwangsmittel; sporadische körperliche Macht führt noch nicht zu Herrschaft).
- Eine Grundbedingung dafür ist, dass der Arbeitsertrag nicht gespeichert wird, sondern sofort konsumiert („Immediate return societies“) -> nur sie sind herrschaftslos
- Wird Arbeitsertrag gespeichert („Delayed return societies“), kann jemand Verfügung darüber erhalten und so Herrschaft organisieren -> tragen den Keim der Herrschaft schon in sich
- Beispiele für die Speicherung von Arbeitsertrag:
-> Fallenbau, Bootsbau, Netzherstellung (Jagdmittel, die aufwändig herzustellen sind)
-> Land- oder Jagdrechte
-> Vorratshaltung
- Herrschaft ist für Woodburn also an Eigentum geknüpft, das es ermöglicht, Menschen belohnen und zu bestrafen (Teilhabe oder Entzug) und somit unfrei zu machen. Sich Herrschaft zu entziehen bedeutet Verlust.
- Nicht alle Wildbeutergesellschaften sind deshalb für ihn egalitär.


- Rousseau: verknüpft Verfügung über wirtschafltiche Ressourcen mit der Entstehung von Herrschaft
- Erklärung Woodburns fürs Mitmachen: Menschen hätten selbst einen Verlust gehabt, wenn sie sich dieser durch Eigentum begründezen Herrschaft entzogen hätten.
- Popitz: Ressourcen verleihen Druckmittel
<-> ob jede Herrschaft an wirtschaftlichen Ressourcen anknüpft: fraglich (auch Herrschaft aufgrund von Verwandtschaft, Geschlechterverhältnisse
<-> aber: jede wirtschaftliche Ungleichheit birgt einen Keim der Herrschaftsentstehung in sich
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TESTE DEIN WISSEN

Patron-Klient-Beziehungen


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- Asymmetrische, aber reziproke Beziehung zwischen Mächtigerem (Patron*in) und weniger Mächtigem (Klient*in).
- Patron*in bringt den Klient*innen gegenüber Leistungen und erhält dafür politische Unterstützung (Gefolgschaft).

-> z.B.: Zugang zu staatlichen Jobs oder Zugang zu Infrastruktur gegen Unterstützung bei der Wahl
- Dauerhafte, aber prinzipiell freiwillige Beziehung: die Klient*innen können jederzeit die/ den Patron*in wechseln.
- Zwischen ‚Macht‘ und ‚Herrschaft‘: dauerhaft und institutionalisiert, aber ohne Befehlsgewalt.
- Oft in mehreren Ebenen: Patron*innen sind ihrerseits Klient*innen mächtigerer Patron*innen -> komplexeres Gefüge, hierarchisch organisiert, großflächig (altes Rom)
- Patronagesystem wird oft ein wichtiges Element sozialer Organisation und organisiert den Zugang zu Ressourcen.


- Kann in jeder Gesellschaft existieren, gleich wie sonst die politische Macht organisiert ist.
-> gibt aber auch Gesellschaften, in denen die vorwiegende Herrschaftsform das Patronagesystem ist

-> halbwegs institutionalisierte, dauerhafte Form, die in einen ständigen Austausch eingebunden ist

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TESTE DEIN WISSEN
Definition Max Weber
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TESTE DEIN WISSEN
Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung, sei es zwischen Staaten, sei es innerhalb eines Staates zwischen den Menschengruppen, die er umschließt.
zusätzlich: Gruppenelemente, soziologische Sicht
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TESTE DEIN WISSEN

Max Webers Begriffe des Handelns, des sozialen Handelns und der Soziologie

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1) Handeln = Grundzug des Menschen
- Menschen verhalten sich nicht nur, sondern handeln (im Vergleich zu Tieren). Das bedeutet: Ihr Verhalten hat einen subjektiv gemeinten Sinn, eine Intention, ein frei wählbares Ziel
- Im Handeln erhalten wir einen Bezug zur Welt - und prägen sie gleichzeitig. Unser Handeln geht aus von der Welt, wie sie ist, und verändert sie.
2) Soziales Handeln bezieht andere Menschen in den Handlungsentwurf mit ein; das Handeln ist auf andere bezogen und rechnet mit ihren Handlungen.
3) Die Soziologie soll am Handeln von Menschen ansetzen und zeigen, wie sich von menschlichen Handlungen aus die soziale Welt aufbaut (um die Gesellschaft zu verstehen). Ausgangspunkt: soziales Handeln des Individuum. Objektive Realität - Institutionen als Rahmen des Handeln - sie gibt es aber nur aufgrund menschlichen Handelns.
- Dabei will sie Handeln unter Einbezug der Intention verstehen, nicht allein von außen erklären (Verhalten von Menschen erklären vs. verstehen).
  


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TESTE DEIN WISSEN

Max Webers Grundzüge der Politik (+ Wertfreiheit und Idealtypen)

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1) Politiksoziologie ist die empirische (nicht-normative) Untersuchung von Machtverhältnissen (nicht Ordnung).
- Diese Machtverhältnisse sind nicht rein individuell und zufällig, sondern haben eine erkennbare Struktur; sie sind gesellschaftlich (untersucht Ordnung von Machtverhältnissen)
2) Kultur, Normen und Ideale spielen für Macht eine wichtige Rolle, aber die Sozialwissenschaften sollen sie möglichst wertfrei untersuchen.
- Ziel der Sozialwissenschaften ist es, die Konsequenzen bestimmter politischer Entscheidungen aufzuzeigen – nicht, die Entscheidungen zu treffen (oder Empfehlungen geben - Urteil über Richtigkeit auf Normen bezogen - politische neutrale und wertfreie Wissenschaft).
3) Ein Mittel dazu, die Realität strukturiert zu beschreiben, sind Idealtypen: Abstraktionen, die sich sehr selten in der Realität finden, aber den Vergleich unterschiedlicher Realtypen erlauben (Erkenntnisgewinn nur durch Reduzierung der Komplexität).


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TESTE DEIN WISSEN
Definition Machiavelli
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TESTE DEIN WISSEN
Politik ist die Summe aller Mittel, die nötig sind, um zur Macht zu gelangen und sich an der Macht zu halten.
aber: Was soll man machen, wenn man die Macht hat? Keine inhaltliche Ziele, sondern Kampf und Konflikt um Macht
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2 Herangehensweisen an Politik:


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TESTE DEIN WISSEN

- strukturell: Betrachtung etwa von

1. Gesellschaftsstruktur (Normensystem), Radcliffe-Brown, Vergleichende Verfassungslehre
2. Diskurs (Wissenssystem), Foucault

3. den "Spielregeln"
- praxisorientiert: Betrachtung von

1. Alltagshandeln

2. Abweichungen, Widerstand

3. Dem "Spielen"


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TESTE DEIN WISSEN

Begriff der Macht (4 Grundformen)

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TESTE DEIN WISSEN

-> geht von Webers Grundbegriff der Macht aus, findet ihn aber nicht differenziert genug


Vier anthropologische Grundformen der Macht:
1) Aktionsmacht 

„Verletzungsmacht“; punktuell und sporadisch, immer wieder neu zu erringen (z.B. ein Raubüberfall).
2) Instrumentelle Macht 

Basiert auf glaubhafter Ankündigung von Belohnung und Strafen. Dauerhafter, macht den Übermächtigten zum Instrument des Mächtigen (z.B. das Verbot des Schwarzfahrens).
3) Autoritative Macht
Basiert auf Orientierungsbedürftigkeit. Verändert Orientierungen, Normen, Werte und bringt so zum Folgen ohne Kontrolle (z.B. Respekt vor dem Eigentum).
4) Datensetzende Macht
Basiert auf der Beständigkeit von Objekten und technischen Lösungen (z.B. das Errichten einer Mauer). 


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TESTE DEIN WISSEN

Egalitäre Gesellschaften: Beispiel Wildbeuter (Jäger/Sammlerinnen) - Wirtschaft - Soziale Organisation

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TESTE DEIN WISSEN

- Wirtschaft:
-> Lebensunterhalt gründet auf nicht domestizierten Pflanzen und Tieren; Arbeit wird nur zum Jagen/ Sammeln und zur Zubereitung aufgewandt, nicht für ihre Erzeugung
-> Keine längerfristige Vorratshaltung
-> Geringes Maß an Arbeitsteilung; jedoch Arbeitsteilung nach Geschlechtern und Alter
-> Kein individueller Landbesitz, aber teilweise Land- und Wasserrechte Gruppen zugeordnet und vererbbar
-> Starke Verpflichtung zum Teilen von gewissen Anteilen der Beute, aber keine zentrale Redistribution

- Soziale Organisation:
-> Niedrige Bevölkerungsdichte
-> ‚Horde‘ (engl. Band); meist weniger als 50 Mitglieder.
-> Hohe kollektive und individuelle Mobilität; Mitgliedschaft in der Horde veränderlich
-> Akephal und weitgehend egalitär. Keine formalisierte Herrschaft, aber Abstufungen von Macht und Einfluss
-> Verwandtschaft als wichtigstes Element sozialer Organisation.
-> Auch Religion auf Haushaltsebene organisiert; dazu Spezialisten (etwa Heiler oder Schamanen), die aber nicht professionell sind


- Insgesamt: Teilen statt Akkumulation; weitgehende Gleichheit statt Hierarchie

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TESTE DEIN WISSEN

anthropologischer Ausgangspunkt

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TESTE DEIN WISSEN

Mensch kann verletzt werden, Angst vor dem Verletztwerden und Sorge vor Schaden sind nicht aus der Gesellschaft wegzudenken, heißt nicht, dass Mensch anderen immer etwas antut, aber dass er es kann und sich daher schützen muss


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Beispielhafte Karteikarten für deinen Einführung in die Politikethnologie Kurs an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - von Kommilitonen auf StudySmarter erstellt!

Q:

Aussteigen oder Aufbegehren?

A:

- Voice und Exit: Konzepte Albert Hirschmans (1915-2012) zur Erklärung typischen Verhaltens in Organisationen.
-> Mitglieder einer Organisation können auf zwei unterschiedliche Arten reagieren, wenn die Leistungen der Organisation ihnen nicht mehr genügen: Exit (Verlassen der Organisation) oder Voice (Aufbegehren und Anregung von Veränderungen)
-> Je leichter der Ausstieg, desto weniger stark werden Mitglieder Kritik als Mittel wählen; je mehr Kritikmöglichkeiten ihnen offen stehen, desto weniger leicht werden sie die Gruppe verlassen
-> Loyalität zu einer Organisation steht in Wechselwirkung mit beiden Möglichkeiten. Hohe Loyalität kann Ausstieg verhindern und Voice wichtiger machen; das Gefühl, keine Stimme zu finden, verringert die Loyalität und macht Exit wahrscheinlicher.
- Das Begriffspaar eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit, nach außen die Gründe des Entstehens eines sozialen Bewegung zu analysieren und sie nach innen zu beschreiben.
- Gründe der Loyalität können vielfältig sein: zweckrational, wertrational, identitär, aufgrund von Gemeinschaftserfahrungen... Stets aber Spannung zwischen Loyalität und Individualität (niemand geht vollständig auf in sozialen Bewegungen).


Q:

Was sind Bedingungen von Herrschaftslosigkeit? J. J. Rousseau: & Parallele mit Woodburn und Popitz


A:

- Ethnologische Begründung einer These J.J. Rousseaus (Herrschaft beginnt mit Eigentum):

"Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und dreist sagte: 'Das ist mein' und so einfältige Leute fand, die das glaubten, wurde zum wahren Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wieviele Verbrechen, Kriege, Morde, Leiden und Schrecken würde einer dem Menschengeschlecht erspart haben, hätte er die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinesgleichen zugerufen: 'Hört ja nicht auf diesen Betrüger. Ihr seid alle verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde keinem.'"
- Rousseau wie Woodburn verknüpfen die Verfügung über wirtschaftliche Ressourcen mit der Entstehung von Herrschaft.
- Parallele bei Popitz: Ressourcen verleihen Druckmittel, Organisationsfähigkeit, Interesse an Machtausübung und Gefühl der Legitimität.
- Ob jede Herrschaft an wirtschaftlichen Ressourcen ansetzt, ist fraglich; Solidarität, Gemeinschaftsgefühl, Charisma, eingeübte Hierarchien lassen sich nicht immer auf Eigentumsverhältnisse zurückführen.
- Umgekehrt birgt aber jede wirtschaftliche Ungleichheit einen Keim der Herrschaftsentstehung in sich. 

Q:

James Woodburn, „Immediate Return Societies“

A:

- Grundthese: Echte Herrschaftslosigkeit ist nur dort möglich, wo man sich der Herrschaft jederzeit entziehen kann (gibt keine Zwangsmittel; sporadische körperliche Macht führt noch nicht zu Herrschaft).
- Eine Grundbedingung dafür ist, dass der Arbeitsertrag nicht gespeichert wird, sondern sofort konsumiert („Immediate return societies“) -> nur sie sind herrschaftslos
- Wird Arbeitsertrag gespeichert („Delayed return societies“), kann jemand Verfügung darüber erhalten und so Herrschaft organisieren -> tragen den Keim der Herrschaft schon in sich
- Beispiele für die Speicherung von Arbeitsertrag:
-> Fallenbau, Bootsbau, Netzherstellung (Jagdmittel, die aufwändig herzustellen sind)
-> Land- oder Jagdrechte
-> Vorratshaltung
- Herrschaft ist für Woodburn also an Eigentum geknüpft, das es ermöglicht, Menschen belohnen und zu bestrafen (Teilhabe oder Entzug) und somit unfrei zu machen. Sich Herrschaft zu entziehen bedeutet Verlust.
- Nicht alle Wildbeutergesellschaften sind deshalb für ihn egalitär.


- Rousseau: verknüpft Verfügung über wirtschafltiche Ressourcen mit der Entstehung von Herrschaft
- Erklärung Woodburns fürs Mitmachen: Menschen hätten selbst einen Verlust gehabt, wenn sie sich dieser durch Eigentum begründezen Herrschaft entzogen hätten.
- Popitz: Ressourcen verleihen Druckmittel
<-> ob jede Herrschaft an wirtschaftlichen Ressourcen anknüpft: fraglich (auch Herrschaft aufgrund von Verwandtschaft, Geschlechterverhältnisse
<-> aber: jede wirtschaftliche Ungleichheit birgt einen Keim der Herrschaftsentstehung in sich
Q:

Patron-Klient-Beziehungen


A:

- Asymmetrische, aber reziproke Beziehung zwischen Mächtigerem (Patron*in) und weniger Mächtigem (Klient*in).
- Patron*in bringt den Klient*innen gegenüber Leistungen und erhält dafür politische Unterstützung (Gefolgschaft).

-> z.B.: Zugang zu staatlichen Jobs oder Zugang zu Infrastruktur gegen Unterstützung bei der Wahl
- Dauerhafte, aber prinzipiell freiwillige Beziehung: die Klient*innen können jederzeit die/ den Patron*in wechseln.
- Zwischen ‚Macht‘ und ‚Herrschaft‘: dauerhaft und institutionalisiert, aber ohne Befehlsgewalt.
- Oft in mehreren Ebenen: Patron*innen sind ihrerseits Klient*innen mächtigerer Patron*innen -> komplexeres Gefüge, hierarchisch organisiert, großflächig (altes Rom)
- Patronagesystem wird oft ein wichtiges Element sozialer Organisation und organisiert den Zugang zu Ressourcen.


- Kann in jeder Gesellschaft existieren, gleich wie sonst die politische Macht organisiert ist.
-> gibt aber auch Gesellschaften, in denen die vorwiegende Herrschaftsform das Patronagesystem ist

-> halbwegs institutionalisierte, dauerhafte Form, die in einen ständigen Austausch eingebunden ist

Q:
Definition Max Weber
A:
Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung, sei es zwischen Staaten, sei es innerhalb eines Staates zwischen den Menschengruppen, die er umschließt.
zusätzlich: Gruppenelemente, soziologische Sicht
Mehr Karteikarten anzeigen
Q:

Max Webers Begriffe des Handelns, des sozialen Handelns und der Soziologie

A:

1) Handeln = Grundzug des Menschen
- Menschen verhalten sich nicht nur, sondern handeln (im Vergleich zu Tieren). Das bedeutet: Ihr Verhalten hat einen subjektiv gemeinten Sinn, eine Intention, ein frei wählbares Ziel
- Im Handeln erhalten wir einen Bezug zur Welt - und prägen sie gleichzeitig. Unser Handeln geht aus von der Welt, wie sie ist, und verändert sie.
2) Soziales Handeln bezieht andere Menschen in den Handlungsentwurf mit ein; das Handeln ist auf andere bezogen und rechnet mit ihren Handlungen.
3) Die Soziologie soll am Handeln von Menschen ansetzen und zeigen, wie sich von menschlichen Handlungen aus die soziale Welt aufbaut (um die Gesellschaft zu verstehen). Ausgangspunkt: soziales Handeln des Individuum. Objektive Realität - Institutionen als Rahmen des Handeln - sie gibt es aber nur aufgrund menschlichen Handelns.
- Dabei will sie Handeln unter Einbezug der Intention verstehen, nicht allein von außen erklären (Verhalten von Menschen erklären vs. verstehen).
  


Q:

Max Webers Grundzüge der Politik (+ Wertfreiheit und Idealtypen)

A:

1) Politiksoziologie ist die empirische (nicht-normative) Untersuchung von Machtverhältnissen (nicht Ordnung).
- Diese Machtverhältnisse sind nicht rein individuell und zufällig, sondern haben eine erkennbare Struktur; sie sind gesellschaftlich (untersucht Ordnung von Machtverhältnissen)
2) Kultur, Normen und Ideale spielen für Macht eine wichtige Rolle, aber die Sozialwissenschaften sollen sie möglichst wertfrei untersuchen.
- Ziel der Sozialwissenschaften ist es, die Konsequenzen bestimmter politischer Entscheidungen aufzuzeigen – nicht, die Entscheidungen zu treffen (oder Empfehlungen geben - Urteil über Richtigkeit auf Normen bezogen - politische neutrale und wertfreie Wissenschaft).
3) Ein Mittel dazu, die Realität strukturiert zu beschreiben, sind Idealtypen: Abstraktionen, die sich sehr selten in der Realität finden, aber den Vergleich unterschiedlicher Realtypen erlauben (Erkenntnisgewinn nur durch Reduzierung der Komplexität).


Q:
Definition Machiavelli
A:
Politik ist die Summe aller Mittel, die nötig sind, um zur Macht zu gelangen und sich an der Macht zu halten.
aber: Was soll man machen, wenn man die Macht hat? Keine inhaltliche Ziele, sondern Kampf und Konflikt um Macht
Q:

2 Herangehensweisen an Politik:


A:

- strukturell: Betrachtung etwa von

1. Gesellschaftsstruktur (Normensystem), Radcliffe-Brown, Vergleichende Verfassungslehre
2. Diskurs (Wissenssystem), Foucault

3. den "Spielregeln"
- praxisorientiert: Betrachtung von

1. Alltagshandeln

2. Abweichungen, Widerstand

3. Dem "Spielen"


Q:

Begriff der Macht (4 Grundformen)

A:

-> geht von Webers Grundbegriff der Macht aus, findet ihn aber nicht differenziert genug


Vier anthropologische Grundformen der Macht:
1) Aktionsmacht 

„Verletzungsmacht“; punktuell und sporadisch, immer wieder neu zu erringen (z.B. ein Raubüberfall).
2) Instrumentelle Macht 

Basiert auf glaubhafter Ankündigung von Belohnung und Strafen. Dauerhafter, macht den Übermächtigten zum Instrument des Mächtigen (z.B. das Verbot des Schwarzfahrens).
3) Autoritative Macht
Basiert auf Orientierungsbedürftigkeit. Verändert Orientierungen, Normen, Werte und bringt so zum Folgen ohne Kontrolle (z.B. Respekt vor dem Eigentum).
4) Datensetzende Macht
Basiert auf der Beständigkeit von Objekten und technischen Lösungen (z.B. das Errichten einer Mauer). 


Q:

Egalitäre Gesellschaften: Beispiel Wildbeuter (Jäger/Sammlerinnen) - Wirtschaft - Soziale Organisation

A:

- Wirtschaft:
-> Lebensunterhalt gründet auf nicht domestizierten Pflanzen und Tieren; Arbeit wird nur zum Jagen/ Sammeln und zur Zubereitung aufgewandt, nicht für ihre Erzeugung
-> Keine längerfristige Vorratshaltung
-> Geringes Maß an Arbeitsteilung; jedoch Arbeitsteilung nach Geschlechtern und Alter
-> Kein individueller Landbesitz, aber teilweise Land- und Wasserrechte Gruppen zugeordnet und vererbbar
-> Starke Verpflichtung zum Teilen von gewissen Anteilen der Beute, aber keine zentrale Redistribution

- Soziale Organisation:
-> Niedrige Bevölkerungsdichte
-> ‚Horde‘ (engl. Band); meist weniger als 50 Mitglieder.
-> Hohe kollektive und individuelle Mobilität; Mitgliedschaft in der Horde veränderlich
-> Akephal und weitgehend egalitär. Keine formalisierte Herrschaft, aber Abstufungen von Macht und Einfluss
-> Verwandtschaft als wichtigstes Element sozialer Organisation.
-> Auch Religion auf Haushaltsebene organisiert; dazu Spezialisten (etwa Heiler oder Schamanen), die aber nicht professionell sind


- Insgesamt: Teilen statt Akkumulation; weitgehende Gleichheit statt Hierarchie

Q:

anthropologischer Ausgangspunkt

A:

Mensch kann verletzt werden, Angst vor dem Verletztwerden und Sorge vor Schaden sind nicht aus der Gesellschaft wegzudenken, heißt nicht, dass Mensch anderen immer etwas antut, aber dass er es kann und sich daher schützen muss


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